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Inhaltsverzeichnis:
Seite
I. Einleitung 2
II. Voraussetzungen für den Literaturbetrieb an den Fürstenhöfen 3
a) Verbindung von Hauskloster und Fürstenhof 3
b) Entstehen von Residenzen und Kanzleien 5
III. Der Literaturbetrieb am Fürstenhof 7
a) Das Literaturinteresse der Fürsten und ihr Mäzenatentum 7
b) Wichtige Fürstenhöfe und Gönner 10
c) Rezeption und Verbreitung der höfischen Literatur 12
IV. Schluss 14
V. Literaturangaben 15
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I. Einleitung
Im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich an den großen Fürstenhöfen eine völlig neue Gesellschaftskultur, die auch eine neue Form der Literatur hervorbrachte. An den großen Höfen entstand ein reger Literaturbetrieb. Die Fürsten selbst wurden zu Gönnern und Mäzenen dieser neuen Dichtung. In der Zeit vor der höfischen Dichtung gab es nur kirchliche Gebrauchsliteratur, die von Geistlichen verfasst wurde. Ansonsten existierten nur mündliche Überlieferungen aus dem Bereich der Heldendichtung sowie Tanzlieder und Spruchdichtung. Diese weit verbreiteten Überlieferungen wurden auch bewahrt, als bereits schriftlich fixierte Literatur vorhanden war, Mündlichkeit und Schriftlichkeit liefen dann parallel.
Wichtig ist auch, sich den Bildungsstand der höfischen Zeit vor Augen zu führen. Die Fürsten waren fast immer Analphabeten, nur adelige Frauen erhielten Bildung und konnten oft lesen und schreiben. Diese Arbeit soll in einem ersten Schritt die Voraussetzungen für den Literaturbetrieb an den Fürstenhöfen darstellen. Dabei muss bedacht werden, dass diese Entwicklung nicht immer so gerade verlief, wie es hier beschrieben wird. Einige Entwicklungslinien blieben z.B. auch noch fruchtbar, als schon längst eine Weiterentwicklung eingesetzt hatte. Dies wird hier aber nicht vertieft. In einem zweiten Schritt soll dann beschrieben werden, wie der Literaturbetrieb am Fürstenhof organisiert war. Es gilt u.a. zu klären, welche Motive die fürstlichen Gönner und Mäzene hatten, diese neue Literatur zu fördern und sie sogar in Auftrag zu geben. Daneben sollen einige wichtige Fürstenhöfe und Gönner genannt werden. Am Schluss dieses Kapitels soll in kurzer Form die Rezeption und Verbreitung der höfischen Literatur geklärt werden.
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II. Voraussetzungen für den Literaturbetrieb an den Fürstenhöfen
a) Verbindung von Hauskloster und Fürstenhof
Eine wichtige Voraussetzung, damit die höfische Literatur sich überhaupt entwickeln konnte, war das Entstehen von Schriftlichkeit in der nächsten Umgebung des jeweiligen Hofes. Dies geschah durch die Verbindung von Hauskloster und Fürstenhof.
Als Hauskloster bezeichnet man ein Kloster, dass von einer großen Adelsfamilie auf ihrem Privatbesitz gegründet wurde. Es handelt sich also um eine Stiftung. Obwohl es auf den ersten Blick so erscheint, dass diese Stiftungen die Frömmigkeit und die enge Verbindung der Adelsfamilie zur Kirche zur Schau stellen sollten, dienten sie hauptsächlich der herrschaftlichen Erschließung des Landes. Oft stammten Kapläne und Hofgeistliche, die am Hof beschäftigt waren, aus dem Hauskloster. Die enge räumliche Verbindung zwischen Hauskloster und Fürstenhof zeigte sich besonders dort, wo das Hauskloster “in die architektonische Gesamtplanung der neuen Pfalzanlagen einbezogen” 1 wurde. Dies ist z.B. bei der von Heinrich dem Löwen erbauten Pfalz Dankwarderode in Braunschweig der Fall. Hier liegen die Pfalz und die Stiftskirche St. Blasius an einem Platz. Für die Verbindung von Hauskloster und Fürstenhof lässt sich eine Entwicklung in drei Phasen feststellen.
In einer ersten Phase entstanden sogenannte “Stifterchroniken” 2 . Diese Schriften, die vorerst noch auf Latein verfasst wurden und mit denen die dynastische Geschichtsschreibung beginnt, findet man in Deutschland ab dem 11. Jahrhundert. Die Chroniken hielten die Gründungsgeschichte des Klosters
1 Joachim Bumke, Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, 8. Auflage München (dtv) 1997, S. 618.
(Dieses Buch wird bei allen weiteren Zitaten mit ”Bumke, Höfische Kultur” abgekürzt.)
2 Der Begriff ”Stifterchronik” geht zurück auf Hans Patze. Der erste Teil seiner Abhandlung ”Adel und Stifterchronik” ist erschienen in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 100 (1964), S. 8-81. Der zweite Teil ist erschienen in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 101 (1965), S. 67-128. Der in dieser Arbeit benutzte Text ist erschienen in: Hans Patze, Adel und Stifterchronik. Frühformen territorialer Geschichtsschreibung im hochmittelalterlichen Reich, in: Literarisches Mäzenatentum. Ausgewählte Forschungen zur Rolle des Gönners und Auftraggebers in der mittelalterlichen Literatur, hrsg. von Joachim Bumke, in: Wege der Forschung. Band 598, Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1982, S. 248-330.
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schriftlich fest, wobei auch die Familiengeschichte der jeweiligen Stifter oft ausführlich beschrieben wurde. Eine der ältesten Schriften dieser Art ist das “Chronicon Eberspegense” aus dem bayerischen Kloster Ebersberg, das wahrscheinlich von dem Abt Williram (gestorben 1085) verfasst wurde. Die Chronik beschreibt zwar hauptsächlich “die Gründung des Klosters durch die beiden Brüder Eberhard und Adalbero” 3 von Ebersberg, erzählt aber auch die Familiengeschichte der Stifter in der Zeit vor der Klostergründung im Jahr 934, später werden dann Kloster- und Familiengeschichte parallel dargestellt. Den Stifterchroniken folgten in einer zweiten Phase die genealogischen Aufzeichnungen. Hierbei handelt es sich nun um rein dynastische Geschichtsschreibung, die in den Hausklöstern verfasst wurde. Der erste Text dieser Genealogien und kurzen Haus- und Herrschaftsgeschichten aus Deutschland ist die “Genealogia Welforum”, die wahrscheinlich im frühen 12. Jahrhundert in Altdorf-Weingarten, dem Hauskloster der süddeutschen Welfen, entstanden ist. Diese Literatur, deren Verfasser fast immer unbekannt sind, lässt sich fast nur für die Fürstenhäuser nachweisen, die später als Gönner und Mäzene höfischer Literatur in Erscheinung traten, nämlich neben den Welfen u.a. für die Wittelsbacher, die Landgrafen von Thüringen, die Wettiner in Meißen, die Askanier in Anhalt und Brandenburg, die Herzöge von Andechs-Meran, die Spanheimer Herzöge von Kärnten und vielleicht auch für die Zähringer 4 . In der dritten Entwicklungsstufe entstanden selbstständige Haus- und Landesgeschichten. Diese Literatur wurde nicht mehr nur im Hauskloster produziert, sondern nun auch immer öfter am Fürstenhof selbst. Auch hier waren die Verfasser fast immer unbekannt und genau wie bei den genealogischen Aufzeichnungen wurde der erste Text in Deutschland, die “Historia Welforum” von einem Welfen, nämlich wahrscheinlich um 1170 von Welf VI., in Auftrag gegeben. 5
Die Entwicklung dieser neuen dynastischen Geschichtsschreibung verlief in Deutschland sehr langsam, da die entsprechenden Bildungsvoraussetzungen nicht
3 Joachim Bumke, Mäzene im Mittelalter. Die Gönner und Auftraggeber der höfischen Literatur in Deutschland 1150-1300, München (Beck) 1979, S. 46.
(Dieses Buch wird bei allen weiteren Zitaten mit ”Bumke, Mäzene im Mittelalter” abgekürzt.)
4 Bumke, Höfische Kultur, S. 618 f.
Arbeit zitieren:
Claudia Gilbers, 1999, Der Fürstenhof als Literaturzentrum, München, GRIN Verlag GmbH
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