Inhaltsverzeichnis:
1 EINLEITUNG. - 4 -
2 HAUPTTEIL - 5 -
2.1 Klimawandel - 5 -
2.2 CCS Technik - 9 -
2.2.1 Begriffsdefinitionen - 10 -
2.2.1.1 CCS - 10 -
2.2.1.2 Carbon (CO 2 ) - 10 -
2.2.1.3 Capture (Abscheidung) - 11 -
2.2.1.4 Sequestration (Ablagerung) - 11 -
2.2.1.5 Clean Coal (Saubere Kohle) - 11 -
2.2.2 Die Abscheidungstechniken. - 12 -
2.2.2.1 CO 2 -Abscheidung nach der Verbrennung (Post-Combustion) - 13 -
2.2.2.2 CO 2 -Abscheidung vor der Verbrennung (Pre-Combustion) - 14 -
2.2.2.3 Sauerstoffverbrennung (Oxyfuel) - 14 -
2.2.2.4 Zwischenfazit Abscheidungsverfahren. - 15 -
2.2.3 Transport. - 16 -
2.2.3.1 Pipelines - 16 -
2.2.3.2 Schiff - 18 -
2.2.3.3 Weitere Transportmöglichkeiten - 18 -
2.2.3.4 Zwischenfazit Transport. - 18 -
2.2.4 Ablagerungsstätten. - 19 -
2.2.4.1 Leere Öl- oder Gasfelder - 20 -
2.2.4.2 Aquifere. - 21 -
2.2.4.3 Weitere Ablagerungsstätten. - 23 -
2.2.4.4 Potential. - 24 -
2.2.4.5 Sonderfall ozeanischer Ablagerung. - 27 -
2.2.4.6 Zwischenfazit Ablagerung. - 27 -
2.2.5 Kosten - 27 -
2.2.6 Projekte - 30 -
2.2.6.1 Sleipner. - 31 -
2.2.6.2 In Salah. - 32 -
2.2.6.3 Schwarze Pumpe - 32 -
2.2.6.4 RWE-Kohlekraftwerk. - 33 -
2.2.6.5 FutureGen. - 33 -
2.2.6.6 EOR. - 33 -
2.2.7 Zwischenfazit CCS Technik - 34 -
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2.3 Energiepolitische Bedeutung der Kohle.........................................................................- 35 -
2.3.1 Bedeutung der Kohle als Energieträger - 35 -
2.3.2 Negative Eigenschaften von Kohle trotz CCS - 37 -
2.3.3 Zwischenfazit Energiepolitische Bedeutung der Kohle - 38 -
2.4 Regulatorische Fragen. - 38 -
2.4.1 Nationale Regularien. - 39 -
2.4.2 Internationale Regularien - 40 -
2.4.2.1 Regularien zum Schutz der Meere. - 41 -
2.4.2.1.1 UNCLOS - 41 -
2.4.2.1.2 Londoner Konvention und Londoner Protokoll. - 42 -
2.4.2.1.3 OSPAR - 43 -
2.4.2.2 Klimaschutz. - 43 -
2.4.2.2.1 UNFCCC und Kyoto-Protokoll - 43 -
2.4.2.2.2 Emissionshandel - 44 -
2.4.3 Zwischenfazit Regularien - 46 -
2.5 Methodik. - 46 -
2.5.1 Das spezifizierte MINK-Schema - 47 -
2.5.1.1 Das MINK-Schema - 47 -
2.5.1.2 Macht. - 49 -
2.5.1.3 Ideologie. - 51 -
2.5.1.4 Normen. - 53 -
2.5.1.5 Kommunikation. - 54 -
2.6 Die Akteure - 54 -
2.6.1 Nichtstaatliche Akteure. - 56 -
2.6.1.1 Energieunternehmen (ohne EE) - 57 -
2.6.1.1.1 Ideologie - 57 -
2.6.1.1.2 Macht - 60 -
2.6.1.1.3 Normen - 62 -
2.6.1.1.4 Kommunikation - 63 -
2.6.1.1.5 Zwischenfazit Energieunternehmen. - 64 -
2.6.1.2 Sonderfall Erneuerbare Energieunternehmen. - 64 -
2.6.1.3 Umweltorganisationen. - 67 -
2.6.1.3.1 Ideologie - 67 -
2.6.1.3.2 Normen - 69 -
2.6.1.3.3 Macht und Kommunikation - 70 -
2.6.1.3.4 Zwischenfazit Umweltorganisationen - 72 -
2.6.2 Staatliche Akteure - 72 -
2.6.2.1 Mitigationsbefürworter. - 73 -
2.6.2.1.1 Ideologie - 73 -
2.6.2.1.2 Macht - 76 -
- 2 -
2.6.2.1.3 Normen ........................................................................................................... - 77 -
2.6.2.1.4 Kommunikation - 78 -
2.6.2.1.5 Zwischenfazit Mitigationsbefürworter. - 79 -
2.6.2.2 Mitigationsskeptiker - 80 -
2.6.2.2.1 Ideologie - 80 -
2.6.2.2.2 Macht - 82 -
2.6.2.2.3 Normen - 83 -
2.6.2.2.4 Kommunikation - 84 -
2.6.2.2.5 Zwischenfazit Mitigationsskeptiker. - 84 -
3 GESAMTFAZIT UND AUSBLICK. - 85 -
4 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS. - 88 -
4.1 Abkürzungen. - 88 -
4.2 Einheiten. - 88 -
5 LITERATURVERZEICHNIS - 89 -
6 ABBILDUNGSVERZEICHNIS - 94 -
- 3 -
1 Einleitung
Diese Hausarbeit bildet die Abschlussarbeit des Magisterstudiums Politikwissenschaft, Wirtschaftspolitik und Öffentliches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster von Stefan Wächter, geboren in Dorsten. Hauptgutachter ist Prof. Dr. Norbert Konegen, Emeriti des Instituts für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Nebengutachter ist Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard W. Wittkämper, ebenfalls Emeriti an diesem Institut.
Diese Arbeit thematisiert als Grundfrage, wie sich die Akteure bei der Nutzung der klimaschonenden Technik Carbon Capture and Sequestration (CCS) verhalten und warum sie dies tun.
CCS ist eine relativ neue Technik, um die klimaschädigende Wirkung verschiedener Prozesse, bei denen CO 2 freigesetzt wird zu Minimieren. Diese Prozesse stammen hauptsächlich aus dem Bereich der Energiegewinnung. Erreicht wir die Minimierung indem das entstandene CO 2 nicht in die Atmosphäre gelangt. Diese Technik wird im Kapitel 2.2 ausführlich beschrieben und auf ihren möglichen Beitrag zur Mitigation des Klimawandels hin untersucht. Im vorhergehenden Abschnitt 2.1 wird eine kurze Übersicht über den anthropogenen Klimawandel gegeben, der der Verortung dieser Arbeit in einen Gesamtkontext dient. Die bloße technische Umsetzbarkeit ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer tatsächlichen Anwendung, für die weitere nichttechnische Faktoren entscheidende Rollen spielen und folgerichtig in den darauf folgenden Kapiteln eingehend untersucht werden.
Da der Einsatz von CCS besonders durch die Verwendung mit Braun- und Steinkohle in Erscheinung tritt, wird die energiepolitische Bedeutung dieser fossilen Energieträger im Kapitel 2.3 analysiert. Die Fragen, die sich aus den besonderen Eigenschaften von CCS als Möglichkeit des Klimaschutzes ergeben, werden im Kapitel 2.4 genauer untersucht. Da es sich beim Klimawandel um ein globales Problem handelt, dem auf globaler Ebene begegnet wird, werden im Kapitel 2.6 die für die globale Umsetzung bedeutenden Akteure in Gruppen zusammengefasst und analysiert. Die Diskussion um CCS befindet sich noch in einem frühen Stadium, weshalb das Hauptaugenmerk dieser Arbeit in dem Versuch liegt, die Interessen und die Durchsetzungsfähigkeit der wichtigsten Akteure bzw. Akteursgruppen deskriptiv-analytisch zu erfassen. Die dieser Erfassung zugrunde gelegte Methodik wird in Kapitel 2.5 dargelegt. Dies erfolgt zu einem relativ späten Zeitpunkt, da die vorangegangen
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Untersuchungen eine wichtige Grundlage für die spezifische Ausarbeitung der methodischen Vorgehensweise bilden. Anhand dieser Vorgehensweise werden im Kapitel 2.6 schließlich die wichtigsten Akteure beschrieben und analysiert. Im abschließenden Teil 3 dieser Arbeit werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfassend bewertet und auf dieser Grundlage ein Ausblick in die Zukunft von CCS gewagt. Abkürzungs- Literatur- und Abbildungsverzeichnis finden sich am Ende der Arbeit in den Teilen 4-6.
2 Hauptteil
2.1 Klimawandel
Zur Einbettung des Themas dieser Arbeit in einen Gesamtkontext und um die den weiteren Ausführungen zugrunde liegenden Einschätzungen zum Klimawandel offen darzulegen, wird im Folgenden kurz der gegenwärtige Erkenntnisstand zum anthropogenen Klimawandel dargestellt. Seine möglichen Folgen und die möglichen und tatsächlichen Reaktionen auf den Klimawandel werden umrissen und in den Gesamtzusammenhang eingeordnet.
Der anthropogene Klimawandel ist Realität. An dieser Aussage bestehen relativ geringe Zweifel. Auch wenn es kein vollständiges Erklärungsmodell des Klimas gibt und es aufgrund seiner Komplexität sobald wohl auch keines geben wird, so war die wissenschaftliche Beweislage, die auf eine anthropogene Ursache des globalen Temperaturanstiegs seit Beginn der Industrialisierung hinweist, noch nie so deutlich. Abbildung 1 stellt den weltweiten Temperaturanstieg und insbesondere den deutlichen Anstieg im letzten Jahrhundert dar:
Abb.1: Globaler Temperaturanstieg seit 1860. Quelle: House of Lords 1
1 Ausführliche Quellenangaben zu allen Abbildungen und Tabellen finden sich im Abbildungsverzeichnis im Teil 6.
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Grundlegende wissenschaftliche Zweifel an einer anthropogenen Ursache dieses Temperaturanstiegs gibt es kaum. Anders lautende Ansichten sind meist politisch motiviert und entspringen nichtwissenschaftlichen Veröffentlichungen oder es han-
delt sich um absolute Außenseitermeinungen. 2 Der überwiegende Teil der Wissenschaft geht davon aus, dass die seit Beginn der Industrialisierung sprunghaft angestiegene und weiter zunehmende Emission so genannter THG (Treibhausgas) und ihr Verbleib in hohen atmosphärischen Schichten, dafür sorgt, dass das auf die Erde einstrahlende und von dort reflektierte Sonnenlicht und die damit verbundene Wärme von diesen THG erneut zur Erde reflektiert wird und somit die Erwärmung der Erde durch die Sonne vorantreibt.
Abb. 2 verdeutlicht, dass CO 2 das mit Abstand wichtigste THG ist. Es wird hauptsächlich durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe freigesetzt. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer THG. Im Kyoto-Protokoll werden noch Methan, Distickstoffoxide, Teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe, Perfluorierte Kohlenwasserstoffe und
Schwefelhexafluoride als bedeutende THG aufgeführt. 3 CO 2 , also die Verbindung eines Kohlenstoffmoleküls (C) mit zwei Sauerstoffmolekülen (O 2 ), ist das für den anthropogenen Klimawandel bedeutendste THG. In den internationalen Bemühungen zur Mitigation steht CO 2 folgerichtig klar im Mittelpunkt und ist z.B. das einzige THG, welches momentan im EU Emissionshandel (EU ETS) gehandelt wird. CCS ist einzig auf die Reduktion von CO 2 -Emissionen gerichtet. Damit ist CO 2 auch das für diese Arbeit einzig relevante THG. In dieser Arbeit wird der Emissionsbegriff nicht allgemein sondern speziell für CO 2 -Emissionen verwandt.
2 Vgl.: Oreskes, N., Consensus, 2004.
3 Vgl.: Kyoto-Protokoll, Anhang A.
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Die verschiedenen THG werden in CO 2 -äquivalente Konzentration umgerechnet und entsprechend in ppmv (parts per million volume) angegeben
Abb. 2 Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre. Quelle: Stern Report
Der schwedische Nobelpreisträger Svente Arrhenius ging schon vor über einhundert Jahren davon aus, dass CO 2 zu einer Erwärmung der Erde führen würde. Er empfand diese jedoch nicht als bedrohlich, sondern freute sich auf die milder werdenden
Winter in seiner skandinavischen Heimat. 4 Die Auswirkungen des Klimawandels sind zwar enorm vielfältig und gelten nicht als umfassend gesichert, die herrschende Meinung geht heutzutage jedoch von einer insgesamt stark negativen Auswirkung aus. Auch wenn es durchaus positive Effekte der Erderwärmung gibt, wie verbesserte Möglichkeiten der Landwirtschaft in einigen Regionen der Erde. Die möglichen negativen Konsequenzen sind vielfältig: Sie reichen von aus der allgemeinen Diskussion bekannten Phänomenen wie dem Ansteigen des Meeresspiegels, der Zunahme von extremen Wetterereignissen (Stürme, Dürre, Starkregen etc), bis hin zu eher unbekannten und/oder unterschätzten Gefahren, wie z.B. der Ausbreitung von Krankheitsüberträgern wie Zecken oder Malariamücken (Anopheles) in nördliche Gefilde oder dem Rückgang von Fischbeständen in der Nordsee, da viele Arten in den wärmer werdenden Gewässern nicht leben können. Dass all diese Phänomene auch enorme ökonomische Schäden mit sich bringen, hat kürzlich der Ökonom Ho-
4 Vgl.: Bethgeet al., Treibhausfalle, 2006, S. 82.
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ward Stern in einer viel beachteten Studie zum Thema, dem sogenannten Stern Re-port, 5 ausführlich dargelegt.
Seit den frühen neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es Anstrengungen den Klimawandel einzudämmen, also den Ausstoß von THG zu senken. Diese Anstrengungen werden im Folgenden als Mitigation bezeichnet. Das große Problem bei der Mitigation ist die Tatsache, dass es völlig unerheblich ist, in welchen Regionen der
Welt die THG-Emissionen stattfinden 6 . Dem Aufwand den einzelne Akteure betreiben um ihre THG-Emissionen zu senken, geht ein kaum messbarerer individueller Nutzen einher. Der Nutzen erfasst vielmehr alle Bewohner der Erde. Wir haben es
also mit einem klassischen Trittbrettfahrer- oder Allmendeproblem zu tun. 7 Erschwerend kommt hinzu, dass eine Vielzahl von Akteuren eine hohe Einschränkung ihrer THG-Emissionen erreichen müsste, um eine spürbare Entlastung für das Klima zu erreichen. Den ersten wichtigen Schritt beim Versuch, dieses Dilemma der Weltgemeinschaft zu lösen, indem eine gemeinsame Vorgehensweise vieler Staaten verhandelt wurde, bildete, die United Nations Conference on Environment and Development - der sogenannte Erdgipfel - im Juni des Jahres 1992 in Rio de Janeiro. Hier wurde die Klimarahmenkonvention, UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) verabschiedet. Verbindlichen Vereinbarungen zur Reduktion von THG brachte das dazugehörige Kyoto-Protokoll, welches im Dezember 1997 verabschiedet wurde und nach der Ratifikation Russlands schließlich am 16. Februar
2005 in Kraft trat. 8
Das weithin anerkannte Mitigationsziel, den Temperaturanstieg auf max. 2°C zu begrenzen, um zumindest die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern, wird sicherlich nicht durch das Kyoto-Protokoll allein erreicht werden. Die Erfahrung bisheriger Klimaschutzbemühungen zeigt, dass dieses Ziel ambitioniert ist, und es scheint momentan eher unwahrscheinlich, dass weitergehende Ziele
verwirklicht werden können. 9 Weitreichende Auswirkungen des Klimawandels werden also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch im Falle effektiver Mitigationsmaßnahmen eintreten.
Aus dieser Erkenntnis heraus, hat sich in jüngster Vergangenheit die Einsicht verbreitet, dass neben Mitigationsbemühungen wohl auch Maßnahmen zur Adaption,
5 Stern, N., Report, 2006.
6 Abgesehen von einer verstärkten Schädlichkeit von in großen Höhen, z.B. durch Flugzeuge, emittierten THG.
7 Vgl.: Hardin, G,., Tragedy, 1968.
8 Vgl.: UNFCCC, Caring, 2005.
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d.h. Vorbereitungen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, in Angriff genommen werden müssen, um die entstehenden Schäden möglichst gering zu hal-ten. 10 Dass die weitreichenden Gefahren des Klimawandels für viele, vor allem ärmere Menschen und auch die globalen ökonomischen Konsequenzen zunehmend erkannt und ernst genommen werden, ist durchaus zu begrüßen. Jedoch sollte ob dieser Erkenntnisse nicht vergessen werden, dass der Natur auch intrinsische Werte zugeschrieben werden können. Das bedeutet, dass Bestandteile der Natur auch dann einen Wert haben, wenn sich dieser nicht direkt oder indirekt für den Menschen
bemerkbar macht. 11 . Allerdings ist die Erkenntnis, dass der Klimawandel eine reale ökonomische Bedrohung ist, so deutlich geworden, dass auch ohne die Anerkennung dieser Werte Mitigationsmaßnahmen dringend geboten sind.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass eine tragfähige Strategie zur Mitigation unbedingt vorangetrieben werden sollte, um die enormen Schäden für Natur und Wirtschaft zu begrenzen. Gleichzeitig müssen aber auch die Realität eines sich wandelnden Klimas anerkannt werden und nötige Adaptionsmaßnahmen darüber hinaus vorgenommen werden. Ob CCS technisch in der Lage sein kann einen Beitrag zur Mitigation zu leisten, wird in den folgenden Abschnitten ausführlich analysiert.
2.2 CCS Technik
CCS besteht hauptsächlich aus drei Komponenten:
⇒ Abscheidung (Trennung und Kompression des CO 2 )
⇒ Transport (von der CO 2 -Quelle zur Ablagerungsstätte und ggf. Zwischenlagerungen)
⇒ Ablagerung (Erschließung geeigneter Ablagerungsstätten und Einbringung des CO 2 in diese, sowie dauerhaftes Monitoring).
„In der einen oder anderen Form sind diese Komponenten kommerziell verfügbar. Es gibt jedoch relativ wenig kommerzielle Erfahrung in der Konfiguration dieser Kom-ponenten zu voll integrierten CCS Systemen“ 12 . In diesem Kapitel werden die einzelnen Komponenten in ihren Grundzügen erklärt und mit besonderem Augenmerk
9 Vgl.: Roth, W., Versagen, 2005.
10 Vgl.: Bethge et al., Treibhausfalle, 2006, S. 94.
11 So kann z.B. dem arktische Lebensraum des Eisbären und Eisbären selbst ein eigener Wert zugeschrieben werden auch wenn die Zerstörung ihres Lebensraums und ihrer selbst keine negativen, monetär fassbaren Konsequenzen für den Menschen hätte.
12 IPCC, Report, 2005, S. 341. Eigene Übersetzung. Original: „In one form or another, these components are commercially available. However, there is relatively little commercial experience with configuring all of these components into fully integrated CCS systems”.
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auf die Frage hin untersucht ob, wie und wann sie als Teil eines gemeinsamen CCS-Systems zum Klimaschutz eingesetzt werden können.
2.2.1 Begriffsdefinitionen
Bevor mit den technischen Erläuterungen der einzelnen Komponenten begonnen wird, folgen Definitionen zentraler Begriffe von CCS. Weitere Begriffe, bei denen Erklärungsbedarf vonnöten sein könnte, sei es weil es sich um allgemein eher unbekannte Begriffe handelt, oder weil sie in dieser Arbeit in einer besonderen oder eingeschränkten Weise genutzt werden, werden bei ihrer ersten Verwendung definiert und erläutert. Spezielle Abkürzungen werden bei ihrer ersten Verwendung in Klammern ausgeschrieben und sind zusätzlich im Abkürzungsverzeichnis in Kapitel 4.1 aufgeführt.
2.2.1.1 CCS
Dass CCS in dieser Arbeit als Abkürzung für Carbon Capture and Sequestration
steht, 13 ist besonders hervorzuheben, da diese Abkürzung in der entsprechenden Literatur und der öffentlichen Diskussion nicht einheitlich verwandt wird: So wird
anstatt von Carbon auch von Carbon Dioxide 14 oder CO 2 15 und anstatt von Se-
questration oftmals von Storage 16 gesprochen. Im deutschen Sprachgebrauch finden 17 oder Kohlendioxid 18 sowie Speicherung, 19 Lage- analogdazu die Begriffe CO 2
rung, 20 Ablagerung, 21 Verpressung 22 oder Sequestrierung 23 Verwendung. Selten ist auch die deutsche Abkürzung CAA (CO 2 -Abscheidung und Ablagerung) zu finden. 24
2.2.1.2 Carbon (CO 2 )
Carbon - ‚Kohlenstoff’ - wird in der Literatur und öffentlichen Diskussion zu Klimafragen häufig als Synonym für Kohlenstoffdioxid (CO 2 ) verwandt. Einige Autoren
verwenden die genaueren Begriffe, also Carbon Dioxide oder CO 2 . 25 Da die Kurz-
13 ZurVerwendung englischsprachiger Begriffe und Abkürzungen sei Folgendes angemerkt: Generell werden in dieser Arbeit deutschsprachige Begriffe und Abkürzungen verwandt. Wo diese jedoch fehlen oder ihre Verwendung unüblich ist, findet die englischsprachige Variante Verwendung.
14 Z.B.: IPCC, Report, 2005. 15 Z.B.: IEA, Prospects, 2004.
16 Z.B.: Johnston/Santillo, Impacts, 2002. 17 Z.B.: Goerne, Untergrund, 2004.
18 Z.B.: Goerne, Untergrund, 2004.
19 z.B.: Netzeitung, CO2-Speicherung, 2005.
20 z.B.: Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004.
21 z.B.: Dietrichs/Bode, CAA, 2005.
22 z.B.: Goerne, Untergrund, 2004.
23 z.B.: Dietrichs/Bode, CAA, 2005, S. 3.
24 z.B.: Dietrichs/Bode, CAA, 2005, S. 3.
25 Siehe 2.2.1.1.
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form Carbon im Bereich des Klimaschutzes jedoch gebräuchlich 26 und daher unmissverständlich ist, erscheint die ausführliche Schreibweise nicht notwendig. In dieser Arbeit wird der Begriff CO 2 verwandt, da er präzise, kurz und im deutschen Sprachgebrauch üblich ist.
2.2.1.3 Capture (Abscheidung)
Capture - ‚Einfangen’ - bezeichnet die Trennung des CO 2 aus dem Rauch- oder Erdgas, das gereinigt werden soll. Das in der deutschsprachigen Literatur für diesen Begriff gebräuchliche Wort Abscheidung beschreibt den Vorgang besser als das englische Wort Capture, da das CO 2 , wie in Abschnitt 2.2.2 beschrieben, nicht einfach eingefangen wird, sondern durch Prozesse, die vom gewählten Verfahren abhängen, vom Rauch- oder Erdgas getrennt werden muss, bevor es transportiert und letztendlich abgelagert werden kann. Folgerichtig wird in dieser Arbeit der Begriff Abscheidung verwandt.
2.2.1.4 Sequestration (Ablagerung)
Sequestration - ‚Sequestrierung’ - bezeichnet den in Abschnitt 2.2.4 beschriebenen Vorgang der Ablagerung des abgeschiedenen CO 2 an verschiedenen geeigneten
Orten, wie z.B. leeren Öl- oder Gasfeldern bzw. Aquiferen. 27 Sequestration ist gegenüber dem häufig verwandten Begriff Storage - ‚Lagerung’zu bevorzugen, da dieser eine spätere Verwendung des CO 2 impliziert. Dieses soll jedoch dauerhaft nicht in die Atmosphäre gelangen und wird auch keine weitere Verwendung finden. Die gleiche begriffliche Ungenauigkeit ist bei den deutschen Begriffen Lagerung oder Speicherung festzustellen. Die intendierte dauerhafte Beseitigung wird im Deutschen durch den Begriff Ablagerung sehr gut zum Ausdruck gebracht. Daher werden in dieser Arbeit die Begriffe Ablagerung und Ablagerungs-
stätte verwandt. 28
2.2.1.5 Clean Coal (Saubere Kohle)
Auch wenn sich diese Arbeit mit dem weiter gefassten Begriff CCS operiert, soll eine Definition des enger gefassten Begriffes Clean Coal bzw. Saubere Kohle gegeben werden, da CCS in der öffentlichen Diskussion vor allem durch seine wohl
26 z.B. beim Carbon Disclosure Project, einem Zusammenschluss von Investoren, der die Klimaschutzbemühungen großer Unternehmen analysiert (http://www.cdproject.net) oder bei der Carbon Expo, einer jährlich in Köln stattfindende großen Fachmesse zum Thema Emissionshandel (http://www.carbonexpo.de).
27 Aquifere sind tiefliegende und wasserführende Gesteinsschichten, siehe Absatz 2.2.4.2.
28 Vgl.: Dietrichs/Bode, CAA, 2005, S. 1.
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wichtigste Art der Anwendung, der Energiegewinnung aus Kohle, auftritt und die
Verwendung des Begriffs auch nicht einheitlich ist. 29 Der Terminus Clean Coal bezeichnet zwei verschiedene technische Vorgänge: Der Begriff bezeichnet zum einen in Effizienz und Schadstoffausstoß, z.B. durch IGCC (Integrated Gasification Combined Cycle) Technik oder Filterung des Rauchgases,
verbesserte Kohlekraftwerke, 30 und zum anderen Kraftwerke, die mit CCS betrieben werden. Die Verwendung schadstoffmindernder Techniken wird daher auch als CCT (Cleaner Coal Technology) bezeichnet, wobei diese begriffliche Trennung nicht
strikt durchgehalten wird und CCT und CCS auch synonym oder teilweise mit sich
überschneidender Bedeutung genutzt werden. 31 Die Verwendung im Sinne von CCS-Kohlekraftwerken ist verbreiteter und dürfte bei weiter fortschreitender F&E (For-
schung und Entwicklung) dieser Technik dominieren. 32 Doch auch diese Verwendung ist, ebenso wie die Verwendung entsprechender Begriffe, wie CO 2 -frei oder emissionsfrei, irreführend. Denn wirklich CO 2 -frei sind auch solche Kraftwerke
nicht. 33 Darüberhinaus sind die negativen Auswirkungen von Kohle nicht nur auf den Ausstoß von CO 2 beschränkt. 34 Aus diesen Gründen wird die Verwendung von Begriffen wie Clean Coal hier abgelehnt, da Kohle nicht sauber und ihre Verbrennung auch nicht emissionsfrei sein kann. In dieser Arbeit werden entsprechende Kohlekraftwerke als CCS-Kohlekraftwerke bezeichnet, oder allgemeine Kraftwerke als CCS-Kraftwerke, unabhängig vom Brennstoff mit dem sie betrieben werden.
2.2.2 Die Abscheidungstechniken
Eigentlich müsste CO 2 bei der Energiegewinnung nicht zwingend abgeschieden werden, um abgelagert werden zu können. Die Komprimierung und Ablagerung des gesamten Verbrennungsgasgemisches, welches bei der Energiegewinnung entsteht, wäre ebenfalls denkbar. Der Energieaufwand bei der Komprimierung und beim
29 Vgl.: z.B. Süddeutsche Zeitung, Wettlauf, 2006 oder Schuh, Klimafrühling, 2006. Siehe auch Abschnitt 2.3.2
30 So widmet sich beispielsweise das IEA Clean Coal Centre dem nachhaltigen Abbau, Transport und Nutzung von Kohle, was deutlich mehr als Carbon Capture and Sequestration umfasst. Vgl.: http://www.iea-coal.org.uk/site/ieaccc/iea-clean-coal-centre/about--history.
31 Vgl.: Parliamentary Office of Science and Technology, Cleaner, 2005, S. 1.
32 Obwohl sich in diesem Fall und bei einer positiven Besetzung des Begriffes der Anreiz für die Betreiber und Befürworter anderer Kohletechniken natürlich erhöhte, ihre Vorgehensweise unter dem Begriff Clean Coal zu führen und somit in einem umweltfreundlicheren Licht zu erscheinen, als allein durch die von ihnen angewandten technischen Verbesserungen angemessen wäre.
33 Zum einen entstehen die Emissionen bei der Verbrennung natürlich weiterhin, sie werden nur nicht in die Atmosphäre sondern in den Boden emittiert, und zum anderen wird ein Teil der verursachten Emissionen weiterhin in die Atmosphäre gelangen.
34 Zu anderen negativen Eigenschaften von Kohle siehe Abschnitt 2.3.2.
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Transport wäre aufgrund des deutlich größeren Volumens dieser Gase höher. Die Kapazität möglicher Ablagerungsstätten wäre folglich sehr viel schneller erschöpft. Es ist also praktisch unumgänglich, das CO 2 vor der Ablagerung abzuscheiden. Es lassen sich drei grundsätzliche Möglichkeiten der Abscheidung unterscheiden: Nämlich die Abscheidung vor, während, oder nach dem Verbrennungsvorgang. Neben der Abscheidung bei der Energiegewinnung, gibt es noch die Abscheidung bei industriellen Prozessen, wie z.B. der Erdgasgewinnung oder Zementproduktion. Die o.g. Möglichkeiten der Abscheidung werden nun näher beschrieben:
2.2.2.1 CO 2 -Abscheidung nach der Verbrennung (Post-Combustion) 35
Bei Post-Combustion - ‚Post-Verbrennung’ - verläuft die Verbrennung des Energieträgers ebenso wie in konventionellen Kraftwerken. Aus dem bei der Verbrennung entstehenden Rauchgas wird schließlich das CO 2 abgeschieden. Die hierzu wichtigste Technik ist die Aminwäsche, mit dem gebräuchlichsten Lösungsmittel MEA (Monoethanolamin). Bei der Aminwäsche wird das Rauchgas gekühlt und von Partikeln und ähnlichen Verunreinigungen weitestgehend befreit, bevor es mit dem MEA in Kontakt gebracht wird, das mit dem CO 2 eine leichte Verbindung eingeht. Die entstandene CO 2 -reiche Lösung wird in einen Abscheidebehälter geleitet um dort mit Wasserdampf erhitzt zu werden. Durch die Erhitzung wird das CO 2 abgesondert und kann nun für Transport und Ablagerung komprimiert werden. Die verbliebene Lösung kann regeneriert und erneut zur Abscheidung genutzt werden. Diese Technik kann in kohle-, öl- und gasbetriebenen Kraftwerken eingesetzt werden. In den ersten beiden Fällen wäre allerdings eine zusätzliche Reinigung der Verbrennungsgase von z.B. Schwefeldioxiden und Stickoxiden notwendig wäre.
Die Aminwäsche und ähnliche industrielle Techniken sind weit verbreitet und werden in großem Maßstab eingesetzt. Sie sind somit ausgereift und ohne größere technische Probleme bei Kraftwerken einsetzbar. Ein weiterer Vorteil dieser Abscheidungstechnik besteht in der relativ leicht möglichen Nachrüstung an bestehenden
Kraftwerken. 36 Allerdings ist die Abscheidung nach der Verbrennung aufwändig und teuer; problematisch sind vor allem die enormen Mengen des zu behandelnden Rauchgases sowie die zur Reinigung benötigten großen Mengen an Lösungsmitteln und die zusätzlich benötigte Energie, um diese zu regenerieren.
35 Vgl. Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004, S.10 und IPCC, Report, 2005, S. 113-122, soweit keine gesonderten Angaben gemacht werden.
36 Eine Nachrüstung mit den anderen Verfahren ist zwar theoretisch denkbar, bedürfte jedoch eines sehr großen Aufwandes und wäre teurer als ein kompletter Kraftwerksneubau.
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Es wäre also von Vorteil, „könnten die CO 2 -Konzentration einerseits und der Druck andererseits erhöht werden, [denn dadurch] würde die Anlage zur CO 2 -Abscheidung wesentlich kleiner ausfallen und verschiedene physikalische Lösungsmittel mit ge-
ringem Energieverbrauch für das Regenerieren könnten angewandt werden“ 37 . Dies wird bei den nun beschriebenen Techniken erreicht:
2.2.2.2 CO 2 -Abscheidung vor der Verbrennung (Pre-Combustion) 38
Bei Pre-Combustion - ‚Vor-Verbrennung’ - wird das CO 2 schon vor der Energieerzeugung abgeschieden. Die eigentliche Energieerzeugung erfolgt aus dem dabei gewonnen Wasserstoff.
In einem ersten Reaktor reagiert der Brennstoff mit Wasserdampf und entweder Luft oder Sauerstoff, wodurch eine Mischung hauptsächlich aus Karbonmonoxid und Wasserstoff, nämlich das sogenannte Synthesegas, entsteht. Dieses Gas wird in einem weiteren Reaktor, dem sogenannten Shift Reactor oder Shift Converter, in Reaktion mit Wasserdampf gebracht. Das dabei entstehende Gemisch aus Wasserstoff und CO 2 kann anschließend in einen Strom aus Wasserstoff zur Energiegewinnung und einen Strom aus CO 2 zur Ablagerung getrennt werden. Mit Wasserstoff bleibt ein CO 2 -freier Brennstoff übrig, der zur Energiegewinnung und bei fortschreitender Technik und Ausbau der notwendigen Infrastruktur auch zum Betrieb von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen genutzt werden könnte. Diese Abscheidungstechnik kann bei der Energiegewinnung aus Kohle, Gas oder Erdöl verwandt werden. Bei Erdöl und Kohle sind jedoch weitere Reinigungsschritte erforderlich, um Verunreinigungen wie z.B. Schwefelverbindungen oder Aschepartikel zu entfernen. Zum Einsatz käme diese Technik in IGCC-Kraftwerken, die auch ohne CCS bereits sehr
effizient und Schadstoffarm arbeiten. 39
2.2.2.3 Sauerstoffverbrennung (Oxyfuel) 40
Die Sauerstoffverbrennung ist ein Verfahren, bei dem die Trennung gewissermaßen während der Verbrennung stattfindet. Der Brennstoff wird mit Sauerstoff anstatt Luft verbrannt, wobei deutlich geringere Rauchgasmengen entstehen. Dieses Rauchgas besteht darüber hinaus hauptsächlich aus CO 2 und Wasserstoff, wobei der CO 2 -Anteil bei ca. 80% liegt. Das CO 2 kann relativ problemlos durch Kompression und
37 Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004, S. 10.
38 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 130-141, sofern keine gesonderten Angaben gemacht werden.
39 Vgl.: Müller, Kohle, 2004.
40 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.122-130. Soweit keine gesonderten Angaben gemacht werden. Die Bezeichnung Oxyfuel ist eine Kunstwort das aus den englischen Wörtern Oxygen - ‚Sauerstoff’ - und Fuel - ‚ Treibstoff’ - zusammengesetzt ist.
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Kühlung des Gases abgeschieden werden; eine eigene Rauchgasreinigungsanlage ist nicht nötig. Die Sauerstoffverbrennung ist wie Pre-Combustion prinzipiell kostengünstiger als Post-Combustion. Welches der Verfahren sich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Interessante Antworten auf diese Frage wird sicherlich die Pilotanlage Schwarze Pumpe bringen, die Vattenfall bis 2008 in Brandenburg bauen will. In Deutschland entwickelt sich ein Wettlauf um die bessere Abscheidungstechnik zwischen Vattenfall und der RWE AG, die in NRW ein Kraftwerk mit Pre-Combustion
Technik bauen wollen. 41
2.2.2.4 Zwischenfazit Abscheidungsverfahren
Post-Combustion ist momentan das ausgereifteste Verfahren zur CO 2 -Abscheidung, aber auch das aufwändigste. Ob es sich dennoch gegen die anderen Verfahren durchsetzen wird, hängt davon ab, wie schnell diese Verfahren zur Marktreife gebracht werden können und welche Zusatzkosten und Wirkungsgradverluste die jeweilige Technik bei den verschiedenen Kraftwerkstypen tatsächlich mit sich bringen wird und wie stark sich Lernkurveneffekte bei den einzelnen Techniken entwickeln werden. Ein Nebeneinander von zwei oder sogar allen drei Verfahren ist ebenfalls denkbar. Wichtige Erkenntnisse werden die in Bau und Planung befindlichen (Pilot)Anlagen liefern; für eine sichere Prognose ist es jedoch noch zu früh. Klar ist aber auch, dass eine breite Anwendung von CCS-Kraftwerken wohl nicht vor
2020 zu erwarten ist, 42 einem Zeitraum in dem viele neue Kraftwerke konventioneller Art gebaut werden. 43 Bei diesen Kraftwerken spielt Post-Combustion eine wichtige Rolle, da es als einziges Verfahren mit vertretbarem Aufwand nachgerüstet werden könnte. Soll CCS also tatsächlich eine Alternative zu anderen Klimaschutzmaßnahmen bilden, ist es wichtig diese Nachrüstungsmöglichkeit bei Kraftwerksneubauten offen zu halten. Neue Anlagen sollten Capture Ready sein, also die Möglichkeit der Abscheidung berücksichtigen, indem die technischen Vorrausetzungen zur Nachrüstung, z.B. ausreichend Platz für CCS-Anlagen, schon beim Bau berücksichtigt werden.
Wie aus den vorhergegangenen Beschreibungen der Abscheidungstechniken ersichtlich wird, kommt CCS eigentlich nur für große Punktquellen von CO 2 in Frage, da der Aufwand der Abscheidung bei kleinen Quellen in Relation zum abgeschiedenen
41 Vgl.: Süddeutsche Zeitung, Wettlauf, 2006.
42 Die ersten marktreifen Kraftwerke dürften frühestens Mitte der 2010er Jahre fertig sein und bis eine für die Mitigation bedeutende Anzahl betrieben würde, müssten noch mal einige Jahre einkalkuliert werden.
43 Siehe Kapitel 2.3
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CO 2 unverhältnismäßig groß wäre. Fahrzeuge oder Kamine mit CCS sind nicht auf sinnvolle Weise zu verwirklichen. Von einer großen Punkt - also nicht beweglichen
Quelle, wird ab einem Ausstoß von 0,11 MtCO 2 y -1 gesprochen. 44 Es handelt sich bei diesen Quellen hauptsächlich um Kraftwerke sowie um industrielle Großanlagen, z.B. zur Stahl-, oder Zementherstellung. Diese Quellen haben einen sehr hohen Anteil an den Gesamtemissionen. Eine substanzielle Verringerung der Emissionen an großen Punktquellen durch CCS, würde also auch zu einem deutlichen Rückgang der gesamten Emissionen führen.
Sollte es zur flächendeckenden Anwendung von wasserstoff- oder elektrizitätsbetriebenen Fahrzeugen kommen, könnte deren Energiebedarf auch durch CCS-Kraftwerke gedeckt werden. Aus kleinen, beweglichen Quellen würden indirekt große Punktquellen.
Insgesamt betrachtet stehen der Abscheidung keine grundsätzlichen technischen Argumente entgegen: Bis jedoch tatsächliche marktreife Anlagen zur Verfügung stehen, werden mit Sicherheit noch einige Jahre vergehen. Die mit derartigen technischen Vorhaben oftmals verbunden Schwierigkeiten und Rückschläge sollten nicht unterschätzt werden.
2.2.3 Transport 45
Wenn die Quellen nicht direkt über einer geeigneten Ablagerungsstätte angesiedelt
sind, 46 muss das abgeschiedene CO 2 , damit es abgelagert werden kann, zu einer geeigneten Stätte transportiert werden. In der überwiegenden Zahl der möglichen CO 2 -Abscheidungsprojekte dürfte ein Transport über zum Teil erhebliche Strecken
notwendig sein. 47 Um den Transport durchzuführen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die im Folgenden beschrieben werden.
2.2.3.1 Pipelines
Der Einsatz von Pipelines zum Transport von Öl, Erdgas und anderen Flüssigkeiten und Gasen, teilweise über sehr lange Strecken, ist weit verbreitet. Pipelines werden
44 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.78.
45 Zu den verschiedenen Transportmöglichkeiten vgl.: IPCC, 2005, S. 180-192, soweit keine gesonderten Angaben gemacht werden.
46 Die norwegische Bohrinsel Sleipner bei der CO 2 .abgeschieden und gespeichert wird liegt z.B. direkt über der Gesteinsformation, die als Lagerstätte für das abgeschiedene CO 2 dient. Siehe Abschnitt 2.2.6.1
47 Wie in Abschnitt 2.2.4.4 deutlich wird liegen die meisten Punktquellen von CO 2 zwar in einem Radius von 300km zu einer geeigneten Lagerstätte, jedoch müssen auch diese Distanzen mit geeigneten Transportmöglichkeiten überwunden werden und es wird wohl nicht jede mögliche Lagerstätte
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über verschiedenstes Terrain, wie z.B. bergige, arktische oder dicht besiedelte Gebiete geführt und sowohl unter als auch über Wasser verlegt. Diese vielseitig verwendbare Transporttechnik wird die wohl bedeutendste Art des Transports bei CCS wer-
den. 48
In Pipelines wird das CO 2 in einem überkritischen Zustand, d.h. bei einem Druck über 74 bar und einer Temperatur unter 31°C, transportiert. Erfolgte der Transport nicht unter derart hohem Druck, wäre er sehr unwirtschaftlich, da das CO 2 gasförmig
wäre und daher ein sehr hohes Volumen hätte. 49 CO 2 -Pipelines sind eine ausgereifte Transporttechnik und werden schon seit den frühen 1970er Jahren genutzt. 50 In den USA gibt es heute mehr als 2500 km CO 2 -Pipelines, die ca. 50 MtCO 2 y -1 transportieren, hauptsächlich zur EOR (Enhanced Oil Recovery) bei Ölfeldern in Texas. 51 Diese auf den ersten Blick beeindruckende Zahl verblasst jedoch verglichen mit den mehr
als 536.000 km bedeutenden Gasleitungen die es 2004 in den USA gab. 52 Der Transport von CO 2 per Pipeline gilt als relativ ungefährlich und verlief bisher nahezu ohne Zwischenfälle und ohne Verletzte oder gar Tote; die existierenden Pipelines laufen allerdings hauptsächlich durch dünn besiedeltes Gebiet. Der in Abschnitt 2.2.4.2 beschriebene Austritt von CO 2 mit einer Ansammlung in Bodensenken ist die größte Gefahr, die von einer Pipeline ausgeht. Wahrscheinlich ist mittelfristig die Leckagegefahr deutlich höher als bei den Ablagerungsstätten. Bedenkt man jedoch den massenhaften Einsatz von Gaspipelines und -leitungen, die wegen der Explosivität von Gas ein deutlich höheres Gefahrenpotential bergen, so dürfte der Transport von CO 2 per Pipeline wohl kaum wegen schwerwiegender Sicherheitsbedenken prinzipiell abgelehnt werden. Möglicher Widerstand aus der Bevölkerung, vor allem von Anwohnern an Pipelinestrecken, könnte jedoch durchaus die Entwicklung eines breiten CO 2 -Pipelinenetzes in dicht besiedelten Regionen behindern. Besonders dann, wenn diese Sorgen von CCS-Gegnern zusätzlich geschürt würden. Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für einen Auf- bzw. Ausbau eines großen Pipelinenetzes, wie es bei einer signifikanten Nut- auchtatsächlich erschlossen, was den Transport über weitere Strecken in einigen Fällen wahrscheinlich macht.
48 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 181.
49 Vgl.: Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004, S. 16.
50 Die erste große CO 2 -Pipeline war die 1970 gebaute Canyon Reef Carriers im Texas Val Verde Becken. Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 1812
51 Siehe Abschnitt 2.2.6.6
52 Vgl.: Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004, S. 16.
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zung von CCS vorhanden sein müsste 53 , könnten dadurch durchaus erschwert werden.
Für einen Transport des CO 2 über weite Strecken spricht, dass dieser Transport durch Pipelines kostengünstiger ist als der Transport von Strom, was den Kraftwerksbau mit CCS eher in der Nähe des Verbrauchers als in der Nähe der Ablagerungsstätten
wahrscheinlich macht. 54
2.2.3.2 Schiff
Beim Transport von CO 2 über Wasser könnten Schiffe eine Alternative zu Offshore-
Pipelines sein. CO 2 wird bisher nur in kleinen Mengen per Schiff transportiert. 55 Große Tanker zum Transport von flüssigem CO 2 wären denen zum Transport von LPG (Liquified Petroleum Gas; ‚Flüssiggas’) sehr ähnlich und könnten mit kleinen Modifikationen auf Grundlage der LPG-Tanker gebaut werden. Daher kann diese Technik, auch wenn bisher keine CO 2 -Tanker gebaut wurden, als quasi marktreif
gelten, da LPG-Tanker weltweit routinemäßig eingesetzt werden. 56 Für die Frage Pipeline oder Schiff gilt generell: „Je länger die Transportdistanz,
desto wirtschaftlicher wird der Schifftransport [sic].“ 57 Das liegt begründet in den hohen Fixkosten, die der Schiffstransport durch den Bau der Schiffe und anderer notwendiger Infrastruktur (wie Be- und Entladevorrichtungen, Zwischenspeicher etc.) mit sich bringt. Es wird davon ausgegangen, dass ab etwa 1000 km Transport-
distanz Schiffstransporte günstiger als Offshore-Pipelines werden. 58
2.2.3.3 Weitere Transportmöglichkeiten
Der Transport von CO 2 auf Schienenwegen oder Straßen ist technisch ebenfalls machbar, erscheint bei großen zu transportierenden Mengen jedoch wenig attraktiv
und wird folgerichtig bei CCS wohl keine Rolle spielen. 59
2.2.3.4 Zwischenfazit Transport
Der Transport von abgeschiedenem CO 2 zu den jeweiligen Lagerstätten dürfte technisch keine Probleme bereiten. Pipelines sind wohl erprobte Transportwege für CO 2 und können in nahezu jedem Terrain verlegt werden. Offshore bieten Schiffe mögli-
53 Duckat,R. et al., Abscheidung, 2004, S. 17 gehen bei einem CCS Anteil von 10% der notwendigen Emissionsreduktionen zum erreichend es Zwei-Grad-Zieles von einer jährlichen Transportmenge von 1000 MtCO 2 aus.
54 Vgl.: Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004, S. 39.
55 Es gibt vier kleine Transportschiffe weltweit, die CO 2 zur Lebensmittelproduktion transportieren, Vgl. IPCC, 2005, S. 186.
56 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 181 u. 186-187.
57 Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004, S. 16.
58 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 190-192.
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cherweise eine Alternative, werden jedoch erst bei entsprechenden Distanzen und Mengen zum Einsatz kommen. Die Kosten für den Transport hängen von der Distanz und dem zu durchquerenden Terrain ab, sollten jedoch gegenüber den Abscheidungskosten in den Hintergrund treten. Kurz- und mittelfristig ist davon auszugehen, dass möglichst kurze bzw. einfache Transportwege gewählt werden, um die entstehenden Kosten gering zu halten. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt Ablagerungsstätten knapp werden und die finanziellen Anreize zur Emissionsminderung entsprechend hoch sein, könnten längere Transportwege und sogar der Transport per Schiff genutzt werden. Aus regulatorischer Sicht, gibt es für den Transport keine CCSspezifischen Besonderheiten zu beachten, da die bestehenden Regularien, vor allem Sicherheitsbestimmungen, für den Transport von Gütern Anwendung finden wür-
den. 60
2.2.4 Ablagerungsstätten
CO 2 -Abscheidung und Transport ist technisch wie in den vorhergegangenen Abschnitten beschrieben prinzipiell machbar, wenn auch mit erhöhtem Energie- und Kostenaufwand, sowie weiterem Forschungsbedarf verbunden. Die Achillesferse von CCS ist jedoch die Ablagerung. Diese Komponente wirft prinzipielle Fragen zur Sicherheit, Effektivität und Regulierung von CCS auf. Deren Beantwortung ist von zentraler Bedeutung, da die Ablagerung letztendlich der entscheidende Teil - der Kern - von CCS ist. Abscheidung und Transport sind, mögen sie irgendwann noch so gut und kostengünstig funktionieren, schlussendlich zwecklos, wenn das abgeschie-
dene und transportierte CO 2 am Ende doch in die Atmosphäre gelangt. 61 In diesem Abschnitt werden die verschiedenen Möglichkeiten der Ablagerung beschrieben und bewertet, um dann in einem Fazit die Ablagerung von CO 2 zu beurteilen.
Alle geologischen Formationen in denen CO 2 unterirdisch abgelagert werden könnte, haben zwei Gemeinsamkeiten: Es gibt ein Reservoir in dem Flüssigkeiten gelagert
werden können und Deckgestein, welches dieses Reservoir abschließt. 62 Die Speicherung kann prinzipiell in Sedimentgestein jeder Form stattfinden, das porös genug ist, um eine ausreichende Speicherkapazität zu bieten. Im Allgemeinen wird eine
59 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 181.
60 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 181.
61 Wobei eine sehr lange Ablagerung durchaus vorteilhaft gegenüber einer sofortigen Emission sein kann.
62 Vgl. Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004, S.22.
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Ablagerungstiefe von mindestens 800 m angestrebt, da CO 2 bei dem in diesen Tiefen vorhandenen Druck in flüssigem oder hyperkritischem Zustand ist, also eine relativ hohe Dichte aufweist und somit weniger Platz einnimmt. Viele zur Verpressung nötige Techniken, wie das Bohren von Bohrlöchern, die Erkundung unterirdischer Formationen und auch Injektionstechnologien, werden im Bereich der Öl- und Gasförderung bereist genutzt. Daher kann in vielen Bereichen auf bestehendes Know
How und jahrzehntelange Erfahrung zurückgegriffen werden. 63 Daneben gibt es der CO 2 -Ablagerung vergleichbare Prozesse, wie die Lagerung von Erdgas in natürli-
chen unterirdischen Speichern 64 oder die Injektion von flüssigen Industrieabfällen in porösen Gesteinsschichten, aus denen man im Bezug auf CCS gültige Rückschlüsse
ziehen kann. 65 Die Technik um das CO 2 unter die Erde zu bringen, ist also weitestgehend vorhanden und sollte keine großen Probleme bereiten. Das entscheidende Kriterium für eine Ablagerungsstätte ist ihre Fähigkeit zur Aufnahme und dauerhaften Ablagerung des eingebrachten CO 2 . Im Folgenden werden daher die möglichen Arten von Ablagerungsstätten auf ihr Ablagerungspotential und die Sicherheit und Dauerhaftigkeit der Ablagerung hin untersucht:
2.2.4.1 Leere Öl- oder Gasfelder
Leere Öl- oder Gasfelder sind die am besten untersuchten möglichen Lagerstätten, da sie zur Öl- und Gasexploration eingehend untersucht wurden und „bewiesen [haben],
dass sie Öl und Gas über geologische Zeiträume effektiv speichern“ 66 können. Somit sind diese Felder geradezu der ideale Ort um CO 2 abzulagern. Zur EOR wird CO 2
bereits seit Jahrzehnten in solche Felder gepresst. 67 „Hauptproblem bei der Nutzung leerer Öl- und Gasfelder als CO 2 -Speicher sind die vielen Bohrungen, die während
der Explorations- und Produktionsphase nieder gebracht wurden“ 68 . Diese Löcher werden in der Regel mit speziellen Zementen verschlossen, dessen Haltbarkeit gegenüber CO 2 umstritten ist, denn CO 2 reagiert in Verbindung mit Wasser aggressiv und beschädigt den Zement, was Leckagen verursachen könnte. Bei der Schließung dieser Löcher hat man schlicht nicht damit gerechnet, dass die Verschlüsse Stoffe mit
63 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 31
64 Siehe Abschnitt 2.2.4.2
65 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.211-212.
66 Goerne, Fünf Argumente, 2004, S.2.
67 Es gibt, vor allem im Süden der USA eine Reihe von Ölfeldern, bei denen diese Technik angewandt wird, um diese zu einem höheren Grad ausbeuten zu können. Durch das eingepresste CO 2 erhöht sich der durch die Förderung abgefallenen Druck in den Feldern und presst das noch vorhandenen Öl oder Gas heraus. Das hierzu verwandte CO 2 kommt bisher nahezu ausschließlich aus natürlichen Vorkommen, trägt also nicht zum Klimaschutz bei.
68 Goerne, Fünf Argumente, 2004, S.2.
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eigener Auftriebskraft aus dem inneren des Feldes zurückhalten sollten. 69 Insbesondere bei neuen CCS/EOR-Projekten, bei denen die Bohrlöcher noch geschlossen werden müssten, könnten geeignete Schließungstechniken verwendet werden, um die
Gefahr einer Leckage durch alte Bohrlöcher zu minimieren. 70 Leere Öl- und Gasfelder werden, hauptsächlich wegen der Möglichkeit der EOR und der dadurch entstehenden Kostenvorteile in der Anfangszeit der CCS-Anwendung eine große Rolle spielen. Zu beachten ist jedoch, dass diese Felder eine geringere Kapazität als Aquifere haben, also bei einer weiteren Verbreitung von CCS an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen würden.
2.2.4.2 Aquifere
Aquifere sind aufgrund ihres enormen Ablagerungspotentials und ihrer weiten geographischen Verbreitung „die wohl wichtigste Formation, in die CO 2 verpresst wer-
den könnte“ 71 . Beim Einbringen des CO 2 werden die vorhandenen Flüssigkeiten, meist Salzwasser, verdrängt. Entscheidend für ihre Eignung als Ablagerungsstätte für CO 2 ist, neben ihrer Aufnahmefähigkeit, die Fähigkeit zur sicheren Zurückhaltung des CO 2 über sehr lange Zeiträume. Dies soll durch einen lückenlosen Abschluss mit
möglichst dickem Deckgestein 72 , wie Ton, Schiefer oder Lehm, gewährleistet werden.
In ähnlicher Weise werden derartige Formationen seit nahezu einem Jahrhundert als
Erdgasspeicher 73 genutzt. In diese Speicher kann Erdgas eingepresst und über Sonden je nach Bedarf wieder entnommen und in das Gasnetz eingespeist werden um Verbrauchsschwankungen auszugleichen oder bei Lieferengpässen oder -ausfällen als Notvorrat zu fungieren. Zur Gasspeicherung werden hauptsächlich leere Öl- und Gasfelder und saline Aquifere genutzt. Es sind jedoch auch schon Hohlräume in Salzstöcken zum Einsatz gekommen. Weltweit wird eine große Zahl derartiger Speicher betrieben. Abb.3 zeigt die Verteilung einiger dieser Speicher in Euro-
pa/Zentralasien und Nordamerika. 74
69 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.215 und Goerne, Fünf Argumente, 2004, S.3.
70 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.232-233.
71 Goerne, Fünf Argumente, 2004, S.2.
72 Dick bedeutet in der Regel mehrere hundert Meter aus einem oder verschiedenen Deckgesteinen.
73 Hier ist der Gebrauch des Begriffes Speicher anders als bei der Ablagerung von CO 2 korrekt in seiner eigentlichen Bedeutung verwandt, da das Gas wieder entnommen wird. Vgl. Abschnitt 2.2.1.4
74 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 211-212.
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Abb.3: Lage einiger geologischer Gaslagerstätten. Quelle: IPCC
In Deutschland gibt es beispielsweise in Berlin, unter den Stadtbezirken Spandau und Charlottenburg, einen großen unterirdischen Erdgasspeicher dieser Art. Die dort in etwa 800 m tiefen Sandsteinschichten ständig gelagerte Gasmenge von etwa
700.000.000 m 3 würde ausreichen um alle Gaskunden Berlins für etwa ein Jahr zu versorgen. 75 Diese Art der Speicherung von Erdgas funktioniert gut und gilt gemeinhin als sicher. Besondere Sorgfalt und Überwachung gilt den Sonden und Bohrlöchern zur Gasentnahme und -einführung, um mögliche Leckagen zu vermeiden bzw. zu entdecken und zu beheben. Hauptsächlich wegen schlecht verschlossener, verlassener Bohrlöcher und wegen geologischer Verwerfungen, ist es dennoch schon zu
Leckagen gekommen 76 .
Bei o.g. Erdgasspeicher in Berlin gab es im April 2004 einen schweren Unfall mit drei Schwerverletzten und mehreren Millionen Euro Sachschaden durch eine Explo-
sion, die bei der Reinigung einer der Sonden verursacht wurde. 77 Eine derartige Gefahr ist jedoch nicht auf CO 2 -Speicher zu übertragen, da CO 2 anders als Erdgas nicht explosiv ist und außerdem nicht wie bei der Gasspeicherung ständig entnom-
75 ZumErdgasspeicher in Berlin vgl.: Zinser, Gas, 2006 u. IPCC, Report, S. 212.
76 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 211-212 und Lippmann, M./Benson, S .Relevance, 2003.
77 Vgl.: Rogalla, Experimente, 2004, S. 15.
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men und neu zugeführt wird. Der Bedarf viele Sonden einzulassen um eine Verbindung zur Erdoberfläche herzustellen besteht hier nicht.
Die Austrittswahrscheinlichkeit bei Ablagerung in Aquiferen ist gering und nicht mit so großen direkten Gefahren für die Umwelt verbunden. Austretendes CO 2 ist nur dann für Menschen oder Tiere gefährlich, wenn es einen Anteil von 7-8 Volumenprozent an der Luft hat. Ab dieser Konzentration führt es zum Ersticken. Eine derart hohe Konzentration im Freien ist dann möglich, wenn es sich in einer Bodensenke oder ähnlichem sammeln könnte. Zu einem Unglück dieser Art kam es bei einem natürlichen CO 2 -Vorkommen unterhalb des Nyos-Sees in Kamerun. Unter diesem See sammelt sich natürlich vorkommendes CO 2, das sich langsam mit dem Wasser vermischt und austritt. Bei einem plötzlichem Überschlagen des Sees im Jahre 1986 kam es zu einem großen Austritt von CO 2 , das sich in einer großen Bodensenke sammelte und zum Erstickungstod von mindestens 1700 Menschen führte. Der Grund für dieses plötzliche Ausgasen ist ungeklärt; es wird von einem Erdrutsch
oder ähnlichem am oder im See ausgegangen. 78
Ein derartiger Ausbruch erscheint bei der geologischen Ablagerung unwahrscheinlich, da eine vergleichbare Beweglichkeit des Bodens nicht gegeben ist. Bei Aquiferen und bei leeren Öl- und Gasfeldern erscheint die wahrscheinlichste Art der Leckage durch ein langsames Verschieben der CO 2 -Blase in eine Position, in der ein Luftaustausch möglich wäre. Ein Austreten wäre also eher langsamer Natur und würde bei entsprechender Überwachung keine unmittelbare Gefahr darstellen. Die indirekte Gefahr durch ein Austreten des CO 2 , welches dann wiederum den Treibhauseffekt vorantreibt, besteht demgegenüber schon.
2.2.4.3 Weitere Ablagerungsstätten 79
Neben den genannten Ablagerungsstätten gibt es eine Reihe weiterer geologischer Ablagerungsmöglichkeiten, wie die Lagerung in nicht förderbaren Kohleflözen, bei der je nach Beschaffenheit der Flöze ECBM (Enhanced Coal Bed Methane Recovery) genutzt werden kann. ECBM bezeichnet den Vorgang der Auspressung von Methan aus Kohleflözen durch Injektion von CO 2 . Andere geologische Formationen oder Hohlräume wären ebenfalls zur Ablagerung nutzbar. Diese Ablagerungsstätten spielen jedoch aufgrund ihrer geringen Kapazität eine Nebenrolle und werden daher hier auch nicht näher betrachtet. Eine schematische Darstellung über die geologischen Ablagerungsmöglichkeiten bietet die folgende Abbildung:
78 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.308 und Kling, G. .et al., Nyos, 1994.
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Abb.4: Übersicht über geologische Ablagerungsmöglichkeiten für CO 2 . Quelle: IPCC.
Darüberhinaus gibt es noch die Möglichkeit der sogenannten mineralen Karbonisation, d.h. der Verfestigung des CO 2 in Verbindung mit Mineralien, die jedoch wegen des enormen Energiebedarfs und der noch im frühen Entwicklungsstadium befindlichen Technik, auf absehbare Zeit nicht als ernsthafte Möglichkeit des CCS diskutiert wird. Industrielle Verwendungsmöglichkeiten, z.B. in der chemischen Industrie, spielen auf Grund der ebenfalls geringen Kapazitäten und der außerdem unklaren
Verweildauer in den Endprodukten allenfalls eine Nebenrolle. 80
2.2.4.4 Potential 81
Wie in den vorhergegangenen Abschnitten gezeigt wurde, sind Abscheidung, Trans-port und Ablagerung technisch möglich, wenn es auch noch der Klärung vieler offener Detailfragen bedarf, um zur Marktreife und somit zur möglichen Anwendung dieser Komponenten in großen Maßstäben zu gelangen. Ob CCS dann tatsächlich
79 Vgl. zu diesem Abschnitt IPCC, Report, 2005, S.319-337.
80 Die Nutzung des CO 2 in Gewächshäusern um das Wachstum der dort angebauten Pflanzen zu beschleunigen ist ebenfalls nicht geeignet, da weder die Menge noch die Verweildauer in den Pflanzen, die ja in der Regel alsbald Verwendung finden, den Ansprüchen an CCS genügt. Allenfalls lokale Kleinprojekte, wie die Kooperation von Shell mit einem benachbarten Gemüsebauer in den Niederlanden nutzen diese Technik. Vgl.: Haas, L., Dünger, 2006.
81 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.94-96 und Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004 S.18-22, soweit keine gesonderten Angaben gemacht werden.
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einen bedeutenden Anteil an der Mitigation haben kann, hängt letztendlich vom Potential weltweit verfügbarer Ablagerungsstätten ab.
Zur Beurteilung dieses Potentials sind zwei Faktoren zu beachten: Zum einen die geographische Lage der Ablagerungsorte und zum anderen deren Geeignetheit große Mengen CO 2 sicher aufzunehmen. Die Lage der Ablagerungsstätten ist in so weit wichtig, als der Transport von CO 2 , wie unter Abschnitt 2.2.3 beschrieben, zwar möglich ist, über sehr weite Strecken jedoch wenig effizient wäre. Die Lage der großen Punktquellen im Verhältnis zu den möglichen Ablagerungsstätten ist also von großer Bedeutung bei der Beurteilung effektiver Speichermöglichkeiten. Diese Quellen machen ca. 60% der Gesamtemissionen von CO 2 aus und verteilen sich geographisch gesehen auf mehrere Cluster:
Cluster befinden sich in den zentralen und östlichen Bundesstaaten der USA, in den nordwestlichen und zentralen Regionen Europas (Österreich, Tschechien, Deutsch-land, Ungarn, Niederlande und Großbritannien) und in Asien (Im Osten Chinas und in Japan sowie ein kleineres Cluster im Osten des indischen Subkontinents). Diese Verteilung wird in der untenstehenden Karte sichtbar:
Die Punkte stellen jeweils große Punktquellen dar.
Abb. 5: Weltweite Verteilung großer CO 2 -Punktquellen. Quelle: Duckat, R. et al.
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Vergleicht man nun o.g. und kleinere regionale Cluster von Punktquellen mit theore-tischen Ablagerungsmöglichkeiten im Umkreis von 300 km, 82 so kommt man zu verschiedenen Befunden: Es gibt eine Vielzahl verfügbarer Ablagerungsmöglichkeiten in der Nähe der Cluster von Europa und Nordamerika. Abgesehen davon bestehen Ungleichgewichte: Auf der einen Seite gibt es Regionen wie z.B. China oder Indien, die relativ viele Punktquellen gegenüber eher wenigen Ablagerungsmöglichkeiten haben. Auf der anderen Seite gibt es Regionen, wie den Mittleren Osten, die viele mögliche Ablagerungsstätten mit relativ wenigen punktuellen Emissionsquellen verbinden. Anzumerken ist jedoch, dass mögliche Ablagerungsstätten in China und Indien relativ wenig erforscht sind und daher deren tatsächliche Zahl deutlich höher liegen könnte. Generell müssen die jeweiligen Ablagerungsstätten vor der tatsächlichen Ablagerung auf ihre Geeignetheit geprüft werden: D.h. die Zahl der tatsächlich
nutzbaren Formationen wird unter der Zahl der vorhandenen Formationen liegen. 83 Es bleibt festzuhalten, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit genug Speicherpotential besteht, um einen signifikanten Teil der Emissionen aus Punktquellen aufzunehmen, wie Tab.1verdeutlicht:
Tab. 1: Geschätzte Ablagerungskapazitäten verschiedener geologischer Reservoire. Quelle: Gale, J.
Die große Spanne der geschätzten Aufnahmekapazitäten, hängt mit der großen Menge nicht ausreichend erforschter Aquifere zusammen. Jedoch birgt selbst die pessimistischste Prognose ein großes Ablagerungspotential. Darüber hinaus liegt ein großer Teil dieser Ablagerungsstätten innerhalb des erwähnten 300 km Radius’. Auch eine längere Distanz zwischen Quelle und Ablagerungsstätte wäre jedoch kein Ausschlusskriterium für die Anwendung von CCS, da ein Transport auch über lange
82 Für das EOR-Projekt Weyburn wird CO 2 über ca. 325 km transportiert. 300 km sind also durchaus eine kommerziell zu bewältigenden Distanz. Siehe Abschnitt 2.2.6.6.
83 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.96.
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Strecken durchaus möglich und bei großen transportierten Mengen und entsprechenden CO 2 -Preisen unter Umständen immer noch lohnend seien könnte.
2.2.4.5 Sonderfall ozeanischer Ablagerung 84
Bei dieser Art der Speicherung wird CO 2 direkt ins Meer eingeleitet, wobei es ent-
weder am Meeresboden verbleiben 85 oder sich langsam im Meer auflösen soll. Problematisch sind die möglichen Auswirkungen auf marine Organismen z.B. durch Versauerung des Meerwassers. Diese Art der Speicherung wird von vielen Akteuren wegen der unerforschten Risiken und potentiellen Naturschäden kategorisch abge-
lehnt 86 und spielt in der öffentlichen Diskussion um CCS bisher keine große Rolle. Folglich wird die ozeanische Ablagerung in dieser Arbeit nicht behandelt.
2.2.4.6 Zwischenfazit Ablagerung
Insgesamt lässt sich festhalten, dass trotz der großen Variabilität der geschätzten Ablagerungskapazitäten, das Potential insgesamt enorm ist und einer signifikanten Nutzung von CCS von dieser Seite nichts im Wege stände. Die tatsächliche Geeignetheit bestimmter Formationen müsste im Einzelnen geprüft werden. Wegen der Vielzahl der innerhalb eines erreichbaren Radius’ gelegenen Ablagerungsstätten ist jedoch davon auszugehen, dass sich zumindest in den Industrieländern Ablagerungsstätten für die meisten Punktquellen finden ließen.
2.2.5 Kosten
Wie in Abschnitt 2.2.2-2.2.4 beschrieben, sind die Einzelkomponenten eines CCS-Systems oder zumindest ähnliche Verfahren bekannt und kommen verschiedentlich zum Einsatz. Diese Verfahren dienen als Ansatzpunkt, um die zu erwartenden Kosten von CCS abzuschätzen. Nichtsdestotrotz liegen die geschätzten zusätzlichen Kosten in einer sehr weiten Spanne, da viele unbekannte und/oder sehr variable Faktoren mit einfließen; angefangen von der Art der CO 2 -Quelle, Distanz und Terrain zwischen Quelle und Ablagerungsstätte, bis hin zur Beschaffenheit der Ablagerungsstätte und den regulatorischen Ansprüchen an die jeweiligen Komponenten. Zwei grundsätzliche Arten der Berechnung der Zusatzkosten gibt es: Zum einen werden die zusätzlichen Kosten pro produzierter Energiemenge in Geldeinheit/kWh
84 Vgl.: Duckat et al,. Abscheidung, 2004, S.24-27, soweit keine gesonderten Angaben gemacht werden.
85 Da CO 2 in einer gewissen Tiefe und Dichte schwerer ist als Wasser, soll es in großen CO 2 -Seen am Meeresboden lagern. Bei der Auflösung würde es von Schiffen in geringeren Meerestiefen ins Meer eingelassen, um sich dort mit dem Meerwasser zu vermischen, also gewissermaßen verklappt.
86 Vgl.: Goerne, Untergrund, 2004, S.3.
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angegeben. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, die Kosten für eine vermiedene Einheit CO 2 anzugeben; in der Regel in Geldeinheit/tCO 2 . Zu beachten ist bei Letzterem, dass eine Tonne gespeichertes CO 2 nicht gleich einer Tonne vermiedenes CO 2 ist: Die Anwendung von CCS verursachte einen Mehrbedarf an Primärenergie, z.B. durch Wirkungsgradverluste oder Energieeinsatz für den Transport und bedingt demzufolge einen Emissionszuwachs. Um die Menge vermiedener Emission zu bestimmen, muss man demnach die Emissionen, die eine Anlage mit CCS verursacht
und ablagert, mit denen einer baugleichen Anlage ohne CCS in Bezug setzen. 87 Diese Kennzahl dient als Richtwert, bei welchem Emissionspreis, sei es durch CO 2 Steuer oder Emissionshandel, sich die Errichtung einer CCS-Anlage lohnt. Die Kennzahl der Mehrkosten pro kWh erlaubt es, die Konkurrenzfähigkeit einer CCS-Anlage zu anderen Anlagen, z.B. EE-Anlagen (Erneuerbare Energien) oder Atomkraftwerken auf dem Energiemarkt zu bestimmen.
Die Gesamtkosten die bei der Anwendung von CCS bei der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen entstehen, entfallen zum überwiegenden Teil auf die Kosten für die Abscheidung, unabhängig davon welche der zur Verfügung stehenden Abscheidungstechniken eingesetzt wird. Die tatsächlich verursachten Kosten hängen von der Abscheidungstechnik und dem Kraftwerkstyp ab, wobei die Kosten bei Kohlekraftwerken mit Pulvertechnik ca. um das doppelte höher liegen als bei IGCC-Kohlekraftwerken oder Gaskraftwerken, bei denen die Kosten ungefähr im selben Rahmen liegen. Generell ist die Spannweite der geschätzten Kosten hoch, da aus Mangel an Erfahrungen sehr viele Schätzwerte in die Berechnungen einfließen und viele Faktoren, wie z.B. die Größe und das Design eines Kraftwerks einen Einfluss auf die Kosten haben.
Bei industriellen Prozessen mit CCS schwanken die Kostenvoraussagen wegen der Heterogenität der in Frage kommenden Prozesse sehr stark: In einigen Bereichen, wie der Gasförderung oder Ammoniakproduktion, in denen sehr reine CO 2 -Ströme entstehen, fallen die Abscheidungskosten weit weniger ins Gewicht als bei der Energiegewinnung, da das CO 2 auch ohne CCS abgetrennt würde. In der Regel kommen nur noch die Kosten für die Kompression des CO 2 hinzu; demnach liegen die Hauptkosten des gesamten CCS-Verfahrens bei Transport und Ablagerung. In anderen Bereichen, etwa der Zement- oder Stahlherstellung sind die Abscheidungskosten
hingegen ähnlich hoch oder sogar höher als bei der Energiegewinnung. 88
87 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 347.
88 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.344.
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Die Kostenannahmen für Transport und Ablagerung schwanken ebenso deutlich, abhängig von der Beschaffenheit der Ablagerungsstätte und der zu überwindenden Distanz von der Quelle dorthin. Im Falle von EOR/ECBM können die Kosten für Transport und Ablagerung sogar negativ sein, d.h. die durch die erhöhte Fördermen-
ge zusätzlich generierten Einnahmen übersteigen die verursachten Kosten. 89 Durch CCS generierte Einnahmen bzw. verminderte Ausgaben spielen in der Kostenbetrachtung und damit schlussendlich bei der verbreiteten Anwendung von CCS eine zentrale Rolle. Dabei stehen nicht die eben genannten Einahmen durch E-OR/ECBM im Vordergrund, sondern solche, die durch vermiedene Emissionskosten entstehen. Diese können entweder durch nicht zu zahlende Emissionssteuern zustan-de kommen, wie es beim Projekt Sleipner der Fall war, 90 oder durch vermiedene Ausgaben aus dem Emissionshandel bzw. Einnahmen aus diesem. Wie diese Einbeziehung von CCS in Klimaschutzregime aussehen könnte, wird in Abschnitt 2.4.2.2 näher erläutert. Einen interessanten Sonderfall bildet die mögliche Anwendung von CCS bei Biomasse- oder Biogaskraftwerken und die Beimischung von Biomasse zu konventionellen Kohlekraftwerken, die in der Regel auf 10-15% des Brennmaterials begrenzt ist. Darüber hinaus gäbe es noch die Möglichkeit, Biomasse bei der Wasserstoffproduktion einzusetzen. In diesen Fällen gäbe es nicht nur eine Vermeidung
von Emissionen, sondern sogar negative Emissionen: 91 Das vorher in der Atmosphäre vorhandene CO 2 würde beim Wachstum der Biomasse gebunden und nach der
Verbrennung nicht wieder in die Atmosphäre gelangen. 92 Hier könnten zusätzliche Einnahmen in einem Klimaschutzregime generiert werden, so wie es heutzutage schon bei Senkenprojekten, z.B. Aufforstung der Fall ist. Allerdings gibt es mit der
Anwendung von großen Biomasseanlagen, 93 wie sie für eine effektive Nutzung mit CCS notwendig wäre, wenig Erfahrung und somit große Unklarheiten über die Kos-
ten. 94 Die Schätzungen, ab welchem CO 2 -Preis gekoppelte Bioenergie-CCS Anlagen rentabel würden, liegen mit mindestens 54,5 USD/tCO 2 deutlich über denen für
andere CCS Anwendungen. 95
Allgemein lässt sich festhalten, dass „bei eingeführten Treibhausgaslimits viele integrierte Analysen davon ausgehen, dass CCS Systeme konkurrenzfähig zu ande-
89 Vgl.: IPCC, Report,2005, S.344
90 Siehe Absatz 2.2.6.1.
91 Vgl.: Möllersten/Yan/Moreira, Market Niches, 2003.
92 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.344 u. 358-359.
93 Solche Anlagen haben i.d.R. eine Größe von weniger als 100 MW.
94 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.344 u. 359.
95 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 358-359.
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ren großen Mitigationsoptionen, wie Atomkraft und erneuerbaren Energietechnolo-gien, sein werden“ 96 Erwartet wird ein signifikanter Einsatz bei einem Preis von 25-30 USD/tCO 2 , eine Größenordnung die im EU ETS zeitweise bereits erreicht wurde,
wenn auch die Preise momentan wieder deutlich unter dieser Marke liegen. 97 „Die Literatur 98 spiegelt die verbreitete Annahme wider, dass die Kosten für Bau und Betrieb eines CCS-Systems im Laufe der Zeit aufgrund von technologischen Fort-
schritten fallen werden“, 99 so dass diese Schwelle wahrscheinlich in absehbarer Zeit erreicht werden kann. Die meisten Studien erwarten in diesem Fall einen Anstieg des Einsatzes von CCS einige Jahre nach Einführung eines für CCS gültigen Regimes zur Emissionsreduktion und sehen den größten Einsatz von CCS Technologien in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts. Es herrscht ein breiter Konsens, dass CCS immer nur ein Teil eines breiten Portfolios klimafreundlicher Energieerzeugungsmöglich-
keiten und anderen Emissionsreduktionsmaßnahmen sein kann. 100
2.2.6 Projekte
Weltweit sind bereits einige CCS-Projekt umgesetzt worden oder in die konkrete Planungsphase eingetreten. Umgesetzt sind CCS Projekte bei der Gasförderung, während es noch kein fertig gestelltes CCS-Kraftwerk gibt, jedoch einige in Planung sind. Darüberhinaus gibt es eine Vielzahl von Forschungsprojekten aus dem Bereich
CCS. 101 Im Folgenden werden die wichtigsten bestehenden oder in Planung befindlichen Projekte beschrieben. Einen Überblick über diese und weitere Projekte bietet folgende Weltkarte:
96 IPCC, Report, 2005, S. 341. Eigene Übersetzung. Original: “With greenhouse gas emission limits imposed, many integrated assessment analyses indicate that CCS systems will be competitive with other large-scale mitigation options, such as nuclear power and renewable energy technologies.”
97 Aktuelle Informationen zur Entwicklungen des EU ETS und der Zertifikatspreise bietet beispielsweise die norwegische Firma Point Carbon. www.pointcarbon.com.
98 Für das achte Kapitel des IPCC, Report, 2005, das sich mit den Kosten von CCS beschäftigt wurde eine Reihe von Studien, Modellrechnungen und anderer Literatur zum Thema ausgewertet. Ein Verzeichnis findet sich auf S.360-362 des Reports.
99 IPCC, Report, 2005, S. 341. Eigene Übersetzung. Original: “The literature reflects a widely held belief that the cost of building and operating CO 2 capture systems will fall over time as a result of technological advances.”
100 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 341.
101
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Abb.6: CCS und ähnliche Projekte weltweit Quelle: IPCC
Bei den eingezeichneten CCS Projekten handelt es sich nur bei Sleipner und In Salah um kommerziell betriebene Anlagen. Minami Nagaoka und Frio sind sehr kleine
Forschungsprojekte. 102 Das in der Legende erwähnte Acid Gas ist in diesem Fall ein Nebenprodukt der Petroleumherstellung mit einem CO 2 -Gehalt von 14- 98%, wel-
ches an der eingezeichneten Stelle durch unterirdische Injektion entsorgt wird. 103
2.2.6.1 Sleipner 104
Das von der staatlichen norwegischen Ölfirma Statoil betriebene CCS-Projekt Sleipner ist das erste kommerziell betriebene CCS-Projekt der Welt. Seit 1996 wird ca. 250 km vor der norwegischen Küste das nach der Erdgasgewinnung aus dem Feld Sleipner West abgetrennte CO 2 , welches ca. 9% des geförderten Gases ausmacht, in die 800-1000 m tief gelegene Utsira-Formation gepresst. Diese Formation ist ein Aquifer mit einer Speicherkapazität von 1-10 GtCO 2 . Als Deckgestein fungiert hier eine massive Schicht Schiefer. Jährlich werden ca. eine MtCO 2 in die Utsira-Formation gepresst, was bei einer geplanten Gesamtlaufzeit von 20-25 Jahren eine Gesamtinjektion von 20-25 MtCO 2 bedeutet. Die Überwachung des CO 2 erfolgt seit 1999 durch das international besetzte und u.a. von der EU geförderte SACS (Saline
102 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 201.
103 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 212.
104 Vgl. IPCC, Report, 2005, S. 202 und Torp, T./Gale, J., Sleipner, 2004, S. 1361-1367 soweit keine anderen Quellen genannt werden und http://www.statoil.com/STATOILCOM/SVG00990.nsf/UNID/ D43281A43E828802C1256CBE0047D40D?OpenDocument.
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Aquifer CO2 Storage) - später SACS2 - Projekt, 105 bestehend aus Spezialisten von Instituten und Firmen vornehmlich aus europäischen Ländern. Vereinfacht zusammengefasst lässt sich sagen, dass das injizierte CO 2 sich bisher weitestgehend wie erwartet verhalten hat und eine Leckage oder unerwartete Wanderung bisher ausgeblieben ist. Die beobachtete Reaktion des CO 2 mit seiner Umgebung lässt ein Eingeschlossensein für geologische Zeiträume, d.h. mehrere 100.000 Jahre erwarten.
2.2.6.2 In Salah 106
Beim in der zentralen Sahara in Algerien gelegenen In Salah Gas Project handelt es sich um das erste große CCS-Projekt mit Ablagerung in einem Gasfeld. Betrieben wird es von einem Konsortium aus Sonatrack, BP und Statoil. Das aus dem Krechbafeld geförderte Erdgas hat einen CO 2 Gehalt von ca. 10% und wird vor Ort weiterverarbeitet und mit dem marktüblichen Reinheitsgrad nach Europa geliefert. Das hierbei abgeschiedene CO 2 wird ca. 1,5 km von der Förderanlage in einen etwa 1800 m tiefen, wasserführenden Teil des Krechbafelds injiziert, der von einer etwa 900 m dicken Deckgesteinsschicht abgeschlossen wird. Nach dem Ende der Gasförderung wird das CO 2 schließlich in den Bereich, in dem sich das Gas befunden haben wird wandern. Abb.7 zeigt diesen Vorgang schematisch. Seit Beginn der Injektion 2004 werden jährlich ca. 1,2 MtCO 2 injiziert, und bei Ende des Projekts soll sich die Gesamtmenge auf ca. 17 MtCO 2 belaufen haben.
Abb.7: In Salah Quelle: IPCC
2.2.6.3 Schwarze Pumpe
Das schwedische Energieunternehmen Vattenfall baut in Spremberg, Brandenburg neben dem bereits bestehenden konventionellen Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe
105 Informationen zu SACS:
http://www.co2captureandstorage.info/project_specific.php4?project_id=88
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ein mit Sauerstoffverbrennung betriebenes CCS-Braunkohlekraftwerk als Pilotanlage mit einer Leistung von 30 MW, das 2008 in Betrieb gehen soll. Bei erfolgreicher Umsetzung sollen ein Demonstrationskraftwerk mit 300-600 MW Leistung und schließlich ein marktreifes CCS-Kraftwerk mir einer Leistung von über 1000 MW
entstehen, welches seinen Betrieb 2020 aufnehmen soll. 107
2.2.6.4 RWE-Kohlekraftwerk
RWE plant ein Pre-Combustion CCS-Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 450 MW. Es soll das erste kommerzielle Großkraftwerk mit CCS-Technologie der Welt werden. Nach eigenen Angaben könnte es „bei einem optimalen Planungs- und
Umsetzungsverlauf bereits 2014 ans Netz gehen.“ 108 Momentan werden sowohl die Verfeuerung von Stein- als auch von Braunkohle erforscht, um je nach Ergebnis den besser geeigneten Brennstoff zu wählen Wobei RWE betont, Braunkohle zu favorisieren, da diese im Inland subventionsfrei erhältlich sei. Für ein Urteil über die Umsetzbarkeit dieser sehr ambitionierten Pläne, ist es zu diesem Zeitpunkt noch zu
früh. 109
2.2.6.5 FutureGen
Bei der US-amerikanischen CCS-Initiative FutureGen handelt es sich um eine Ausschreibung zu Planung und Bau eines CCS-Kohlekraftwerks. Dieses staatliche Förderprojekt hat ein Fördervolumen von ca. 700 Mil USD, welches durch private Investitionen von 250 Mil USD unterstützt wird. Dies entspricht insgesamt ungefähr den von RWE für ihr Kraftwerk veranschlagten Kosten. Das Projekt befindet sich noch in der Bewerbungsphase, die in Kürze abgeschlossen werden soll. Am dann ausgewählten Standort soll innerhalb von drei Jahren mit dem Bau eines CCS-
Kraftwerks begonnen werden, das ca. 2012 in Betrieb gehen soll. 110
2.2.6.6 EOR 111
EOR bezeichnet das Pressen von CO 2 in Öl- oder Gasfelder, um die Gesamtfördermenge des betreffenden Feldes zu erhöhen. Dies geschieht, indem der Druck in den Feldern erhöht wird und so Gas oder Öl, welches im Feld verblieben wäre, an die Oberfläche gedrückt wird. Veranschaulicht wird dies in Abb.4 Nummer 2.
106 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S. 203; Riddiford et al.
107 Vgl.: Uhlmann, S., Vattenfall, 2006.
108 RWE, CO 2 -freies Großkraftwerk, 2006.
109 Vgl.: RWE, CO 2 -freies Großkraftwerk, 2006 und Schuh, H., Klimafrühling, 2006.
110 Vgl.: Chemical & Engineering News, Clean-Coal, 2005 und http://www.futuregenalliance.org/.
111 Vgl.: IPCC, Report, 2005, S.215-216.
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EOR wird in den USA, besonders in Texas, seit den frühen 1970er Jahren genutzt, jedoch nicht mit dem Ziel Emissionen zu mindern, sondern einzig zur besseren Förderung. Das bedeutet, dass bei den bestehenden EOR-Projekten, mit Ausnahme vom Projekt Weyburn, Kanda, dass sein CO 2 von einer Produktionsanlage für Synthesegas
in North Dakota, USA erhält, 112 keine Vorkehrungen getroffen wurden und werden, um das Verhalten des injizierten CO 2 zu beobachten oder gar kontrollieren. Außerdem wird das CO 2 aus natürlichen Reservoiren gewonnen. In Weyburn wurden seit Beginn der Injektionen im Jahre 2000 keine Leckagen festgestellt. Insgesamt werden
in EOR-Projekten 30 MtCO 2 y -1 verpresst. Nichtsdestotrotz könnten diese Projekte natürlich zum Klimaschutz beitragen, wenn ein Nichtentweichen des CO 2 gewährleistet würde. Wichtige Erfahrungen im Bereich Transport und Verpressung, die auch für CCS nutzbar sind, liefern diese Projekte aber mit Sicherheit. So besteht durch EOR ausreichend Erfahrung mit dem Transport von CO 2 durch Pipelines Dieses Verfahren ist marktreif und kann somit problemlos für CCS genutzt werden.
2.2.7 Zwischenfazit CCS Technik
Zu den technischen Komponenten von CCS, Abscheidung, Transport und Ablagerung, bleibt insgesamt festzuhalten, dass keine grundsätzlichen technischen Einwände gegen die Anwendung von CCS bestehen. Es gibt jedoch noch erheblichen F&E Bedarf in den Bereichen Abscheidung und Ablagerung, bis ein integriertes marktreifes CCS-System in der Energiegewinnung eingesetzt werden kann. Eine absolut sichere Ablagerung von CO 2 über tausende von Jahren ist naturgemäß nahezu unmöglich zu garantieren. Es bleibt aber zu bedenken, dass eine Verzögerung der Emissionen über einen derartig langen Zeitraum einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu den globalen Mitigationsbemühungen leisten könnte. Im Kyoto-Protokoll vorgesehene Senkenprojekte, z.B. durch Aufforstung, haben oftmals eine deutlich kürzere Ablagerungsdauer. Das in geologischen Formationen gespeicherte CO 2 würde, wenn es zu Austritten käme nicht auf einmal und plötzlich austreten, sondern über kleinere Leckagen und lange Zeiträume. Da es anders als z.B. Atommüll keine unmittelbare Gefahr darstellt, wären Leckagen also durchaus tolerabel, sollte andere
Emissionsquellen, z.B. durch die Nutzung EE, deutlich zurückgegangen sein. 113 So gesehen würde CCS als Brückentechnologie auf dem Weg zu einer flächendecken- 112 Vgl.: IPCC, Report,2005, S.204.
113 Natürlich könnten bei großen Mengen abgelagertem CO 2 die Austrittsmengen irgendwann selbst für den Klimawandel signifikante Ausmaße annehmen. Allerdings stellt sich die Frage, ob das nicht immer noch besser wäre, als eine vollständige Emission in die Atmosphäre zum jetzigen Zeitpunkt.
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den Nutzung alternativer Energiequellen funktionieren. Technisch ist eine derartige Verwendung im Prinzip möglich. Dies alleine reicht jedoch noch nicht, um zu einer tatsächlichen Umsetzung zu kommen. Beispiele, wie die fehlgeschlagene Verbreitung des 3-Liter-Autos oder der geringe Transport von Gütern auf der Schiene, zeigen deutlich, dass es mehr als technischer Machbarkeit bedarf, damit sich etwas tatsächlich durchsetzt. Daher werden nun die politischen Facetten des Themas CCS näher betrachtet. Zu Beginn folgt eine Betrachtung der energiepolitischen Bedeutung der Kohle:
2.3 Energiepolitische Bedeutung der Kohle
2.3.1 Bedeutung der Kohle als Energieträger
Die Diskussion um CCS ist überwiegend eine Diskussion um CCS-Kraftwerke. Auch wenn es andere Anwendungen für CCS, wie die Erdgasförderung gibt, bei der CCS bereits heute eingesetzt wird, so treibt doch die Vorstellung in großem Umfang CCS-Kraftwerke zu bauen, die Diskussion an. Hierfür gibt es zwei Gruppen von Gründen: Technische und solche, die in der Verteilung und Größe der weltweiten Kohlevorkommen liegen.
Technisch betrachtet ist CCS bei Kohlekraftwerken besonders attraktiv, weil Kohle relativ zu anderen fossilen Brennstoffen deutlich höhere Emissionen verursacht. Der durch CCS verursachte Mehraufwand schlägt sich also in größeren CO 2 -Einsparungen nieder als bei Anwendungen mit geringeren Emissionen. Der Nutzen einer CCS-Anlage bei einem CCS-Kohlekraftwerk ist also deutlich höher als bei anderen Kraftwerken.
Dies allein macht die Attraktivität jedoch nicht aus, ceteris paribus wäre es immer noch sinnvoller Öl oder Erdgas in einem CCS-Kraftwerk zu verbrennen, alleine schon, um die Menge des zu speichernden CO 2 zu minimieren. Hier kommt die Verfügbarkeit von Kohle als wichtiger Faktor ins Spiel: Kohle ist sehr viel gleichmäßiger auf der Erde verteilt als Öl- und Gas und bietet Industrie- und Schwellenländern einen deutlich höheren Grad an Versorgungssicherheit. Öl ist zu einem überwiegenden Teil in politisch sehr instabilen Ländern, wie denen der arabischen Halbinsel (Saudi-Arabien, Iran, Irak) und Südamerikas (Venezuela) oder Russ-
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land 114 , vorhanden. Die daraus resultierenden Verwerfungen auf dem Weltmarkt und die hohe Volatilität der Preise sind ebenso bekannt, wie viele politische Konflikte, bis hin zu Kriegen, die zu einem nicht unerheblichen Teil aus dem Konflikt um Öl entstanden sind.
Die Lage bei Erdgas, welches gerne als saubere Alternative zum Öl gehandelt wird, ist nicht ganz so dramatisch, jedoch auch weit davon entfernt beruhigend zu sein. Insbesondere der große Einfluss Russlands als wichtigem Lieferanten von Erdgas, sorgt für eine sehr instabile Lage, wie die Konflikte mit früheren Sowjetstaaten, wie Georgien oder die Machenschaften und Skandale um große russische Gasfirmen wie
Yukos oder Gazprom zeigen. 115
Derartige Unsicherheiten treten bei Kohle nicht auf. Viele Industriestaaten, wie die USA, Australien und einige europäische Staaten, haben große, teilweise sehr leicht förderbare, Kohlevorkommen. Länder mit keiner oder nur sehr kostenintensiv förderbarer Kohle haben die Möglichkeit auf dem Weltmarkt verglichen mit Öl und Gas deutlich sicherer und günstiger Kohle zu erwerben. Aus Sicht der Energiesicherheit ist Kohle der mit Abstand vorteilhafteste fossile Energieträger. Doch Kohle ist nicht nur gleichmäßiger verteilt und in vielen Industrieländern direkt verfügbar, sondern hat verglichen mit anderen Energieträgern auch eine deutlich größere Reichweite. Eine Eigenschaft, die sie neben den fossilen Energieträgern, auch von Uran für die Energiegewinnung durch Atomkraft absetzt. Uran kommt zwar mit Kanada und Australien als Hauptproduzenten ebenfalls aus politisch sehr stabilen Ländern, ist jedoch seiner Reichweite ebenso wie die fossilen Energieträger
begrenzt. 116
Diese längere Reichweite dürfte dafür sorgen, dass Kohle gegenüber anderen Energieträgern mittel- und langfristig deutlich kostengünstiger bleibt. Bei diesen Prognosen ist jedoch zu bedenken, dass die eben beschriebenen geologischen und politischen Vorteile, Kohle auch für Anwendungen interessant machen für die sie heute kaum Verwendung findet. Insbesondere ist hier an die Kohleverflüssigung zu denken, durch die aus Kohle Treibstoffe erzeugt werden können. Eine derartige Zunahme der Nachfrage könnte die relative Kostengünstigkeit und große Reichweite der Kohle naturgemäß stark einschränken und sie somit zur Energiege-
114 DieUnzuverlässigkeit russischer Öllieferungen ist erst kürzlich wieder in Europa durch die Schließung der Pipeline Druschba, die u.a. Deutschland mit Öl versorgt, zu spüren gewesen. Vgl.: Ristau, O, Ölhahn, 2007.
115 Vgl.: Economist, Russia, 2006.
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winnung weniger attraktiv erscheinen lassen. Dieses Beispiel verdeutlicht die generelle Unsicherheit von Zukunftsaussichten von Energieträgern über einen längeren
Zeitraum, da hier viele unbekannte Faktoren eine große Rolle spielen können. 117 Einen besonderen Vorteil haben Kohlekraftwerke darüber hinaus auch gegenüber EE. Dieser Vorteil liegt in der sogenannten Grundlastfähigkeit, also der Möglichkeit hohe Strommengen sehr gleichmäßig und langfristig ins Stromnetz einzuleiten. Um ein konventionelles Stromnetz mit der in Industriestaaten erwarteten Zuverlässigkeit zu betreiben, sind neben den naturgemäß schwankungsanfälligen Erneuerbaren Energien bis auf Weiteres grundlastfähige Kraftwerke, wie Kohle-, Atom, Gas- oder
- wo geologisch möglich - große Wasserkraftwerke vonnöten. Eine zumindest mittelfristige Renaissance der Kohle ist aus den genannten Gründen also sehr wahrscheinlich. Der Bau neuer Kohlekraftwerke geht weltweit schon vonstatten; getrieben besonders durch den günstigen Weltmarktpreis für Kohle und die, wegen des steigenden Gaspreises, sinkende Attraktivität von Gaskraftwerken. Die Weichen, wie stark diese Kohlekraftwerke heute und in Zukunft die Umwelt belasten werden, werden heute gestellt. CCS kann dabei eine wichtige Rolle spielen.
2.3.2 Negative Eigenschaften von Kohle trotz CCS
Mit dem Abbau von Kohle sind viele negative Konsequenzen, nicht nur für die Umwelt verbunden, die alleine durch den Einsatz von CCS nicht behoben werden können: Zum einen sind dies Auswirkungen, die aus dem Kohleabbau resultieren und zum anderen solche, die aus der Verbrennung der Kohle resultieren. Der Abbau von Kohle, besonders von Braunkohle im Tagebau, hat starke umwelt-und landschaftsschädigende Folgen. So wird beim Abbau und bei der Reinigung der Kohle eine Vielzahl gefährlicher Stoffe, mit zum Teil gravierenden Umweltkonsequenzen freigesetzt. Zu diesen Schäden kommen die enormen Landschaftsschäden die durch den Tagebau verursacht werden. Oftmals werden hier ganze Berge abgetragen und Landschaften bis zur völligen Unkenntlichkeit verändert. In Deutschland sind diese landschaftsschädigenden Auswirkungen des Braunkohletagebaus, z.B. in Garzweiler, die wohl bekanntesten und am kontroversesten diskutierten negativen
116 Hier ist der Streit jedoch groß, wie begrenzt die Vorkommen tatsächlich sind. Vgl.: Grotelüschen, F., Prognosen, 2006
117 Z.B. könnten neue Rohstoffvorkommen entdeckt oder nutzbar gemacht werden, von deren Nutzung bisher aus Kosten- oder Technikgründen abgesehen wurde, z.B. die Förderung von Ölsanden oder die Erdgasförderung aus nördlichen Polarregionen. Neue Verwendungszwecke für Rohstoffe könnten diese begehrter machen oder bisherigen Nutzung könnte durch technische Neuerung verdrängt werden, wie z.B. Benzin für Fahrzuge durch Hybrid oder Wasserstoffzellenantrieb
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Folgen des Kohleabbaus. 118 Die negativen Konsequenzen durch den Abbau der Kohle beschränken sich nicht auf reine Umweltaspekte. So gibt es beim Kohlebergbau immer wieder schwere Grubenunglücke, bei denen häufig Bergleute verletzt
werden und ums Leben kommen. 119 Besonders der Steinkohlebergbau verursacht verschiedene Bergbaufolgeschäden, wie sie z.B. besonders gravierend im Ruhrgebiet auftreten, wo viele Gebäude und Straßen durch vom Einbruch alter Stollen verursachtes Absacken des Bodens beschädigt werden.
Bei der Kohleverbrennung werden verschiedenen Stoffe, die zwar keine klimaschädigenden Wirkungen entfalten, jedoch nichtsdestotrotz umweltschädlich sind. An der Vermeidung und Filterung dieser Stoffe wird laufend, nicht zuletzt unter dem Namen
Clean Coal 120 , gearbeitet. Moderne Kohlekraftwerke sind deutlich weniger umweltschädlich als ältere, jedoch entstehen immer noch viele Umweltschäden durch die Verbrennung und auch herausgefilterte Schadstoffe stellen weiterhin eine Gefährdung für die Umwelt dar und müssen entsorgt werden.
2.3.3 Zwischenfazit Energiepolitische Bedeutung der Kohle
Es bleibt also festzuhalten, dass sich die negativen Konsequenzen der Kohlenutzung weit über den Klimawandel hinaus bewegen und Kohle durch den Einsatz von CCS nicht plötzlich zu einer völlig sauberen Energiequelle wird, sondern immer noch beträchtliche lokale Schäden sowohl am Abbau- als auch am Kraftwerksstandort
verursachen kann. 121 Die energiepolitische Bedeutung der Kohle ist jedoch aus den verschiedenen genannten Gründen so enorm, dass von einer zumindest fortschreitenden und wahrscheinlich wachsenden Nutzung der Kohle als Energieträger ausgegangen werden muss. Die Frage, die sich realistisch betrachtet stellt, ist also weniger ob, sondern wie dies in Zukunft geschehen wird.
2.4 Regulatorische Fragen
Die Frage nach der Gültigkeit bestehender Regularien und der möglichen Änderung bzw. Schaffung neuer Regelungen für CCS oder einzelner Komponenten teilt sich in
118 Vgl.: Schumacher, C./Voss, O., Maria, 2006.
119 Schwere Unglücke in den Industrienationen sind zwar seltener geworden, können jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden. In Kohlebergwerken in Schwellen- und Entwicklungsländern ist die Sicherheitslage jedoch oftmals katastrophal.
120 Eine Reihe von Informationen zur Entwicklung umweltschonenderer Kohleverbrennung stellt z.B. das IEA Clean Coal Centre zur Verfügung http://www.iea-coal.org.uk/site/ieaccc/home
121 Im Vergleich zu EE, die auch negative Folgen haben können, wie z.B. Landschaftsbildes durch Windräder (Verspargelung der Landschaft) würde Kohle also weiterhin schlecht abschneiden. Abgesehen vielleicht von den durch große Wasserkraftprojekte mit Staudämmen verursachten Schäden.
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zwei Arten der Auswirkung auf CCS auf: Zum einen sind dies Regularien, die CCS von technischer Seite her regulieren oder gar verbieten. Zum anderen sind dies Regularien die Anreize zum Einsatz von CCS setzen bzw. die Integration von CCS in bestehende Anreizsysteme zum Klimaschutz bewirken. Anreize bzw. Anreizsysteme können sich dabei sowohl explizit auf CCS beziehen, wie z.B. Subventionen für bestimmte Projekte, als auch allgemeiner klimaschützender Natur sein und CCS als eine Mitigationsoption unter vielen betrachten, wie z.B. Emissionshandelssysteme.
2.4.1 Nationale Regularien
Nationale und regionale Regularien betreffen CCS auf vielfältige Weise. Umweltschutzgesetze, Gesetze zum Grundwasserschutz, Bergbaurecht, Umweltverträglichkeitsprüfungen und viele andere Bestimmungen dürften CCS auf die eine oder andere Weise betreffen. Problematisch ist hier vor allem, dass nahezu alle diese Regularien ohne das Wissen um CCS in Kraft gesetzt wurden, was meist die Grundfrage aufwirft, ob und auf welche Weise sie für CCS Wirkung entfalten. Im Rahmen der übergreifenden Betrachtungsweise dieser Arbeit kann auf einzelne nationale Regularien nicht näher eingegangen werden, dafür wäre die Analyse der Lage in einzelnen Staaten der richtige Ort. Allgemeingültig festgehalten werden kann aber, dass die überirdischen Komponenten durch bestehende Regularien relativ problemlos zu fassen sein dürften, da sich hier große Parallelen zu verbreiteten und weithin klar
regulierten Verfahren ziehen lassen. 122 Bedenken muss man in diesem Zusammenhang die teilweise lange Dauer der Genehmigungsverfahren, die beispielsweise beim Öl- oder Gas-Pipelinebau in Deutschland mehrere Jahre betragen kann, und die Umsetzung und Verbreitung von CCS verzögern könnte. Größerer Klärungs- und ggf. Anpassungsbedarf dürfte in den meisten Staaten für die Regulierung der unterirdischen Ablagerung bestehen. Indem zum einen die Gültigkeit und Implikationen bestehender Regularien geklärt werden muss und ggf. Anpassungen dieser Regularien notwendig werden könnten. Zum anderen müssten neue CSS-spezifische Regularien, z.B. zur Überwachung, geschaffen oder in nationales Recht überführt werden. Die nationalen Problemlagen ähneln in vielen Fällen den Hindernissen, die bei internationalen Regularien auftreten und im Folgenden beschriebenen werden:
122 Auf der einen Seite Regularien zum Transport von Gütern und Gefahrgütern und zum anderen solche zum Anlagenbau und Betrieb industrieller Großanlagen.
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2.4.2 Internationale Regularien
Internationales Recht ist in zweierlei Hinsicht besonders wichtig für CCS: Zum einen gibt es völkerrechtliche Vereinbarungen zum Schutz der Meere, die eine Rolle sowohl für die Ablagerung unterhalb des Meeresbodens, als auch für die direkte ozeanische Ablagerung spielen könnten. Zum anderen gibt es internationale Abkommen zum Klimaschutz, in deren konkreter Ausgestaltung bzw. Anwendung die Rolle von CCS geklärt werden muss.
Welche Gesetze und Regelungen überhaupt auf CCS anzuwenden sind ist oftmals fraglich, da diese in der Regel nicht mit dem Wissen um CCS verfasst wurden. Tab.2 bietet einen Überblick über die wichtigsten internationalen Abkommen die im Kontext von CCS zu beachten sind.
Tab.2: Wichtigste internationale Abkommen zur Berücksichtigung im Kontext von CCS. Quelle: IPCC
*Einige andere Länder haben ihre Ratifizierung angekündigt.
Darüber hinaus gibt es noch weitere in Frage kommende Abkommen, wie zum Beispiel die „Convention on Environmental Impact Assessment in a Trans-boundary Context“ oder das “Basel Protocol on Liability and Compensation for Damage Resulting from Transboundary Movement of Hazardous Wastes and their Disposal” um nur zwei zu nennen. Allerdings bilden diese „eine geringere Herausforderung bei der
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Entwicklung von CCS“ 123 und sollen daher an dieser Stelle nicht weiter behandelt werden. 124
2.4.2.1 Regularien zum Schutz der Meere
Die bedeutendsten internationalen Abkommen zum Schutz der Meere, sind UNC-LOS (United Nations Convention on Law of the Sea), Die Londoner Konvention und das Londoner Protokoll sowie OSPAR (Oslo/Paris Convention). Diese betreffen nicht nur die weithin abgelehnte ozeanische Speicherung sondern ggf. auch die unterhalb des Meeresbodens stattfindende.
2.4.2.1.1 UNCLOS 125
Wenn Ablagerung, Abscheidung 126 oder Transport im Meer stattfinden entfaltet UNCLOS, das seerechtliche Rahmenwerk der UN, Wirkung für CCS durch die in diesem Abkommen vorgenommene Einteilung des Meeres in drei seerechtliche
Zonen, die in Abb. 2 veranschaulicht werden. 127 Diese Zonen sind Territorial sea, Exclusive economic zone und High seas. In der Terretorial sea, also in einem Streifen von 12 Meilen abseits der Küste greift das jeweilige nationale Recht. Darüber hinaus besteht in der Exclusive economic zone die Regelung, dass die Staaten ober-und unterirdische Rohstoffe des kontinentalen Festlandssockels nutzen können. Dahinter liegen die high seas, welche jedem Land offen stehen. Allerdings können Staaten Beschwerde einlegen, wenn die Aktionen anderer Staaten innerhalb dieses Bereiches ihren Interessen schaden, was bei ozeanischer Speicherung und damit u.U. einhergehender Schädigung des marinen Lebensraumes durchaus der Fall sein könnte.
123 IEA, Legal Aspects, 2005, S. 23. Eigene Übersetzung. Original „represent less of a challenge to CCS development“
124 Eine detaillierte Betrachtung des bedeutenden Internationalen Rechts bieten Purdy/Macrory, Legal, 2004.
125 Vgl. für diesen Teil, IEA Legal Aspects, 2005, S.23, soweit keine anderen Angaben gemacht werden.
126 Da es normalerweise keine Kraftwerke oder Industrieanlagen im Meer gibt, kommt Abscheidung nur bei Förderung von Gas und der direkten Abscheidung von CO 2, wie z.B. bei der Plattform Sleipner in Frage.
127 Die Hauptbestimmungen von Unclos, die für CCS relevant sind finden sich in IEA, Legal Aspects, 2005, S. 43-48.
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Abb.8: Die seerechtlichen Zonen nach UNCLOS. Quelle: IEA.
2.4.2.1.2 Londoner Konvention und Londoner Protokoll 128
Die Londoner Konvention ist eines der ältesten Seeschutzabkommen und hat über 80 Mitgliedstaaten. Ihr Ziel ist es die marine Umwelt vor negativem Einfluss durch verklappten Müll oder andere gefährliche Stoffe zu schützen. Die Bedeutung der Konvention für CCS ist geringer als die des Protokolls, da sie nur das Einlagern von Flugzeugen, Plattformen oder Schiffen ins Wasser umfasst. Ablagerungen auf oder unter dem Meeresboden sind also nicht eingeschlossen. „Man könnte jedoch argumentieren, dass das Ziel der Konvention nicht nur der Schutz des Meeres ist, sondern auch des Meeresbodens, wenn die Aktivitäten dort das Meer gefährden könnten“. 129
Eine weitere ungeklärte Frage ist, inwieweit man CO 2 als Industrieabfall einordnet, denn nur die Verklappung solcher Abfälle ist Gegenstand der Londoner Konvention. Ein 1996 verabschiedetes Zusatzabkommen zur Londoner Konvention, das Londoner Protokoll, legt einen deutlich weiteren Rahmen und umfasst Schutz vor allen Verschmutzungsquellen, sowohl solchen die von Schiffen ins Wasser eingebracht werden, als auch solchen die auf oder unter dem Meeresboden gelagert werden. Die Problematik, ob CO 2 als Industriemüll zu definieren ist, stellt sich für das Protokoll
128 Vgl. für diesen Teil, IEA, Legal Aspects, 2005, S.24-26, soweit keine anderen Angaben gemacht werden und http://www.londonconvention.org
129 IEA, Legal Aspects, 2005, S.25. Eigene Übersetzung. Original: „one might argue, however, that the purpose of the Convention is not to protect the sea but also the sea-bed if activities in the sea-bed have the potential to harm the sea”.
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nicht, da es die Ablagerung aller Stoffe umfasst, die nicht auf einer Ausnahmeliste stehen. CO 2 war auf dieser Liste bisher nicht zu finden. Weshalb das Londoner Protokoll die Ablagerung im Meerwasser, ebenso wie in Lagerstätten unterhalb des
Meeresbodens unterschiedslos verboten hätte 130
Das London Protokoll ist jedoch vor kurzem angepasst worden und erlaubt nun die Einlagerung von CCS unterhalb des Meeresbodens ausdrücklich. Eine wichtige regulatorische Hürde ist somit genommen und es wird angenommen, das ähnliche
Anpassung in der im Folgenden behandelten OSPAR vorgenommen werden. 131
2.4.2.1.3 OSPAR 132
Die OSPAR ist das wohl umfassendste Abkommen zum Schutz der Meere. Da es jedoch ohne das Wissen um CCS geschrieben wurde, ist die Bedeutung die es in diesem Bereich entfaltet, unklar. Aus diesem Grund erarbeitete die „Jurist and Linguist Group“ der OSPAR einen Report zu dieser Frage, der 2004 veröffentlicht wurde. Es handelt sich bei diesem Bericht nur um eine erste Einschätzung. Er ist nicht bindend, bietet aber sicherlich gute Anhaltspunkte, wie CCS unter dieser Konvention behandelt werden könnte. Aus Tab. 3 wird ersichtlich wie die Einbringung von CO 2 in der OSPAR, abhängig vom Ort der Einbringung, bewertetet werden könnte: Tab. 3: CO2 gemäß OSPAR. Quelle: Eigene Darstellung
* Das CO 2 darf nicht offshore gebracht werden, sondern muss dort angefallen sein
2.4.2.2 Klimaschutz
Die entscheidenden Regelungen zum Klimaschutz sind UNFCCC und Kyoto-Protokoll sowie insbesondere der Emissionshandel:
2.4.2.2.1 UNFCCC und Kyoto-Protokoll
130 IEA, Legal Aspects, 2005, S.27.
131 Vgl.: http://ioc3.unesco.org/abelos/index.php?option=com_content&task=view&id=53&Itemid=54 und http://www.bellona.org/articles/London_protocol.
132 Vgl. für diesen Teil, IEA, Legal Aspects, 2005, S.26-28, soweit keine anderen Angaben gemacht werden.
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Die UNFCCC oder Klimarahmenkonvention wurde verabschiedet um die Emissionen verschiedener Treibhausgase einzudämmen, legt jedoch keine verbindlichen Ziele fest. Das dazugehörige Kyoto-Protokoll hingegen erlegt den teilnehmenden Industriestaaten verbindliche Reduktionsziele um 5,2% unter die Werte von 1990 auf. „Weder die UNFCCC noch das Protokoll schließen CCS als ein gefördertes oder
erlaubtes Mittel zur Emissionsreduktion ausdrücklich ein oder aus“. 133 Zu diesem Punkt gibt es jedoch in der Literatur auch andere Ansichten: Es wird
behauptet dass CCS sich sehr wohl im Einklang mit der UNFCCC befände. 134 Diese Ansicht wird auch in Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004 aufgegriffen und mit
folgenden Worten kritisiert: „Wobei von Germanwatch 135 - außer einer allgemeinen Erwähnung in 4.1 (d) 136 - keine entsprechende Fundstelle [von CCS] in der Konvention ausgemacht werden konnte“ 137 .
Die Autoren, welche CCS im Einklang mit der UNFCCC und dem Kyoto-Protokoll sehen, weiten die dort verwandten Kategorien und Begriffe offenbar einfach auf CCS aus und wenden sie analog an. Die überwiegende Zahl der Autoren ist jedoch der Ansicht, dass dies nicht statthaft sei, da die in der UNFCCC und im Kyoto-Protokoll erwähnten Kriterien nicht mit dem Gedanken an CCS aufgestellt worden seien. So fordert die IEA (International Energy Agency) folgerichtig: „Der Status von CCS im Kyoto-Protokoll muss klargestellt werden, um die dadurch entstehenden Vorteile,
besonders des Emissionshandelssystems, nutzen zu können.“ 138 Es gilt also zum einen zu klären, inwieweit mögliche Reduktionsziele des Kyoto-Protokolls als erfüllt gelten, wenn sie mit der Hilfe von CCS erreicht werden. Zum anderen gilt konkret zu klären wie CCS im EU ETS behandelt werden wird:
2.4.2.2.2 Emissionshandel
Das EU ETS auf Basis des Kyoto-Protokolls ist für die zukünftige Anwendung von CCS von entscheidender Bedeutung: Auch bei weiterem Fortschreiten der Technik, Lernkurveneffekten und massenhaftem Einsatz der notwendigen Technik, wird CCS
133 IEA, Legal Aspects, 2005, S. 23. Eigene Übersetzung. Original: „Neither the UNFCCC nor the Protocol expressly include or exclude CCS as an encouraged or permitted emission reduction device”.
134 Vgl.: Johnston/Santillo, Impacts, 2002 und Adams et al., Field Experiment, 2002.
135 Es handelt sich um eine Veröffentlichung der NGO Germanwatch.
136 Hier heißt es: „Senken und Speichern aller nicht durch das Montrealer Protokoll geregelten Treibhausgase, darunter Biomasse, Wälder und Meere sowie andere Ökosysteme auf dem Land, an der Küste und im Meer, fördern und dabei zusammenarbeiten“
137 Duckat, R. et al. Abscheidung, 2004, S.28.
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Zusatzkosten im Vergleich zu CO 2 -ausstoßenden Prozessen ohne die Anwendung von CCS haben. Ausgenommen sind hier EOR und ECBM Anlagen, die durch die verbesserte Ausnutzung der Rohstoffvorkommen wirtschaftlich arbeiten und dementsprechend auch schon zum Einsatz kommen. Um den Einsatz von anderen CCS-Projekten in großem Rahmen zu erreichen, ist das Setzen von finanziellen Anreizen für mögliche Betreiber unerlässlich. Das Projekt Sleipner z.B. ist für die Betreiber wirtschaftlich sinnvoll, da die Zusatzkosten durch die eingesparte CO 2 -Steuer ge-
deckt werden. 139 Neben dem Erheben einer solchen Steuer scheint die Einbindung in den bestehenden EU ETS, bzw. die nachfolgenden Vereinbarungen und andere E-missionshandelssysteme sinnvoll. Die Nutzung von CCS wäre also in dem Moment wirtschaftlich, in dem der Preis für ein Emissionszertifikat über den Kosten für die Vermeidung einer Emission durch CCS liegt. Es muss also geklärt werden, wie eine vermiedene Emission durch CCS gewertet werden soll. Denn „eine Tonne permanent gelagertes CO 2 hat den selben Vorteil im Bezug auf die atmosphärische CO 2 -Konzentration, wie eine Tonne vermiedenes CO 2 . Aber eine Tonne temporär gespeichertes CO 2 hat einen geringeren Wert, als eine Tonne vermiedenes CO 2 “ 140
Im Grunde steht sogar die Frage im Raum, ob überhaupt von Vermeidung gesprochen werden kann. Es ließe sich argumentieren, es sei nur eine Frage der Zeit, wann das CO 2 schließlich doch in die Atmosphäre gelangt. Das Problem sei nur in die
Zukunft verschoben, gewissermaßen als eine Bürde für kommende Generationen. 141 Diese Kritik gilt jedoch auch für herkömmliche Senkenprojekte, wie z.B. aufgefors-
tete Wälder, die das gespeicherte CO 2 über deutlich kürzere Zeiträume halten 142 und ungeplant früher wieder abgeben könnten, z.B. durch Waldbrände. Trotz dieser Kritikpunkte werden durch Senkenprojekte, die für den EU ETS veranschlagten Emissionsreduktionen verringert und es können über flexible Mechanismen CER
(Certified Emmissions Reductions) im EU ETS generiert werden. 143 Es ist schwer
138 IEA, Legal Aspects, 2005, S.23. Eigene Übersetzung. Original: „The status of CCS under the Kyoto Protocol has to be clarified in order for CCS to enjoy the benefits provided thereby, in particular those of the emissions trading system.”
139 Vgl.: Geoscience Online.de, Geotechnologie, 2004.
140 IPCC, Report, 2005, S. 372. Eigene Übersetzung, Original: „One ton of CO 2 permanently stored has the same benefit in terms of atmospheric CO 2 concentrations as one ton of CO 2 emissions avoided. But one ton of CO 2 temporarily stored has less value than one ton of CO 2 emissions avoided.”
141 Vgl.: Goerne, Fünf Argumente, 2004, S.4.
142 Z.B. die Lebensdauer des Waldes.
143 Die so genannten flexiblen Mechanismen CDM (Clean Development Mechanismen) und JI (Joint Implementation) basieren auf der Grundüberlegung, dass es für den Klimawandel unerheblich ist wo auf der Welt Emissionen entstehen, es also auch unerheblich ist, wo diese eingespart werden, solange überhaupt eine Reduktion stattfindet. Zur Reduktion verpflichtete Unternehmen können anstatt
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einzusehen, warum dies nicht auch für CCS-Projekte prinzipiell möglich sein sollte. Ohne eine solche Einbindung wäre eine weitreichende Nutzung in Europa sicherlich unwahrscheinlicher.
2.4.3 Zwischenfazit Regularien
Zur regulatorischen Gesamtsituation lässt sich Folgendes festhalten: Der Einbindung von CCS auf der technischen Seite in nationale und internationale Regularien stehen keine prinzipiellen Hürden entgegen. Die kürzliche Einigung, CCS unterhalb des Meeresbodens gemäß des Londoner Protokolls zu genehmigen, hat dies für die internationale Ebene gezeigt. Auf nationaler Ebene hängt eine Einbindung stark von den lokalen Akteuren ab, und Verzögerungen für CCS können von dieser Ebene ebenso ausgehen, wie große Diskrepanzen zwischen einzelnen Staaten oder Regionen in der Umsetzung von CCS. Von zentraler Bedeutung ist die Eindung in Klimaschutzregime. Hier ist die direkte Lagerung von CO 2 zwar ein Novum, sollte aber mit entsprechenden Anpassungen durchaus seinen Platz zwischen den bestehenden Kategorien Vermeidung und Reduktion durch Senken finden können. Hier sind vor allem viele Detailfragen der Berechnung von abgelagertem CO 2 zu klären.
2.5 Methodik
Das Ziel dieser Arbeit ist, wie in der Einleitung beschrieben, die Positionen der wichtigsten Akteure von CCS herauszuarbeiten. Es soll keine bereits gefällte Entscheidung oder ein Ereignis oder ein bestehendes institutionelles Gefüge ex post erklärt oder beurteilt werden. Im Bereich CCS befinden sich die Akteure vielmehr noch in einer Phase der Positionsbestimmung und des Agenda Settings. Welche Möglichkeiten der Einflussnahme die maßgeblichen Akteure dabei haben, welchen Zwängen und Beschränkungen sie unterliegen und wie sie sich dabei bisher verhalten haben, soll in dieser Arbeit herausgearbeitet werden. Die Akteure, die es dabei zu beschreiben gilt, bilden eine sehr heterogene Gruppe, aus staatlichen, nichtstaatlichen nichtprofitorientierten Akteuren und Akteuren des Wirtschaftslebens. Die angewandte Methodik sollte also dazu dienen, möglichst viele der aus politikwissenschaftlicher
eigene Emissionen zu reduzieren oder Emissionsrechte zu kaufen auch CER zukaufen die durch CDM/JI Projekte generiert wurde. Bei solchen Projekten werden in Entwicklungsländern (CDM) oder den Transitökonomien des Annex B (JI) Emissionen vermieden, die ohne den Anreiz der flexiblen Mechanismen nicht vermieden worden wären. Solche Projekte könnten bei entsprechender regu-latorischer Anerkennung auch CCS Projekte sein, die somit je nach Marktwert der generierten CER kostengünstiger oder sogar rentabel werde könnten. In der aktuellen Ausgestaltung des EU ETS ist CCS jedoch nicht vorgesehen.
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Sicht entscheidenden Charakteristika der jeweiligen Akteure zu beschreiben und zu bewerten und trotz ihrer Heterogenität einen möglichst vergleichbaren Betrachtungsrahmen zu wählen.
Erreicht wird dies durch Verwendung des MINK-Schemas, einem von Werner J. Patzelt entwickelten Topoi-Shema zur möglichst umfassenden Erfassung von „Poli-tik und politische[r] Wirklichkeit“ 144 Dieses Schema wird im in den folgenden Abschnitten entsprechend dem Thema CCS spezifiziert.
Als paralleler methodischer Ansatz dient darüber hinaus ein Vergleich der Positionierung der CCS-Akteure in der Diskussion um den Klimawandel, seine Folgen und Wege ihn zu bekämpfen bzw. darauf zu reagieren, wird künftig allgemein mit dem Begriff Klimadebatte umschrieben. Funktion dieses Vergleichs ist es, die Besonderheiten des Verhaltens der Akteure im Bereich CCS herauszuarbeiten. Die Grundfrage bei der Betrachtung lautet also immer, wie ein bestimmter Akteur zur Klimadebatte im Allgemeinen und wie er zu CCS als Mitigationsmöglichkeit im Speziellen steht; wobei diese Grundfrage, anhand des spezifizierten MINK-Schemas beantwortet wird. Die dieser Vorgehensweise zugrunde liegende Annahme ist, dass sich die Akteure bei dem Thema CCS möglicherweise anders verhalten und anderen Zwängen und Anreizen unterliegen, als es bei der allgemeinen Klimadebatte der Fall ist, obwohl CCS eine Technik ist, deren augenscheinlicher Zweck im Klimaschutz liegt.
2.5.1 Das spezifizierte MINK-Schema
Im Folgenden werden nach einer Beschreibung des allgemeinen MINK-Schemas, die vier Dimensionen Macht, Ideologie, Normen und Kommunikation erläutert und entsprechend des Themas dieser Arbeit spezifiziert.
2.5.1.1 Das MINK-Schema
Werner J. Patzelt führt das MINK-Schema in seinem Lehrbuch „Einführung in die Politikwissenschaft“ unter folgender Fragestellung ein: „Politik und politische Wirklichkeit sind offenbar ein sehr komplizierter Ge-genstand. Kann man sich ihm möglicherweise mit bestimmten Leitfragen und grundlegenden analytischen Kategorien so annähern, dass man von vorneherein ziemlich sicher sein kann, nichts Wesentliches zu übersehen? Ist es möglich, bestimmte ‚Findeorte’ von vermutlich wichtigen Sachverhalten, von erkenntnisträchtigen Fragestellungen und von nützlichen Argumenten anzugeben, die man so gut wie immer erfolgreich absuchen kann, wenn man Politik betrachtet?“ 145
144 Patzelt, W., Einführung, 2003, S.37
145 Patzelt, W., Einführung, 2003, S.37. Hervorhebungen im Original.
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Seine Antwort ist ein klares Ja. Dies sei möglich, indem man sich eines Topoi-Shemas, und zwar des MINK-Schemas bedient: Dieses hält den, welches den Anwender dazu an, sich bei der Betrachtung von Politik anhand von vier Dimensionen, nämlich Macht, Ideologie, Normen und Kommunikation zu bewegen. Bezieht man diese Dimensionen durch bestimmte Leitfragen auf politische Inhalte, Prozesse und Strukturen und ihre Wechselwirkungen, so könne man sich relativ sicher sein, die in oben gestellter Frage genannten Ziele zu erreichen. Schematisch ist diese Vorgehensweise in Abb. 9 veranschaulicht:
Abb.9: Vier Dimensionen von Politik (MINK-Schema). Quelle: Patzelt
Der Grundgedanke hinter dieser Vorgehensweise wird als Topik bezeichnet, geht auf
Aristoteles zurück 146 und wurde bereits in der rhetorischen Ausbildung im antiken Griechenland angewandt. Topik leitet sich vom griechischen Begriff Topos ‚Ort’, bzw. hier ‚Findeort’, ab und beschreibt die Vorgehensweise bereits recht gut: Es geht darum,
„auf der Grundlage praktischer Erfahrungen beim hier und jetzt nötigen Umgang mit einem bestimmten Problem … die geeigneten ‚Findeorte’ … zusammenzustellen … und dort dann zielsicher nach solchen Informationen [zu] suchen .. ,die für die Problemlösung nützlich sein mögen“ 147 Zu diesem Zweck wird ein allgemeiner Fragenkatalog entwickelt, anhand dessen sich die Findeorte und wechselseitigen Beziehungen zwischen ihnen, erschließen lassen.
146 Vgl.: Rolfes, E., Aristoteles, 1922. Eine ausführliche Betrachtung der aristotelischen Topik bietet z.B. Primavesi, O., Topik, 1996 oder Slomkowski, Topics, 1997.
147 Patzelt, W., Einführung, 2003, S.37.
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Das MINK-Schema ergibt so einen Katalog aus Leitfragen 148 , mit dem sich Themenbereiche aus politikwissenschaftlicher Sicht umfassend erschließen lassen. 149
Um das MINK-Schema wie beschrieben für die Zwecke dieser Arbeit nutzbar zu machen, werden diese Leitfragen im Folgenden für die vier Dimensionen Macht, Ideologie, Normen und Kommunikation, spezifiziert. Wobei zu Anfang jedes Abschnitt eine kurze allgemeine Definition der jeweiligen Dimension steht. Wo es sinnvoll erscheint, wird zwischen Spezifikationen zur Klimadebatte und zu CCS unterschieden, um den oben genannten Vergleich zur Klimadebatte zu erleichtern.
2.5.1.2 Macht
Der Machtbegriff, der hierbei zu Grunde gelegt wird, folgt seiner klassischen Operationalisierung nach Max Weber, der sich wie folgt zusammenfassen lässt: „M a c h t bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eignen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ 150
Seine Wirkung entfaltet diese Macht nicht nur wenn sie tatsächlich ausgeübt wird, sondern auch wenn das Gegenüber diese Macht nur als gegeben annimmt. Der Akteur kann sich in diesem Fall durchsetzen, ohne die Macht tatsächlich auszuüben, da das Gegenüber davon ausgeht, eine tatsächliche Machtprobe zu verlieren und sich folglich gar nicht erst auf eine solche einlässt.
Macht äußert sich auf drei Arten; Patzelt spricht von „drei Gesichtern“ 151 der Macht: Indem der eigene Wille durchgesetzt wird, indem eine Entscheidung verhindert wird,
die sogenannte non-descicion 152 oder Nicht-Entscheidung, oder indem die Agenda sowie die Symbole und Begriffe der öffentlichen Debatte bestimmt werden. 153
Bei den Leitfragen zur Klimadebatte lässt sich weniger gut an Webers Machtdefinition anknüpfen, als dies bei den danach entwickelten Leitfragen zur Machtfülle bei CCS der Fall sein wird. Das liegt zum einen darin begründet, dass die Chance zur Durchsetzung nicht auf den klassischen Machtinstrumenten, wie z.B. wirtschaftli-chen oder militärischen Ressourcen beruht, 154 und zum anderen, dass es sich beim
148 Vgl.: Patzelt, W., Einführung, 2003, S.39-46.
149 Vgl.: Patzelt, W., Einführung, 2003, S.37.
150 Weber, M., Wirtschaft, 1922, S.28. Hervorhebung im Original.
151 Patzelt, W., Einführung, 2003, S. 41.
152 Kevenhörster, P., Politikwissenschaft, 2003, S. 34.
153 Vgl.: Patzelt, W., Einführung, 2003, S. 41.
154 Vgl.: Patzelt, W., Einführung, 2003, S. 39 und Nassmacher, H., Politikwissenschaft, 2002, S. 10-
11. Es wäre natürlich rein theoretisch möglich, dass ein Staat militärische oder wirtschaftliche Macht nutzt, um den Klimawandel einzudämmen; praktisch scheint es jedoch undenkbar, dass ein Staat z.B.
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Klimawandel um ein geradezu idealtypisches Trittbrettfahrerproblem handelt: Der Nutzen aus der klimaschädigenden Aktivität, z.B. dem Autofahren, liegt beim Verursacher, während die Kosten, nämlich die Folgen des Klimawandels, großteils von der Allgemeinheit und nur zu einem verschwindend geringen Teil vom Verursacher selbst getragen werden. Man spricht in solchen Fällen von sogenannten externen
Kosten. 155 Umgekehrt ist es so, dass dem Individuum bei der Vermeidung des Kli-mawandels Kosten 156 , z.B. durch die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, entstehen während der Nutzen wiederum großteils der Allgemeinheit zugute kommt und dem Vermeidenden nur zu einem sehr geringen, nicht spürbaren Teil. In Verbindung
mit dem globalen Ausmaß 157 dieses Trittbrettfahrerproblems bedeutet dies übertragen auf die Machtfrage, dass kein Akteur unmittelbar und allein den Klimawandel
verursachen oder verhindern kann. 158
Die hier zu klärende Frage lautet daher: Wer beeinflusst das Klima am stärksten? Denn derjenige Akteur hat auch die größten Möglichkeiten durch sein Verhalten den Klimawandel zu beeinflussen. Hauptsächlich lässt sich das anhand des Treibhausgasausstoßes, den ein Akteur direkt oder indirekt zu verantworten hat bzw. beeinflussen könnte, festmachen. Wobei der Einfluss auf das Verhalten anderer eine nicht zu unterschätzenden Rolle spielt, z.B. indem durch die Vergabe von Hilfsmitteln oder Investitionsentscheidungen in Entwicklungs- und Schwellenländern die Weichen für den dortigen Einfluss auf das Klima gestellt werden oder indem beispielsweise seitens der Erzeuger über Preissignale und Wahlmöglichkeiten Einfluss auf den Energieverbrauch genommen werden kann. Etwas anders verhält es sich bei Akteuren die
keine eigenen Emissionen zu verantworten haben, 159 wie z.B. Interessengruppen. Hier stellt sich die Frage, ob sie Akteure dazu bewegen können ihr Emissionsverhalten zu ändern, z.B. indem sie (öffentlichen) Druck auf diese ausüben oder indem Sie
Kohlekraftwerke bombardiert oder per Seeblockade die Zufuhr fossiler Rohstoffe blockiert um andere Staaten am Emmitieren von THG zu hindern. Ebenso wird es wohl kaum Wirtschaftsblockaden zur Abwendung des Klimawandel geben. In abgeschwächter Form, z.B. Klimastandards als Han-delsvoraussetzung oder Schutzzölle gegen emissionsintensive Produkte, wäre ein Einsatz des wirtschaftlichen Machtpotentials zum Klimaschutz jedoch durchaus denkbar.
155 Vgl.: Frantzke, A., Volkswirtschaftslehre, 1999, S. 293-299 und 388-396 sowie Fehl, U./Oberender, P., Mikroökonomie,1999, S. 299-302.
156 Man beachte, dass hier nicht monetäre Kosten sondern ein weiter gefasster Kostenbegriff zugrunde gelegt werden. Kosten sind in diesem Beispiel etwa der Verlust an Zeit und Komfort gegenüber der Autonutzung.
157 In kleinem Ausmaß, z.B. beim Deichbau an der Küste, lässt sich ein Trittbrettfahrerproblem durch staatlichen Eingriff relativ leicht lösen. Bei einem globalen Problem fehlt diese übergeordnete Instanz jedoch.
158 Zur Trittbrettfahrerproblematik siehe auch Kapitel 2.1.
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Einfluss auf entsprechende Regularien nehmen können. Ihre Macht ist hier stark mit den Möglichkeiten der Kommunikation verbunden. Tatsächliche Macht können solche Akteure darüber hinaus durch die Einbindung in Entscheidungsprozesse, wie denen des Kyoto-Protokolls erlangen. Hier stellt sich die Frage, wie weit nichtstaatliche Akteure in solche Prozesse eingebunden sind und wie stark der tatsächliche Einfluss dieser Akteure ist.
Bei CCS lässt sich die Frage nach der Macht hingegen gut anhand von Webers Machtdefinition beantworten. Abgeleitet lautet dementsprechend die zentrale Frage: Kann der Akteur die Umsetzung von CCS seinen Interessen oder seines Willens gemäß maßgeblich beeinflussen?
Zur genaueren Bestimmung der Antwort ist es sinnvoll, spezifischere Unterfragen zu formulieren: Wäre oder ist der Akteur unmittelbar an der Umsetzung von CCS beteiligt? Gegen welche oder gegen wessen Widerstände könnte er die Umsetzung von CCS beeinflussen oder auch nicht? Kann er die Umsetzung von CCS maßgeblich erschweren oder sogar verhindern, d.h. eine Nicht-Entscheidung herbeiführen? Hat er Machtbefugnisse, die ihm eine besondere Machtposition gegenüber den anderen Akteuren ermöglichen? Kann er Öffentlichkeit herstellen? Gibt es vergleichbare Konflikte, in denen er seine Interessen durchsetzen konnte oder auch nicht, wie Z.B. Braunkohletagebau, EU ETS, Förderung von EE?
2.5.1.3 Ideologie
Die Verwendung des Begriffes Ideologie ist an dieser Stelle leicht missverständlich, da Ideologie im allgemeinen Sprachgebrauch oftmals einen eher negativen Grundton
im Sinne von „falsche[m] Bewußtsein“ 160 , d.h. einer vorgefassten und eingeschränkten Sicht der Dinge, hat. Hier ist jedoch von einem weiter gefassten Ideologiebegriff, als einem System von Grundeinstellungen und Werten, auszugehen. Also eine wertfreie Verwendung im Sinne von Weltanschauung; wie die Akteure auf die Welt schauen; wie sie die Welt wahrnehmen. Hierzu ist eine wichtige Unterscheidung zweier Wirklichkeiten zu treffen: Der Operationswirklichkeit, als der realen Handlungsumgebung in der sich eine Akteur bewegt und der Perzeptionswirklichkeit, als die Handlungsumgebung wie sie der Akteure wahrnimmt, in der er also annimmt zu
handeln. 161 Es ist wichtig zu beachten, dass die Perzeptionswirklichkeit Rückwirkun-
159 Gemeintsind bedeutende Mengen an Emissionen, wie bei Energieunternehmen oder Staaten, die eine große Menge durch Regularien direkt beeinflussen können, und nicht Emissionen verursacht durch Reisen, Gebäude etc., die natürlich auch bei Interessenorganisationen anfallen.
160 Patzelt, W., Einführung, 2003, S. 42.
161 Vgl.: Patzelt, W., Einführung, 2003, S.42-43.
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gen auf die Operationswirklichkeit entfaltet. Die Akteure richten ihr Handeln anhand der Wirklichkeit, wie sie sie wahrnehmen (Perzeptionswirklichkeit) aus; dieses Handeln hat jedoch seinerseits reale Konsequenzen und wirkt somit auf die Operationswirklichkeit ein. Dieses Phänomen wird nach dem Soziologen William Isaac Thomas
als Thomas-Theorem bezeichnet. 162
Sowohl für CCS als auch die Klimadebatte bilden die Technik CCS und der Klima-wandel an sich die Operationswirklichkeit für alle Akteure gleichermaßen. In dieser Arbeit werden die in Kapitel 2.2 zu CCS und Kapitel 2.1 zum Klimawandel gemachten Aussagen als Operationswirklichkeit angenommen und auf dieser Grundlage die
Akteure analysiert. 163 Methodisch betrachtet sind diese Abschnitte also nicht nur eine Einführung in das Thema dieser Arbeit, sondern auch eine eingehende Analyse der allen Akteuren gemeinsamen Operationswirklichkeiten und dienen somit als Grundlage für die individuelle Analyse anhand des MINK-Schemas. Die individuelle Operationswirklichkeit in der Klimadebatte lässt sich anhand folgender Leitfragen bestimmen: Ist/Wird der Akteur vom Klimawandel betroffen (sein)? Wenn ja, auf welche Weise? Ist er in besonderem Maße betroffen? Welche Möglichkeiten der Adaption hat er und mit welchen Kosten wären diese für Ihn verbunden? Wie groß sind seine Möglichkeiten zur Mitigation? Wie hoch wären die Mitigationskosten für ihn? Hier gibt es naturgemäß Überschneidungen zur Machtfrage, die Einordnung erfolgt daher kontextabhängig. Die Perzeptionswirklichkeit wird anhand folgender Fragen deutlich: Nimmt der Akteur den Klimawandel als Bedrohung war? Wie schätzt er seine Möglichkeiten zur Adaption ein? Betrachtet er sich als (mit)verantwortlich? Wie schätzt er seine Möglichkeiten und vor allem seine Kosten zur Mitigation ein?
Die individuelle Operationswirklichkeit CCS lässt sich anhand folgender Fragen erschließen: Werden vom Akteur Anlagen betrieben (werden), die sich zur Anwendung von CCS eignen? Bestehen das nötige technische Know How und die Mittel
162 Thomas beschrieb das Phänomen wie folgt: „If men define situations as real, they are real in their consequences” (Thomas,W., Child, 1928, S. 572), ‚Wenn Menschen Situationen als real ansehen, sind diese in ihren Konsequenzen real’ (eigene Übersetzung). Vgl. darüberhinaus: Merton, R., Thomas Theorem, 1995.
163 Diese Vorgehensweise sei an folgenden Beispielen veranschaulicht: Der Zusammenhang zwischen THG-Emissionen und anthropogenem Klimawandel wird als hinreichend gesichert angenommen (Kapitel 2.1). Dementsprechend bildet diese Tatsache einen Teil der Operationswirklichkeit Klimadebatte aller betrachteten Akteure, unabhängig davon ob sie diesen Zusammenhang annehmen oder bestreiten. Ebenso wird plötzliches Austreten von in Aquiferen abgelagertem CO 2 als extrem unwahrscheinlich angesehen (Abschnitt 2.2.4.2) und somit als Teil der Operationswirklichkeit CCS aller Akteure behandelt.
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zur Umsetzung solch eines Betriebs oder könnten sie zugänglich gemacht werden? Sind eigene Kohlevorkommen vorhanden oder ist die Versorgung mit Kohle so weit gesichert, dass eine Energieversorgung durch Kohle in Betracht gezogen werden könnte? Bestehen eigene Ablagerungsstätten oder besteht ausreichender Zugang zu solchen? Wäre der Akteur von der Umsetzung von CCS direkt oder indirekt betroffen? Eine derartige Betroffenheit wäre z.B. durch räumliche Nähe zu Lagerstätten oder Transportwegen, durch positive oder negative wirtschaftliche Konsequenzen durch veränderte Nachfrage- oder Angebotslage oder veränderte Fördermittel denkbar.
Die Perzeptionswirklichkeit lässt sich über folgende Fragen bestimmen: Nimmt der Akteur CCS als Möglichkeit zur Mitigation wahr? Betrachtet er CCS als zur Mitigation geeignet? Wie schätzt er seine Fähigkeit die Umsetzung von CCS voranzutreiben bzw. zu verhindern ein? Fühlt er sich bzw. seine Interessen von CCS bedroht?
2.5.1.4 Normen
Der Begriff Normen bezeichnet sowohl formale als auch informale politische Rege-
lungen, „die das politische Handeln formen“ 164 und dabei sowohl Werte ausdrücken als auch nach praktischen Gesichtspunkten ausgerichtet sein können. Darüberhinaus dienen Normen als Interpretationshilfsmittel um das Handeln anderer Akteure einzu-
ordnen und zu deuten. 165
Hier ist eine Aufteilung in Klimawandel und CCS nicht zweckmäßig, da die Fragen für beide Bereiche gleich lautend nutzbar sind. Betrachtet werden Normen hier zum einen im Sinne von Regeln für den Umgang mit dem Klimawandel bzw. der Mitigation und die Positionen, welche die Akteure zu diesem einnehmen und wie sie diese beurteilen. Welche Regeln erwartet der Akteur und wird er diese befolgen (müssen)? Wie steht der Akteur zu Regeln des Klimaschutzes wie z.B. des Kyoto-Protokolls, EU ETS, UNFCCC. Wie steht der Akteur zu marktwirtschaftlichen, ordnungspolitischen oder freiwilligen Maßnahmen? Wie ist seine Einstellung zu Regeln des Umweltschutzes?
Zum anderen werden Normen aber auch weitergefasst und im Sinne von Interpretationshilfsmitteln analysiert. Hier stellt sich die Frage, anhand welcher bestehenden Regeln, Normen und Verhaltensweisen Akteure das Handeln anderer Akteure interpretieren und welches Handeln sie als Reaktion auf diese Normen erwarten? Damit
164 Kevenhörster, P., Politikwissenschaft, 2003, S. 34.
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verbunden stellt sich die Frage, ob sie eine Befolgung oder einen Bruch dieser Normen erwarten?
2.5.1.5 Kommunikation
Kommunikation bezeichnet den „Austausch von Informationen und Sinndeutun-
gen“ 166 auf allen denkbaren Kanälen, von Massen- oder Fachmedien über Veranstaltungen und Kampagnen bis zu persönlichen Gesprächen. Kommunikation wie sie hier verstanden wird, dient dem Zweck politische Wirklichkeit zu konstruieren z.B. indem auf Perzeptionswirklichkeiten Einfluss genommen wird oder Entscheidungen
begründet und erläutert werden. 167
Auch in diesem Bereich ist eine Aufteilung in verschiedene Fragen für die Bereiche Klimawandel und CCS nicht zweckmäßig. Besonders interessant ist jedoch, ob die Antworten für die jeweiligen Bereiche Diskrepanzen aufweisen. Wichtige Fragen zur Erfassung der Dimension Kommunikation lauten: Wem gegenüber, wie intensiv und auf welchen Kanälen wird die eigene Position kommuniziert? Findet eine offene Kommunikation der eigenen Positionen statt, oder wird selektiert, verkürzt, sinnentestellt oder gar irreführend dargestellt? Wird versucht auf die Klimadebatte oder auf die CCS-Debatte Einfluss zu nehmen, z.B. indem (wissenschaftliche) Forschungsergebnisse verbreitet werden? Werden solche Ergebnisse anderer in Frage gestellt, geleugnet oder gar durch Fehlinformationen gegengesteuert? In wie weit deckt sich die kommunizierte Position mit dem tatsächlichen Handeln, treten hier Diskrepanzen auf? Wird die Position anderer Akteure thematisiert? Wenn ja, geschieht dies positiv oder negativ wertend?
2.6 Die Akteure
Um den Rahmen einer solchen Arbeit nicht durch die Betrachtung aller irgendwie mit CCS in Berührung stehender Akteure zu sprengen, ist es wichtig herauszuarbeiten, welche Akteure die entscheidenden sind, wenn es um die Umsetzung von CCS geht. Es stellt sich also zuerst einmal die Frage, welche Akteure ein besonderes Interesse an CCS haben könnten. Da sich CCS zwei breiten Themenfeldern zuordnen lässt - Energieversorgung und Klima - ist es sinnvoll als ersten Schritt eine Eingrenzung auf diejenigen Akteure vorzunehmen, die besonders mit einem oder sogar
165 Vgl.: Patzelt, W., Einführung, 2003, S.44.
166 Kevenhörster, P., Politikwissenschaft, 2003, S. 35.
167 Vgl. Patzelt, W., Einführung, 2003, S.45.
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beiden Feldern verbunden sind um danach eine besondere Nähe zu CCS zu untersuchen. Als erste große Akteursgruppe im Feld Klima- und auch Energiepolitik sind staatliche Akteure zu nennen. Beide Felder sind ob ihrer Komplexität, Umfassendheit und gesellschaftlichen Bedeutung klassische Betätigungsfelder für staatliche
Akteure. 168 Da „die meisten Analysen darauf schließen lassen, dass ... der frühe Einsatz von CCS in den industrialisierten Nationen stattfinden wird“ 169 , weil viele von ihnen durch das Kyoto-Protokoll zu Emissionsreduktionen verpflichtet sind und sie am ehesten die technischen und finanziellen Möglichkeiten für eine Umsetzung
von CCS vorweisen können, 170 werden nur industriestaatliche Akteure näher betrachtet.
Da wie in Kapitel 2.5 beschrieben die Position in der Klimadebatte als analytische Vergleichsgrundlage fungiert, werden die betrachteten staatlichen Akteure in zwei Gruppen eingeteilt. In solche die der Mitigation positiv unterstützend gegenüberstehen und solche, die derartige Maßnahmen eher ablehnen. Beide Gruppen werden allgemein untersucht, wobei einzelne Akteure exemplarisch hervorgehoben werden. Die zweite große Gruppe bilden die nichtstaatlichen Akteure. Auch hier findet aus genannten Gründen eine Beschränkung auf Akteure aus den Industriestaaten statt. Besonders wichtig in der Klimadebatte und CCS sind hier zum einen die klassischen großen Energieunternehmen als wichtige Emittenten und als diejenigen, welche CCS
Kraftwerke bauen und betreiben würden. 171 Gewissermaßen auf der anderen Seite stehen Energieunternehmen aus dem Bereich der EE, die bisher, von der Sonderstellung der Atomkraft abgesehen, den Großteil klimafreundlicher Energie erzeugen. Weitere mit CCS in Verbindung stehende Akteure sind Umweltgruppen, die im Bereich Klimaschutz aktiv sind und daher ein Interesse an einer Mitigationsoption wie CCS haben.
168 Wegen der zentralen Netzstruktur besteht im Energiemarkt, ähnlich wie bei andern Netzgebundenen Gütern eine natürliche Gefahr, der Monopol oder Oligopolbildung. Inwieweit staatliches Eingreifen hier geboten ist, ob also eine Marktregulierung oder eine komplett staatliche Versorgung zu bevorzugen sind, soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden. Entscheidend ist allein die Feststellung, dass überall auf der Welt der staatliche Einfluss auf die Energieversorgung sehr groß ist, sei es durch Regulierung der Märkte oder komplett staatliche Energieversorgung. Der Klimabereich bedarf ob seiner globalen Auswirkungen und der Trittbrettfahrerproblematik ebenfalls unzweifelhaft staatlich unterstützte Lösungen.
169 IPCC, Report, 2005, S. 341. Eigene Übersetzung. Original: „Most analyses indicate that (…) early CCS deployment will be in the industrialized nations”
170 Entwicklungs- und auch Schwellenländer werde aus verschiedenen Gründen, wie Mangel an Kapital, fehlenden Klimaschutzverpflichtungen, CCS vorerst nicht in erwähnenswertem Maße für sich nutzen.
171 In den betrachteten Industriestaaten ist ein komplett staatlicher Bau und Betrieb äußerst unwahrscheinlich.
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2.6.1 Nichtstaatliche Akteure
In diesem Abschnitt werden die entscheidenden nichtstaatlichen Akteure einer näheren Analyse nach den in Abschnitt 2.5.1 dargelegten Kriterien unterzogen. Zuerst wird jedoch die Auswahl der beiden großen Akteursgruppen, Energieunternehmen und Umweltorganisationen begründet und erklärt, warum andere nichtstaatliche Akteure als weniger wichtig für CCS erachtet werden:
Die nicht betrachteten Akteure, von nun an als Nebenakteure bezeichnet, zeichnen sich durch zwei Merkmale aus: Sie sind mit der Umsetzung von CCS nicht entscheidend befasst und/oder zeigen wenig Interesse an der Thematik, haben also kaum oder nur wenig ergiebige Aussagen zu diesem Thema getroffen. Exemplarisch sei am Beispiel der Gewerkschaften und der Finanzdienstleister erklärt, warum eine dezidierte Einzelbetrachtung dieser Nebenakteure nicht vorgenommen wird: Gewerkschaften aus dem Bereich der Energiebranche, die je nach Land anders aufgeteilt sind, haben ein Interesse an CCS, da die hiermit verbundenen Einflüsse auf die Nutzung von fossilen Energieträgern auch auf die Arbeitnehmer in diesen Branchen Auswirkungen entfalten. Umgekehrt gilt dies natürlich auch für Arbeitnehmer aus Branchen die in Konkurrenz zur Energiegewinnung aus fossilen Quellen stehen. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass Gewerkschaften eine entscheidende Rolle bei CCS spielen werden. Das Thema eignet sich kaum für massenwirksame Proteste um Arbeitsplätze etc., da es als singulärer Grund für Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt oder in der Arbeitsqualität wohl kaum in Frage kommt. Die bisherigen Äußerungen von Gewerkschaften gehen denn auch über prinzipiell befürwortende Allgemeinplätze nicht hinaus.
Finanzdienstleister wären von einer Umsetzung von CCS ebenfalls tangiert, z.B. durch die Auswirkungen auf den Emissionshandel oder durch die Nachfrage nach Versicherungsdienstleistungen oder Projektfinanzierung. Hier ist jedoch die Entwicklung noch in einer Phase in der derlei Dienstleistungen nicht in breitem Maße auf den öffentlichen Märkten nachgefragt werden und selbst wenn sich dies ändert, dürften sich mittelfristig nur wenige spezialisierte Unternehmen oder Abteilungen mit dem Thema dezidiert auseinandersetzen und sich eher über die Entwicklungen informieren als aktive Einflussnahme auszuüben.
Die zwei ausgewählten nichtstaatlichen Hauptakteure hingegen haben in der Diskussion um CCS eine völlig andere Stellung, da ihre Kernaktivitäten hier direkt angesprochen werden. Sie sind sowohl in die Fragen der Energiegewinnung als auch in die Klimadebatte massiv involviert und haben deutliche Interessen. Wie genau diese
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Betroffenheit aussieht und wie die tatsächlichen Einflussmöglichkeiten sich gestalten, wird in der nun folgenden Detailanalyse geklärt werden. Andere nichtstaatliche Akteure, wie z.B. Presse/Medien, breite Öffentlichkeit, Forschungseinrichtungen etc. werden nicht explizit nach dem vorgegebenen Schema betrachtet, da sie auf diese Weise nicht sinnvoll fassbar sind. Diese Akteure verfolgen, anders als die näher betrachteten, keine Eigeninteresse beim Klimawandel im Allgemeinen und CCS im Speziellen und sind zudem in sich zu heterogen und treten nicht als handelnde Einheit auf. Ihre Rolle wird en passant beschrieben, z.B. über die Frage, ob sich das Unwissen der breiten Öffentlichkeit zu CO 2 positiv oder negativ auf die Handlungsfähigkeit der Umweltorganisationen auswirkt.
2.6.1.1 Energieunternehmen (ohne EE)
2.6.1.1.1 Ideologie
Energieunternehmen sind vom Klimawandel stark betroffen, da ihr Hauptgeschäftsfeld gleichzeitig die Hauptursache für den Klimawandel ist. Alle großen Energieunternehmen der Welt generieren den weitaus größten Teil ihres Umsatzes in Verbindung mit fossilen Rohstoffen: Sei es durch Exploration, Verarbeitung und Verkauf von Öl- oder Gas (wie z.B. BP, Statoil, Exxon oder Chevron), durch die Förderung, Weiterverarbeitung und den Verkauf von Kohle oder die Produktion von Energie, d.h. hauptsächlich Elektrizität (wie z.B. Vattenfall oder Eon). Dadurch, dass Mitigationsmaßnahmen hauptsächlich auf eine THG-Emissionsreduktion durch Minderverbrauch von fossilen Energieträgern setzen, sind Energieunternehmen durch derlei
Maßnahmen direkt in ihrer zentralen Geschäftstätigkeit bedroht. 172 Diese indirekte Betroffenheit durch den Klimawandel hat den stärksten Einfluss auf die Energieunternehmen, berührt ihre Operationswirklichkeit also in besonderem Maße. Die indirekten Mitigationskosten für diese Branche wären besonders hoch. Energieunternehmen sind natürlich auch direkt den Folgen des Klimawandels ausgesetzt, wie z.B. der Schaden an Bohrinseln und Raffinerien durch den Hurrikan Katrina 2005 gezeigt
hat. Diese Bedrohung betrifft jedoch auch andere Branchen 173 oder wirkt sich noch
172 Natürlich muss man festzuhalten, dass bisherigen Mitigationsbemühungen bestenfalls zu einem geringeren Verbrauchzuwachs in einigen Industrieländern geführt haben, eine Tatsache die durch die vermehrte Nachfrage und den damit verbundenen steigenden Energiepreisen mehr als überkompensiert wird. Die momentanen Rekordgewinne nahezu aller Energieunternehmen zeigen deutlich, dass die geschilderte Bedrohung bisher nicht konkret geworden ist. Nichtsdestotrotz steht es außer Frage, dass eine massive Ausweitung der Mitigationsbemühungen zwangsläufig zu Umsatz und Gewinneinbußen bei Energieunternehmen führen würde.
173 Z.B. erlitten die Supermarktkette Wal Mart und die Fastfoodkette McDonalds große Verluste da viele ihrer Filialen beschädigt wurde.
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stärker aus 174 und stellt somit für die Operationswirklichkeit von Energieunternehmen kein besonderes und auch kein entscheidendes Merkmal dar. Als Adaption an die indirekte Bedrohung durch Mitigationsbemühungen käme eine Diversifikation der Geschäfte in nicht klimaschädigende Energieerzeugung in Frage, nämlich EE, Atomenergie oder als neue Möglichkeit CCS. Das Ausweichen in den EE-Markt scheint kurz und mittelfristig nicht geeignet, da die Abhängigkeit vom Geschäft mit fossilen Energieträgern, enorm hoch ist. Dies gilt selbst für die Firmen, die den Weg in Richtung EE am weitesten gegangen sind, wie z.B. BP oder Shell. Die Perzeption des Klimawandels durch Energieunternehmen ist schwieriger zu beurteilen als die Operationswirklichkeit, da geeignete Kriterien schwer zu finden sind. Beurteilen ließe sich diese zum einen durch die Handlungen der Energieunternehmen und zum anderen durch die Kommunikation nach außen. Die Schwierigkeiten bei der Beurteilung der Kommunikation und der verfolgten Kommunikationsstrategien werden weiter unten näher analysiert. Wenn die Energieunternehmen die oben geschilderte Bedrohung durch Mitigation wahrnehmen, müsste sich dies in ihren tatsächlichen Handlungen zeigen, indem sie versuchen Mitigationsbemühungen zu verhindern oder zumindest zu minimieren. Dieses Verhalten lässt sich am Beispiel der NAP (Nationaler Allokationsplan) zum EU ETS folgerichtig gut beobachten: Die Energieunternehmen haben in allen EU Ländern massives Lobbying betrieben, um
die Belastungen durch das EU ETS möglichst gering zu halten. 175 Damit haben sie einen bedeutenden Beitrag dazu geleistet, dass durch umfassende Ausnahmeregelungen, großzügiger Gesamtcaps und der kostenlosen Vergabe anstelle einer von den meisten Ökonomen bevorzugten Versteigerung der Emissionsrechte, das EU ETS
nahezu ad absurdum geführt wurde. 176 Besonders Energieunternehmen konnten sogar noch zusätzliche Einnahmen generieren. 177 Der Sturmlauf der Energieunternehmen gegen die Verschärfung der Regularien für die kommende Zuteilungsperiode zeigt überdeutlich, dass sich diese der Bedrohung völlig bewusst sind. Die geschilderte Adaptionsmöglichkeit durch Diversifikation nehmen viele Energieunternehmen war und binden dies auch stark in ihre Kommunikationsstrategien ein.
174 Z.B. bei den Finanzdienstleistern, die über die Risiken ihrer Kunden in besonderer Weise finanziell durch den Klimawandel bedroht sind. Vgl.: Allianz/WWF, Climate Change, 2005, S.25-44.
175 Vgl.: Markussen/Svendsen, Industry lobbying, 2005.
176 Die Tatsache, dass fast alle Länder zu viele Emissionsrechte verteilt hatten führte zu einem Einbruch der CO 2 -Märkte in 2006. Die durch den EU ETS eingesparten Emissionen sind dementsprechend bisher enttäuschend ausgefallen. Vgl.: Kolshus/Torvanger, Allocation Plans, 2005 und Rogge/Schleich/Betz, Early Assessment, 2006.
177 Durch das sogenannte Einpreisen der Zertifikate haben die Unternehmen große Gewinne aus dem EU ETS realisieren können. Vgl.: ZDF.de, Milliardengewinne, 2006.
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Der immer noch geringe Anteil am Gesamtumsatz spricht entweder für mangelnde Ausbaumöglichkeiten oder für eine Alibifunktion dieser Tätigkeiten. Die Aktionen gegen EE-Förderung seitens der etablierten Energieunternehmen, beispielsweise in Deutschland gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz, deuten allerdings daraufhin, das EE eher als Bedrohung des Kerngeschäfts oder nur als bedingt gangbare Alternative angesehen werden.
Die Operationswirklichkeit der Energieunternehmen lässt sich relativ leicht bestimmen: CCS-Anlagen werden zukünftig ausschließlich von Energieunternehmen betrieben werden. Die meisten der Unternehmen betreiben denn auch bereits Anlagen, bei denen CCS theoretisch in Frage käme. Das technische Know-How für den Betrieb der Komponenten eines CCS-Systems besteht zu einem großen Teil in der Gruppe der Energieunternehmen, jedoch meist nicht in einem einzigen Unternehmen
vereint. 178 So wären Kooperationen oder Technologietransfer zwischen den Unternehmen mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen bei den Einzelkomponen-
ten denkbar. Energieunternehmen verfügen auch über enorme F&E Kapazitäten, 179 die für die Entwicklung von CCS-Systemen eingesetzt werden können und auch schon werden. Umfangreiche Kooperationen mit verschiedenen Forschungseinrichtungen komplettieren das F&E-Potential. Eine Einführung von CCS würde den Energieunternehmen Vorteile bringen, da fossile Energieträger an Attraktivität gewännen und sie somit ihre wirtschaftliche Position stärken könnten. Die oben geschilderte Bedrohung durch Mitigation würde also abgeschwächt. Ein weiterer positiver Nutzen von CCS für die Energieunternehmen liegt begründet in dem speziellen sozio-technologischen Umfeld in dem CCS eingeführt wird. Bei den Elektrizitätssys-temen in den Industrieländern handelt es sich um LTS (Large Technical Systems). 180 Ein derartiges System ist charakterisiert durch eine Vielzahl miteinander verbundener technischer und nichttechnischer Komponenten. Auf institutioneller, technischer und der Akteursebene ist dieses System durch starke Beharrungskräfte gekennzeichnet. Veränderungen dieses Systems werden dadurch sehr erschwert oder gar unmöglich gemacht. Im speziellen Fall des Elektrizitätssystems sind die entscheidenden Komponenten vor allem die großen zentralen Kraftwerke und die darauf ausgelegten
178 Nicht jedes Energieunternehmen betreibt Aktivitäten in allen Bereichen, aus denen Komponenten eines CCS-Systems kämen. So haben einige Unternehmen durch Exploration umfangreich wissen über Tiefengeologie und über den Transport per Pipeline, verfügen jedoch über keine Erfahrung im Kraftwerksbetrieb, während es sich bei anderen Unternehmen genau umgekehrt verhält. Eine Ausnahme bildet hier RWE, die nahezu alle Komponenten ihres geplanten CCS-Kraftwerks selbst bauen können. Vgl.: RWE ,CO 2 -freies Großkraftwerk, 2006.
179 Sowohl die nötigen Fachleute und die Infrastruktur als auch die finanziellen Mittel.
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Netze, sowie die großen Energieversorger, die eine zentrale Machtposition in diesem Netzwerk einnehmen von der sie stark profitieren. Die Einbindung von EE in dieses System stellt sich beispielsweise als sehr schwierig und langwierig heraus und bedarf massiver Intervention von außen. Das Elektrizitätssystem als LTS ist so stark von fossilen Energieträgern geprägt, dass in diesem Zusammenhang vom Phänomen des
carbon lock in gesprochen wird. 181 Das gesamte System ist so unbeweglich, dass es auf Jahre oder sogar Jahrzehnte Emissionen verursachen wird und in dieser Situation gewissermaßen gefangen ist und bleibt. CCS-Kraftwerke verbinden die Eigenschaft, mit diesem System kompatibel und gleichzeitig klimafreundlich zu sein. Eine Eigenschaft, die sie nur mit Atomkraftwerken teilen. Die für die Energieunternehmen vorteilhafte Konstellation innerhalb des LTS würde durch die Verbreitung von CCS-Kraftwerken beibehalten und unter Umständen verstärkt.
Es spricht vieles dafür, dass Energieunternehmen die beschriebene Operationswirklichkeit auch in dieser Weise wahrnehmen. Die meisten der großen Energieunternehmen engagieren sich im Bereich CCS und sind dort forschend, entwickelnd und investierend tätig. Sie nehmen CCS also als Möglichkeit der Mitigation wahr und auch an, wobei sich die Frage stellt, ob sie dies aus Überzeugung oder zum Schutz vor anderen Mitigationsmaßnahmen tun.
2.6.1.1.2 Macht
Im Bereich des Klimas haben Energieunternehmen naturgemäß eine deutliche Machtposition inne. Energieverbrauch ist schließlich der entscheidende Faktor für den anthropogenen Klimawandel. Natürlich verbrauchen diese Unternehmen die Energie nicht selbst, sondern verkaufen sie sie nur an die Endverbraucher - Unternehmen oder Privathaushalte - die letztendlich den Energieverbrauch und damit auch den Einfluss auf das Klima über ihre Energienachfrage bestimmen. Diese an sich simple Erkenntnis wird bei verschiedener Kritik an Energieunternehmen gerne unter-schlagen. 182 Nichtsdestotrotz wird die Nachfrage natürlich auch durch das Angebot beeinflusst und dieses kommt von Seiten der Energieunternehmer. Die Angebotsmacht wird im Energiesektor durch seine oligopolistische Struktur und die oben genannten Effekte der Energieversorgung als LTS im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen noch verstärkt. Durch ihre Investitionsentscheidungen treffen Ener- 180 Hughes,T., Networks, 1983.
181 Vgl.: Unruh, G., Carbon lock-in, 2000.
182 Die Diskrepanz zwischen den Menschen, die den Klimawandel als Bedrohung wahrnehmen und denen die z.B. sogenannten Ökostrom nachfragen ist vielsagend.
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gieunternehmen also für das Klima weitreichenden Entscheidungen und haben insofern eine zentrale Machtposition inne. Zu beachten ist allerdings, dass in diesem Sektor generell der regulatorische Einfluss recht groß ist. Energieunternehmen haben allerdings durch ihre zentrale wirtschaftliche Bedeutung und Größe sowie eine traditionell starke Verknüpfung zur Politik einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf eben diese Regularien. Energieunternehmen unterliegen bei der Ausübung ihrer Macht für den Klimawandel allerdings einem gewissen Dilemma, welches sich aus der im vorhergegangenen Abschnitt geschilderten Operationswirklichkeit im Bereich Klimawandel ergibt: Nimmt man bei einem Unternehmen den unbedingten Willen zum Klimaschutz an, wäre die logische Reaktion eine Einstellung aller klimaschädigenden Tätigkeiten, was einer nahezu vollständigen Einstellung der eigentlichen Geschäftstätigkeit gleichkäme. Auch eine weniger extreme Vorgehensweise unterliegt dem gleichen Dilemma: Eine klimafreundlichere Energieerzeugung ist nahezu immer mit höheren Kosten verbunden was sich ceteris paribus in höheren Preisen, niedrigerem Absatz und schlussendlich geringerem Umsatz und Gewinn nieder-
schlägt. 183 Klimafreundlicheres Verhalten ist für Energieunternehmen ohne anderweitigen Ausgleich 184 also immer mit Kosten verbunden, während der Nutzen des geringer ausfallenden Klimawandels wegen des Trittbrettfahrerproblems der Allgemeinheit zugute kommt
Die Machtfrage bei CCS ist anders gelagert: Energieunternehmen sind direkt an der Umsetzung von CCS beteiligt. Gegen prinzipielle Widerstände von Seiten der Regu-latoren können sie CCS jedoch nicht durchsetzen, da für CCS besondere Planungs-und Genehmigungsverfahren durchlaufen werden müssen bzw. der Bau solcher Anlagen schlicht verboten werden könnte. Insbesondere ist dies für die Ablagerung und den Transport denkbar, da der Gesetzgeber hier mit Sicherheitsbedenken argumentieren könnte. Natürlich können Energieunternehmen mit ihrer beim Klima beschriebenen Macht ebenso Einfluss auf die Regularien ausüben, doch letztendlich liegt die Entscheidung bei den staatlichen Regulatoren. Die Tatsache, dass es sich bei CCS um eine neue Technik handelt, macht ein Verbot außerdem einfacher als es bei
183 Dies unterscheidet die Energieunternehmen von anderen Branchen und auch Privatpersonen, bei denen die in der Regel mit klimaschützendem Verhalten einhergehenden Effizienzgewinne unter bestimmten Umständen die Kosten (über)kompensieren können.
184 Der nicht nur durch staatliche Mittel sondern auch über unvollkommene Märkte zustande kommen kann. Wegen der beschriebenen oligopolistischen Strukturen können zusätzliche Kosten zu einem gewissen Grad auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Der Emissionshandel zeigt beispielsweise in Deutschland, dass sogar fiktive Kosten, nämlich die durch kostenlos ausgegebene Zertifikate, relativ problemlos auf die Verbraucher übertragen werden können.
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erprobten und oftmals genehmigten Techniken wie dem konventionellen Kraftwerksbau der Fall ist.
Stärker zu bewerten als ihre Durchsetzungsmacht ist die Verhinderungsmacht der Energieunternehmen: Ohne Beteiligung dieser scheint eine Umsetzung von CCS de facto unmöglich. Ihre oben beschriebenen F&E Kapazitäten und das vorhandene Know How sind unerlässlich, sollen die technischen Hürden, die CCS noch im Wege stehen, genommen werden. Eine weitere Möglichkeit, nämlich eine Nicht-Entscheidung herbeizuführen oder zumindest ein positives Votum zu erschweren, ist die Herstellung von Öffentlichkeit, indem die technischen Unwägbarkeiten und nicht zuletzt die Mehrkosten in den Vordergrund gestellt werden und Investitionen in CCS-Anlagen stark in Zweifel gezogen werden. Ein massives öffentliches Infragestellen von CCS seitens der Energieunternehmen würde die Umsetzung von CCS massiv erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Dies gilt in verstärkter Weise, wenn man die eher negative Haltung vieler Umweltschutzorganisationen hinzu-
zieht. 185
2.6.1.1.3 Normen
Energieunternehmen sind Wirtschaftssubjekte, die sich in einer freien Marktwirtschaft bewegen und folgerichtig profitorientiert arbeiten und ihr Handeln dement-
sprechend ausrichten. 186 Wie bereits erwähnt, sind sie durch ihre Aktivitäten den Auswirkungen des Kyoto-Protokolls direkt unterworfen und wären von anderen Klimaregimen in ähnlichem Maße berührt. Allgemein lässt sich festhalten, dass Energieunternehmen marktbasierte Mitigationsmaßnahmen, wie den Emissionshandel, ordnungspolitischen Maßnahmen, wie schlichten Verboten, vorziehen. Derartige Maßnahmen erlauben den Unternehmen flexibler und effizienter auf die politischen Vorgaben zur reagieren, was letztendlich zu geringeren Mitigationskosten der Unternehmen führt. Insbesondere Großunternehmen haben ausreichende Ressourcen, wie z.B. Rechts- und Handelsabteilungen, um sich mit Anreizen, wie sie z.B. CO 2 -Steuern oder Emissionshandelssysteme liefern, intensiv und qualifiziert auseinandersetzen zu können. Energieunternehmen gehören in der Regel zu dieser Art von Großunternehmen. Eindrucksvoll gezeigt hat sich dieses Verhalten in der ersten
185 Siehe, siehe dazu Abschnitt 2.6.1.3.
186 Unternehmensethische Fragen, also z.B. in wie weit Unternehmen moralisch handeln oder sich an Nachhaltigkeitsprinzipien ausrichten, sollen hier nicht weiter vertieft werden. Das Unternehmen, zumal die der Energiebranche primär profitorientiert und aus Eigeninteresse handeln dürfte relativ unstrittig sein und wird dieser Analyse als Annahme zugrunde gelegt.
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Phase des EU ETS, die viele Energieunternehmen zu ihrem Vorteil zu nutzen wuss-ten. 187
Die Bereitschaft von Energieunternehmen sich umweltschützenden Normen zu unterwerfen oder gar freiwillig ihr Verhalten dem Umweltschutz anzupassen, ist generell eher gering einzuschätzen. Eine lange Liste von Beispielen wie den zahlreichen Tankerunglücken (z.B. Exxon Valdez), die mit enormen Umweltschäden verbundene Ölförderungen (z.B. in Nigeria), defekten und schlecht gewarteten Pipelines (z.B. in Prudhoe Bay, Alaska) und zahlreichen Beispielen mehr zeigen dies deutlich.
2.6.1.1.4 Kommunikation
Energieunternehmen haben als Hauptbeteiligte am Klimawandel vor allem ein kommunikatives Interesse daran, ihre Aktivitäten in einem positiveren Licht darzustellen, als es durch ihre Kerntätigkeiten eigentlich der Fall wäre. Auf den Ruf der Energieunternehmen wirken sich auch andere Faktoren neben dem Klimawandel aus. Negativ in Erscheinung treten die Energieunternehmen hauptsächlich durch Umweltverstöße in Verbindung mit Förderung und Transport von Rohstoffen wie in o.g. Beispielen. Dies hat zur Folge, dass die Unternehmen bemüht sind, ihren positiven Beitrag zum Umweltschutz in den Vordergrund zu stellen. Als besonders erfolgreich auf diesem Gebiet gilt hier z.B. BP, die einen Imagewandel von einem Ölmulti hin zu einem grünen Unternehmen vollziehen; von British Petroleum zu Beyond Petrol. Diese Art der Kommunikation könnte man durchaus als sinnentstellend interpretieren. Eine andere kommunikative Herangehensweise besteht in der positiven Darstellung der eigenen Tätigkeiten, z.B. dem Beitrag zur Energiesicherheit durch heimische Kohleförderung oder dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Noch weiter gehen Unternehmen, die grundsätzlich die negativen Folgen des Klimawandels negieren, wie dies z.B. Exxon Mobile, als einer der Hauptgeldgeber des Cato Institutes versucht. Dieses Institut sorgte mit einer Kampagne für aufsehen, deren Slogan lautete: „Sie
nennen es Luftverschmutzung. Wir nennen es Leben“ 188 In Werbefilmen wurde argumentiert, Politiker wie Al Gore würden den Menschen das wegnehmen, was sie zum Leben bräuchten, nämlich CO 2 . Wie könne etwas gefährlich sein, das wir tagtäglich ein- und ausatmen. So absurd diese Kampagnen auch sein mögen, haben die Anstrengungen des Cato Instituts und anderer, von der Energiewirtschaft geförderter,
187 Vor allem durch das bereits erwähnte „Einpreisen“ der Zertifikatspreise. Es ist jedoch auch davon auszugehen, dass einige Energieunternehmen Handelsgewinne am Emissionsmarkt realisieren konnten, wobei dies naturgemäß nicht öffentlich gemacht wird.
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Einrichtungen, doch Erfolge zu verbuchen. In vielen Artikeln zum Thema wird auf die abweichenden Ansichten zum Klimawandel hingewiesen. Dies kann den Eindruck erwecken, es gäbe tatsächlich verbreitete wissenschaftliche Zweifel am Kli-mawandel, 189 was nicht der Realität entspricht. 190
Es wird also durchaus versucht auf die Klimadebatte Einfluss zu nehmen, indem der Klimawandel geradeheraus geleugnet wird oder indem zumindest der eigene Anteil daran stark in den Hintergrund gestellt wird.
In puncto CCS verhält sich die Kommunikation anders: Hier kommunizieren die Unternehmen, die in diesem Feld tätig sind, ihre Aktivitäten sehr offen. Die Energieunternehmen stellen ihre CCS-Aktivitäten als herausragende Maßnahmen unter einer Vielzahl von Umweltschutzaktivitäten dar. Diese strategische Vorgehensweise ist nicht unbedingt verwunderlich, bietet doch CCS, wie bereits dargelegt, den Unternehmen die Möglichkeit ihrem Kerngeschäft nachzugehen und gleichzeitig den größten Einwand gegen dieses Geschäft aus dem Weg zu räumen.
2.6.1.1.5 Zwischenfazit Energieunternehmen
Zu den Energieunternehmen als Akteur im Bereich CCS lässt sich zusammenfassend Folgendes festhalten: Durch ihre Stellung als Erbauer und Betreiber von CCS-Kraftwerken kommt ihnen eine zentrale Machtposition zu. CCS gibt ihnen die Möglichkeit ihr Geschäft vom großen Manko der Klimaschädigung zu befreien ohne ihre zentrale Position im Versorgungsnetzwerk aufzugeben. Folgerichtig treiben sie die Entwicklung von CCS offensiv voran. Die Frage, ob es sich bei diesen Maßnahmen nur um ein kommunikatives Feigenblatt handelt, hinter dem sie ihre klimaschädigenden Aktivitäten weiterführen wollen oder ob sie die Entwicklung von CCS tatsächlich in dem Maße vorantreiben wollen und können, wie sie vorgeben, wird erst in Zukunft beantwortet werden können.
2.6.1.2 Sonderfall Erneuerbare Energieunternehmen
EE-Unternehmen bilden innerhalb der Klimadebatte und innerhalb der Debatte um CCS einen Sonderfall gegenüber klassischen Energieunternehmen. Sie sind in einem nichtklimaschädigenden Bereich tätig, also per definitionem klassischen Energieunternehmen entgegengesetzt. Es ist zwar so, dass klassische Energieunternehmen
188 Übersetzung aus Steinberger, P., Luftverschmutzung, 2006, Original: „They call it pollution. We call it life”.
189 Vgl.: Steinberger, P., Luftverschmutzung, 2006.
190 Vgl.: Oreskes, N., Consensus, 2004.
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mittlerweile ihr Angebot um den Bereich der EE erweitert haben, 191 umgekehrt jedoch die EE-Unternehmen nicht in der klassischen, fossilen Energiegewinnung tätig sind. Der Grund für diese einseitige Verschiebung ist, dass klassische Energiegewinnung durch große - in der Regel staatliche oder ehemals staatliche Unternehmen - erfolgt, die das anspruchsvolle technische Know How sowie die finanziellen und personellen Mittel haben, um Großkraftwerke zu bauen oder fossile Energieträger zu fördern. EE-Unternehmen sind jedoch in der Regel kleine und spezialisierte Unternehmen, die all dies nicht realisieren könnten. EE-Unternehmen würden auch
gar nicht im fossilen Bereich tätig werden wollen, 192 schließlich widerspräche das ihrem Selbstverständnis als klimafreundliche Energieproduzenten. CCS wäre demnach eine aus Klimaschutzgesichtspunkten besondere Technik, da sie wegen der hohen technischen und finanziellen Voraussetzungen, für EE-Unternehmen kaum
realisierbar wäre. 193 Ihrem Selbstverständnis würde CCS nicht unbedingt widersprechen, es handelt sich zwar nicht um erneuerbare jedoch um nichtklimaschädigende Energie. Es würde sich bei CCS also um den Sonderfall einer klimaschützenden Technik handeln, von der die EE-Unternehmen de facto ausgeschlossen sind. Insoweit ist CCS der Atomkraft sehr ähnlich.
Während EE-Unternehmen in der Klimadebatte also eine wichtige Rolle einnehmen und von der Bekämpfung des Klimawandels direkt und in großem Maße profitieren, ist CCS eine Bedrohung eben dieser Position. Hauptsächlich tritt diese Bedrohung dadurch auf, dass Mittel von den EE abgezogen werden könnten, um sie stattdessen in CCS zu investieren. Dies könnte z.B. durch eine andere Verteilung von F&E-Fördermitteln und Subventionen geschehen. Auch sollte den Einfluss, den die Anwendung von CCS auf Anreizsysteme wie den EU ETS haben könnte, nicht unterschätzt werden. Das Ersetzen eines großen Kohlekraftwerks durch ein CCS-Kraftwerk würde eine enorme Emissionsreduktion mit sich bringen, die nur über eine Vielzahl von EE-Anlagen erreichbar wäre. Bei sich angleichenden Vermeidungskosten wäre die Förderung von EE aus dieser Perspektive deutlich weniger attraktiv. Dass die EE-Unternehmen diese Bedrohung auch als solche wahrnehmen, sie also Teil ihrer Perzeptionswirklichkeit ist, zeigt sich an ihrer sehr negativen Haltung gegenüber CCS. Bei der Kommunikation dieser gegen CCS gerichteten Position,
191 So ist beispielsweise RWE ein großer Betreiber von Windkraftanlagen. Insgesamt machen EE-Aktivitäten jedoch nur einen kleinen Teil der Gesamtaktivitäten der Energieunternehmen aus.
192 Eine Ausnahme bildet hier die Kraft-Wärme-Kopplung, die sich durchaus im Energiemix einiger Ökostromanbieter findet.
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müssen sie jedoch stark von ihrer bisherigen Kommunikationsstrategie abweichen. Diese ist bisher so einleuchtend wie einfach: Der Klimawandel sei eine sehr ernste und reale Bedrohung. Der wichtigste Schritt zur Lösung dieses Problems sei Mitigation durch den massiv wachsenden Einsatz von EE an Stelle von klassischer Energiegewinnung. Neben der Klimafreundlichkeit seien die EE außerdem noch von Vorteil für die heimische Wirtschaft, da sie massenhaft zukunftsträchtige Arbeitsplätze schüfen. All dies spräche für die EE und eine umfassende staatliche Unterstützung, bis diese eigenständig profitabel betrieben werden könnten. Diese durchaus logisch nachvollziehbare Argumentationskette ist ein wahrgeworde-
ner kommunikativer Traum. So vollständig am Allgemeinwohl orientiert, 194 kann wohl keine andere Wirtschaftsbranche die eigenen Interessen begründen, abgesehen vielleicht von Teilen der Gesundheitswirtschaft. Bei der Argumentation gegen CCS führt dies allerdings zu einer gewissen Schieflage. Eine Ablehnung von CCS auf Basis des Allgemeinwohls erscheint von Seiten der EE-Unternehmen wenig glaubwürdig, da schließlich mit den Emissionen der Hauptkritikpunkt an den konventionellen Energieträgern wegfiele. Die Ablehnung folgt also unverkennbar der Sorge vor dem Einbüßen eigener Vorteile. Diese sind bei den EE durchaus existenzieller Natur, da der überwiegende Teil von EE-Anlagen ohne Subventionen nicht marktfähig wäre. Exemplarisch ist die Argumentation des BEE (Bundesverband Erneuerbare Energien). In seiner Präsentation bei einer Konferenz im Jahre 2005 zum Thema CCS präsentierte der Verband auf 16 von 17 Folien einzig das Klimaschutzpotential von EE. Erwartungsgemäß wird es ausgesprochen positiv dargestellt, indem z.B. auf die zu erwartenden Lernkurveneffekte, Effizienzsteigerungen und somit stetig und schnell sinkenden Preise von EE hingewiesen wird. Zum Thema CCS findet sich nur eine, nämlich die untenstehende Vergleichsfolie am Ende der Präsentation. Aus dieser wird deutlich, dass CCS nicht als eigenständige Technik zum Klimaschutz, sondern als direkte Konkurrenz zu den EE betrachtet wird. Bezeichnend ist dabei, das ein Gutteil der gegen CCS ins Feld geführten Argumente, wie z.B. die hohen Vermeidungskosten, auch gegen EE ins Feld geführt werden können und vom BEE auf den vorherigen Folien durch Lernkurveneffekte und Zukunftsprognosen entkräftete werden. Ein entscheidendes Detail, das man CCS offenbar nicht zugesteht, bzw. geflissentlich unterschlägt.
193 Eine Ausnahme würde CCS-Biomassekraftwerke bilden, die jedoch bisher keine Rolle spielen, da sie nicht in ausreichender Größe gebaut werden.
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Abb.10: CCS Folie des BEE Quelle: BEE.
Letztendlich entscheidend für die Beurteilung der EE-Unternehmen als Akteure in der Diskussion um CCS, ist jedoch nicht diese inkohärente und verdeckt interessengeleitete Kommunikation, sondern ihre geringe Macht für den Bereich CCS und auch für die Klimadebatte. Selbst in einem Land wie Deutschland, mit einem bedeutenden EE-Sektor sind die Einflussmöglichkeiten verhältnismäßig klein. Im Vergleich zur klassischen Energiebranche ist das wirtschaftliche Gewicht immer noch sehr gering und auch der Organisationsgrad und die politischen Verbindungen sind in keiner
Weise mit denen der klassischen Energieunternehmen vergleichbar. 195
2.6.1.3 Umweltorganisationen
2.6.1.3.1 Ideologie
Bei Umweltorganisationen stellt sich die Beantwortung der Frage nach der Operationswirklichkeit in puncto Klimawandel schwierig dar. Umweltorganisationen richten, ähnlich wie viele andere NGO und gemeinnützige Gruppen, ihr Handeln nicht an
194 Das eigene Tun können sonst nur karitative Einrichtungen oder allgemeinwohlorientierte Organisationen so vollständig altruistisch begründen. Diese sind jedoch in der Regel nicht gewinnorientiert.
195 So genießen die EE-Unternehmen z.B. in Deutschland wohl nur bei den Grünen ein gewisses Gewicht, während klassische Energieunternehmen über traditionelle Beziehungen in alle großen Parteien und in die Gewerkschaften verfügen und natürlich, je nach Land, als ehemals, teilweise oder immer noch vollständig staatliche Unternehmen viele direkte Beziehungen zu den Regulatoren haben. Auf der anderen Seite haben die EE-Unternehmen als Wirtschaftsunternehmen trotz der oben geschilderten Überschneidunge von Eigen- und Allgemeininteressen nicht die moralischen und öffentlichkeitswirksamen Einflussmöglichkeiten wie Umweltorganisationen.
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ihren Eigeninteressen im eigentlichen Sinne, also dem Interesse der Organisation
oder ihrer Mitglieder, aus. Sie machen sich vielmehr Fremdinteressen zu eigen. 196 Ihre Operationswirklichkeit richtet sich demnach nicht nach der eigenen Betroffenheit, sondern nach der Betroffenheit derer, deren Interessen sie vertreten. Im Falle von Umweltorganisationen ist dies die Vertretung allgemeiner oder spezieller Umweltinteressen. Ob dieser Umweltschutz nun aus Sorge um die Natur als solches oder aus Sorge um die eigene Zukunft bzw. die der Menschheit erfolgt, also indirekt doch ein Verfolgen von Eigeninteressen darstellt, ist für die hier angestellte Analyse unerheblich. Wichtig ist die Tatsache, dass ein sehr weit gefasstes Gut geschützt wird, das sich nicht unmittelbar auf die Eigeninteressen des Akteurs auswirkt. Die Betroffenheit der Umwelt durch den Klimawandel ist offensichtlich. Der Klimawandel selbst ist ein massiver Eingriff in die Umwelt, und die Folgen für Flora und Fauna sind immens. Die Mitigation des Klimawandels verursacht bei der Umwelt also ausschließlich Nutzen und keine Kosten. Umweltgruppen nehmen den Klimawandel durchweg als sehr zentrale Bedrohung wahr. Er bildet ein Kernthema vieler dieser Gruppen.
Die Operationswirklichkeit CCS aus Sicht der Umweltgruppen ist zum Großteil mit der Frage verbunden, ob CCS technisch im Stande ist, zur Emissionsminderung und somit zur Mitigation beizutragen. In Übereinstimmung mit den in Kapitel 2.2 dargelegten Annahmen über die technische Machbarkeit, ist CCS also eine wichtige Möglichkeit dem Klimawandel entgegenzuwirken. Allerdings enden die Auswirkungen von CCS auf die Umwelt nicht beim Klimawandel. Zum einen hat natürlich die Ablagerung von CO 2 Folgen für die unmittelbare Umwelt der Stätten, in die eingelagert wird. Dies gilt insbesondere für die ozeanische Speicherung und die damit ver-bundenen Auswirkungen auf den maritimen Lebensraum, aber natürlich auch für die unterirdischen Ablagerungsstätten selbst. Zum anderen hat die mit CCS verbundene Weiterverwendung von fossilen Energieträgern Einfluss auf die Umwelt, z.B. durch den Kohleabbau oder den Eingriff in unberührte Gebiete bei der Öl- und Gasförderung in nördlichen Polarregionen.
Die Perzeptionswirklichkeit für den Bereich CCS der Umweltorganisationen hingegen ist nicht ganz einheitlich. Die meisten der Umweltorganisationen sind skeptisch bis ablehnend. Sie betrachten CCS als ungeeignet oder zumindest sehr problematisch
196 Natürlich handeln sie zu einem gewissen Grad auch in klassischem Eigeninteresse, wenn es zum Beispiel um die Sicherung von Einkommen für die Organisation u.ä. geht. Jedoch soll dies eigentlich nur als Mittel zum Zweck der Verfolgung der Fremdinteressen dienen.
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um zur Mitigation beizutragen. Die Kritik fußt auf zwei grundlegenden Argumenten: Zum einen wird die Technik CCS als ungeeignet betrachtet, weil eine sichere Ablagerung nicht oder nur sehr unwahrscheinlich möglich sei. Zum anderen wird die durch CCS steigende Attraktivität der Kohle sehr negativ bewertet: Die weiteren negativen Folgen der Kohlenutzung werden hervorgehoben und die Zementierung
der zentralen Position von Kohle in der Energieerzeugung wird kritisch betrachtet. 197 Es gibt jedoch auch Umweltorganisationen, die CCS als wichtige Möglichkeit zur Mitigation betrachten. Diese positive Sichtweise beruht, neben einer positiveren Einschätzung der Technik, vor allem auf der Annahme, dass die Verstromung fossiler Brennstoffe auf mittlere Sicht unvermeidbar sei. realistischerweise seien EE mittelfristig nicht in der Lage, ausreichend Energie zu erzeugen, um anspruchsvolle
Reduktionsziele zu erreichen. 198
2.6.1.3.2 Normen
Es ist möglich, das die negative Perzeptionswirklichkeit vieler Umweltgruppen auf den Normen gründet, die sie als Interpretationshilfsmittel für andere Akteure, hier vor allem der Energieunternehmen, nutzen. Generell lässt sich sagen, dass Umwelt-organisationen im Allgemeinen freiwilligen Maßnahmen, bzw. Selbstverpflichtungen der Industrie, skeptisch gegenüber stehen und zur Lösung umweltpolitischer Probleme eher ordnungspolitische Maßnahmen oder zumindest lenkendes Eingreifen seitens des Staates fordern. Dem zugrunde liegt eine eher skeptische Bewertung der Wirtschaft insbesondere gegenüber großen Energieunternehmen. Dies ist auch nicht verwunderlich, gibt es doch im Umweltbereich viele Konflikte, in denen sich Um-
weltorganisationen gegen Unternehmen, oftmals aus der Energiebranche, wenden. 199 Zwischen Umweltorganisationen und Großunternehmen kann man von einer Tradition der gegenseitigen Abneigung, wenn nicht gar Feindschaft, sprechen. Hinzu kommt außerdem, dass Umweltorganisationen in Klimafragen relativ dogmatisch sind, was mögliche Lösungen angeht. Hier gilt weitestgehend als ausgemacht, dass Mitigation durch eine Reduktion der THG-Emissionen die einzig mögliche Antwort
197 Siehe Abschnitt 2.3.2 zu den negativen Eigenschaften von Kohle und 2.6.1.1.1 zu der besonderen Position der Kohle innerhalb des Elektrizitätssystems.
198 Vgl.: http://www.bellona.org/subjects/CO2_sequestration
199 Man denke z.B. an die Gentechnik. Bei der es gegen große Saatguthersteller und Pharmafirmen geht; an Tierversuche, bei denen ebenfalls Pharmafirmen im Fokus stehen, an Öl- oder Gasförderung mit negativen Folgen für die Umwelt, wie z.B. in Alaska, Nigeria oder Russland, wo es gegen große Ölfirmen geht oder an Atomkraft und Atommülltransporte, bei denen Energiefirmen im Mittelpunkt der Kritik stehen. Diese Liste von Konflikten zwischen Umweltaktivisten und Big Business ließe sich wohl problemlos über mehrere Seiten fortführen.
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auf den drohenden Klimawandel sein kann und darf. Erreicht werden soll diese
Reduktion durch geringeren Energieverbrauch 200 und durch den umfassenden Einsatz von EE. „Alle anderen Vorschläge galten als so etwas wie Verrat“ 201 CCS passt in dieses Normengerüst der Umweltorganisationen nicht hinein: CCS ist per se eine Technik, die nur von Großunternehmen eingesetzt werden kann, also nicht durch kleine, als grundsätzlich sympathischer empfundene Firmen. Darüberhinaus setzt CCS bei der fossilen Energieproduktion als dem Hauptverursacher des Klimawandels an. CCS tut dies jedoch nicht durch das Ersetzen dieser Energiequellen, sondern durch modifizierte Nutzung der gleichen Energieträger.
2.6.1.3.3 Macht und Kommunikation
Bei der Analyse der Umweltorganisationen als Akteur liegen Macht und Kommunikation nah beieinander, weshalb hier eine gemeinsame Betrachtung dieser Dimensionen vorgenommen wird.
Umweltorganisationen haben weder in der Klimadebatte noch bei CCS unmittelbare Macht. Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind sie nicht formal in politische Entscheidungsprozesse eingebunden, sondern genießen allenfalls einen Beobachterstatus. Auch können sie anders als Wirtschaftsubjekte keinen Einfluss über Investitions-oder Konsumentscheidungen treffen und können somit keinen unmittelbaren Einfluss auf das Klima oder die Umsetzung von CCS ausüben. Umweltorganisationen erlangen ihr Gewicht hauptsächlich durch Kommunikation. Im Bereich der Klimadebatte geschieht dies vor allem indem die Gefahren des Klimawandels immer wieder herausgestellt werden. Oft wird versucht, die Aufmerksamkeit auf besondere Aspekte
des Klimawandels zu lenken, z.B. auf bestimmte bedrohte Regionen oder Arten 202 oder auf besonders aufmerksamkeitserregende Ereignisse wie Wirbelstürme, Fluten oder auch das Abschmelzen von Gletschern. Darüberhinaus haben Umweltorganisationen die Möglichkeit Einzelunternehmen oder auch politische Entscheidungsträger direkt ob ihres klimaschädigenden Verhaltens an den Pranger zu stellen. Solche Aktionen, die sich zu groß angelegten Kampagnen ausweiten können, haben das
200 Z.B. durch Einschränkung des Individualverkehrs zugunsten öffentlicher Verkehrsmittel oder Fahrrädern, Beschränkung des Flugverkehrs, Stromsparmaßnahmen etc. Auch diese Liste ließe sich lang fortführen.
201 So der Klimamodellierer Hans von Storch, zitiert nach Bethge et al., Treibhausfalle, 2006, S. 94.
202 Man bedenke z.B. die öffentliche Wirkung der Bedrohung der Eisbären durch den Klimawandel. Besonders gut zu beobachten an dem berühmten Foto des Bären der verzweifelt von einer abgebrochenen Eisscholle zur nächsten springt. Dieses Bild wurde „zu einer Ikone des Klimawandels“ Bethge et al., Treibhausfalle, 2006, S. 82.
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Potential großen Image-Schaden für den derart attackierten Akteur zu verursachen. 203 Allein die Sorge, Ziel einer derartigen Kampagne zu werden, veranlasst andere Akteure dazu, ihr Handeln den Forderungen der Umweltorganisationen anzupassen, ohne dass diese ihre Macht tatsächlich in Form von Aktionen ausüben müssten. Kommunikation erfolgt jedoch nicht nur in der breiten Öffentlichkeit, sondern auch über Teilnahme und Ausrichtung von Fachveranstaltungen oder durch Fachveröf-
fentlichungen. 204
Die zur Kommunikation genutzten Informationen werden großteils aus externen Quellen gewonnen, doch gibt es auch eigene Forschungstätigkeiten der Umweltorganisationen. So werden oftmals eigene Untersuchungen vorgenommen und deren Ergebnisse öffentlich kommuniziert, was regelmäßig großen medialen Widerhall findet und den Umweltorganisationen eine bedeutende, wenn auch nur punktuelle Machtposition geben kann. Weitere Einflussmöglichkeiten bieten sich den Umwelt-organisationen, über Lobbyismus und anderweitigen Zugang zu Entscheidungsträgern und Gremien, insbesondere auf EU-Ebene. Sie erlangen zwar keine formelle
Entscheidungsgewalt, erhalten aber dennoch nicht zu unterschätzenden Einfluss. 205 Bei CCS ist eine ähnliche Kommunikationsweise und folgliche Machtstellung ebenso denkbar, während direkte Einflussmöglichkeiten keine Rolle spielen. Umweltorganisationen werden in der öffentlichen Kommunikation über das Thema CCS sicher Gehör finden können, da es sich um ein Umweltthema handelt und Umweltorganisationen in den hier relevanten Industrieländern ausreichendes Gewicht und Vertrauen genießen, um sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Fachkreisen gehört zu wer-den 206 In Fachkreisen findet die Kommunikation zu CCS in vielerlei Hinsicht statt. So nahm die mit diesem Thema bei Greenpeace Deutschland befasste Geologin Gabriele von Goerne beispielsweise an einem Meeting des CSLF (Carbon Sequestra-tion Leadership Forum) 207 teil und trug dort die sehr kritische Sichtweise von Green-
203 DerTexacoboykott, bei denen wegen eines Bohrvorhabens in einem Naturschutzgebiet in den 1980ger Jahren Tankstellen der Firma Texaco boykottiert wurden, die im Endeffekt sogar dazuführten, dass die Marke Texaco in Deutschland nicht mehr existiert, ist ein Beispiel für die Wirksamkeit derartiger Kampagnen. Vgl.: Simon, A., Watt, 2005.
204 Umweltorganisationen nehmen beispielsweise an den COP teil und der WWF (World Wide Fund for Nature) hat maßgeblich an der Allianz Klima Studie mitgewirkt. Vgl.: Allianz/WWF, Climate Change, 2005.
205 Vgl.: Altvater, E./Brunnengräber, A., NGOs, 2002.
206 Vgl.: BMU, Umweltbewusstsein, 2006, S.24-32.
207 Ein Zusammenschluss verschiedener Länder zur Beratung über und Voranbringung von CCS. http://www.cslforum.org/
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peace vor. Greenpeace richtete auch eine eigene Konferenz zum Thema CCS am 26.
September 2005 in Berlin aus, die weithin Beachtung fand. 208 Öffentlich haben mittlerweile die meisten der großen Umweltorganisationen zu dem Thema, z.B. durch Pressemitteilungen oder Informationen im Rahmen ihrer Internetauftritte Stellung bezogen, die in der Regel eher skeptisch ausfällt. Großangelegte Negativkampagnen oder Aktionen hat es im Bereich CCS bisher jedoch nicht gegeben.
2.6.1.3.4 Zwischenfazit Umweltorganisationen
Für Umweltorganisationen ist CCS ein Thema. Schließlich spielt es eine potentiell wichtige Rolle in der Mitigation, welche eines ihrer zentralen Anliegen ist. Ihre Macht wird jedoch dadurch eingeschränkt, dass sie keinen direkten Einfluss geltend machen können. Ob das Thema CCS jedoch geeignet ist, um die Macht der Umwelt-organisation durch Kommunikation auszunutzen, ist sehr fraglich. Wegen des geringen Bekanntheitsgrades dürfte es momentan noch schwer sein, die Medien und die Öffentlichkeit für oder gegen das Thema in einer Weise zu mobilisieren, die sich substanziell auf die Entwicklung auswirkt. Dem Thema fehlt die mediale Anschlussfähigkeit, die Umweltorganisationen benötigen um ihre kommunikative Macht nutzen zu können. Die mögliche Bedrohung durch CCS ist nicht so massiv und mit potentiell verheerenden Konsequenzen verbunden, wie es beispielsweise beim der Atomkraft der Fall ist. Auch lassen sich die Bedrohungen nicht so gut durch Bilder, Symbole etc. verdichten und greifbar machen, wie es z.B. bei Aktionen gegen Tierversuche oder Tankerunglücke möglich ist. Die Rolle von Umweltorganisationen dürfte eher eine korrigierende und kontrollierende sein, die auf Missstände bei einzelnen Ablagerungsvorhaben aufmerksam macht oder durch Lobbying-Aktivitäten auf besonders strenge Regularien in dem einen oder anderen Bereich hinwirkt.
2.6.2 Staatliche Akteure
Bei der Betrachtung der staatlichen Akteure liegt der Fokus dieser Arbeit aus den zuvor genannten Gründen auf den Industriestaaten. Als staatliche Akteure werden primär die Nationalstaaten selbst betrachtet. Die Betrachtung kleinerer staatlicher Ebenen, wie Gebietskörperschaften, Behörden etc., würde dem umfassend gehalte- 208 Diedort verwandten Präsentationen sind hier zu finden: http://www.greenpeace.de/themen/ener-gie/fossile_energien/artikel/greenpeace_workshop_co2_speicherung_am_2692005/
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nen Betrachtungsansatz dieser Arbeit widersprechen 209 Über- bzw. zwischenstaatliche Ebenen, wie die EU, werden bei der Betrachtung der staatlichen Akteure mitbetrachtet. Die zu analysierenden staatlichen Akteure werden in zwei Gruppen unterteilt: Die Gruppe der Staaten, die den bisherigen Mitigationsbemühungen, hauptsächlich UNFCCC und Kyoto-Protokoll, positiv gegenüberstehen und diese unterstützen und daran teilnehmen. Und die Gruppe, die eine derartige Vorgehensweise ablehnt und sich auch dem Kyoto Regime verweigert. Im Folgenden werden diese Akteure als Mitigationsbefürworter bzw. Mitigationsskeptiker bezeichnet. Diese Aufteilung ist vereinfachend, da es innerhalb beider Gruppen durchaus verschiedene Positionen gibt und weder die Mitigationsbefürworter alles in ihrer Macht stehende tun um den Klimawandel zu bekämpfen, noch die Mitigationsskeptiker ihrerseits jedwede Mitigation ablehnen und den Klimawandel als Bedrohung vollständig ignorieren oder bestreiten. Dennoch lassen sich die Mitglieder der beiden Akteursgruppen durchaus sinnvoll in dieser Weise kategorisieren; am einfachsten anhand der Ratifikation des Kyoto-Protokolls. Als Mitigationsbefürworter werden also die Industriestaaten betrachtet, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben und Reduktionsverpflichtungen
unterliegen. 210 Als Mitigationsskeptiker werden solche Staaten betrachtet, die Reduktionsverpflichtungen unterlägen, wenn sie ratifiziert hätten. 211
2.6.2.1 Mitigationsbefürworter
2.6.2.1.1 Ideologie
Die individuelle Betroffenheit der einzelnen Länder durch den Klimawandel unterscheidet sich durch Art Intensität. So gibt es einige Länder mir Meereszugang die besonders durch einen Anstieg des Meeresspiegels betroffen wären (wie z.B. die Niederlande, Großbritannien oder Japan), Länder die besonders von Dürre und Wassermangel betroffen wären (wie z.B. Spanien oder Griechenland) oder Länder in denen die bisher meist schneereichen und kalten Winter deutlich milder würden (wie z.B. die Schweiz oder Finnland). Für einige Länder und Regionen wären diese Fol-
209 Dasbedeutet nicht, dass eine detaillierte Betrachtung eines einzelnen Staates zum Thema CCS nicht zu interessanten Ergebnissen führen könnte. Gerade bei fortschreitender Entwicklung könnten es sicherlich interessante Erkenntnisse liefern sich z.B. die Rollen von Umwelt- und Wirtschaftsministerien oder die Lage in einzelnen Kommunen oder Bundesländern anzuschauen, die direkt mit CCS in Berührung kämen. Nur in dieser Arbeit wäre eine derartige Betrachtung fehlplaziert.
210 Wobei die Länder die sich im Übergang zur Marktwirtschaft befinden nicht miteinbezogen werden. Da sie allein durch den Rückgang ihrer alten Industrien ihre Verpflichtungen übererfüllen.
211 Dies sind Australien und die USA. Obwohl es sich nur um eine Gruppe von zwei Ländern handelt, ist ihr Gewicht gemessen an den Emissionen in der gleichen Größenordnung wie das der Mitigati-onsbefürworter angesiedelt.
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gen eine massive Bedrohung, z.B. indem Gebiete durch Fluten oder extreme Hitze unbewohnbar würden, während andere nur mittelschwer betroffen wären oder in Teilen sogar profitieren könnten, indem durch mildere Temperaturen beispielsweise Landwirtschaft vereinfacht würde (z.B. Weinanbau in Mitteleuropa oder Getreideanbau in Skandinavien und Kanada) oder die Schifffahrt und der Rohstoffabbau in Polarregionen einfacher würden. Im Saldo ist der Klimawandel für die Mitigations-befürworter jedoch als Bedrohung einzustufen. Man kann jedoch nicht sagen, dass die Mitigationsbefürworter in besonderem Maße vom Klimawandel bedroht wären. Im globalen Vergleich ist eine Vielzahl von Ländern und Regionen deutlich stärker betroffen bzw. bedroht. Dies hängt zum einen mit den dort schwierigeren klimati-
schen und/oder geographischen Bedingungen zusammen 212 und zum anderen mit den schlechteren Adaptionsmöglichkeiten auf Grund der wirtschaftlich und technisch
schlechteren Situation in diesen Regionen. 213 . Durch ihren hohen wirtschaftlichen Entwicklungsstand haben die Mitigationsbefürworter ein hohes Mitigationspotential, welches durch Effizienzsteigerungen, Änderungen des Lebensstils etc. verwirklicht werden könnte. Das technische Know How dazu ist vorhanden und die Kosten sind verglichen mit Schwellen- und Entwicklungsländern relativ gering einzuschätzen, da aufgrund des hohen allgemeinen Emissionsniveaus die Grenzvermeidungskosten
entsprechend niedrig liegen. 214
Der Klimawandel wird von den Mitigationsbefürwortern auch tatsächlich als eigene Bedrohung wahrgenommen. Nimmt man die öffentliche Debatte zum Maßstab, ist die Sorge um dieses Thema groß. Kaum eine Woche vergeht in der nicht das eine
oder andere Klimathema in der Zeitung und dort nicht selten auf dem Titel steht. 215 Klimapolitische Großereignisse wie die COP (Conference of the Parties) 12 in Nai-
212 Mandenke z.B. an die Hurrikangefährdeten Gebiete Mittelamerikas, die durch einen Meeresanstieg in ihrer gesamten Existenz bedrohten Inselstaaten Asiens oder die stark dürrebedrohten Regionen Afrikas.
213 Beispielsweise können sich durch Fluten bedrohte ärmere Staaten wie z.B. Bangladesh einen so aufwendigen Hochwasserschutz wie ihn z.B. die Niederlande haben schlicht nicht leisten. Ebenso fehlen in den besonders betroffenen Regionen oftmals die finanziellen Möglichkeiten sich gegen Naturkatastrophen zu Versichern oder Ernteausfälle durch Nahrungsmittelimporte zu kompensieren.
214 Diese Annahme lässt sich anhand eines einfachen Beispiels verdeutlichen: Während ein Haushalt in einem westlichen Industriestaat seinen Energieverbrauch um mehrere kWh verringern könnte indem beispielsweise Energiesparlampen genutzt werden und die Heizung effektiver genutzt würde, müsste ein Haushalt in einem Entwicklungsland, wahrscheinlich seinen Energieverbrauch komplett einstellen um letztendlich eine ähnliche Emissionsersparnis zu erreichen. Zum Konzept der Grenzkosten und des Grenznutzen.
215 Klimathemen auf dem Titelblatt von Zeitungen und Magazinen waren beispielsweise im Spiegel Nr. 45/2006 mit dem Titel: Achtung, Weltuntergang!: Wie gefährlich ist die globale Erwärmung wirklich; oder der Economist vom 9. September. 2006 mit dem Titel: The heat is on.
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robi oder die Veröffentlichung des Stern-Reports sind Top-Nachrichten. 216 Umfragen bestätigen, dass die Sorge um das Klima auch in der Bevölkerung groß ist. 217 Allerdings ist auch eine gewisse Diskrepanz zwischen der geäußerten Sorge und dem tatsächlichen Handeln, sowohl durch Individuen als auch durch die Politik, zu beobachten. Ob dies ein Zeichen dafür ist, dass dieses Thema weniger ernst genommen wird als es den Anschein hat, oder ob die eigentlich gewünschten Lösungen wegen der Komplexität des Themas schlecht umzusetzen sind, ist noch offen. Eine Mischung aus beiden Faktoren ist wahrscheinlich. Jedoch ist unzweifelhaft, dass das Problembewusstsein und der politische Wille vorhanden sind, das Thema Klima-wandel anzugehen. Dies zeigt sich nicht nur an der Teilnahme am Kyoto-Protokoll und an Maßnahmen wie der Förderung von EE, sondern wird auch anhand der Aussagen vieler Entscheidungsträger deutlich, die das Thema hoch auf die politische Agenda setzen. Mit diesen Bemühungen geht die Einsicht einher, für den Klimawandel in großem Maße verantwortlich zu sein. Anschaulich wird diese Einsicht an der Funktionsweise des Kyoto-Protokolls, in dem nur die Industrieländer zur Reduktion verpflichtet werden. Nicht nur, weil diese aus ihrer Rolle als Hauptverursacher Konsequenzen ziehen, sondern auch, weil sie die moralische Verpflichtung annehmen, vor den ärmeren Staaten aktiv zu werden. Es würde als unredlich empfunden, von den ärmeren Ländern Emissionsminderungen zu fordern, geht man doch davon aus, dass diese mit Wachstumsverlusten einhergingen. Diese Wachstumseinschnitte könne man jedoch nicht einfordern, wenn der eigene Reichtum mit enormen Emissionen erwirtschaftet wurde. Allerdings wird auch immer wieder deutlich, dass sich die Akteure darüber im Klaren sind, dass ohne mittelfristige Einbindung der wachsenden Volkswirtschaften Asiens, allen voran Chinas und Indiens, die Emissionsminderungen der Industriestaaten durch das dortige Wachstum der Emissionen konterkariert
würden. 218
Die individuelle Operationswirklichkeit CCS stellt sich für die Mitigationsbefürworter folgendermaßen dar: Sie gehören zu den ersten Ländern, in denen CCS-Anlagen betrieben werden und sind auch in F&E ausgesprochen aktiv. Das technische Know How und auch das nötige Kapital um CCS einzusetzen sind vorhanden. Darüberhinaus haben viele der Länder große eigene Kohlevorkommen, und somit eine gute Voraussetzung für die umfassende Nutzung von CCS-Kohlekraftwerken. Wegen der
216 z.B.: Vorholz, F., Karawane, 2006 zur COP 12 und Economist, Stern, 2006 zum Stern-Report.
217 Vgl.: BMU, Umweltbewusstsein, 2006, S. 45.
218 Vgl.: Mrasek, V., Klimabombe, 2006.
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sicheren Versorgung mit Importkohle sind jedoch auch Länder ohne eigene Kohle-vorkommen in einer guten Lage, derartige Kraftwerke zu versorgen. Auch der Zugang zu geeigneten Ablagerungsstätten ist gegeben, da sich in vielen Ländern oder in
unmittelbarer Nachbarschaft geeignete Formationen befinden. 219 Hier ist der Zugang zu eigenen Stätten jedoch unter Umständen wichtiger, da es durchaus problematisch sein könnte andere Länder zu Import und Lagerung von fremdem CO 2 zu bewegen. Doch bleibt festzuhalten, dass keine prinzipiellen Hürden für eine nahe Ablagerung bestehen, da zumindest für die Anfangszeit genug Lagerstätten innerhalb dieser Länder vorhanden sind. Über mögliche Leckagen hinaus geht von CCS keine substanzielle Bedrohung für die Mitigationsbefürworter aus. Denkbar wären allenfalls negative Auswirkungen für die Länder, welche Öl und/oder Erdgas produzieren und von einer möglichen Verdrängung dieser Rohstoffe durch in CCS-Kraftwerken
genutzte Kohle betroffen sein könnten. 220 Allerdings wird CCS auf absehbare Zeit wohl kaum eine signifikante Verdrängungswirkung dieser Art entwickeln, denn dafür müsste eine enorme Zahl von CCS-Kohlekraftwerken in Betrieb genommen werden. Wahrscheinlich würde auch dann die anderweitige Nachfrage nach Öl und Gas und deren begrenzte Vorräte noch ausreichend sein, Exploration und ggf. Export attraktiv zu halten.
Die umfangreichen staatlich geförderten F&E-Maßnahmen, die Nennung von CCS als möglicherweise wichtige Mitigationsmöglichkeit seitens verschiedenster politischer Entscheidungsträger und die Beschäftigung vieler staatlicher Stellen mit dem Thema, zeigen klar, dass CCS als geeignete Mitigationsmöglichkeit tatsächlich wahrgenommen wird. Der Wille, bei dieser Entwicklung an der Spitze zu sein, ist unverkennbar. Allerdings wird CCS nicht als kurzfristige Lösung angesehen sondern eher mittelfristig avisiert, da noch erheblicher F&E-Bedarf gesehen wird. Eine Wahrnehmung von CCS als Bedrohung ist bei keinem der Mitigationsbefürworter zu beobachten.
2.6.2.1.2 Macht
Wie schon bei der Betrachtung der Operationswirklichkeit der Klimadebatte festgestellt, haben die Mitigationsbefürworter wegen ihres großen Anteils an den globalen Gesamtemissionen großen Anteil am Klimawandel und spielen somit eine wichtige Rolle in der Mitigation. Gemeinsam mit den Mitigationsskeptikern, sind sie als
219 Siehe Abschnitt 2.2.4.4.
220 Dies sind insbesondere Norwegen, und mit Abstrichen Großbritannien und die Niederlande.
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Gruppe der Industrieländer die global bedeutendsten Emittenten und verfügen somit zugleich über das größte Mitigationspotential. Diese Macht geht wegen des Wachstums in den Schwellenländern zwar langsam zurück. Allerdings könnte durch Einflussnahme auf die Wachstumsländer ein Teil dieses Machtverlusts kompensiert
werden. 221 Diese Kompensation könnte zum Teil auch durch die Förderung von CCS-Anlagen in den betreffenden Ländern erreicht werden. Die allgemeine Macht der Mitigationsbefürworter bei der Umsetzung von CCS liegt besonders darin begründet, dass sie die Fähigkeit haben, eine Entscheidung pro CCS weitgehend zu verhindern. Als einzige Länder vereinen Sie technisches Know How und ausreichendes Kapital mit der zusätzlichen Möglichkeit, die für CCS maßgebli-
chen Regularien direkt zu beeinflussen. 222 Dieser Einfluss auf die Regularien entfaltet auf zweierlei Weise Macht für CCS: Zum einen durch schlichte Verbote von CCS. Welche vor allem durch eine Einschränkung der Komponenten Transport oder Ablagerung erreicht werden könnten. Diese Verbote könnten den Einsatz von CCS schlichtweg unmöglich machen, oder doch zumindest in hohem Maße erschweren. Zum anderen ist für die Umsetzung von CCS eine Einbindung in die Anreizsysteme zum Klimaschutz faktisch unumgänglich. Anders als die EE oder Effizienzverbesserungen zur Emissionsreduktion bringt CCS keine Vorteile außer der Emissionsreduk-
tion selbst mit sich. 223 Ohne einen Anreiz, sei es durch direkte Subvention oder eine Einbindung in Klimaschutzregime wird kein Energieunternehmen CCS-Anlagen in nennenswertem Umfang betreiben. Ohne staatliche Unterstützung wird es CCS nicht geben.
2.6.2.1.3 Normen
Die Mitigationsbefürworter sind per definitionem diejenigen Länder, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben und Reduktionsverpflichtungen unterliegen. Von daher ist es nahe liegend, ihnen zu unterstellen den internationalen Regeln des Klimaschutzes positiv gegenüber zu stehen. Die Akteure sind also der Ansicht, dass es international
221 So könnten beispielsweise Hilfen beim Bau deutlich effizienterer Kraftwerke als denen die momentan im Regelfall in Schwellenländern geleistet werden oder eine stärkere Einbindung dieser Länder in das post Kyoto Klimaregime forciert werden.
222 Gemeint sind hier eigenes nationales Recht bzw. EU-Recht und das Kyoto-Protokoll und eventuell folgende Regime. Bei denen die Mitigationsskeptiker, die ansonsten vergleichbare Mittel haben, weniger Einfluss ausüben können, so lange sie nicht teilnehmen. Auf andere internationale Regularien, wie marine Umweltabkommen, haben auch Mitigationsskeptiker Einfluss, sofern sie Unterzeichner sind.
223 EE bringen Unabhängigkeit von anderen Rohstoffen und Umweltschutzverbesserungen über den Klimaschutz hinaus und Effizienzsteigerungen führen u.U. zu sinkenden Kosten. CCS hingegen bringt keine anderweitigen Vorteile, sondern nur zusätzliche Kosten.
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verbindlicher Regeln bedürfe, um den Klimawandel bekämpfen zu können und dass hierzu verpflichtende Reduktionsziele festgelegt werden sollten. Zur Erreichung dieser Ziele bevorzugen sie marktwirtschaftliche Mechanismen, die von dem allergrößten Teil der Mitigationsbefürworter auch durch das EU ETS angewandt wer-
den. 224 Hinter dieser Einstellung steht offenbar die Einsicht, dass auf freiwilliger Basis einzelner Länder keine wirksame Mitigation stattfinden könne und es daher einer übergeordneten Instanz bedürfe diese durch Überwachung verpflichtender Ziele durchzusetzen. Diese Staaten akzeptieren daher die Notwendigkeit Souveränität abzugeben um effektive Mitigation zu ermöglichen. Ein durchaus bemerkenswer-ter Vorgang. 225 Diese Ansicht führt dazu, dass das Handeln von Staaten die sich weigern an derartigen Regimen teilzunehmen negativ bewertet wird, da diese Vorgehensweise nur Erfolg versprechend ist, wenn möglichst viele Länder teilnehmen.
2.6.2.1.4 Kommunikation
Die Kommunikation ihrer Position nimmt bei Vertretern der Mitigationsbefürworter in der Klimadebatte immer größeren Raum ein. Viele führende Politiker dieser Gruppe bezeichnen den Klimawandel als eines der zentralen Probleme unserer Zeit und setzen dieses Thema hoch auf ihre Agenda. Kanzlerin Angela Merkel kündigte beispielsweise an Energie- und Klimapolitik zu einem zentralen Thema der deut-
schen Eu-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 zu machen. 226 Besonders hervorzuheben ist sicherlich der britische Premierminister Tony Blair, der dieses Thema zum zentralen Thema des Endes seiner Amtszeit gemacht hat und es z.B. in den Mittelpunkt des G8-Gipfels in Gleneagles stellte. In Großbritannien ist infolge dessen geradezu ein Wettstreit zwischen den großen Parteien entstanden, wer sich
mehr um das Klima sorge. 227 Ein im Vergleich zu früheren Zeiten ungewöhnlicher Vorgang, der verdeutlicht, dass es sich eigentlich kein politischer Akteur innerhalb der Gruppe der Mitigationsbefürworter leisten kann, nicht zur Klimadebatte Stellung
224 Interessanterweise, waren es die damals an den Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll beteiligten USA, die gegenüber den eher skeptischen Europäern auf Aufnahme dieser Mechanismen ins Kyoto-Protokoll gedrängt haben. Vgl.: Andresen, S., Asia-Pacific, 2006.
225 Die Probleme des Kyoto-Protokolls, wie z.B. die Tatsache, dass die vereinbarten Ziele wohl zu gering sind, um dem Klimawandel tatsächlich stoppen zu können und die die Aussicht, dass viele Länder selbst diese moderaten Reduktionsziele nicht erreichen werden (Vgl.: Roth, Wolfgang Versagen, 2005), sollen an dieser Stelle nicht ausgeführt werden. Hier ist vor allem die Erkenntnis wichtig, dass die Mitigationsbefürworter diesen generellen Weg des Klimaschutzes für einen geeigneten Ansatz halten und bereit sind ihn zu gehen und auszuweiten.
226 Vgl.: FR, Brüssel, 2007.
227 Besonders der Vorsitzende der Konservativen David Cameron tut sich hier hervor. Vgl.: BBC News, Cameron, 2006.
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zu beziehen. 228 Die Mitigationsbefürworter nehmen auch durch eigene Forschungsprojekte, wie Studien oder technische Forschungsprogramme, kommunikativen Einfluss auf die Klimadebatte. Auch hier sticht in jüngster Zeit das Vereinigte Königreich heraus, dessen Regierung den bereits erwähnten Stern-Report in Auftrag
gab, der für großes Aufsehen sorgte. 229 Auch die EU tritt häufig mit Studien und Stellungnahmen zu Klima- und Energiethemen in die Öffentlichkeit. Inwieweit sich die kommunizierte Position mit dem tatsächlichen Verhalten deckt, ist schwer zu sagen und hängt davon ab, wie man die bisherigen Mitigationsbemühungen der Mitigationsbefürworter bewertet und wo man ggf. die Gründe für ein Abweichen von der kommunizierten Position verortet. Dass die bisher erreichten Reduktionen nicht ausreichen um den Klimawandel ernsthaft zu beeinflussen, wird von den Wenigsten bestritten. Allerdings stellt sich die Frage ob dies daran liegt, dass die Mitigationsbe-fürworter von ihrer kommunizierten Position abweichen, weil sie es wollen oder weil sie nicht anders können. Globale Mitigationsbemühungen gestalten sich aufgrund der oben genannten Trittbrettfahrerproblematik und wegen der Vielzahl beteiligter Akteure, deren Interessen es zu vereinen, gilt ausgesprochen schwierig. Die EU-Staaten bzw. die EU selbst haben sich bei den verschiedenen Verhandlungen als treibende Kräfte gezeigt und tun dies auch weiterhin. Man muss den Mitigationsbefürwortern zugute halten, dass sie die einzigen sind, die tatsächliche Reduktionsverpflichtungen angenommen haben; ob deren geringes Ausmaß als Scheitern der internationalen Bemühungen oder als erster wichtiger Schritt zu einem umfassenderen post-Kyoto Regime zu bezeichnen ist, wird erst die Zukunft sicher zu zeigen vermögen.
2.6.2.1.5 Zwischenfazit Mitigationsbefürworter
Die Gruppe der Mitigationsbefürworter ist ein bedeutender Akteur im Bereich CCS. Diese Bedeutung rührt aus der starken Stellung im Bereich der internationalen Mitigation her, in der sie als einzige mit einer Kombination aus Willen, Mitteln und Verpflichtung zur Emissionsreduktion auftreten. Sie scheinen gewillt ihre Vorreiterrolle in diesem Bereich ernst zu nehmen und auszubauen. Wobei nicht übersehen werden darf, dass sie immer noch weit davon entfernt sind ausreichend aktiv zu sein, um eine signifikante Mitigation zu erreichen. Diese Position deckt sich mit den starken Bemühungen CCS voranzubringen und als Mitigationsoption zu etablieren.
228 Anders als in der Gruppe der Mitigationsskeptiker, gibt es hier kaum Politiker die den Klimawandel nach außen hin nicht ernst nehmen. Ob sich das in ihren Handlungen niederschlägt ist natürlich eine andere Frage.
229 Vgl.: Stern, N., Report, 2006.
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Insbesondere trägt die Kohärenz der Mitigationsbemühungen mit dem Vorantreiben von CCS zur Glaubwürdigkeit bei. Die staatlichen Durchsetzungsmittel geben ihnen eine umfassende Macht, die sie durch das Herbeiführen von Nicht-Entscheidungen oder das Setzen von technischen Rahmenbedingungen sowie das Etablieren von Anreizsystemen wahrnehmen.
2.6.2.2 Mitigationsskeptiker
2.6.2.2.1 Ideologie
Die Mitigationsskeptiker sind vom Klimawandel auf vielfältige Art betroffen: So gibt es sowohl durch große Hitze (Landesinnere Australiens), oder durch steigenden Meeresspiegel bedrohte, teilweise dicht besiedelte (z.B. New York), lange Küstenabschnitte (etwa 45.000 km Gesamtküstenlänge), als auch durch mildere Winter (Norden der USA) betroffene Gebiete. Stärker als bei den Mitigationsbefürwortern, kann man bei den Skeptikern jedoch in einigen Bereichen eine besondere Betroffenheit durch extreme Wetterereignisse ausmachen. Diese sind vor allem in weiten Teilen der USA ein ernstzunehmendes Problem. Besonders die durch Hurrikans betroffenen Gebiete im Süden sind stark gefährdet, wie die Hurrikansaison 2005 eindrucksvoll gezeigt hat, die mit der Zerstörung eines großen Teils von New Orleans durch Hurrikan Katrina ihren traurigen Höhepunkt fand. Australien seinerseits ist in besonderem Maße von Hitzewellen betroffen, die in vielen der ohnehin sehr heißen Regionen des Landes Probleme bereiten könnten. Allerdings ist die Bedrohung der Mitigationsskeptiker bei weitem nicht so existenziell, wie für die in Abschnitt 2.6.2.1.1 erwähnten Schwellen- und Entwicklungsländer. Dies liegt daran, dass die Mitigationsskeptiker, ebenso wie die Befürworter, mit deutlich umfangreicheren finanziellen und technischen Möglichkeiten ausgestattet sind.
Die Möglichkeiten zur Mitigation sind ebenfalls umfangreich. Wegen des höheren Emissionsniveaus der Emissionsskeptiker, deren Grenzvermeidungskosten noch niedriger liegen dürften, stellen sich die Möglichkeiten zur Mitigation sogar noch
besser dar. 230
Die Perzeptionswirklichkeit stellt sich jedoch deutlich anders dar. Die Wahrnehmung des Klimawandels unterscheidet sich zum einen dadurch, dass die Zusammenhänge dieses Phänomens in der breiten Bevölkerung nicht sehr bekannt sind und das der
230 Allein das Einsparpotential durch den Einsatz von PKW und LKW mit geringerem Treibstoffbedarf als dem in diesen Ländern üblichen hohen Verbrauch, böte enormes Vermeidungspotential zu moderaten Kosten.
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Klimawandel insgesamt auch nicht als übermäßig beachtenswerte Bedrohung angesehen wird und somit auf der politischen Agenda hintansteht. Es ist allerdings eine Veränderung zu beobachten, die nicht zuletzt durch die Folgen der Hurrikansaison 2005 einen Schub bekommen hat. Während die Regierung und die Republikaner Mitigationsmaßnahmen, insbesondere internationaler Natur, weiterhin weitestgehend als wirtschaftsschädigend und wegen geringen Nutzens ablehnen, deutet sich auf
verschiedenen anderen Ebenen ein Bewusstseinswandel an. 231 Ob sich dieser mittelfristig in einer substanziellen Veränderung der Perzeptionswirklichkeit auf Regierungsebene auswirken wird, ist momentan nicht abzusehen. Dies hängt in den mitigationsskeptischen Ländern stark von einem möglichen Wechsel der konservativen
Regierungen ab. 232 Aus australischer Sicht kommt noch hinzu, dass das Land stark von Kohleexporten abhängt, 233 die durch einen geringeren Kohleverbrauch im Zuge des Klimaschutzes zurückgehen könnten. Die Wahrnehmung einer Bedrohung durch steigende Ölpreise und der Wille energietechnisch autonom zu sein, könnten jedoch indirekt zu klimafreundlicheren Handlungen führen, ohne durch einen Perzeptions-wandel im Bereich Klima begründet zu sein. So hat sich Präsident George W. Bush für eine deutliche Erhöhung der Forschungsmittel für alternative Energiequellen ausgesprochen, jedoch nicht aus Gründen des Klimaschutzes, sondern um die Ab-hängigkeit der USA vom Öl zu verringern. 234
In den mitigationsskeptischen Ländern werden noch keine CCS-Anlagen betrie-ben, 235 allerdings gehören sie gemeinsam mit den Mitigationsbefürwortern zu den Ländern, in denen CCS-Anlagen mit großer Wahrscheinlichkeit zuerst in Betrieb gehen werden. Know How und nötiges Kapital sind gegeben. Die Operationswirklichkeit bezüglich Kohle stellt sich so dar, dass die mitigationsskeptischen Länder sehr große eigene Kohlevorkommen haben, die zum großen Teil auch leicht förderbar ist. Ihr Zugang zu Kohle ist also noch besser als bei den mitigationsbefürwortenden Ländern. Ähnlich verhält es sich mit den möglichen Ablagerungsstätten, die in beiden Ländern zahlreich vorhanden sind. Eine Bedrohung durch CCS ist, abgesehen
231 So streben einige Bundesstaaten gemeinsame Klimaschutzmaßnahmen ohne die Bundesregierung an, Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat den Klimawandel zu einem der zentralen Themen seiner Regierung gemacht und der ehemalige Vizepräsident Al Gore findet mit seiner Klimakampagne große Aufmerksamkeit und Zuspruch. Vgl. zu Schwarzenegger: Economist, Their way, 2006 und zu Gore Hürter, T./Schnabel, U., Klimapräsident, 2006.
232 Diese Abhängigkeit ist deutlich ausgeprägter als in Europa, wo sich die Klimapolitiken der linken und rechten Regierungen nicht mehr so stark unterscheiden, wie in den USA und Australien.
233 Vgl.: Hetkämper, R., Kohle, 2006.
234 Vgl.: manager-magazin.de, Bush, 2006.
235 Abgesehen von EOR-Projekten, die jedoch keine CCS-Anlagen sind im eigentlichen Sinne sind. Siehe Abschnitt 2.2.6.6.
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von möglichen Leckagen, kaum ersichtlich, da die Länder nicht als bedeutende Öl-oder Gasexporteure auftreten. Höchstens Australien könnte, als wichtiger Exporteur von Uran, durch eine Verdrängung der Atomkraft betroffen sein, was jedoch eher unwahrscheinlich ist und durch zusätzliche Kohleexporte wohl ausgeglichen werden würde.
CCS wird als Mitigationsmöglichkeit wahrgenommen, was sich durch die umfangreichen F&E-Projekte und Investitionsvorhaben deutlich zeigt. Die mitigationsskeptischen Länder sehen sich in der Lage, CCS Anlagen in großem Ausmaß in Betrieb zu nehmen und sind der Ansicht, hierbei eine Vorreiterrolle übernehmen zu können.
2.6.2.2.2 Macht
Die Macht der Mitigationsskeptiker in der Klimadebatte gründet auf den von ihnen verursachten Emissionen, die einen sehr hohen Anteil an den globalen Gesamtemissionen ausmachen und auch umgerechnet pro Einwohner an der Weltspitze liegen. Sie könnten den Klimawandel zwar nicht alleine stoppen, substanzielle Reduktionen in diesen Ländern allein, würden jedoch bereits einen signifikanten Beitrag zur globalen Mitigation leisten. Verstärkt wird der Einfluss noch durch die Tatsache, dass die Trittbrettfahrerproblematik bei diesem Teil der globalen Emissionen insofern nicht so deutlich ins Gewicht fällt, als dass sie von nur zwei Staaten verantwortet werden. Die zur Behebung dieses Problems notwendige höhere Instanz ist in Form der Regierungen also bereits vorhanden. Deutlich wurde der enorme Einfluss, insbesondere der USA, beim Kyoto-Protokoll. Durch die Verweigerung der USA zu ratifizieren, stand es kurz vor dem Zusammenbruch, obwohl es letztendlich durch die Unterzeichnung Russlands doch noch in Kraft treten konnte. Durch das Fehlen der Mitigationsskeptiker hat es jedoch deutlich an Kraft eingebüßt hat. Allein die Möglichkeit der Mitigationsskeptiker, durch ihre Teilnahme an Kyoto oder einem post Kyoto Regime, das Thema Klimawandel auf der globalen Agenda ein ganzes Stück höher zu setzen, beinhaltet eine nicht zu unterschätzenden Machtposition. Die Macht im Bereich CCS speist sich, wie bei den Mitigationsbefürwortern auch, hauptsächlich aus den regulatorischen Möglichkeiten des Akteurs, eine Entscheidung pro CCS zu verhindern. So kann durch regulatorische Hürden oder gar Verbote, CCS erschwert oder unmöglich gemacht werden. Dies wäre allerdings aus Sicht der USA schwerer zu begründen, da dort sowohl ein umfangreiches CO 2 -Transportnetz als auch die Verpressung von CO 2 in unterirdische Formationen bereits genehmigt
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sind. 236 Entscheidender für eine weitreichende Einführung von CCS ist jedoch auch hier das Setzen von Anreizen, ohne die der Betrieb von CCS-Anlagen aus oben beschriebenen Gründen nicht attraktiv sein kann. Da die Mitigationsskeptiker bisher an keinem Klimaregime teilnehmen, aus dem sich Anreize zur Reduktionsminderung ergäben, bleiben nur direkte Subventionen als Mittel staatlicher Unterstützung üb-rig. 237 Einfluss auf internationale Klimaregime könnte der Akteur jedoch auch ausüben ohne bereits Teilnehmer zu sein, indem die Aufnahme von CCS begünstigenden Vereinbarungen als (Teil)Bedingung eines Beitritts gestellt wird. Derartigen Forderungen hätten, ob der starken Machtposition in der Klimadebatte, großes Gewicht.
2.6.2.2.3 Normen
Die Mitigationsskeptiker stehen den aktuellen Regeln des Klimaschutzes negativ gegenüber, weshalb sie auch nicht teilnehmen. Der Grund hierfür ist neben der Perzeption, der Klimawandel sei eine vernachlässigbare Bedrohung, auch die generelle Ablehnung gegenüber Regimen dieser Art. Die Mitigationsskeptiker zeigen sich weniger bereit, teilweise Souveränität abzugeben und sich internationalen Regelwer-
ken zu unterwerfen. 238 Stattdessen wollen sie auf individuellen technischen Fortschritt setzen. Als Konkurrenz zu Kyoto wurde dementsprechend die Asia-Pacific Partnership ins Leben gerufen. Diese Organisation hat sich ebenfalls des Klimaschutzes verschrieben, versucht diesen aber anders als das Kyoto-Protokoll nicht über verbindliche Reduktionsziele, sondern über gemeinsame technische Entwick-lungen zu erreichen. 239 Ein weiterer Grund für die Verweigerung gegenüber internationalen Klimaschutzregimen, ist eine Ablehnung des damit verbunden weitreichenden System- und Einstellungswechsels. Ein geringerer Energieverbrauch durch höhere Effizienz und geringere Energienutzung bedeutet in vielen Bereichen eine Umstellung des individuellen Lebenswandels und auch der Wirtschaft, der von den
Mitigationsskeptikern weitestgehend abgelehnt wird. 240 Die Forderung anderer Staa-
236 SieheAbschnitt 2.2.3.1 und 2.2.6.6.
237 In den USA könnten allerdings auch Bemühungen auf Ebene der Bundesstaaten wichtige Anreize setzen.
238 Eine Verhaltensweise die nicht nur auf Anstrengungen zum Klimawandel beschränkt ist, sondern sich generell in einer tendenziell ablehnende Haltung gegenüber multilateralen Organisationsformen zeigt und eine Tendenz zu unilateralem Handeln, besonders der USA, widerspiegelt. Zu beobachten beispielsweise in der Diskussion um dem Internationalen Strafgerichtshof oder innerhalb der Welt-handelsorganisation. Vgl.: Hippler,J., Unilateralismus, 2003.
239 Vgl.: NZZ, Klimapolitik, 2006.
240 Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Treibstoffverbrauchs in den USA. Maßnahmen zur Umstellung auf Benzin sparende Automodelle oder öffentlichen Nahverkehr, z, B. eine durch eine
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ten, dem Kyoto-Protokoll oder anderen Klimaschutzregimen beizutreten, wird dementsprechend oftmals als regelrechter Angriff auf die Eigenständigkeit gewertet und es wird mit Ablehnung begegnet.
CCS passt sehr gut in dieses Normenmuster, da es den mitigationsskeptischen Ländern ermöglichen würde, autonom und ohne große Veränderungen am Energiesystem, Klimaschutz zu betreiben.
2.6.2.2.4 Kommunikation
Die Mitigationsskeptiker kommunizieren ihre Positionen zum Klimawandel nicht so offensiv, wie es die Befürworter tun. Allgemein gilt, dass die Kommunikation eher in die Richtung geht, die Wichtigkeit und Unersetzlichkeit der konventionellen Ener-gieversorgung für die Wirtschaft und die Gesellschaft in den Vordergrund zu stellen und die internationale Klimapolitik als Gefährdung derselben zu bezeichnen. Die Kommunikation der eigenen Aktivitäten im Bereich CCS erfolgt dagegen relativ direkt, was in gewisserweise inkonsequent ist, da es sich bei CCS ja um eine reine Klimaschutztechnik ohne weitere positive Nebeneffekte handelt und man den Kli-mawandel normalerweise nicht als große Bedrohung darstellt. Hier stellt sich die Frage, warum man bereit wäre, die enormen Zusatzkosten auf sich zu nehmen, die eine weitreichende Verbreitung von CCS bedeuten würde, wenn man auf der anderen Seite die Ansicht vermittelt, keinen hohen Aufwand für die Mitigation betreiben zu wollen. Eine ähnliche Diskrepanz lässt sich bei der Asia-Pacific Partnership ausmachen, die zu der Frage führt, ob es sich bei diesen Aktivitäten nicht um „politische
Augenwischerei“ 241 handele.
Wirklich weitreichende Mitigationsbemühungen - gepaart mit einem als substanziell angesehen Einsatz von CCS - würde eine nicht zu unterschätzende Signalwirkung an andere Akteure aussenden und sowohl die globale Mitigation als auch den Einsatz von CCS vorantreiben.
2.6.2.2.5 Zwischenfazit Mitigationsskeptiker
Insgesamt sind die Mitigationsskeptiker, trotz eines zu beobachtenden Mentalitäts-wandels und einer leichten Annäherung an den Kyoto-Prozess, der Mitigation gegenüber weitergehend eher ablehnend eingestellt. Dies könnte sich durch mögliche
höhere Besteuerung des Treibstoffs, wird als Angriff auf den american way of life gewertet wird und gilt als undenkbar. Allerdings macht sich hier, im Rahmen der oben geschilderten Perzeptionsveränderung langsam durchaus ein Umdenken bemerkbar. Vgl.: Economist, Their way, 2006.
241 Andresen, S., Asia-Pacific, 2006, S.1.. Eigene Übersetzung, Original:„political window dressing“
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Regierungswechsel zwar ändern, es ist jedoch keinesfalls sicher, dass die Oppositionsparteien, wenn sie tatsächlich Regierungsmacht innehätten, Mitigationsbemühungen unternähmen, die denen der europäischen Staaten vergleichbar wären. Die Bemühungen im Bereich CCS stehen dazu in einem Widerspruch, der sich auf zwei Arten auflösen ließe: Zum einen könnte es tatsächlich so sein, dass die Mitigationsskeptiker technische Mitigationssoptionen ernsthaft einsetzen wollen und verschiedene technische Verbesserungen und Innovationen in Zukunft dazu nutzen werden, ihre Emissionen massiv zu senken. CCS wäre dann ein zentraler Bestandteil dieser Vorgehensweise. Zum anderen könnten die Anstrengungen in Richtung CCS gemeinsam mit Ansätzen wie der Asia-Pacific Partnership, nur als politisches Feigenblatt dienen, welches die Tatsache verdecken soll, dass ernsthafte und wirkungsvolle Mitigationsbemühungen nicht vorgenommen werden sollen oder können. Welche dieser Vermutungen eher der Wahrheit entspricht, wird sich erst in Zukunft zeigen und ist zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar. Es steht jedoch fest, dass die Mitigationsskeptiker, anders als beim Kyoto-Protokoll, nicht bremsend wirken werden.
3 Gesamtfazit und Ausblick
In dieser Arbeit wurde gezeigt, dass mit CCS mittelfristig eine Technologie zur Verfügung stehen könnte, die es erlauben würde, auf eine bisher unbekannte Art zur Mitigation beizutragen. Es könnte möglich sein, fossile Energieträger zu nutzen und dabei nur einen Bruchteil der Emissionen zu verursachen, die damit bisher verbunden waren. Auf dem Weg dorthin bedarf es noch der Klärung einer Vielzahl technischer Fragen, vor allem im Bereich der kostengünstigen Abscheidung und der sicheren Ablagerung. Prinzipielle technische Einwände stehen CCS jedoch nicht entgegen.
Klar ist aber auch, dass eine wirksame Mitigation aus einer Kombination aller zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Emissionsreduktion bestehen muss. Die Reduktionen, die zur Erreichung des 2°C-Zieles notwendig wären, sind zu ambitioniert, als dass eine einzelne Möglichkeit der Reduktion ausgelassen werden könnte. Es wäre fatal, Effizienzmaßnahmen oder den Ausbau EE zu Gunsten von CCS hintanzustellen. Auch vor dem Hintergrund der endlichen fossilen Ressourcen, müssen Alternativen mit aller Kraft vorangebracht werden. Es besteht andererseits kein Zweifel daran, dass die Nutzung fossiler Energieträger auf absehbare Zeit weiterhin eine zentrale Rolle in der globalen Energieversorgung einnehmen wird. Selbst bei
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den optimistischsten Prognosen wird es noch viele Jahrzehnte dauern, bis ein Umstieg auf alternative Energiequellen vollzogen sein könnte. Bis es soweit ist, kann CCS als eine wichtige Brückentechnologie fungieren, die jedoch frühestens ab ca. 2015 zur Verfügung stehen wird. Mit einer umfassenden Anwendung wäre erst einige Jahre später zu rechnen, wenn die Lernkurveneffekte zu substantiellen Kostenreduktionen geführt haben könnten.
Die Nutzung von Kohle als Energiequelle für CCS-Kraftwerke wird dabei im Mittelpunkt stehen. Aus energiepolitischen Gesichtspunkten birgt Kohle so viele Vorteile, dass ein Verzicht auf sie nicht ernsthaft erwartet werden kann. Neben der Klärung der technischen Fragen, stehen auch noch einige regulatorische Probleme im Raum, die es zu lösen gilt. Die Integration von CCS in nationale Regularien wird in den meisten Staaten und Regionen möglich sein. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Umsetzung in verschiedenen Geschwindigkeiten vonstatten gehen wird, so dass es zu einer zeitlich unterschiedlichen Anwendung von CCS kommen dürfte. Die Integration in internationale Regularien zum Schutz der Meere dürfte kaum noch Probleme bereiten, insbesondere da eine Aufnahme von CCS ins Londoner Protokoll schon vorgenommen wurde. Ungleich wichtiger und schwieriger dürfte sich die Aufnahme in Klimaschutzregime gestalten. Ohne eine Aufnahme in derartige Regime, wird die Anwendung von CCS deutlich geringer ausfallen. Grundsätzlich ist es unerlässlich Anreize zur Verwendung von CCS zu schaffen, wenn diese Technik jemals mehr als eine bloße Randerscheinung werden soll. Ob die Anreize letztendlich durch CO 2 -Steuern, Subventionen oder eine Einbindung in Emissionshandelssysteme gesetzt werden, ist für die Entwicklung von CCS zweitrangig. Entscheidend ist, ob die zusätzlichen Kosten für CCS kompensiert werden könnten. Ein staatlicher Zwang zum Bau von CCS-Anlagen, scheint hingegen so gut wie ausgeschlossen.
Welche Akteure werden vor diesem Hintergrund die Entscheidenden sein und wie werden sie voraussichtlich agieren? Es wurde gezeigt, dass industriestaatliche Akteure zu Beginn die wichtigsten Akteure sein werden. Alle vier betrachteten Akteursgruppen, werden dabei eine Rolle spielen. Ihre Bedeutung fällt jedoch unterschiedlich stark aus.
Energieunternehmen haben durch ihr technisches Know How als potentielle Erbauer und Betreiber eine wichtige Position inne. Da CCS ihnen die Möglichkeit geben könnte, ihre zentrale Machtposition im Energieversorgungssystem zu halten und unter Umständen zu verstärken, ist von ihnen kein Widerstand zu erwarten. Bei
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geeigneten Anreizen werden Energieunternehmen weiterhin an der Spitze der CCS-Entwicklung stehen. Sollten diese Anreize jedoch ausbleiben, ist nicht zu erwarten, dass Energieunternehmen CCS über den Bau von Pilotanlagen und F&E-Projekten hinaus betreiben werden.
Umweltorganisationen stehen CCS in den meisten Fällen skeptisch gegenüber. Ihr Einfluss wird aufgrund der eher geringen Macht die sie innehaben, nicht übermäßig ins Gewicht fallen. Ihre Rolle dürfte eher die des öffentlichen Kontrolleurs der Energieunternehmen sein, und sie werden versuchen, ihren Einfluss durch Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying dahingehend geltend zu machen, dass CCS eher zurückhaltend und vorsichtig eingesetzt wird.
Entscheidend sind die staatlichen Akteure. Ohne ihren aktiven Einsatz für CCS, wird diese Technik nicht in großem Maßstab eingesetzt werden. Sie sind es, die die Möglichkeiten haben, die erforderlichen Anreize zu setzen, ohne die CCS keine Verbreitung finden wird. Mitigationsskeptiker und Mitigationsbefürworter arbeiten in allgemeinen Klimafragen in der Regel nicht gut zusammen und bremsen sich eher gegenseitig in ihren Mitigationsbemühungen. Dass beide Akteure jedoch CCS gegenüber positiv eingestellt sind und bereit scheinen, in dieser Frage an einem Strang zu ziehen, spricht deutlich für eine zukünftig verbreitete Anwendung.
Angesichts des zunehmenden weltweiten Problembewusstseins in puncto Klimawandel, des immer größer werdenden Handlungsdrucks, der lösbar scheinenden Probleme, bei der technischen Umsetzung von CCS und insbesondere der für CCS ausgesprochen positiven Akteurskonstellation, scheint der Umsetzung dieser Klimaschutztechnik in den nächsten Jahren nichts Wesentliches mehr entgegenzustehen.
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4 Abkürzungsverzeichnis
4.1 Abkürzungen
CAA CCS CCT CDM CER
COP CSLF ECBM EE EOR EU ETS IEA IGCC IPCC JI LPG LTS MEA OSPAR
The Convention for the Protection of the Marine Environment of
SACS
THG UNCLOS
UNFCCC
4.2 Einheiten
CO
2
°C GtCO
2
MtCO
2
MtCO
2
y
-1
ppmv - 88 -
5 Literaturverzeichnis
Alle in dieser Arbeit angegebenen Internetquellen sind Stand 12.01.2007. Dokumente die meines Wissens sowohl in Druckform, als auch im Internet verfügbar sind, werden gemäß der Druckform zitiert und die Internetquelle wird zusätzlich im Literaturverzeichnis vermerkt. Ausschließlich im Internet publizierte Texte werden wie gedruckte Quellen zitiert, soweit dies möglich ist. Einfache Internetverweise auf Homepages finden sich nur in den Fußnoten und werden nicht zusätzlich im Literaturverzeichnis aufgeführt.
Teile der Kapitel 2.3 und 2.4 basieren auf dem wissenschaftlichen Teil des Praktikumsberichts meines Praktikums vom 01.08.2005-31.03.2006, bei der Dresdner Bank in Frankfurt am Main. Betreuender Dozent war Prof. Dr. Norbert Konegen.
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6 Abbildungsverzeichnis
Abb.1:
Globaler Temperaturanstieg seit 1860
Eigene Übersetzung, Quelle: House of Lords, Climate Change, 2005, S.17
Abb. 2:
Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre Eigene Übersetzung, Quelle: Stern, N., Report, 2006, S.4
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Abb.3:
Lage einiger geologischer Gaslagerstätten Eigene Übersetzung, Quelle: IPCC, Report, 2005, S. 211
Abb.4:
Übersicht über geologische Ablagerungsmöglichkeiten für CO 2. Eigene Übersetzung, Quelle:IPCC, Report, 2005, S.199
Abb. 5: Weltweite Verteilung großer CO 2 -Punktquellen
Eigene Übersetzung, Quelle: Duckat, R. et al., Abscheidung, 2004, S.20
Abb.6:
CCS und ähnliche Projekte weltweit Quelle IPCC, Report, 2005, S.198
Abb.7:
In Salah
Eigene Übersetzung, Quelle: IPCC, Report, 2005, S.203
Abb.8:
Die seerechtlichen Zonen nach UNCLOS Quelle: IEA, Legal Aspects, 2005, S. 23
Abb.9:
Vier Dimensionen von Politik (MINK-Schema) Quelle: Patzelt, W., Einführung, 2003, S.38
Abb.10:
CCS-Folie des BEE
Quelle: BEE Präsentation anlässlich des CCS-Workshops von Greenpeace am 26.September 2005
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/energie/Pieprzyk_BEE _CCS_26-09-05.pdf
Tab. 1:
Geschätzte Speicherkapazitäten verschiedener geologischer Reservoire Quelle: Gale, Overview, 2002, S.18. Übersetzung: Duckat, R. et al. 2004, S. 22
Tab.2:
Wichtigste internationale Abkommen zur Berücksichtigung im Kontext von CCS Eigene Übersetzung, gekürzt, Quelle: IPCC, Report, 2005, S. 254
Tab.3
CO 2 gemäß OSPAR
Quelle. Eigene Darstellung. Vgl.: IEA, Legal Aspects, 2005, S.27.
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Arbeit zitieren:
Stefan Wächter, 2007, Akteure der Entwicklung, Anwendung und Regulierung von Carbon Capture and Sequestration (CCS) - Eine Beschreibung und Analyse der Interessen und Handlungen der verschiedenen Gruppen, Organisationen und Staaten in der Diskussion um die Nutzung von CCS zum Klimaschutz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Erdöl und Erdgas - Eine fachwissenschaftliche Abhandlung
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hausarbeit, 11 Seiten
Unternehmensfinanzierung über kommerzielle Beteiligungsgesellschaften
BWL - Investition und Finanzierung
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Ziel- und Ergebnisorientierte Steuerung: Betrachtung einer aktuellen S...
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Stefan Wächter hat den Text Akteure der Entwicklung, Anwendung und Regulierung von Carbon Capture and Sequestration (CCS) - Eine Beschreibung und Analyse der Interessen und Handlungen der verschiedenen Gruppen, Organisationen und Staaten in der Diskussion um die Nutzung von CCS zum Klimaschutz veröffentlicht
Stefan Wächter hat einen neuen Text hochgeladen
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