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Gliederung:
1. Die Quellen der Unfreiheit
1.1 Sklaven aus eroberten Gebieten
1.2 Das Schuldrecht
1.3 Die „patria potestas“
1.4 Versklavung durch Eigentumsdelikte
1.5 Die Ausbeutungen durch römische Statthalter und Steuerpächter
1.6 In die Sklaverei geboren
2. Definition der Sklaverei
3. Umfang und Verwendung der Sklaven im Imperium Romanum
4. Der Komödiendichter Plautus
4.1 Inhaltsangabe
4.2 Die Art und Weise der Darstellung von Sklaven
4.3 Die Komödie Mostellaria
4.4 Die zeitliche Einordnung
4.4.1 Vor der Zeit des Plautus
Langsam ansteigende Sklavenzahlen
4.4.2 Während der Zeit des Plautus
Explosives Ansteigen der Sklavenzahlen sowie erste Aufstände
5. Der Philosoph Seneca
5.1 Die „Epistulae morales ad Lucilium“
5.2 Die zeitliche Einordnung
5.2.1 Vor der Zeit des Seneca
Ursachen für die Aufstände
Der 1. Sizilianische Sklavenkrieg
Der 2. Sizilianische Sklavenkrieg
Der Aufstand des Spartakus
5.2.2 Während der Zeit des Seneca
5.2.3 Nach der Zeit des Seneca
5.3 Die Art und Weise der Darstellung von Sklaven nach Seneca
5.3.1 Freie und Unfreie als determinierte Wesen
5.3.2 Die stoische Sichtweise des Seneca
5.3.3 Verbesserungsvorschläge im Alltag
5.3.4 Freie als Sklaven ihrer Laster
5.3.5 Die richtige Einstellung zwischen Sklaven und Herren
6. Der Vergleich der Sichtweisen von Plautus und Seneca
7. Auswirkungen auf die Neuzeit
8. Literaturverzeichnis
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1. Die Quellen der Unfreiheit in Rom
1.1 Sklaven aus eroberten Gebieten
Im Folgenden werden die verschiedenen Arten, wie Menschen im römischen Geltungsbereich in die Sklaverei gerieten, beschrieben. Der Legende nach wurde Rom im Jahr 753 v. Chr. durch Romulus gegründet, wobei die Gesellschaft anfangs klassenlos war. Aus Mangel an Bürgern wurde die Stadt zum Asyl erklärt. „Und damit war die Bahn frei für Heimatlose und Flüchtlinge, aber auch für Verbrecher und entlaufene Sklaven (…)“ (Carl W. Weber 1981 S.228). Diesen wurde zugesichert, dass sie nicht den Behörden ausgeliefert würden und somit wurden sie zu freien Bürgern. „Als städtisches Zentrum war Rom eine Gründung der Etrusker (…)“ (Carl W. Weber 1981 S.230) und somit wurde vermutlich die etruskische Klassengesellschaft übernommen, womit allgemein die Einteilung in Freie und Unfreie erfolgte (vgl. Carl W. Weber 1981 S.230). Die ehemaligen Zuflucht suchenden Sklaven wurden von Unterdrückten zu Unterdrückern. Die Dimensionen der Sklaverei waren jedoch z.B. keineswegs mit Athen vergleichbar, da in Rom hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde, der Bedarf an Sklaven also zunächst gering war und sich die römischen Expansionen im Anfangsstadium befanden (vgl. Carl W. Weber 1981 S.231). Das Geschäft mit der Sklaverei intensivierte sich erst im Verlauf des 4 Jahrhunderts v. Chr., als erste größere Transaktion gilt im Jahr 346 v. Chr. die Versklavung von viertausend Einwohnern der Stadt Satricum. Allgemein gilt: „Je weiter Rom expandierte, je mehr Völker gewaltsam unterworfen wurden, umso größer war die „menschliche Beute“, die Rom unter das Joch der Sklaverei zwang“ (Carl W. Weber 1981 S.238).
1.2 Das Schuldrecht
Eine weitere Quelle der Unfreiheit neben den aus den Kriegen stammenden Sklaven ist das Schuldrecht. 450 v. Chr. wurde das Zwölftafelgesetz in Rom verabschiedet, in dem das Schuldrecht verankert war: Wenn der Anspruch des Gläubigers gerichtlich nachgewiesen worden war, wurde dem Schuldner eine Frist von dreißig Tagen eingeräumt, in der das Geschuldete zurückzuzahlen war. Nach Ablauf dieser Frist durfte der Gläubiger den Schuldner maximal sechzig Tage in Gefangenschaft halten. Während dieser Zeit konnten Freunde und Angehörige die Schuld begleichen. War auch diese Frist abgelaufen, war der Schuldner ohne Verfügungsgewalt über sich selbst, der Gläubiger konnte nach Belieben mit diesem verfahren (vgl. Carl W. Weber 1981 S.233).
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1.3 Die „patria potestas“
Eine weitere Möglichkeit unfrei zu werden war dem Familienoberhaupt durch die „patria potestas“, die ebenfalls in dem Zwölftafelgesetz enthalten war, gegeben. „Sie räumte dem Vater eine absolute, auch vom Staat nicht eingeschränkte Verfügungsgewalt über seine Kinder ein, bis hin zur Tötung und eben auch zum Verkauf in die Sklaverei“ (Carl W. Weber 1981 S.234). Dieses Verfahren konnte auch auf erwachsene Kinder angewandt werden.
1.4 Versklavung durch Eigentumsdelikte
Ebenfalls konnte man durch Eigentumsdelikte in die Sklaverei gelangen: Wurde man bei einem Diebstahl erwischt, wurde man zunächst gegeißelt, anschließend „dem Bestohlenen als Sklave zugesprochen“ (Carl W. Weber 1981 S.236).
1.5 Die Ausbeutungen durch römische Statthalter und Steuerpächter
Viele Menschen wurden ebenfalls von römischen Statthaltern versklavt, wie z.B. in den „Reden gegen Verres“ von Cicero deutlich wird (Carl W. Weber 1981 S.242). Ebenso verhielt es sich mit den römischen Steuerpächtern, die die Einwohner schonungslos ausbeuteten. „Wenn kein Geld und keine Wertsachen mehr zu holen waren, dann hielten sich die Kapitalisten an die Menschen selbst“ (Carl W. Weber 1981 S. 243). Im 1. Jahrhundert v. Chr. kam es zudem dazu, dass Provinzbehörden teilweise mit dem zunehmenden Piratenwesen zusammenarbeiteten, somit wurden tausende Reisende bis 67 v. Chr. versklavt (Carl W. Weber 1981 S.244).
1.6 In die Sklaverei geboren
Eine weitere Quelle der Sklaverei war, dass man in die Sklaverei geboren wurde. Diese sog. „vernae“ stellten für ihre Herren einen Zuwachs für ihr Vermögen dar, da sie ebenfalls Eigentum der Herren wurden und deshalb wurde der Beischlaf zwischen Sklaven gegen ein Entgelt gestattet. Teilweise gab es sogar ein „Prämiensystem zur Belohnung besonders gebärfreudiger Sklavinnen“ (Carl W. Weber 1981 S. 245). Zudem waren haus- geborene Sklaven dem Herrn in der Regel treuer als Kaufsklaven.
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2. Definition des Begriffs Sklaverei
„Sklaverei, ein (meist rechtlich geregeltes) soziales Unterordnungsverhältnis, in dem Sklaven zur Erbringung von Arbeitsleistungen verwendet werden. Die Sklaverei ist eine Erscheinung, die sich in verschiedenen Gebieten der Erde selbstständig ausgebildet hat. Nach verbreiterter Ansicht entstand sie, als der Brauch, im Krieg die Besiegten ausnahmslos zu töten, aufgegeben wurde. (…)“ (Brockhaus Enzyklopädie siebzehnter Band 1973 S.489)
3. Umfang und Verwendung der Sklaven im Imperium Romanum
Die Zahl der Sklaven nahm mit dem Aufstieg Roms zur Weltmacht immer weiter zu, so dass zu Beginn der römischen Kaiserzeit die Sklaverei unentbehrlich wurde. Allein in Italien gab es bei einer Einwohnerzahl von 7,5 Millionen zwischen zwei und drei Millionen Sklaven (vgl. Heinrich Krefeld 2006/2007 S.34 u.). So wurde die Feldarbeit auf den sog. „Latifundien“ zu einer reinen Sklavendomäne (vgl. Carl W. Weber 1981 S. 249 u.). Jedoch wurde auch die unfreie Dienerschaft in Rom zum Statussymbol und eine große „familia urbana“ gehörte zum guten Ton (vgl. Carl W. Weber 1981 S.246 o.). Solche Sklaven konnten sich jedoch nur die senatorische Oberschicht und die sog. Ritter leisten. Die Preise waren sehr unterschiedlich, jedoch gab es auch Sklaven die sehr teuer waren, weswegen Cato als Zensor eine Luxussteuer auf Sklaven erhob, die mehr als 10.000 Asse kosteten (vgl. Carl W. Weber 1981 S.246 u.). Sklaven waren jedoch im 2. und 1. Jahr-hundert v.Chr. auch in handwerklichen Berufen, wie z.B. Schumacher, Schmied etc. anzutreffen. Ebenso waren griechische Gelehrte äußerst beliebt, so dass z.B. Q. Lutatius Catulus den Grammatiker Daphnis für 700.000 Sesterzen kaufte (Carl W. Weber 1981 S. 248 o.). Im Vergleich dazu kostete ein Eunuch „nur“ 500.000 Sesterzen. Ein weiterer Bereich, den Sklaven einnahmen, war das Gladiatorenwesen, es gab über 176 Amphitheatern im ganzen Reich. Die Dimension an Gladiatoren war gewaltig: So hat Kaiser Trajan innerhalb von nur vier Monaten 10.000 Unfreie in die römische Arena geschickt (vgl. Carl W. Weber 1981 S.318). Ein weiterer Faktor für weibliche Sklavinnen war die unfreie Prostitution. So gab es in Rom allein ungefähr 50 Bordelle (vgl. Carl W. Weber 1981 S.323 u.), in denen der Bordellbesitzer die Sklavinnen an Kunden vermietete. Der Beruf des Arztes wurde im römischen Reich ebenfalls von Unfreien ausgeübt, wobei dieser selbst in Rom verachtet wurde. Doch die Vertrauensbasis, die zwischen Sklaven und Herren bestanden haben musste, ist durchaus verblüffend. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass im hellenistischen Osten die Medizin viel fortschrittlicher als in Italien war (vgl.
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Carl W. Weber 1981 S. 307 o.). Zudem gab es auch sog. „Luxussklaven“, die lediglich dazu dienten, den Reichtum ihres Herren widerzuspiegeln.
4. Der Komödiendichter Plautus
Titus Maccius Plautus, der von ca. 250-184 v.Chr. lebte, war ein bedeutender Komödienschreiber. So wurden nach seinem Tod 20 Komödien überliefert (vgl. Heinrich Krefeld 2007/06 S.80 u.). Bei dem römischen Publikum hatten seine Stücke großen Anklang ge-funden (vgl. Heinrich Krefeld 2007/06 S.80 u.). Insgesamt betrachtet ähneln sich die Personen der Stücke, wobei die Komödien auf der Neuen attischen Komödie beruhen (vgl. Heinrich Krefeld 2007/06 S.81 o.): So tritt stets ein reicher, geiziger Vater in Erscheinung, sowie ein Sohn, der von seinem gerissenen Sklaven Geld beschafft bekommt, mit dem er eine Hetäre bezahlt. Die Stücke enden stets glücklich. Auch nach seinem Ableben hat Plautus viele Autoren beeinflusst: „Stark hat er auf Terenz gewirkt, aber auch auf viele Dichter des Mittelalters und der Neuzeit, so auf Shakespeare (Comedy of Errors), Moliére (L´Avare), Lessing (Der Schatz) und Kleist (Amphitryon).“ (Heinrich Krefeld 2007/06 S.82 o.) 4.1 Inhaltsangabe zu Plautus Mostellaria
Zunächst einmal findet ein Dialog zwischen Tranio (Stadtsklave) und Grumio (Landsklave) statt, aus dem ersichtlich wird, dass Theoproprides, ihr Herr, seit drei Jahren auf einer Reise ist. Grumio bezichtigt Tranio, Philolaches, den Sohn des Theopropides, mit Gelagen zu verderben. Dafür soll der Stadtsklave bei der Rückkehr des Herrn grausam bestraft werden.
Es folgt schließlich ein Monolog des Philolaches, aus dem hervorgeht, dass er seinen eigenen Lebenswandel verabscheut, was er mit der Metapher vom neu errichteten Haus verstärkt. Er erwähnt mit Wehmut seine früheren Tugenden, die er, auch durch seine Liebschaft, als verloren gegangen sieht.
In der dritten Szene tritt eine Hetäre namens Philematium zusammen mit ihrer Dienerin Scapha auf, die beide in ihrem Gespräch von Philolaches belauscht werden. Aus den Reaktionen des Philolaches wird ersichtlich, dass er in Philematium verliebt ist, die seine Gefühle zu erwidern scheint, was ihr von ihrer Dienerin aufgrund ihres Daseins als Dirne vorgeworfen wird. Die schlechte finanzielle Lage Philolaches, der auch das Vermögen seines Vaters verwendet hat, rührt von eben dieser Liebschaft. Schließlich tritt Philola- ches hervor und legt sich mit Philematium zum Essen.
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Die Tugendlosigkeit wird auch durch das Hinzutreten des Callidamates, der ein Freund des Philolaches ist, deutlich, da dieser völlig betrunken ist und seine Dirne Delphium ihn stützen muss. Es kommt nun dazu, dass Tranio, der Fische zu dem Mahl bringen sollte, bestürzt zu Philolaches zurückkehrt und ihm die Nachricht überbringt, dass Theopropides von seiner Reise zurück ist. Tranio fasst einen Plan und trägt den Anwesenden auf, sich in das Haus zu begeben und sich dort völlig ruhig zu verhalten. Theopropides kehrt schließlich zu seinem Anwesen zurück und ist völlig erstaunt darüber, dass dieses verschlossen ist, weshalb er an die Türe klopft. Tranio tritt hervor und erklärt, dass auf dem Haus eine Blutschuld lastet und deshalb alle schon vor sieben Monaten ausgezogen seien. Als nun Geräusche aus dem vermeintlich leer stehenden Gebäude kommen, tut Tranio so als wäre dies der durch die Blutschuld hervorgerufene Geist, worauf Theopropides flieht. Misarygides, ein Wucherer, dem Philolaches Geld schuldet, kommt nun zu dem tectum des Theopropides; Der pater familias hat die erfundene Geschichte des Tranio überprüft und ist gerade zu seinem Haus zurückgekehrt. Tranio versucht vergeblich den Wucherer abzuwimmeln und behauptet vor Theopropides, dass Philolaches für das geschuldete Geld ein Haus gekauft habe. Theopropides will das geschuldete Geld am nächsten Tag zahlen, hält seinen Sohn für einen guten Geschäftsmann und möchte nun auch das Gebäude besichtigen, worauf Tranio ihn zu einem Nachbarhaus führt. Der Nachbar namens Simo, der über den ausschweifenden Lebensstil und über die Schuld des Tranio Bescheid weiß, sichert diesem Stillschweigen zu und gewährt den beiden das Besichtigen, als Tranio ihm erzählt, dass Theopropides ein Haus nach dem Vorbild seines Hauses bauen lassen will. Theopropides zeigt sich begeistert über den Kauf, ist jedoch aufgrund des sehr niedrigen Preises, den Philolaches angeblich bezahlt hat, äußerst misstrauisch und will seinen Sohn sehen. Nun wird allgemein die Angst des Phaniscus, der ein Sklave des Callidamates ist, geschildert, der sich bei seinem Herrn einschmeicheln will, indem er ihn von dem Anwesen des Theopropides abholen will. Phaniscus und Pinacium, der auch ein Sklave des Callidamates ist, einigen sich anschließend darauf, gemeinsam ihren Herrn abzuholen. Theopropides öffnet die Türe und ist ver-wundert, als die Sklaven Callidamates abholen wollen. Er sagt ihnen, dass das Gebäude schon seit einigen Monaten nicht mehr bewohnt wird, worauf sie ihm, da sie ihn nicht als Vater des Philolaches erkennen von den hier stattgefundenen Gelagen erzählen und dabei den Vater des Philolaches bedauern. Theopropides trifft schließlich Simo und erfährt von ihm, als er ihn direkt auf den Häuserkauf anspricht, dass der Häuserkauf niemals stattge-funden hat, worauf Theopropides wütend wird. Tranio, den Theopropides bereits erwartet hat, soll von diesem hart bestraft werden. Nun kommt Callidamates, der von Philolaches
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geschickt wurde und bittet den Vater seines Freundes darum, Gnade walten zu lassen. Tranio erzählt die Wahrheit und Callidamates bringt Theopropides dazu, beiden zu vergeben.
4.2 Die Art und Weise der Darstellung von Sklaven
Insgesamt tritt in Plautus „Mostellaria“ eine Vielzahl von Sklaven auf. Bedeutende Personen sind dabei Grumio (Sklave vom Landgut des Theopropides), Tranio (ein Stadtsklave von Theopropides), Sphaerio (ein jüngerer Sklave von Theopropides), Phaniscus (ein Sklave des Callidamates) und Pinacium (ebenfalls ein Sklave des Callidamates). Bei dem Zwiegespräch in 1/1 zwischen Grumio und Tranio wird deutlich, dass es unter den Sklaven selbst ebenfalls Rangunterschiede gibt, da Grumio in der Küche anderen Sklaven Befehle erteilt und ihnen droht: „ego pol te ruri, si vivam, ulciscar probe.“ (Plautus in www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml Seite 2 ) („So wahr ich lebe, will ich auf dem Land Dich tüchtig strafen;“) (Walther Ludwig 1966 S.591 o.)Grumio, dem das Benehmen Tranios in der Abwesenheit ihres Herrn missfällt, kündigt in dem Streitgespräch die Strafe an, die Tranio zu erleiden haben wird: Zunächst soll er nach Meinung des Grumio in der Mühle auf dem Land arbeiten und damit seine Privilegien, die ihm bei seiner Tätigkeit in der Stadt geboten werden, verlieren. Viel erschütternder wird es, als Grumio in Folge des Gesprächs, von der bevorstehenden Hinrichtung des Tranio spricht: „O carnuficium cribrum, quod credo fore, ita te forabunt patibulatum per vias stimulis
www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml Seite 3) („Die Henker werden dich zu einem Sieb noch machen. So werden sie auf dem Weg zur Kreuzigung mit Stachelpeitschen dir den Rücken löchern,
Wenn der Alte nur zurückkommt.“) (Walther Ludwig 1966 S. 592-593) In den folgenden Szenen 1/2, 1/3, 1/4 treten die Sklaven nur am Rande auf, um ihre Herren zu bedienen, bzw. ihre Aufträge auszuführen, d.h. sie haben sich bei dem in 1/4 stattfindenden Gelage stumm in der Nähe der Herren aufzuhalten, bzw. müssen den Liegenden Getränke darreichen. Zu Beginn des zweiten Akts zeigt sich die Verzweiflung des Tranio über die Ankunft des Herrn und er macht sich Gedanken über die Grausamkeiten, die ihm möglicherweise widerfahren könnten, wobei er mit Galgenhumor um einen so genannten „plagipatida“ bittet: „ubi sunt isti plagipatidae, ferritribaces viri, vel isti qui hosticas trium nummum causa subeunt sub falas, ubi quinis aut denis hastis corpus transfigi solet?“ (Plautus in www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml S.17 ) („Wo sind jetzt die Prügelleider, wo Die Kettentreiber, wo die Leute, die für drei Groschen täg- lich gegen gegnerische Schanzen gehen, wo mancher sich mit fünfzehn Lanzenstichen
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dann den Leib durch-(bohren lässt?“) (Walther Ludwig, 1966 S.606 Z.27f.) Schließlich unterrichtet Tranio Philolaches darüber, dass der Vater heimgekehrt ist und versucht mit seiner Listigkeit den Herren zu täuschen, d.h. der Sklave versucht seinen Herren argwöhnisch zu hintergehen, wobei dadurch allgemein ausgesagt wird, dass man seinen Sklaven stets misstrauen soll. Als schlechtes Beispiel für einen Herren ist dabei Theopropides zu sehen, der seinem Sklaven blind vertraut und dadurch zum Gespött wird. Das Ausmaß der Listigkeit des Tranio zeigt sich schließlich in 2/2, als der Herr vor seiner eigenen Tür genarrt wird. Zudem wird die Scheinheiligkeit des Tranio deutlich, als er zunächst mit dem Ausspruch: „Nimio edepol ille potuit exspectatior venire, qui te nuntiaret mortuom.“ (Plautus in www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml S.21 o.) („Um vieles noch erwünschter käm uns der, fürwahr, Der deinen Tod uns meldete.“) (Walther Ludwig 1966 S.611 o.) zu sich spricht und dann den Herrn herzlichst begrüßt: „ Theopropides ere, salve, salvom te advenisse gaudeo.“ (Plautus in
www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml S.21 m.) („Sei gegrüßt, Theopropides, Mein Herr! Wie freu ich mich, gesund dich hier zu sehen!“) (Walther Ludwig 1966 S.611 m.) Doch trotz aller Frechheit, mit der Tranio seinen Herren beschwindelt, zeigt sich auch, wie nervös und ängstlich er trotzdem ist: „Perii, illisce hodie hanc conturbabunt fabulam nim is quam formido, ne manifesto hic me opprimat.“ (Plautus in www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml S.23 u.) (Oh weh! Gewiß Verderben die mir noch den ganzen Spaß; mir ist ganz bange, dass er mich auf frischer Tat ertappt.“) (Walther Ludwig 1966 S.614 o.)Als es Tranio endlich gelingt den Herrn von dem Haus zu vertreiben, muss er erneut Angst haben, da der Herr, nachdem er mit dem Mann, der ihm das Haus verkauft hat, gesprochen hat, der die Geschichte natürlich leugnet: „Ei misero mihi, metuo ne techinae meae perpetuo perierint.“ (Plautus in www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml S.25 m.) („Weh mir Armen! Mit meinen Schelmenstreichen ist´s nun wohl vorbei.“) (Walther Ludwig 1966 S.616 o.) Doch es gelingt Tranio auch weiterhin mithilfe seiner Verschlagenheit, die Lüge vom spukenden Haus aufrecht zu erhalten und auch den Wucherer Misargyrides abzuwimmeln, dadurch dass er geistesgegenwärtig noch einmal lügt, indem er behauptet, dass Philolaches ein Haus gekauft habe und sich Theopropides bereit erklärt, das Geld zurückzuzahlen. Dies bedeutet, dass der Sklave seinen Herrn nun schon zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit angelogen hat. Doch trotzdem befindet sich der Sklave auch weiterhin in einer gefährlichen Lage, da der Herr nun das besagte Haus, bei dem es sich laut Tranio um das Nachbarhaus handelt, sehen möchte .In 3/2 spricht nun Tranio mit dem Nachbarn namens
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Simo und schmeichelt sich bei diesem zunächst ein: „Hominem optimum teneo.“ (Plautus in www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml S.31 u.) („Die Hand des allerbesten Herrn Halt ich.“) (Walther Ludwig 1966 S.623 m.)Er berichtet nun auch aufrichtig von seinem Leid, das darin besteht, dass sein Herr Theopropides heimgekehrt ist, erwähnt jedoch nicht das geschuldete Geld und die Lüge, dass Philolaches Simos Haus gekauft habe. Mit der Aussage von Simo „(…) inde ferriterium, postea
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www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml S.46 o.) („Und gib mir Sklaven mit und Peitschen“) (Walther Ludwig 1966 S.639 m.)
Zu Beginn des fünften Aktes kommt es nun zum Zusammentreffen zwischen Tranio und Theopropides. Nachdem Tranio erst Theopropides darüber belauscht hat, dass Theopropides sich zunächst unwissend stellen will, versucht Tranio, selbstbewusst und ehrenhaft aufzutreten. Als Theopropides ihm jedoch die Wahrheit an den Kopf wirft, zeigt sich Tranio nach außen ebenso selbstbewusst und frech wie vorher, sogar als Theopropides droht, an ihm ein Exempel statuieren zu lassen. In der zweiten Szene des fünften Aktes tritt Callidamates als Streitschlichter auf, wobei Theopropides Tranio kreuzigen lassen will: „ego ferare faxo, ut meruisti, in crucem.“ (Plautus in
www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml S.50 u.) („Ich werde sorgen, daß man dich, wie du verdient, Ans Kreuz bringt.“) (Walther Ludwig 1966 S.644 m.)Es wird nun eine Art Gerichtsverhandlung abgehalten, wobei der Vorwurf des Vaters lautet, dass er seinen Sohn verführt habe. Callidamates jedoch verteidigt als Freund Philolaches und gibt damit Philolaches die Schuld und entlastet Tranio. Schließlich bittet Tranio seinen Herren um Verzeihung, dieser zeigt sich jedoch unnachgiebig: „Interimam hercle ego
4.3 Die Komödie Mostellaria
Man darf bei der Auswertung der Fakten jedoch nicht außer acht lassen, dass es sich um ein Theaterstück der Gattung Komödie handelt. Demzufolge ist gerade der letzte Teil des Stückes, d.h. die zweite Szene im fünften Akt doch eher unrealistisch, wenn man den zeitgeschichtlichen Hintergrund bedenkt, dass in dieser Zeit ein Sklave nicht als Mensch gesehen wurde. Dass sich ein Sklave, obwohl er bestraft werden soll, verteidigen kann und dabei noch den Herren verspottet und ungeschoren davonkommt, liegt wohl eher daran, dass sich der Theaterbesucher amüsieren soll über die Tatsache, dass ein Sklave seinen Herren derart an der Nase herumführt.
4.4 Die zeitliche Einordnung 4.4.1 Vor der Zeit des Plautus
Titus Maccius Plautus ist um 254 v.Chr. geboren. Zunächst einmal ist anzumerken, dass, dadurch dass Rom zum Asyl erklärt wurde, Unfreie Roms Aufstieg vorangetrieben haben. Die Sklavenzahlen waren in den ersten Jahrhunderten nach der Gründung Roms äußerst gering, erst
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durch die Eroberungen von Satricum, und die karthagischen Gebiete, die in dem 1. Punischen Krieg erobert wurden, nahmen die Sklavenzahlen zu (vgl. Carl W. Weber 1981 S.238).
4.4.2 Während der Zeit des Plautus
Der 2. Punische Krieg, sowie die Eroberungen von Griechenland und dem kleinasiatischen Raum sorgten dafür, dass die Zahl der Sklaven sprunghaft anstieg. Hauptsächlich in besseren Kreisen „(…) gehörte eine große familia urbana mit etlichen Sklaven bald zum guten Ton.“ (Carl W. Weber 1981 S.246) Ein Beispiel, wie unmenschlich Sklaven in dieser Zeit behandelt wurden ist Marcus Porcius Cato der Ältere. So gewährte er kein Mitleid, wenn ein Sklave seine Tätigkeit nicht mehr ausüben konnte und verkaufte ihn nach dem Amortisationsprinzip (vgl. Carl W. Weber 1981 S. 253). Zudem „(…) hetzte Cato seine Sklaven nach Möglichkeit gegeneinander auf.“(Carl W. Weber 1981 S.254) und verlangte für den Beischlaf unter Sklaven Geld. Zu Lebzeiten des Plautus begannen jedoch auch die Sklavenerhebungen. Der erste Aufstand ereignete sich 201 v. Cr. in Setia, als nach dem 2. Punischen Krieg reiche kathagische Geiseln mit vielen Unfreien gefangen genommen wurde. Diese Unfreien verschworen sich gegen ihre Herren und schickten auch Boten in andere Städte, um Anhänger für den Aufstand zu finden, jedoch wurde dieser von anderen Sklaven verraten, so dass die Sklaven von einer römischen Truppe überwältigt wurden, 2500 Verschwörer getötet und eine noch größere Anzahl inhaftiert wurde (vgl. Carl W. Weber 1981 S. 258). Ebenso gab es in Etrurien 196 v. Chr. einen Aufstand, der eine ganze Legion auf den Plan rief, um diesen zu unterdrücken. In Apulien kam es 185 v. Chr. zu einem Sklavenaufstand von unfreien Hirten,“(…) die das ganze Gebiet durch Übergriffe und räuberische Aktionen unsicher machten.“ (Carl W. Weber 1981 S.259). Dieser Aufstand hatte durch das rasche Einschreiten der Behörden allerdings ebenfalls keinen Erfolg.
5. Der Philosoph Seneca
Lucius Annaeus Seneca wurde 4 v.Chr in dem heutigen Spanien geboren, wobei er in Rom eine philosophische und rhetorische Ausbildung bekam (vgl. Heinrich Krefeld 2007/06 S.128 u.). Mit dieser begann er die cursus honorum in Rom zu durchlaufen und wurde Quästor und Senator. Er wurde unter der Herrschaft des Claudius 41 v.Chr nach Korsika verbannt und kehrte 49 n.Chr. nach Rom zurück, um die Erziehung des Nero zu übernehmen, der der Nachfolger von Claudius war (vgl. Heinrich Krefeld 2007/06 S.128 u.). 54 v.Chr., nachdem Claudius ermordet worden war, übernahm Seneca unter der Herrschaft des Nero die Verwaltung des Reiches, zog sich jedoch 62 n.Chr zurück, nachdem Nero seine Mutter tötete, wurde von Nero beschuldigt, an der Pisonischen Verschwörung teilgenommen zu haben und musste
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sich 65 n.Chr. das Leben nehmen (vgl. Heinrich Krefeld 2007/06 S.128-129). Seneca verfasste etliche Werke u.a. de brevitate vitae, de clementia, de ira und die epistulae morales ad Lucilium. Seine Werke sind von der Stoa geprägt, dessen Anhänger er war. Diese philosophische Richtung entstand um 300 v.Chr., wobei in dieser die Vernunft den höchsten Stellenwert einnimmt, alles wird vom logos durchflutet d.h. der Weise allein ist frei, kann sittlich richtig handeln, er besitzt die Tugend, ist frei von Leidenschaften (Apathie) und hat die unerschütterliche Seelenruhe (ataraxia). Dieser stoischen Lehre fühlte sich Seneca verpflichtet. 5.1 Die “Epistulae morales ad Lucilium”
Die „Epistulae morales ad Lucilium“ sind eine Sammlung von 124 Briefen, die der römische Dichter und Philosoph Lucius Annaeus Seneca von 62-64 n. Chr. verfasste. Er schrieb die Briefe also nach seinem Rückzug aus der Politik (62.n.Chr.) (vgl. Heinrich Krefeld 2006/2007 S.129) und konnte dadurch eine gewisse Distanz zur Hektik eines Politikers herstellen. In seinen Briefen tritt Seneca als stoischer Philosoph und Pädagoge auf, wobei diese fiktiven Ursprungs sind und ihm dazu dienen, seine Ansichten auf verschiedensten Gebieten darzustellen. Die Akzeptanz, die besonders seinen Briefen an Lucilius zu teil wird, rührt von einer vermeintlichen oder wirklichen Nähe zum Christentum her, die so stark ist, dass ein fingierter Briefwechsel zwischen Seneca und dem Apostel Paulus erschien (vgl. Heinrich Krefeld 2006/2007 S.130). Die Briefe gewähren einen Einblick in das Alltagsleben des antiken Roms, da viele praxisbezogen sind. Sämtliche epistulae beginnen mit der Grußformel „Seneca Lucilio suo salutem“ und enden mit dem Wort „vale“.
5.2 Die zeitliche Einordnung 5.2.1 Vor der Zeit des Seneca
Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Seneca 4.v.Chr. geboren wurde und 65 n. Chr. starb. Dies bedeutet, dass zwischen dem Komödiendichter Titus Maccius Plautus und Lucius Annaeus Seneca ein Zeitraum von 180 Jahren liegt. Die im zweiten Jahrhundert v. Chr. stattge-fundenen „(…) gefährlichen Bewegungen (…)“(Carl W. Weber 1981 S.257) wurden nicht eingedämmt, so dass in dieser Zeitspanne, d.h. 135-132 v. Chr. „(…) ein regelrechter Krieg zwischen aufständischen Sklaven und römischen Truppen tobte.“ (Carl W. Weber 1981 S.259) In Sizilien kauften römische Großgrundbesitzer immer größere Mengen Sklaven, um mit ihnen den Boden zu bestellen. Ursache für die Unruhen waren die Umstände, „(…) die kaum noch als zivilisiert zu bezeichnen waren.“(Carl W. Weber 1981 S.259) z.B. hatten die Sklaven ihre Nahrung und Kleidung nach Auffassung einiger Großgrundbesitzer selbst zu beschaffen (vgl. Carl W. Weber 1981 S.260), weswegen sich Räuberbanden aus Unfreien bildeten. Durch den Einfluss der Großgrundbesitzer, viele waren römische Ritter und besa-
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ßen somit die Mehrheit in den römischen Gerichtssälen, und weil diese die Umstände aus Gründen des Geizes duldeten, wurde von behördlicher Seite nichts unternommen( vgl. Carl W. Weber S.260). Ebenso verhielt es sich z.B. mit dem syrischen Sklaven Eunus, der „(…) wegen seiner vermeintlichen Sehergabe(…)“ (Carl W. Weber 1981 S.261) der Anführer unter den Sklaven wurde und mit „(…)vierhundert unzulänglich bewaffnete(n) Sklaven(…)“ (Carl W. Weber 1981 S.261) die sizilianische Stadt Enna unter seine Gewalt brachte und seinen Hass in „(…) einer Welle von Grausamkeit.“(Carl W. Weber 1981 S.262) entlud. Dieser Anführer wird später zum König gewählt, gibt sich den Namen Antiochos und „(…) nennt das Volk der Aufständischen Syrer.“ (Carl W. Weber 1981 S. 262). Laut Livius ist im Laufe der Zeit das Heer des Eunus auf 70.000 angewachsen, immer mehr sizilianische Städte wurden erobert und erst P. Rutilius konnte die Aufständischen bezwingen. Auch in anderen Teilen Roms fürchtete man nun Aufstände, so dass nun Exempel statuiert wurden, indem man Aufständische in großen Zahlen ans Kreuz schlug (vgl. Carl W. Weber 1981 S.267). Jedoch finden sich auch dreißig Jahre nach diesen Ereignissen große Aufstände, wie z.B. der von Tryphon oder Athenion, der sich später mit seinem Heer unter den Befehl des Tryphon stellte. Jedoch wurde auch dieser 2. Sizilianische Sklavenkrieg (105-101v.Chr) zunächst von Lucius Licinius Lucullus und später dann endgültig von C. Aquillius niedergeschlagen (vgl. Carl W. Weber S. 276ff.) Als Symbolgestalt für die Sklavenaufstände gilt jedoch Spartacus, der von 73-71 v. Chr „(…) ganz Italien in Schach hielt.“ (Carl W. Weber 1981S. 278) In Capua, Hauptstadt von Kampanien kam es in der Gladiatorenschule des Vatia zu einem Komplott, das jedoch verraten wurde, so dass etwa siebzig Männer entkamen. Durch einen Überfall eines Transportwagens bewaffneten sie sich und machten Oinomaios, Krixos und Spartacus zu ihren Anführern (vgl. Carl W. Weber 1981 S. 281). Immer mehr Unfreie, jedoch auch verarmte Bauern und Landarbeiter schlossen sich an und nachdem sowohl eine örtliche Truppe, als auch ein dreitausend Mann starkes Heer versagten, bedeutete dies „(…) den endgültigen Durchbruch der Aufstandsbewegung,“ (Carl W. Weber 1981 S. 283) Nachdem der Beschluss gefasst worden war, zwei Legionen in das Krisengebiet zu schicken, kam es jedoch bei den Aufständischen zu einem Zwist, der dazu führte, dass sich „(…) etwa 20.000-30.000 Mann unter Führung des Krixos von der Hauptstreitmacht abspalteten und ihrer eigenen Wege gingen.“ (Carl W. Weber 1981 S.284 Z.9f.) Während hingegen die Truppen des Krixos am Gargano geschlagen wurden, siegten die Truppen des Spartakus und marschierten nach Norden. Erst in der Poebene gelang es den Römern ein weiteres Aufgebot gegen die Truppen des Spartakus zu entsenden, nämlich ein 10.000 Mann starkes Heer unter dem Befehl des Prätors von Gallien (vgl. Carl W. Weber 1981 S.284), das überraschender-
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weise in der Schlacht unterlag. Dadurch bot sich den Aufständischen die Möglichkeit Italien zu verlassen. „Am Fuße der Alpen angekommen, verweigerte ihm aber die Mehrheit seiner Leute den Gehorsam.“ (Carl W. Weber 1981 S.288) Somit marschierten die Truppen abermals nach Süden und M. Crassus, der über zehn Legionen verfügte, wurde das römische Kommando im Sklavenkrieg übertragen. Unter der Führung des Unterfeldherrn Mummius, ohne Erlaubnis des Crassus, wurde ein Teil des römischen Aufgebots in Ancona vernichtend geschlagen. Entsetzt von der Feigheit seiner Truppe und um die Moral zu verbessern, ließ Crassus jeden zehnten Soldaten hinrichten (vgl. Carl W. Weber S.290) Spartacus, der die Absicht hatte, sich von Seeräubern, die mit Kriegsbeute bezahlt wurden, in Sizilien neue Soldaten durch Sklavenbefreiungen zu beschaffen, scheiterte dadurch, dass die Seeräuber ihre Abmachung nicht eingehalten hatten (vgl. Carl W. Weber 1981 S.290). Nachdem ein durch Crassus erhobener Wall von Spartakus´ Heer überwunden wurde, bat Crassus in Rom um Hilfe, so dass Pompejus von Oberitalien aus und Lucullus von Brundisium aus angreifen sollten (vgl. Carl W. Weber S.24f.). Im Lager des Spartakus brachen wieder Zwistigkeiten aus, was zur Folge hatte, dass ein Teil allein weiterzog und von Crassus überwältigt wurde. Da Lucullus vor Spartakus Brundisium erreichte, konnte dieser nicht aus Italien fliehen; dadurch kam es im Frühjahr 71 zum Kampf zwischen Spartakus und Crassus, wobei die Aufständischen unterlagen und Crassus „(…) längs der Via Appia sechstausend Kreuze(…)“ (Carl W. Weber 1981 S. 293) errichten ließ.
5.2.2 Während der Zeit des Seneca
Hier ist anzumerken, dass die Sklaven zu der Zeit Senecas sehr unterschiedlich behandelt wurden. Einerseits wurden die Sklaven von bestimmten Herren nicht als menschliche Wesen be-handelt, andererseits gab es jedoch Herren, die innige Freundschaften zu ihren Sklaven entwickelten und Grabinschriften für ihre Sklaven anfertigen ließen. Zudem gibt es sogar Beispiele für die Treue von Sklaven, wobei anzumerken ist, dass dies Einzelfälle sind. 5.2.3 Nach der Zeit des Senecas
Die sich entwickelnde frühe Kirche hat „(…) das System der Sklavenhaltung nicht grundsätzlich in Frage gestellt (…)“ (Carl W. Weber 1981 S.343), ist jedoch „(…) für eine Humanisierung der Sklaverei eingetreten.“ (Carl W. Weber S.343) Viele Christen entließen ihre Sklaven in die Freiheit mit dem Hoffen auf ein ewiges Leben im Paradies. Es sollte jedoch noch Jahrhunderte dauern, bis die Sklaverei völlig abgeschafft wurde.
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5.3 Die Art und Weise der Darstellung von Sklaven bei Seneca
5.3.1 Freie und Unfreie als determinierte Wesen
Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Seneca in seinem Werk „epistulae morales ad Lucilium“ grundsätzlich die Sklaverei nicht abschaffen will, sondern in Zusammenhang mit seiner stoischen Sichtweise die Art und Weise der Sklaverei humaner gestalten will und zu einer Veränderung aufruft. Seneca widmet sich diesem Thema mehrfach, was ihn in der römischen Geschichte einzigartig macht und zeigt, wie selbstverständlich Sklaverei in der antiken Welt war. Anhand des 47. Briefes aus dem fünften Buch aus den „epistulae morales ad Lucilium“ wird nun die Behandlung der Sklaven nach Seneca dargestellt.
Zunächst einmal ist festzustellen, dass Seneca ein Zwiegespräch in seinem Brief ablaufen lässt, um damit seine Thesen besser begründen zu können. Seneca zeigt sich erfreut darüber, dass Lucilius freundschaftlich mit seinen Sklaven verkehrt, was er durch das Adverb „libenter“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) deutlich macht. Dies wäre zudem Kennzeichen für die (…)“prudentiam“(…) (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) und die (…)“eruditionem“ (…) (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) des Lucilius. Dem Ein-wand, dass es sich bei diesen Personen um Sklaven handelt, wird nun viermal widersprochen, wobei ein Dialog simuliert wird. Der wiederholten Behauptung „Servi sunt.“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) folgt dabei eine lehrhafte, widersprechende Antwort, die Sklaven und Freie letztendlich als gleichberechtigte „conservi“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) sieht, da beide Gruppen dem Schicksal in gleicher Weise gegenüberstehen: „(…)si cogitaveris tantundem in utrosque licere fortunae“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) ( „(…) wenn du bedenkst, ebensoviel steht gegenüber dem einen wie dem anderen frei dem Schicksal.“) (Manfred Rosenbach 1974 S.361 m.). Seneca hält die Tatsache, dass manche Herren nicht mit ihren Sklaven speisen wollen, weil sie Angst haben um ihre Ehre, für lächerlich. Die „cena“ steht dabei stellvertretend für das menschliche Beisammensein, da sie erst „mit dem Einbruch der völligen Dunkelheit“ (Res Romanae S.210) endete und somit, auch in Bezug auf ihre Dauer einen Höhepunkt des Tages darstellte. Dass sich der Herr aber mit einer „stantium servorum turbam“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) umgibt, sieht Seneca als „superbissima consuetudo“ (Seneca in Markus Rosenbach 1974 S.360) an. In diesem Zusammenhang verurteilt Seneca den Gegensatz zwischen den Gelagen, die bis zum Erbrechen fortgeführt werden (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) und dem Verbot für die Sklaven, auch nur einen Ton von sich zu geben (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360). Dies widerspricht in gröbster Weise der Stoa, der Seneca an- hängt und die den Menschen als determiniertes, dem Schicksal unterworfenes Wesen be-
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trachtet, was bedeutet, dass der Herr in keinster Weise hochmütig und unmenschlich mit seinen Sklaven verfahren darf, da er selbst in die Situation eines Unfreien geraten kann. Mit der „virga“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.360) werden Sklaven bei dem geringsten Murmeln bestraft und sogar nicht beeinflussbare Regungen wie z.B. „sternumenta“(Seneca in Manfred Rosenberg 1974 S.360) werden bestraft. Anschließend weist Seneca daraufhin, dass man die Solidarität eines Sklaven nur durch das Einbeziehen in Gespräche und in die Gemeinschaft erreichen kann, was er für erstrebenswert hält und mit einem allgemeinem exemplum verdeutlicht:„in conviviis loquebantur, sed in tormentis tacebant“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.362). Es folgt nun die Widerlegung des Sprichworts „(…) totidem hostes esse quot servos:“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.362), indem Seneca darauf verweist, dass die Sklaven durch ihre Herren zu Feinden gemacht wurden (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.362). Dieses Argument begründet Seneca nun damit, dass er die Unmenschlichkeiten, die den Sklaven widerfuhren, schildert: Die Sklaven werden als „iumentis“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.362) missbraucht, werden gezwungen, den Unflat der zu Tisch liegenden aufzusammeln (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.362),müssen als einzige Lebensaufgabe Geflügel zerlegen (vgl. Seneca in Manfred Rosenberg 1974 S.362) oder sind gezwungen als „minister in muliebrem“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.362) zu agieren. Diese Art des Dienstes empfindet Seneca als besonders entwürdigend, da dieser Sklave in seinen Jugendjahren einerseits „ (…) in cubiculo vir, in convivio puer est.“(Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.364), was bedeutet, dass er auf dem Gastmahl für das leibliche Wohl des Herren Sorge tragen muss, im Schlafzimmer sich jedoch dem Herren hingeben muss (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.364). Weitere Dienste, die ein Sklave zu verrichten hat, sind: Der Beurteiler der Gäste; dieser hat ausschließlich die Gäste zu beobachten und zu entscheiden, ob sie zum nächsten wieder eingeladen werden sollen (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.364). Der Einkaufsbereich ist ebenfalls Sklaven zugewiesen. Mit dem Ausruf „Di melius!“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.364) zeigt sich, wie entsetzt und empört Seneca über diese alltäglichen Misshandlungen und Unmenschlichkeiten ist. Um nun seine Aussagen weiter zu stützen, bedient sich Seneca eines weiteren exemplums, dem Freigelassenen des Caligula namens Gaius Iulius Callistus. Hierbei kritisiert Seneca die Behandlung der „Ware Mensch“ auf den Sklavenmärkten und dass oftmals vergessen wird, dass es sich bei dem Sklaven um einen Menschen handelt, der es, wie es bei Callistus der Fall war, auch zu großem Reichtum und Einfluss bringen kann, weshalb eine humane Umgangsweise selbstverständlich sein sollte.
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5.3.2 Die stoische Sichtweise des Seneca
Im §10 argumentiert Seneca abermals mit der stoischen Lehre, die der Ansicht war, dass die schöpferische Urkraft, auch als logos bezeichnet, alles auf der Erde durchflutet und der Mensch, unabhängig von seiner Stellung, einen göttlichen Funken und damit auch „ratio“ besitzt. Seneca möchte jedoch nicht nur die Sichtweise der Herren verändern, sondern auch die Art der Behandlung von Sklaven und begründet seine Aussage mit dem Schicksal, das jeden Menschen sowohl positiv, als auch negativ, wie z.B. bei der „Variana clade (…)“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.366) treffen kann. In §11 gibt Seneca den Kern seiner Lehre mit einem Sinnspruch bekannt: „sic cum inferiore vivas, quemadmodum tecum superi-orem velis vivere.“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.366). Seneca fordert also jeden einzeln, auf sich in seinen Sklaven hineinzuversetzen und so zu handeln, wie man selbst be-handelt werden möchte. Dabei ist es völlig gleich, ob man selbst einen Herren hat, wie Seneca es in §12 durch einen fingierten Einwurf erklärt (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.366), da man nicht weiß wie die persönliche Zukunft aussieht und gewisse exempla gezeigt haben, wie man, auch im Alter, zu einem Sklaven werden kann (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.368).
5.3.3 Verbesserungsvorschläge im Alltag
Der §13 ist nun nicht mehr abstrahiert, sondern bietet vielmehr genaue Verhaltensweisen, die aus dem Alltag entnommen sind, wobei der Herr seinen Sklaven als Freund und Gesellen im Gespräch, in der Beratung und bei der Mahlzeit sehen soll. Gegen eventuelle Zweifler zeigt Seneca, dass die Situation, wie sie früher bestand, für beide Gruppen weitaus besser war: „Dominum patrem familiae appellaverunt (…)“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.368), (…)“servos (…) familiares“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.368). Ebenso verweist er auf die Saturnalien, die den Sklaven ermöglichten, am Essen teilzunehmen, Ämter im Haus auszuüben und ihre Ansichten dem Herren mitzuteilen (vgl. Seneca in. Manfred Rosenbach 1974 S.368). Nun geht es Seneca nicht darum, jeden Sklaven als richtigen Freund zu gewinnen, sondern vielmehr anhand des Charakters des Sklaven diesen selbst zu beurteilen, wobei die Art der Tätigkeit des Sklaven hierbei keinerlei Einfluss nehmen darf, ebenso wenig, wie das vielleicht noch nicht so gut ausgeprägte Benehmen (vgl. Seneca in Manfred Rosenbach S.368 bzw. S370). Während des Briefes kann man eine Veränderung des Bildes des Herren, wie ihn Seneca zeichnet, feststellen: Aus einem „tyrannus“ wird ein „opifex“, aus dem letztendlich ein „amicus“ hervorgeht. In dem §16 verweist Seneca darauf, dass man sich von dem äußeren Schein eines Menschen nicht blenden lassen darf, was er mit dem exemplum des
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Pferdekaufs erklärt, bei dem man auch nicht die Decke und Zügel betrachtet, sondern das Pferd selbst (vgl. Seneca in Manfred Rosenbusch 1974 S.370).
5.3.4 Freie als Sklaven ihrer Laster
Der §17 greift das anfängliche Streitgespräch wieder auf. Seneca zeigt hier eine Form der Sklaverei auf, die die freien, wohlhabenden Bürger Roms betrifft. Diese freiwillige Unterwürfigkeit, die aus „libido“, „avaritia“, „ambitio“, „spes“, „timor“ bestehen kann, (vgl. Seneca in Manfred Rosenbusch 1974 S.370), empfindet Seneca als viel schlimmer, als die unverschuldete Knechtschaft des Sklaven: „nulla servitus turpior est quam voluntaria.“(Seneca in Manfred Rosenbusch S.372). Moralisch gesehen sieht Seneca die Sklaven auf einer höheren Stufe als ihre hochmütigen Herren (vgl. Seneca in Manfred Rosenbusch 1974 S.372), da der Sklave nach stoischer Sichtweise mehr Freiheiten besitzt als der Herr, weil sich die Freiheiten des Sklaven dadurch äußern, dass er beispielsweise keine Angst vor dem Verlust seines Reichtums haben muss, weil er keinen Reichtum besitzt, der Reiche aber muss nach stoischer Auffassung allzeit bereit sein, sich von seinem Geld zu trennen. Es kann nun sein, dass ein Sklave durch seine innere Freiheit gegenüber den äußeren Angelegenheiten einem Freien überlegen ist, weswegen Seneca keine Notwendigkeit darin sieht, die Sklaverei abzuschaffen, da es in der Stoa lediglich auf die innere Freiheit ankommt. Dadurch ersetzt Seneca den im römischen Recht definierten Freiheitsbegriff durch die innere Einstellung gegenüber den äußeren Angelegenheiten.
5.3.5 Die richtige Einstellung zwischen Sklaven und Herren
Im §18 regelt Seneca, wie das richtige Verhältnis zwischen Herren und Sklaven sein sollte, um ein für beide Seiten positives Resultat zu erzielen, wobei er einen Vergleich zu der Mensch-Gott-Beziehung zieht, die Behauptung „Qui colitur, et amatur.“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.372) aufstellt und die Furcht sowohl vor Gott, als des Sklave vor dem Herren ablehnt und sogar als schädlich ansieht: “non potest amor cum timore misceri.“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.372). Das richtige Verhältnis zwischen Sklaven und Herren beruht laut Seneca auf Gegenseitigkeit: Der Sklave, der den Herren aufrichtig ehrt und der Herr, der sich durch seine clementia auszeichnet und von einer physischen Bestrafung absieht (vgl. Seneca in Manfred Rosenbusch 1974 S.372). Ebenfalls lehnt er die Menschen, die aufgrund ihrer Position und ihres Charakters ihren Zorn nicht zu zügeln vermögen ab: „acceperunt inuiriam ut facerent.“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.374). Solche „re- ges“ suchten vergeblich die Ehrerbietung ihrer Sklaven.
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6. Der Vergleich der Sichtweisen von Plautus und Seneca
Wenn nun die beiden Texte zusammen betrachtet werden, so fallen doch einige gravierende Unterschiede auf. Seneca betrachtet den Sklaven als Menschen, der bei richtiger Behandlung durch den Herren dessen enger Freund werden kann. Bei Plautus jedoch werden die Sklaven als durchtriebene Wesen betrachtet, denen keinesfalls vertraut werden darf, wie am Beispiel des Theopropides deutlich wird, der für seine Gutgläubigkeit „bestraft“ wurde. Bei Plautus handelt Theopropides nach dem Sprichwort, das Seneca in dem 47.Brief verurteilt: „(…) totidem hostes esse quot servos.“ (Seneca in Manfred Rosenbach S.362 o.) Zudem wird der Aussage von Seneca, es dürfe keine unmenschliche und hochmütige Behandlung von Sklaven geben dadurch, dass die Menschen durch das Schicksal determiniert sind, indirekt bei Plautus widersprochen, da bei Plautus Mostellaria Theopropides seinen Sklaven Tranio bestrafen will und im ersten Akt beim Dialog zwischen Grumio und Tranio die harte Bestrafung angesprochen wird, die einem Sklaven bei Theopropides widerfahren kann. Ebenso werden bei der Mostellaria des Plautus gewisse Tätigkeiten z.B. die Arbeit auf dem Landgut gering eingestuft. Dies zeigt sich z.B. dadurch, dass Tranio dem Grumio Befehle erteilen kann und Tranio die unangenehme Tätigkeit im ersten Akt verspottet. Das Verhältnis der Sklaven untereinander ist äußerst angespannt aufgrund der Unterschiede bei der Verpflegung, der Tätigkeit, usw. Dies steht im Widerspruch zu der Auffassung des Seneca, nach der man den Sklaven nach seinem Charakter und nicht nach seiner Art der Arbeit beurteilen soll. Wenn also Tranio Grumio Befehle erteilt, dann spiegelt das die durch den Herren entworfene Strukur wieder. Philolaches erscheint zudem als Sklave und zwar deswegen, weil er seinem Laster, d.h. libido dient. Nach Seneca ist also die Knechtschaft des Philolaches als viel schlimmer einzustufen, als die der anderen Unfreien. Dasselbe gilt für den Vater, der in ständiger Angst um sein Vermögen lebt und äußerst geizig ist, was durch die Aussagen des Nachbarn Simo hervorgeht, da ihm der Wandel im Haus des Theopropides sofort auffällt, der sich nach der Abfahrt des Herrn abgezeichnet hat. Tranio hingegen ist nach Auffassung des Seneca viel freier. Das Verhältnis zwischen Theopropides und Tranio ist zudem durch die Angst des Tranio gekennzeichnet, was nach dem Leitsatz des Seneca schlecht ist: „non potest amor cum timore misceri.“ (Seneca in Manfred Rosenbach 1974 S.372) Bei Plautus Mostellaria ist zudem von einem Gelage die Rede, bei der die Sklaven ihre Herren bedienen müssen (1/3 bzw. 1/4), was Seneca in seinem 47. Brief in § 3 kritisiert. Die von Seneca angesprochenen Extremfälle sind zwar nicht exakt vorhanden, jedoch ist zu bedenken, dass Callidamates bereits betrunken ist und das Gelage aufgrund der Heimkehr des Vaters aufgehoben werden muss. Ebenso fehlt bei Theopropides das nötige Verständnis für den Sklaven, da es ja Philo-
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laches war, der die Hetäre freikaufte und das Geld somit durch den Sohn des Theopropides verschwendet wurde. Dass Tranio die Feiern genossen hat ist selbstverständlich, da er bei dem geizigen Herren sonst karg leben musste, wie in dem Dialog zwischen Tranio und Grumio angedeutet wird, wobei Tranio sich selbst noch glücklich schätzen kann, nicht auf den latifundien arbeiten zu müssen. Seneca verlangt in seinem Brief mehr Verständnis der Herren den Sklaven gegenüber und verweist darauf, dass der Herr selbst einmal zu einem Sklaven werden kann, d.h. Theopropides hätte sich doch einmal die Mühe machen sollen, die Motive des Sklaven und, damit verbunden, die wirkliche Schuld des Sklaven herauszufinden, wobei er die Schuld seines Sohnes selbst berücksichtigen müsste.
7. Auswirkungen auf die Neuzeit
Abschließend kann man festhalten, dass die Komödien des Plautus auch in der heutigen Zeit ihren Witz nicht eingebüßt haben. So ist gerade die Tatsache, dass sozial hochgestellte Personen von Menschen mit niedrigem Ansehen derart verspottet werden können, lustig. So gilt „Der Sklave als inventor der Intrige“ (Erich Schild 1917 S.76), der sich nur durch seine außergewöhnliche Geistesgegenwart zu retten vermag. Gerade die überraschenden Wendepunkte, so z.B. die Rückkehr des Vaters machen den Reiz dieser Komödie aus. Neben der Geistesgegenwart kommen bei Plautus Sklaven auch noch andere Eigenschaften zu, die den Erfolg des Sklaven ausmachen, so die Menschenkenntnis: „So täuscht er z.B. dem senex geschickt eine Begebenheit vor, bei der eine Charaktereigenschaft des Sohnes zum Ausdruck kommt, auf deren Entwicklung der Vater sehr großes Gewicht legt.“ (Erich Schild 1917 S.77o.) Bei der Mostellaria täuscht Tranio den Herren, indem er einen Häuserkauf des Sohnes vortäuscht und somit die Geschäftstüchtigkeit des Sohnes rühmt. Gerade diese Elemente sind auch in erfolgreichen Komödien der Neuzeit noch vorhanden. Auch die Ansichten des Seneca sind durchaus auf die Gegenwart übertragbar, wenn es darum geht, die Menschen allgemein als gleichberechtigte Wesen unabhängig von ihrer Bildung, ihrem sozialem Status, ihrem Geschlecht, ihrer Ethnie anzusehen. Auch in der heutigen Zeit sind nicht alle Men- schen in der Welt so gleichberechtigt, wie es sich als conservi gehört.
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8. Literaturverzeichnis:
• Brockhaus Enzyklopädie, 17. Band, 1973
• Krefeld Heinrich (Hrsg.), Res Romanae, Cornelsen Verlag, Berlin, 2007/06
• Ludwig Walther, Antike Komödien 1.Band, Winkler-Verlag, München,
1966
• Rosenbach M. (Hrsg.), An Lucilius- Briefe 1-69, Philosophische Schriften Band 3,Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1974
• Schild Erich, Die dramaturgische Rolle der Sklaven bei Plautus und Terenz, Buchdruckerei zum Hirzen A.-G., Basel, 1917
• Weber Carl W., Sklaverei im Altertum- Leben im Schatten der Säulen, Econ Verlag, Düsseldorf-Wien, 1981
• www.thelatinlibrary.com/plautus/mostellaria.shtml
Arbeit zitieren:
Fabian Ascherl, 2009, Die Sklavenfrage im antiken Rom, München, GRIN Verlag GmbH
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