Inhaltsverzeichnis
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1.) Einleitung 1
2.) Inhaltsangabe der Judenbuche 2
3.) Interpretation:
3.1. Hauptfigur der Novelle: Der Charakter des Friedrich Mergel 4
3.2. Intention der Novelle 6
4.) Formale Struktur des Werkes:
4.1. Aufbau 9
4.2. Perspektive 10
4.3. Epochale Einordnung 11
5.) Schluß: eigene Bemerkungen 13
6.) Verwendete Literatur 15
1.) Einleitung
Die Novelle „Die Judenbuche“ ist das einzige vollendete Prosawerk der Annette von Droste-Hülshoff. Bis heute ist sie in mehr als sechs Millionen Exemplaren verbreitet und in acht Sprachen übersetzt worden. So ist die Erzählung zur „literaturgeschichtlichen Identität Annette von Droste-Hülshoffs geworden“ 1 . Der Erstdruck der Novelle erschien in sechzehn Fortsetzungen im „Morgenblatt für gebildete Leser“ vom 22. April bis zum 10. Mai 1842. Diese weitverbreitete Zeitschrift erschien täglich außer sonntags und hatte eine Auflage von etwa 1500 Exemplaren. Das Blatt wurde von der damals in literarischen Kreisen sehr populären Cotta’schen Verlagsbuchhandlung in Tübingen herausgegeben. Annette von Droste-Hülshoff hatte das Werk damals mit dem Titel „Ein Sittengemälde aus dem gebirgigten Westfalen“ überschrieben, der Redakteur Hermann Hauff fügte den Titel „Die Judenbuche“ hinzu. Ebenfalls 1842 fand ein Nachdruck in der Zeitschrift „Westfälischer Anzeiger“ statt, ehe 1859 dann Levin Schücking den Text erstmals als Ganzschrift veröffentlichte. Die bemerkenswerte Rezeptionsgeschichte des Werkes setzte allerdings erst ein, nachdem es 1876 von Paul Heyse und Hermann Kurz in ihre Sammlung „Deutscher Novellenschatz“ aufgenommen worden war.
Mittlerweile existieren über 130 Sekundärbeiträge über „Die Judenbuche“, so daß es nahezu unmöglich ist, eine allgemeingültige Interpretation des Werkes zu finden oder gar zu erstellen, da jeder Autor von anderen Standpunkten ausgeht. Ich möchte mich daher in meiner Hausarbeit auf einige Literaturwissenschaftler als Quellen beschränken (siehe dazu die Angaben zur verwendeten Literatur). Hierbei möchte ich vor allem die Hauptthesen von Winfried Freund im Teil der Interpretation verwenden sowie die Hauptthesen von Karl Philipp Moritz zur Erläuterung des formalen Aufbaus der Novelle heranziehen. Im meinen abschließenden Bemerkungen werde ich diese Ansätze dann miteinander vergleichen und kritisieren.
2.) Inhaltsangabe der Judenbuche
Die Novelle „Die Judenbuche“ erzählt die undurchsichtige Lebensgeschichte eines jungen Mannes, Friedrich Mergel. Dieser wird in sozial schlechte Umstände hineingeboren, seine Eltern sind arm, und sein Vater ist Alkoholiker. In den Augen der Bewohner des Dorfes B. im Teutoburger Wald bei Paderborn, in dem Friedrich aufwächst, ist seine Familie nichts als ein Haufen Dreck. Das sehr malerisch gelegene Dorf hat sich durch Holz- und Jagdfrevel im nahegelegenen Brederholz einen berühmt-berüchtigten Namen gemacht. Die einfachen Dorfbewohner liegen daher im Clinch mit den Förstern, da für die Dörfler neben dem geschriebenen Recht vor allem das Gewohnheitsrecht gilt.
Als Friedrich neun Jahre alt ist, stirbt sein Vater, weil er sich in einer stürmischen Winternacht betrunken im Brederholz in einer düsteren Schlucht herumtreibt. Dort kommt er unter einer Buche ums Leben. Mit zwölf Jahren wird Friedrich unter die Fittiche seines Onkels Simon Semmler genommen, der ihn für sich arbeiten läßt. Unter Simons negativem Einfluß verwandelt sich der träumerische, in sich zurückgezogene Junge in einen großspurigen, sowohl gefürchteten als auch gleichzeitig im Dorf bewunderten jungen Mann. Friedrich hat nur einen einzigen Freund, den Schweinehirten Johannes Niemand, der in der Novelle als Friedrichs Doppelgänger dargestellt wird. Simon ist der Anführer einer der Holzfrevler-Banden, und so muß Friedrich immer wieder als Wache bei den nächtlichen Beutezügen fungieren. Eines Nachts, Friedrich ist mittlerweile 18 Jahre alt, wird dann Förster Brandis im Brederholz nach einer Auseinandersetzung mit Holzfrevlern erschlagen aufgefunden. Friedrich wird als Täter verdächtigt, doch er weiß sich vor Gericht mittels geschickter Ausweichmanöver ein Alibi zu verschaffen. Vier Jahre später kommt es auf einer Hochzeitsfeier im Dorf zum Streit zwischen Friedrich und dem Juden Aaron, der ihn wegen einer noch nicht beglichenen Geldschuld öffentlich blamiert. Drei Tage später dann wird Aaron im Brederholz ermordet unter einer Buche, der Judenbuche, gefunden. Wieder fällt der Verdacht auf Friedrich. Doch als man ihn verhaften will, wird bemerkt, daß er mit Johannes Niemand über die Grenze geflohen ist.
Achtundzwanzig Jahre vergehen, ehe am Vorabend des Weihnachtsfestes im Dorf eine zerlumpte, kranke Gestalt auftaucht. Es ist ein Mann mit schneeweißem Haar und gekrümmtem Rücken. Alle
im Dorf nehmen an, daß es der damals geflohene Johannes Niemand sei. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt im Dorf mit dem Schnitzen von Holzlöffeln, bevor er eines Tages wieder spurlos verschwunden ist. Im Dorf wird vermutet, er sei wieder davongegangen, doch eines Tages wird er dann im Brederholz gefunden. Er hat sich an der Judenbuche erhängt. Als man seinen Leichnam abnehmen will, stellt man anhand einer Narbe am Hals fest, daß es sich gar nicht um Johannes gehandelt hat, sondern um Friedrich Mergel. In seinem Selbstmord hat sich die hebräische Inschrift, die die Dorfjuden nach Aarons Tod dort hineingehauen hatten, im Stamm der Judenbuche erfüllt: „Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast.“ So wird Friedrichs Leiche auf dem Schindanger verscharrt - und nicht auf dem Friedhof bestattet, welches Friedrichs Wunsch und der Grund für seine Rückkehr ins Dorf gewesen war.
Arbeit zitieren:
Hanna Beyer, 2000, Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche, München, GRIN Verlag GmbH
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