Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
Seite 3
2. Multiple Persönlichkeiten
2.1 Zur Geschichte der Multiplen Persönlichkeit Seite 4
2.2 Zur heutigen Definition der Multiplen Persönlichkeitsstörung Seite 6
2.3 Erörterung der Definition Seite 6
2.4 Diagnose: Multipel oder nicht? Seite 7
3. Entstehung einer Multiplen Persönlichkeit
3.1 Wer kann Multipel werden? Seite 11
3.2 Vorraussetzung: Schwerste Kindheitstraumata Seite 12
3.3 Vorraussetzung: Weiblich (?) Seite 12
3.4 Vorraussetzung: Dissoziieren können Seite 13
3.5 Vorraussetzung: Keiner hilft Seite 14
4. Wer sind die Täter?
4.1 Täter in der Familie Seite 15
4.2 Täter von „Außerhalb“ Seite 16
5. Abschließend
Seite 18
6. Literaturliste
Seite 20
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1.Einleitung
In folgender Ausarbeitung versuche ich das Erscheinungsbild einer Multiplen Persönlichkeit, die Voraussetzungen, durch welche es zu einer Multiplen Persönlichkeit kommt und die dafür zu Verantwortenden, die Täter, darzustellen. Dass es sich um die Folgeerscheinung einer kaum vorstellbaren erlebten Gewalt handelt, welche die Betroffenen seit ihrer frühesten Kindheit, teilweise sogar bereits im Mutterbauch, erleben und erdulden mussten.
Dass die jeweils Betroffenen nicht „verrückt“ sondern schwer traumatisiert sind. Keiner Einweisung in eine geschlossene Anstalt bedürftig sind (nur wenn akute Verletzungsgefahr für die Person selber oder außenstehender Personen besteht), da ein Zwangsaufenthalt die persönliche Freiheit der PatientIn sowie deren ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis erheblich beschneiden würde und somit eine erneute Traumatisierung zur Folge haben könnte.
Multiple haben, zusätzlich zu den Auswirkungen ihrer verschiedenen gebildeten Persönlichkeiten und den damit verbundenen Verwirrungen der „Gesamtperson“, auch noch damit zu kämpfen, dass sie vielfach als „Verrückte“ oder Simultanten bezeichnet werden.
Da die Multiple Persönlichkeit bis heute (!) immer noch vielfach als Diagnose abgelehnt und in den Bereich der Schizophrenie abgeschoben wird, können Multiple Persönlichkeiten vielfach nicht geheilt werden, da keine entsprechende Kenntnisse von seiten der behandelnden Therapeuten / Psychologen bestehen.
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2. Multiple Persönlichkeiten
2.1 Zur Geschichte der Multiplen Persönlichkeit
Beim Lesen historischer Texte und Begebenheiten, könnten, wenn man ein Augenmerk darauf richtet, viele Ereignisse bzw. Persönlichkeitsschilderungen auf eine Multiple Persönlichkeit schließen lassen.
Henry F. Ellenberger tat dieses und stellt in seinem Buch „Die Entdeckung des Unbewußten“ historisch dokumentierte Fälle von „Besessenheit“ dar: „Das Phänomen der Bessenheit, das jahrhundertelang so häufig war, kann man sehr wohl als eine Variante der >multiplen Persönlichkeit> ansehen. Wir haben die zwei Formen der Bessenheit...genannt: luzide Bessenheit (in der der Mensch wahrnimmt, wie die zwei Seelen in seiner Brust ringen) und somnambule Bessenheit (bei der der Mensch das Bewußtsein seiner selbst verliert, während ein geheimnisvoller Eindringling von seinem Körper Besitz ergreift und als ein Individuum spricht, von dem der Mensch nichts weiß, wenn er zum Bewußtsein zurückkehrt). Man sieht, welche Parallele diese beiden Formen von Besessenheit zu...der >multiplen Persönlichkeit< bilden.“ 1
Die als „Hexen“ bezeichneten Frauen, welche oftmals dargestellt wurden als „vom Teufel besessen“ weil sie im Handumdrehen eine andere Person waren und dementsprechend anders sprachen ( „in fremden Zungen redete“), lassen vom heutigen Stand auch an Multiple Persönlichkeiten denken. Von 1880 bis 1920 sind besonders hervorzuheben die Arbeiten von Pierre Janet, einem französischen Psychiater. In dieser Zeit wurde sich allgemein anscheinend gerne mit dem Thema der dissoziativen Störungen beschäftigt. Anhand des damals sehr berühmten Falles der Christine Beauchamp, welche in ihrer Kindheit schwer traumatisiert worden war, wurden zwei Standpunkte diskutiert: „Dipsychismus“ hieß, dass das Gehirn geteilt sei in ein „oberes Bewußtsein“ und ein „Unterbewußtsein“.
Beim „Polypsychismus“ wurde die Meinung vertreten, dass das Gehirn in viele Bereiche unterteilt ist. Jeder davon mit einem „subego“ ausgestattet. Die Bereiche werden weiter kontrolliert und „regiert“ von einem sog. „Egos“ 2 Die Theorien Freuds führten zu einer dramatischen Verschlechterung für traumatisierte Frauen.
Zu Beginn erkannte Freud zwar an, dass seine als „hysterisch“ bezeichneten Patientinnen sexuelle Erlebnisse, bzw.
„..ein oder mehrere Erlebnisse von vorzeitiger sexueller Erfahrung..“ 3 hatten, doch dies dementierte er wenig später wieder zugunsten seiner „Verführungstheorie“. Diese besagte, dass die als „hysterisch“ diagnostizierten Frauen sich insgeheim wünschten, von ihrem Vater verführt zu werden.
1 Ellenberger, H.F.: Die Entdeckung des Unbewußten, 1985, S.186f.
2 Prince, M.: Dissociation of a Personality, 1906.
3 Freud, S.: Zur Ätiologie der Hysterie, 1896, in: ders.: Gesammelte Werke, hg. von A.Freud et al, Imago Ausgabe, Bd.1, London, 1952, S.439, zitiert in: Huber, M.:Multiple Persönlichkeiten, 1995, S.22
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Die führte also zu einer Verdrängung der Realität. Michalea Huber zitiert zu dieser Entwicklung die Traumforscherin Judith Hermann, welche bei ihren Forschungen zu folgendem Ergebnis kam:
„Aus seinen (Freuds) Briefen geht hervor, dass ihn die drastischen sozialen Konsequenzen, die seine Hypothese nahelegten, zunehmend beunruhigten. Weibliche Hysterie war weit verbreitet. Wenn seine Patientinnen die Wahrheit gesagt hatten und seine Theorie stimmte, blieb nur die Folgerung, dass das, was er >Perversion gegen Kinder< nannte, weit verbreitet war. Solche Dinge kamen demnach nicht nur im Pariser Proletariat vor, wo er die Hysterie zuerst erforscht hatte, sondern auch unter geachteten bürgerlichen Familien in Wien, wo er mittlerweile praktzierte. Dieser Gedanke war schlichtweg unannehmbar. Er überstieg das Vorstellungsvermögen. Konfrontiert mit dem Dilemma gab es Freud auf, seinen Patientinnen zuzuhören..“ 4
Es erfolgte mit wenigen Ausnahmen ein allgemeines Desinteresse an der Multiplen Persönlichkeit.
Weiter schien allgemein die Diagnose der „Schizophrenie“, welche 1908 von Bleuer ausgesprochen wurde, auf mehr Interesse zu stoßen. Dazu bemerkt Michaela Huber „Diese Entwicklung ist heute noch wirksam: Rund 40% aller als „schizophren“ diagnostizierten Psychiatrie-Patienten sind vermutlich in Wirklichkeit multiple Persönlichkeiten.“ 5
Ein wichtiger Grund für das Desinteresse an der diagnostizierten Multiplen Persönlichkeit war die Entwicklung von Psychopharmaka, Neuroleptika. Das zu behandelnde Problem wurde aus den Bereich der Psychotherapie, welche psychische Erkrankungen therapeutisch versucht zu heilen, in den Bereich der organisch biologischen Psychologie verschoben. Das bedeutet für eine Multiple Persönlichkeit eine große Gefahr, da Psychopharmaka, falls überhaupt, bei Multiplen nur sehr sorgfältig eingesetzt werden dürfen. Die durch Dissoziation entstandenen verschiedenen Persönlichkeiten reagieren sehr unterschiedlich auf Medikamente. Dazu später mehr. Erst 1980 (!) wurde eine „Dissoziative Störung“ aufgenommen in das internationale Diagnostik-Handbuch für psychische Störungen. In der Folge erschienen aufsehenerregende Schilderungen von Multiplen Persönlichkeiten, u.a. das Buch „Sybil“, welches die Therapie einer Multiplen bei Cornelia Wilbur (verst.1991) dokumentiert.
Die „International Society for the Study of Multiple Personality and Dissociation (ISSMP&D)“ gründete sich 1984 und nannte sich zehn Jahre später um in die „International Society for the Study of Dissociation (ISSD). Stationäre Kliniken speziell für Multiple entstanden in der USA und in Kanada. In Europa entstand ausschließlich in den Niederlanden eine Klinik, in welcher es zwei Stationen mit etwa einhundert ausgebildeten Psychotherapeuten für Multiple gibt. Es gibt wenig Studien zur Ausbreitung einer dissoziativen Störung, geht man von dem spärlichen Material aus, welches vorhanden ist (Studien aus Nordamerika), haben „rund 10% der Bevölkerung eine dissoziative Störung, etwa 1% könnte eine
4 Hermann, J.: Die Narben der Gewalt, S.26 zitiert in: Huber, M: Multiple Persönlichkeiten, 1995, S.23
5 Rosenbaum,M: The role of the term schizophrenia in the decline of multiple personality, in:Huber,M.: Multiple Persönlichkeiten, 1995, S.:24
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Multiple Persönlichkeitsstörung haben. Bei ambulanten und stationären Psychiatrie-PatientInnen scheint die Rate weitaus höher zu liegen, nämlich zwischen 5 und 15 %.“ 6
2.2 Zur heutigen Definition der Multiplen Persönlichkeitsstörung
Die Definition der Multiplen Persönlichkeit lautet im DSM-III-R (internationales Diagnostikhandbuch für psychische Störungen) von 1987: „A)Existenz von zwei oder mehr unterschiedlichen Persönlichkeiten oder Persönlichkeitszuständen innerhalb einer Person (jede mit einem eigenen, relativ überdauernden Muster, die Umgebung und sich selbst wahrzunehmen, sich auf sie zu beziehen und sich gedanklich mit ihnen auseinanderzusetzen). B)Mindestens zwei dieser Persönlichkeiten oder Persönlichkeitszustände übernehmen wiederholt die volle Kontrolle über das Verhalten des Individuums.“ 7
2.3 Erörterung der Definition
Bei dem unter A geschilderten Phänomen handelt es sich um die Dissoziation, Abspaltung in die verschiedenen Personen, welche als diese weiterleben. Bei B wird die Tragweite deutlich, dass es sich nicht um eine „innere Stimme“ oder ähnliches handelt, sondern das die jeweilige Persönlichkeit die volle Kontrolle über den Körper übernimmt.
Denken, Fühlen, Handeln wie auch äußere Merkmale wie Handschrift, Gestik, Sprechweise, Wortschatz, Haltung verändern sich der jeweiligen „bestimmenden“ Persönlichkeit entsprechend bis hin zu einer Veränderung der Augenfarbe (!), welche gemeinhin als ein festes und unveränderliches Merkmal gilt. Die Folge von so einem „switch“, einem Persönlichkeitswechsel ist, dass eine Person nicht weiß, was ihr Körper im nächsten Moment macht und was sie selber unter Umständen nie tun würde.
Für die Zeit, in welcher eine andere Person handelte und den Körper „besaß“, fehlt den anderen Persönlichkeiten in diesem Körper jegliche Erinnerung. Es entstehen damit komplette Amnesien und „Zeitlöcher“ welche die PatientInnen in eine große und kaum vorstellbare Hilflosigkeit stürzen, da sie oft an einem Ort und zu einer Zeit „wieder zu sich kommen“, welche sie nicht einordnen können.
6 Ross, C.A.: Epidemiologie of multiple personality disorder and dissociation, in: Huber,M.:Multiple Persönlichkeiten, 1995, S.26
7 Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, DSM-III-R, 1989, S.:332
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Arbeit zitieren:
Anke Grams, 2000, Multiple Persönlichkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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