Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 3
1. Einleitung. 4
2. Gegenübertragung 4
2.1 Formen der Gegenübertragung 5
3. Die Charakterstruktur und ihre Auswirkung auf den Patienten und den Therapieverlauf 7
3.1.1 Die schizoide Persönlichkeit. 7
3.1.2 Der schizoide Analytiker 8
3.2.1 Die depressive Persönlichkeit 10
3.2.2 Der depressive Analytiker 12
3.3.1 Die zwanghafte Persönlichkeit. 14
3.3.2 Der zwanghafte Analytiker. 16
3.4.1Die hysterische Persönlichkeit. 18
3.4.2 Der hysterische Analytiker 20
3.5.1 Die narzißtische Persönlichkeit. 22
3.5.2 Der narzißtische Therapeut. 22
Schlu ßteil 23
Literaturverzeichnis. 24
3
1. Einleitung
Die Idealvorstellung einer „völlig neutralen“ Psychoanalyse schloß in ihre Forderung die Vorstellung einer Austauschbarkeit des Analytikers ein. Da aber jeder Mensch, auch der Analytiker, eine eigene individuelle Persönlichkeitsstruktur besitzt, ist ein völliges Wegdenken strukturspezifischer Reaktionen auf der Seite des Therapeuten undenkbar. Die Psychoanalyse ist eher als ein Geschehen zwischen zwei bestimmten Menschen, dem Therapeuten und dem Patienten zu betrachten. Es findet eine, einmalige, durch die jeweiligen Charakterstrukturen des Patienten und des Analytikers beeinflußte, Wechselwirkung statt. Die Eigenstruktur des Therapeuten führt zu einer unbewußten Steuerung und Beeinflussung des analytischen Prozeß, welche sich in unbewußten Verhaltensweisen, Stellungnahmen oder Akzentsetzungen des Analytikers äußert. Aufgrund dessen ist mit der Persönlichkeit des Therapeuten als entscheidendem Faktor zu rechnen, den dieser in seine Arbeitsweise einfließen lassen sollte.
Mit diesem Thema befaßt sich meine Hausarbeit. Sie hat das Ziel die vier großen Neurosenformen, etwas genauer zu erläutern, und im weiteren deren Auswirkungen im analytischen Prozeß auf den Patienten und den Therapieverlauf darzulegen. Zum besseren Verständnis meiner Arbeit möchte ich vorweg noch eine Begriffsdefinition vornehmen:
Übertragung: In der Psychoanalyse gilt die Übertragung als ein wichtiges Element im therapeutischen Prozeß. Frühkindliche Einstellungen zu Vater und Mutter (oder anderen Personen) werden auf den Psychoanalytiker projiziert. Daraus werden dann die Grundkonflikte ersichtlich, die der Klient mit seinen früheren Bezugspersonen erlebt hat. Diese werden in der Analyse aufgearbeitet. Am Ende der Behandlung muß die Übertragung wieder aufgelöst werden. ( http://www.sign-lang.uni-hamburg.de )
2. Gegenübertragung
Da diese Arbeit sich mit der Charakterstruktur des Therapeuten und deren Auswirkung auf den Patienten sowie den Therapieverlauf beschäftigt, ist es notwendig an dieser Stelle etwas zur Gegenübertragung zu sagen. Die Gegenübertragung ist am engsten als „die Reaktion eines Analytikers auf die Übertragung seines Patienten“ (K. König, 1997) definiert. Da der Analytiker aber nicht nur auf die Übertragung, sondern auch auf das allgemeine Verhalten, des Patienten reagiert möchte ich hier eine andere breiter gefaßtere Definition verwenden.
4
Fritz Riemann definierte die Gegenübertragung als „die bewußten oder unbewußten, struktur-oder persönlichkeitsbedingten Reaktionen des Analytikers auf die analytische Situation, den Patienten, dessen Struktur, Persönlichkeit und Verhaltensweisen in der Analyse“(F. Riemann, 1974). Nach dieser Definition kann jede Reaktion des Analytikers als Gegenübertragung gedeutet werden.
Die bisherige Erwartung an den Therapeuten war, daß er sowohl bewußt als auch unbewußt rein objektiv handelt, antwortet und reagiert. Dies kann aber nicht realisierbar sein, da der Therapeut selbst als Subjekt mit individuellen Reaktionen betrachtet werden muß. Fritz Riemann erläutert in seinem Text „Bedeutung und Handhabung der Gegenübertragung“, daß eine völlige Ausschaltung der Gegenübertragung - rein objektive Reaktionen des Therapeuten, nach dem früheren Muster - nur bedingt wünschenswert ist, da es durchaus auch adäquate, „erlaubte“ und sogar für die Therapie nützliche Arten der Gegenübertragung gibt. Im folgenden möchte ich erläutern aus welchen Gründen eine Gegenübertragung stattfinden kann und wie diese sich auswirkt.
2.1 Formen der Gegenübertragung
Eine nicht erwünschte Art der Gegenübertragung kann aus sozialen, geschlechts und altersbedingten, politischen oder ideologischen Einstellungen eines Analytikers erfolgen. Diese Art der Gegenübertragung hat oft eine unkontrollierte affektive Reaktion auf Übertragung und Widerstand zu Folge. Ein Analytiker der zu sehr vom Theoretischen geprägt ist, kann Opfer einer „theoretischen Gegenübertragung“ werden (F. Riemann 1974). Er wird wahrscheinlich finden was er finden möchte und zu finden erwartet, ganz einfach weil dieses theoretisch zu finden sein muß. Dies birgt die Gefahr in sich, daß er im „typischen“ hängenbleibt, und etwas „untypisches“ völlig zu übersehen neigt. Hiermit kann der Analytiker seinem Patienten auf keinem Fall gerecht werden, da Theorie nur den Allgemeinfall wiederzugeben vermag, aber nicht die individuellen Probleme und Charaktermerkmale eines Patienten beschreiben kann. Ein Therapeut der sehr ehrgeizig ist, und daraus resultierend sehr erfolgsorientiert arbeitet, hat die Tendenz Positives und Erfolge überzubewerten. Weiterhin wird er wahrscheinlich versuchen, vielleicht sogar den Patienten drängen, von der Richtigkeit seiner Deutungen und Konstruktionen überzeugt zu sein. Aus Unsicherheit oder einem nicht verarbeiteten Machtkomplex kann ein Analytiker bei einem nicht vorankommen der Therapie
5
den Patienten spüren lassen das er unzufrieden mit ihm ist. Er wird dem Patienten die Schuld am nicht Voranschreiten der Therapie geben.
Eine weitere Art der Gegenübertragung kann aus persönlichen Reaktionen aufgrund einer übermäßigen Sym- oder Antipathie entstehen. Dies kann zu Fehlern wie schonen, verwöhnen, umwerben, zappeln lassen oder Abneigung führen. Sehr skeptische Therapeuten werden sich bei der Frage der Diagnostik wahrscheinlich an sehr offensichtliche, „am Patienten direkt beobachtbare, Fakten“ (K. König 1997) halten. Eine Gegenübertragung, entstanden aus echter Anteilnahme oder Zuwendung wird von Fritz Riemann allerdings als eine adäquate Gegenübertragung bezeichnet. Aus dieser entsteht etwas wie Warnung, Besorgnis, Lob oder ehrliche Stellungnahme. Dies kann ein Agieren des Patienten verhindern, welches einen der größten Widerstände der Analyse darstellt.
Hierzu muß nun erwähnt werden, daß die Intensität der Reaktion des Analytikers durch viele Faktoren bestimmt wird. Zum Teil aus der persönlichen Eigenstruktur des Therapeuten aber auch durch seine aktuellen Lebensverhältnisse, seine Wertvorstellungen und theoretischen Konzepte die er für richtig hält. Weiterhin muß festgehalten werden das der Therapeut nicht ausschließlich auf strukturelle Attribute des Patienten reagiert sondern auch auf seine persönlichen Eigenschaften wie individuelle Talente oder äußerliche Merkmale. Nach Karl König beachten zu wenig Analytiker die Auswirkungen ihres Charakters, weswegen Fritz Riemann jedem Analytiker empfiehlt seine strukturspezifischen Gefahren als Möglichkeit von Gegenübertragung zu erkennen, und daraus resultierend zu lernen mit diesen angemessen umzugehen
In den folgenden Absätzen möchte ich auf die Charakterstruktur des Therapeuten und ihren Einfluß auf den Patienten und den Behandlungsverlauf eingehen. Hierzu werde ich der Einfachheit halber, wie Karl König ( K. König, 1997 ), von reinen Charakterstrukturen ausgehen, welche in der Realität nicht zu finden sind. Diese ist ausschließlich durch Mischstrukturen geprägt.
6
Arbeit zitieren:
Annemie Berning, 2001, Die Charakterstruktur des Therapeuten und ihr Einfluss auf den Therapieverlauf, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Begegnung in der Therapie: Selbsterfahrung für Therapeut und Klient
Psychologie - Beratung, Therapie
Ausarbeitung, 6 Seiten
Wie Therapeuten ihren Klienten auf die Nerven gehen
Über Focusing, Intuition und n...
Psychologie - Beratung, Therapie
Fachbuch, 98 Seiten
Körper und Resonanz in der klient-zentrierten Kunsttherapie
Wissenschaftlicher Aufsatz, 20 Seiten
Spezielle Probleme der Psychotherapie Älterer: Übertragung und Gegenüb...
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Die Methode der klientenzentrierten Beratung nach Carl R. Rogers
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Selbstwertprozessmodell und Persönlichkeit des Therapeuten nach V. Sat...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 13 Seiten
Dauerhafte Gewichtsreduktion einer Person mit Übergewicht
Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie
Hausarbeit, 21 Seiten
Annemie Berning hat den Text Die Charakterstruktur des Therapeuten und ihr Einfluss auf den Therapieverlauf veröffentlicht
Annemie Berning hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare