Jörg Trinks
Soziologie II
05.07.2004
- Exzerpt: Pierre Bordieu -
„gruppenspezifische kulturelle und soziale Kapitalien.“ (Korte, S.159)
Die soziale Karriere einer Klasse ist mitentscheidend für die objektive Position dieser Klasse. So entwickelte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts „eine Mittelschicht aus Angestellten, deren sozialer Aufschwung inzwischen zu Ende ist, Teile der Mittelschicht erleben seitdem wieder einen sozialen Abstieg.“ (Korte, S.160) Diese differenzierte Darstellung von objektiven sozialen Positionen sind dem systemtheoretischen Ansatz Bordieus zuzurechnen.
Sind die objektiven sozialen Positionen die erste Komponente, die den Sozialen Raum bestimmt, so ist der Begriff des Lebensstils die Zweite. In Anlehnung an Weber definiert Bordieu den Lebensstil als relativ klassenunabhängig.
Der Begriff des Lebensstils bezeichnet die individuell gelebten Merkmale der Lebensführung, wie die Kleiderwahl, Auftreten und Körpersprache, Hobbies, etc. . Dies lässt sich nicht allein auf die objektiven Bedingungen der Klassenzugehörigkeit und des jeweiligen Kapitals zurückführen, sondern wird individuell ausgestaltet.
“Bestimmte Sportarten verbinden sich mit bestimmten Typen kultureller Veranstaltungen. Die einen spielen Monopoly, die Anderen Mensch-ärger-dich-nicht. Und wenn wir genauer hinsehen, dann werden solche Kombinationen durch bestimmte Essgewohnheiten, die Vorlieben oder Abneigungen bei Autos oder spezifischen Wohnformen abgerundet.“ (Korte, S.160) Bordieu sagt nun, dass jedes Individuum durch seine objektive soziale Position und durch seinen Lebensstil charakterisierbar ist. Zwischen diesen beiden Räumen finden Wechselbeziehungen statt, diese Verbindung bezeichnet Bordieu als Habitus. Der Habitus bezeichnet also das Insgesamt der Einstellungen, Verhaltensweisen und Gewohnheiten , welche durch die Klassenzugehörigkeit das Individuum geprägt haben, es zu einem gesellschaftlichen Wesen gemacht haben. Diese sozialen Zwänge werden nicht als solche empfunden, sie werden sogar als „Elemente von Freiheit“ wahrgenommen (Bordieu, S.165).
Der Habitus bezeichnet also eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse oder eine bestimmte „Prägung“. Er ist das Bindeglied zwischen der gesellschaftlichen Eingebundenheit und dem konkreten Verhalten und Denken von Individuen. Im Habitus werden die feinen Unterschiede sichtbar, ausgedrückt durch den Geschmack eines Menschen. Ist der Lebensstil klassenspezifisch geprägt, so ist der Geschmack die subjektive Verfeinerung dessen. Beispielhaft dazu können Sprichworte wie „Adel verpflichtet“ oder „Gleich und gleich gesellt sich gern“ angeführt werden.
Allerdings betont Bordieu, dass der individuelle Geschmack eines Menschen nicht so individuell ist, wie es den Anschein hat, da das Subjekt „kein Subjekt ist, kein bewusstes Ich, das sich explizite Ziele setzt, [...]“ (Bordieu, S.165). Vielmehr bewegt sich der Mensch mit seinem individuellen Habitus in einem festgelegten Sozialen Raum und nur innerhalb dieses Raumes findet ein subjektiver Geschmack statt.
Geschmack ist ein Mittel zur Distinktion oder auch zur Demonstration von Zugehörigkeit. Er ist abhängig von der Position eines Individuums im Sozialen Raum. Daher schlussfolgert Bordieu, dass Geschmack rein gesellschaftlich und nicht individuell bedingt ist.
Als `Praxis`bezeichnet Bordieu nun die Verbindung von Lebensstil und tatsächlicher Lebensweise. Hier setzt sich der Habitus um und reproduziert sich. Dies findet im Sozialen Raum statt. „Sozialer Raum“ kann in diesem Fall sowohl örtlich als auch gesellschaftlich gemeint sein, d.h. er kann sich in bestimmten Gesellschaftskreisen, in bestimmmten Wohnvierteln oder bestimmten Vereinen entfalten. Hier „werden die „Die
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Arbeit zitieren:
Jörg Trinks, 2004, Exzerpt: Pierre Bordieu , München, GRIN Verlag GmbH
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