junge Generation ist noch nicht durch viele Erfahrungen beeinflusst und kann damit freier agieren (vgl. Mannheim 44ff). Die Träger eines Generationenzusammenhangs erleben nur einen zeitlich begrenzten Abschnitt der Geschichte. Dazu kommt der Begriff der Erlebnisschichtung. Mannheim postuliert, dass die Erlebnisse in der Jugendzeit am meisten prägen. Auf diese erste Schicht der ersten Eindrücke, kommen später weitere Erlebnisse, die aber bei weitem nicht so prägend sind. Gleichzeitig definiert er den Begriff der Lagerung genauer, in dem er diese als die potentielle Möglichkeit definiert, ein verbindendes Ereignis zu erleben. Als Beispiel führt er die Jugend um 1800 in Deutschland und China an, die keine Möglichkeit der gleichen Erlebnismöglichkeiten hatten. Der zeitliche Aspekt des Geburtsjahrgangs ist also nur eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung. Dies wird erst mit den potentiell gleichen Erfahrungen erreicht (vgl. Mannheim 46f). Die Beeinflussung ist aber keine Einbahnstraße. Durch die Notwendigkeit der Tradierung stehen, nach Mannheim, die Generationen in Wechselwirkung und beeinflussen sich Gegenseitig (vgl. Mannheim 48f).
Jürgen Zinnecker hat in einem Beitrag 2003 Mannheims Text unter dem Gesichtspunkt analysiert, in wie weit sich das Konzept der Generationen nach Mannheim noch in der heutigen Zeit anwenden lässt. Er hat einige Kritikpunkte herausgearbeitet, die ich zunächst aufzählen und danach diskutieren möchte.
1. Mannheims Theorie beinhaltet nur Generationen auf der Makroebene. Zinnecker plädiert dabei für eine Theorie, die alle Ebenen umfasst, da die aktuellen Diskurse auch auf Generationen-Probleme in Familien oder Organisationen abzielen (vgl. Zinnecker, 45ff).
Wenn man Generationen nicht nur auf der Gesamtgesellschaftlichen zu erfassen, sondern den Begriff durch auf die Ebenen darunter erweitert, so kommt man nicht umhin ihn zu verwässern. Oder aber, man müsste mehrere Definitionen von „Generation“ nebeneinander zulassen und seine eigene Auslegung jeweils darlegen. Gerade auf der familialen Ebene beinhaltet der Begriff eher die Dimension der Geburtsfolge. Mannheim dagegen, geht es meiner Einschätzung nach eher um prägende Ereignisse, die sich zwar sicher auch auf die Familie auswirken, doch müssen diese
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Ereignisse so groß und so prägend sein, dass sie gesamtgesellschaftliche Auswirkungen haben müssen. Andernfalls könnte es nicht zu einer Bildung von Generationen kommen. Hier stellt sich auch das Problem der Abgrenzung der Begriffe Generation und Kohorte.
2. Zinnecker möchte den Generationenbegriff, der von Mannheim als einen Faktor der gesellschaftlichen Veränderung sieht, um den Aspekt der Integration erweitern. Seine Frage ist also, kann Generation auch integrierend wirken (vgl. Zinnecker, 45ff)?
Zum integrativen Potential führt Zinnecker das Beispiel der 68er Generation an, die Heinz Bude erforscht hat. Dabei ist er zu dem Ergebnis gekommen, dass die Identifikation mit dieser Gruppe eher einer eigenen Orientierung dient, als dass sie Auswirkungen auf das Handeln des Einzelnen hätte (vgl. Zinnecker, 47f). Dazu muss man sagen, die Akteure der 68er Bewegung waren auch nur eine kleine Elite. Von daher trifft zumindest auf diese Bewegung noch der Eliteansatz von Mannheim zu, auch wenn sich viele aus verschiedenen Gründen dazu rechnen. Als Integrationsfaktor anstelle von Staat oder Familie ist Generation sicher nicht geeignet. Generationen werden meist erst im Nachhinein definiert und so gesehen. Von daher ist Budes Ergebnis schon plausibel. Der gesamtgesellschaftliche Rahmen ist auch für ein Individuum meiner Meinung nach zu groß um daraus ein nachwirkendes Zugehörigkeitsgefühl entstehen zu lassen. 3. Mannheims Fokus auf die Jugend stellt Zinnecker in Frage. Er fragt sich, ob es nicht auch in der Zeit danach noch prägende Ereignisse geben kann, die zur Entstehung einer Generation führen können (vgl. Zinnecker, 45ff). Zinnecker argumentiert hier mit der Namensgebung von „Generationen“, die heutzutage eher auf technischem Gebiet verortet ist. „Generation Golf“, Generation Internet“ sind hier nur zwei Beispiele (vgl. Zinnecker, 51). Statt der Jugend und ihren Erfahrungen, wie noch bei Mannheim, wird hier, unabhängig vom Alter, eine technische oder Mediale Epoche als Generationsstiftend angesehen und zu einer Benennung genutzt. Dabei wird, wie Zinnecker aufzeigt, impliziert, dass wie bei der Technik, die nächste Generation jeweils besser ist als die vorherige (vgl. Zinnecker, 51). Durch diese
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Arbeit zitieren:
Jens Röcher, 2008, Über Karl Mannheim und sein Werk "Das Problem der Generationen", München, GRIN Verlag GmbH
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