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Dies ist eine Nahtstelle zwischen dem Erziehungssystem und der Gesellschaft. Danach soll durch das Schulsystem eine Neuverteilung der Lebenschancen in jeder Generation erreicht werden. Kurz nach der Entdeckung dieser Nahtstelle war die Euphorie groß, die Klassenschranken durch das Schulsystem aufheben zu können , so dass für die soziale Stellung nur noch erwerbbare Leistungsfähigkeit und Tüchtigkeit wichtig sein würden. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch einen weiter bestehenden Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Bildungsbeteiligung. Daraufhin wurden Maßnahmen, wie die bessere regional Versorgung mit weiterführenden Schulen, Gesamtschulversuche und kompensatorische Erziehungsprogramme durchgeführt. Die Benachteiligung von z.B. Mädchen ging zurück. Aber was ist mit der sozialen Herkunft, lässt sich durch das Schulsystem eine völlige Chancengleichheit erreichen? Forschungsergebnisse aus anderen Ländern zu diesem Thema (Jencks, USA) sind enttäuschend, da viele soziale Vorteile außerschulisch erzeugt werden.
Die außerschulische Ungleichheit überträgt sich auf die Ungleichheit in der Schule. Das Lebenseinkommen und der Berufsstatus hängen stark mit dem Schulbesuch und dem Schulabschluss zusammen. Wie viel Ungleichheit ist auf kognitive Fertigkeiten zurückzuführen? Jencks behauptet, dass das Schulsystem für die Herstellung sozialer Gleichheit oder Produktion von Ungleichheit relativ unbedeutend ist, seine Interpretationen werden jedoch heftig diskutiert. Sicher ist, dass durch das Schulsystem keine vollkommene Neuverteilung der Lebenschancen und somit eine Null-Beziehung zwischen sozialer Herkunft und Schulabschluss zustande kommen kann. Aber es scheint nicht aussichtslos, das Maß an Chancengleichheit zu verbessern. Bildungspolitik ist ein Teil der Sozialpolitik und unvertretbaren sozialen Ungleichheiten muss entgegengewirkt werden. Für leistungsfähige Arbeiterkinder ist die Schule die einzige Möglichkeit des sozialen Aufstiegs. Aber es gibt schulinterne und schulexterne Barrieren einer Chancengleichheit, wie z.B. intern der frühe Selektionsdruck und die fehlenden Maßnahmen zum Ausgleich familiär mitgebrachter Lerndefizite. Schulextern gibt es ein ganzes Bündel von unterschiedlichen Lernmöglichkeiten, weshalb die Herstellung von Chancengleichheit in hohem Maße eine Aufgabe der sozialen Familienpolitik ist. 2. Leistungsmotivation
Die Leistungsmotivation gilt nach Heckhausen als „Bestreben, die eigene Tüchtigkeit in allen jenen Tätigkeiten zu steigern oder möglichst hochzuhalten, in denen man einen Gütemaßstab für verbindlich
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hält und deren Ausführung deshalb gelingen oder misslingen kann.“ Die Motivation bezeichnet die Prozesse, die Handlungen oder Verhaltensweisen vorgeordnet sind und zu diesen führen. Nach Atkinson wird die subjektive Wahrscheinlichkeit (Erwartung), eine Aufgabe zu lösen, multiplikativ mit dem subjektiven Anreiz (Wert) der Aufgabenlösung verknüpft. Es gibt zwei Motivausprägungen bei der Leistungsmotivation: Die Tendenz, möglichst Misserfolge zu vermeiden (Misserfolgsmotiv), und die Tendenz, möglichst Erfolge zu erzielen (Erfolgsmotiv). Erfolgsmotivierte erklären sich ihre Erfolge oft durch ihre Fähigkeiten. Misserfolgsmotivierte führen ihre Erfolge zum Beispiel auf Glück oder Leichtigkeit der Aufgaben zurück.
Zwei der stärksten Faktoren, welche bei Leistungsmotivation des Schülers bzw. der Schülerin ein wichtige Rolle spielen, sind das Elternhaus und die Schule (Eltern, Lehrer, Vergleich mit den Leistungen der Mitschüler, Rückmeldung über individuelle Fortschritte, die Einengung der Wertschätzung auf schulische Leistung,...).
Zur Motivation kann auch beitragen, wenn die Schüler lernen, ihre eigenen Leistungen im Unterricht angemessen einzuschätzen. Nach Klafki müssten die Lernenden in Zukunft selbst in den Prozess der Diskussion, der Beurteilung und Formulierung von Lernzielen und Beurteilungspunkten in zunehmendem Maße einbezogen werden, „so dass eine in ihren Kriterien uneinsichtige Fremdbeurteilung schrittweise durch Mit- und Selbstbeurteilung ersetzt werden kann.“
II. Formen der Leistungsbeurteilung/-kontrolle
1. Leistungsbeurteilung durch Zensuren
Nach Zielinski (1975) lassen sich zehn Funktionen, die der Notengebung beigemessen werden, unterscheiden:
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- Die Rückmeldefunktion für die Lehrerin und den Lehrer: An der Zensurenverteilung soll die Lehrkraft den Erfolg ihres Unterrichts ablesen können.
- Die Rückmeldefunktion für die Schülerinnen und Schüler: Die Note informiert sie über ihren Leistungsstand im Vergleich zu den Mitschülerinnen und Mitschülern;
- Die Berichtfunktion: Durch Noten werden die Eltern über den Leistungsstand ihrer Kinder informiert.
- Die Anreizfunktion: Zensuren dienen zur Motivation der Schülerinnen und Schüler, um sich mit dem dargebotenen Lernstoff zu beschäftigen;
- Die Disziplinierungsfunktion: Durch schlechte Noten werden leistungsunwillige Schülerinnen und Schüler bestraft, um sie dadurch dem gewünschten Leistungsverhalten näher zu bringen.
- Die Sozialisierungsfunktion: Schülerinnen und Schüler müssen sich mit Leistungsnormen auseinandersetzen, die sich teilweise von den in der Familie gültigen stark unterscheiden. Vor allem nehmen die Schülerinnen und Schüler wahr, so Zielinski, „dass es als fair gilt, wenn unterschiedliche Leistungen auch unterschiedlich belohnt werden.“
- Die Klassifizierungsfunktion: Durch die Unterschiede in den Noten werden die Schülerinnen und Schüler in unterschiedliche Bewertungsklassen eingeteilt. Diese Maßnahme ist Grundlage für die Förderungs- und Selektionsmaßnahmen.
- Die Selektionsfunktion: Die Auswahl besonders guter bzw. schlechter Schülerinnen und Schüler soll mit Hilfe von Zensuren durchgeführt werden, um sie entsprechenden Institutionen zuführen zu können.
- Die Zuteilungsfunktion: Mit der Zensierung werden Berechtigungen für den weiteren sozialen Aufstieg vergeben oder verwehrt (bei den Funktionen 8 und 9 wäre danach zu fragen, ob sie nicht dasselbe meinen und deshalb zusammengefasst werden können.)
- Die Chancenausgleichsfunktion: Besonders benachteiligte Schülerinnen und Schüler erhalten bessere Noten, „als es die objektiven Leistungen rechtfertigen würden.“ Negative Aspekte der Zensurenvergebung:
- Viele Faktoren beeinflussen den Schulerfolg eines Kindes. Man kann dieses komplexe Faktorenbündel unmöglich mit einer einzigen Zahl in den Griff bekommen.
- Zensuren teilen Kinder in Gewinner und Verlierer ein: Durch Zensuren lernen die einen erfolgreich zu sein. Die anderen lernen, Versager zu werden. Die einen werden durch ihren
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Erfolg zusätzlich ermutigt, die anderen bleiben ohne Aussicht auf Erfolg, werden durch den Misserfolg entmutigt und gedemütigt.
- Schüler mit recht unterschiedlichen Leistungen erhalten die selbe Note, da die Leistungen nur mit Hilfe einer sechsstufigen Skala beurteilt werden können. So werden Durchschnittswerte berechnet, die dann auf oder abgerundet werden.
- Folgende Befunde (Ingenkamp 1971; Kleber 1976; Schwarzer 1977) sprechen dafür, den pädagogischen Wert der Zensuren in Zweifel zu ziehen:
-Die gleiche Leistung wird von Schule zu Schule, von Klasse zu Klasse und von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich bewertet.
- Die gleiche Leistung wird selbst vom selben Lehrer zu verschiedenen Zeiten verschieden bewertet.
- In einer leistungsstarken Klasse wird strenger bewertet als in einer leistungsschwachen.
- Mädchen werden günstiger bewertet als Jungen, beliebte und brave Kinder günstiger als unbeliebte und ungehorsame.
- Kinder der sozialen Unterschicht werden schlechter bewertet als Kinder der gehobenen Mittelschicht.
- In verschiedenen Fächer wird verschieden streng bewertet.
- Die Noten geben keine inhaltlich brauchbaren Informationen. Sie sagen nichts darüber aus, wie sie zustande gekommen sind, ob sich das Kind angestrengt hat, was es kann oder noch nicht kann und wie es sich verbessern könnte.
- Zensuren verengen das schulische Leistungsverständnis auf kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, da etliche Leistungsbereiche wie kreative Fähigkeiten, soziale Sensibilität, Interessen, Haltungen in der Benotung oft nicht miteingeschlossen sind. 2. Verbale bzw. beschreibende Leistungsbeurteilung (Wortgutachten) Vorteile der verbalen bzw. beschreibenden Beurteilung:
- Verbale/beschreibende Beurteilung bietet die Möglichkeit, differenzierte und individuell abgestimmte Aussagen über den Schüler zu machen.
- Man kann die individuelle Eigenart des Kindes erfassen.
Arbeit zitieren:
Sam Körber, 2001, Leistungsbeurteilung, München, GRIN Verlag GmbH
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