Gliederung
Seite
1. Einleitung 1
2. Rolle der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft Deutschlands im
19. Jahrhundert 3
2.1 Die Situation der Hausfrauen 3
2.2 Die Situation der Dienstmädchen 6
2.3 Die Situation der unverheirateten Frauen des Bürgertums 8
3. Die Ehre der Frau 9
3.1 Die Ehre als ihr größtes Kapital 10
3.2 Verlust der Ehre am Beispiel des Ehebruchs 10
4. Die deutsche Frauenbewegung von ihren Anfängen bis zum
Ende des 19. Jahrhunderts 11
4.1 Die Ausgangslage 12
4.2 Die Schwierigkeiten der deutschen Frauenbewegung 13
4.3 Die Gründung der ersten deutschen Frauenvereine 14
4.4 Die Frauenbewegung von 1894 1933 15
4.4.1 Die bürgerliche Frauenbewegung 16
4.4.2 Die proletarische Frauenbewegung 17
5. Schluss 18
6. Literaturverzeichnis 20
II
1. Einleitung
Im 19. Jahrhundert schwankte das Bürgertum zwischen dem Festhalten an alten Werten, aber wollte auch einen Ausbruch aus diesem alten, überholten und verfestigten System erlangen. In dieser Hausarbeit möchte ich aufzeigen, welche Rolle die Frauen zu der damaligen Zeit in dieser Umbruchphase spielten und welche Möglichkeiten sie suchten, um ihre Vorstellungen und Pläne, wie zum Beispiel das Recht auf Bildung und Arbeit, durchzusetzen.
Als typisch bürgerliche Gesellschaft soll hier die Form gelten, in der eine gesellschaftliche und soziale Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern vorherrscht, wobei die Frauen sich mit ihrer zugewiesenen Rolle der passiven und unmündigen Ehefrau abfanden.
Zunächst soll die Rolle der Frau in gesellschaftlicher Hinsicht beschrieben werden. Sie verhalf dem Mann und der Familie durch standesgemäße Lebens- und Haushaltsführung zu ihrem Ansehen, welches auch mit ihrer Tüchtigkeit steigen und sinken konnte. Aufgrund des häufig vorherrschenden Geldmangels in den Familien waren die Frauen gezwungen, sich Mittel und Wege zu suchen, wie sie den standesgemäßen Schein, ohne finanzielle Mittel, aufrechterhalten konnten. Neben diesen Tätigkeiten werde ich zudem über die Lebensumstände der Dienstmädchen und der Frauen schreiben, die nicht verheiratet waren.
Anschließend soll auf die Ehre der Frauen eingegangen werden, welche für die damalige Zeit besonders wichtig für den gesellschaftlichen Stellenwert war. Die Ehre war das Einzige, was auch die Frauen in der damaligen Zeit erreichen konnten, wobei auch diese immer mit dem Ehemann gekoppelt wurde. Aber dennoch war es damals das einzige Kapital, dass eine Frau haben konnte. Die möglichen Auswirkungen des Verlustes der Ehre möchte ich an dem Beispiel des Ehebruchs aufweisen.
Im dritten Teil der Arbeit soll die Geschichte der Frauenbewegungen ab Mitte des
19. Jahrhunderts dargestellt werden, wobei sowohl die Schwierigkeiten der Frauen bei ihren Emanzipationsversuchen, als auch die Gründung der ersten Frauenvereine in Deutschland angesprochen werden sollen. Dabei soll darauf eingegangen werden,
1
ob die Frauen wirklich eine Gleichbehandlung und Gleichstellung nach
bürgerlichem Ideal erreichen konnten oder ob die Frauen nach den
Frauenbewegungen noch immer in der klassischen Rollenverteilung von Mann und
Frau verblieben sind.
2
2. Rolle der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft Deutschlands im 19. Jahrhundert
Die bürgerliche Frau des 19. Jahrhunderts stellte den Mittelpunkt der Familie dar, „die Kinder und Gatten selbstlos liebend umsorgte und eigene Bedürfnisse zurückstellte“. 1 Diese zugeteilte soziale Rolle akzeptierten die Frauen zunächst weitestgehend. Zwar waren die Rollen von Mann und Frau strikt getrennt, aber dennoch waren sie auch aufeinander angewiesen. Welche Aufgaben die Frauen hatten und welche Rolle sie für das Ansehen der gesamten Familie hatten soll nun im folgenden Teil beschrieben werden.
2.1 Die Situation der Hausfrauen
Die Hausfrau im 19. Jahrhundert hatte eine „Dreifachrolle als Gattin, Mutter und Haushälterin“ 2 zu erfüllen.
Dabei gilt es jedoch die Aufgaben und die Rolle der Frau gegenüber der Öffentlichkeit von denen in der Familie zu unterscheiden. Während sie für die Gesellschaft müßig erscheinen und „durch ihre angebliche Freistellung von hauswirtschaftlichen Arbeiten den sozialen Status des Ehemannes symbolisieren“ 3 sollte, war sie innerhalb des Familienlebens doch für den Haushalt zuständig, den sie unter größter Sparsamkeit zu führen hatte.
Die bürgerlichen Frauen verblieben meist in den Häusern, da sie zahlreiche Arbeiten verrichten mussten. Besonders wichtig war, dass auf alle Wünsche des Ehemannes und der Kinder eingegangen wurde, die besonders beim Einkauf und Kochen berücksichtigt werden mussten. Hätte die Frau vor allem die Bedürfnisse des
1 Frevert, U./ Haupt, H.-G.(Hrsg.): Der Mensch des 19. Jahrhunderts. Essen: Magnus Verlag. 2004, S. 14
2 Frevert, U.: Frauen-Geschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. 1986, S. 20
3 Meyer, S.: Die Mühsame Arbeit des demonstrativen Müßiggangs. Über die häuslichen Pflichten der Beamtenfrauen im Kaiserreich. In.: Hausen, K. (Hrsg.): Frauen suchen ihre Geschichte. Historische Studien zum 19. und 20. Jahrhundert. München: Beck. 1983, S. 172
3
Ehemannes nicht beachtet, wäre eine unglückliche Ehe die Folge gewesen, da seine Wünsche stets oberste Priorität hatten. Teilweise waren die zu verrichtenden Arbeiten so umfangreich und aufwändig, dass zusätzlich ein Dienstmädchen eingestellt werden musste. Zwar galt es „gemäß den Regeln des >>guten Tons<< keine Dienstbotenarbeit zu verrichten“ 4 , doch aufgrund der vielen Arbeit mussten auch die Frauen des Hauses im Haushalt noch mithelfen, was jedoch geheim bleiben musste, um den Schein des Wohlstandes zu wahren. Gegenüber der Öffentlichkeit beobachtete die Hausfrau die Dienstboten lediglich und leitete deren Tätigkeiten. Jedoch gab es auch Erwartungen an die Hausfrauen bezüglich des Haushalts, die jedoch eigene Anstrengungen ausschloss. Dazu gehörten „Aufmerksamkeit, Ordnung, Reinlichkeit, Fleiß, Sparsamkeit, wirthschaftliche Kenntnisse und Geschicklichkeiten, [um] den Wohlstand, die Ehre, die häusliche Ruhe und Glückseligkeit“ 5 des Mannes und der Familie sicher stellen zu können. Die Hausfrauen hatten üblicherweise keinen Einblick in die Finanzen der Familie und mussten somit immer den Ehemann um Geld bitten. Doch da der Mann sich in der Hauswirtschaft nur wenig auskannte und die Kosten nicht beurteilen konnte, bekamen die Frauen oftmals zu wenig Wirtschaftsgeld von ihm. Kamen die Frauen nun mit dem Geld nicht aus, mussten sie selber Wege suchen und finden, um das nötige Wirtschaftsgeld aufzustocken, da der Ehemann sie bei erneutem Bitten um Geld lediglich der Unfähigkeit beim Wirtschaften bezichtigt hätte, anstatt seinen Fehler einzusehen. Die beliebteste Möglichkeit war das Verkaufen, der in Heimarbeit gefertigten kunstvollen Stickereien oder gehäkelten Spitzen. Solche Arbeiten mussten jedoch nicht nur vor der Öffentlichkeit verheimlicht werden, sondern manchmal auch vor dem eigenen Ehemann, weil auch diese Art der Handarbeit als nicht standesgemäß galt. Um die Hausarbeit der Frauen zu verstecken wurde die bürgerliche Wohnung nicht selten in einen öffentlichen und einen privaten Bereich getrennt. Nur so konnte der Schein des demonstrativen Müßiggangs der Frau bestehen bleiben, der durch die ‚gute Gesellschaft’ vorgeschrieben war und dadurch verloren „die Vorschriften des ‚guten Tons’ [...] spätestens an der Küchentür ihre Geltung“. 6
4 Meyer, S.: Die Mühsame Arbeit des demonstrativen Müßiggangs, S. 186
5 Frevert, U.: Frauen-Geschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit, S. 20
6 Meyer, S.: Die Mühsame Arbeit des demonstrativen Müßiggangs , S. 191
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Arbeit zitieren:
Jessica Siegmund, 2004, Die Rolle der bürgerlichen Frauen in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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