Zum Kursus im Doppelten Kursus
- Gliederungsstrukturen in Hartmanns Erec
von Jana Haase
INHALTSVERZEICHNIS
1 Vorbetrachtung 4
2 Zur inneren Logik der âventiuren-Kette 5
3 Zum Kursus im "Doppelten Kursus" 7
3.1 Einleitung: Gesellschaft und Individuum 7
3.2 Motivketten 8
3.2.1 Schönheit und Rittertum 8
3.2.2 Schuld und Sühne 10
3.3 Strukturierung aus
(inter)-individueller Figurenperspektive 11
3.3.1 Die Sonderstellung Karnants 11
3.3.2 Der Sühneprozeß 14
3.3.2.1 Sühne 1: Das Modell ′falsche Minne′ - Graf 1 15
3.3.2.2 Sühne 2: Guivreiz 1 15
3.3.2.3 Intermezzo Artushof 16
3.3.2.4 Sühne 3: Modell ′helfende Frau′ - Die Cadoc-Episode 17
3.3.2.5 Sühne 4: Modell ′falsche Minne 2′ - Graf Oringles 18
3.3.3 Guivreiz 2 19
3.3.4 Joie de la curt 21
3.4 Zusammenfassung 21
4 Schlußbetrachtung 23
5 Literaturverzeichnis 24
5.1 Primärliteratur 24
5.2 Sekundärliteratur 24
1 Vorbetrachtung
Berücksichtigt man die unsichere Überlieferungslage des "Erec" (Wolfenbütteler Erec-Fragmente im Vergleich zur hier besprochenen Ambraser Handschrift) , so wird deutlich, daß jede schematisierende Strukturierung immer nur bedingt als Interpretationsgrundlage verwendet werden kann, da die Abfolge der einzelnen Handlungssequenzen je nach Überlieferung erheblich voneinander abweicht und zu jeweils differierenden Struktur- wie auch Interpretationsmodellen führt .
Im folgenden soll in der Auseinandersetzung mit der von Kuhn getroffenen Schematisierung eine weitere Gliederungsmöglichkeit samt den mit ihr verbundenen Implikationen besprochen werden, die sich allerdings vor dem Hintergrund der oben erwähnten Überlieferungssituation ebenfalls als eine Näherung an den Text versteht. Die jeweiligen Systematisierungsvorschläge werden im besonderen in bezug auf die für den "Erec" postulierte Schuldproblematik zu hinterfragen sein. Die Motivation der Schuldfrage, wenn ein Schuldigwerden für den / die Protagonisten überhaupt angenommen werden kann, ist, wie Gottzmann treffend formuliert "vielschichtig gestaltet" . Dieser Ambiguität kann allerdings am ehesten, wenn auch nicht restfrei, im Vergleich der verschiedenen Deutungsvorschläge des Schuldigwerdens und des Entsühnens (bouze V. 1005) miteinander begegnet werden.
2 Zur inneren Logik der âventiuren-Kette ("Doppelter Kursus")
Die von Kuhn vorgenommene Strukturierung des "Erec" sei in wesentlichen, für die weitere Analyse relevanten Punkten kurz skizziert. Sie setzt mit einer Zweiteilung des Werkes ein, die eine Unabhängigkeit der durch diese Unterscheidung entstandenen Einzelteile voneinander behauptet:
"Dem unbefangenen Blick gliedert sich Hartmanns Roman deutlich in zwei Hauptteile: I Geschichte Erecs und Enites bis zur Hochzeit - II die spätere Abenteuerfahrt des Paares, nach Handlung und Zeit völlig von I getrennt, nur durch die Einheit der Hauptpersonen damit verbunden" (eigene Hervorhebung).
Die Segmentierung des ersten Teils orientiert sich am "Gang der Handlung" , d.h. also an der sequentiellen Abfolge der einzelnen thematischen Abschnitte. Eingeteilt wird der Handlungsfluß in einen äußeren Handlungsrahmen, dem Artushof, der als Ausgangspunkt über ein Intermezzo zum Schlußpunkt der Erzählung von Teil I führt. In diesen Rahmen sind nach der Prinzip der Überlappung - Handlungsschluß des Vorangegangenen bildet die Exposition des Folgenden - die einzelnen Teilhandlungen (Jagd nach dem Weißen Hirsch; Zwergenbeleidigung; Herberge; Tulmein) eingebettet.
Im Vergleich der Texte von Chrestien mit Hartmanns wird augenscheinlich, daß Hartmann bezüglich der Komposition vor allem zwei Änderungen vorgenommen hat. Erstens die Verschiebung der Rückkehr von der Jagd nach dem Weißen Hirsch "bis zum Szenenwechsel vor Ider′s Meldung am Artushof" und zweitens die vorwegnehmende Erläuterung des Sperberkampfes vor die Szene Herberge , so daß die "Erzählelemente geschlossen und hart, mehr blockhaft" nebeneinanderstehen.
Die Ereignisse in Karnant werden bereits als Bestandteil des zweiten Teils gedeutet und als privat, dem höfischen Leben entgegengesetzt, charakterisiert . Auch die noch zu besprechende Schuldfrage, das "zu ′privat′ " werdende "Dasein" Erecs und Enites, fällt in diesen Bereich. Erec erfährt durch Zufall aus dem Munde Enites von der Verurteilung seines Verhaltens, verbietet ihr daraufhin bei Todesstrafe das Sprechen und bricht - ohne eine weitere Erklärung - mit ihr auf. Die eigentliche Gliederung des zweiten Teils setzt bei Kuhn aber erst mit der sich anschließenden, in sich gedoppelten Räuberâventiure (1 a und b) ein, so daß der Station Karnant ein gesonderter Status für die Interpretation der folgenden Ereignisse zukommt. Kuhn liest die Doppelung der Räuber-Episode als epischen Doppelpunkt, als "Mahnung an die Hörer" , auf Wiederholungen zu achten. Fortgesetzt wird die Strukturierung - nunmehr nach Maßgabe der Nacht- und Tageswechsel - mit der ersten Grafen-Episode, der ersten Begegnung mit Guivreiz, der wiederum ersten Einkehr im Artushof, die sich jeweils in gleicher Reihenfolge (mit teilweise wechselnder Besetzung) wiederholen - der ′Doppelte Kursus′. Unterbrochen wird die Einteilung nach Tagen bzw. Nächten durch die Ereignisse auf Penefrec (14 Nächte) und auf Brandigan, die zwischen Guivreiz 2 und Artushof 2 angesiedelt sind. Als Prinzip der Komposition postuliert Kuhn hier demnach Motivdopplung (zweimaliges Ausführen der einzelnen Handlungsstationen) und Motivsteigerung , da die Handlungselemente bei ihrer zweiten Umsetzung intensiviert sind (so z.B. Graf 1: Werben um Enite vs. Graf Oringles: erzwungene Heirat / versuchte Vergewaltigung).
Den Sonderstatus der Joie de la curt-Episode erklärt Kuhn aufgrund ihres allegorischen Charakters : des hoves vreude (V. 9759) versinnbildlicht anhand eines Gartens, der ebenfalls - wie im Falle Erecs - als Folge von gesellschaftlicher Isolation als von sch(?)ner vreude bar (V. 9595) bezeichnet werden muß. "Der Garten bedeutet, was er heißt: die höfische Freude, allen offen und doch nur auf besondere Weise zugänglich" . Demnach ist diese Episode als Parallele zum Gesamtgeschehen zu lesen und der Kampf Erecs mit Mabonagrin als "ein Kampf um die rechte Minneform" zu deuten. Durch das Motiv der achtzig Witwen, das Hartmann zusätzlich in den Text einfügt, wird zudem besonders auf die gesellschaftliche Bedeutsamkeit einer isolierten Zweierbeziehung hingewiesen.
3 Zum Kursus im "Doppelten Kursus"
3.1 Einleitung: Gesellschaft und Individuum
[...]
Arbeit zitieren:
Jana Kullick, 1998, Zum Kursus im Doppelten Kursus - Gliederungsstrukturen in Hartmanns Erec, München, GRIN Verlag GmbH
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