Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Reich der Nizari-Ismailiten (Assassinen) unter Hasan-i Sabbah 4
2.1 Die Nizari-Ismailiten (Assassinen) 4
2.2 Hasan-i Sabbah. 6
2.3 Das Paradies auf Erden 7
2.4 Die Haschisch-Fresser. 8
2.5 Politischer Mord. 11
3. Fazit. 14
4. Quellenverzeichnis 15
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1. Einleitung
Spricht man heute den Normalbürger auf die Nizari-Ismailiten an wird wohl keiner eine rechte Antwort parat haben. Benutzt man hingegen ihren weitaus verbreiterten Namen, Assassinen, so steigt die Erfolgschance immens an. Befindet man sich dann sogar im französisch- oder englischsprachigen Raum wird jeder Grundlegend wissen worum es geht. Die Assassinen haben es in den britischen (to assassinate) 1 und in den französischen (assassiner) 2 Wortschatz geschafft. Beides mal besitzt das Wort die identische Bedeutung: ermorden, meucheln, morden, ruinieren.
Maßgeblich verantwortlich war hier vor allem ein Schreckensgespenst, das durch die Kreuzfahrer aufgebaut, und bis tief ins Mittelalter und weiter getragen wurde. 3 Es war Gang und Gäbe in Europa bei einem Mord den bezahlten Assassinen in Verdacht zu nehmen. In wie weit es wahr ist, dass ein Assassine aus Persien bis nach Europa reist um Friedrich Barbarossa 1158 vor Mailand anzugreifen, 4 oder 15 Assassinen ergriffen wurden als sie versuchten Richard Löwenherz 1195 in Chinon anzugreifen, 5 wird diese Seminararbeit nicht klären können.
Doch wie kommen sie zu diesen Namen? Welche Bedeutung hatte der politische Meuchelmord, wenn es ihn den gab, für die Machtgrundlage der Assassinen? Diese Seminararbeit geht in die Gründungszeit der Nizari-Ismailiten, in das 11. Jahrhundert. Sie wird die Abspaltung der Nizari-Ismailiten darlegen, die Person Hasan-i Sabbah, erster Rädelsführer der Nizari-Ismailiten, beleuchten, und versuchen zu klären in wie weit dieser zur Erhaltung seiner politischen Macht, und seines Reiches auf den gezielten politischen Mord zurück griff und die Fiktion von zwei Reichen aufbaute.
Um diese Frage zu klären, wird der Mythos seines geistlichen Reiches auf Erden, den Paradiesgarten, sowie die Etymologie des Namens „Assassinen“ beschrieben. Hierbei kommt es zur grundlegenden Erörterung was an der Fiktion der zwei Reiche wahr ist, und was der Kreuzfahrermythologie zuzusprechen ist.
Abschließend kommt es zu einer Bewertung des Untersuchten, und zu der Aufstellung möglicher Forschungsfragen die im Rahmen dieser Seminararbeit nicht weiter erörtert werden können.
1 Vgl.: http://dict.leo.org/ende?lp=ende&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed§ Hdr=on&spellToler=on&search=assassinate&relink=on.
2 Vgl.: http://dict.leo.org/frde?lp=frde&p=eL4jU.&search=assassiner.
3 Anm.: Für eine zeitgenössische Betrachtung lohnt das 1765 erschiene Werk von Johann Philipp Lorenz Withof mit dem Titel: Das meuchelmörderische Reich der Assassinen. Albrecht Blank gab dieses 2004 erneut heraus.
4 Vgl.: Bernhard Lewis: Das Reich der Assassinen, S. 25.
5 Vgl.: Ebd.
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2. Das Reich der Nizari-Ismailiten (Assassinen) unter Hasan-i Sabbah
2.1 Die Nizari-Ismailiten (Assassinen)
Um eine wissenschaftliche Betrachtung der Nizari-Ismailiten (im folgenden auch Assassinen 6 genannt) zu wagen, ist es vorab von Bedeutung diese religiöse Gruppe 7 in den Gesamtkontext des Islam einzuordnen und ihre Entstehung zu beschreiben.
Der Ausgangspunkt der islamischen Spaltung in Sunniten und Schiiten ist auf folgenden Punkt zurückzuführen: der Prophet Mohammed versäumte es vor seinem Tod einen geistlichen Erben zu bestimmen, geschweige denn einen Nachkommen zu hinterlassen. 8 Die eine Gruppe, die Sunniten, waren der Auffassung das geistliche Erbe solle „nur der Würdigste und Frömmste unter den Gläubigen“ 9 erhalten, die andere wiederum, die Schiiten, waren der festen Überzeugung eine Erbe könne nur innerhalb der Blutsverwandtschaft des Gesandten weitergegeben werden. 10 Aus diesem Grund beugen sich die Schiiten bis heute keiner sunnitischen Herrschaft. 11 Die Sunniten gewannen diesen historischen Streit. Ihr Favorit, Abu Bakr, wurde erster Kalif und Muhammads Vetter Ali ibn Abu Talib wurde nach 25 Jahren des Wartens erst als vierter zum Kalifen benannt. Doch der Konflikt fand kein Ende, nahm seinen blutigen Verlauf in der Kamelschlacht, 12 und gipfelte in der blutigen Ermordung Husains, den fünften Kalifen und Sohns Ali durch die Sunniten. Ein Ereignis dem die Schiiten noch heute mit Schuld und Schande nachtrauern. 13
Das Problem der Nachfolge zog sich viele Jahre durch den Islam und entfachte stets von neuem bei dem Tod eines Imam, was nicht selten zu einer weiteren Aufsplitterung der Religion führte. 14 Als Imam bezeichneten die Schiiten, den in ihren Augen rechtmäßigen Kalifen. Ein Imam ist nach ihrer Vorstellung von Gott erleuchtet und dementsprechend unfehlbar. Seinen Anordnungen ist mit blindem Gehorsam zu folgen. 15 Die Schiiten glaubten unter anderen daran, die Linie der Imame sei gebrochen worden durch den Tod des Imam Hasan al-Askari im Jahre 874 und sein Nachfolger sei ein Verborgender
6 Anm. Der Autor wählt zur Übersicht von Namen und Fachbegriffen die Transkription in lateinische Schrift. Aufgrund der vielfältigen Schreibweise wird eine einheitliche Variante stets beibehalten.
7 Anm. Der Autor wählt den neutralen Begriff Gruppe, alternative Bezeichnungen sind zum Beispiel bei www.wikipedia.de „Sekte“, Helga Lippert verwendet den Begriff „Geheimbund“, Bruno Meck „Mördersekte“. Die Bezeichnungen werden durch den Autor auf populistische Gründe zurückgeführt.
8 Vgl.: Arnulf Zitelmann: Die Weltreligionen, S. 191.
9 Vgl.: Ebd.
10 Vgl.: Ebd.
11 Vgl.: Ebd., S. 193.
12 Vgl.: Arnulf Zitelmann: Die Weltreligionen, S. 192.
13 Vgl.: Ebd., S. 193.
14 Vgl.: Gudrun Krämer: Geschichte des Islam, S. 115.
15 Vgl.: Bernhard Lewis: Die Araber, S. 138.
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Imam der als Qa’im 16 wiederkehre. Eine der zahlreichen Abspaltungen der Schiiten wollte jedoch bis zu seiner Rückkehr nicht soviel Zeit verstreichen lassen. 17 Die Ismailiten 18 speziell sind benannt „nach Ismail al-Mubarak, dem ältesten Sohn und designierten Nachfolger Ja’far as-Sadiq, der allerdings noch vor seinen Vater starb (sie selbst waren überzeugt er habe seinen Vater überlebt)“. 19
Diese Siebenerschia 20 spaltete sich zahlreich, unter anderem in die Fatimiden. Dieser Bund propagierte Geheimlehren mit neuen Denkansätzen. Auch wenn er erst spät an die Öffentlichkeit trat, 21 beherrschte er im 11. Jahrhundert bereits den mächtigsten Teil des islamischen Reiches. Dieses kam 1094 ins wanken als die beiden bedeutendsten Personen im Fatimidenstaat starben. 22 Erneut wurde die Thronfolge zum Streitpunkt. Der rechtmäßige Nachfolger Nizar wurde übergangen und kam im Streit ums Leben. Nizar wurde vor allem durch die iranischen Ismailiten Anerkannt unter Ihrem da’i Hasan-i Sabbah. 23 Dieser erklärte sich nach dem Verschwinden zum lebenden Zeugnis des Verborgenen Imam und trat seine Herrschaft als Führer der Nizari-Ismailiten an, die im Verlauf der Geschichte vor allem als Assassinen bekannt geworden sind. 24 Der Bruch mit den Fatimiden, vor allem denen aus Ägypten war vollzogen. „Man kann die Ismailiten des 11. Jahrhunderts als eine Geheimgesellschaft bezeichnen, in die die Mitglieder durch Initiationsriten aufgenommen wurden und in der sie nach und nach zu immer höheren Rang aufsteigen konnten“. 25 Gerade die Nizari-Ismailiten schafften es mit ihrer Lehre viele theologische Fragen zu klären. Die Lehre verband neben zahlreichen spätantiken Denkansätzen auch gnostische und mythische Ansätze. 26 „Damals wie heute glaubten die Ismailis, dass Judentum, Christentum und Islam im Grunde ein und dieselbe Religion sind, die nur jeweils andere äußere Erscheinungsformen hat“. 27 Eine Lehre die gerade zu Zeiten der Kreuzzüge als gottlos zu verstehen war.
16 Anm.: Von al-qa’im bil haqq, „Der sich erhebt“ oder auch „hervortritt“.
17 Gudrun Krämer: Geschichte des Islam, S. 117.
18 Anm.: Sie selber nannten sich „ahl al-haqq“ (Anhänger der Wahrheit).
19 Gudrun Krämer: Geschichte des Islam, S. 117.
20 Anm.: Ja’far as-Sadiq ist sechster Imam nach Schiitischer Auffassung. Die Siebenerschia sehen seinen Sohn Ismail als nächsten, und somit siebten Imam.
21 Vgl.: Gudrun Krämer: Geschichte des Islam, S. 119.
22 Vgl.: Ebd. S. 126.
23 Vgl.: Ebd.; Anm.: da’i steht für „Werber“, „Missionar“, „Agent“.
24 Vgl.: Gudrun Krämer: Geschichte des Islam, S. 126.
25 Peter Heine: Terror in Allahs Namen, S. 52.
26 Vgl.: Helga Lippert: Todesboten aus Alamut, S. 28.
27 Vgl.: Ebd.
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Arbeit zitieren:
Stefan Hermanns, 2007, Das Reich der Nizari-Ismailiten (Assassinen) unter Hasan-i Sabbah, München, GRIN Verlag GmbH
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