I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
Abbildungsverzeichnis. III
Abk ürzungsverzeichnis. IIV
1. Einleitung 1
1.1. Bedeutung von Clusterprozessen im internationalen Wettbewerb. 1
1.2. Ziel und Aufbau der Arbeit 3
1.3. Abgrenzung relevanter Begriffe 5
1.3.1. Industriecluster. 5
1.3.2. Clusterstrategien 8
1.3.3. Clustermanagement und Profilierung. 9
2. Konzeptioneller Rahmen zur Analyse von Clustern 10
2.1. Clusterbildung. 10
2.1.1. Wann neigen Branchen zur Clusterbildung. 10
2.1.2. Erklärungsansätze für die Entstehung von Clustern 13
2.1.2.1. Industrial Districts 14
2.1.2.2. Die Kalifornische Schule 14
2.1.2.3. Die Nordische Schule. 15
2.1.2.4. Das kreative Milieu 15
2.1.2.5. Industriecluster nach PORTER 16
2.1.3. Der Entwicklungsverlauf als Lebenszyklusmodell 17
2.2. Relevanz der Clusterbildung für die Automobilindustrie. 21
2.2.1. Historische Entwicklungsschwerpunkte in der
Automobilindustrie. 21
2.2.2. Triebkräfte der Entstehung von Netzwerken in der
Automobilbranche 23
2.2.3. Herausforderungen an die Clusterbildung in der Automobil-
industrie am Beispiel der deutschen Automobilregionen. 25
2.2.3.1. Die Akteure der Automobilindustrie 26
2.2.3.2. Interessenkonflikte 30
2.2.3.3. Die besondere Stellung Ostdeutschlands 31
2.3. Zusammenfassung: Eignung des Clusterkonzeptes für die
Automobilindustrie 32
II
3. Profilierung als Basis für ein Clustermanagement 35
3.1. Anforderungen und Dimensionen des Clustermanagements. 35
3.2. Einbeziehung von Profilierungsstrategien in einen clusterbezogenen
Managementansatz 37
3.2.1. Der Marketingmanagement Prozess. 38
3.2.2. Das St. Galler Management Konzept. 40
3.3. Konzepte zur Profilierung im Standortmarketing. 42
3.3.1. Standortmarketingstrategien nach SCHNURRENBERGER 43
3.3.2. Standortmarketingstrategien nach BALDERJAHN. 45
3.3.3. Regionalmarketingstrategien nach MANSCHWETUS. 47
3.3.4. Zusammenführung der Konzepte unter Berücksichtigung der
Marketingmanagement -Theorie 49
3.4. Anwendungsmöglichkeiten der Konzepte auf die Automobilindustrie 52
4. Fallstudienanalyse. 54
4.1. Methodik und Gang der Untersuchung 54
4.1.1. Forschungsfragen 54
4.1.2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes. 55
4.1.3. Untersuchungsdesign 56
4.2. Bewertung von Profilierungsstrategien 58
4.3. Praktische Überprüfung der Bewertung 60
4.4. Ergebnis und Interpretation. 67
4.5. Implikationen für den Automobilcluster Ostdeutschland 69
5. Schlussbetrachtung 73
5.1. Zusammenfassung 73
5.2. Implikationen und Ausblick 76
Anhangsverzeichnis VII
Anhang IX
Literaturverzeichnis XXIX
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: PORTERS „Diamantmodell“ modifiziert für die Automobilindustrie
Abbildung 2: Beziehungssystem eines Clusters
Abbildung 3: Marketingmanagement- und St. Galler Management Konzept
Abbildung 4: Clusterziele und strategischer Fokus
Abbildung 5: Akteure der ostdeutschen Netzwerklandschaft und deren Fokus
IV
Abkürzungsverzeichnis
AAA Austrian Automotive Association GmbH AC Automobil Cluster ACOD Automobil Cluster Ostdeutschland AC OÖ Automobil Cluster Oberösterreich AC RMN Automotive Cluster Rhein/Main-Neckar AC S Automobil Cluster Styra ACVR Automotive Cluster Vienna Region a. d. R. an der Ruhr AG Aktiengesellschaft a. M. am Main AMZ Automobil Zulieferer Abb. Abbildung BB Berlin-Brandenburg BMW Bayerische Motoren Werke bspw. beispielsweise BW Baden-Württemberg bzw. beziehungsweise CI Clusterinitiative DDR Deutsche Demokratische Republik Diss. Dissertation DKW Dampfkraftwagen Dr. Doktor DTI Department of Trade and Industry London et al. et alii etc. et cetera EU Europäische Union f. folgende ff. fortfolgende
V
FuE Forschung und Entwicklung GM General Motors GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GTZ Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit Hrsg. Herausgeber HWK Handwerkskammer IAT Institut Arbeit und Technik IHK Industrie- und Handelskammer i. d. R. in der Regel incl. inklusive Jg. Jahrgang KMU kleine und mittlere Unternehmen Mil. Millionen MIT Massachusetts Institut of Technology MK Management Konzept Mrd. Milliarden MV Mecklenburg-Vorpommern NAFTA North American Free Trade Agreement No. Number Nr. Nummer NRW Nordrhein-Westfalen NSA Niedersachsen OEM Original Equipment Manufacturer PPP Public-Private-Partnership PSA Peugeot Société Anonyme RP Rheinland-Pfalz S. Seite SAA Sachsen-Anhalt SH Schleswig-Holstein sog. so genannte u. a. unter anderem u. Ä. f. und Ähnlichem für
VI
VDA Verband der deutschen Automobilindustrie VDMA Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. vgl. vergleiche Vol. Volume VW Volkswagen WS Wettbewerbsstrategie WSK Wertschöpfungskette WZ Wirtschaftszweig z. B. zum Beispiel
1
1. Einleitung
1.1. Bedeutung von Clusterprozessen im internationalen Wettbewerb
Die ökonomischen, sozialen und technologischen Entwicklungen der letzten Jahre haben neue Rahmenbedingungen für Standorte und die Bedürfnisse der Standortsuchenden geschaffen. 1 Die zunehmende Spezialisierung von Produktionsprozessen und die steigenden Kundenerwartungen führten in der Vergangenheit nicht nur zu einer breiten Öffnung der Wertschöpfungskette (WSK) in fast allen Branchen, sie brachte auch flexiblere Organisationsformen hervor. In der Automobilindustrie z. B. übernehmen die Zulieferer immer häufiger Aufgaben, welche noch vor wenigen Jahren fest in der Hand der Hersteller lagen. Diese zunehmende Tendenz der internationalen Arbeitsteilung, insbesondere in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Beschaffung, Finanzierung, Absatz und Vertrieb führen zu einem globalen Wettbewerb zwischen Unternehmen und Wirtschaftsstandorten. 2 Hinzu kommen die Liberalisierung auf welt- und binnenwirtschaftlicher Ebene, gesunkene Transportkosten und die markanten Fortschritte in der Kommunikations- und Informationstechnologie. Die erhöhte Mobilität von Produktionsfaktoren, welche Standorte austauschbar werden lässt, führt dazu, dass sich eine Region nicht mehr über einzelne Unternehmen definieren kann. Die Wettbewerbsfähigkeit von Standorten wird heute durch innovative Aktivitäten und Kooperationen komplexer Branchen bestimmt. 3 Aus diesem Grund ist die Profilierung von Standorten bzw. Clustern zur zentralen Aufgabe der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik geworden. 4 Ohne in einer größeren Wirtschaftsregion eingebettet und in Netzwerke verflochten zu sein, haben einzelne Städte und Kommunen kaum eine Chance, sich international zu behaupten. 5 Bei Clustern handelt es sich somit um Netzwerke zwischen Unternehmen und unterstützenden Akteuren einer Kernbranche in einer bestimmten Region. Auf den Begriff „Cluster“ wird im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch näher eingegangen. Die Attraktivität des Clusterkonzeptes hat in den letzten Jahren eine Vielzahl
1 Vgl. GUBLER, R. E./MÖLLER, C. (2006), S. 18.
2 Vgl. BALDERJAHN, I. (2000), S. 4.
3 Vgl. CLOE (2006), S. 4.
4 Vgl. JURK, T. (2005), S. 1ff.
5 Vgl. BALDERJAHN, I. (2000), S. 7.
2
privater, öffentlicher und politischer Akteure veranlasst, Initiativen oder Vereine zu gründen, um im nationalen und internationalen Wettbewerb auf sich aufmerksam zu machen. Dabei kommt es nicht selten vor, dass ein und dieselbe Region von mehreren Initiativen repräsentiert wird. Jedoch sind die wenigsten Konzepte erfolgreich, zum Teil durch nicht vorhandene, aber für eine positive Entwicklung notwendige Standortfaktoren, durch einen falschen Branchenfokus aber oftmals auch durch nur unzureichende und unstrukturierte Konzepte. 6 Der besondere Reiz von Clusterinitiativen lässt sich anhand von verschiedenen Faktoren erklären. Zunächst bietet das Clusterkonzept die Aussicht, dass sich Regionen und Branchen aufgrund gesteigerter Innovationsfähigkeit und einer internationalen Orientierung selbst tragen können. 7 Des Weiteren birgt der Begriff „Cluster“ eine Vielzahl von positiven Assoziationen. Wirtschaftswachstum, hohe Produktivität, Generierung von Wissen, Know-how, Arbeitsplatzsicherung, Innovationen und wirtschaftliche Dynamik lassen sich in Verbindung mit den Clusterbegriff, auf politischer Ebene besser vermarkten als regionale
Wirtschaftsförderung und versprechen zudem positive Effekte für ein ganzes Land. 8 Dies unterstützt einen dritten, in der politischen Diskussion entscheidenden Faktor, welcher für Clusterinitiativen spricht. Die Ergebnisse welche durch Cluster im Vergleich zur traditionellen Wirtschaftsförderung erzielt werden, machen das Clusterkonzept kommunizierbar, da Fördermittel effizienter eingesetzt zu werden scheinen. Somit wurde der Begriff „Cluster“ zum Zauberwort der Wirtschaftsförderung, wobei es in den meisten Fällen an der professionellen Umsetzung mangelt. Zum einen entstehen teilweise symbiotische Beziehungen 9 zwischen der Industrie und den öffentlichen oder privaten Institutionen, wodurch nach außen geschlossene Wissenssysteme entstehen können, welche Innovationen und überregionale Kooperation blockieren. Zum anderen führt die Vielzahl von Initiativen zu Unübersichtlichkeit. Oft sind Unternehmen als Mitglieder in mehreren Vereinen zu finden, welche nach außen dieselben Ziele und Visionen vertreten. Die Ursache des Clusterbooms der letzten Jahre ist jedoch nicht allein durch die Attraktivität des Konzeptes zu erklären. Vielmehr unterstützt dieses nur die Entwicklung, der in erster Linie ein Zielkonflikt zwischen Standorten und Regionen
6
Vgl. SCHERER, R./BIEGER, T. (2002), S. 19.
7 Vgl. SCHAMP, E. W. (2000), S. 159.
8 Vgl. MARTIN, R./SUNLEY, P. (2003), S. 29.
9 Vgl. SCHERER, R./BIEGER, T. (2002), S. 19.
3
zugrunde liegt. Das Konzept lokaler Cluster geht nicht von einer Gleichverteilung der ökonomischen Aktivitäten über die Regionen aus, sondern von einer Konzentration. 10 Dadurch entsteht eine Ungleichverteilung und die gezielte Förderung bestimmter Regionen führt zu Spannungen zwischen öffentlichen, staatlichen und privaten Akteuren. Die unterschiedlichen Standortvoraussetzungen führen dazu, dass sich Regionen benachteiligt fühlen, was existierende Spannungen noch verstärkt. 11 Um nicht aus dem öffentlichen Fokus zu geraten, kommt es zu immer neuen Initiativen. Es muss daher überlegt werden, wie diese Regionen von den positiven Entwicklungen anderer Standorte profitieren können. Ein Versuch verschiedene Regionen gemeinsam sowohl nach außen als auch nach innen zu profilieren, ist daher grundsätzlich als positiv zu betrachten, 12 wobei bei einer weiten Streuung der Akteure genau auf die regionalen Voraussetzungen geachtet werden muss. 13 Die Clusterinitiative Automobilcluster Ostdeutschland (ACOD), welche durch private Akteure ins Leben gerufen wurde, versucht eine derartige Profilierung, indem sie die fünf neuen Bundesländer und deren bestehende Netzwerke zusammenführt und versucht gemeinsam zu vermarkten. Die weiter steigende Anzahl an Clusterinitiativen führt zu einem Wahrnehmungs-und Profilierungsproblem 14 , und wirft zwangsläufig die Frage nach strategischen Konzepten zur professionellen Profilierung von Wirtschaftsstandorten und damit verbunden von Industrieclustern auf. Der theoretische und praktische Teil dieser Arbeit wird sich mit der Beantwortung dieser Fragestellung beschäftigen.
1.2. Ziel und Aufbau der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, strategische Handlungsempfehlungen für die Profilierung von Industrieclustern zu geben, wobei spezifische Empfehlungen bzw. Anforderungen für die Automobilbranche und den ACOD erarbeitet werden. Im Anschluss an dieses Einführungskapitel, das abschließend für die Arbeit relevante Begrifflichkeiten definiert, steht zunächst eine Literaturübersicht, welche einen wichtigen Teil der Analyse darstellt. In der Struktur dieser Arbeit ist die Theorieanalyse selbst Forschungsbestandteil, da sie direkt auf die Entwicklung
10 Vgl. BRENNER, T./FORNAHL, D. (2002), S. 8.
11 Vgl. BRENNER, T./FORNAHL, D. (2002), S. 7f.
12 Vgl. JURK, T. (2005), S. 1ff.
13 Vgl. BRENNER, T./FORNAHL, D. (2002), S. 9.
14 Vgl. HUTTENLOHER, T. (2006), S. 203ff.; vgl. STERNBERG, R. et al. (2004), S. 166.
4
verschiedener Profilierungsstrategien für ein effektives und effizientes Clustermanagement eingeht und theoretische Konzepte als Grundbausteine für eine praktische Überprüfung übernommen werden. Im zweiten Kapitel wird auf die vielschichtigen Voraussetzungen für die Entstehung von Clustern und darauf aufbauend auf die theoretischen Erklärungsansätze Bezug genommen, bevor die Relevanz der Automobilindustrie anhand der aufgezeigten Voraussetzungen überprüft wird. Die wissenschaftliche Literatur der Entstehung von Clustern geht dabei bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück, als Alfred Marschall mit der klassischen Lehre der Agglomerationsfaktoren strukturelle Rahmenbedingungen für die Entstehung von regionalen Nerzwerken verantwortlich machte. 15 Im nächsten Schritt (drittes Kapitel) werden verschiedene Theoriekonzepte der clusterbasierten Standortpolitik, deren Kern sich mit der Ausgestaltung strategischer Handlungsfelder beschäftigt, gegenübergestellt und unter Berücksichtigung der Marketingmanagement-Theorie zusammengefasst. Zudem wird mit dem St. Galler Management Konzept ergänzend ein „integratives Management Konzept“ herangezogen um den Wirkungsbereich von Profilierungsstrategien aufzuzeigen. Die dabei verwendete Literatur wird in ihren Grundzügen wiedergegeben und als Gesamtheit der potentiell übertragbaren Konzepte für die Klassifizierung von clusterbasierten Profilierungsstrategien definiert. Die Theoriekonzepte eint dabei die Aussage, dass Cluster bzw. Clustermanagement ein komplexes System von Beziehungen unterschiedlichster Akteure darstellt, welches i.d.R. weit über die eigentliche räumliche Struktur eines Clusters hinausgeht und eine Profilierung somit die Zusammenführung unterschiedlicher Clusterdimensionen voraussetzt. Nachdem abschließend die Anwendbarkeit der theoretischen Konzepte auf die Automobilindustrie überprüft wird, folgt im vierten Kapitel eine praktische Beurteilung der Konzepte in Form einer Fallstudienanalyse. Im Rahmen dieser Analyse sollen Theoriedefizite durch die Betrachtung ausgewählter Automobilcluster und deren Wirkungsweise ausgeglichen werden. Auf Forschungsfragen aufbauend, folgt die praktische Aufarbeitung der theoretischen Konzepte und somit abschließend die Formulierung clusterspezifischer Anforderungen für die strategische Ausrichtung von Clusterinitiativen im Automobilbereich. Unter Berücksichtigung der
5
Voraussetzungen der ostdeutschen Netzwerklandschaft werden diese Anforderungen für den ACOD weiter spezifiziert. Das fünfte Kapitel wird zusammenfassend die Kernaussagen der Arbeit aufgreifen, kritisch betrachten und Perspektiven für die weitere Entwicklung der ostdeutschen Automobillandschaft aufzeigen.
1.3. Abgrenzung relevanter Begriffe
Zum Abschluss des ersten Kapitels bietet es sich an, die relevanten Begrifflichkeiten, welche die Grundlage dieser Arbeit bilden, aufzugreifen und zu erläutern. Im Folgenden wird näher auf die Begriffe „Industriecluster“, „Clusterstrategie“, „Clustermanagement“ und „Profilierung“ eingegangen.
1.3.1. Industriecluster
Als Theoriebestandteil der Wirtschaftswissenschaften geht der Clusterbegriff auf die Untersuchungen von Michael E. Porter zurück, welcher den Begriff das erstmalig in seinem Buch „The Competitive Advantage of Nations“ auf Basis empirischer Daten bestehender industrieller Ballungszentren definierte. Dabei beschreibt PORTER Cluster als „a geographically proximate group of interconnected companies, suppliers, service providers and associated institutions in a particular field, linked by externalities of various types”. 16 Ein Cluster definiert sich somit zunächst über die räumliche Nähe von Akteuren einer bestimmten Branche oder Industrie, von ENRIGHT beschrieben als „an industrial cluster, in which member firms are in close proximity to each other.“ 17 Ein Industriecluster grenzt sich wiederum ab als: „a set of industries related through buyer-supplier and supplier-buyer relationships or by common technologies, common buyers or distribution channels…“ 18
In diesen beiden Definitionen wird jedoch der Netzwerkansatz vernachlässigt. Dieser beruht auf der Erkenntnis, dass erfolgreiche Regionen eine sektorale Ballung von Unternehmen einer oder mehrerer strukturbestimmender Branchen aufweisen, die gemeinsam mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie
16 PORTER, M. E. (2003), S. 562.
17 ENRIGHT, M. J. (1996), S. 191.
18 ENRIGHT, M. J. (1996), S. 191.
6
weiteren Akteuren ein enges Netzwerk eingehen. 19 Bereits in den 1970ern betonte ein erheblicher Teil der Forschung über Produktionssysteme, den engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsorganisationen, Leistung und historischen und regionalspezifischen, soziokulturellen Faktoren. So genannte „industrial districts“ beschreiben ein Netzwerk spezialisierter kleiner Unternehmen, welche externe Vorteile durch effektive Produktion, weitgehende Arbeitsteilung und intensive Zusammenarbeit erreichen. 20 BIEGER und SCHERER beschreiben diese Verflechtungsintensität als „engeren regionalen und überregionalen Austausch“, der zur Zusammenführung von explizitem und implizitem Wissen führt und somit die Kompetenzbildung der beteiligten Unternehmen unterstützt und die Wettbewerbsfähigkeit einer gesamten Region verstärken kann. 21 Dies stellt die handelnden Akteure vor völlig neue Aufgaben. Konsequent weiter gedacht, geht es bei einem Cluster nicht mehr nur um den Erfolg des einzelnen Unternehmens, vielmehr geht es „um den Erfolg einer Region, die prosperiert, weil es den einzelnen Akteuren nützt.“ 22 Diese Region kann jedoch unter wirtschaftlichen Aspekten und durch die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre auch als weit größer definiert werden, als dies bislang der Fall war. Internetdatenbanken und Informationssysteme wie der einfache Mailverkehr oder komplexe Kontrollsysteme bilden heutzutage auch ohne den täglichen persönlichen Kontakt weit strukturierte Netzwerke und ermöglichen Unternehmen verschiedener Regionen eine enge Zusammenarbeit. 23
Zusammenfassend kann ein Industriecluster als eine starke strategische Allianz von Unternehmen innerhalb einer WSK bzw. zu einem ähnlichen Wirtschaftszweig gehörig, bezeichnet werden, welches sich durch regionale Kooperation und überregionale Zusammenarbeit und somit letztlich durch aktive Information und Kommunikation auszeichnet. 24 Dabei ist die geographische Ausdehnung des Clusters von der Reichweite und der Art der Information abhängig: „The geographic scope of a cluster relates to the distance over which informal, transactional, incentive and other efficiencies occur.“ 25
19
Vgl. BECKORD, C. (2006), S. 23.
20 Vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION (2002), S. 16.
21 Vgl. SCHERER, R./BIEGER, T. (2002), S. 19.
22 MCKINSEY (2005), S. 78.
23 Vgl. FRITZ, M. (2005), S. 26FF.
24 Vgl. HEIDENREICH, M./MILJAK, V. (2004), S. 102ff., vgl. REHFELD, D. (1999), S. 3f.
25 PORTER, M. E. (2000), S.16.
7
Netzwerke
Cluster werden immer öfter auch als Netzwerke bezeichnet, wobei eine gewisse Interdependenz zwischen den beiden Begriffen besteht. Netzwerke können als Bestandteile von regionalen Clustern gesehen werden, welche die territorialen Grenzen des Clusters oftmals überschreiten. Andererseits findet man Cluster auch als Akteure in nationalen oder internationalen Netzwerken. 26 Für den Begriff Netzwerk gibt es somit keine allgemeingültige Definition, da diese in unterschiedlichsten Formen auftreten können. Sie bilden sich zum einen durch die Ausgliederung betrieblicher Funktionen aus einer festen Hierarchie und zum anderen entstehen Netzwerke durch die Intensivierung der Zusammenarbeit über den Markt koordinierter Austauschbeziehungen. 27
Auch die Bezeichnung „Kooperation“ wird häufig anstatt der Begriffe Cluster oder Netzwerk verwendet, wobei unter Unternehmenskooperationen im Allgemeinen die Zusammenarbeit zwischen meist wenigen, rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen zur Steigerung der gemeinsamen Wettbewerbsfähigkeit verstanden wird. 28 Da jedoch das Ausmaß der Zusammenarbeit sowohl in Clustern, als auch in Netzwerken und Unternehmenskooperationen stark schwanken kann, ist eine klare Abgrenzung zwischen den Begriffen oft nicht möglich. 29 Dennoch kann die Organisation in Netzwerken als Fundament einer zunehmend dynamischen Unternehmensarchitektur gesehen werden, welche Informationsgewinne, Kostenersparnisse und die gemeinsame Nutzung von innovationsrelevantem Know-how verspricht. 30
Die Teilbarkeit des Produktionsprozesses
Cluster entstehen, wenn Produktionsprozesse zwischen verschiedenen Unternehmen aufgeteilt werden können bzw. wenn unterschiedliche Akteure an der Erstellung des Endproduktes beteiligt sind. Wertschöpfungsketten können dabei in folgende drei Prozessphasen gegliedert werden: Produktionsvorbereitung und Produktionsentwicklung, Produktions- und Leistungserstellung sowie
26 Vgl. KIESE, M. (2007), S. 12.
27 Vgl. SYDOW, J. (2006), S. 389.
28 Vgl. BECKER, T. (2007), S.13.
29 Vgl. MANSCHWETUS, U. (1995), S. 167.
30 Vgl. LUBBE, C. (2006), S. 11f.
8
Vermarktung und Distribution. 31 Hierbei werden die einzelnen Arbeitsschritte von Unternehmen einer oder mehrerer Branchen erstellt. Grundsätzlich können solche Verflechtungen auf drei Bereiche konzentriert werden: über die gesamte WSK hinweg (vertikal), auf derselben Produktionsebene (horizontal) und durch die bereits erwähnte Zusammenarbeit mit anderen Branchen (lateral). Daher müssen bei der Gestaltung von Clustern auch Unternehmen außerhalb der Kernbranche, z.B. Dienstleister außerhalb der Automobilbranche, berücksichtigt werden.
Klassifizierung von Clustern
In einem ersten Schritt können Cluster nach der Art des zentralen Produktes klassifiziert werden (z. B. das IT Cluster Silicon Valley oder Automobil Cluster Südwestdeutschland). 32 Diese Beispiele gelten als exemplarisch für die Annahme, dass Cluster nur aus eigener Kraft und über einen langen Zeitraum entstehen können („Bottom-up-policy“). 33 Jedoch wurde die Attraktivität von Clustern in den vergangenen Jahren auch zum Inbegriff für nationale oder regionale, zumeist staatlich getriebene Aktivitäten, wie die Automobilzulieferinitiative Sachsen („Top- down-policy“). 34 Damitsind es private, öffentliche und staatliche Akteure welche die Aufgaben eines Clusters lenken können. Eine weitere Art der Klassifizierung lässt sich mit Blick auf den Entwicklungsstatus des Clusters durchführen. Dazu wird im zweiten Kapitel das Lebenszyklusmodel für die Entwicklung von Clustern dargestellt. Nicht zuletzt die unterschiedlichen Methoden zur Klassifizierung von Clustern, auch unterschiedlichste Definitionsansätze, welche das zweite Kapitel aufgreift, verdeutlichen die Schwierigkeit, Cluster analytisch zu fassen.
1.3.2. Clusterstrategien
Der globale Ansiedlungswettbewerb erfordert von den Regionen innovative Ideen, spezifische Standortprofile und damit verbunden internationale Marketingaktivitäten, vor allem aber eine breite Unterstützung und Zusammenarbeit wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und politischer Akteure. 35 Der strategischen
31 Vgl. KRÄTKE, S./SCHEUPLEIN, C. (2001), S. 5f.
32 Vgl. KETELS, C. (2003), S.2.
33 Vgl. ANDERSSON, T. et al. (2004), S. 79.
34 Vgl. FROMHOLD-EISEBITH, M./EISEBITH, G. (2004), S.8.
35 Vgl. BECKORD, C. (2007), S. 28.
9
Ausrichtung eines Clusters kommt dabei eine wesentliche Rolle zu, da zum einen Strategien zur Gestaltung und Vermarktung eines Clusters definiert werden müssen (Operationalisierung des Clusterkonzeptes), zum anderen aber zunächst eine organisatorische Basis und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure vorhanden sein sollte (normative Voraussetzungen). Clusterstrategien formulieren somit Wege zur Erreichung des Ziels der Clusterentwicklung 36 und stellen unter Berücksichtigung und Einbeziehung organisatorischer Aspekte das Gerüst für die operative Umsetzung dar. Zudem sind Clusterstrategien aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung von Clustern für eine Region i. d. R. langfristig ausgerichtet.
1.3.3. Clustermanagement und Profilierung
Die Erfahrung zeigt, dass die Gestaltung und Lenkung eines zukunftsorientierten Clusters eines Management Konzeptes bedarf, welches normative, strategische und operative Facetten berücksichtigt. 37 Das Clustermanagement wird dabei als kooperativer Handlungsansatz betrachtet, der dem Anspruch verpflichtet ist, im Dialog der relevanten regionalen Akteure die standortspezifischen Kräfte zu mobilisieren und auf das gemeinsame Ziel der Clusterbildung auszurichten. 38 Dies geschieht vermehrt in sog. Clusterinitiativen, welche als organisatorische Bemühungen zur Profilierung eines Clusters gesehen werden können. Die angesprochenen Clusterstrategien konkretisieren dabei die Vision und die Leitbilder der normativen Ebene und entwickeln durch die enge Verzahnung mit der normativen, wie auch mit der operativen Ebene, die nötige Stoßkraft für langfristige generelle Ziele und kurzfristige Projekte. Die Ganzheitlichkeit 39 der Betrachtung bei einer Integration vielfältiger Einflüsse in einem Cluster kann somit als Kernelement eines integrierten Clustermanagements gesehen werden. 40
36 Vgl. BECKORD, C. (2007), S. 26.
37 Vgl. BLEICHER, K. (2004), S. 15.
38 Vgl. GERSMEYER, H. (2004), S. 164.
39 Mit Ganzheitlichkeit ist ein integrierendes, zusammenfügendes Denken gemeint, das auf breiten
Horizont beruht, von größeren Zusammenhängen ausgeht und viele organisatorische
Einflussfaktoren berücksichtigt. (Vgl. BLEICHER, K. (2004), S. 52.)
40 Vgl. BLEICHER, K. (2004), S. 15.
10
Profilierung
Den Begriff des Profils ist in erster Linie aus der Automobilwelt bekannt: Ein gutes Reifenprofil ist wichtig, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Es bietet also Sicherheit. Darüber hinaus hinterlassen starke Profile eindeutige Spuren, die markant und nachhaltig sind. Auf die wirtschaftliche Ebene übertragen, kann dies als das zentrale Ziel von Profilierungsstrategien gesehen werden. Über eine Vielzahl von Profilierungskanälen wie Organisationsstruktur, Unternehmenskultur, Leistungsangebot oder Kommunikation wird versucht, eine Region bzw. ein Cluster zu vermarkten. 41 Auf diese Kanäle wird im dritten Kapitel näher eingegangen. Letztlich ist Profilierung nichts anderes als die Antwort auf die Frage: Wie werde ich bekannter? Sie stellt gewissermaßen das Transportmittel im Kopf des Kunden dar. 42
Profilierung kann somit als Bestandteil bzw. als Basis für ein erfolgreiches Clustermanagement gesehen werden. Erst die Verknüpfung unterschiedlicher Profilierungskanäle erzeugt eine konsistente Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit eines Clusters positiv.
2. Konzeptioneller Rahmen zur Analyse von Clustern
2.1. Clusterbildung
Im folgenden Kapitel werden die theoretischen Voraussetzungen für die Entstehung und Entwicklung von Clustern beschrieben, um in einem zweiten Schritt die Relevanz der Clusterbildung für die Automobilindustrie aufzuzeigen.
2.1.1. Wann neigen Branchen zur Clusterbildung
In der wissenschaftlichen Literatur lassen sich keine allgemein anerkannten theoretischen Ansätze für die Voraussetzungen der Entstehung von Clustern finden. Unbestritten ist jedoch, dass eine Vielzahl von (sich gegenseitige beeinflussenden) Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Clustern spielen. Einige von diesen Faktoren lassen sich dabei durch veränderte
41 Vgl. GERSMEYER. H. (2004), S. 175ff.
42 Vgl. DTI (2003), S. 10f.
11
Umweltbedingungen wie die Globalisierung der Märkte erklären, während andere Faktoren die Voraussetzungen einer Region selbst genauer betrachten. Auf die einzelnen Voraussetzungen soll im Folgenden näher eingegangen werden. Stabile makroökonomische, politische, soziale und rechtliche Rahmenbedingungen sind notwendige aber nicht hinreichende Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung. 43 Erst mikroökonomische Bedingungen wie die Qualität von Unternehmensstrategien und -prozessen, steigender Wettbewerb und steigende Nachfrage sowie die Qualität des mikroökonomischen Wirtschaftsumfeldes führen zur gewollten wirtschaftlichen Entwicklung. Insbesondere der internationale Wettbewerb, kürzere Produktlebenszyklen und die zunehmende Komplexität von Branchen erfordern eine Zusammenarbeit über alle Bereiche der WSK. 44 Somit ist die Teilbarkeit des Produktionsprozesses die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Clustern. 45
Neben diesen globalen Rahmenbedingungen, die als „Megatrends“ bezeichnet werden können, sind auch regionale bzw. strukturelle Rahmenbedingungen entscheidend für die Entwicklung von Clustern. Ein clusterorientiertes Standortmanagement kann nur dort erfolgreich initiiert und betrieben werden, wo die für die Entstehung eines Kompetenzclusters notwendige kritische Masse 46 einer Fokusbranche vorhanden ist (Lokalisierungsvorteil 47 ), bzw. bereits bestehende Ballungen von Betrieben der gleichen oder verwandter Branchen existieren (Urbanisierungsvorteil 48 ). 49 Je nach Stellung in der Wertschöpfung und je nach Industriezweig sind dabei Akteure mit unterschiedlichen Funktionen wie
43 Vgl. BRENNER, T./FORNAHL, D. (2004), S. 1.; vgl. KETELS, C. (2004a), S. 4.
44 Vgl. ROSENFELD, M. T. W. (2004), S. 60.
45 Vgl. DTI (2003), S. 6.
46 Im Zusammenhang mit dem Clusterkonzept beschreibt die kritische Masse die Anzahl an
Unternehmen, die nötig ist um die Entwicklungsdynamik des Clusters voll zu entfalten. Die
Bestimmung der kritischen Masse kann zudem weitere Variablen berücksichtigen deren
Merkmalsausprägungen ebenfalls überdurch-schnittlich sein müssen, z.B. Beschäftigungszahlen
und Patentanmeldungen. (Vgl. STERNBERG, R. et al. (2004), S. 168.) Anhang I. listet die
möglichen Merkmalsausprägungen zur Berechnung der kritischen Masse auf.
47 Lokalisationsvorteile sind auf die räumliche Konzentration von branchengleichen Unternehmen
und auf die Nutzung gemeinsamer Inputs (Arbeitskräfte, Humankapital, Rohstoffe), Zuliefer-
betrieben oder Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen zurückzuführen (Vgl. BATHELT,
H./GLÜCKER. J. (2003), S. 127.)
48 Urbanisierungsvorteile entstehen durch räumliche Nähe von Anbietern verschiedener Branchen
bzw. verschiedener Wirtschaftsaktivitäten, etwa eines großen lokalen Absatz- und Beschaffungs-
marktes, des Vorhandenseins wichtiger Querschnittsdienstleistungen oder einer ausgebauten
Infrastruktur. (Vgl. BATHELT, H./GLÜCKER. J. (2002), S. 21.)
49 Vgl. WURPTS, K. (2004), S. 8.
12
Produktion, Zulieferung, Dienstleistung, Absatz, Marketing, Forschung und Entwicklung und Beratung beteiligt. Als besonders wichtig wird dabei die Präsenz von Großkonzernen angesehen, welche i.d.R. die Ansiedlung kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) positiv beeinflussen. Dadurch entstehende Verdichtungsräume mit ihren typischen schon von MARSHALL beschriebenen Agglomerationsvorteilen, wie leichtere Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, Zwischengütern und Informationen, bilden die Ausgangslage für die Entstehung und Entwicklung von Clustern. 50
Weitere Bedingungen für die Entwicklung von Clustern sind die kulturellen und sozialen Merkmale des wirtschaftlichen Umfeldes einer Region. Damit sind das Vorhandensein eines gemeinsamen Grundverständnisses von sozio-
ökonomischen Problemen und die daraus resultierende Kooperationsbereitschaft von Unternehmen gemeint. 51 Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit müssen sich die Partner in einem Cluster gut kennen und ihr Wissen richtig managen. Kooperationsfreudigkeit, Vertrauen und eine Atmosphäre der Offenheit werden als entscheidend angesehen. Nur so können an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Disziplinen oder Technologien neues Wissen, Innovationen und damit auch neue Produkte entstehen. 52
Mit Blick auf das Clustermanagement durch privatwirtschaftliche und öffentliche Akteure sind auch institutionelle Rahmenbedingungen eine wichtige
Voraussetzung für die erfolgreiche Clusterbildung. Dabei sind die Gestaltung des Managements und die politische Umsetzung zentrale Ansatzpunkte für den Erfolg und werden im Rahmen des St. Galler Management Konzeptes im dritten Kapitel näher erläutert.
Während in diesem Unterkapitel die Voraussetzungen für die Entstehung von Clustern anhand vorhandener Literatur systematisch zusammengefasst wurden, wird im Folgenden ein Überblick über die verschiedenen theoretischen Erklärungsansätze gegeben, welche in der Literatur existieren. Einige dieser Ansätze setzen dabei nicht alle aufgezeigten Faktoren als notwendig voraus. 53
50 Vgl. SCHEUPLEIN, C. (2007), S. 6.; vgl. MARSHALL, A. (1920), S. 267 ff.
51 Vgl. ROSENFELD, M. T. W. (2006), S. 61.
52 Vgl. MALMBERG, A./MASKELL, P. (2001), S. 6ff.
53 Anhang II. gibt noch einmal einen Überblick über die unterschiedlichen Rahmenbedingungen
und berücksichtigt dabei die in 2.1.2. aufgezeigten Erklärungsansätze für die Clusterentstehung.
13
2.1.2. Erklärungsansätze für die Entstehung von Clustern
Sucht man nach den Vorteilen des Clusterkonzepts für die Entwicklung eines Unternehmens, kommt es über alle Branchen hinweg zu bemerkenswerten Übereinstimmungen bezüglich der Bedeutung von wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Einflussfaktoren in Netzwerken. 54 Werte wie Qualität, Dynamik, Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmensstabilität werden mit Attributen wie Qualifikation der Mitarbeiter, Forschungs- und Entwicklungs- (FuE) Landschaft, rechtlichen Rahmenbedingungen, wirtschaftsfreundlicher Verwaltung und Lieferantenumfeld verbunden. 55 Das Clusterkonzept wird dabei durch verschiedene, sich gegenseitig unterstützende Vorteile attraktiv für die Unternehmen. Zunächst bieten Cluster Effektivitäts- und Produktivitätsvorteile da Ressourcen gemeinsam genutzt und Erfahrungen ausgetauscht werden können. 56 Des Weiteren zeichnen sich bestehende Kooperationen durch effizientere Unternehmensprozesse aus. So werden bspw. die Reaktionszeiten von Lieferanten verkürzt und durch Zusammenarbeit bspw. im Marketing können Kosten gesenkt werden. Ein dritter Punkt sind die Flexibilitätsvorteile, welche u. a. durch die Spezialisierung auf Kernkompetenzen entstehen. Letztlich führen der Austausch von Wissen und die enge Zusammenarbeit mit Kunden und anderen Unternehmen zu neuen Ideen und einer gesteigerten Innovationstätigkeit, da die Entwicklungskosten in einem Netzwerk reduziert werden. Bereits MARSCHALL verwies in seiner klassischen Lehre der
Agglomerationsfaktoren auf externe Vorteile durch ein lokales Angebot an qualifizierten Arbeitskräften, die Verfügbarkeit von unternehmensnaher materieller Infrastruktur sowie dem Zugang zu Wissen über Produkte und Märkte, welche die Entstehung von Netzwerken fördern. 57 Neuere Konzepte lassen sich durch eine unterschiedliche Gewichtung von wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Einflussfaktoren unterscheiden. Im Folgenden soll ein Überblick über die unterschiedlichen Ansätze gegeben werden.
54 Vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION (2002), S. 57ff.
55 Vgl. KETELS, C. (2004b), S. 12ff.
56 Vgl. KETELS, C. (2003), S. 7.
57 Vgl. BECKORD, C. (2007), S. 41.
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2.1.2.1. Industrial Districts
Ein erheblicher Teil der Forschung über regionale Produktionssysteme in den 1970ern betonte den engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsorganisationen, Leistung und historischen und regionalspezifischen, soziokulturellen Faktoren. So genannte „industrial districts“ besitzen z. B. externe Vorteile im Sinne der Erzielung einer effektiven und flexiblen Produktion durch eine weitgehende Arbeitsteilung innerhalb von Netzwerken spezialisierter kleiner Unternehmen. 58 Dabei handelt es sich um einen sehr stark produktionsbezogenen Verflechtungsgrad zwischen Betrieben der gleichen oder unterstützenden Branchen. Das Bestehen gegenseitigen Vertrauens und gemeinsamen kulturellen Milieus 59 sind wichtige Bestandteile des Wesens von „industrial districts“. Dadurch wird die Entwicklung von Innovationen in lokalen Unternehmen gefördert. 60
2.1.2.2. Die Kalifornische Schule
Die „Kalifornische Schule“ analysierte in den 1980ern und 1990ern Jahren das Wachstum neuer Industriegebiete, in welchen die vertikale Desintegration der WSK im Vordergrund steht, was zu einer Agglomeration von Unternehmen sowie zur Bildung eines spezialisierten Arbeitsmarktes führt. Die Aufmerksamkeit liegt bei diesem Ansatz auf der Untersuchung der Rolle von Kultur, Institutionen und öffentlicher Verwaltung bei der Schaffung neuer Industrieregionen. 61 Der Ansatz machte nicht die vorhandenen Standortfaktoren für die Ansiedlung von Unternehmen verantwortlich, sondern die Unternehmen selbst, die ihre Standortumgebung nach ihren Vorstellungen gestalten. 62 Die High-Tech Industrie des Silicon Valley ist als beispielhaft für die vertikale Desintegration einzelner Teile der WSK anzusehen. Geringe Standortanforderungen neu entstehender Industrien, welche zu einer räumlichen Wahlfreiheit führen, werden als Ursache für die Entstehung eines innovativen und kreativen Netzwerkes angesehen.
58 Vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION (2002), S. 16.
59 Vgl. SCHÄTZL, L. (2003), S. 232.
60 Vgl. TRIPPL, M. (2005), S. 35.
61 Vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION (2003), S. 16f.
62 Vgl. STERNBERG, R. (1995), S. 163.
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2.1.2.3. Die Nordische Schule
Die „Nordische Schule“ stellt die lernende Wirtschaft in den Vordergrund, welche die Innovation als Basis für die Erzielung von Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Regionen und Nationen hervorhebt. Innovation ist ein komplexer und interaktiver Lernprozess, wobei die Bedeutung der Kooperation und des gegenseitigen Vertrauens betont wird, die durch die räumliche Nähe der Akteure (z.B. Unternehmen, Hochschulen, FuE-Einrichtungen) weiter gefördert werden. 63 Dabei ist insbesondere die Kooperation im Rahmen von Innovationsaktivitäten, welche Wettbewerbsvorteile für alle beteiligten Akteure generieren, als charakteristisch und notwendig für die Entstehung von Industrieclustern anzusehen. Kooperation führt nicht durch Informationsaustausch allein, sondern durch den intensiven Austausch von Wissen („tacit knowledge“) zu Innovation und zu Wettbewerbsvorteilen, da Information zwar weltweit mobil, Wissen jedoch räumlich verwurzelt ist. 64 Wissen wird zum Wettbewerbsvorteil, je größer das Netzwerk ist, welches Wissen transportiert und für andere nutzbar macht, wobei spezielle Normen und Werte den Rahmen für Wissenstransfer vorgeben. 65
2.1.2.4. Das kreative Milieu
Das „kreative Milieu“ wird als ein räumlicher Komplex beschrieben, in dem Normen und Werte, Know-how, Regeln sowie ein Kapital an sozialen Beziehungen integriert und beherrscht werden. 66 Der Komplex ist dabei als Teil eines regionalen Netzwerkes anzusehen 67 , welches ein Kollektiv an Akteuren sowie menschliche und materielle Ressourcen verbindet. Kollektive und dynamische Prozesse unterschiedlicher Akteure führen dabei zu einem intensiven Informationsaustausch und zur Bildung von sog. „knowledge networks“ durch welche neu entstandene Lernerkenntnisse nutzbar gemacht werden. 68 Erst durch
63 Vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION (2002), S. 17.
64 Vgl. COOKE, P. (2000), S. 5.
65 Vgl. MALMBERG, A./MASKELL, P. (2001), S. 7.
66 Vgl. CREVOISIER, O. (2001), S. 247.
67 Vgl. FROMHOLD-EISEBITH, M. (1995), S. 36.
68 Vgl. LUBBE, C. (2006), S. 17.; vgl. GIULIANI, E. (2005), S. 275.
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die Anwendung der Erkenntnisse innerhalb der Netzwerkbeziehungen kann Kreativität entstehen, welche zu Innovation führen kann. 69 Der Ansatz des „kreativen Milieus“ ist zum einen von den Theorien der „kalifornischen Schule“ zu unterscheiden, welche die Entstehung von innovativen und kreativen Milieus als Ergebnis und nicht als Voraussetzung industrieller Ballungen ansieht, vermischt sich jedoch mit den Ideen der „nordischen Schule“ welche die lernende Wirtschaft als Grundlage für die Entstehung von Wettbewerbsvorteilen betrachtet. Im Vergleich zur „nordischen Schule“, basiert das Konzept des „kreativen Milieus“ jedoch nicht nur auf Austausch von Wissen, sondern setzt auch den personellen Austausch voraus, da Mobilität unter den Arbeitskräften die Lernfähigkeit erhöht. 70
2.1.2.5. Industriecluster nach PORTER
Die bisher beschriebenen theoretischen Ansätze fokussieren sich auf die Bedeutung regionaler Ressourcen und institutioneller Rahmenbedingungen. Die Erklärungsversuche für die Entstehung von Clustern haben sich in diesen Ansätzen von wirtschaftlichen Gründen wie Skaleneffekten hin zu soziokulturellen Gründen wie Vertrauen oder Zusammenarbeit verschoben. 71 Einen anderen Weg regionale Ballungen zu erklären wählt Michael E. Porter. Nach PORTER gewinnen Unternehmen in regionalen Clustern auf Grund eines besseren Zugangs zu spezialisierten und erfahrenen Mitarbeitern, Lieferanten, spezialisierter Informationen und öffentlichen Gütern, sowie durch die motivierende Kraft des lokalen Wettbewerbs an Konkurrenzfähigkeit. 72 Darauf aufbauend entwickelte PORTER das sog. „Diamantmodell der nationalen Wettbewerbsvorteile“, in dem Wettbewerbsfähigkeit durch vier Hauptfaktoren bestimmt wird:
S Faktorbedingungen (z.B. Arbeitskräftepotential, Infrastruktur) S Nachfragebedingungen (z.B. Marktpotential und Marktwachstum, Kaufkraft) S Verwandte und unterstützende Branchen (z.B. Zulieferer, Dienstleistungen) S Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen und Inlandswettbewerb
69 Vgl. BUTZIN, B. (2000), S. 155.
70 Vgl. LUBBE, C. (2006), S. 17.
71 Vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION (2002), S. 20.
72 Vgl. PORTER, M E. (1998b), S. 3f.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Alexander Schlagenhaufer, 2008, Strategien zur Profilierung von Industrieclustern im internationalen Wettbewerb , München, GRIN Verlag GmbH
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