Inhaltsverzeichnis
1 PROBLEMSTELLUNG 1
2 FINANZKRISEN UND INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN 1
3 TOO BIG TO FAIL 4
3.1 DEFINITION 4
3.2 ENTSTEHUNG 5
3.3 FOLGEN 6
3.4 MOTIVE 8
4 US-INVESTMENTBANKEN WÄHREND DER SUBPRIME-KRISE 9
4.1 RETTUNG VON BEAR STEARNS 9
4.2 INSOLVENZ VON LEHMAN BROTHERS 10
4.3 ÜBERNAHME VON MERRILL LYNCH SOWIE DIE REAKTION VON GOLDMAN
SACHS UND MORGAN STANLEY 11
4.4 KRITISCHE WÜRDIGUNG DER VORGEHENSWEISEN 12
4.5 VOR- UND NACHTEILE STAATLICHER RETTUNGSAKTIONEN 14
5 THESENFÖRMIGE ZUSAMMENFASSUNG 15
LITERATURVERZEICHNIS 16
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1 Problemstellung
Im Februar 2007 fielen die ersten zweitklassigen US-Hypothekenkredite aus. Damit begann die hiernach benannte Subprime-Krise, die mit dem Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers und dem darauf folgenden Beinahe-Zusammenbruch der Finanzmärkte ihren Höhepunkt erreicht haben sollte. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise gewinnt das Verhalten des Staates in der bereits seit langem geführten Diskussion an Bedeutung, ob bedrohte Banken gerettet werden sollen. Der Staat versucht einerseits, durch Rettungen eine Ausbreitung der Krise auf andere Institute zu verhindern, andererseits jedoch werden durch das Einspringen als „Lender of Last Resort“ (= Kreditgeber letzter Instanz) falsche Anreize gesetzt. Insbesondere große Institute werden vom Staat häufig als „too big to fail“ eingestuft.
Im Rahmen dieser Seminararbeit wird die Historie staatlicher Maßnahmen zur Rettung großer Banken kritisch beleuchtet und am Beispiel der großen US-Investmentbanken im Verlauf der Subprime-Krise analysiert. Die Investmentbanken sind durch ihr Geschäftsmodell besonders stark von der Finanzkrise betroffen. Mit der Investmentbank Lehman Brothers spielt eine von ihnen eine zentrale Rolle in der Entwicklung der jetzigen Finanzkrise.
Die einzelnen Interventionsmöglichkeiten werden lediglich grob dargestellt, da eine ausführliche Betrachtung den Umfang dieser Arbeit überschreiten würde. Bei der Darstellung der Ergebnisse wissenschaftlicher Studien und der Meinungen führender Ökonomen wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, da dies ebenfalls über den Rahmen dieser Seminararbeit hinausgehen würde.
2 Finanzkrisen und Interventionsmöglichkeiten
Eine Finanzkrise wird „als eine Situation definiert, in der die Stabilität und effiziente Funktionsweise des Finanzsystems einer Volkswirtschaft oder des internationalen Finanzsystems bedroht ist“ 1 .
Es gibt verschiedene Ansätze zur Bewältigung akuter Krisen. Im Folgenden werden die einzelnen Ansätze des reaktiven Krisenmanagements näher erläutert, die
1 Lähn (2004), S. 23.
1
im Rahmen der Subprime-Krise von den verschiedenen Instanzen bereits verwendet worden sind. Auf das präventive Krisenmanagement, das der Vermeidung von akuten Krisen dient, und die Maßnahmen der Eigenbewältigung wird in diesem Zusammenhang nicht eingegangen.
Die Maßnahmen der Fremdbewältigung lassen sich anhand der Träger der Maßnahmen unterteilen. Dies können andere Banken bzw. Verbände, der Staat, die Notenbank oder die Einlagensicherungsinstanz sein. Die Beteiligung anderer Banken an Rettungsaktionen lässt sich auf Stabilitätsbestrebungen, Kapitalverflechtungen oder den Druck des Staates zurückführen. Der Staat hingegen hat Angst vor einer Ausbreitung der Krise und fühlt sich auf Grund von Regulierungsfehlern mitverantwortlich. 2
Die häufigsten Hilfen anderer Banken im Rahmen der Subprime-Krise waren Stützungskredite, wie im Fall der KfW an die IKB, und Übernahmen, wie im Fall der Übernahme der SachsenLB durch die Landesbank Baden-Württemberg. Der Staat versucht, mit allgemeinen Fiskalhilfen Banken oder deren Kunden zu entlasten, um so die Regenerierung zu beschleunigen. Diesen Weg wählte die USA im Februar 2008, als sie ein Konjunkturprogramm in Höhe von 150 Mrd. Dollar auflegte. Der Staat greift außerdem häufig in Form von Garantien, Verstaatlichungen und Liquidationen ein. Die US-Regierung gewährte Garantien für Verlustrisiken bei dem Notverkauf der Investmentbank Bear Stearns, verstaatlichte die Immobilienfinanzier Fannie Mae und Freddie Mac und liquidierte die Hypothekenbank Indymac. Durch die Auslagerung von Problemkrediten in eine sogenannten „Bad Bank“ bzw. Zweckgesellschaft wird die Bilanz des angeschlagenen Instituts bereinigt, wie z. B. im Fall der WestLB. Das angeschlagene Unternehmen führt seine Geschäfte weiter und wird durch die Bilanzbereinigung wieder für Übernahmen interessanter; außerdem wird die Regeneration erleichtert. Die Notenbanken versuchen, ein günstiges monetäres Umfeld herzustellen, indem sie dem Geldmarkt hohe Summen zur Verfügung stellen, um die Refinanzierungszinssätze zu senken. Dieses Vorgehen wurde bereits auch vermehrt im Rahmen der Subprime-Krise praktiziert, um den Finanzmarkt zu stabilisieren, da der Inter-bankenhandel auf Grund des mangelnden Vertrauens zum Erliegen gekommen
2 Vgl. Bonn (1998), S. 343 ff.
2
war. Zusätzlich wurde z. B. in den USA der Umfang der akzeptierten Kreditsicherheiten ausgeweitet, um die Bankenrefinanzierung zu erleichtern. Außerdem vergeben die Notenbanken häufig Stützungskredite, wie z. B. im Fall des weltweit größten Versicherers American International Group (AIG). Im Oktober 2008 wurden zuerst in Großbritannien, später auch in den anderen europäischen Industriestaaten und den USA umfangreiche Rettungspakete beschlossen. Sie basierten auf den Maßnahmen, die die schwedische Regierung Anfang der 90er Jahre zur Krisenbewältigung wählte. Durch die Kombination von Schuldenübernahmen, Garantien und Beteiligungen konnte die Bankenkrise damals überwunden werden und der Staat verkaufte seine während der Krise erworbenen Bankenanteile im Anschluss mit Gewinn.
Der deutsche Finanzstabilisierungsfonds umfasst insgesamt 500 Mrd. Euro, von denen 400 Mrd. Euro für Kreditbürgschaften, 80 Mrd. Euro für Staatsbeteiligungen und 20 Mrd. Euro für Kredite bei Bürgschaftsausfällen zur Verfügung stehen. Das als „Troubled Asset Relief Program“ bezeichnete amerikanische Rettungspaket umfasst 700 Mrd. Dollar. Als sich herausstellte, dass sich der Finanzmarkt durch den Ankauf von illiquiden Wertpapieren nicht stabilisieren ließ, wurden 250 Mrd. Dollar des Rettungspakets für Staatsbeteiligungen an Banken verwendet. Dies wurde von Investoren wie George Soros und führenden US-Ökonomen bereits länger gefordert, um die Bilanzen der Finanzinstitute zu stärken. Der Wirt-schaftsprofessor Nouriel Roubini sieht dies als einzige Möglichkeit zur Vermeidung des Zusammenbruchs des Finanzsystems. 3
Generell sollten die Bewältigungsmaßnahmen die Wettbewerbsverzerrungen gering halten und die Moral-Hazard-Anreize begrenzen. Eine rechtzeitige Krisenerkennung, schnelle und regelgebundene Interventionen, eine geeignete Kostenverteilung sowie eine politische Rückendeckung tragen zur Krisenbewältigung bei. Ausreichend finanzielle Ressourcen, klare Zuständigkeiten, transparentes Vorgehen und die Revision von zur Krisenentstehung beigetragenen Regulierungsnormen unterstützen eine erfolgreiche Bewältigung der Krise. 4
3 Vgl. Balzli u.a. (2008), S. 38.
4 Vgl. Bonn (1998), S. 351.
3
3 Too Big To Fail
3.1 Definition
Der besonders im Bankensektor gebräuchliche Begriff „too big to fail“ (TBTF) besagt, dass die Regierung eingreifen wird, um den Konkurs von großen Institutionen zu verhindern. In den USA wird die TBTF-Doktrin definiert als der Schutz unversicherter Einleger beim Konkurs großer Banken, um negative Auswirkungen auf das Finanzsystem zu vermeiden. 5
Dieser in der Bankenliteratur verwendete Begriff ist jedoch nicht eindeutig definiert. Mit dem Begriff „too big“ kann sowohl die absolute Größe als auch die Größe relativ zu einer objektiven Norm oder zu anderen Firmen gemeint sein. Die notwendige Quantifizierung der Größe kann z.B. über die Summe an Vermögensgegenständen oder auch über die Anzahl von Arbeitsplätzen erfolgen. Allerdings kann der Begriff auch unabhängig von der Größe, sondern auch in Bezug auf die Rolle des Unternehmens in der Wirtschaft oder die systemische Bedeutung gesehen werden. Im Bankensektor ist diese mittlerweile ausschlaggebend. 6 Auch der Begriff „to fail“ wird im Zusammenhang mit TBTF unterschiedlich ausgelegt. Es ergeben sich Unterschiede bei den durch einen Konkurs betroffenen Personengruppen. Bei einer Liquidation nach Kapitel sieben des US-Insolvenzgesetzes ist das Unternehmen entweder überschuldet oder so schwach, dass es keine Überlebenschance hat. Daraufhin wird es aufgelöst und seine Vermögenswerte werden verkauft. Diese Erlöse gehen entsprechend der Insolvenzquote an die Gläubiger, die somit einen anteiligen Verlust realisieren. Die Aktionäre erleiden hingegen einen Totalverlust, während Manager und Angestellte ihren Arbeitsplatz verlieren. Im Rahmen von TBTF hingegen werden Firmen bzw. Banken als zu groß angesehen, um ihren Gläubigern bzw. Einlegern Verluste zuzumuten. Bei der Rekapitalisierung insolventer Banken werden häufig weder die Einleger, noch die Aktionären oder Managern Verlusten ausgesetzt. 7
5 Vgl. Dabós (2004), S. 141.
6 Vgl. Seelig (2004), S. 220 ff.
7 Vgl. Seelig (2004), S. 224 f.
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Arbeit zitieren:
Christina Beier, 2008, Too Big To Fail, München, GRIN Verlag GmbH
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