Inhaltsverzeichnis
1. Hausfrauisierung der Arbeit 3
2. Bedeutung der unsichtbaren Arbeit für den Kapitalismus 4
3. Hausfrauisierung des männlichen Lohnarbeiters 8
4. Lösungsansätze 10
4.1. Die Bedeutung der feministischen Bewegung in der Mittelklasse 10
4.2. Das Problem der „nachholenden Entwicklung“ 10
4.3. Subsistenzperspektive 11
Literaturverzeichnis 13
2
1. Hausfrauisierung der Arbeit
Hausfrauenarbeit wird weder in der kapitalistischen noch in der marxistischen Theorie als produktive, wertvolle Arbeit angesehen. Marx folgt dabei derselben Argumentation wie die bürgerlichen Nationalökonomen, vor allem Adam Smith, der Produktion als Herstellung von Waren oder Tauschwerten mit dem Ziel der Mehrwertgewinnung definiert. Da die Arbeit von Hausfrauen nicht der Mehrwertgewinnung dient, kann sie demzufolge nicht produktiv sein, denn sie erzeugt keinen Wert, also kein Kapital. Die Tätigkeit, die Frauen verrichten wird als Reproduktion (von Arbeitskraft) betrachtet und ist der Kapital generierenden Produktion untergeordnet.
Mies bezeichnet diese Abwertung der Frauenarbeit, die damit begründet wird, dass sie ein Naturvorgang und nur eine Wiederholung sei, die im Gegensatz zur Warenproduktion nichts Neues hervorbringe, als „Hausfrauisierung“. ( vgl. Mies, in: Knapp/Wetterer, 2001, S. 162 f)
„Hausfrauisierung der Arbeit war und ist der Trick, durch den das Kapital Frauenarbeit generell entwertet, unorganisiert/atomisiert erhält, sie dauernd zur Verfügung hat und jederzeit- ohne Kosten- wieder aufnehmen kann.“ (Mies, in: Knapp/Wetterer, 2001, S. 166)
Feministinnen haben bewiesen, dass die Hausarbeit der Frauen, durch die Arbeitskraft der männlichen Lohnarbeiter zur Verfügung gestellt wird, vor allem da diese Arbeit nicht entlohnt wird, Mehrwert produziert. Frauenhausarbeit wird als Ausdruck der weiblichen Natur oder als Liebe bezeichnet und wird im Gegensatz zur „produktiven“ Arbeit nicht in die Berechnung des Bruttosozialprodukts einbezogen, da dieses System nur Arbeit erfasst, die direkt Tauschwerte für den Markt erzeugt. (vgl. Mies, in: Knapp/Wetterer, 2001, S. 166 f) Während der Mann als „Mensch“ angesehen wird, wird die Frau über die „Natur“ definiert. Grund für diese Einteilung ist das natürliche Monopol der Frau, ihre Gebärfähigkeit. Kein Produktionssystem erachtet die Gebärfähigkeit als so bedeutend wie der Kapitalismus, da sein zentraler Zweck die Produktion von Mehrwert ist, und dieser nur vom lebendigen Menschen geschaffen werden kann. Dieses Gesetz der kapitalistischen Akkumulation, wonach desto mehr Mehrwert erzeugt werden kann, je mehr Menschen es gibt, ist für die Reduzierung der Frauen auf Gebärmaschinen verantwortlich. (vgl. Werlhof, in: Werlhof/Mies/Bennholdt-Thomsen, 1988, S. 127 f)
Maria Mies beschreibt die Arbeit, die Frauen bei der Erziehung neuer Arbeitskräfte verrichten, folgendermaßen:
3
„Es sind Frauen, Mütter, die die Menschen hervorbringen, und dieses Hervorbringen ist nicht einfach ein unbewusster Akt der Natur als solcher, sondern es ist Arbeit. Und Frauen verausgaben unendlich viel Arbeit, bis diese kleinen Menschen groß sind und dann schließlich vor einem Fabriktor oder einem Büro stehen können, um ‚ihre Arbeitskraft’ zu verkaufen, die Arbeitskraft, die nicht sie, sondern ihre Mütter zu einem großen Teil produziert haben.“ (Mies, in: Knapp/Wetterer, 2001, S. 162)
Die Entwertung weiblicher Arbeit wird auch dann beibehalten, wenn Frauen erwerbstätig oder sogar allein für den Unterhalt der Familie verantwortlich sind. Frauen verdienen auf der ganzen Welt weniger als Männer, in Deutschland liegen Löhne von Frauen etwa bei 70 Prozent derer von Männern, was damit begründet wird, dass Frauen nur zusätzlich zum Einkommen der Männer verdienen. Zudem bekommen Frauen selten sichere Jobs, da erwartet wird, dass sie sich bei einer eventuellen Schwangerschaft ausschließlich als Hausfrau betätigen würden. Aufstiegschancen sind für Frauen deutlich beschränkt, auch in akademischen Berufen, während in Managementpositionen sowie an Universitäten kaum Frauen beschäftigt sind. Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse und „Leichtlohngruppen“ wurden großteils für Hausfrauen geschaffen. (vgl. Mies, in: Knapp/Wetterer, 2001, S. 166 f) Der Kapitalismus braucht die Ausbeutung der weiblichen Hausarbeit, die ihm wie die Natur als freies Gut zur Verfügung steht und nicht entlohnt wird, zur Kapitalakkumulation.
2. Bedeutung der unsichtbaren Arbeit für den Kapitalismus
Der Begriff Hausfrauisierung bezieht sich allerdings nicht nur auf Hausfrauenarbeit, sondern auch auf die Arbeit der BäuerInnen in den Entwicklungsländern, deren Arbeit wie die der Hausfrauen strukturell unsichtbar gehalten wird. SubsistenzbäuerInnen tragen, ähnlich wie Hausfrauen, zur Akkumulation von Kapital und somit zum Funktionieren des Kapitalismus bei.
Ohne diese mittlerweile internationale Hausfrauisierung der Frauen wären die Produktionszuwächse und das Wirtschaftswachstum im Norden nicht aufrechtzuerhalten. . (vgl. Mies, in: Knapp/Wetterer, 2001, S.163 ff)
Je mehr Menschen durch Technik und Maschinen in der Produktion verdrängt werden, desto mehr müssen Menschen in anderen Bereichen eingesetzt werden, um das System aufrechtzuerhalten. Diese Bereiche finden sich in der Hausarbeit, der Landwirtschaft und der Dritten Welt als nicht-entlohnte Arbeiten. (vgl. Werlhof, in: Werlhof/Mies/Bennholdt-Thomsen, 1988, S. 128)
4
Arbeit zitieren:
Britta Vogl, 2004, „Hausfrauisierte“ Arbeit im Kontext des Kapitalismus, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Berichterstattung nach den Terroranschlägen vom 11. September - Ethik...
Eine kommunikationswissenschaf...
Medien / Kommunikation - Medienethik
Essay, 13 Seiten
Der Begriff des Sinns bei Gill...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit, 11 Seiten
Potentialanalyse in der Personalentwicklung
Methoden und Bewertung
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 29 Seiten
Die Rolle Hagens im Nibelungenlied
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 22 Seiten
Pfingstkirchen in Afrika - über Geschichte und die Gründe ihrer Popula...
Hausarbeit, 13 Seiten
Der Bielefelder Verflechtungsansatz
Die Verknüpfung von Subsistenz...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Seminararbeit, 22 Seiten
„Fit durch die Nacht.de“ - Entwicklung und Erstellung einer Website üb...
Als Pilotprojekt in einer ausg...
Projektarbeit, 52 Seiten
Entwicklung und Strukturen der Frauenerwerbsarbeit im Deutschen Kaise...
Frauenstudien / Gender-Forschung
Hausarbeit, 26 Seiten
Strähnentechnik Folien (Unterweisung Friseur / -in)
Unterweisung eines Auszubilden...
Unterweisung / Unterweisungsentwurf, 13 Seiten
Die Geschichte der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland von ih...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Seminararbeit, 26 Seiten
Au Pair als informelle Unterstützungsstruktur für Familien
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hauptseminararbeit, 15 Seiten
Ästhetik oder Kosmetik? Eine kontroverse Debatte um den Film "Cid...
Diplomarbeit, 129 Seiten
Die Wirtschaftspolitik der peronistischen Regierung 1943-1955
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Britta Vogl's Text „Hausfrauisierte“ Arbeit im Kontext des Kapitalismus ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Britta Vogl hat den Text „Hausfrauisierte“ Arbeit im Kontext des Kapitalismus veröffentlicht
Britta Vogl hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare