Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. JONAH DANIEL GOLDHAGEN: HITLERS WILLIGE VOLLSTRECKER:
GANZ GEWÖHNLICHE DEUTSCHE UND DER HOLOCAUST 4
2.1 Goldhagens willige Vollstrecker 4
2.2 Die drei Fallstudien 5
2.3 Täter und Verhaltensanalyse 6
2.4 Die Deutschen als Kollektiv eine andere Gesellschaft 7
2.5 Goldhagens Begriff des eliminatorischen Antisemitismus 7
2.6 Hitler und die Deutschen: NS-Führung und Bevölkerung auf dem Weg zum
Holocaust 9
3. CHRISTOPHER R BROWNING: GANZ NORMALE MÄNNER: DAS
RESERVE-POLIZEIBATAILLON 101 UND DIE ENDLÖSUNG IN POLEN 9
3.1 Brownings ganz normale Männer : Das Reserve-Polizeibataillone 101 10
3.2 Das Verhalten der Männer : ein Erklärungsversuch 11
4. GOLDHAGEN IM VERGLEICH 13
5. FAZIT 14
6. LITERATURVERZEICHNIS 15
2
1. Einleitung
"Mir schien, ich hätte die Untaten als kollektive erfahren: Vor dem braungewandeten NS- Amtswalter mit Hakenkreuzbinde hatte ich auch nicht mehr Angst gehabt als vor dem schlichten feldgrauen Landser. Auch wurde ich den Anblick der Deutschen auf einem kleinen Bahnsteig nicht los, wo man aus den Viehwaggons unseres Deportationszuges die Leichen aufgeladen und aufgeschichtet hatte, ohne daß ich auch nur auf einem der steinernen Gesichter den Ausdruck des Abscheus hätte lesen können." 1 Wie war es möglich, daß sogenannte normale Bürger während des Nationalsozialismus zu Massenmördern wurden? Wie kam es, daß die Mehrheit der deutschen Bevölkerung zumindest passiv den Holocaust hinnahm und kein Mitgefühl für die Ermordeten entwickelte? Was war die Motivation der Täter? Was für ein institutioneller Rahmen umgab die Aktionen der Massenvernichtung? Wie wurden diese von den Tätern beurteilt? Warum waren die Männer brutaler, als es für die Erfüllung eines Befehls erforderlich war? Warum zeigten die meisten eine erstaunliche Eigeninitiative und Freiwilligkeit bei der Verfolgung von Juden?
Mit diesen Fragen möchte ich mich in meiner Arbeit beschäftigen. Mit Hilfe der Darstellung und des Vergleichs der Werke von Daniel Jonah Goldhagen und Christopher R. Browning werde ich versuchen, die Handlungsmotivationen der „Täter“ darzustellen. Der Vergleich der Werke ist deshalb interessant, weil sich die jeweiligen Darstellungen des Reserve-Polizeibataillons 101 auf die gleichen Quellen beziehen, jedoch von den beiden Autoren unterschiedlich interpretiert werden.
2. Jonah Daniel Goldhagen: „Hitlers willige Vollstrecker: Ganz
gewöhnliche Deutsche und der Holocaust“
Das Buch "Hitlers willige Vollstrecker von Jonah Daniel Goldhagen erschien erstmalig 1995 in den USA. Im Zentrum des Werkes steht die Frage nach den Tätern und der Bedeutung des Antisemitismus als Motivation für die Verbrechen des Holocausts, den Goldhagen als "zentrales Merkmal der NS-Zeit" betrachtet. Goldhagen wirft außerdem der bisherigen Holocaust-Forschung vor, bislang die grundlegenden Mechanismen des Holocaust nicht verstanden und den Tätern nur unzureichende Beachtung geschenkt zu haben. Das Ziel des Autors ist eine Neubewertung der Motive der Täter. Mit diesen Erkenntnissen hofft er zu klären, wie es zum Holocaust kommen konnte.
2.1 Goldhagens „willige Vollstrecker"
"Wir müssen erkennen, was so lange von akademischen wie nichtakademischen Autoren generell vernebelt wurde: Die antisemitischen Auffassungen der Deutschen waren die zentrale Triebkraft für den Holcaust. Sie lieferten nicht nur den zentralen Beweggrund für Hitlers Entschluß, die europäischen Juden auszulöschen - eine These, die viele akzeptieren -, auf ihnen beruhte auch die Bereitschaft der Täter, Juden brutal zu mißhandeln und zu töten. Die Schlußfolgerung dieses Buches lautet, daß der Antisemitismus viele Tausende „gewöhnlicher“ Deutscher veranlaßte, Juden grausam zu ermorden und daß auch Millionen anderer Deutscher nicht anders gehandelt hätten, wären sie in die entsprechenden Positionen gelangt." 2 In diesem Zitat ist der Kern von Goldhagens Thesen bereits angesprochen: der Antisemitismus war Teil der kollektiven Geistesverfassung und der Überzeugungen der Deutschen.
Die Deutschen töteten die Juden, weil sie als Deutsche von einem unkontrollierbaren germanischen Antisemitismus getrieben wurden. Der Haß auf die Juden war die Grundlage der allgemein akzeptierten Weltanschauung des deutschen Volkes.
Die an der Endlösung direkt beteiligten Täter zeigten deshalb Eigenmotivation und Übereinstimmung mit der Vernichtung. Goldhagen stellt fest, dass die Täter einen repräsentativen Schnitt der Bevölkerung darstellten und somit jeder Deutsche potentiell Beteiligter des Holocaust hätte werden können.
Für Goldhagen ist der Antisemitismus ein Phänomen der abendländischen Gesellschaften, in denen antisemitische Wahrnehmungsmuster im Zentrum des eigenen Weltbildes stehen. Antisemitismus existiert darüberhinaus in verschiedenen Formen unterschiedlicher Neigung zur gewalttätiger Umsetzung und kann in unterschiedlichen Epochen sich latent und manifest artikulieren.
Der Autor beschreibt den Antisemitismus in Deutschland vor 1933 als ein omnipräsentes Phänomen mit zunehmender Intensität, der seit Beginn der Neuzeit eliminatorischen Charakters gewesen sei, d.h. auf Ausschaltung der Juden aus der deutschen Gesellschaft hinzielte. Nach 1933 ist dies der Ausgangspunkt für die überwiegende Übereinstimmung der Deutschen mit den antisemitischen Plänen der NSDAP.
2.2 Die drei Fallstudien
Goldhagens Forschungen basieren auf drei Fallstudien: die erste Fallstudie untersucht die Polizeibataillone, deren Aufgabe darin bestand, in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten sämtliche Juden und Jüdinnen zu erschießen. Insgesamt waren rund vierzig Polizeibataillone in Polen und Rußland stationiert und ermordeten weit mehr als eine Million Juden und Jüdinnen. Diese Mordeinheiten setzten sich aus allen Teilen der Bevölkerung zusammen: Arbeiter, Angestellte, Bauern, Beamte, Akademiker. Nur ein Drittel war Mitglied der NSDAP, nicht einmal jeder Dreißigste gehörte der SS an. Das Durchschnittsalter betrug 36 Jahre, die meisten hatten Familien und Kinder. Die Untersuchung des Polizeibataillons 101 liefert dabei zwei grundlegende Schlußfolgerungen. Die Mitglieder des Bataillons 101 repräsentierten einerseits eine eher zufällige Auswahl von „ganz gewöhnlichen Deutschen“ und hatten somit auch keine besondere ideologische Nähe zum NS-System. Andererseits kann man bei der Judenvernichtung das Prinzip der Freiwilligkeit erkennen: d.h. diese „gewöhnlichen“ Täter töteten, obwohl sie es nicht mußten. Hierfür zählt Goldhagen zahlreiche Beispiele
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Arbeit zitieren:
Thomas Hanifle, 2001, "Hitlers willige Vollstrecker" oder "Ganz normale Männer", München, GRIN Verlag GmbH
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