Inhalt:
1. Einleitung
2. Der Konstruktivismus in den IB
2.1 Grundzüge des Konstruktivismus
3. Die Konstruktion der europäischen Wirtschafts- und 3.
W ährungsunion nach Merlingen
3.1 Methode und Anliegen des Konstrukteurs
3.2 Die 4 Phasen (und entsprechende theoretische Ansätze) der
WWU -Entstehungsgeschichte
3.2.1 Konstruktion am Beispiel des liberalen
Intergouvernementalismus
3.2.2 Konstruktion am Beispiel des realen
Intergouvernementalismus
3.2.3 Konstruktion am Beispiel der Englischen Schule
3.2.4 Konstruktion am Beispiel der Netzwerkanalyse
4. Fazit
5. Literatur
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1. Einleitung
Das Thema dieser Hausarbeit ist der Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen am Beispiel der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Das Ziel dieser Arbeit ist, die zunehmende Bedeutung des Konstruktivismus in den IB seit Beginn der 90er Jahre darzulegen.
Hierbei werde ich folgendermaßen vorgehen: im ersten Teil meiner Hausarbeit soll der Begriff „Konstruktivismus“ „definiert“ 1 werden. Ich beziehe mich in diesem Teil auf keine konkrete theoretische Konstruktion, sondern versuche allgemeine Grundlagen herauszuarbeiten.
Danach werde ich mich mit dem Aufsatz „Die Relativität von Wahrheit dargestellt am Begriff der Entstehungsgeschichte der Wirtschafts- und Währungsunion“ aus der Zeitschrift für Internationale Beziehungen von Michael Merlingen
auseinandersetzen. Diese Vorgehensweise soll dazu beitragen, eine Möglichkeit der praktischen Anwendung des Konstruktivismus darzulegen, um seine theoretische Basis auf diese Art und Weise begreifbar zu machen. Abschließend werde ich zusammenfassend auf die vordergründigen Vor- und Nachteile des konstruktivistischen Ansatzes eingehen. Dadurch soll die Stellung die der Konstruktivismus in den IB hat, noch einmal erwähnt werden, um so die Frage beantworten zu können, ob dieser „neue Ansatz“ in der IB-Forschung als Alternative zu den vorherrschenden klassischen Ansätzen (wie z.B. Realismus und Liberalismus) dienen kann.
1 Die Definition des Begriffes soll nur einen Versuch darstellen, da die konstruktivistische Theorie nicht als homogen
betrachtet werden kann, wie ich später noch herausstellen werde.
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2. Der Konstruktivismus in den IB
Der Konstruktivismus als Theorie in der Disziplin der IB gewann mit Ende des Kalten Krieges an großer Bedeutung. Ursache hierfür war, daß die klassischen Theorien des Realismus und des Liberalismus nicht in der Lage waren die Ereignisse ausreichend zu erklären. 2 Dies war begründet durch das „Neue Denken“ von Michael Gorbatschow, wodurch die „dichotomische[...] Weltsicht des Klassenkampfes zugunsten einer Ideologie der Menschheitsinteressen“ 3 aufgegeben wurde. Das Ende des Ost-West-Konfliktes hatte somit eine ideelle Veränderung zur Ursache und keine Veränderung in und durch materielle Strukturen (z.B. Macht, Militärpotentiale, Hegemoniestrukturen, wirtschaftlliche Abhängigkeit), 4 für welche beispielsweise der Realismus als Erklärungsansatz hätte dienen können. Weiterhin läßt sich feststellen, daß in den IB neue und auch alte ethnonationalistische Konflikte zunehmen, welche weniger Macht und Interessen als vielmehr kollektive Identitäten zum Inhalt haben. Diese Identitäten spielen besonders in konstruktivistischen Forschungsarbeiten eine vordergründige Rolle. 5 Folglich ist die Disziplin der IB um eine neue Sichtweise erweitert worden, die Bereiche erschließen kann, welche von den klassischen Theorien nicht erfaßt wurden/werden konnten.
2.1 Grundzüge des Konstruktivismus
Grundsätzlich ist festzuhalten, daß es keine eindeutige Definition des Konstruktivismus gibt. Er selbst versteht sich nicht als eine umfassende Theorie sondern vielmehr als eine Forschungsperspektive. Laut Krell ist er ein „reines Produkt der Eigendynamik sozialwissenschaftlicher Reflexion.“ 6
2 Vgl. Stephen M. Walt, International Relations: One World, Many Theories, in: Foreign Policy 110, Spring 1998. S. 41
3 Gert Krell, Konstruktivismus in: Weltbilder und Weltordnung, Nomos Verlagsgesellschaft, 2000 Baden-Baden, 1. Auflage, S.
250
4 Vgl., ebd. S. 240/250
5 Vgl., ebd. S. 240
6 ebd., S. 240 - - 5
Gemeinsamkeit aller konstruktivistischen Überlegungen ist die Grundannahme, daß die Akteure in der Welt (die Staaten) sich diese nicht nur durch Wahrnehmung und Deutung erschließen, sondern sie auf Grundlage von Ideen und Interpretationen gestalten. 7 Somit wird die Wirklichkeit konstruiert. Im Zentrum konstruktivistischer Überlegungen und „Wirklichkeitskonstruktionen“ stehen Ideen, Interessen, kollektive Identitäten, Normen und die Kommunikation. Somit ist dieser Ansatz ein sozialer, seine Konstruktionen sind „soziale Wirklichkeitskonstruktionen“.
Außerdem wird generell davon ausgegangen, daß sich die reale Welt nicht nur aus einer materiellen Wirklichkeit (z.B. physikalische Gesetze, biologische Funktionen u. Produktivkräfte) zusammensetzt, sondern daß vielmehr die ideelle Wirklichkeit eine zentrale Funktion hat. 8 Hierzu schreibt Emanuel Adler: „While accepting the notion that there is a real world out there, they nevertheless believe that it is not entirely determined by physical reality and is socially emergent. More important, they believe that the identities, interests and behavior of political agents are socially constructed by collective meanings, interpretations and assumptions about the world.” 9
Um näher auf die Gestaltung der sozialen Wirklichkeit eingehen zu können, ist es erforderlich die Kernpunkte und Überlegungen des Konstruktivismus darzustellen. Wie ist also sein Verhältnis zu Ideen, Interessen, Identitäten, Normen und Kommunikation? Wie versteht er diese Begriffe? Obwohl diese Begriffe und deren Verständnis unmittelbar verknüpft sind, möchte ich versuchen sie möglichst isoliert zu betrachten: Ideen werden vom Konstruktivismus als Wissen über die Wirklichkeit verstanden (kollektives Wissen). Sie schließen neben „harten Fakten“ auch Normen, ästhetische Urteile und Vorstellungen über Akteurskonstellationen ein. 10 Ideen „ermöglichen und rechtfertigen Handlungen, Handlungsspielräume und Strategien.“ 11 Folglich ist vor allem die Positionierung der Akteure mit und durch Ideen bestimmt. Nach Emanuel Adler sind Ideen das „medium and propellant of social action; they define the limits of what is cognitively possible
7 Vgl., ebd., S. 241
8 Vgl., ebd., S. 242-244
9 Emanuel Adler, Seizing the Middle Ground: Constructivism in World Politics, in: European Journal of International
Relations, Vol. 3, Nr. 2, June 1997, S.324
10 Vgl., Gert Krell: a.a.O., S. 241
11 ebd., S. 241 - - 6
Arbeit zitieren:
Julia Schubert, 2001, Der Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen am Beispiel der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, München, GRIN Verlag GmbH
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