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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Das Lesen in der gegenwärtigen Forschung 3
3 Die Erstlesemethode „Lesen durch Schreiben“ 5
3.1 Das Besondere an „Lesen durch Schreiben“ 5
3.2 Der Lehrgang 7
4 Lerntheoretische Grundlagen 13
4.1 Kognitive Selbststeuerung 13
4.2 Prinzip der minimalen Hilfe 14
4.3 Kognitive Aktivierung 14
4.4 Die drei Repräsentationsebenen 15
5 Lernangebote 15
5.1 Sabefix 15
5.2 Visuelle Wahrnehmung 17
6 „Lesen durch Schreiben“ in der Kritik? 18
7 Fazit 22
8 Literaturverzeichnis 25
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1 Einleitung
Die Fähigkeit, Texte lesen und schreiben zu können, ist in unserer Gesellschaft für jedes Individuum eine Grundvoraussetzung, um die Möglichkeit zu haben, erfolgreich an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen. Doch diese Fähigkeit stellt sich nicht von selbst ein, sondern sie muss erworben werden. Aufgrund der Wichtigkeit dieser Fertigkeit macht man sich schon seit vielen Jahren Gedanken, um die beste Methode zu finden, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Dabei beschäftigt uns die Frage nach dem richtigen Leselernwerk besonders. In den letzten Jahren wurden viele Leselernwerke überarbeitet, was zu einer Vielzahl von verbesserten Werken geführt hat, aber nicht zu einer Vielfalt von Leselernwerken mit unterschiedlichen Wegen zum Erwerb der Lesefertigkeit. Anfang der 80er Jahre hat Jürgen Reichen, ein Lehrer aus der Schweiz, mit seinem Lehrgang „Lesen durch Schreiben“ eine neue Methode vorgestellt, durch die Kinder ohne Fibel, dafür mit einer Anlauttabelle, erst Schreiben und dann Lesen lernen.
Im ersten Teil dieser Hausarbeit beschreibe ich den Lehrgang von Reichen, dann erläutere ich lerntheoretische Grundlagen und im letzten Teil lege ich auch andere mehr oder weniger kritische Meinungen zu „Lesen durch Schreiben“ dar. Der Lehrgang „Lesen durch Schreiben“: Eine echte Alternative zum herkömmlichen Fibelunterricht?
2 Das Lesen in der gegenwärtigen Forschung
Die deutsche Schrift ist eine Lautschrift, bei der, mit einigen Ausnahmen, einzelne Schriftzeichen einzelnen Lauten zugeordnet werden (Graphem-Phonem-Korrespondenz).
Früher glaubte man, Lesen sei ein Transformationsprozess von Schriftzeichen in Lautsprache, indem der Leser jedem Buchstaben den entsprechenden Laut zu-ordnet. Außerdem meinte man, dass beim Lesen zusätzlich Assoziationsprozesse vorliegen: einmal zwischen Buchstaben und Lauten und auch zwischen geschriebenen und gesprochenen Worten. Die Reiz-Reaktions-Theorie besagte dann, dass geschriebene Buchstaben die Reize und die Laute die Reaktionen sind. Rei-
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ze und Reaktionen sah man durch einen Gedächtnisprozess miteinander verbunden. Nun machte man aber immer wieder die Erfahrung, dass das Aneinanderreihen von Sprachlauten, also das Buchstabieren, nicht mit dem Lesen gleichzusetzen ist. Aus diesem Grunde kam man nach einigen Untersuchungen zum Akt des Zusammenschleifens. Man versucht heute das Zusammenschleifen folgendermaßen zu erklären:
Das Lesen setzt sich aus zwei Teilvoraussetzungen zusammen. Zum einen geht man davon aus, dass das Instrument des Lesens das Zuordnen von Buchstaben zu Lauten ist.
Bleidick nennt es das „technische Zusammenfügen“. 1 Da aber das Schreibsystem die Laute nicht durchgehend so abbildet, dass einzelne Buchstaben einzelne Lautbildungen repräsentieren, kann man nicht davon ausgehen, dass sich Schrift und Lautsprache gegenseitig abbilden lassen. Ganz im Gegenteil besteht die zweite Teilvoraussetzung darin, dass die gegenseitige Entsprechung von Schrift und Lautsprache durch sehr komplexe Zuordnungsregeln zustande kommt. Das heißt: Beim Lesen reagiert man nicht bloß auf graphische Signale, sondern es sind kognitive und linguistische Fähigkeiten daran beteiligt. 2 Aktuelle Ergebnisse aus der Leseforschung stützen diese These. Bei der systematischen Analyse von Lesefehlern hat man herausgefunden, dass die häufigsten Lesefehler Substitutionen sind. Substitution bedeutet, dass anstelle des tatsächlich geschriebenen Wortes ein anderes Wort gelesen wird. Dieses Wort wird vom Leser so eingefügt, dass der gesamte Sinn des Satzes unverändert bleibt. Ca. 80% aller Lesefehler in der ersten Klasse und ca. 93% aller Lesefehler in der zweiten Klasse sind solche Substitutionen. Kinder achten also beim Lesenlernen auf die Satzstruktur. Sie wollen sinnvolle Sätze mit Bedeutung bilden. 3
Wie aber müssen diese kognitiven und linguistischen Fähigkeiten aussehen? Reichen meint, „dass Lesen offensichtlich ein lebenslang unabschließbarer Lernprozess ist“ 4 . Er begründet es damit, dass jeder Mensch immer wieder Texte liest,
1 Bleidick,Ulrich: Das Lesen. Begriff. In: Erstlesen. Hrsg. von Kurt Meiers. Bad Heilbrunn/
Obb.: Klinkhardt 1977. S.19
2 Vgl. Reichen, Jürgen: Lesen durch Schreiben. Wie Kinder selbstgesteuert lesen ler-nen.Heft 1. 3. Aufl. Zürich: sabe AG. Verlagsinstitut für Lehrmittel 1988. S.11, 12
3 Vgl. Gibson, E. J./ Levin, H.: Die Psychologie des Lesens. Stuttgart: Klett 1980. S. 103
4 Reichen, Jürgen: Lesen durch Schreiben. Heft 1. S. 13
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die er nicht versteht. Da fehlt es z.B. an Fachbegriffen oder an allgemeinem Weltwissen. Lesen ist also auch Sinnerfassung. Und um den Sinn eines Textes zu verstehen sind als kognitive und linguistische Fähigkeiten Sprachkompetenz und Wortschatz, Hintergrundwissen und Intelligenz notwendig. Den Bereich Sprachkompetenz kann man noch genauer erläutern: Ein Leser benötigt Buchstaben- und Lautkenntnisse. Er muss wissen welcher Buchstabe zu welchem Laut gehört. Des Weiteren ist es für den Leser wichtig, Kenntnisse über die Kombination von Buchstaben und Lauten zu Teileinheiten von Wörtern und Sätzen und z.B. Kenntnisse über Satzkonstruktionen zu haben (syntaktische Kenntnisse). Außerdem muss Sprachwissen im Hinblick auf Kontext und Wortbedeutung vorhanden sein (semantische Kenntnisse). Hierzu gehört z.B., dass ein Leser erkennen sollte, wann ein Satz inhaltlich sinnvoll ist. 5
3 Die Erstlesemethode „Lesen durch Schreiben“
3.1 Das Besondere an „Lesen durch Schreiben“
„Lesen durch Schreiben“ ist ein Lehrgang, in dem die Schüler erst Schreiben und dann Lesen lernen. In diesem Unterricht wird auf die Fibel verzichtet. Stattdessen wird mit Hilfe der Buchstabentabelle gearbeitet. Die Buchstabentabelle ist eine Anlauttabelle, in der alle wichtigen Grapheme durch ein oder zwei Bilder repräsentiert und übersichtlich geordnet sind. Der Grundgedanke besteht darin, dass die Kinder mit dieser Tabelle durch lauttreue Schreibung alles schreiben können, was sie möchten. Der Unterricht orientiert sich also an dem Prinzip „Schreibe, wie du sprichst!“ 6 und lässt Rechtschreibregeln zunächst außen vor. 7
5 Vgl. ebd. S. 13, 14
6 Müller, Karin: „Schreibe, wie du sprichst!“ Eine Maxime im Spannungsfeld von Mündlich-keit und Schriftlichkeit. Eine historische und systematische Untersuchung. Frankfurt:
1990
7 Vgl. Osburg, Claudia: Anlauttabellen im Unterricht - Methodische Neuheit oder didakti-
scher Umbruch? In:
Osburg, Claudia: Textschreiben- Rechtschreiben- Alphabetisierung. Initiierung sprachli-cher Lernprozesse im Bereich Grundschule, Sonderschule und Erwachsenenbildung.
Hohengehren 1998. S. 99, 108
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Der Lehrgang „Lesen durch Schreiben“ stützt sich auf drei Prinzipien:
1. Lesedidaktisches Prinzip:
Der Schüler lernt zu Beginn nicht lesen, sondern er lernt Wörter in Lautketten zu zerlegen und diese danach vollständig aufzuschreiben. Die große Hürde bei dieser Methode stellt das Erlernen des Auflautierens dar. Aus diesem Grunde steht die Lautstruktur der Sprache im Anfangsunterricht im Mittelpunkt. Bei schwächeren Schülern kann es sein, dass sie das erste Schuljahr benötigen bis sie in der Lage sind auch anspruchsvollere Wörter aufzulautieren. Ist das Auflautieren ver-standen, ist das Kind auch fähig das Wort aufzuschreiben. Häufiges Schreiben führt zum Lesen.
2. Lernpsychologisches Prinzip:
Der Lehrgang „Lesen durch Schreiben“ versucht im Gegensatz zum üblichen Schulunterricht, in dem meist der Dreischritt „Der Lehrer zeigt, die Schüler ahmen nach, die Schüler üben“ praktiziert wird, selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen. Selbstgesteuert darf nicht bedeuten, dass der Lehrer überflüssig ist, sondern auch bei „Lesen durch Schreiben“ gibt es Phasen, in denen Lehrer und Schüler gemeinsam arbeiten.
Für Reichen ist an diesem Lehrgang entscheidend, dass der Schüler selbstgesteuert Lesen lernt und nicht, dass man vom Schreiben ausgeht statt vom Lesen.
3. Schulpädagogisches Prinzip:
Reichen ist der Meinung, dass Werkstattunterricht die Unterrichtsform ist, in der sich selbstgesteuertes Lernen am besten verwirklichen lässt. Als Gründe führt er folgende an: Es wird individualisierend und fächerübergreifend gearbeitet. Statt des mündlichen Unterrichts werden den Schülern Pflicht- aber auch freiwillige Lernangebote gemacht. Da nicht alle Schüler zur selben Zeit an der gleichen Aufgabe arbeiten, können sie selbständig entscheiden wann sie welches Lernangebot bearbeiten. 8
8 Vgl. Reichen, Jürgen: Lesen durch Schreiben. Heft 1. S. 6, 7
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3.2 Der Lehrgang
Reichen betont, dass der Lehrgang „Lesen durch Schreiben“ kaum in einem streng chronologischen Ablauf durchführbar sei. Am Anfang des Schuljahres werden Lautierungsübungen und kurz danach das Schreiben im Vordergrund stehen und erst etwas später auch das Schreiben von Sätzen und Geschichten. Wichtig zu wissen ist aber, dass die Kinder von Anfang an versuchen zu schreiben und der Lehrer Aufgaben zum Lautieren, Wörter- und Sätzeschreiben parallel gibt. Eine gewisse Überforderung am Anfang des Schreibens ist normal. Das didaktische Vorgehen des Lehrgangs lässt sich in sieben Aspekte einteilen:
1. Hinführung zur Lautstruktur der Sprache
2. Die Buchstabentabelle
3. Aufschreiben von Wörtern und Sätzen
4. Schreibanlässe
5. Formale Ansprüche an Schülertexte
6. Korrektes Schreiben
7. Entwicklung und Festigung der Lesemotivation
1. Hinführung zur Lautstruktur der Sprache
Der erste wesentliche Aspekt im Leselehrgang „Lesen durch Schreiben“ liegt in der Hinführung zur Lautstruktur der Sprache. Erkennung, Unterscheidung und Zerlegung von Lauten sind hier die anzustrebenden Lernziele und haben deswegen grundlegende Bedeutung. In dieser Hinführung zur Lautstruktur wird durch gezielte Lautierungshilfen das Artikulationsbewusstsein der Kinder gefördert. Meist bereitet das Hören der Laute eines Wortes und die Aufgliederung in eine Lautkette die größten Schwierigkeiten. Der Lehrer sollte ganz besonders auf eine klare Aussprache achten. Kinder, die Buchstaben verwechseln, falsche Laute verwenden oder z.B. Endsilben verschlucken, müssen gezielt betreut werden, da ihr Vermögen Laute zu unterscheiden herabgesetzt ist. Reichen empfiehlt Übungen zum Auflautieren von An- und Endlaut und einer gesamten Lautabfolge. Der Lehrer sollte die schriftdeutsche Form der Begriffe benutzen und sehr streng auf die richtige Verwendung verschiedener Laute achten. So muss z.B. vermieden werden, dass man statt „W“ „We“ sagt. Außerdem sollte der Lehrer die langen bzw. ge-
Arbeit zitieren:
Alexandra Ludwig, 2002, Zu: "Lesen durch Schreiben" von Jürgen Reichen, München, GRIN Verlag GmbH
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Lesen durch Schreiben im Vergleich zum Fibelunterricht
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