Universität Konstanz - Philosophische Fakultät Fachgruppe Geschichte Proseminar: Sparta
Sommersemester 1996
Die Helotenfurcht im
Spiegel der Forschung
Sebastian Schmid
2. Fachsemester
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Verschwörung des Pausanias 4
3. Der Helotenaufstand von 464 6
4. Die Helotenfurcht im Peloponnesischen Krieg 8
5. Ergebnisse und Diskussion 11
6. Quellenangabe 14
7. Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Das zentrale Ereignis der Helotenfurcht in Sparta war das große Erdbeben im Jahr 464 v.Chr., das einen Aufstand der messenischen Heloten nach sich zog. Weder vor, noch nach dieser gewaltsamen Erhebung der Heloten, sind bei den antiken Autoren Aufstände ähnlichen Ausmaßes bekannt.
Die Heloten entstanden aus der von den Dorern unterworfenen Bevölkerung 1 . In einem ersten Schritt wurden die Einwohner Lakoniens von den Spartanern zu Staatssklaven gemacht, bevor später die in zwei Kriegen unterworfenen Messenier in das System der Helotie integriert wurden 2 .
Gegenstand dieser Arbeit ist es zu untersuchen, inwiefern sich die Behandlung der Heloten und der Umgang mit diesem Konfliktpotential seitens der Spartaner durch den Aufstand geändert hat. Eine Darstellung der Situation vor 464 ist zur Beurteilung der Problematik ebenfalls unerläßlich. Als Vorgeschichte des Helotenaufstandes ergibt sich aus Thukydides Geschichtswerk über den Peloponnesischen Krieg die Verschwörung des Pausanias, an der die Heloten beteiligt gewesen sein sollen. Dieses Ereignis wird im ersten Teil dieser Arbeit behandelt. Der zweite Abschnitt erläutert den Aufstand selbst und beleuchtet seine Ursachen und seinen Verlauf. Durch die Umstände des Peloponnesischen Krieges und der äußeren Bedrohung des spartanischen Staates durch Athen, treten die sozialen Spannungen wieder in den Vordergrund. Die Ereignisse Mitte bis Ende der 420er Jahre bis zum Nikias-Frieden werden im dritten Abschnitt näher betrachtet.
Im letzten Teil der vorliegenden Arbeit wird auf das Alltagsleben der Heloten, ihre Rolle im spartanischen Kriegswesen, ihre Bildung und ihr Bewußtsein sowie ihre Rolle im spartanischen Staatsgebilde eingegangen.
1 Clauss, S. 109
2 Schuller, S. 21f
3
2. Die Verschwörung des Pausanias
Pausanias stammte aus dem königlichen Geschlecht der Agiaden 3 und war ein hochdekorierter Feldherr der Spartaner, da unter seiner Führung der Sieg gegen die Perser bei Plataiai im Jahr 479 gelang 4 . Nach der siegreichen Schlacht ließ er das Weihgeschenk nach Delphi ausschließlich mit seinem Namen versehen, doch die Ephoren ließen seinen Namen wieder entfernen und ersetzten ihn durch die Nennung aller am Krieg gegen Persien beteiligten griechischen Staaten 5 . Obwohl sich schon bei dieser Episode die Profilierungssucht und das Machtstreben des Pausanias gezeigt hatten, wurde er im Jahr darauf erneut an die Spitze eines griechischen Heeres gestellt 6 . Er richtete seinen Eroberungszug zuerst nach Zypern und wandte sich anschließend Byzanz zu, das zu dieser Zeit in den Händen der Perser war. Abermals gelang ihm ein großer Sieg gegen die Truppen des Großkönigs Xerxes und die Stadt wurde eingenommen.
Trotz seiner unzweifelhaften militärischen Fähigkeiten, beschwerten sich die mit den Spartanern verbündeten Griechen über sein herrisches Auftreten und sein tyrannisches Wesen. So beklagten sich die „Ionier und alle, die eben erst von der Herrschaft des Großkönigs losgekommen waren“, weil sie „...die Gewalttätigkeiten des Pausanias nicht länger dulden“ (Thuk. I, 95).
Als das tyrannische Verhalten des Pausanias in Sparta bekannt wurde, beorderte man ihn zurück, um ihn vor Gericht anzuklagen. Man warf ihm nicht nur vor „in seinem Gebaren offenbar einem Tyrann ähnlicher zu sehen, als einem Feldherrn“ (Thuk. I, 132), sondern auch, daß er heimlich mit Xerxes verhandelt habe 7 . Pausanias hatte nämlich nach der Eroberung von Byzanz die Verwandten und Angehörigen der persischen Königsfamilie, die gefangen genommen worden waren, eigenmächtig freigelassen. Ferner unterstellte man ihm Verrat, da er per Brief seine Hilfe zur Unterwerfung ganz Griechenlands angeboten haben soll. Diesen Pakt mit Persien wollte er angeblich mit der Heirat der persischen Königstochter besiegeln 8 .
3
RE XVIII, 4 (1949) 2563 s.v. Pausanias (Schäfer)
4 Schuller, S. 30
5 Thuk. I, 132
6 RE XVIII, 4 (1949) 2567 s.v. Pausanias (Schäfer)
7 RE XVIII, 4 (1949) 2568 s.v. Pausanias (Schäfer)
8 Thuk. I, 128 vgl. bei Herodot V, 32 wird berichtet, Pausanias habe beabsichtigt die Tochter des Megabates, einem Vertrauten des Großkönigs zu heiraten.
4
Arbeit zitieren:
Sebastian Schmid, 1996, Die Helotenfurcht im Spiegel der Forschung, München, GRIN Verlag GmbH
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