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Inhaltsverzeichnis
Die Geschichte des Ikonoklasmus 3
Der byzantinische Bilderstreit 3
Der Karolingische Bilderstreit 5
Bilderkritik im Mittelalter 5
Ikonoklasmus im Zeitalter der Reformation 6
Ikonoklasmus im Dritten Reich 7
Ikonoklasmus heute 7
Auszug aus der Geschichte der Ikonophilie ab dem byzantinischen Zeitalter 9
1 ) Einführung in die Bilderlehre 10
2 ) Die christologische Diskussion und die Frage nach dem Wesen der Heiligen 17
3 ) Die Lehre Platons und die Frage nach dem Verhältnis von Bild und Urbild 19
4 ) Das Problem des vermeintlichen Götzendienstes 21
Exkurs: Das Problem des Verehrungsbegriffs: Die Libri Carolini 23
5 ) Gemäßigte bilderfeindliche Strömungen 24
6 ) Die Bilderkritik aus finanziellen Gründen und Kritik am Materialismus 28
7 ) Der Missbrauch des Ikonoklasmus aus eindeutig politischen Gründen 30
Exkurs: Findet sich das Heilige nur in der Schrift oder auch im Bild? 32
Schlussbemerkung 33
Literaturnachweis 34
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Die Frage nach der Erlaubtheit der Bilder spaltete seit jeher die Christenheit. Seinen ersten Höhepunkt erlebte dieser Diskurs im 8. Jahrhundert in Byzanz, seit damals zieht sich die Diskussion darum, ob Bilder verehrungs - oder verabscheuungswürdig seien, und mit ihr der Ikonoklasmus, durch die gesamte Kirchengeschichte und wirkt bis in die Neuzeit fort, wobei die Auswirkungen der eigentlich vornehmlich theologischen Debatte häufig auch in der Gesellschaft spürbar waren und sind, in Form von tätlichen Übergriffen der Ikonoklasten, die sich stellenweise zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen ausweiten. Im nachfolgenden soll versucht werden, einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Geschehnisse vom konstantinischen - bis zum Reformationszeitalter zu geben, vornehmlich möchte ich mich jedoch mit der Diskussion um die Erlaubtheit der Bilder auseinandersetzen, der sogenannten Bilderlehre.
Es existieren in diesem Falle zwei Parteien, auf der einen Seite die Ikonodulen, die eine Verehrung des Bildes zu rechtfertigen suchen, und auf der anderen Seite die Ikonomachoi (auch „Ikonoklasten“ genannt, wenn sie Bilder aktiv zerstören), die eine solche Verehrung kategorisch ablehnen (man könnte eine dritte, recht neutrale Partei nennen, der beispielsweise Martin Luther angehört, dazu jedoch später mehr). Der Disput erstreckt sich über verschiedene Bereiche, einige sollen hier genannt werden. Nach einem geschichtlichen Überblick über Ikonoklasmus und Ikonophilie und einer allgemein gehaltenen Einführung möchte ich mich zunächst mit der Diskussion aus christologischer Sicht auseinandersetzen, in diesem Zusammenhang auch mit der Lehre Platons, weiterhin möchte ich mich mit dem Argument des Götzendienstes befassen und schließlich finanzielle sowie politische Erwägungen der Ikonoklasten nennen. Ein Exkurs zum Problem des Verehrungsbegriffes und den daraus resultierenden Libri Carolini sowie zur Gewichtung von Bild und Schrift sollen meine Hausarbeit abrunden.
Die Geschichte des Ikonoklasmus
Der byzantinische Bilderstreit
Die Ursachen des byzantinischen Bilderstreites waren vielschichtig und sollen hier nur kurz tangiert werden, teilweise werde ich später noch näher auf einzelne Punkte eingehen. Leo III. versuchte erstens, mit einem Bilderverbot die umgebenden Völker zu begütigen, namentlich
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die Juden, Araber 1 (die sich auf dem militärischen Vormarsch befanden) und die paulitische
Bewegung 2 . Ein weiteres, ständig von den Ikonoklasten zitiertes Argument, war das
alttestamentarische Bilderverbot 3 , 4 (Zuwiderhandlungen wurden im Alten Testament hart
bestraft, so musste das Volk Israel, nachdem sie sich das Goldene Kalb als Götze gebaut
hatten, dieses zu Staub zermahlen und essen 5 , König Salomo wird für seine Duldung des
Götzendienstes sogar mit der Prophezeiung bestraft, dass sein Sohn das Königreich verlieren
wird 6 ). Außerdem spielte die Auflehnung gegen das orthodoxe Kirchensystem eine Rolle,
sowie der immer weiter um sich greifende Heiligen - und Marienkult und die Diskussionen
um die Christologie und den Monophysitismus, dazu später mehr. Der wirklich
ausschlaggebende Faktor war aber vermutlich die mönchische Opposition, die zunehmend an
Macht gewann und die es auszuschalten galt 7 . Als Beginn der regen ikonoklastischen
Aktivitäten kann die Zerstörung der Christusstatue am Palasttor von Konstantinopel gewertet
werden, sie wurde durch ein Kreuz ersetzt (mehrfach wurde das Kreuz in der nachfolgenden
Zeit wieder durch eine Plastik ausgetauscht, diese dann wieder gegen ein Kreuz
ausgewechselt usw. 8 ). Schon 730 9 versuchte Leon III. ein entsprechendes Edikt
durchzusetzen, scheiterte jedoch am damaligen Patriarchen Germanos I, der den Bilderkult
durch Schrift und Tradition rechtfertigt. Leons Sohn Konstantinos V. war der Meinung, ein
Bild Christi müsse auch dessen göttliche Natur darstellen, was unmöglich sei, nur seine
Menschennatur darzustellen sei Nestorianismus 10 . Er ließ 754 durch die Synode von Hiereia
1 Bildliche Darstellung war verpönt, eine ketzerische Ausnahme bildeten reich geschmückte persische
Bildteppiche, später wurde das Verbot dahingehend gelockert, dass der Mensch nicht darstellbar sei und die Kunstwerke keinen Schatten werfen dürften, vgl. Hutter, Irmgard: Frühchristliche Kunst: Byzantinische Kunst, Stuttgart 1968, S. 109.
2 Christliche Abspaltung, um 660 gegründet von Paulos von Sameosata, aus ihr entwickelten sich später die
Bogomili „die in besonderer Weise Gott nahestehenden“, die ebenfalls unter Verfolgung zu leiden hatten und von denen noch heute im kroatischen Hochland eindrucksvolle Bildzeugnisse zu finden sind.
3 Z.B. 2. Mose 20, Verse 4-5: „Du sollst Dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder des, das
oben im Himmel ist, noch des, das unten auf Erden, noch des, das im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht.“
4 Was Bibelzitate allgemein angeht, so ist der Hinweis darauf interessant, dass sich sowohl Ikonomachoi als
auch Ikonodulen derselben Stellen bedienten, diese jedoch so frappierend anders auslegten, dass ein gegenseitiges Verständnis ausgeschlossen war, vgl. Jezler, Peter: Tempelreinigung oder Barbarei? Eine Geschichte vom Bild des Bilderstürmers. In: ders. (hg.): Bilderstreit. Kulturwandel in Zwinglis Reformation, Zürich 1984, S. 76.
5 vgl. 2. Mose 32 - 34.
6 vgl. 1. Könige 11.
7 vgl. Ostrogorsky, Georg: Studien zur Geschichte des byzantinischen Bilderstreites, Amsterdam 1964.
8 vgl. Hecht; Christian: Das Christusbild am Bronzetor. Zum byzantinischen Bilderstreit und zum theologischen
Bildbegriff. In: Möseneder, Karl (hg.): Streit um Bilder, Berlin 1997, S.2.
9 alle geschichtlichen Daten zitiert nach: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 2, Freiburg im Breisgau 1958,
S. 462 ff. sowie Hohnour, Hugh und Fleming, John: Weltgeschichte der Kunst, München 1983, S. 244 ff.
10 „Von der Kirche verworfene Lehre des Patriarchen Nestorius (gest. 451) [...], die die göttliche und
menschliche Natur in Christus für unverbunden hielt und in Maria nur die Christusgebärerin, nicht aber die Gottesgebärererin sah“, vgl. Müller, Wolfgang: Duden Fremdwörterbuch, Bd. 5 Mannheim - Wien - Zürich
1974, Seite 492.
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die Verwerfung des Bilderkultes theologisch begründen und inszenierte gegen deren Anhänger eine schonungslose und grausame Verfolgung mit grausamen Strafen (Pfählen, Verbrennen, Verstümmelung oder Blendung). Nach seinem Tod entspannte sich die Lage, und auf dem Konzil von Nicäa 787 (übrigens ein geschichtsträchtiger Ort, hier fand 325 dasjenige Kirchenkonzil statt, dass die christliche Lehre definierte) wurde die Bilderverehrung im orthodoxen Sinne gerechtfertigt und die Beschlüsse von 754 verworfen. Unter Leon V. (813-820), Michael II (820-829) und Theophilos (829-842) flammte der Konflikt wieder auf. Die orthodoxe Seite hatte aber diesmal in Theodor von Studion einen geistigen Führer, der durch sein Vorbild und seine Briefe den inneren Zusammenhalt der Verfolgten stärkte. Er argumentierte, gerade die Tatsache der Inkarnation Christi, die Christus als „Ikone des Vaters“ ausweise, mache dessen Darstellung im Bild möglich und verlange sie sogar, da durch sie die Materie mit in die Verklärung emporgehoben sei. Die Verehrung des Bildes gelte seinem Urbild, das Bild verachten heiße daher sein Urbild verachten. Das Bild sei zwar nicht wesensgleich mit dem Urbild, es bestehen aber zwischen ihnen eine Art „Hypostatische Union“. Theodora, die Gattin von Theophilo, führte den Bilderkult nach dessen Tod wieder ein und ließ ihn 843 durch das „Fest der Orthodoxie“ endgültig sanktionieren.
Der Karolingische Bilderstreit
Die Theologie des Westens drang nicht zum Kernpunkt des byzantinischen Konflikts vor, nicht zuletzt aufgrund der mangelhaften Übersetzung der Synodalakten von des Konzils von Nicäa 787, ins Lateinische. Die Verfasser der Libri Carolini versuchten sogar, die Thesen der ostkirchlichen Theologen über den Bilderkult zu wiederlegen und lassen nur eine Verwendung von Bildern unter einem katechetischen Aspekt zu. Eine Synode in Frankfurt 794 bestätigt diese Haltung, Rom jedoch stellt sich auf die Seite der byzantinischen Theologen und billigt durch Papst Hadrian die Entscheidungen der Konzils von Nicäa 11 .
Bilderkritik im Mittelalter
Auch im Mittelalter war Kritik an der missbräuchlichen Verwendung von religiösen Bildern präsent, häufig aus materialistischen Gründen. (Bernhard von Clairvaux, Hussiten [um 1417, sie zerstörten auch Kreuze 12 ], Armutsbewegung). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts begann
11 vgl. Lexikon für Theologie und Kirche, S. 463.
12 vgl. Bredekamp, Horst: Kunst als Medium sozialer Konflikte. Bilderkämpfe von der Spätantike bis zur Hussitenrevolution, Frankfurt am Main 1975, S. 259
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eine Verweltlichung der Renaissancekunst, dies führte zur Steigerung der Kritik, vor allem durch extreme Kräfte wie Savonarola in Florenz, aber auch Johannes Gerson, Geiler von Kayserberg und Erasmus 13 .
Ikonoklasmus im Zeitalter der Reformation
Im Bildersturm der Reformation gab es unterschiedlich extreme Strömungen. Luther, auch „der Bilderschirmer 14 “(vgl. Abb.6) genannt, vertrat hierbei eine gemäßigte Position, für ihn waren Bilder ein „äußerlich Ding“, jedoch nur abzuschaffen, wo man sie anbetete oder ihre Stiftung als Verdienst ansah. Karlstadt hingegen war radikaler, er forderte 1522 in seiner Schrift „Von Abtuhung der Bilder“ (der unter anderem der Wittenberger Bildersturm am 6. Februar 1522 folgte 15 ), die Entfernung aller Bilder und nutzte den Bilderstreit laut Meinung einiger Historiker als Vorwand für Aktivismus überhaupt 16 . Für Zwingli stand das Heilige im Konflikt zum Sinnlichen, auch er lehnte jegliche Bilder ab, setzte sich aber zunächst noch für eine geordnete Bildentfernung ein 17 . Auch Calvin äußerte sich sehr scharf in seiner Schrift „Institutio“ von 1559, dieses Werk verursachte Bilderstürme in bis dahin nicht erlebtem Ausmaß in Frankreich und den Niederlanden bis 1566, unter anderem auch den Bildersturm in Genf am 8. August 1535, der als „zentrales Ereignis für die Konsolidierung der Reformation“ angesehen werden kann 18 . Die Franzosen versuchten schließlich, der calvinistischen Ikonoklasmusströmung Einhalt zu gebieten, indem sie am 03.12.1563 ein Bilderdekret durchsetzten, das die Erlaubtheit der Bilderverehrung besagt und die erzieherische Bedeutung der Bilder betont. Noch zu nennen wäre die Bewegung der „Wiedertäufer“ in Münster, die 1534 im Sturz des dortigen Regimes gipfelte, ihr Credo lautete: „Gott [ist] allein in dem lebendigen Tempel und Herzen der Menschen und nicht im Bilde oder Sakrament zu ehren“ 19 . Insgesamt kann man sagen, dass der Bildersturm und die Verdrängung der religiösen Themen der Kunst deren Hinwendung zum Profanen förderte.
13 vgl. Lexikon für Theologie und Kirche, S. 463.
14 vgl. Belting, Hans: Bild und Kult, München 1990, S. 512; auch Jezler, Peter: Tempelreinigung oder Barbarei? Eine Geschichte vom Bild des Bilderstürmers. In: ders. (hg.): Bilderstreit. Kulturwandel in Zwinglis Reformation, Zürich 1984, S. 80.
15 vgl. Jezler, S. 80.
16 vgl. Belting, S. 512.
17 vgl. Belting, S. 512.
18 vgl. Belting, S. 511.
19 vgl. Belting, S. 513.
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Ikonoklasmus im Dritten Reich
Dieses Thema möchte ich hier nur tangieren, bietet es doch Stoff genug für eine eigene wissenschaftliche Arbeit. Ikonoklasmus hatte im Dritten Reich natürlich eine stark antisemitische Komponente, Bilder von jüdischen Künstlern sowie Bücher von jüdischen Schriftstellern wurden verbrannt. Doch nicht nur gegen alles jüdische, sondern auch gegen impulsive Malstile dieser Zeit, wie Fauvismus und Expressionismus, richtete sich Hitlers Hass. In diesem Zusammenhang besonders interessant ist die Ausstellung „Entartete Kunst“ (Haus der Kunst, München 1937), die sowohl zur Volksbelustigung als auch zur Abschreckung des Volkes dienen sollte 20 ; ausgestellt wurden native Bildwerke aus Afrika, ebenso viele namhafte Künstler dieser Zeit, die Liste der ausstellenden Künstler liest sich heutzutage wie ein „Who’s Who“ des späten neunzehnten und des frühen zwanzigsten Jahrhunderts 21 . Hitler selbst propagierte und favorisierte klassischen Realismus, wie ihn Feuerbach oder Böcklin praktizierten. Jeder Soldat des zweiten Weltkrieges hatte Böcklins „Toteninsel“ im Tornister.
Ikonoklasmus heute
Natürlich ist der Ikonoklasmus kein abgeschlossenes Phänomen. Zwar ist er im Christentum nicht mehr verbreitet, es existieren aber aktuelle Beispiele, etwa aus dem islamischen Kulturkreis, zu nennen ist in diesem Zusammenhang die Zerstörung der Buddha - Statuen bei Bamiyan durch die Taliban im Februar 2001, sicherlich ist auch die politische Komponente des Ikonoklasmus nicht zu vernachlässigen, wie unlängst erst im Irak am symbolträchtigen Sturz der Saddam - Hussein - Standbilder demonstriert oder, wie in Abb. 2, die Lenin -Statuen des früheren Ostblocks.
20 vgl. hierzu auch: Struwe, Marcel: „Nationalsozialistischer Bildersturm“, Funktion eines Begriffs. In: Warnke, Martin: Bildersturm. Die Zerstörung des Kunstwerks, München 1973, S. 121 ff.
21 u. a. Chagall, Dix, van Gogh, Kandinsky, Nolde und Picasso, vgl. Lucie -Smith, Edward: DuMont’s Lexikon der Bildenden Kunst, Köln 1990, S. 79.
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Wildis Streng, 2003, Ikonoklasmus und Ikonophilie - eine Betrachtung zur Bilderlehre, München, GRIN Verlag GmbH
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