Soziologie I 04.12.2003
Rollen und Erwartungen in Interaktionen werden in der primären Sozialisation (Familie) frühzeitig entwickelt. Diese Interaktionsfähigkeiten sind somit auch die ersten und dauerhaftesten Rollen und ermöglichen dadurch eine Rollenüber- bzw. -annahme über die primäre Sozialisation hinaus. Normen und Rollen bilden sich in Abstimmung der Beteiligten, dadurch bilden sich Spielräume. Diese erlauben nicht nur eine Eigendefinition der jeweiligen Rolle, sondern entscheiden auch über den Erfolg in der Rollengestaltung.
Unsere Gesellschaft lässt sich als ein System von Positionen und Rollen beschreiben, wobei die Industriegesellschaft zu einer Vermehrung von Positionen geführt hat. Diese Positionen müssen durch geeignete Mechanismen besetzt werden. Diese Mechanismen können „Sozialisationsprozesse, in denen Rollenerwartungen internalisiert (verinnerlicht) werden“ (S.130) oder durch das System eingebrachte positive oder negative Sanktionen sein. Da Sanktionen nicht in jedem Fall greifen, baut die Gesellschaft auf das Mittel des Sozialisationsprozesses. In diesem werden zentrale Werte und Orientierungen unserer Kultur verinnerlicht, also internalisiert. Dadurch wird die Bereitschaft des Menschen bewirkt, „sich den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechend zu verhalten.“ (S.131) Dieser „abgehobene“ Blick auf Individuum und Gesellschaft legt nah, dass die Spielräume für menschliches Handeln sehr gering sind, und die Rollenspieler sich tatsächlich den Rollen entsprechend verhalten. „Diese Rollen scheinen dann eine eigene, von konkreten Individuen unabhängige „Existenz“ zu führen.“ (S.132) Dies liesse den Schluss zu, dass die mit den Rollen verbundenen Erwartungen so stark verinnerlicht sind, dass sie mit den Bedürfnissen des Einzelnen übereinstimmen. In dieser funktinalistischen Perspektive liesse sich der Mensch als Summe seiner Rollen kennzeichnen.Das hiesse, dass man sich nicht mehr in andere hineinzuversetzen brauchte, um deren „Wahrnehmung von Situation und Selbst kennenzulernen“ - „man könnte sich die Mühe des Hinhörens und Nachdenkens „schenken““. (S.132.). Dementsprechend dürfte es keine Konflikte zwischen Rollenträgern geben. „Diese Überlegungen haben zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Rollentheorie geführt“ - weshalb der Blick von den Sozialisationsprozessen weg, hin zu den Interaktionsprozessen gelenkt wurde.
Die strukturfunktionale und die interaktionistische Rollentheorie
In der strukturfunktionale Rollentheorie, vor allem erweitert durch die Theorie des symbolischen Interaktionismus, orientieren sich die Interaktionspartner an kulturellen Symbolen. Die Sichtweise von „Rolle“ in der strukturfunktionalen Perspektive basiert auf folgenden Standpunkten:
• je weitergehend Rollennorm und deren Interpretation durch den Rolleninhaber übereinstimmen, desto sicherer kann Erfolg garantiert werden
• damit die vorhandenen Diskrepanzen zwischen den Normen das Rollenhandeln nicht belasten, wird es als optimal angesehen, wenn sich das Individuum nur an einer Rolle orientiert
• ein erfolgreiches Rollenhandeln ist wahrscheinlicher, wenn die Rollenpartner in ihren gegenseitigen Erwartungen übereinstimmen
• die individuellen Bedürfnisse entsprechen den institutionalisierten Wertvorstellungen der Gesellschaft, dieses bedeutet einen erfolgreichen Sozialisationsprozess
• eine Orientierung an den Rollennormen garantiert eine gegenseitige Befriedigung der Bedürfnisse von Rollenpartnern
• Institutionen werden als stabil angesehen, wenn die Individuen ihre Rollen automatisch erfüllen, aber „dennoch das Bewusstsein haben, aus eigenem Antrieb und Entschluss zu handeln“(S.133)
Es wird also eine Übereinstimmung zwischen den Erwartungen der Handelnden unterstellt. Der Alltag jedoch ist davon gekennzeichnet, „dass die Rollenspieler auf unklare und inkosistente Erwartungen stossen, [] die sich mit ihren Bedürfnisdispositionen keineswegs decken“ (Krappmann, 1976, S. 314)
Dies führt zur interaktionistischen Rollentheorie. In ihr wird vor allem der Handlungsaspekt von
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Arbeit zitieren:
Jörg Trinks, 2003, Exzerpt: Heinz Abels und Horst Stenger „Gesellschaft lernen. Einführung in die Soziologie“ , München, GRIN Verlag GmbH
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