Gliederung
1. Zur Textgeschichte und Textüberlieferung des Buches Jesus Sirach
2. Innerer Aufbau und Entstehung
3. Zur Person des Ben Sira und seinem historischen Kontext
4. Die literarischen Gattungen in Jesus Sirach
4.1. Der Hymnus
4.2. Der Verschiedenen Spruchformen
4.3. Der besondere Hymnus in Kap. 24
4.4. Der Weisheitsliteratur fremde Gattungen:
Prophetische Heilsverheißung
Allegorische Liebesgeschichte
Trinklied
Totenklage
Bauernlied
5. Das theologische Anliegen Jesus Sirachs zwischen Judentum und Hellenismus.
6. Zur Wirkungsgeschichte des Buches Jesus Sirach
7. Zusammenfassung
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang: Text und Übersetzung der Isis-Aretalogie von Kyme
1. Zur Textgeschichte und Textüberlieferung des Buches Jesus Sirach
Das Buch Jesus Sirach war vom 12. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ausschließlich in griechischer, lateinischer und einer syrischen Übersetzung, der Peschitta bekannt. Bis heute stellt die griechische Übersetzung des Enkels des Jesus Sirach, die ca. 132-117 v.Chr. angefertigt worden ist, die Grundlage für viele Übersetzungen. 1 Die Datierung und Verortung der hebräischen Textvorlage dieser Übersetzung ist durch Angaben im Text ungefähr auf das Jahr 190 v. Chr. in Jerusalem möglich. 2
Die Textüberlieferung des Buches ist kompliziert und bis heute nicht restlos geklärt. Bei der Entdeckung einer großen Zahl von Schriftrollen in der Geniza der Esrasynagoge der Karäer in Altkairo im Jahr 1896 wurden große Teile einer hebräischen Textfassung gefunden, kleinere Textausschnitte fanden sich auch in Qumran. 1964 schließlich tauchten bei Ausgrabungen in Masada weitere Teile auf, so dass heute 68% einer hebräischen Textfassung vorhanden sind. Die Annahme, es handle sich bei dem bis heute bekannten hebräischen Fragment um den Urtext, wird in der Forschung konträr diskutiert. Insbesondere die späte Datierung der hebräischen Abschriften ins 10. und 11. Jahrhundert lassen zweifeln. Darüber, welcher Textfassung bei Übersetzungen künftig der Vorrang gilt, einer hebräischgriechischen Mischlösung oder der bezeugten Tradition der alten Übersetzungen, herrscht noch kein Konsens. 3
1 Der Text der Jerusalemer Bibel, der sich auf den revidierten Text des Herder-Kommentars stützt, wählt für das Buch Jesus Sirach die Lesart der Septuaginta.
2 Sauer 40f.
3 Vgl. Marböck, Sirachbuch, 308
1
2. Innerer Aufbau und Entstehung
Das Buch besteht aus 51 Kapiteln, die auf den ersten Blick den Eindruck einer losen Sprüchesammlung, in die Beispiele anderer literarischer Gattungen eingebettet sind, erwecken. 4 Nach Marböck gibt es „zwar keine allgemein akzeptierte Gliederung, wohl aber mehrere strukturierende Elemente“ 5 . Diese Grobgliederung stellt sich folgendermaßen dar: Der erste Teil beginnt mit Gedanken zum Ursprung und Ziel der Weisheit, er endet mit einem allgemeinen Aufruf zur Erfüllung der Gebote des Herrn (1,1-23,27). Eingerahmt von diesen Gliederungselementen werden schwerpunktmäßig „Lehren, die das Leben des einzelnen in Familie und Ehe betreffen“ 6
Der Mittelteil des Buches wird eingeleitet durch das herausragende Selbstlob der Weisheit, das Züge der Isis-Aretalogien trägt ( 24, 1-22), auf die an anderer Stelle näher eingegangen wird. Inhaltlich überwiegen in diesem Teil Lehren, die „das Verhalten im öffentlichen Leben, in der verschiedenartig gestalteten Gemeinde und im religiös-kultischen Bereich“ 7 betreffen. Ohne einen eigentlichen eigenen Schluss endet dieser zweite Teil mit dem Beginn des dritten, ( 42,15) der Merkmale einer großen, geschlossenen Gesamtkomposition aufweist. Er beginnt mit dem „Lobpreis der Herrlichkeit Gottes in der Schöpfung“ 8 und stellt, das ist in der übrigen Weisheitsliteratur einzigartig, die Geschichte Israels von der Schöpfung bis in seine Tage als Heilsgeschichte des Volkes Israel dar. In sich ist dieser dritte Teil des Buches nochmals untergliedert in drei Abschnitte:
• 42,15-43,33: Der Lobpreis Gottes in der Natur und der Schöpfung;
• 44,1-49,16 / 50: Lob auf die Väter und die Gestalten der Geschichte Israels. Besonderer Lobpreis auf den Hohepriester Simon ( 50);
• 51: Danklied und Rückblick auf die Weisheitssuche mit Abschluss und Unterschrift. 9 Verschiedene Beobachtungen, aber auch ein Blick zurück auf die komplizierte Testgeschichte, legen die Vermutung nahe, dass das Buch einen längeren Entstehungsprozess durchlaufen hat. Marböck geht davon aus, dass größere geschlossene Perikopen zunächst selbständig entstanden sind und erst später zusammenkomponiert wurden. Weiterhin deuten immer wieder auftauchende autobiographische Notizen auf Abschluss und Wiederaufnahme der Arbeit Ben Siras hin (16,24 f ; 24,30-34 ; 33,16-18 ; 39,12-14). Deutliche Hinweise auf die Verwendung der Schrift im „Lehrhaus“ (51, 23 /51,29) lassen Teile des Buches als
4 Vgl. Marböck, Das Buch Jesus Sirach, 364
5 Marböck, Sirachbuch, 311
6 Sauer 35
7 Sauer 35
8 Marböck, Das Buch Jesus Sirach, 365 9 Vgl. ebd. 367
2
Arbeit zitieren:
Joachim Pautz, 2003, Über das Buch Jesus Sirach, München, GRIN Verlag GmbH
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