Universität Paderborn - SS 2006
HS: Apokalypse
,,Das Grauen" oder doch die
Hoffnung?
Die Enden von ,,Heart of Darkness"
und ,,Apocalypse Now" im
Vergleich
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2.1 Joseph Conrad′s ,,Heart of Darkness" 3
2.1.1 Inhalt 3
2.2 Der Schluss 5
3.1 Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now" 10
3.1.1 Inhalt 11
3.2 Der Schluss 15
3.3 Das ,,Dilemma" um das richtige Ende 17
4. Fazit 24
6. Quellenverzeichnis 27
7. Literaturverzeichnis 27
5. Anhang 29
1. Einleitung
Im Verlauf dieser Arbeit werde ich einen Vergleich versuchen, zwischen
dem Ende der Erzählung ,,Heart of Darkness" von Joseph Conrad und dem
Ende des Films ,,Apocalypse Now" von Francis Ford Coppola, der zum Teil
auf Conrads Erzählung basiert.
Ich werde zunächst näher auf die beiden Werke eingehen und jeweils
ausführlicher das jeweilige Ende besprechen, ehe ich zum Vergleich
komme.
Besondere Aufmerksamkeit widme ich hierbei den Quellen rund um die
Entwicklung des Endes von ,,Apocalypse Now". Hauptquellen sind hierbei
die ,,Redux"-Fassung des Films, sowie das Buch und die Dokumentation
von Coppolas Frau Eleanor Coppola über die Entstehung von ,,Apocalypse
Now".
2.1 Joseph Conrad′s ,,Heart of Darkness"
Die Erzählung ,,Heart of Darkness" erschien erstmals 1899 im Blackwood′s Magazine
Der Schriftsteller Joseph Conrad schrieb die Erzählung in nur zwei Monaten
nieder.1 Sie beinhaltet einen starken autobiographischen Aspekt. Ebenso wie
der Protagonist der Erzählung, der Engländer Charlie Marlow, reiste auch
Conrad in den Kongo.
2.1.1 Inhalt
Beauftragt von einer belgischen Handelsgesellschaft reist Charlie Marlow
1891 als Kapitän eines Flussdampfers den Kongo hinauf. Diese ,,Company"
handelt im Kongo mit Elfenbein, einem wichtiger Handelsfaktor der Zeit.
Die belgischen Kolonialisten zwingen die Eingeborenen zur Zwangsarbeit
und gingen mit unsäglicher Brutalität vor.
Der Kongo, als belgische Kolonie König Leopold II. zueigen, ist zu der Zeit
noch nicht vollständig erkundet. Marlow wird von Neugierde oder auch Abenteuerlust getrieben, die ihn in den ,,weißen Fleck" auf der Landkarte
reisen lässt.
Sein Auftrag ist es, den mysteriösen Elfenbeinhändler ,Herr Kurtz′ in der
inneren Station des kongolesischen Urwalds aufzuspüren. Kurtz scheint auf
alle Beteiligten eine seltsame Faszination auszuüben und sein Ruf eilt ihm
weit voraus. Die Wenigsten, die Marlow über ihn reden hört, haben ihn
tatsächlich gesehen.
Kurtz soll auf seinem Handelsposten als gottähnlicher Herrscher über die
Eingeborenen ein ,,eigenes Schreckensreich"2 errichtet haben. Als Kurtz
jedoch erkrankt, wird seine göttliche Natur von den Eingeborenen in Frage
gestellt und er verliert an Macht.
Im Kongo macht Marlow Erfahrungen mit den Schrecken der dortigen
Kolonisation und dem Wahnsinn, der sich unter den dort stationierten
Menschen aufgrund des Klimas und der ,widrigen′ Umstände ausbreitet.
Obwohl Kurtz sich im Kongo immer weiter von den dort anwesenden
Weißen distanziert, gilt sein Charakter als Personifizierung der alles
dominierenden Kolonialmacht.
Im Laufe von Marlows Reise wächst die Faszination, die Kurtz für den bis
dahin vernunftbetonten Marlow ausübt und er/dieser ersehnt das
Zusammentreffen mit Kurtz.
Die Reise entwickelt sich für Marlow immer mehr zu einer Reise in sein
eigenes Ich. Er wagt einen Blick in die Abgründe der eigenen Seele.
Mit den Taten und der ,,überspannten und unglaublichen Verderbtheit" von
Kurtz konfrontiert, stellt Marlow zunehmend jegliche Moral in Frage.3
Die tatsächliche Dunkelheit des Urwaldes deckt die Dunkelheit in den
Seelen der Menschen auf, zeigt das Böse und Brutale, zum Teil Sadistische,
welches hauptsächlich von Kurtz auszugehen scheint.
In der inneren Station angekommen macht Marlow zu aller erst
Bekanntschaft mit einem jungen Russen, der Kurtz′ verfallen ist. Auch
Marlow scheint Kurtz′ Faszination nicht entgehen zu können. Nur Kurtz
Tod hält ihn scheinbar davon ab, dem jungen Russen nachzufolgen.
2.2 Der Schluss
Marlow nimmt den sterbenskranken Kurtz mit auf das Boot, um ihn zurück
zur Niederlassung der ,,Company" zu bringen. Allerdings erliegt Kurtz auf
dem Boot seiner Krankheit.
,,Nie habe ich etwas gesehen, das dem Wandel, der mit seinen
Gesichtszügen vor sich ging, gleichgekommen wäre, und ich
hoffe, nie wieder so etwas sehen zu müssen. Oh, ich war nicht
gerührt. Ich war fasziniert. Es war, als zerrisse ein Schleier. Ich
sah auf diesem Elfenbeingesicht der Ausdruck düsteren Stolzes,
unbarmherziger Gewalt, feigen Entsetzens durchdringender
und hoffungsloser Verzweiflung. Durchlebte er sein Leben noch
einmal in allen Einzelheiten der Begierde, Versuchung und
Hingabe während jenes höchsten Augenblickes erfüllten
Wissens? Flüsternd schrie er einem Bild, einer Vision zu
zweimal schrie er, ein Schrei, der nicht mehr war, als ein Hauch:
»Das Grauen! Das Grauen!«"4
Der Urwald, der in diesem Moment Kurtz zuzuwispern scheint, entzieht
sich jeglicher ,,rationalen Sinnzuschreibung".5 Kurtz macht die Erfahrung
des Abgrundes, er verortet sich jenseits von Gut und Böse.6 Und auch
Marlow droht, durch den Einfluss von Kurtz, in den ,,Abgrund des
moralischen Chaos"7 zu stürzen.
Dieser Gefahr ist er sich bewusst, weshalb er erleichtert auf die letzten
Worte Kurtz′ reagiert. Sie bedeuten Triumph des Guten, eine Bestätigung
dafür, dass am Ende die Moral gesiegt hat. Die letzten Worte von Kurtz sind
für Marlow ,,eine Bejahung, ein moralischer Sieg, der durch unzählige Niederlagen, durch abscheuliche Schrecken, durch abscheuliche Befriedigungen erkauft worden war. Doch es war ein Sieg! Das ist es, weshalb ich Kurtz bis zum letzten die Treue hielt [...]."8
Marlow selbst erkrankt während der Rückfahrt von der inneren Station und
ringt mit dem Tod. Sein Überleben erklärt er mit der Entscheidung, Kurtz
nicht nachfolgen zu wollen.
Wie ihr jedoch seht, hatte ich keine Lust, Kurtz nachzufolgen.
Ich blieb, um den Alptraum auszuträumen und um noch einmal
meine Treue gegen Kurtz zu bewähren. [...] Ich habe hart mit
dem Tod gerungen.[...]
Um ein Haar wäre ich in die Lage gekommen, eine letzte
Äußerung zu tun, und ich mußte zu meiner Beschämung
entdecken, daß ich wahrscheinlich nichts zu sagen gehabt hätte.
Dies ist der Grund, weshalb ich behaupte, Kurtz sei ein
bemerkenswerter Mann gewesen. Er hatte etwas zu sagen. Er
sagte es. Da ich selber über die Grenzlinie gespäht, verstehe ich
die Bedeutung seines Blickes besser, der die Kerzenflamme
nicht mehr sah, doch groß genug war, das ganze Universum zu
umfassen, eindringlich genug, all die Herzen zu durchschauen,
die da im Finstern schlagen. Er hatte die Summe gezogen er
hatte das Urteil gefällt. »Das Grauen!« Er war ein
bemerkenswerter Mensch. Schließlich war dies der Ausdruck
einer Art von Glauben, der aufrichtig war, Überzeugungskraft
besaß, dessen Geflüster von Empörung durchzittert wurde, der
das abstoßende Antlitz einer flüchtigen Wahrheit trug das
seltsame Gemisch aus Gier und Haß.9
Vor seinem Tod hatte Kurtz Marlow seine Aufzeichnungen anvertraut,
damit diese nicht an die Mitarbeiter der ,,Company" fallen. Der Direktor der
,,Company", der mit an Bord des Flussdampfers ist, versucht während der
Rückreise wiederholt, die Papiere, die Kurtz Marlow vor seinem Ableben
anvertraut hatte, von Marlow zu bekommen. Doch dieser verweigert sie
ihm.
In England angekommen, kann Marlow sich aufgrund seiner Erkrankung
nur noch bruchstückhaft an die Rückreise erinnern. Er überlegt, wie er mit
den Aufzeichnungen von Kurtz verfährt. Kurtz′ Mutter ist laut den
Informationen der von Kurtz′ Verlobten erst kürzlich verstorben.
Als ein Mann bei Marlow vorspricht, der offenbar von der ,,Company"
geschickt worden war, um Marlow die Papiere abzunehmen, weigert sich
Marlow erneut.
Ein glattrasierter Mann mit einer amtlichen Miene und
goldgeränderter Brille sprach eines Tages bei mir vor und fragte
mich, versteckt zunächst und später höflich drängend, über das
aus, was er gewisse »Dokumente« zu nennen beliebte. Ich war
verdutzt, weil ich mit dem Direktor dort draußen bereits
zweimal wegen derselben Sache heftig Streit bekommen hatte.
Ich hatte mich geweigert, auch nur den winzigsten Fetzen aus
1 Nicolaisen, Peter: Joseph Conrad, Reinbek bei Hamburg 1988, S. 77.
2 Conrad, Joseph: Herz der Finsternis (Süddeutsche Zeitung Bibliothek 20), München 2004,
Klappentext.
3 Nicolaisen, Conrad, S. 95.
4 Conrad, Herz der Finsternis, S. 112.
5 Stiglegger, Marcus: Malediction resurrected - Ins finstere Herz von Apocalypse Now Redux,
http://www.ikonenmagazin.de/artikel/apcalypse_now_redux.htm, Stand Oktober 2006.
6 Stiglegger, Malediction resurrected.
7 Nicolaisen, Conrad, S. 95.
8 Conrad, Herz der Finsternis, S. 114.
9 Conrad, Herz der Finsternis, S. 114.
Arbeit zitieren:
2006, "Das Grauen" oder doch die Hoffnung? Die Enden von "Heart of Darkness" und "Apocalypse Now" im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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