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Inhaltsverzeichnis
1 Eine Einleitung
S. 2
1.1 Darstellung des Themenbereiches
S. 2
1.2 Zum Aufbau dieser Hausarbeit
2 Die muttersprachliche Ebene des Spracherwerbs
S. 3
2.1 Die Wichtigkeit des frühkindlichen Spracherwerbs
S. 5
2.2 Die Bedeutung der Muttersprache für Migrantenkinder
3 Die Mehrsprachigkeit bei Migrantenkindern
S. 6
3.1 Bilingualismus: Zweitspracherwerb bei Migrantenkindern
S. 9
3.2 Bilingualismus bei Migranten und deren Kindern?
4 Die soziale und gesellschaftliche Situation von Migranten und
deren Kinder im historischen Kontext von Integrationspolitik
Ein Beispiel: Türkische Migranten und deren Kinder 10
5 Eine Perspektive: Eigene Sichtweise 1
6 Literaturverzeichnis S 14
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1 Eine Einleitung
1.1 Darstellung des Themenbereiches
Das Thema dieser Hausarbeit, „Bilingualismus: Sprachbedingte Sozialisation bei Migrantenkindern“, ist weitgehend als eine fächerübergreifende Problematik zu verstehen und dementsprechend auch so darzustellen. Als Untersuchungsgegenstand der Soziolinguistik haben hier zwar linguistische und soziologische Theorien, Aspekte und Erkenntnisse einen primär prägenden Charakter, doch auch Fakten und Untersuchungsergebnisse aus den Wissenschaften der Philosophie, Psychologie und Anthropologie haben bei der Darstellung dieser Thematik einen wichtigen Stellenwert. Gerade die Reichweite an vielschichtigen und komplexen Fragestellungen macht dieses Thema interessant.
Die Gegebenheiten und Bedingungen zu einer zweisprachigen Erziehung können sehr variabel sein. Die Sprachsituation von Migrantenkindern, mit zum Beispiel zwei Elternteilen die einen Migrationsintergrund haben und die deutsche Sprache minimal beherrschen, ist jedoch das Ergebnis eines seit mindestens drei Generationen andauernden „Integrationsprozesses“.
1.2 Zum Aufbau dieser Hausarbeit
Damit eine Perspektive über die genannte Problematik möglich ist, wird das Thema weitgehend informativ und differenziert dargestellt. Die ausgesuchte Literatur (siehe Literaturverzeichnis) bietet dementsprechend eine mögliche Auswahl an relevanten Texten, Definitionen und Quellen. Die Hausarbeit ist so aufgebaut, dass wichtiges Fachvokabular und Begriffe im Kontext zum Thema erläutert werden, damit die Fragestellung und Darstellungsweise verständlich bleibt. Eine Zweiteilung der Thematik ist beobachtbar, weil eine Trennung in eine linguistische Ebene und in eine soziologische Ebene die Situation der Bilingualität bei Migrantenkindern differenzierter darstellt, obwohl diese voneinander abhängig sind und in Wechselbeziehung stehen. Bei der Erstellung dieser Hausarbeit haben mich persönlich folgende Leitfragen interessiert:
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• Welche familiären und kulturellen Aspekte prägen den Spracherwerb eines Migrantenkindes?
• Welchen Stellenwert hat die Bildungspolitik im Prozess der mehrsprachigen Kindererziehung?
• Inwieweit beeinflusst die Mehrsprachigkeit die Zukunftsorientierungen der Migrantenkinder im Kontext Identität und Kultur?
• Kann man sich im zukünftigen deutschen Bildungssystem, in Bezug auf die gegenwärtigen Deutschkenntnisse der Migrantenkinder in Deutschland, so etwas wie eine „institutionelle Diskriminierung“ vorstellen?
Die mich interessierenden Fragen haben mehr einen soziologischen Akzent, weil eben diese die jahrelang ausgeübte Integrationspolitik der Regierung beschreiben. Der Abschnitt, indem die soziale und gesellschaftliche Situation von türkischen Migranten dargestellt wird, soll daher als eine Historienbeschreibung des
Sozialisationsprozesses von türkischen Migranten in Deutschland verstanden werden. Der Stellenwert des bilingualen Spracherwerbs in diesem Prozess wird dabei deutlich. Da die zu diesem Thema in der Vorlesung geführten Diskussionen berücksichtigt wurden, sind manche Aussagen inhaltlich wiederzuerkennen.
2 Die muttersprachliche Ebene des Spracherwerbs
2.1 Die Wichtigkeit des frühkindlichen Spracherwerbs
In seinem Werk „Linguistisches Wörterbuch“ definiert der Linguist Theodor Lewandowski die Muttersprache folgend:
„[...] Die Erst- oder Primärsprache, die von der frühen Kindheit an erworbene Sprache (die nicht die der Mutter zu sein braucht und die nicht die am meisten geläufige Verkehrssprache bleiben muß). [...]“ 1 Jeder Mensch, ohne eine ernsthafte und somit prägende körperliche oder psychologische Einschränkung bzw. Behinderung, erlernt im Laufe kognitiver Entwicklungsstadien eine erste Sprache. Hierbei wird das Erlernen der Sprachfähigkeit in der frühen Kindheit Erstspracherwerb genannt und die zu erlernende Sprache als die Muttersprache bezeichnet. Da der kindliche Spracherwerb ein mit der kognitiven Entwicklung in Wechselbeziehung stehender und von ihr
1 Lewandowski, Theodor: Linguistisches Wörterbuch 3; S.736.
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abhängiger Prozess ist, kann man den periodischen Beginn des Spracherwerbs durch die ersten lautlichen Äußerungen des Kindes, die als kindliches Lallen bezeichnet werden, erkennen. Damit diese Laute zu eigentlichen Sprachlauten entwickelt werden können, lernt das Kind eben in diesem Stadium einzelne Laute voneinander zu unterscheiden. Durch einfache Lautkombinationen spricht das Kind in der nächsten Phase die ersten Worte, die einen funktionalen Charakter haben. Diese funktionalen Einwortsätze sind nicht immer interpretierbar, doch bringen die Bedürfnisse der Kinder zum Ausdruck. Der Soziolinguist Matthias Hartig beschreibt die Interaktionen des Kindes mit den Bezugspersonen in dieser Phase folgend: „[...] Diese Phase der Einwortsätze, oder auch holophrastische Phase genannt, wird dominiert von mehrfach funktionalen einzelnen Wörtern, die mit den sprachlichen Äußerungen der Erwachsenen nur indirekt verglichen werden können. [...]“ 2
In dieser Phase kann das Kind durch aussprechen der Lautkombination „Mama“ demnach „Mama komm“ oder aber auch „Mama, ich habe Hunger“ meinen. Durch den Gebrauch von Zweiwortsätzen beginnt im nächsten Stadium ein aktiver Grammatikeinsatz, welches in späteren Phasen die Bildung von noch komplexeren grammatischen Konstruktionen ermöglicht (z.b. Dreiwortsätze). An dieser Stelle wäre es relevant zu erläutern, dass im Prozess des Spracherwerbs in früher Kindheit die Interaktionen der Bezugspersonen mit dem Kind einen hohen Stellenwert haben, weil diese den Erwerb der Muttersprache beeinflussen und somit einen prägenden Charakter haben. Die emotionale und sprachliche Zuwendung der Bezugspersonen (Mutter, Vater, Geschwister, oder andere) prägt den Erwerb der Muttersprache sehr: Eine nicht ausreichende emotionale und sprachliche Zuwendung, mit konkreter Situationsbezogenheit, kann den Spracherwerb des Kindes erschweren oder verzögern, die Extremität entsprechend kann es sogar zur Sprachverweigerung des Kindes führen.
Der Erwerb der Muttersprache hat im Sozialisierungsprozess des Menschen also einen sehr wichtigen Standpunkt. Die einzelnen Stadien im endlosen Prozess des Spracherwerbs dienen dem Menschen nicht nur dazu ein sprachliches Kommunikationsmittel zu beherrschen und zu perfektionieren; also sprachliche Äußerungen zu verstehen, Intentionen zu formulieren und situationsgerecht zum dialogischen Sprachgebrauch im Stande zu sein; sondern integrieren ihn von Geburt
2 Hartig, Matthias: Soziolinguistik für Anfänger; S.101.
Arbeit zitieren:
Murat Kütük, 2002, Bilingualismus: Sprachbedingte Sozialisation bei Migrantenkindern, München, GRIN Verlag GmbH
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