Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Autoren 4
3. Artifizielle Störung 4
4. Das Münchhausen-Syndrom 5
5. Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom 6
5.1. Namensherkunft 6
5.2. Definition 6
5.3. Statistiken 7
5.4. Die in einen MBP-Fall Involvierten (Täter Opfer und andere wie Nachbarn Ärzte
oder Sozialarbeiter) 7
5.5. Die Taten 14
5.6. Motivationslage der Täter 16
5.7. Die Täter-Opfer-Beziehungen 17
5.8. Folgen des Missbrauchs 18
5.9. Entlarvung der Täter 18
6. Fazit 19
7. Quellenangaben 21
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1. Einleitung
Im Folgenden möchte ich anhand von zwei Literaturquellen das Münchhausen-by-proxy- Syndrom darstellen, da ich es für essentiell halte über diese subtile Art von Kindesmiss- brauch zu informieren. Gerade in der sozialen Arbeit und der Pädagogik der Kindheit kön- nen Berührungspunkte mit solchen Fällen entstehen. Aber gerade diese latente Art von Missbrauch, bei der keine körperlichen Misshandlungen sichtbar werden ist selbst für Fachkräfte mit jahrelanger Erfahrung schwer erkennbar. Die scheinbar liebevollen Mütter, die mit ihren kranken Kindern immer wieder niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser aufsuchen, erscheinen Außenstehenden nicht als Misshandler sondern als aufopferungs- volle Pflegeperson des scheinbar kranken Kindes. Auch das Kind erscheint beim ersten Hinsehen nicht als auffällig. Es scheint sogar eine sehr enge Beziehung zu seinem Täter zu haben. Dieses enge Verhältnis ergibt sich aus der Form des Missbrauchs. Der Täter sorgt zuerst dafür, dass das Kind erkrankt, dies kann auf sehr unterschiedliche Weise passieren, meist so, dass das Kind nicht den Täter als Auslöser für die Erkrankung er- kennt. Was das Kind jedoch erkennt, ist, dass der Täter es scheinbar wieder gesund zu pflegen scheint, ihm die benötigte Medizin verabreicht und sehr besorgt erscheint. In bei- den Literaturquellen wird beschrieben, dass die misshandelten Kinder oft noch als Er- wachsene kaum glauben konnten was ihnen angetan wurde und sie konnten auch nicht glauben, nichts davon bemerkt zu haben. Ein erwachsenes Opfer beschreibt, dass es einen Verdacht gehabt habe, als es von der Mutter getrennt war und es ihm plötzlich ge- sundheitlich besser ging.
Abgesehen von Ärzten und Krankenschwestern werden auch die Partner der Täter, Ver- wandte und Bekannte sowie die Nachbarn durch den Täter getäuscht und hinters Licht geführt. Die Täter, von denen einige sogar eine medizinische Ausbildung haben, betrei- ben ihren Missbrauch so akkurat, dass es selbst sehr erfahrenen Ärzten schwer fällt zu unterscheiden, ob sie eine überängstliche und überbeschützende Mutter vor sich haben, oder eine, die ihr Kind missbraucht. In Deutschland, wo heimliche Videoaufnahmen verbo- ten sind bestehen nur wenige Möglichkeiten für die involvierten Fachkräfte den Täter zu entlarven. Möglicherweise widerspricht er sich bei der Anamnese oder Labortestungen ergeben auffällige Befunde. Auch ein positiver Trennungstest kann ein Indiz für eine Tä- terschaft sein. Wenn Opfer und Täter getrennt sind und es dem Opfer daraufhin besser geht, kann das ein Hinweis zu einer Täterschaft sein. Eindeutig kann der Täter nur durch die Beobachtung einer Tat entlarvt werden. Geständnisse erfolgen in den Münchhausen- Stellvertreter-Fällen selten.
Dennoch sollte mit Verdachtsmomenten sehr vorsichtig umgegangen werden.
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2. Die Autoren
Louisa J. Laser ist international anerkannte Expertin des Münchhausen-by-proxy- Syndroms (MBP). Sie verließ 1997 ihre Stelle als staatliche Beraterin für Kindesmiss- brauch in Georgia und nahm die gerichtsmedizinische Arbeit im Bereich des MBP auf. Sie bietet MBP-Fallgutachten, technische Assistenz, Zeugenaussagen und aufklärende Pro- gramme weltweit an. Sie ist Mitglied des „American College of Forensic Examiners.“ Mary S. Sheridan ist Professorin und hat einen Lehrstuhl für soziale Arbeit an der Hawaii Pacific University. Sie hat zahllose Bücher und Artikel geschrieben, zuvor war sie als me- dizinischer Sozialarbeiter in Krankenhäusern in Illinois und Hawaii beschäftigt. Marc D. Feldman ist Psychiater und medizinrechtlicher Berater in Birmingham (Alabama). Er gilt als einer der führenden Forscher und Experten für MBP und artifizielle Störungen. Er schrieb für das Buch von Sheridan und Lasher das Vorwort. (Quelle: Munchhausen by proxy)
3. Artifizielle Störung
Als artifizielle Störung wird das Verhalten eines Patienten bezeichnet, der bewusst Krank- heitssymptome hervorruft, vortäuscht oder übertreibt um z.B. emotionale Unterstützung zu erhalten. Die Betroffenen erzeugen an sich selbst Krankheitssymptome, z.B. durch Ader- lass, Laxantienmissbrauch, Insulineinnahme oder absichtliches Infizieren mit bakteriell kontaminiertem Material.
Feldman unterscheidet sieben Punkte, wie Krankheitssymptome hergestellt werden kön- nen:
1. Übertreibungen, wenn z.B. der Patient über andauernde, unerträgliche Mig- räne klagt, obgleich er in Wirklichkeit nur gelegentlich leichte Spannungs- kopfschmerzen verspürt;
2. Falsche Aussagen, wie bei dem Patienten, der vor Rückenschmerzen stöhnt, obgleich er keinerlei Schmerzen verspürt;
3. Fälschung von Anzeichen, wie bei dem Patienten, der Laborberichte verän- dert, das Thermometer manipuliert oder eine Urinprobe verdirbt, sodass A- nomalien auftreten;
4. Simulation von Anzeichen oder Symptomen, wie das Nachahmen von Sym- ptomen eines Hirntumors oder das Spucken von Blut, das eigentlich eine ro- te Flüssigkeit aus einem Plastikbeutelchen im Mund ist;
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5. Dissimulationen, wobei Patienten Krankheiten verheimlichen, damit sie sich entwickeln können, bevor ärztlicher Beistand gesucht wird (vielleicht am al- lerschwersten zu erkennen);
6. Verschlimmerungen, wenn etwa ein Patient sich nach einem Sturz Schmutz in die Wunde reibt;
7. Selbst-induzierte (Anzeichen von) Erkrankungen, wie bei Patienten, die über Fieber und Schmerzen klagen, nachdem sie sich selbst Bakterien injiziert haben. (Feldman 2006, S. 46) Die Patienten wenden alle oder einzelne der o.g. Techniken an, dabei ist dieses selbst- schädigende Verhalten so bizarr, dass es die Vorstellungskraft und medizinischen Kennt- nisse der Getäuschten übersteigt. Eine Möglichkeit der Aufdeckung einer artifiziellen Stö- rung ist das bekannt werden eines Widerspruchs zwischen den geschilderten Symptomen und dem Verhalten des Patienten.
4. Das Münchhausen-Syndrom
Das Münchhausen-Syndrom ist die schwerste Form der artifiziellen Störung und geht mit pseudologia phantastica (bewusst phantastische und zugleich plausible Erzählungen) einher. Die Betroffenen erzählen Bekannten und Verwandten Lügengeschichten, die meist ihre Biographie (traumatische Einschnitte) oder körperliche Leiden betreffen. Die Betroffenen bauen ein Lügenkonstrukt um sich auf um materielle oder psychische Bedürf- nisse auf diese Art und Weise zu befriedigen. Wird dieses Lügenkonstrukt entlarvt kündi- gen meist ihre Arbeitsstelle und/oder ziehen in eine andere Stadt, in der sie von vorne anfangen anderen Menschen von ihren Leiden zu erzählen um deren Aufmerksamkeit oder Zuwendung zu erhalten. „Im Allgemeinen sind Münchhausen-Patienten wie in einem Tourneetheater unterwegs, um auf jeweils neuen Bühnen ihre Kunst vorzuführen.“ (Feldman 2006, S. 28) Liste der möglichen Kennzeichen eines Münchhausen-Syndroms nach Asher: „Er riet den Ärzten die Möglichkeit eines Münchhausen-Syndroms in Betracht zu ziehen, wenn ein Patient
1. zahlreiche Operationsnarben besonders im Unterleibsbereich
2. ein anmaßendes und zugleich ausweichendes Verhalten zeigt
3. eine persönliche Krankheitsgeschichte voll akuter und haarsträubender Details
hat, die nicht ganz glaubwürdig klingen und
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4. eine Geschichte von Krankenhausaufenthalten, Schadensersatzforderungen we- gen ärztlicher Kunstfehler und Forderungen an Versicherungen hat.“ (Feldman 2006, S. 51)
5. Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom
5.1. Namensherkunft
Der deutsche Söldner, Baron von Münchhausen (1720-1790) kämpfte mit den Russen gegen die Türken. Nach seiner Rückkehr erzählte er fantastische Geschichten, die einen teilweise wahren Inhalt hatten, die er jedoch farbenfroh ausschmückte. 1951 veröffentlich- te Richard Asher seine Beobachtungen über eine Patientengruppe, die immer wieder in Krankenhäuser ging und dort falsche Angaben zur Anamnese machte. Er gab diesem Phänomen den Namen „Münchhausen-Syndrom“, da die Patienten fantastische Ge- schichten erzählten. Als Meadow über die ersten Fälle hörte, in denen Eltern falsche An- gaben zu den Krankheiten ihrer Kinder machten, nannte er es Munchhausen by proxy, angelehnt an die diagnostischen Kriterien des Münchhausen-Syndroms. (vgl. Lasher 2004, S.14)
5.2. Definition
Munchhausen by Proxy (MBP) ist eine gefährliche Art der Misshandlung (Missbrauch und/oder Vernachlässigung) von Schutzbefohlenen, üblicherweise durch die Eltern, die absichtlich und wiederholend ein Problem oder Probleme irgendeiner Art an denjenigen verursachen, die ihrer Sorgfaltspflicht unterliegen. Diese Probleme können körperlich, psychisch oder auf der Verhaltensebene verursacht werden. (vgl. Lasher, 2004, S.3) Munchhausen by proxy kann physische, psychische und auf der Verhaltensebene verur- sachte Probleme beinhalten oder es ist eine Kombination davon. (vgl. Lasher 2004, S. 13) MBP ist ein Verhalten, das an anderen ausgeführt wird. (vgl. Lasher, S. 14)
Es ist eine herausfordernde Aufgabe an das beteiligte Fachpersonal, da Kinder auch ohne MBP an schwierig zu diagnostizierenden Krankheiten leiden können, und die Täter sehr bewandt im Täuschen sein können.
MBP wurde 1977 erstmals durch Roy Meadow festgestellt. (vgl. Lasher, 2004, S.3) Die meisten Fälle von MBP werden an Kindern verübt, es gibt aber auch Fälle von Munchhausen-by-adult-proxy. (vgl. Lasher 2004, S.14)
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Arbeit zitieren:
Angelika Stopp, 2008, Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, München, GRIN Verlag GmbH
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