Inhaltsverzeichnis Theorievergleich i
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
2 THEORIEN 1
2.1 PARSONS 1
2.2 GARFINKEL 2
3 VERGLEICH DER THEORIEN VON PARSONS UND GARFINKEL 4
4 FAZIT 7
LITERATURVERZEICHNIS 9
Theorievergleich – Parsons und Garfinkel 1
1 Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Systemtheorien von Talcott Parsons und Harold Garfinkel. Beide Soziologen beschäftigen sich mit der Frage, wie das Problem der sozialen Ordnung bzw. der Intersubjektivität gelöst werden kann, und verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze. Die unter- schiedlichen Betrachtungsweisen dieses Problems sollen in dieser Arbeit aufgezeigt und verglichen werden. Dabei sollen sowohl die Frage nach der Betrachtung des Menschen und der Ego-Alter- Konstellation als auch die verschiedenen Emergenzkonzepte hinsichtlich der sozialen Ordnung be- leuchtet werden.
Zuerst wird noch einmal auf die Parsonssche Theorie eingegangen, um eine Grundlage für den Vergleich mit Garfinkels Theorie zu bilden, die ebenfalls im Folgenden kurz präsentiert wird. An- schließend werden beide Theorien miteinander verglichen und im Zuge dessen Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet.
2 Theorien
Im Folgenden werden jeweils die im 20. Jahrhundert begründeten Systemtheorien von Talcott Parsons und Harold Garfinkel vorgestellt. Dabei werden Parsons’ normativistisches Handlungsmo- dell und Garfinkels Ethnomethodologie in einem Abriss vorgestellt.
2.1 Parsons
In Parsons’ Systemtheorie bilden normative Standards eine zentrale Grundannahme für sein vo- luntaristisches Handlungsmodell. Normative Standards haben die Funktion eines Kriteriums, das schon um seiner selbst Willen erstrebenswert ist. Er führt den Utilitarismus auf einen Widerspruch, da dieser keine Aussage über die Herkunft der Handlungsziele trifft und damit den freien Entschei- dungswillen untergräbt. Für Parsons impliziert der Handlungsbegriff gleichzeitig Voluntarismus (vgl. Schneider 2005a: 86).
Das Problem der sozialen Ordnung löst Parsons durch eine Erweiterung des Handlungsbegriffs, da Hobbes’ utilitaristische Prämissen für ihn reales Handeln nicht erklären können, sondern eben- falls auf einen Widerspruch führen (vgl. Schneider 2005a: 90). Diese Erweiterung umfasst die nor- mativen Standards als willensautonome Größe, welche als primäre Funktion die Auswahl von Handlungszielen und als abgeleitete Funktion die Orientierung bei der Mittelwahl haben (vgl. Schneider 2005a: 100).
Theorievergleich – Parsons und Garfinkel 2
Weiterhin unterscheidet Parsons bei normativen Standards zwischen Werten und Normen. Werte dienen der Bestimmung von Handlungszielen und müssen auf eine Situation hin spezifiziert wer- den, während Normen hingegen einen Situationsbezug haben und durch Grenzen der Zumutbarkeit von Werten abgegrenzt sind (vgl. Schneider 2005a: 101). Das Gebot der Verhältnismäßigkeit greift, falls Werte miteinander in Konflikt stehen (vgl. Schneider 2005a: 102f).
Die Identifikation des Akteurs mit diesen Werten geschieht durch Sozialisation. Maßgeblich ist dabei für Parsons die Eltern-Kind-Beziehung. Nach Übernahme der normativen Orientierung der Bezugspersonen wird diese zum autonomen Gegenstand der eigenen Person, und die gemeinsam geteilten Werte stehen für andere Interaktionsprozesse zur Verfügung (vgl. Schneider 2005a: 107). Normative Standards bilden auf diese Weise das so genannte System gemeinsamer Werte (vgl. Schneider 2005a: 111). In einem weiteren Schritt werden der individuelle Akteur zum Persönlich- keitssystem, die Interaktion zum sozialen System und gemeinsame Werte zum kulturellen System verselbstständigt (vgl. Schneider 2005a: 111f). Dabei wird ein gemeinsames Symbolsystem voraus- gesetzt, um erfolgreiche Interaktionen zu ermöglichen (vgl. Schneider 2005a: 112).
Die drei zuvor genannten Subsysteme werden durch die Handlungskontrolle erweitert, womit äu- ßere Kontrolle durch soziale Sanktionen und innere Kontrolle durch psychische Sanktionen Berück- sichtigung finden (vgl. Schneider 2005a: 116). Der einzelne Akteur wendet dabei nie alle seine Handlungsmöglichkeiten an, sondern nur die, die seiner sozialen Rolle bei der Interaktion entspre- chen (vgl. Schneider 2005a: 116f).
Außerdem wendet Parsons sein AGIL-Schema auf die Bedingungen der Stabilität eines Hand- lungszusammenhangs an. Er entwickelt dazu das Verhaltenssystem, das Persönlichkeitssystem, das kulturelle System und das soziale System als die vier Bezugsprobleme, welche zu lösen sind. Ge- sellschaft stellt für Parsons ein soziales System mit vielen Subsystemen dar. Das ökonomische Sys- tem, das politische System, die gesellschaftliche Gemeinschaft und das kulturelle Treuhandsystem bilden vier funktional differenzierte Subsysteme, die alle das AGIL-Schema erfüllen müssen, um selbst existieren und an jedem der Subsysteme teilhaben zu können (vgl. Schneider 2005a: 147f).
2.2 Garfinkel
Die zentrale Fragestellung von Garfinkels Ethnomethodologie ist, wie sich die theoretischen An- sätze von Schütz und Parsons verbinden lassen. Dazu untersucht Garfinkel, ob konstitutive Erwar- tungsstrukturen, wie sie sich bei Spielen und entsprechenden Regeln (Ticktacktoe-Experiment) fin- den, auch in der Alltagswelt existieren (vgl. Schneider 2005b: 15f). Mit Hilfe seiner Krisenexperi- mente macht er die Strukturen von Interaktionen im Alltag sichtbar, indem offenbar selbstverständ- liche Erwartungen des Kommunikationspartners bewusst nicht erfüllt werden (vgl. Schneider
Arbeit zitieren:
Vivien Baldwin, 2008, Soziologische Theorie - Theorievergleich: Parsons und Garfinkel, München, GRIN Verlag GmbH
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