Westfälische Wilhelms-Universität Fachbereich 02: Katholische Theologie
Unterseminar: Deutsche Mystik - ein Beispiel mittelalterlicher Philosophie. Teil II Sommersemester 2000
Inhaltsverzeichnis: Seite
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1. Einleitung.
2. Hauptteil.
2. 1 Leben und Werk Meister Eckharts. 2
2. 2 Grundzüge von Eckharts Lehre. 2
2. 2. 1 Die Vorläufer: Der Neuplatonismus und seine christliche
Rezeption. 5
2. 2. 2 Der Primat des Erkennens in Gott nach der ersten Pariser Quaestio. 7
2. 2. 3 Die Identifizierung von Gott und Sein im Opus Tripartitum. 9
2. 2. 4 Das Verhältnis des Schöpfers zu den Geschöpfen. 10
2. 3 Meister Eckharts Trinitätstheologie. 11
2. 3. 1 Traditionelle Züge. 12
2. 3. 2 Innovative Züge. 14
3. Schluß.
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Literaturverzeichnis.
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1
1. Einleitung
„Gleich einer Oase in der Wüste des scholastischen Mittelalters erscheint uns die Mystik Meister Eckharts, des eigentlichen Vaters der deutschen Mystik“ 1 - mit diesen Worten preist Kurt Leider einen Mann, der zu den bedeutendsten Denkern des Mittelalters gehörte, an dem sich aber beinahe von Anfang an die Geister schieden - und bis heute ist die Frage, wie seine Gedanken letztlich zu bewerten seien, umstritten 2 . Nichtsdestoweniger hat er in neuerer Zeit einen „Boom“ erlebt im Strome eines allgemeinen Interesses an „Mystik“ (vgl. z. B. Hildegard von Bingen als weibliche Vertreterin): Ob als „normative Gestalt geistlichen Lebens“ (so ein Buchtitel von A. M. Haas) oder durch (vermeintliche) Parallelen zu fernöstlich-mystischen Traditionen (untersucht z. B. von A. Wilke im Vergleich mit dem indischen Philosophen Sámkara). Eckhart ist aber nicht „nur“ Mystiker - eine Bezeichnung, die in neuerer Zeit in der Eckhartforschung umstritten ist 3 - sondern, wie er selber im Vorwort zu seinem Johanneskommentar sagt, auch Theologe und Philosoph, wobei Theologie und Philosophie für ihn unmittelbar miteinander verknüpft sind. Das Hauptthema Eckharts ist die „Einheit“, was besonders in seiner Spiritualität zum Tragen kommt (Einung/unio des Menschen mit Gott durch „ledig werden“ von allem, was nicht Gott ist); dies ist der Bereich, wo Eckharts „Mystiker-Sein“ anzusiedeln ist. Aber auch in seiner Theologie findet sich der Einheitsgedanke immer wieder: Einheit zwischen Gott und Welt, Einheit zwischen Schöpfer und Geschöpf, Einheit in Gott selbst. Hier liegt jedoch eine der großen Schwierigkeiten, die Eckharts Denken für ein christliches Gottesverständnis mit sich bringt: Wenn Gott (nur) der Eine schlechthin istwie kann Trinität, die ja auch in der „orthodoxen“ Theologie eine Gratwanderung darstellt, dann noch gedacht werden ? Hat Eckhart sie überhaupt gedacht, und wenn ja, scharf genug, um der christlichen Überzeugung von dem einen Gott in drei Personen treu zu bleiben ? Diese Fragen näher in den Blick zu nehmen, soll in der vorliegenden Hausarbeit versucht werden.
1 LEIDER, Kurt, Deutsche Mystiker. Meister Eckhart - Nikolaus von Kues - Jakob Böhme, Hamburg 1973, 10
2 Vgl. RUH, Kurt, Meister Eckhart. Theologe - Prediger - Mystiker, München 1985, 13ff. [Künftig zitiert: RUH, Eckhart]
3 Vgl. WILKE, Annette, Ein Sein - ein Erkennen. Meister Eckharts Christologie und Sámkaras Lehre vom Atman: Zur (Un-)Vergleichlichkeit zweier Einheitslehren, Bern u. a. 1995 (=Studia religiosa Helvetica; Series altera; 2), 31 [Künftig zitiert: WILKE, Sein]
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Hierbei werde ich zuerst Eckhart als Person vorstellen sowie einen Überblick über sein Werk und einige darin enthaltene Hauptthemen geben, weil man Eckhart m. E. nur gerecht werden kann, wenn man die Perspektive, unter der er schreibt (nämlich die des Predigers, der seine Leser zur „Abgeschiedenheit“ führen will !), stets mitberücksichtigt. Sodann werde ich das neuplatonische Denken, aus dem Eckhart wesentliche Anregungen bezogen hat, skizzieren, um schließlich seine Trinitätstheologie unter dem Aspekt von Tradition einerseits und Innovation andererseits zu beleuchten.
2. Hauptteil
2. 1 Leben und Werk Meister Eckharts
Die uns heute vorliegenden biographischen Daten Eckharts stützen sich im wesentlichen auf die Forschungen Josef Kochs. Danach wurde Eckhart um 1260 in Thüringen in einem Dorf namens Hochheim geboren. 4 Er trat bereits als Kind oder Jugendlicher in das Dominikanerkloster Erfurt ein bzw. wurde diesem übergeben.
Im Jahr 1277 war er Student der „artes liberales“ (Sieben freie Künste) in Paris, welche die Grundlage für das anschließende philosophisch-theologische Studium bildeten. Dieses begann er um 1280 und zwar - wie alle deutschen Dominikaner - in Köln. 5 Im Schuljahr 1293/94 hielt er als „Bakkalaureus“ in Paris eine Vorlesung über die „Sentenzen“ des Petrus Lombardus (+1160); diese waren zu jener Zeit das scholastische Grundlagenbuch der Dogmatik. Der als Grundlage für diese Vorlesung dienende Sentenzenkommentar liegt uns vielleicht in schriftlicher Form vor; 6 auf jeden Fall ist die „Collatio in libros Sententiarum“, sozusagen seine Antrittsrede, erhalten. Danach wurde er Prior in Erfurt und Vikar der „Ordensnation“ Thüringen. Als solcher führte er mit jüngeren Ordensmitgliedern Lehrgespräche, aus denen das erste
4 Vgl. KOCH, Josef, Zur einführung, in: NIX, Udo/ÖCHSLIN, Raphael (Hrsg.), Meister Eckhart der Prediger. Festschrift zum Eckhart-Gedenkjahr, Freiburg im Breisgau 1960, 1ff. [Künftig zitiert: KOCH, Einführung]
Es ist allerdings unsicher, ob es sich um Hochheim bei Gotha oder bei Erfurt handelt und ob Eckhart aus einer adligen Familie stammt.
5 Kurt Ruh plädiert allerdings dafür, daß Eckhart auch dieses Studium in Paris absolviert hat, vgl. RUH, Eckhart, 20
6 Zur Auseinandersetzung um die Verfasserschaft Eckharts vgl. DEMPF, Alois, Meister Eckhart, Freiburg i. Br. 1960, 27ff. [Kündtig zitiert: DEMPF, Eckhart] gegen SOUDEK, Ernst, Meister Eckhart, Stuttgart 1973, 25 [Künftig zitiert: SOUDEK, Eckhart]
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deutschsprachige Werk, die „Reden der Unterweisung“ (RdU) hervorgingen. 7 In diese Zeit fallen die frühen deutschen Predigten.
1302 ging er erneut nach Paris, um dort als Magister der Theologie (=> „Meister“ Eckhart) exegetische Vorlesungen zu halten 8 (Erstes Pariser Magisterium). Dessen Frucht sind die drei „Pariser Quaestionen“ ( = im akademischen Diskurs behandelte Streitfragen), die sich mit dem Verhältnis von Sein und Erkennen beschäftigen.
Nach Beendigung seines einjährigen Magisteriums wurde er Provinzial der neugegründeten Ordensprovinz Saxonia. In der folgenden Zeit hielt er die zweite große Gruppe deutscher Predigten. 1310 wurde Eckhart sogar noch zum Provinzial der Teutonia gewählt - ein Amt, das er aber nicht antrat, da er 1311 erneut Magister in Paris wurde - diese Auszeichnung war zuvor nur Thomas von Aquin zuteil geworden. 9 Während des Magisteriums oder kurz darauf 10 schrieb Eckhart sein wichtigstes lateinisches Werk, das „Opus tripartitum“, welches allerdings Fragment blieb. Das zweite Pariser Magisterium dauerte vermutlich zwei Jahre, denn im April 1314 wird Eckhart als Generalvikar des Ordensgenerals in Straßburg erwähnt, als solcher war er für die spirituelle Betreuung von Männer- und Frauenklöstern zuständig. 11 In dieser Zeit - nach K. Ruh 1318 12 - entstand das deutsche „Buch der göttlichen Tröstung“ (BgT, lat. „Liber benedictus“). Es gehörte zur Gattung der Trostbücher und war der Königin Agnes von Ungarn gewidmet.
Etwa 1323 wurde Eckhart nach Köln als Leiter des Generalstudiums der Dominikaner berufen. Zu seinen Schülern gehörten auch die berühmten Mystiker Johannes Tauler (1300-1361) und Heinrich Seuse (1295-1366). - In die Straßburger und Kölner Zeit fällt
7 Ruh nennt die RdU „ein Buch, das der Meister bei gegebenem Anlaß auch in sehr viel späteren Jahren hätte schreiben können“ (RUH, Eckhart, 43) - es enthält also bereits Grundzüge von Eckharts neuartigen Gedanken.
8 In dieser Zeit scheint er die für ihn charakteristischen theologischen Gedanken entwickelt zu haben; vgl. KAMPMANN, Ingrid, Ihr sollt der Sohn selber sein. Eine fundamentaltheologische Studie zur Soteriologie Meister Eckharts, Frankfurt a. M. 1996 (=Europäische Hochschulschriften, Reihe 23: Theologie; Bd. 579) Zugl.: Bochum, Univ., Dissertation 1994, 39
9 Dies hing wahrscheinlich mit der Rivalität zwischen Dominkanern und Franziskanern zusammen, so daß möglichst hochrangige Vertreter der beiden Bettelorden an der berühmten Universität tätig sein sollten, vgl. WEHR, Gerhard, Meiser Eckhart, Hamburg 1989, 32 [Künftig zitiert: WEHR, Eckhart]
10 Vgl. hierzu RUH, Eckhart, 72 gegen DEMPF, Eckhart, 32 und SOUDEK, Eckhart, 24
11 Evtl. hat er auch Lehrtätigkeit ausgeübt, vgl. SOUDEK, Eckhart, 18
12 Vgl. RUH, Eckhart, 117
Arbeit zitieren:
Magnus Kerkloh, 2001, Trinität bei Meister Eckhart, München, GRIN Verlag GmbH
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