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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
A. Einleitung 4
1. Ansatz 4
2. Fragestellung 5
3. Forschungsstand und Quellenlage 5
4. Vorgehensweise 7
B. Grundlagen: 9
Die United States Information Centers als Teil der amerikanischen Kulturpolitik nach
dem 2. Weltkrieg 9
1. Zur Entwicklung, Organisation und Zielsetzung des Amerika-Haus
Programmes 10
1.1. Die Entstehung während der OMGUS-Periode 10
1.2. Die Hochphase unter der Verwaltung des Amerikanischen
Hochkommissars 12
1.3. Die Etablierung der United States Information Agency und die
Umwandlung in Deutsch-Amerikanische Institute 14
2. Die Amerika-Häuser als Kulturzentrum 15
3. Zum Erfolg der Institution 17
C. Zum Amerika-Haus Augsburg 1946-1953 21
1. Der Hintergrund: Augsburg in der Nachkriegszeit 21
2. Die Anfänge: Von der amerikanischen Bücherstube zum Amerika-Haus am
Schmiedberg 4 23
3. Prinzregentenstraße 11 27
3 1 Die Eröffnungsfeier am 14 12 1948 28
3
3.1.1. Die Rede des Oberbürgermeisters Klaus Müller 29
3.1.2. Weitere Redebeiträge 30
3.2 Räumliche und personelle Organisation 32
3.3. Das kulturelle Angebot 35
3.3.1. Die Bibliothek 35
3.3.2. Das Veranstaltungsprogramm 37
4. Die Schließung bzw. die Übernahme durch die Stadt 42
5. Zur Rezeption des Amerika-Hauses 44
5.1. Wirkung und Wahrnehmung des Amerika-Hauses 44
5.2. Die Darstellung im Spiegel der Schwäbischen Landeszeitung 49
D. Schlussbetrachtungen 52
Abkürzungsverzeichnis 54
Anhang 55
„Amerikahaus Augsburg“ 60
Abendveranstaltungen der Woche 60
4
A. Einleitung
1. Ansatz
Der Irakkrieg und die daraus noch immer resultierenden Spannungen innerhalb der Bevölkerung und zwischen Irakern und den US-amerikanischen Besatzungstruppen haben die außenpolitischen Beziehungen der Vereinigten Staaten auf eine harte Probe gestellt. Augenblicklich gelingt es der Regierung Bush nicht in zufriedenstellender Weise, ihr selbst gestecktes Ziel der Demokratisierung des Zweistromlandes zu realisieren. Die gegenwärtige Lage lässt die Erinnerung an die Situation der Amerikaner im Nachkriegsdeutschland aufkommen. Damals stießen Demokratisierungsbemühungen der amerikanischen Besatzungsmacht dort auf fruchtbareren Boden als heute im Nahen Osten. Ein Mittel, das meines Erachtens u.a. zu diesem Erfolg beigetragen hat, war die unaufdringliche Informations- und Kulturarbeit der Amerika-Häuser. Ob es langfristig sinnvoll wäre, auch im Irak etwas Ähnliches wie Amerika-Häuser zu installieren, um die Demokratisierung des Landes voranzutreiben und wie erfolgversprechend das aufgrund der sehr verschiedenen Rahmenbedingungen sein würde, kann freilich in dieser Studie nicht diskutiert werden. Nichtsdestotrotz ist es Anlass genug, sich näher mit der Institution Amerika-Haus zu befassen und das Interesse dabei v.a. auf die Entwicklung, Funktion und Rezeption dieser Einrichtung zu lenken. Insbesondere das Amerika-Haus Augsburg soll aus praktischen und persönlichen Gründen im Fokus dieser Analyse liegen.
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2. Fragestellung
In diesem Werk soll in erster Linie geklärt werden, wie die Geschichte des Amerika-Hauses Augsburg aus heutiger Perspektive aussieht. Wie lange bestand das Amerika-Haus in Augsburg? Wo war es? Welche Veranstaltungen wurden angeboten? Wie wurde das Angebot in der Öffentlichkeit angenommen und wie in den örtlichen Medien darüber berichtet? Um die Entwicklung des Amerika-Hauses Augsburg zu verstehen 1 , erscheint es notwendig, auch zu analysieren, in welches administrative System es eingebettet war. Wann und unter welchen normativen Grundlagen entstand das Amerika-Haus Programm? Welche kulturpolitischen Zielsetzungen verband die amerikanische Besatzungsmacht damit? Wie veränderte sich die Funktion der Amerika-Häuser? Was wurde in und von den Amerika-Häusern angeboten und wie wirkte dieses Angebot auf die Besucher und auf die Medien?
3. Forschungsstand und Quellenlage
Zur Nachkriegsgeschichte und zur amerikanischen Besatzungspolitik in Deutschland allgemein ist die Forschung äußerst umfangreich. Es würde den Rahmen dieser Untersuchung sprengen, detailliert darauf einzugehen. Dem Teilaspekt des kulturellen Einflusses Amerikas wenden sich gerade neuere Studien zu, auch wenn der Schwerpunkt traditionell bei politischen und wirtschaftlichen Themen liegt. Gerade mit dem Bereich der Massen- und Jugendkultur haben sich Autoren wie Rob Kroes 2 oder Kaspar Maase 3 beschäftigt.
Forschungsergebnisse zu den Amerika-Häusern liegen vermehrt aus dem englischsprachigen Raum vor. Diese sind jedoch oft älteren Datums, wie der wichtige Beitrag von Henry Pilgert von 1951 4 . Im deutschsprachigen Raum sind v.a. die Aufsätze von Karl-Ernst Bungenstab 5 , Axel Schildt 6 und Reinhold Wagnleitner 7 zu nennen,
1 Im Sinne von Geertz, Clifford: Dichte Beschreibung, Frankfurt/Main, 1987, S. 21f., S. 290f.
2 Vgl. Kroes, Rob (Hg.): Cultural transmissions and Receptions. American Massculture in Europe, Amsterdam 1992.
3 Vgl. Maase, Kaspar: Roll over, Beethoven! The “Americanization” of West German youth and the emergence of a new cultural balance, Hamburg 1992.
4 Pilgert, Henry P.: The History of the development of Information Services through Information Centers and Documentary Films, Mehlem 1951.
5 Bungenstab, Karl-Ernst: Entstehung, Bedeutungs- und Funktionswandel der Amerika-Häuser. Ein Beitrag zur Geschichte der amerikanischen Auslandsinformation nach dem 2. Weltkrieg, in: Brumm. Ursula u.a. (Hg.): Jahrbuch für Amerikastudien, Bd. 16, Heidelberg 1971.
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die einen informativen und differenzierten Überblick über die Thematik geben. 1984 erschien eine Magisterarbeit von Angela Möller 8 , die sich der Gründung und Entwicklung der Amerika-Häuser in den Jahren 1945-49 widmet. Die wohl umfassendste und äußerst detailgenaue Darstellung ist von Maritta Hein-Kremer von 1996 9 . Sie bringt viele Einzelerkenntnisse, so wird besonders auf die Geschichte, Organisation und Konzeption der Amerika-Häuser Wert gelegt, als auch auf Zahl und Zusammensetzung der Besucher und die inhaltliche Gestaltung des Veranstaltungsprogramms. Etwas zu kurz kommt jedoch die Auswirkung der Amerika-Häuser und ihrer Re-education Politik auf die deutsche Bevölkerung. 10
Die Quellen zu dem Augsburger Amerika-Haus wurden bisher nicht erforscht. Die vorliegende Studie hat das Ziel, dies nachzuholen und die Forschungslücke zu schließen. Dabei basiert die Darstellung primär auf einer Auswertung der Artikel zum Thema Amerika-Haus aus der Schwäbischen Landeszeitung, der Vorgängerzeitung der heutigen Augsburger Allgemeinen. Darüber hinaus wurde das Aktenmaterial, das im Stadtarchiv Augsburg vorliegt, zusammen mit dem Augsburger Amtsblatt zur weiteren Bearbeitung hinzugezogen. Wichtige Ergänzungen zu diesen lokalen Quellen konnten auch die OMGUS-Akten (Akten des „Office of Military Government of the United States“) aus dem Institut für Zeitgeschichte (IfZ) und dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München liefern. 11 Die Analyse beschränkt sich allerdings thematisch auf das Augsburger Amerika-Haus, da die relevanten OMGUS-Akten („Information Service Division“ und „Education & Cultural Relation Division“) des IfZs bereits durch die oben erwähnte Magisterarbeit von Angela Möller umfangreich ausgewertet wurden. Die Primärquellenforschung erstreckt sich auf die Jahre von 1946 bis 1953, in denen das Amerika-Haus Augsburg existierte. In Bezug auf Sekundärliteratur gibt es nur zu den großen Amerika-Häusern wie München oder Berlin längere Textpassagen innerhalb der
6 Schildt, Axel: Die USA als „Kulturnation“. Amerika-Häuser und ihre Bedeutung in den 1950er Jahren, in: Lüdtke, Alf u.a. (Hg.): Amerikanisierung. Traum und Alptraum in Deutschland des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1995.
7 Wagnleitner, Reinhold: Coca-Colonisation und Kalter Krieg. Die Kulturmission der USA in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg, Wien 1991.
8 Möller, Angela: Die Gründung der Amerika-Häuser 1945-1949. Ein Beitrag zur Geschichte amerikanischer Kultur- und Informationspolitik in Deutschland, Magisterarbeit Ludwig-Maximilian-Universität München 1984.
9 Hein-Kremer, Maritta: Die amerikanische Kulturoffensive. Gründung und Entwicklung der amerikanischen Information Centers in Westdeutschland und West-Berlin 1945-1955, Köln 1996.
10 Gassert, Philipp: Amerikanismus, Antiamerikanismus, Amerikanisierung, in: Archiv für Sozialgeschichte (hg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Verbindung mit dem Institut für Sozialgeschichte e.V.), Bd. 39, Braunschweig/Bonn 1999, S. 556f.
11 Siehe Nachweis der einzelnen Stücke im Quellenverzeichnis, unter: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Institut für Zeitgeschichte und Stadtarchiv Augsburg.
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Standartwerke. Kleinere Einrichtungen wie das Augsburger Amerika-Haus, das nur zeitlich begrenzt aktiv war, werden meist nur in einem Nebensatz und mit wenig zusätzlicher Information erwähnt. Im Allgemeinen beschränkt sich die Literatur zu den Nachkriegsjahren in Augsburg hauptsächlich auf das politische Feld, doch insgesamt ist die wissenschaftliche Dokumentation der Militärregierungszeit als eher spärlich zu bezeichnen. Als die wohl differenzierteste Studie ist bislang die von Edward N. Peterson zu nennen 12 , der sich mit dem Neubeginn in Augsburg unter amerikanischer Besatzung beschäftigt und als fast Einziger innerhalb der gesichteten Literatur das Amerika-Haus zumindest in wenigen Sätzen erwähnt.
4. Vorgehensweise
Im ersten Drittel dieser Studie wird der engere historische Hintergrund dargestellt, vor dem man das Augsburger Amerika-Haus betrachten muss. Da es eines der zahlreichen United States Information Centers im Nachkriegsdeutschland war, soll sich die Untersuchung zuerst auf die allgemeine Geschichte der Amerika-Häuser im besetzten Bundesgebiet konzentrieren. Dabei soll auf deren Entstehung, deren Zielsetzung und deren Funktionswandel eingegangen werden. Auch das Aktivitätsspektrum und die Wahrnehmung durch die Besucher wird bei der Untersuchung eine Rolle spielen. Im zweiten Teil, dem Hauptteil dieses Werkes wird versucht, anhand der gesichteten Quellen (vgl. Punkt A. 3.) wichtige Aspekte des Amerika-Hauses Augsburg darzustellen. In einem ersten Schritt wird kurz die Situation Augsburgs nach dem 2. Weltkrieg skizziert, wobei die Zusammenarbeit der Deutschen mit den Amerikanern eine Rolle spielen wird. Danach soll diese Studie die Entwicklung der untersuchten Institution von der amerikanischen Bücherstube am Schmiedberg 4, die ab Herbst 1947 in Amerika-Haus umbenannt wurde, bis zum Umzug in die Prinzregentenstraße 11 nachzeichnen. Wichtige Zielsetzungen werden anhand der Redebeiträge zur Eröffnungsfeier vom 14.12.1948 deutlich. Als nächstes soll auf die Organisation und das Veranstaltungsprogramm des Amerika-Hauses eingegangen werden und nicht zuletzt die Schließung der Einrichtung behandelt werden. Abschließend wird unter kulturhistorischer Perspektive versucht, der Rezeption des Augsburger Amerika-Hauses, anhand v.a. von Medienbeiträgen, näher zu kommen.
12 Peterson, Edward N.: Local Variations: Augsburg, Friedberg, Eichstätt, Nuremberg, in: Ders.: The American Occupation of Germany. Retreat to Victory, Detroit 1977, S. 271-338.
darauf hingewiesen werden, wie begrenzt dieser empirische Ansatz bleiben muss. Der eingeschränkte Rahmen einer Baccalaureusstudie bedingt, dass die Quellenauswertung, insbesondere im Hinblick auf die Analyse der Zeitungsausschnitte der Jahre 1946-53, keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Die Möglichkeiten der Oral History 13 konnten leider nicht in dem gewünschten Maß genutzt werden, da viele Zeitzeugen bereits verstorben sind bzw. sich wenige Personen finden ließen, die wirklich fruchtbare Informationen oder Einschätzungen zum Thema Amerika-Haus Augsburg beisteuern konnten. Insgesamt wurden zwei Interviews geführt, eines mit Karl Erhard (geb. 15.5.28 in Augsburg), der im Amerika-Haus im Rahmen von Musikabenden aufgetreten ist und das zweite mit Franz R. Miller (geb. 7.5.26 in Augsburg), der das Amerika-Haus gelegentlich als Besucher genutzt hat.
13 Vgl. Vorländer, Herwart (Hg.): Oral History. Mündlich erfragte Geschichte, Göttingen 1990.
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B. Grundlagen:
Die United States Information Centers als Teil der amerikanischen
Kulturpolitik nach dem 2. Weltkrieg
Nach dem 2. Weltkrieg herrschten zwei gegensätzliche Einstellungen innerhalb der politischen Lager in den USA gegenüber den Deutschen vor. Die Vertreter des Morgenthau-Planes sahen ein Bestrafungskonzept vor, nämlich die Umgestaltung Deutschlands in einen Agrarstaat. Dieser Plan konnte sich jedoch nicht durchsetzten und schließlich beschloss die amerikanische Regierung angesichts der sich anbahnenden Blockbildung, Deutschland wirtschaftlich zu unterstützen und es in die westliche Staatengemeinschaft zu integrieren. Innerhalb dieser Position war es von Anfang an klar, „that the United States cannot afford to spend billions on economic reconstruction without a valiant effort in the field of education and cultural relations. It has been the basic principle underlying this Government’s policy for Germany that the reeducation of the German people is an integral part of policies intended to help develop democratic form of government and to restore a stable and peaceful economy.” 14
Deswegen betrieben die USA gerade auf dem Gebiet der Kultur eine Offensive, um Einfluss auf das besiegte Deutschland zu nehmen.
Zahlreiche Beispiele belegen, wie diese Kulturpolitik konkret aussah: sei es durch die Vergabe von Lizenzen für deutsche Verleger 15 , die Einrichtung des Radiosenders Voice of America oder der Start des Fulbright Stipendienprogramms, durch das Tausende von Deutschen die Gelegenheit bekamen, die USA zu besuchen. Nicht immer gelang es den Amerikanern in Deutschland dabei ihre Ziele durchzusetzen, so scheiterten sie z.B. bei der Reform des deutschen Schulsystems. 16 Eine der erfolgreichsten amerikanischen Initiativen im Kultursektor waren die United States Information Centers (USIC), oder auch Amerika-Häuser genannt. Wie diese entstanden sind, welche Ziele mit ihnen verfolgt wurden, wie sie funktionierten und warum sie so attraktiv für die deutsche Bevölkerung waren, wird im folgenden Punkt geklärt werden.
14 Tuch, Hans N.: Communicating with the World. U.S. Public Diplomacy Overseas, Washington D.C. 1990, S. 16f.
15 Boehlin, Rebecca: Die amerikanische Kulturpolitik während der Besatzungszeit 1945-1949, in: Junker, Detlef (Hg.): Die USA und Deutschland im Zeitalter des Kalten Krieges 1945-1990. Ein Handbuch, Bd. 1, Stuttgart/München 2001, S. 593.
16 Trommler, Frank (Hg.): Amerika und die Deutschen. Bestansaufnahme einer 300jährigen Geschichte, Opladen 1986, S. 673.
10
1. Zur Entwicklung, Organisation und Zielsetzung des
Amerika-Haus Programmes
1.1. Die Entstehung während der OMGUS-Periode
Den faktischen Ursprung der Amerika-Häuser kann man in der „Window to the West“ Bücherei in Marburg und in dem Bad Homburger „reading room“ ansehen, der von der Psychological Warfare Division (PWD) eingerichtet wurde. 17 Bis zum Juli 1946 wurden in sogenannten „key cities“ weitere United States Information Centers (USICs) eröffnet. Diese waren im Gegensatz zu den anfänglichen „reference libraries“ oder „Information Center Units“, die nur den Militärangehörigen und deutschen Lizenzträgern zur Verfügung standen, der gesamten Öffentlichkeit zugänglich. 18 Der Name Amerika-Haus setzte sich Ende 1947 neben der offiziellen Bezeichnung United States Information Center endgültig durch und beendete den unklaren und gleichzeitigen Gebrauch verschiedener Namen, nachdem eine Umfrage unter deutschen Benutzern zu dem Ergebnis geführt hatte, dass Amerika-Haus der beliebteste war (weitere Vorschläge waren: American House, Haus der USA, Haus des Wissens, Kulturhaus USA, USA Haus). 19 Die Amerika-Häuser standen unter der Verwaltungskompetenz der Information Control Division (ICD) der amerikanischen Militärregierung (OMGUS). Die Finanzierung des Amerika-Haus Programms lief über das Budget der ICD, ein Teil (z.B. Einkauf der Bibliotheksmaterialien) wurde jedoch auch aus amerikanischen Steuergeldern bezahlt und die US-Truppen kümmerten sich um die Belieferung mit Brennstoff und den Transport. 20 Erstaunlicherweise fehlt sowohl in dem „Manual for the Control of German Information Services”, nach dem sich die ICD richten musste, wie auch in der Besatzungsdirektive JCS 1067 vom April 1945 noch jeglicher expliziter Hinweis auf die Information Centers. Nur durch eine extensive Auslegung dieser gesetzlichen Grundlagen, die eine Wiederbelebung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Basis vorsahen, können die Amerika-Häuser eben dort eingeordnet werden. Mit der Direktive JCS 1779 vom 11.7.1947 tauchen jedoch klare Anweisungen über Aufbau, Zweck und Funktion der USICs auf. 21 So wurden die Amerika-Häuser rasch in das Re-education Programm eingegliedert, denn das besagte:
„the re-education of the German people is an integral part of policies intended to help develop a democratic form of government...” 22
17 Pilgert 1951, S. 7.
18 Hein-Kremer 1996, S. 543.
19 Möller 1984, S. 55.
20 Ebd. S. 72f.
21 Bungenstab 1971, S. 192-194.
22 Ebd., S. 194.
11
Die Deutschen sollten demzufolge zur Demokratie umerzogen werden, das starre Festhalten an staatliche Autoritäten und der Glaube an weltanschauliche Doktrinen und Militarismus sollte vertrieben und eine persönliche Meinungsbildung unterstützt werden. Westliche Werte sollten vermittelt und Deutschland in die westliche Staatengemeinschaft integriert werden. 23 Kellermann ist der Ansicht, dass Amerika-Häuser „committed to a pro-western and pro-American posture and reactions.“ 24 Der Smith-Mundt-Act aus dem Jahre 1948, der die Durchführung des internationalen Informationsprogrammes schließlich endgültig legitimierte, sollte „es der amerikanischen Regierung (…) ermöglichen, ein besseres Verständnis für die Vereinigten Staaten in anderen Ländern zu fördern und die gegenseitige Verständigung zwischen dem amerikanischen Volk und den Völkern anderer Nationen zu vertiefen.“ 25
Die Amerika-Häuser sollten ein „full and fair picture“ 26 , also eine möglichst objektive Gesamtdarstellung der USA bieten und den Deutschen den „American way of life“ näher bringen. 27 So lauteten typische Titel von Ausstellungen „Architecture in the USA“, „American Journalism“, „American Folklore“ und „Political Democracy in the United States and in England“. 28
Nachdem die Deutschen während des Naziregimes von der Welt abgeschnitten waren und wenig darüber wussten, was in anderen Ländern passiert war, 29 versuchten die Amerika-Häuser dieses Informationsvakuum durch ihre Bibliotheken zu füllen und die Stunde Null auch im kulturellen Bereich zu überwinden. Sie dienten als sogenannte „geistige Care-Pakete“ 30 . Ein deutscher Besucher der Bibliothek gab einem amerikanischem Soldaten 1946 auf die Frage, ob er hauptsächlich zum Aufwärmen dort sei folgende Antwort:
„Mostly I am here to warm my mind, which was nearly frozen after ten years of isolation.“ 31
Ein weiteres Ziel war der Versuch nachzuweisen, dass die Vereinigten Staaten den Deutschen kulturell ebenbürtig seien. Bei vielen Europäern dominierte seit jeher die Vorstellung, die USA sei in Bezug auf Wirtschaft und Technik zwar weit fortgeschrit-
23 Doering-Manteuffel,rung im 20. Jahrhundert, Göttingen 1999, S. 67.
24 Kellermann, Henry J.: Cultural Relations as an Instrument of U.S. Foreign Policy. The Educational Exchange Programme between the United States and Germany 1945-1954, Washington D.C. 1978 (Cultural Relations Programs of the U.S. Department of State. Historical Studies No. 3), S. 235.
25 10 Jahre Amerika-Haus München, München o. J., S. 3.
26 Hein-Kremer 1996, S. 547.
27 Wagnleitner 1991, S. 160.
28 Willett, Ralph: The Americanization of Germany 1945-1949, London/New York 1989, S. 21.
29 Zink, Harold: The United States in Germany 1944-1955, Westport 1957, S. 234.
30 Artikel „Amerikahäuser“, in: Süddeutsche Zeitung, München 6.2.1986 (aus den Informationsmaterialien des Amerika-Hauses München, keine Seitenangabe).
31 Koenig, Robert: Amerika Haus 1945-1995. The first 50 years, Bonn 1995, S. 7.
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ten, besitze aber keine Kultur und repräsentiere nur flachen Materialismus. 32 Diesem Vorurteil wollten die Amerikaner durch die Amerika-Häuser als Kulturzentrum entgegenarbeiten und dadurch die USA als Kulturnation präsentieren. Ende der 40er Jahre ersetzte der Begriff Re-orientation den als zu einseitig empfundenen Begriff der Re-education, der durch die strafende und belehrende Konnotation eher negativ besetzt war. 33 Der ambitionierte Kurs und teilweise missionarische Eifer, mit dem die Amerika-Häuser zu Beginn betrieben wurden, gab Platz für nüchterne Information über die USA. Dieser Wandel zeigt sich auch in der Umbenennung der ICD in die Information Service Division (ISD). 34
1.2. Die Hochphase unter der Verwaltung des Amerikanischen
Hochkommissars
Nach vier Jahren unter der amerikanischen Militärregierung wurde die Zuständigkeit für die Amerika-Häuser dem „Office of Public Affairs“ des „US High Comissioner for Germany“ (HICOG) übertragen. In dieser Phase erlebten die Amerika-Häuser ihre größte Verbreitung, sogar in der britischen Besatzungszone kam es zu Eröffnungen. So gab es im Bundesgebiet zu Beginn der 50er Jahre 27 Amerika-Häuser mit über 100 angeschlossenen Leseräumen im ländlichen Gebiet (Verbreitung der Amerika-Häuser nach Pilgert, siehe Anhang, S. 53), 1953 sogar 36. 35 Auch der Beliebtheitsgrad und die Besucherzahlen stiegen unter dem amerikanischen Hochkommissars auf ihren höchsten Wert. Aufgrund des politischen Bedeutungsverlustes, der im nächsten Punkt behandelt wird, wurde diese Zahl jedoch schon sehr bald wieder deutlich reduziert. Während der HICOG-Periode kam es zu einem Funktionswandel der Amerika-Häuser. Der schon unter der „operation backtalk“ 1947 einsetzende Antikommunismus verschärfte sich 1950 unter dem Einfluss des beginnenden Koreakriegs und der „Campaign of Truth“ des Präsidenten Truman:
„Our task is to present the truth to the millions of people who are uninformed or misinformed or unconvinced (…) This task is not separate and distinct from other elements of our foreign policy. It is a part of all we are doing to build a peaceful world.” 36
32 Wagner, Wolfgang: Das Amerikabild der Europäer, in: Kaiser, Karl/Schwarz, Hans-Peter: Amerika und Westeuropa, Gegenwarts- und Zukunftsprobleme, Stuttgart/Zürich 1977, S. 24.
33 Tent, James F.: Mission on the Rhine. Reeducation and Denazification in American Occupied Germany, Chicago 1982, S. 254.
34 Bungenstab 1971, S. 200.
35 Koenig 1995, S. 9.
36 Ebd. S.1.
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Das Angebot an antikommunistischer Lektüre wurde in den United States Information Centers aufgestockt und bei der Säuberungstour der McCarthy Mitarbeiter Roy Cohn und G. David Schine wurden einige Werke kommunistischer Autoren und solcher, die mit „unamerikanischen“ Aktivitäten verbunden wurden, aus den Bibliotheken entfernt. 37 Dabei kam es u.a. zu der skurrilen Situation, dass selbst das Buch „War of Peace“ des amerikanischen Außenministers John Foster Dulles auf seine Anweisung hin aus den Büchereien entfernt wurde. 38 Auf dem Index standen auch Titel von Autoren wie Dos Passos, Reinhold Niebuhr oder Frank Lloyd Wright, die zu der amerikanischen Standardliteratur zählten. 39
Obwohl der antikommunistische Kurs in den Amerika-Häusern verschärft und die Programmarbeit stärker politisiert wurde, kam es jedoch nicht zu einer völligen Abkehr der bis dahin verfolgten Ziele. Weiterhin spielten die Demokratisierungsbemühungen und die kulturelle Selbstdarstellung der USA eine wichtige Rolle. 40 So heißt es im offiziellen Auftrag des „Office of Public Affairs“ HICOG, das für die Amerika-Häuser verantwortlich war:
„…to assist the German people with the development of democratic institutions and practices in all areas of public life, to help to accomplish the integration of Germany into Europe and thus to prepare the participation of Germany as an active and responsible member of the community of nations.” 41
Eng damit verbunden war die verstärkte Betonung der Integration Deutschlands in Europa. Der bisherige Vergleich Amerika-Deutschland wurde teilweise durch die Gegenüberstellung Amerika-Europa ersetzt. 42
Der amerikanische Hochkommissar John J. McCloy betonte 1950, dass „The Amerika Haus is not a house of propaganda. It is a house for free men and women to exchange views, to learn and to reach understanding.“ 43 Auch wenn diese Behauptung, wie z.B. bei Möller umstritten bleibt, die sagt, dass „die Amerika-Häuser definitionsmäßig ein Propagandainstrument der amerikanischen Regierung waren und sind“ 44 , so hielt sich der Schaden durch die antikommunistischen Aktivitäten in Grenzen. Festzuhalten bleibt aber sicher, dass der Übergang von Propaganda zu Information fließend ist, die Besucher der Amerika-Häuser aber innerhalb des Angebots immer noch durch die
37 Wagnleitner 1991, S. 160.
38 Artikel „John Foster Dulles“ (Rubrik Personalien), in: Der Spiegel, Heft 29, Hamburg 1953, S. 26.
39 Gienow-Hecht, Jessica C. E.: Die amerikanische Kulturpolitik in der Bundesrepublik 1949-1968, in: Junker, Detlef (Hg.): Die USA und Deutschland im Zeitalter des Kalten Krieges 1945-1990. Ein Handbuch, Bd. 1, Stuttgart/München 2001, S. 617.
40 Hein-Kremer 1996, S. 547.
41 Möller 1984, S. 139.
42 Ebd. S. 142.
43 Koenig 1995, S. 8.
44 Möller 1984, S. 13.
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freie Auswahl ihrer Lektüre selbst bestimmen konnten, welche Informationen sie aufnehmen wollten und welche nicht, und durch angebotene Diskussionsrunden ihre Urteilskraft schärfen konnten.
1.3. Die Etablierung der United States Information Agency und die
Umwandlung in Deutsch-Amerikanische Institute
Ab 1953 fielen die Amerika-Häuser allein in den Kompetenzbereich der neu gegründeten United States Information Agency (USIA). Diese war eine direkt dem US Präsidenten unterstellte Behörde, die in über 150 Ländern „Öffentlichkeitsarbeit für die USA“ betrieb 45 , bis sie 1999 ihre Arbeit beendete. 46 Nach 1953 wurde ein Großteil aller Amerika-Häuser geschlossen, sie sollten nach einer Studie unter dem Amerikanischen Hochkommissars folgende Kriterien erfüllen:
„1. relate most effectively with the entire Public Affairs field program 2. be within the reach of the maximum number of people
3. have the potential of reaching a balanced political, religious, trade union, educational, professional, and industrial cross-section of the people 4. serve the major cities of Germany 5. work intimately with at least one university
6. avail themselves of the receptivity and civic cooperation necessary for the development of a favourable opportunity for influencing people.” 47
So ist es nicht verwunderlich, dass in der Empfehlung, welche Amerika-Häuser bestehen bleiben sollen, Augsburg unter den 17 genannten fehlt, da es mehrere Kriterien nicht entsprach. Die USICs hatten einen großen Teil ihres politischen Zweckes erfüllt, da Deutschland durch das Grundgesetz eine demokratische Verfassung bekommen hatte und durch die Aufnahme in die NATO in das westliche Bündnis integriert war. Auch als Kultureinrichtung verloren sie an Bedeutung, da es mittlerweile genügend deutsche Institutionen gab, die z.B. qualifizierte Englisch-Sprachkurse anbieten konnten. Außerdem spielten finanzielle Engpässe bei der Reduzierung der Zahl der Amerika-Häuser eine Rolle. Durch das finanzielle Engagement von deutscher Seite konnten jedoch viele in binationale Zentren umgewandelt werden. 48 Diese „Deutsch-Amerikanischen Institute“ (DAI) dienten und dienen dem wechselseitigen Meinungs- und Gedankenaustausch, der Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen und der Vergrößerung des
45 Fickel, Kerstin: Amerika Häuser und Deutsch-Amerikanische Institute in der BRD. Ihre Geschichte und ihre heutige Funktion, in: Bibliothek. Forschung und Praxis, München 1999, S. 195.
46 Dizard, Wilson jr.: Telling America´s story, in: American Heritage, Bd. 54, New York 2003. S. 41.
47 Office of the U.S. High Commissioner for Germany (Hg.): The America Houses. A Study of the U.S. Information Center in Germany, prepared by the Management and Budget Division and the Office of Public Affairs, o. O. 1953, S. 128 (Im Folgenden zitiert als HICOG Studie 1953).
48 Fickel 1999, S. 196.
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Wissens über das jeweilige andere Land. 49 Heute gibt es noch drei Amerika-Häuser in Berlin, Frankfurt und Köln und zehn Deutsch-Amerikanische Institute in Freiburg, Hamburg, Heidelberg, Kiel, München, Nürnberg, Regensburg, Saarbrücken, Stuttgart und Tübingen. 50 Diese Zentren sind heute v.a. für die Verbreitung von Informationen über die Vereinigten Staaten von Amerika zuständig, sie bieten Interessenten, die einige Zeit in den USA verbringen wollen, Hilfestellung und veranstalten verschiedene Konzerte, Theateraufführungen oder Vorträge, die sich mit amerikanischen Stoffen beschäftigen. 51
2. Die Amerika-Häuser als Kulturzentrum
Die Amerika-Häuser hatten ein breites Aktivitätsspektrum. Sie boten über die Bibliothek hinaus, die das Zentrum eines jeden Amerika-Hauses bildete, vielfältige Möglichkeiten der kulturellen Freizeitgestaltung. Die prozentuale Nutzung der Angebote verteilte sich bei möglicher Mehrfachnennung durch die Besucher folgendermaßen: 75% Bücherei, 73% Filmvorführung, 62% Lesungen, 56% Konzerte, 52% Ausstellungen, 24% Theateraufführungen, 11% englische Sprachkurse, 11% Diskussionsrunden. 52 Alle Veranstaltungen unterstanden folgenden Vorgaben: „1. a presentation of the United States in a true and proper light, 2. the raising of the American prestige, 3. the implementation of United States foreign policy.” 53
Im Rahmen dieser Baccelaureusstudie ist es leider nicht möglich, neben dem Bibliotheksprogramm der USICs auf die einzelnen Bereiche genauer einzugehen. Es wird allerdings der Versuch unternommen, im Teil B. über das Augsburger Amerika-Haus vertieft über das Veranstaltungsprogramm zu informieren, dessen Spannbreite von klassischen Kammermusikabenden bis hin zu Vorträgen über das politische System der USA reichte.
Die Bibliothek, „the basic instrument for the accomplishment of the Information Centers´ mission” 54 , war der wichtigste Pfeiler in der Informationsarbeit der Amerikaner. Diese lockte durch großzügige Öffnungszeiten - im Schnitt waren die Bibliotheken
49 Embassy of the United States of America (Hg.): Deutsch-Amerikanische Institute. German American Institutes, Bonn 1980, S. 3f.
50 www.dai-sb.de/linksammlung/dais/dais.htm#amerikahaeuser vom 16.01.05.
51 Bayerisch-Amerikanisches Zentrum im Amerika Haus München e.V.: Programminformation November/Dezember 2004
52 HICOG Studie 1953, S. 108.
53 Ebd. S. 130.
54 Pilgert 1951, S. 22.
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48 Stunden pro Woche, oft auch abends und teilweise sogar sonntags, offen - auch Berufstätige an. Ein Schwerpunkt des Buchangebots lag bei Nachschlagewerken, Wörterbüchern und solchen Büchern, die sich mit Aspekten der amerikanischen und deutschen Kultur auseinander setzten. Auch waren jetzt solche Bücher den Lesern zugänglich, die während des Naziregimes verboten waren. Unter der allgemeinen Auswahl der Bibliothek lag belletristische Literatur, v.a. Romane eindeutig an erster Stelle in der Beliebtheitsskala des Publikums. Von besonderer Bedeutung war die Zeitschriftenabteilung, in der man einerseits z.B. medizinische oder technische Fachzeitschriften finden konnte, aber auch nach lokalen Besonderheiten ausgesucht z.B. das Magazin „Toys and Novelties“ in Nürnberg. 55 Bei einem durchschnittlichen Bestand von 16.000 Bänden pro Bibliothek war ca. ein Viertel der Bücher in deutscher Sprache. 56 Die Bücher stammten v.a. aus nicht mehr benötigten Beständen der US Armee, aus von State und War Department zusammengestellten Materialsendungen und aus Buchspenden von Privatpersonen und Vereinigungen wie der „Rockefeller Foundation“. Die deutschsprachigen Bücher, die besonders deswegen wichtig waren, weil viele Besucher nur über geringe Englischkenntnisse verfügten, wurden hauptsächlich aus der Schweiz und Schweden bezogen. 57
Es wurde besonders viel Wert darauf gelegt, einzelne Zielgruppen anzusprechen. So gab es in jeder Bücherei eine Abteilung mit Kinder- und Jugendbüchern. Mal- und Bastelkurse, Vorlesestunden mit Märchen und Marionettentheater wurden für Kinder angeboten. Diese lockten nicht nur Kinder an, sondern waren auch oft der Anlass für deren Eltern, das Amerika-Haus zu besuchen, zumal oft eine kostenlose Kinderbetreuung mit inbegriffen war. Speziell für Frauen gab es u.a. im Münchner Amerika-Haus eine „Stunde der Frau“, in die man das weibliche Publikum mit Modeschauen und Diskussionsrunden, in denen man z.B. die Rolle der berufstätigen Frau in Deutschland und den USA erörterte, lockte. 58 Auch für Jugendliche gab es speziell zugeschnittene Veranstaltungen, wie bestimmte Dokumentarfilmvorführungen, Jugendtheatergruppen und Korrespondenzclubs, in denen man Brieffreundschaften mit amerikanischen Altersgenossen knüpfen konnte. 59
55 Mößlang, Markus (Konzeption): Windows to the West. Amerika Häuser in Bayern. Eine Ausstellung von Bayern liest e. V. und der Bertelsmann Buch AG, o. O. und J.
56 Pilgert 1951, S. 22.
57 Möller 1984, S. 57-61.
58 Schildt 1996, S. 262.
59 Mößlang o. J.
ben an Universitäten, Schulen, kirchliche oder gewerkschaftliche Organisationen, private Vereine und öffentliche Einrichtungen vergeben. 60 Zweigbibliotheken, die auch unter der Bezeichnung „reading rooms“ gebräuchlich waren, wurden in Kleinstädten und auf dem Land eröffnet (es gab 1949 in Bayern allein 70 dieser Lesesäle). Ab 1952 wurden dann auch Bücherbusse, sogenannte „bookmobiles“, eingesetzt, die deutlich kostengünstiger als die „reading rooms“ waren. Diese versorgten entlegenere ländliche Gebiete von ihrem Depot aus, das in größeren Städten wie München oder Nürnberg lag, in einem Zwei- bis Vierwochenrhythmus mit Bibliotheksmaterialien. Neben Büchern und Zeitschriften wurden auch Filmvorführungen und kleinere Ausstellungen angeboten. Die Bücher der „bookmobiles“ waren fast ausschließlich in deutscher Sprache, da die Landbevölkerung meist weniger gute Englischkenntnisse aufwies als die Stadtbevölkerung. 61
3. Zum Erfolg der Institution
Amerika-Häuser wurden einerseits von der nationalistischen Rechten als „Relikte aus der schmachvollen Besatzungszeit“ und als „Werkzeuge der Amerikanisierung“ gesehen und von der extremen Linken als „Mittel des amerikanischen Kulturimperialismus“ angefeindet. 62 Andererseits hat ein amerikanischer Journalist Äußerungen von Deutschen so zusammengefasst:
„Phrases…speak of the individual center as our only intellectual home, an urgently needed institution, a place of so much value for the German people, the one source of political enlightment, a sort of mental bridge and the best embassies the United States could ever have sent us.“ 63
Insgesamt überwogen jedoch eindeutig positive Beschreibungen der Amerika-Häuser. So war die Zeitungsüberschrift zur Eröffnung des Augsburger Amerika-Hauses „Ein Fenster in die Welt“ 64 durchaus typisch neben beispielsweise der Bezeichnung des Hannoverschen Amerika-Hauses als „House of Freedom“ durch John L. McCloy 65 . Diese stark emotional belegten und extrem unterschiedlichen Sinnzuschreibungen führen auf jeden Fall zu der Einschätzung, dass die Amerika-Häuser in der Nachkriegszeit im Gegensatz zu heute viel stärker im Bewusstsein der Menschen verankert waren.
60 Wagnleitner 1991, S. 166.
61 Mößlang o. J.
62 Bungenstab 1971, S. 89.
63 Möller 1984, S. 149.
64 Artikel „Ein Fenster in die Welt”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg (Im Folgenden zitiert als SL) 15.12.1948, S. 2.
65 Willett 1989, S. 20.
zentren und „Community Centers“, trug im Wesentlichen zu deren Popularität bei. Auch wenn sie anfangs oft grundlegende Bedürfnisse der Bevölkerung befriedigen mussten und sie bei der Suche nach vermissten Familienmitgliedern halfen, Informationen über Kriegsgefangene bereit hielten oder die Besucher einfach kamen, weil es dort wärmer war als zu Hause, so wandelte sich das Interesse rasch und die Besucher nahmen das ganze Angebot der Amerika-Häuser wahr. Sie liehen Bücher und Zeitschriften aus, hörten Schallplatten an und sahen sich Theaterstücke zeitgenössischer amerikanischer Autoren an. 66
Während 1948 noch 9 von 10 in der amerikanischen Besatzungszone lebenden Deutschen nichts von den Amerika-Häusern wussten, so änderte sich das sehr schnell, so dass schon 1950 nach einer intensiven Werbkampagne durch die Amerikaner 62% diese Institution kannten. 67 Etwa 15% der Bevölkerung, die in der Nähe eines Amerika-Hauses wohnten, nutzten diese Einrichtung auch, so dass 1952 die Publikumszahl auf ca. eine Million geschätzt wurde, wobei es sich in erster Linie um ein urbanes, junges und gebildetes Publikum handelte. 68 Die hohen Besucherzahlen belegen bereits den quantitativen Erfolg der USICs. Aber auch der qualitative Einfluss der Amerika-Häuser darf keinesfalls unterschätzt werden, da die fleißigsten Benutzer eben aus den Bevölkerungsgruppen kamen, die zu den wichtigsten Meinungsbildnern zählen: „Akademiker und Mitglieder der Ober- und Mittelschichten, vor allem aber Studenten und Mittelschüler, das Reservoir für die Opinion Leaders der Zukunft.“ 69 Nicht umsonst arbeiteten viele USICs eng mit Universitäten zusammen, boten Material für Journalisten und Lehrer an, da diese als Multiplikatoren wichtig für die Weitergabe und Verbreitung von Informationen in die breitere Öffentlichkeit waren.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor der amerikanischen Kulturpolitik mit dem Ziel der Umerziehung zur Demokratie lag in der unaufdringlichen Vermittlung und dem „Vorleben“ von demokratischen Prinzipien. So konnten die Besucher nach Vorträgen noch an offenen Diskussionsrunden teilnehmen, verschiedene Ansichten anhören, Kritik üben und daraufhin selbst ihre Position zu bestimmten Themen stärken. In der bereits erwähnten HICOG Studie von 1953 wird in einem anschaulichen Zitat eines Besuchers dieser Effekt deutlich:
66 Wagnleitner 1991, S. 163f.
67 Raffa, Grazia: Amerika Häuser. “Brücken zur Welt”, Abschlussarbeit Universität von Messina 1999, S. 71.
68 Schildt 1996, S. 261.
69 Wagnleitner 1991, S. 173.
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„Before I visited the America House, I didn´t believe democratic ideals could be realized. Now the way the America House is run - that everybody can express his opinion freely, that people can do what they please, and can move about freely - has convinced me differently.“ 70
Auch das „open-shelf-System“, nach dem die Buchbestände der Amerika-Häuser aufgebaut waren, trug zum Demokratieverständnis bei. In der traditionellen deutschen Volksbücherei waren die Bücher dem Besucher nicht frei zugänglich und dieser musste an einem behördenähnlichen Tresen bei oft recht unwirschem Personal, wie Doering-Manteuffel schreibt, die gewünschte Lektüre bestellen, wobei er meist schon genau wissen musste, was er wollte. In der amerikanischen Bücherei hingegen konnte der Besucher frei in den Regalen stöbern und eine größere Anzahl von Büchern kostenlos entleihen. 71 Die Übernahme des Freihandsystems in die deutschen Bibliotheken, das bis heute dort genutzt wird, unterstreicht noch dessen Attraktivität. Auch wenn man kritisch anmerken kann, dass durch die Vorauswahl der Bücher durch die Amerikaner, schon eine indirekte Beeinflussung statt fand, so hatte dies jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Besuchermeinung. Diese nahmen nach anfänglicher Skepsis die USICs nicht als „Umerziehungszentren“ wahr und waren nicht der Ansicht, „zwangsbekehrt“ zu werden, 72 sondern akzeptierten die Amerika-Häuser als kulturelle und informative Einrichtungen. Dass es sich in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit demzufolge nicht um eine offensichtliche Propagandaeinrichtung handelte, ist sicher auch dem langsamen Medium Buch zu verdanken. Da die Besucher auf einen längeren Zeitraum hin gesehen maßvoll mit amerikanischen Vorstellungen vertraut gemacht wurden, wirkte sich dies nicht negativ auf das Bild der Amerika-Häuser aus, sondern stärkte die Glaubwürdigkeit der Information durch die USICs. Die Bibliothek vermittelte den Benutzern eher das Gefühl, sich selbst zu informieren als informiert zu werden. Eine Studie der Militärregierung zur öffentlichen Meinung, die in fünf deutschen Städten durchgeführt wurde, belegt dies:
“According to the opinions of the majority in each of the the cities, the purpose of the Amerika-Haus is to inform. Few state that its purpose is to propagandize for the United States.” 73
Auch die Tatsache, dass die Mehrheit der Besucher aus gebildeten Schichten stammte, die vermutlich empfindlich auf Manipulationsversuche reagiert hätte, lässt darauf schließen, dass seriöse Kulturarbeit vor politisch eingesetzter Propaganda überwog. 74
70 HICOG Studie 1953, S. 109.
71 Doering-Manteuffel 1999, S. 68.
72 Hein-Kremer 1996, S. 548.
73 The Amerika Haus in Five German Cities vom 1.11.1948, in: Bayerisches Hauptstaatsarchiv: OMGUS-Report 384.
74 Möller 1984, S.39.
der Deutschen über die Vereinigten Staaten ins Positive wandelte. 1953 sagten ca. 50% der Besucher der Amerika-Häuser aus, ihr Bild über das politische System der USA geändert zu haben. Die Zahl der Befragten, die angaben, Amerika zu schätzen, stieg von 1957 bis 1963 auf 58%, während die Zahl derer, die angaben, Amerika nicht zu mögen auf 19% zurückging. 75
In einem anderen Bereich verzeichnete das United States Information Center
Programm allerdings weniger Erfolg. Der Versuch, Amerika als eine den Deutschen ebenbürtige Kulturnation darzustellen, gelang nicht. Bei einer Umfrage in der Amerika- nischen Besatzungszone gaben 1950 62% der Befragten an, dass die Amerikaner kulturell etwas von den Deutschen lernen könnten und nur 18% waren der Meinung, dass man etwas von den Amerikanern lernen könnte. 1956 war dieser Wert sogar auf 16% gesunken. 76 Es gab jedoch auch Stimmen, die ihre Ansicht zur amerikanischen Kultur geändert hatten:
„Formerly I had believed that the Americans are a nation without a culture. I found that I was wrong.“ 77
Zum Ergebnis der Umfrage muss allerdings angemerkt werden, dass dieses unter Umständen auch deswegen zustande kam, weil die deutschen Befragten der Nachkriegszeit möglicherweise von einem eher engen Kulturbegriff, der nur Hochkultur beinhaltet, ausgingen, die amerikanischen Befragenden Kultur eher weiter fassten. Damit wäre das Untersuchungsergebnis relativiert. Was diese Lesart der Umfrage noch stützt, ist das Vorurteil über die Unkultur und den oberflächigen Materialismus der USA, das bis heute noch nicht aus der öffentlichen Meinung der Deutschen verschwunden ist, sondern weiterhin in starkem Maße propagiert wird.
Das Bedauern und die Proteste bis hin zu Unterschriftensammlungen seitens der deutschen Bevölkerung bei der Schließung vieler Amerika-Häuser belegen auf jeden Fall, wie beliebt diese Einrichtungen waren. Auch das Engagement von deutscher Seite, Teilbestände der USICs zu erhalten bzw. diese in Deutsch-Amerikanische Institute umzuwandeln, zeigt den Stellenwert, den die Amerika-Häuser im kulturellen Leben der Städte gewonnen hatten. 78
75 Gienow-Hecht 2001, S. 620f.
76 Schildt 1996, S. 268.
77 Möller 1984, S. 153.
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C. Zum Amerika-Haus Augsburg 1946-1953
1. Der Hintergrund: Augsburg in der Nachkriegszeit
Augsburg war während des 2. Weltkriegs Ziel 19 größerer Bombenangriffe geworden, wobei ca. 95% der Augsburger Altstadt zerstört wurde. 79 Der schwerste ereignete sich am 25./26. Februar 1944 in drei Angriffswellen, wobei 90% der durch den Krieg verursachten Schäden in dieser Nacht entstanden. Zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude wie das Rathaus oder der Perlachturm lagen in Ruinen, 60-70% der Industriebetriebe waren zerstört und ein Viertel des gesamten Wohnungsbestandes vernichtet. Dass es nicht zu noch größeren Schäden und einer größeren Zahl an Toten gekommen ist, als die 7. amerikanische Armee sich der Stadt näherte, ist u.a. einer engagierten Freiheitsbewegung zu verdanken, die sich seit längerem auf die kampflose Übergabe der Stadt vorbereitet hatte. Nachdem auch der Gauleiter Wahl und der Oberbürgermeister Mayr nicht auf eine Verteidigung der Stadt bestanden, konnten die Amerikaner bei gehissten weißen Flaggen in Augsburg einmarschieren. 80 Ein amerikanischer Militärkommandant übernahm sofort die vollziehende Gewalt. Als vorübergehender Oberbürgermeister wurde Dr. Wilhelm Ott eingesetzt, der eine politisch unbelastete Vergangenheit besaß. Es wurde versucht, möglichst schnell zu normalen Lebensverhältnissen zurück zu kehren: schon ab Herbst 1945 wurde der Schulunterricht wieder aufgenommen und Gas- und Stromversorgung war vorhanden, auch wenn es immer wieder zu Energieengpässen kam. Vor allem fehlende ausreichende Nahrungsmittel stellten eines der Hauptprobleme dar. Schulkinderspeisungen und die Zusendung von Care-Paketen wirkten der Ernährungsknappheit entgegen. Auf dem entstehenden Schwarzmarkt am Königsplatz versuchten die Stadtbewohner auf ihre Art, durch den Tausch von Waren und auf Basis einer Zigarettenwährung, mit den allgemeinen materiellen Mangelerscheinungen klar zu kommen. Eine Verschärfung der Situation traf noch ein, als dem Augsburger Stadtgebiet Flüchtlinge, v.a. aus dem Sudetenland, zugewiesen wurden. 81
Schritt für Schritt erholte sich das öffentliche Leben. Ab 30.10.1945 erschien, anfangs zweimal wöchentlich, die Schwäbische Landeszeitung unter dem Herausgeber Curt Frenzel. Die Allgemeine Freie Augsburger Gewerkschaft (AFAG) wurde etwa zur
78 Möller 1984, S. 144ff.
79 Thieme, Hans: Der Weg zum Augsburg von heute, in: Gunther, Gottlieb (Hg.): Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart 1984, S. 638.
80 Filser, Karl/Sobczyk, Peter: Augsburg im Dritten Reich, in: Gunther, Gottlieb (Hg.): Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart 1984, S. 633f.
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gleichen Zeit genehmigt. Auch die Parteien organisierten sich neu, so waren im Herbst 1945 bereits die SPD, die KPD, die CSU, als Vorläufer der FDP die Liberaldemokratische Partei und die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung, eine der kleineren Gruppierungen, zugelassen. Mit den Gemeindewahlen vom 26.5.1946 wurde der erste 41köpfige Stadtrat gewählt, in dem die CSU die absolute Mehrheit gewann und damit auch den Oberbürgermeister stellte. Dieser war zunächst Dr. Heinz Hohner, der jedoch schon im folgenden Jahr von Dr. Klaus Müller abgelöst wurde. Müllers Amtsperiode sollte bis 1964 dauern, er prägte damit im Besonderen die Politik Augsburgs in der Nachkriegszeit und v.a. die sich verbessernden deutsch-amerikanischen Beziehungen. 82 Die Entnazifizierung in Augsburg war ungewöhnlich umfangreich, wenn man bedenkt, dass Augsburg eine eher gemäßigte Naziregierung besaß 83 , und ging schnell voran. Allein 117000 Fragebögen wurden bis 1949 von den Spruchkammern bearbeitet, Geldstrafen für die Minderbelasteten verhängt und zahlreiche Angestellte, wie Richter und Lehrer, die der NSDAP nahe standen, entlassen. Besonders unter Major Coffran (er wurde jedoch schon wieder im August 1945 wegen seines schikanösen Verhaltens abberufen), der eine extreme und offen gezeigte Antipathie gegen die Deutschen hegte, wurde die Säuberung der Verwaltung unter größter Härte vollzogen. 84 So wurden allein 2035 von 3192 Angestellten und Beamten unter seiner Kommandantur entlassen, was zu erheblichen Einschränkungen in der effektiven Arbeit der Stadtverwaltung führte. 85 Betrachtet man den Kontakt der Stadtverwaltung mit der Militärregierung, so beschränkte sich dieser oft auf triviale Angelegenheiten und darauf, beschlagnahmte Häuser wieder in den Besitz Augsburgs zu bekommen, 86 was bei der Diskussion um die Unterbringung des Amerika-Hauses auch eine wichtige Rolle spielte. Der Einfluss der amerikanischen Militärregierung in Augsburg wird als gering beschrieben: „Some (officers) had emphasized trying to Americanize the Germans and had failed. (…) most soon saw that they could not get much done, so they had limited themselves to maintaining ´good contacts` in order ´to influence` the politicians.” 87
Peterson ist der Ansicht, dass die deutsche Kontinuität größer war als die amerikanische Veränderung, 88 er schreibt:
„It is almost as though MG (military government) had not happened (…) mostly the occupiers were only in the way (…) The Augsburg MG was mostly irrelevant..” 89
81 Thieme 1984, S. 638f.
82 Ebd., S. 639f.
83 Vgl. Interview mit Karl Erhard, Augsburg 10.1.05 (Zusammenfassung).
84 Thieme 1984, S. 639f.
85 Peterson 1977, S. 276.
86 Ebd., S. 294.
87 Ebd., S. 287.
88 Ebd., S. 272.
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Vor diesem Hintergrund ist vielleicht auch die wenig pointierte Aussage eines Zeitzeugen zu verstehen, der das Verhältnis der Bevölkerung zu den in Augsburg stationierten Amerikanern im Allgemeinen als recht gut beschrieb. 90 Kulturell gesehen musste das Meiste, genau wie in anderen Bereichen auch, nach dem 2. Weltkrieg erst wieder aufgebaut werden. Wie Dr. Otto Färber betont, „(gehören) viele Bildungsanstalten (…) zu den Opfern, die Quellen des Schrifttums waren verschmutzt und oft im wahrsten Sinne des Wortes verschüttet.“ 91 1946 hatte jedoch bereits die Komödie sowie die Freilichtbühne ihren Betrieb wieder aufgenommen, das Musikleben hatte sich unter Professor Piechler als Leiter des Konservatoriums gefangen und Ausstellungen bildender Künstler trugen ebenso dazu bei, die Kultur in Augsburg zu fördern. 92 Mit Lesestoff wurde die Bevölkerung aus der Staats- und Stadtbibliothek, aus der städtischen Volksbücherei, diversen Leihbibliotheken und ab 12.7.1946 auch aus der amerikanischen Bibliothek am Schmiedberg versorgt, 93 aus der später das Amerika-Haus Augsburg hervorgehen sollte.
2. Die Anfänge: Von der amerikanischen Bücherstube zum
Amerika-Haus am Schmiedberg 4
Wie eben erwähnt, wurde am 12.7.1946 eine amerikanische Bücherstube in Augsburg als vierte in Bayern eröffnet. 94 Die Daten Pilgerts (viele weitere Autoren beziehen sich auf ihn), der die Eröffnung eines „reading rooms“ in Augsburg mit Herbst 1946 angibt, sind somit falsch. Auch die spätere Eröffnung des Amerika-Hauses in der Prinzregentenstraße datiert er mit dem 16.12.1948 nicht korrekt, 95 tatsächlich fand diese schon zwei Tage vorher statt. Die amerikanische Bibliothek war im Gebäude der ICD am
Schmiedberg 4 untergebracht, in dem sich heute die Handwerkskammer für Schwaben befindet. Die Bücherstube, die später in Amerika-Haus umbenannt werden sollte, be- setzte ein Stockwerk und 17 Räume 96 . Allerdings stand schon im Sommer 1946 fest, dass dies nur ein vorläufiger Standort sein sollte. Die Räumlichkeiten wurden vom
89 Ebd., S. 297.
90 Interview mit Karl Erhard, Augsburg 10.1.05 (Zusammenfassung).
91 Artikel „Ein Jahr Augsburger Kulturleben”, in: SL 29.10.1946, S. 4.
92 Ebd., S.4.
93 Artikel „Was liest der Augsburger?”, in: SL 24.12.1947, S. 4.
94 Artikel „Amerikanische Bücherstube in Augsburg”, in: SL 16.7.1946, S. 3.
95 Pilgert 1951, S. 76.
96 Brief von Sophie Bernard an C.S. Wright vom 10.12.1948, in: Institut für Zeitgeschichte: OMGUS ISD, 5/314-3/1 (Bezifferung steht für Shipment/Box/Folder; im Folgenden nur mit IfZ und dazugehöriger Bezifferung zitiert).
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Bayerischen Staat zur Verfügung gestellt, der Buchbestand wurde von der ICD an die Stadtverwaltung Augsburg übergeben. Die Bibliothek war der Öffentlichkeit gegen Lösung einer Leihkarte zugänglich. 97
Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten waren neben Vertretern des kulturellen und geistigen Lebens Augsburgs prominente politische Persönlichkeiten anwesend: Von amerikanischer Seite erschienen u.a. der Leiter der ICD Augsburg, Mr. Ehlers, der Chef der Nachrichtenkontrolle für Bayern, Oberst Mac Mahon, der Kommandant der Militärregierung Augsburg, Oberst Norton, der Leiter des Verlags- und Buchhandlungswesens der Augsburger ICD, Mr. Richter und von deutscher Seite der Regierungspräsident Kreißelmeyer und der Bürgermeister Dreifuß. Unter den vier Redebeiträgen während der Eröffnungsfeier (Ehlers, Mac Mahon, Dreifuß und Richter) sticht v.a. die Ansprache von Oberst Mac Mahon heraus. In seiner Rede werden besonders die Ziele der Einrichtung der amerikanischen Bücherstube klar. Über die Beherrschung der englischen Fremdsprache, solle der Lernende Kenntnis über das Wesen der anderen Nation erlangen und damit Zugang zu den Trägern dieser Fremdsprache erhalten. Nach Jahren der „schlechtmachenden Propaganda“, der Isolation der Deutschen von der englischen Sprache und den USA, des Errichtens von Hindernissen, um z.B. an einem Austausch teilzunehmen und des Verbots amerikanische Medien, wie z.B. über Radiostationen, zu konsumieren, könne die Bibliothek dazu beitragen „zu einem wahren Verständnis der Vereinigten Staaten zu kommen.“ 98 Um das Verpasste nachzuholen und einen Zugang zu den Amerikanern und ihrem Land zu bekommen, sei es unter Umständen auch nötig, dass die Deutschen umlernten. Mac Mahon sprach jedoch nicht nur die Deutschen an, sondern betonte auch, dass auf Seiten der Amerikaner das Interesse an den Deutschen groß sei und man zu einem gegenseitigen Verständnis kommen wolle. Auch Bürgermeister Dreifuß begrüßte die Möglichkeit, die Vereinigten Staaten noch besser kennen und verstehen zu lernen. Mr. Ehlers hingegen sah die amerikanische Bibliothek als „ein wesentliches Hilfsmittel zur Umerziehung des deutschen Volkes.“ 99 Wie aus den Redebeiträgen deutlich wird, verfolgte die Augsburger Bücherstube dieselben Zielsetzungen, wie sie auch für den Rest der „reading rooms“ formuliert waren: Re-education, bessere Kenntnis der USA und gegenseitige Verständigung.
97 Artikel „Amerikanische Bücherstube in Augsburg”, in: SL 16.7.1946, S. 3.
98 Ebd. S.3.
99 Ebd. S.3.
fehlenden Information durch die „…Begegnung mit dem verbotenen, vergessenen deutschsprachigen und englisch geschriebenen Buch…“ entgegengearbeitet wurde und die Amerikaner „…uns aus der traurigen Vereinsamung und Verkümmerung der Hitlerjahre (rissen).“ 100 So fand sich in der amerikanischen Bücherstube viel amerikanische Fachliteratur, die wichtigsten Zeitungen und Zeitschriften und Vertreter der modernen Belletristik, wie Wilder, Maugham und Hemingway. Der Großteil der Bücher (insgesamt wird die Zahl im April 1948 auf ca. 10.000 Bücher geschätzt 101 ) war in Englisch, allerdings waren auch einige in deutscher Übersetzung vorhanden und es gab auch Ausgaben deutscher Exilliteratur. Die Schwäbische Landeszeitung bezifferte die täglichen Besucher der „american library“ auf ca. 120 (bei einer Gesamtzahl von 3000 eingetragenen Benutzern), wobei der Großteil Schüler und Studenten ausmache. 102 Wieder ist das Augsburger Beispiel mit dem anderer „reading rooms“ und späterer Amerika-Häuser vergleichbar, denn die Forschungsliteratur spricht im Allgemeinen von einem jungen, gebildeten und urbanen Publikum. 103 Am 10.10.1947 erschien in der Schwäbischen Landeszeitung folgende Meldung: „Die amerikanische Bibliothek in den Räumen der Nachrichtenkontrolle am Schmiedberg, die bisher die Bezeichnung „US-Information Center“ führte, soll künftig „Amerika-Haus“ genannt werden. Sie untersteht jetzt Captain Wright (Leiter der Amerika-Häuser von OMGUS Bayern), der diese auch anderswo bestehenden Einrichtungen in ganz Bayern betreut. Die Augsburger „American Library“ hofft man in nächster Zeit erweitern und die Buchbestände vergrößern zu können.“ 104
Hiermit war der offizielle Wechsel zur Bezeichnung Amerika-Haus vollzogen. Augsburg folgte damit der Entwicklung der amerikanischen Besatzungszone insgesamt, nach der alle USICs nach einer Umfrage unter der deutschen Bevölkerung offiziell mit diesem Namen versehen wurden und der oft verwirrende, gleichzeitige Gebrauch verschiedener Bezeichnungen ein Ende gesetzt wurde (vgl. Punkt B., 1.1., S. 9). Die Zielsetzung des Amerika-Hauses ändert sich mit der Namensänderung allerdings nicht, ein Zeitungsartikel formuliert die Funktion folgendermaßen:
„Das Amerikahaus fördert das Studium und die Kenntnisse der Weltbegebenheiten, wie die Brücke zu anderen Ländern und einen Weg zum Verständnis zwischen den Völkern, anderer Nationen und anderer Kultur.“ 105
100 Artikel „Ein Jahr Augsburger Kulturleben”, in: SL 29.10.1946, S. 4
101 Artikel „Amerika-Haus-Woche”, in: SL 30.4.1948, S. 11.
102 Artikel „Was liest der Augsburger?”, in: SL 24.12.1947, S. 4.
103 Vgl. Schildt 1996, S. 261.
104 Artikel „Die amerikanische Bibliothek in den Räumen der Nachrichtenkontrolle…“, in: SL 10.10.1947, S. 6.
105 Artikel „Amerika-Haus-Woche”, in: SL 30.4.1948, S. 11.
zusätzlich zur Bibliothek angeboten wurde, war jedoch noch nicht so umfangreich, wie es später in seinem endgültigen Bestimmungsort in der Prinzregentenstraße werden sollte. Die Untersuchungen in dieser B.A.-Arbeit werden sich deswegen auch auf die spätere Entwicklung konzentrieren. Soviel sei allerdings gesagt: Bei einer groben Durchsicht der Zeitungsjahrgänge 1946/47/48 bis zur Eröffnung in der Prinzregentenstraße weist der Kalender im Durchschnitt eine Zahl von 5-6 Abendveranstaltungen im Monat auf. Dies ist vergleichsweise wenig, wenn man beachtet, dass z.B. im Jahr 1951 4-5mal wöchentlich Veranstaltungen stattfanden. Vorträge und Diskussionsabende waren häufig und standen zumeist unter dem Motto, eine kulturelle Gesamtdarstellung der USA zu liefern. Hier seien nur wenige Titel solcher Themenabende genannt: „American Elementary School Education“, „Public Health in US“, „The American Community Life“ und „Contemporary American Music“. 106 Bei der Ankündigung der Besichtigung der Coca-Cola Werke 107 stellt sich allerdings die kritische und auch etwas ironische Frage, welches Ziel damit verfolgt wurde: einen Teil der wirtschaftlichen Größe und des Erfolges der USA zu zeigen oder die USA als Kulturnation darzustellen? Zusätzlich gab es jeden Sonntag kostenlose Filmvorführungen im Capitol-Lichtspielhaus, tägliche Schallplattenkonzerte, englischen Sprachunterricht und Anfang Mai 1948 eine Amerikahaus-Woche mit zahlreichen Sonderveranstaltungen. 108 Außerdem fällt die Gründung des Deutsch-amerikanischen Klubs in die Zeit, als sich das Amerika-Haus noch am Schmiedberg 4 befand. Dieser sollte „ein weiterer Beweis (…) des harmonischen Zusammenlebens und des gegenseitigen Verständnisses zwischen Deutschen und Amerikanern“ 109 werden.
In einem Brief an das Referat 6 schrieb der Oberbürgermeister Müller: „Nach der Besprechung bei der Militärregierung wurde das Amerikahaus am Schmiedberg besichtigt und festgestellt, dass die Räume für die grosse Bibliothek, für den starken Besuch von Jugend und Erwachsenen, für die Vortragsreihen, für die Vorführungen von Filmen und Musik, viel zu klein sind. Das Amerikahaus soll in einem repräsentativen Hause im Mittelpunkt der Stadt untergebracht werden.“ 110
106 Veranstaltungshinweise, in: SL 2.3.1948, S. 4/16.3.1948, S. 4/31.3.1948, S. 4/13.4.1948, S. 6.
107 Veranstaltungshinweis, in: SL 17.9.1948, S. 16.
108 Artikel „Amerika-Haus-Woche”, in: SL 30.4.1948, S. 11
109 Artikel „Deutsch-Amerikanischer Klub“, in: SL 4.6.1948, S. 6.
110 Brief des Oberbürgermeisters Klaus Müller an das Referat 6 vom 25.6.1948, in: Stadtarchiv Augsburg: Bestand 49, Nr. 13. Das Amerikahaus 1948-1952 (im Folgenden zitiert als: StadtA A 49/13), Nr. 12/100/1702.
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3. Prinzregentenstraße 11
Das Gebäude am Schmiedberg war also für den zu erfüllenden Zweck zu klein geworden. Ab Ende Juli 1948 folgte eine behutsame, aber bestimmte Interessensverhandlung zwischen Vertretern der Augsburger Militärregierung und der Stadtverwaltung, in welches Haus das Amerika-Haus in Zukunft untergebracht werden sollte. Den Amerikanern kam es bei der Wahl des Gebäudes für das Amerika-Haus besonders auf „ein repräsentatives Haus in guter Lage und mit guter Ausstattung“ 111 an. D. h. das Amerika-Haus sollte nicht etwa in einen Vorort verdrängt werden, sondern sollte möglichst gut erreichbar sein, um einen breiten Wirkungskreis zu erzielen. Die oben genannten Auswahlkriterien treffen im Ergebnis dann auch auf die Lage der beiden Standorte des Amerika-Hauses zu, wenn man diese im Stadtplan lokalisiert. Beide (also das erste Amerika-Haus am Schmiedberg und das zweite in der Prinzregentenstraße) liegen sehr zentral, im Stadtkern, und stellen repräsentative Gebäude dar (siehe Anhang, Abbildungen unter Punkt 2., 3.1. und 3.2., S. 54f.).
Anfangs stand v.a. das Archivgebäude in der Fuggerstraße (weitere Vorschläge waren das Haus der Strassenverkehrsamtes Schwaben in der Frohsinnstrasse, die Räumlichkeiten des Bayerischen Landesamtes für Vermögensverwaltung in der Eserwallstraße 112 , die Stadtpflegeranger-Schule 113 oder das ehemalige HJ-Heim in der Holbeinstraße 9 114 ), zur Debatte, wogegen sich die Stadt jedoch vehement wehrte, da sie das Archiv, das zeitweise nach Babenhausen verlagert war, wieder gerne in die Innenstadt zurückführen wollte. 115 Schließlich einigte man sich auf das ehemalige Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der Prinzregentenstraße, in dem sich heute das Amt für Wohnungswesen befindet. Das Haus gehörte ursprünglich einem Herrn Einstoß, einem Juden, der nach Amerika ausgewandert war. 116 Dann war es Eigentum der Polizeiverwaltung (Deutsches Reich), die alle Gestapo-Unterlagen bei Einrücken der Amerikaner vernichtete. 117 Für die Stadt stellte diese Lösung einen Erfolg
111 Niederschrift über eine Besprechung bei der Militärregierung am 2.8.1948, in: StadtA A 49/13, Nr. 17/100/1702.
112 Brief des Oberbürgermeisters Klaus Müller an das Referat 6 vom 13.8.1948, in: StadtA A 49/13, ohne Nummerierung.
113 Brief des Dekans Dr. Lindenmeyer an den Oberbürgermeister Klaus Müller vom 10.8.1948, in: StadtA A 49/13, Nr. 15/100/1702.
114 Brief des Fraktionsführers der FDP Franz X. Bayerl an den Oberbürgermeister Klaus Müller vom 14.8.1948, in: StadtA A 49/13, Nr. 16/100/1702.
115 Brief von Mr. Rhyne (Branch Coordinator & Inspector) an den Kommandierenden General Pierce vom 26.7.1948, in: StadtA A 49/13, ohne Nummerierung.
116 Brief des Referat 1 an Herrn Inspektor Geiger vom 28.11.1952, in: StadtA A 49/13, Nr. 47/100/1702
117 Brief der Städtischen Hauptaktenverwaltung an das Referat 1 vom 4.9.1948, in: StadtA A 49/13, ohne Nummerierung.
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dar, weil einerseits ein beschlagnahmtes Gebäude, das in der Fuggerstraße, wieder an die Stadt zurück gegeben wurde, in das das Stadtarchiv wieder einziehen konnte und andererseits das Amerika-Haus in einem Gebäude untergebracht wurde, das sowieso schon von der US-Army beschlagnahmt war, also keinen weiteren Verlust darstellte. 118 Das Haus in der Prinzregentenstraße wurde im Gegenzug von der Stadt für 30.000 DM für die Nutzung als USIC hergerichtet. 119 Dass auch von Seiten der Militärregierung gerade das Gebäude den Zuschlag erhielt, in dem früher Verhöre der Gestapo durchgeführt wurden, ist sicher nicht nur funktionalen Gesichtspunkten zuzuschreiben, sondern hier spielten wohl noch zusätzlich symbolische Gründe eine Rolle, die auch in der Eröffnungsrede des Oberbürgermeisters Müller deutlich werden.
3.1. Die Eröffnungsfeier am 14.12.1948
Die Eröffnungsfeier war ursprünglich für den 15.12.1948 geplant, wurde dann jedoch auf den 14.12.1948 vorverlegt, da eine wichtige Konferenz der Militärregierung am 15.12.1948 in Frankfurt stattfand. 120 Zu den Feierlichkeiten waren über 70 amerikanische und über 60 deutsche Gäste geladen. Darunter waren solche illustre Gäste wie der General George P. Hays, der Vertreter des amerikanischen Militärgouverneurs von Deutschland General Clay, Murray D. van Wagoner, der Direktor der Militärregierung für Bayern, General Clinton A. Pierce, der Militärbefehlshaber von Augsburg und Mr. C. S. Wright, der Chef der Exhibitions and Information Centers Branch der Militärregierung für Bayern (OMGB). 121 In Vertretung für den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hans Erhard, der nicht kommen konnte, erschien Innenminister Dr. Willi Ankermüller und außerdem war natürlich Dr. Klaus Müller, der Oberbürgermeister der Stadt anwesend. Die zahlreichen „V.I.P.s“ zeigen, dass dem Amerika-Haus Augsburg, v.a. von amerikanischer Seite ein relevanter Stellenwert eingeräumt wurde. Die Feier begann mit dem Hissen der amerikanischen Flagge (siehe Anhang, Punkt 3.3., S. 56). 122
118 Brief des Oberbürgermeisters Klaus Müller an das Referat 1 vom 20.8.1948, in: StadtA A 49/13, Nr. 18/100/1702.
119 Beschluss des Hauptausschusses betreff der baulichen Änderungen am Anwesen Prinzregentenstr. 11 (Amerikahaus) vom 6.10.1948, in: StadtA A 49/13, Nr. 26/100/1702.
120 Brief von Mrs. Sofie H. Bernard an den Oberbürgermeister Klaus Müller vom 2.12.1948, in: StadtA A 49/13, Nr. 29/100/1702.
121 Artikel „Großes Programm des neuen Amerika-Hauses”, in: SL 13.10.1948, S. 8.
122 Brief von Mrs. Sofie H. Bernard an den Oberbürgermeister Klaus Müller vom 2.12.1948, in: StadtA A 49/13, Nr. 29/100/1702.
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Es schlossen sich zahlreiche Redebeiträge an, in denen sich die Absichten, Zielsetzungen und erhofften Wirkungen des Amerika-Hauses erkennen lassen, auf die in den nächsten beiden Punkten eingegangen werden soll. Abschließend folgte ein Rundgang durch die Räumlichkeiten. 123 (Fotos von den Räumlichkeiten, siehe Anhang S. 57)
3.1.1. Die Rede des Oberbürgermeisters Klaus Müller
Unter der Bezifferung 33/100/1702 der Akte des Stadtarchivs Augsburgs ist die Vorlage zur Rede des Oberbürgermeisters Dr. Klaus Müller zur Eröffnungsfeier des Amerika-Hauses am 14.12.1948 im englischen Wortlaut wiedergegeben. Der Text ist zwar nicht wörtlich mit „Rede des Oberbürgemeisters“ überschrieben, durch den Zeitungsartikel vom 15.12.1948, der die Rede indirekt zitiert, wird die Zuordnung zur Person jedoch eindeutig. 124
Müller begann mit der symbolischen Bedeutung, die das Gebäude in der Prinzregentenstraße innehat. Dort wo die Gestapo in den Zeiten der Unterdrückung Furcht verbreitet hatte, sollte jetzt ein Strahl jener Freiheit herausleuchten, der charakteristisch für das amerikanische Volk sei. Mit bedeutungsschwangeren Bildern sparte der Oberbürgermeister auch im Folgenden nicht. Später verglich er das Amerika-Haus mit der biblischen Arche Noah, die eine Fülle von Geistesschätzen berge und die Verwüstungen des Krieges mit der Sintflut. Die Zerstörungen der Flut verschwänden nur langsam, doch eine Taube käme zurück mit einem viel versprechenden Olivenblatt als Zeichen für das Wiederergrünen der Erde. Müller rief das Publikum dazu auf, durch das Amerika-Haus als „open window to the outside world“ 125 , auch ihre Tauben zu senden, damit ein farbiger Regenbogen als Zeichen des Friedens, die Alte und die Neue Welt vereine. 126
Der Oberbürgermeister betonte, dass die Sprache der beste Weg sei, um zum Wesen eines Volkes zu gelangen. Im Amerika-Haus könnte man die Quellen dieser Sprache lernen und damit auch die Amerikaner besser kennen lernen. Dazu zitiert Müller den amerikanischen Professor Oliver Wendel Holmes mit den Worten: „Every language is a temple in which the soul of those who speak it is enshrined.“ 127
123 Artikel „Das neue Amerikahaus in der Prinzregentenstraße”, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 50, Augsburg 16.12.1948, S. 3.
124 Artikel „Ein Fenster in die Welt”, in: SL 15.12.1948, S. 2.
125 Rede des Oberbürgermeister Klaus Müller zur Eröffnung des Amerika-Hauses am 14.12.1948 in der Prinzregentenstraße, in: StadtA A 49/13, Nr. 33/100/1702.
126 Ebd. 33/100/1702.
127 Ebd. 33/100/1702.
den Deutschen so etwas wie Freiheit und Frieden bringe und die Möglichkeit biete, dass sich Deutsche und Amerikaner gegenseitig annähern, schließt Müller mit den Worten, dass friedfertige Beziehungen, die von jedem ersehnt werden, einen mannigfachen Austausch von kulturellen Gütern zwischen beiden Völkern fördern würden. 128
3.1.2. Weitere Redebeiträge
Der Leiter der Informationsabteilung für OMGB Wright betonte, dass mit dem Amerika-Haus ein wichtiger Schritt getan sei, für die Verständigung zwischen Deutschland und den USA. General Pierce rief seine Landsleute dazu auf, sich vorbildlich zu verhalten, indem sie demokratische Ideale vertreten, da die Demokratisierung Deutschlands an erster Stelle der Besatzungsherrschaft stehe. Das Amerika-Haus Programm bilde einen wesentlichen Faktor bei diesem Vorhaben. Er bat die Besatzungsbehörden außerdem um weitere Spenden für die Bibliothek und um eine rege Teilnahme am Angebot des Amerika-Hauses. 129
Generalmajor Hays wies darauf hin, dass die Amerika-Häuser v.a. deswegen eingerichtet wurden, um die deutsche Abkapselung seit 1933 rückgängig zu machen und die Bevölkerung über die kulturellen und wissenschaftlichen Fortschritte der restlichen Welt zu informieren. Das Augsburger USIC sollte ebenso ein Teil dieser wichtigen Informationskampagne sein und ein Forum für freie Meinungsäußerung bieten. Durch den Besuch des Amerika-Hauses würden sich die Menschen zu den Freiheiten der Rede, der Diskussion und der Presse bekennen und damit eine Diktatur unmöglich machen. 130 Innenminister Ankermüller drückte den Amerikanern seine Anerkennung aus, dass diese sich v.a. mit der Einrichtung von Amerika-Häusern sehr bemühten, den Deutschen Einblick in die amerikanische Gesellschaft zu geben und eine immer bessere Vernetzung zwischen Deutschen und Amerikanern zu realisieren. In seiner Rede fordert er die USA aber auch dazu auf, das deutsche Denken und Fühlen besser kennen zu lernen und nicht nur das von einer Minderheit vertretene Naziregime zu sehen. Nach Ansicht Ankermüllers sei das wahre Wesen der Deutschen unter der Unterdrückung dieses totalitären Systems nicht zum Ausdruck gekommen, sondern zeige sich vielmehr in der jahrtausendealten hohen Kultur, wie besonders auch in der Stadt Augsburg. Um
128 Ebd. 33/100/1702.
129 Artikel „Ein Fenster in die Welt”, in: SL 15.12.1948, S. 2.
130 Ebd. S. 2.
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ein gegenseitiges Verstehen und einen dauerhaften Frieden zu sichern, sei es dazu jedoch notwendig, das deutsche, kulturell so hochstehende Volk möglichst bald von Beschränkungen zu erlösen. Die Hilfsmaßnahmen seien dazu ein erster wichtiger Schritt. Allerdings deutet die Demontage wichtiger industrieller Betriebe in die falsche Richtung. Dadurch werde das deutsche Vertrauen zerstört und die Deutschen der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung ausgeliefert. 131 Diese kritischen Bemerkungen Ankermüllers in Bezug auf aktuelle politische Handlungen der USA heben sich deutlich von den anderen Redebeiträgen ab, in denen Pathos und positive Bewertungen der Amerikaner überwiegen. Kritik an der Institution Amerika-Haus taucht jedoch auch bei Ankermüller nicht auf. Im Gegenteil, auch er sprach von dem Amerika-Haus als lobenswerte Einrichtung, sie solle „eine geistige Brücke zwischen den Völkern“, „eine haltbare Brücke zwischen Sieger und Besiegten“ 132 schlagen. Als letzter sprach der Militärgouverneur von Bayern van Wagoner zu den geladenen Gästen. Er war der Ansicht, dass das Augsburger Amerika-Haus das schönste in der ganzen US-Zone sei und ein wichtiges Glied in der Kette der Verständigung zwischen Deutschen und Amerikanern bilde. 133
Wie schon bei der Eröffnung der amerikanischen Bücherstube am Schmiedberg 4 werden in den Aussagen der Vortragenden deutlich, welche Funktionen das Amerika-Haus Augsburg erfüllen soll. Diese wiederholen sich z. T. in den einzelnen Redebeiträgen und sind die gleichen, wie sie auch bei anderen USICs in der BRD genannt wurden. Die deutsch-amerikanische Verständigung steht im Mittelpunkt der Amerika-Haus Politik. Aber auch die Demokratisierung der Bevölkerung mit dem Ziel des friedvollen Zusammenlebens, das Vorleben von Meinungsfreiheit, das Ausgleichen des Informationsdefizits nach dem Krieg und die Bereitstellen von Informationen über die USA sind äußerst wichtige Vorgaben, die erfüllt werden sollen. Das Ziel, die alte und die neue Welt mit Hilfe des Amerika-Hauses zu vereinen, wie es in der Rede Müllers deutlich wird, wird u.a. auch im offiziellen Logo auf dem Briefpapier des Amerika-Hauses Augsburg veranschaulicht (Siehe Anhang, Punkt 5., S. 58). Dort verbindet das Amerika-Haus (eine vereinfachte Darstellung des Gebäudes in der Prinzregentenstraße) zwei Ansichten eines Globus miteinander, verbindet also im übertragenen Sinne zwei Welten miteinander (auf der einen ist der amerikanische Kontinent zu sehen, auf der anderen der europäische Kontinent). Dieses Logo wurde
131 Ebd. S. 2.
132 Ebd. S. 2.
133 Ebd. S. 2.
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nach Wissen der Verfasserin nur für den Briefverkehr verwendet, in den Anzeigen für Veranstaltungen in der Schwäbischen Landeszeitung taucht es nicht auf.
3.2 Räumliche und personelle Organisation
Das Amerika-Haus in der Prinzregentenstraße umschloss insgesamt vier Stockwerke. 134 Im Erdgeschoss des Amerika-Hauses befanden sich neben der Information und Garderobe die Ausstellungsräume und das Auditorium. Die Bibliothek mit der Buchausgabe, das Schreibzimmer und das Direktorenbüro waren im 1. Stock. Im 2. Stock gab es ein Musikzimmer, ein Filmtheater, einen Unterrichtsraum, die Kinderbibliothek und ein Studio. Im 3. Stock waren die Zeitschriften- und Zeitungsabteilung und die Jugendbücherei untergebracht. 135 Im Anhang, Punkt 6., S. 59f. sind die Grundrisspläne der einzelnen Etagen und Räume mit ihrer jeweiligen Funktionsbeschreibung beigefügt, 136 wie sie in der OMGB-Akte 9/152-1/9 des Bayerischen Hauptstaatsarchivs zu finden waren. Diese Pläne stammen vom Herbst 1948, sind deswegen wohl als eher vorläufig anzusehen und es können sich noch gewisse Änderungen ergeben haben. So ist nämlich in den Plänen die Zeitschriften- und Zeitungsabteilung im 1.Stock eingezeichnet und eine Jugendbücherei taucht gar nicht auf. Der oben zitierte Zeitungsartikel, der nach der Eröffnung erschienen ist, verortet den Zeitungsraum jedoch im 3. Stock. Ein Zeitungsartikel aus dem Sommer 1951 spricht von der Jugendbücherei im 3. Stock 137 . Wahrscheinlich kommen die Angaben aus der Schwäbischen Landeszeitung der tatsächlichen Lage also näher, genaue Aussagen können leider nicht getroffen werden. Nichtsdestotrotz geben die Pläne einen guten Einblick wie das Amerika-Haus räumlich aufgebaut war.
Nicht nur das Stadtgebiet Augsburg profitierte von der Einrichtung des Amerika-Hauses, sondern auch das Umland wurde in das Amerika-Haus Programm mit einbezogen. Aus den OMGUS-Akten des IfZs geht hervor, dass das Augsburger USIC zehn „reading rooms“ betreute. Diese befanden sich in Aichach, Dillingen, Günzburg, Ingolstadt, Kempten, Landsberg, Memmingen, Neuburg, Nördlingen und Schwabmün-
134 Brief
135 Artikel „Das neue Amerikahaus in der Prinzregentenstraße”, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 50, Augsburg 16.12.1948, S. 3.
136 Grundrisspläne des Amerika-Hauses Augsburg, in: Bayerisches Hauptstaatsarchiv: OMGB 9/152-1/9. Die Pläne wurden von der Verfasserin für den Anhang nachbearbeitet, da die Mikrofichevorlage sehr schlecht war und ein Stockwerk auf je zwei Blattseiten verteilt war.
137 Artikel „Städtische Jugendbücherei im Amerikahaus”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 2.8.1951, S. 6.
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chen. 138 Die Zahl der Außenstellen wurde schließlich offenbar recht schnell wieder reduziert, da in einem Artikel der Schwäbischen Landeszeitung von 1951 nur noch von insgesamt neun Zweigbibliotheken mit insgesamt 16.000 Bänden gesprochen wird. 139 Ein „bookmobile“ besaß das Amerika-Haus Augsburg nicht. Das Amerika-Haus Augsburg wurde von seinen kleinen Anfängen am Schmiedberg bis zu dem vollen Programm in der Prinzregentenstraße bis Dezember 1951 von Mrs. Sophie Bernard geleitet. 140 Sie war eine deutsch-amerikanische Jüdin. Es war üblich, dass der Direktorposten von einem Amerikaner besetzt war, wobei ansonsten der Rest des Personals aus deutschen Angestellten bestand. Peterson schreibt, dass Mrs. Bernard recht beliebt war, allerdings weniger bei ihrem deutschen Personal. 141 Ihre guten Beziehungen, die sie sowohl mit der Military Post als auch mit der Stadtregierung besaß, halfen ihr dabei, das Augsburger Amerika-Haus als „community center“ zu etablieren. 142 Mrs. Bernard als filmbegeisterte Frau war außerdem im Wesentlichen mit dafür verantwortlich, dass der Augsburger Filmclub im April 1949 gegründet wurde, der einer der wichtigsten in der Filmbewegung der Nachkriegszeit war. 143 Sie rief neben dem deutsch-amerikanischen Club auch einen spanischen und französischen Club ins Leben, setzte sich besonders für jugendspezifische Themen ein und hielt eine wöchentliche „Stunde der Frau“ 144 . Mrs. Bernard verließ Anfang Dezember 1951 Augsburg, um in Koblenz das dortige Amerika-Haus aufzubauen. Später arbeitete sie für das Amerika-Haus in Hamburg. Als ihr Nachfolger wurde Mr. Francis X. Lambert berufen, der bis zur Schließung des Amerika-Hauses Augsburg dieses Amt innehaben sollte. 145 Danach wechselte dieser als Sekretär nach Bonn. 146
Wie bei Mrs. Bernard deutlich wird, hing das Vorhandensein und das Gelingen vieler Aktivitäten von dem persönlichen Engagement und der Initiative der Amerika-Haus Direktoren ab. 147 Das deutsche Personal belief sich 1953 auf 19 Personen, wobei Kraftfahrer und Putzfrau mit einberechnet waren. 148 Dieses war hingegen oft nicht gut
138 Liste der „reading rooms“ des US Information Centers Augsburg, in: IfZ, 5/314-3/2.
139 Artikel „Brücke zwischen zwei Welten”, in: SL 29.1.1951, S. 8.
140 Artikel „Am liebsten war ihr die Arbeit für die Jugend”, in: SL 22.10.1951, S. 8.
141 Peterson 1977, S. 287.
142 Brief Patricia van Deldens an den Chef der ISD vom 19.1.1948, in: IfZ, 5/314-2/2.
143 Pöhlmann, Markus (Hg.): Kellerwohnung und Persilschein. Kriegsende und Neuanfang nach 1945, Augsburg 1995, S. 115 + 125.
144 Artikel „Am liebsten war ihr die Arbeit für die Jugend”, in: SL 22.10.1951, S. 8.
145 Artikel „Abschied im Amerikahaus”, in: SL 1.12.1951, S. 16.
146 Brief des Oberbürgermeisters Müller an Sofie Bernard vom 22.10.1953, in: Stadtarchiv Augsburg 50/1707 (im Folgenden zitiert als: StadtA A 50/1707), Nr. 45.
147 Möller 1984, S. 81ff.
148 Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: SL 20.8.1953, S. 8.
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genug ausgebildet, v.a. was die amerikanische Bibliothekssystematik betraf, und wusste wenig über die Vereinigten Staaten Bescheid (nur ca. 5% der Mitarbeiter von Amerika-Häusern waren schon einmal in den USA gewesen 149 ). Aus diesem Grund wurden z.T. diverse Weiterbildungskurse angeboten, 150 es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass das meiste Wissen im „training on the job“ angeeignet wurde. Der Vorteil von deutschen Angestellten lag andererseits auf der Hand: Sie kannten sich mit der lokalen Situation aus und es fiel ihnen leichter mit deutschen Besuchern umzugehen. Franz R. Miller sagte mir im Interview, dass die Mitarbeiter nicht „first class“ waren. Diese seien dadurch, dass sie nicht in der Partei waren, im Amerika-Haus angestellt worden und genossen durch ihre Position eine Anzahl von Vorteilen, die andere Deutsche nicht hatten. 151
Die personelle und finanzielle Versorgung war teilweise unzureichend. Noch während der Zeit am Schmiedberg 4 schreibt Mrs. Bernard:
„The present allocation of personnel is most unsatisfactory, because it is impossible to run a library and a cultural center with one or two employees. There is too much paper work required, cataloguing and filing books and a general supervision of the Reading Rooms. It is of the utmost importance to increase the staff of the Amerika Haus Augsburg and ist Reading Rooms in order to maintain their standing.” 152
Auch nach dem Umzug in die Prinzregentenstraße ist die personelle Situation nicht zufriedenstellend. So geht aus einem Brief von Mrs. Bernard an den Leiter der Amerika-Häuser in Bayern, Mr. Wright hervor, dass dringend mehr Angestellte für das Amerika-Haus Augsburg benötigt werden und auch die zugewiesen Gelder für die Gehälter die Kosten nicht deckten. 153 Das Bibliothekspersonal verdiente 1949 abhängig von seiner Position zwischen 200 und 360 DM. 154
149 Raffa 1999, S. 45.
150 Pilgert 1951, S. 14f.
151 Interview mit Franz R. Miller, Augsburg 18.1.05 (Zusammenfassung).
152 Brief von Sophie Bernard an C.S. Wright vom 13.10.1948, in: IfZ, 5/314-2/2.
153 Brief von Sophie Bernard an C.S. Wright vom 10.12.1948, in: IfZ, 5/314-3/1.
154 Brief von Sophie Bernard an James L. Person vom 14.1.1949, in: IfZ, 5/314-2/2.
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3.3. Das kulturelle Angebot
3.3.1. Die Bibliothek
Die Bibliothek in Augsburg stellte wie auch bei anderen USICs den Kern des Amerika-Hauses dar. Sie war der Öffentlichkeit von Montag bis Samstag von 10 bis 19.30 Uhr frei zugänglich. 155 Sie verfügte 1951 über mehr als 18.000 Bände, wobei noch ca. 1.000 Bände zusätzlich als Dauerleihgabe an die städtischen Krankenhäuser und höheren Lehranstalten vergeben und betreut wurden. In den Zweigbibliotheken im Augsburger Umland befanden sich insgesamt noch zusätzlich 16.000 Bände. 156 1953 schwanken die Angaben in der Schwäbischen Landeszeitung, ein Mittelwert besagt, dass die Bibliothek ca. 22.000 Bücher besaß, wobei etwa 8.000 davon in Deutsch waren. 157 Die deutschen Bücher waren anfangs getrennt im sogenannten „Augsburger Zimmer“ untergebracht, 158 wurden ab 1951 jedoch zusammen mit den englischen Exemplaren nach Sachgebieten geordnet aufgestellt, so dass Vergleichsmöglichkeiten zwischen den deutschen und englischen Ausgaben bestanden. 159
Die HICOG-Studie von 1953 gibt genauere Daten an, sie beziffert den Bestand auf insgesamt 22.726 Bücher, wobei von dieser Zahl etwa 60%, also 13.637 englische Bücher und ca. 40%, also 9.089 deutsche Bücher waren. Durchschnittlich wurden 27% des Gesamtbestandes monatlich ausgeliehen, wobei die deutschen Bücher trotz ihrer insgesamt deutlich geringeren Anzahl zu 77% im Umlauf waren (demzufolge hatten die englischsprachigen Bücher nur eine Quote von 23%). Dies lässt sich meines Erachtens jedoch leicht erklären: Da die meisten Leser oft über weniger gute Englischkenntnisse verfügten, beschränkten sie sich eher auf deutsche Lektüre. Hinzu kommt sicher auch, dass es trotz evtl. ausreichender Englischkenntnisse einfach bequemer war, Bücher in Deutsch zu lesen. Für diesen Faktor spricht auch die Tatsache, dass die Leser grundsätzlich lieber zu leichterer Lektüre griffen als z.B. zu historischen Büchern. 160 Die
155 Artikel „Das neue Amerikahaus in der Prinzregentenstraße”, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 50, Augsburg 16.12.1948, S. 3.
156 Artikel „Brücke zwischen zwei Welten”, in: SL 29.1.1951, S. 8.
157 Artikel „Die Stadt übernimmt das Amerika-Haus”, in: SL 9.10.1953, S. 14.
158 Artikel „Großes Programm des neuen Amerika-Hauses”, in: SL 13.10.1948, S. 8.
159 Artikel „Zwölfhundert kommen täglich zum Lesen und Hören”, in: SL 1.8.1951, S. 11.
160 Wagnleitner 1991, S. 167f. oder Cumulative Annual History Report of Publications, Control Branch, ICD, covering period from 1.7.1946 to 30.6.1947 vom 16.7.1947, in: Bayerisches Hauptstaatsarchiv: OMGUS-Report 6. Letzterer besagt: “42 % of all books checked out for home are fiction, 15 % with historical and biographical contents”.
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Bücherei war laut der Studie 46 Stunden pro Woche geöffnet und das Bibliothekspersonal wird mit acht Angestellten angegeben. 161
Die Bibliothek hatte in ihrem Bestand sowohl unterhaltende als auch wissenschaftliche Literatur. Die thematische Spannbreite reichte dabei von Philosophie, über Kunst, Geographie, Soziologie, Politik bis hin zu Erziehung. 162 Wie schon am Schmiedberg 4 waren natürlich auch deutsche Exilliteratur vorhanden und Vertreter der amerikanischen Moderne, wie Thornton Wilder oder William Faulkner. Rund 200 Zeitungen und Zeitschriften in verschieden Sprachen, darunter z.B. „The National Geographic Magazine“ 163 , das Magazin „Merian“ 164 oder auch die „Neue Zeitung“ und „Heute“ 165 , lagen in den drei Lesezimmern aus. 166 Der Bestand der Bibliothek und der angeschlossenen Zweigbibliotheken unterlag dabei einer Kontrolle und musste mit dem Augsburger Büro abgesprochen werden. Als der Neuburger „Reading Room“ nämlich 1949 die Zeitschrift „Christ und Welt“ abonnierte, die nach Ansicht Sofie Bernards nationalistische und militaristische Inhalte verbreitete, wurden sofort alle Abonnements ausgesetzt. Nur solche Publikationen waren zulässig, die vorher durch die Augsburger Direktion autorisiert worden waren. 167 Zusätzlich bot die amerikanische Bibliothek eine Kinderbuchabteilung an und seit 1951 war auch die städtische Jugendbücherei (ca. 2.000 Bände) neben der amerikanischen Jugendbücherei im Amerika-Haus untergebracht. 168 Etwa 450 Filme, die jederzeit durch etwa 100 Filme aus dem Amerika-Haus München ergänzt werden konnten, standen dem interessierten Publikum zur Verfügung. Das umfangreiche Filmarchiv konnten auch Schulen, Gewerkschaften und andere öffentliche Organisationen bei kostenloser Ausleihe nutzen. 169
1950 waren fast 12.000 Leser in der Bibliothek registriert und 278.470 hatten diese besucht, 170 wobei natürlich viele Leser mehrmals kamen. 1953 war die Zahl der eingeschriebenen Leser auf 12.958 Erwachsene und 5.571 Kinder gewachsen. In einem Zeitraum von einem Jahr wurden 86.549 Bücher ausgeliehen und innerhalb von drei
161 HICOG-Studie 1953, S. 22-25.
162 Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: SL 20.8.1953, S. 8
163 Kopie eines Exemplars „The National Geographic Magazine“ vom Juni 1952 mit dem Stempel „Amerikahaus Augsburg“, aus dem Privatbesitz von Werner J. Lorenz (vom Besitzer zur Einsicht freigegeben, Augsburg 17.1.05).
164 Brief von Sophie Bernard an C.S. Wright vom 20.12.1948, in: IfZ, 5/314-3/1.
165 Brief von Sophie Bernard an C.S. Wright vom 11.10.1948, in: IfZ, 5/314-3/1.
166 Artikel „Großes Programm des neuen Amerika-Hauses”, in: SL 13.10.1948, S. 8.
167 Vermerk Sofie Bernards vom 4.3.1949, in: IfZ, 5/314-2/2.
168 Artikel „Städtische Jugendbücherei im Amerikahaus”, in: SL 2.8.1951, S. 6.
169 Artikel „Vielseitiges Wirken im Amerika-Haus”, in SL 25.2.1953, S. 10.
170 Artikel „Brücke zwischen zwei Welten”, in: SL 29.1.1951, S. 8.
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Monaten (April-Juni 1953) 23.823 Erwachsene und 23.600 Kinder gezählt. 171 Besonders die hohe Zahl der minderjährigen Besucher fällt auf. Offenbar war das Amerika-Haus besonders für diese Zielgruppe attraktiv.
3.3.2. Das Veranstaltungsprogramm
Grundsätzlich war der Besuch aller Veranstaltungen sowie der Bibliothek kostenlos und stand allen Personen offen. 172
Es gab ein dichtes Angebot, im Jahr 1951 kann man durchschnittlich 4-5 Veranstaltungen wöchentlich verzeichnen. So hat das Amerika-Haus im Augsburger Amtsblatt einen gleichberechtigten Platz neben solchen etablierten Institutionen wie den Städtischen Bühnen, damals Ludwigsbau (heute Kongresshalle) und Komödie, dem Marionettentheater (heute Augsburger Puppenkiste) oder der Volkshochschule. Ein exemplarisches Wochenprogramm ist im Anhang, S. 58, Punkt 4. beigefügt. Die Veranstaltungen fanden nicht nur im Amerika-Haus selber statt, sondern auch an anderen Orten, wie z.B. dem kleinen Goldenen Saal oder dem Antonskasino. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass das Amerika-Haus eng mit anderen Institutionen wie der Volkshochschule, dem Konservatorium oder der Stadtbibliothek zusammen arbeitete. 173 Insgesamt nutzten im Jahr 1953 zusätzlich 34 öffentliche und kulturelle Organisationen, wie z.B. das Bayerische Rote Kreuz oder der Katholische Frauenbund die Gelegenheit, ihre Veranstaltungen im Amerika-Haus durchzuführen. 174 Um für jeden Geschmack etwas zu bieten und einen möglichst großen Publikumskreis zu erreichen, war das kulturelle Angebot des Amerika-Hauses extrem vielfältig. Aus diesem Grund kann bei diesem Punkt keinen Anspruch auf Vollständigkeit gegeben werden. Nichtsdestotrotz werden die wichtigsten Angebote erwähnt und auf besondere Veranstaltungen wird gesondert eingegangen. Eine Laientheatergruppe zog mit Aufführungen wie Williams „Glasmenagerie“ 175 viel Aufmerksamkeit auf sich. Der deutsch-amerikanische Club bot „ein Forum für gemeinsame gesellschaftliche Aktivitäten“ 176 , vermittelte Patenschaften und förderte Studentenaustausche. Die Pädagogische Arbeitsstätte, auch bekannt unter dem Namen Education Service Center, die
171 Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: SL 20.8.1953, S. 8.
172 Artikel „Vielseitiges Wirken im Amerika-Haus”, in: SL 25.2.1953, S. 10.
173 Artikel „Abschied im Amerikahaus”, in: SL 1.12.1951, S. 16.
174 Brief des Amerika-Haus Direktors Lambert an Dr. Uhde vom 4.9.1953, in: StadtA A 50/1707, Nr. 16.
175 Artikel „Tenessee Williams’ ´Glasmenagerie`”, in: SL 13.12.1950, S. 9.
176 Linder, Linda: Augsburg und seine Amerikaner: eine lange Freundschaft, in: Schweinberger, Willy (Hg.): 2000 Jahre Augsburg. Das Buch zum Jubiläum, Augsburg 1984, S. 426.
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von der Militärregierung eingerichtet wurde und an das Amerika-Haus angegliedert war, zog erst im Jahr 1949 vom Schmiedberg 4 in das Hinterhaus in der Prinzregentenstraße. Sie organisierte Vortragsreihen mit bekannten amerikanischen Pädagogen, wie Dr. Hockett und Dr. Wirth 177 und bot mit 10.000 Bänden unterrichts- und erziehungswissenschaftlicher Literatur ausreichend Material für Lehrer und Eltern an. 178 Als die Mittel für die Pädagogische Arbeitsstätte und die dazugehörige Psychologische Beratungsstelle von der Besatzungsmacht gesperrt wurden, beschloss die Stadt, diese Einrichtung zu übernehmen. 179 Für Kinder und Jugendliche gab es ein extra Programm mit Mal-, Bastel- und Lesestunden und einer eigenen Theatergruppe. 180 In der wöchentlichen „Stunde der Frau“ besprach Mrs. Bernard Frauenfragen der Gegenwart. 181 Englische Sprachkurse für Kinder und Erwachsene, Vorträge auf Englisch und fremdsprachliche Konversationsgruppen förderten die Englischkenntnisse interessierter Augsburger. Laufend wechselnde Ausstellungen im Amerika-Haus, wie z.B. die Ausstellung „Textilien aus USA“, waren ebenso fester Bestandteil des USICs. 182 Um die Größenverhältnisse der einzelnen wechselnden, kulturellen Angebote neben den immer wiederkehrenden festen Termine, wie z.B. die regelmäßigen Treffen des deutsch-amerikanischen Klubs, besser einschätzen zu können, wurden anhand des Amtsblattes die Abendveranstaltungen des Jahres 1951, in dem sehr viele Programme statt fanden, untersucht. Dabei wurden folgende Kategorien aufgestellt: 1. Vorträge/Diskussionsrunden, 2. Lesungen/Buchbesprechungen (fanden größtenteils montags und dienstags statt), 3. Filmvorführungen/Lichtbildvorträge, 4. Musikveranstaltungen und 5. Theater. Vorträge und Diskussionsabende wurden zusammengefasst, da im Anschluss an einen Vortrag über das referierte Thema oft noch diskutiert werden konnte. Falls Vorträge mit Dias veranschaulicht wurden, wurden sie in die Kategorie Filmvorführung/Lichtbildvortrag aufgenommen. Bei zahlreichen Veranstaltungen mit Titeln wie „Einführung in das zeitgenössische amerikanische Theater. ´Das verlorene Lied` von Moss Hart und Kurt Weill. Interpretation und Vortrag: Heinz Brenner“ war es schwer, eine Zuordnung zu treffen. Die Entscheidung fiel schließlich für den Bereich Vorträge, auch wenn aus den Stücken etwas vorgelesen wurde und auch die Kategorie Buchbesprechung/Lesung gepasst hätte.
177 Artikel „Pädagogische Arbeitsstätte im Amerika-Haus”, in: SL 27.10.1948, S. 7.
178 Artikel „Pädagogische Arbeitsstätte zieht um”, in: SL 14.12.1949, S. 11.
179 Artikel „Übergabe der Pädagogischen Arbeitsstätte”, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 46, Augsburg 16.11.1951, S. 2.
180 Artikel „Zwölfhundert kommen täglich zum Lesen und Hören”, in: SL 1.8.1951, S. 11.
181 Artikel „Am liebsten war ihr die Arbeit für die Jugend”, in: SL 22.10.1951, S. 8.
sikveranstaltungen zugeordnet. Unter Sonstiges fallen z.B. ein Tanzabend und Rätselraten für Kinder. Die Ergebnisse sehen wie folgt aus:
viele Einführungen in die Werke zeitgenössischer amerikanischer Theaterautoren (insgesamt 18) fallen und man die Lesungen bzw. Buchbesprechungen dazu nimmt, so ergibt sich, dass ein Schwerpunkt der Amerika-Haus-Arbeit die Fokussierung auf Literatur bildete. Aber auch Musikveranstaltungen, also auch Konzerte, die mit einem relativ hohen Zeitaufwand verbunden waren, scheinen den Augsburger Organisatoren besonders am Herzen gelegen zu sein. Wie aus der Akte „Europa-Haus“ des Stadtarchivs hervorgeht, stützte sich die Bestreitung des Amerika-Haus Programms auf drei Pfeiler: Ein Teil der Veranstaltungen wurden ab 1949 durch das Hochkommissariat in Mehlem tourneemäßig organisiert und finanziert, für die Honorare und Spesen eines zweiten Teils kam das Amerika-Haus aus eigenem Etat auf und zum Dritten wurden verschiedene Einzelveranstaltungen und Kurse von fest besoldeten Angestellten des Amerika-Hauses selbst abgehalten. 183
Einzelnen thematischen Schwerpunkten und damit verbundenen Zielsetzungen soll sich anhand von einigen wenigen Beispielen etwas präziser genähert werden. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass bei der Vielzahl der Veranstaltungen nur auf einen Bruchteil davon eingegangen werden kann. Der Versuch beispielsweise, die Deutschen von der Vorstellung wegzubringen, die sich sehr schön in der Aussage George Clemenceaus widerspiegelt „Amerika? Das ist die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne Umweg über die Kultur.“ 184
182 Artikel „Vielseitiges Wirken im Amerika-Haus”, in: SL 25.2.1953, S. 10.
183 Brief des Leiters der Volkshochschule Dr. Zorn an den Stadtrechtsrat Dr. Uhde vom 4.9.1953, in: StadtA A 50/1707, Nr. 19.
184 Wagner 1977, S. 20.
Musiklebens“ von Mr. Newell Jenkins. Die Schwäbische Landeszeitung berichtet darüber wie folgt:
„Er (Jenkins) betonte die bei den auf den gesamten Gebieten seit rund 25 Jahren erfolgten Fortschritt, der den USA von einem künstlerischen Importland von ehedem bereits heute weitgehend zur Eigenständigkeit verholfen hat. (…) Schallplattenbeispiele sowohl reproduktiver als auch schöpferischer Art waren geeignet, ein Bild von der vitalen Strebsamkeit und der Höhe des Niveaus des amerikanischen Musikers zu geben. (…)“ 185
Gerade im Bereich der Musik versuchten die Amerikaner die Deutschen von den kulturellen Errungenschaften der USA zu überzeugen, da Deutschland mit berühmten Komponisten wie Beethoven, Wagner und Bach als Musiknation galt. Ein besonderer Höhepunkt und Publikumsmagnet innerhalb der Veranstaltungen, die vom Amerika-Haus organisiert wurden, war das „Picturama“, das im Ludwigsbau zu sehen war. Dieses Ereignis folgte wie viele andere Ausstellungen des Amerika-Haus-Programms geradezu vorbildlich dem Motto „projecting America“, über dessen Zweck es bei Bungenstab heißt:
„This programm is designed generally to assist in the general reeducation of the German people through visual means by showing, with the use of photographs, scale models, plans and texts, various aspects of life in the United states.“ 186
In diesem Lichtbildervortrag, der Station in ganz Deutschland machte, wurden in vier Vorstellungen Bilder von der amerikanischen Landschaft und dem amerikanischen Menschen in seinem Alltagsleben in einem neuen Verfahren gezeigt. 187 Zehn Apparate projizierten die farbigen Bilder auf Flächen, die einem fünffach gebrochenen Bogen aufgestellt waren, so dass eine besonders plastische Wirkung für den Betrachter erzielt wurde und ein Sprecher gab bei einer dezenten Begleitmusik eines amerikanischen Komponisten Hinweise auf die Lebensverhältnisse der USA. 188 Die Deutschen wurden durch den Lichtbildervortrag „Amerika von heute“ nicht nur mit der Lebensweise der Amerikaner vertraut gemacht, sondern sie wurden, was vielleicht nicht unbedingt bezweckt war, durch das damals neue und moderne Verfahren auch an die Vorreiterrolle der USA erinnert, die spätestens seit Beginn des 20. Jahrhundert mit „Modernität“ in Verbindung gebracht wurde. 189
Das Bemühen um gegenseitige Annäherung, also um deutsch-amerikanische Verständigung, tritt u.a. in dem Vortrag des Stadtkommandanten Pierce zum Vorschein,
185 Artikel „Das amerikanische Musikleben”, in: SL 12.9.1950, S. 12.
186 Bungenstab 1971, S. 196f.
187 Artikel „´Amerika von heute` kommt nach Augsburg”, in: SL 1.4.1949, S. 15.
188 Artikel „Das Bilderbuch aus Amerika”, in: SL 8.4.1949, S. 15.
189 Trommler 1986, S. 666.
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der im Mai 1949 über seine japanische Gefangenschaft auf den Philippinen sprach. Den deutschen Zuhörern, die selbst oder deren Angehörige vielleicht in Kriegsgefangenschaft waren, wurde eine Vergleichsmöglichkeit geboten und sie wurden davon überzeugt, dass die Unterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern im Krieg verschwinden. Die Schwäbische Landeszeitung schreibt dazu:
„General Pierce hätte für seinen Vortrag kein besseres Thema wählen können, denn seine Ausführungen weckten bei deutschen Zuhörern gleichartige Erlebnisse und deshalb ein Gemeinschaftsgefühl.“ 190
Eine eindeutig politische Motivation, v.a. auch in Bezug auf die Einweisung der Deutschen in die Demokratie, zeigt sich in einer Veranstaltung wie dem Vortragsabend über die amerikanische Verfassung. Professor Karl Löwenstein vom Amherst College Massachusetts sprach an diesem Abend über die amerikanische Rechtsgrundlage als Lebensgrundlage für die Freiheit und Gleichheit der Amerikaner und verglich sie mit der deutschen und bayerischen Verfassung. 191
Anzeichen für einen antikommunistischen Kurs, der nach der Forschungsliteratur (vgl. Punkt B. 1.2.) in vielen Amerika-Häusern auch im Veranstaltungsprogramm der Amerika-Häuser zu Tage trat, wurden für Augsburg im Rahmen dieser Untersuchung nicht entdeckt. Die Titel der Veranstaltungen weisen zumindest nicht explizit darauf hin. Es ist jedoch möglich, dass auf offene antikommunistische Propaganda verzichtet wurde, dafür aber eher mehr Wert darauf gelegt wurde, die USA in einem positiven Licht erscheinen zu lassen und damit von der Sowjetunion abzuheben. Außerdem muss die Möglichkeit betont werden, dass das, was in großen Städten wie München oder Berlin forciert wurde, in der Provinz, also z.B. auch in Augsburg, von geringerer Bedeutung sein mochte.
Nicht nur das Verstehen der amerikanischen Kultur und Gesellschaft war Anliegen und Bestandteil der Veranstaltungen des Amerika-Hauses, sondern auch andere Länder gerieten in den thematischen Blickpunkt. So gab es z.B. eine Ausstellung mit dem Titel „Stadt- und Landplanung in Großbritannien“ 192 oder einen Lichtbildervortrag über das Thema „Frauen in Israel“ 193 .
Viele weitere Angebote, die gerade aufgrund ihrer hohen Anzahl hier nicht vergessen werden sollen, waren wohl weniger mit einem politischen Zweck verbunden, sondern waren kultureller Natur, wie z.B. viele Musikabende, oder wollten einfach nur
190 Artikel „Ein General erzählt vom Stacheldraht”, in: SL 6.5.1949, S. 14.
191 Artikel „Wie die amerikanische Verfassung arbeitet?”, in: SL 1.9.1948, S. 8.
192 Artikel „Moderne Stadt der Zukunft“, in: SL 2.10.1950, S. 12.
193 Veranstaltungshinweis, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 1, Augsburg 4.1.1951, S. 3.
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unterhalten und dadurch auf das Amerika-Haus aufmerksam machen. Eines dieser Angebote war der äußerst beliebte Quizabend, der bis zu 5.000 Besucher begeisterte 194 und den es nach Wissen der Verfasserin nur in Augsburg gab. Dieser wurde von dem Amerika-Haus Direktor Mr. Lambert initiiert und fand ab Februar 1952 regelmäßig im Antonskasino unter der Leitung von Harald Modrow statt. 195 Während eines solchen Abends stellte der Quizmaster Fragen aus den Bereichen Politik, Sports, lokale Ereignisse und Kultur an verschiedene Quizmannschaften. Klischeehaft, wie es ständig in der Literatur über die amerikanische Nachkriegsbesatzung auftaucht, bekam die Siegerin ein Paar Nylonstrümpfe und die anderen Rater wurden mit Schokolade und Zigaretten entschädigt. 196
4. Die Schließung bzw. die Übernahme durch die Stadt
Am 3. Oktober 1953 musste das Amerika-Haus Augsburg seinen Betrieb einstellen, da die US-Regierung nicht mehr genügend Geld zur Finanzierung des Public Affairs Programms zur Verfügung stellte. Mit ihm wurden 14 weitere Amerika-Häuser in Westdeutschland geschlossen. 197 Dieser Schritt deutete sich schon 1951 an, als die Schwäbische Landeszeitung schrieb:
„In der US-Zone wurden bisher 27 Haupt-Amerikahäuser geführt, die jetzt auf 15 verringert werden, aber das Augsburger Amerikahaus bleibt in seiner zentralen Bedeutung bestehen, es soll nicht etwa von München aus geleitet werden. Dafür will sich Mrs. Bernard, die Leiterin des Augsburger Amerikahauses mit allem Nachdruck einsetzen, denn sie hat in Ihrer Augsburger Zeit die besonderen Belange und Wünsche unserer Stadt gut kennengelernt.“ 198
1953 war der endgültige Schritt dann jedoch nicht mehr abwendbar, um zumindest die Amerika-Häuser in Hof, München, Nürnberg, Passau und Regensburg zu erhalten. 199 Das Amerika-Haus Augsburg wurde jedoch nicht komplett aufgelöst, sondern erstmals in seiner Grundfunktion erhalten. Am 19.10.1953 wurden die Schlüssel dann offiziell in einer Feierstunde der Stadt übergeben. 200
Die Einrichtung, der gesamte Buchbestand und das Filmarchiv mit den Projektionsapparaten wurden der Stadt überlassen. 201
194 Artikel „Vielseitiges Wirken im Amerika-Haus”, in: SL 25.2.1953, S. 10.
195 Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: SL 20.8.1953, S. 8.
196 Artikel „Man muss die Zeitung sehr genau lesen”, in: SL 22.2.1952, S. 10.
197 Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: SL 20.8.1953, S. 8.
198 Artikel „Zwölfhundert kommen täglich zum Lesen und Hören”, in: SL 1.8.1951, S. 11.
199 Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 20.8.1953, S. 8.
200 Artikel „Amerika-Haus wurde der Stadt übergeben”, in: SL 20.10.1953, S. 8.
201 Brief des Amerika-Haus Direktor Lambert an den Stadtrechtsrat Uhde vom 1.10.1953, in: StadtA A 50/1707, Nr. 32.
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Das Gebäude wurde zu einem monatlichen Preis von 1093,30 DM von den jüdischen Eigentümern, an die das anfangs von den Amerikanern beschlagnahmte Gebäude an einem aus den Akten nicht ersichtlichen Zeitpunkt wieder zurück erstattet wurde, angemietet 202 . Ein Teil des Amerika-Haus Personals konnte auch nach der Übernahme durch die Stadt Augsburg angestellt bleiben. 203 Dr. Wirth, der Leiter der Volksbücherei, wurde als zukünftiger Hausherr eingesetzt. Das Freihandsystem und die gebührenfreie Nutzung wurden, wie es Übergabevertrag vorsah, beibehalten. 204 Die Bücherei wurde jedoch in etwas geringerem Umfang weitergeführt: Die Ausleihzeiten verkürzten sich, so war die Erwachsenenabteilung Montag bis Freitag von 14.30 bis 19.45 geöffnet und die Jugendbücherei von 12 bis 15 und von 17 bis 18 Uhr. Allerdings wurde zusätzlich, nach Vorbild der „bookmobiles“, eine städtische Autobücherei eingerichtet, die in den Außenbezirken die Bevölkerung mit Lesestoff versorgte. 205 Das Veranstaltungsprogramm des Amerika-Hauses wurde in die Verantwortung der Volkshochschule gelegt. Diese wollte die Filmvorführungen, Gesprächsrunden, Schallplattenveranstaltungen und Vorträge in Zusammenarbeit mit dem Amerika-Haus München und der Europa-Union durchführen. 206 Damit die Volkshochschule die Veranstaltungen des Amerika-Hauses fortführen konnte, wurden ihr zur finanziellen Unterstützung ein erhöhter Zuschuss und zusätzliche Gelder für Personal- und Sachkoten von der Stadtverwaltung bewilligt. 207
Noch im Oktober 1953 wurde das Amerika-Haus auf Antrag des Stadtrats Gramatte, dem Vorsitzender der Europa-Union, in Europahaus umbenannt. Der Europa-Union wurde außerdem ein Leseraum zur Verfügung gestellt, in dem zukünftig Material zur europäischen Vereinigung ausliegen sollte. 208 Zur Begründung der Umbenennung ist in dem Kulturausschuss-Beschluss Folgendes nachzulesen:
„Auf Grund Stadtratsbeschluss vom 7.Oktober 1953 wurde das bisherige Amerika-Haus von der Stadt übernommen. Nachdem somit das Amerika-Haus nicht mehr von Beauftragten der Vereinigten Staaten betrieben wird, ist die Bezeichnung ´Amerika-Haus` irreführend geworden. Als neue Bezeichnung bietet sich der Name ´Europa-Haus` um so mehr an, als dadurch die bisherige verdienstvolle Arbeit des Amerika-Hauses in der und gemäßen Form mit einem übernationalen Inhalt weitergeführt werden soll. Dabei besteht volle Klarheit darüber, daß der Name ´Europa-Haus` für alle dort Tätigen eine ernste Verpflichtung bedeutet.“ 209
202 Mietvertrag vom 13.11.1953, in: StadtA A 50/1707, Nr. 74.
203 Vermerk des Personalamtes betreff der Stellenbesetzung in der Bücherei des Europa-Hauses, in: StadtA A 50/1707, Nr. 68.
204 Vertrag bezüglich der Übergabe des Eigentums des Amerika-Hauses an die Stadt Augsburg vom 15.10.1953, in: StadtA A 50/1707, Nr. 22.
205 Artikel „Neue Arbeitsgebiete der Volksbücherei”, in: SL 17.10.1953, S. 15.
206 Artikel „Starker Andrang bei der Volkshochschule”, in: SL 10.10.1953, S. 15.
207 Brief von des Stadtrechtsrats Dr. Uhde an Dr. Ott vom 22.9.1953, in: StadtA A 50/1707, Nr. 27a.
208 Artikel „Amerikahaus heißt nun Europa-Haus”, in: SL 30.10.1953, S. 16.
209 Kulturausschuss-Beschluss vom 23.10.1953, in: StadtA A 50/1707, Nr. 53.
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Es kam also zu einer inhaltlichen Akzentverschiebung, nicht mehr die deutschamerikanische Verständigung stand im Mittelpunkt, sondern das Zusammenwachsen Europas spielte vermehrt eine Rolle.
Das Amerika-Haus Augsburg fiel also im Wesentlichen nicht mehr unter die Kontrolle der USIA, sondern wurde aufgrund von Kürzungsplänen der amerikanischen Regierung geschlossen. Was nach 1953 mit dem Europahaus, also dem ehemaligen Amerika-Haus, und v.a. dem umfangreichen Buchbestand geschah, kann in dieser Baccalaureusstudie nicht untersucht werden. Das Ziel beschränkte sich darauf, die Entwicklung des Augsburger Amerika-Hauses unter amerikanischer Führung zu analysieren.
5. Zur Rezeption des Amerika-Hauses
5.1. Wirkung und Wahrnehmung des Amerika-Hauses
Die Wirkung des Amerika-Hauses auf die Augsburger lässt sich nur in begrenztem Umfang nachvollziehen. Leserbriefe zu dieser Einrichtung oder zu Veranstaltungen, die von dieser organisiert wurden, wurden in der Schwäbischen Landeszeitung nicht gefunden. Auch Besucherbücher, die möglicherweise im Amerika-Haus auslagen und Aufschluss über die Wirkung geben könnten, sind nicht mehr vorhanden. Doch kann sich die nachfolgende Rekonstruktion auf unterschiedliche Bereiche stützen. Beispielsweise lassen sich erste Schlussfolgerungen aus den OMGUS-Akten des IfZs ziehen: Einerseits zeigt sich in Wertschätzungsbriefen der ISD an Mrs. Bernard wie das Amerika-Haus Augsburg bei den Vorgesetzten in München ankam, und andererseits zeigen sich Besucherreaktionen durch Ausschnitte aus Leserbriefen, die in den Berichten, die die Direktion monatlich an die OMGUS-Zentrale schicken musste, enthalten waren. Auch wenn diese Leserbriefzitate nur einen Ausschnitt und eine spezifische Selektion der USIC-Leitung in Augsburg darstellen, so geben sie doch gewisse Anhaltspunkte zur Wahrnehmung des Amerika-Hauses. Die Rezeption innerhalb Augsburgs lässt sich weiterhin zumindest teilweise aus den Besucherzahlen ablesen und durch die Übernahme bestimmter Organisationsformen durch die Volksbücherei. Auch im Schriftverkehr einzelner städtischer Behörden und Einrichtungen, die sich für die Übernahme des Amerika-Hauses durch die Stadt Augsburg einsetzten, kommt die Relevanz des Amerika-Hauses für das kulturelle Leben der Stadt zutage. Eine vertiefende Einschätzung im Hinblick auf Wirkung und Wahrnehmung des Amerika-Hauses ermöglichen nicht
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zuletzt die zwei Interviews, die mit Zeitzeugen geführt werden konnten. Die Aussagen der beiden Befragten stellen sicher nur exemplarische Perspektiven und kein repräsentatives Meinungsbild dar. Da sie jedoch aus kulturhistorischer Perspektive und im Sinne der Oral History einen wertvollen Aufschluss hinsichtlich der Bewertung der Aktivität des Amerika-Hauses aus der Sicht der Bevölkerung ermöglichen, sollen diese vergleichend zu dem anderen vorliegenden Material herangezogen werden. Die Arbeit des Amerika-Hauses Augsburg wird offenbar bei der ISD Verwaltung in München sehr geschätzt. So ist Mr. Wright, der Leiter der Amerika-Häuser für Bayern, z.B. über das Programm vom 12.12.1948-11.1.1949 tief beeindruckt. Er drückt in einem Brief an die Direktorin Mrs. Sophie Bernard auch seine Bewunderung für deren persönliches Engagement aus:
„Please, accept and convey to all in your organization my heartfelt congratulations and commendation for the very excellent job which you are doing. Yours is one outstanding contribution to the overall effort of the democratization of the German people.” 210
In den “monthly reports”, in denen Sofie Bernard wichtige Entwicklungen des USICs für die ISD Leitung in München dokumentierte, lassen sich diverse Einschätzungen der Bevölkerung zum Amerika-Haus herauslesen. In dem Bericht für den Zeitraum 11.3.-10.4.1949 greift die Direktorin die Aussage eines Reporters auf, die besagt, dass das Amerika-Haus von der „Augsburg community as one of its important institutions“ anerkannt werde. Außerdem kam bei einem Wettbewerb zum Thema „What the America Haus means to me“ heraus, dass die Möglichkeit, die englische Sprache zu lernen am meisten von allen Teilnehmenden geschätzt wurde. 211 In einem anderen Bericht werden Leserbriefe von Augsburgern an das Amerika-Haus zitiert. In einem davon, der sich auf die Amerika-Haus Woche bezieht, heißt es:
„The America Haus week started most succesfully. The tremendous audience at the negro spirituals alone shows the popularity of the Amerika Haus invitations. People were there of every age group and from all walks of life. This appeared to me most important and a good sign for the future…” 212
In einem anderen Brief bedankt sich ein Augsburger bei den Amerika-Haus Team für ihr Engagement:
“I would like to express my thanks to the management of the Amerika Haus for this unique institution and especially to the splendid attitude of the employees who take care of the numerous visitors and their many requests.” 213
210 Brief des Leiters der Exhibition & Information Centers Branch C.S. Wright an Sophie Bernard vom 18.1.1949, in: IfZ, 5/314-2/2.
211 Monatlicher Bericht des Amerika-Hauses Augsburg für den Zeitraum 11.3.-10.4.1949, in: IfZ, 5/314-3/2.
212 Monatlicher Bericht des Amerika-Hauses Augsburg für den Zeitraum 11.4.-10.5.1949, in: IfZ, 5/314-3/2.
213 Ebd.
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Mrs. Bernard betont, dass das Amerika-Haus Augsburg von der deutschen Bevölkerung als “Community Center” betrachtet wurde und als Ort, wo sie hofften, eine Lösung für einige ihrer Probleme zu finden. Ein Brief, der im selben Bericht zitiert wird, drückt besonders deutlich die Wichtigkeit des Amerika-Hauses für die Augsburger aus: „Nachdem ich schon seit geraumen Monaten zu den Besuchern des Amerika Hauses Augsburg gehöre und manch angenehme Stunde in seinen Räumlichkeiten verbringen durfte, drängt es mich, Ihnen in einigen kurzen Worten meine Dankbarkeit darzutun für die Schaffung einer Stätte, die gerade in der heutigen schweren Zeit einem jeden Deutschen ihre Pforten offenhält, ganz gleich ob jung oder alt, reich oder minderbemittelt. Eine Stätte, die Erholung und geistige Anregung bietet, ganz abgesehen von den Mitteln, welche dem Besucher zur Verfügung gestellt worden sind aus dem demokratischen Gedanken geboren, einem jeden gerecht zu werden. Ich darf dabei vor allem die höfliche und liebenswürdige Behandlung, welche dem Besucher in jeder Weise durch die Angestellten dieses Hauses zuteil wird, besonders hervorheben.(…)“ 214
Auch wenn bei der monatlichen Berichterstattung zu der übergeordneten Instanz nach München sicher zu beachten ist, dass v.a. Meldungen weitergeleitet wurden, die die erfolgreiche Arbeit des Amerika-Hauses Augsburg belegen sollten und damit vielleicht eine etwas einseitige Sichtweise darstellen, kann man wohl trotzdem davon ausgehen, dass das Amerika-Hauses Augsburg für viele Bürger eine wichtige Bedeutung hatte und eine gewisse Beliebtheit erzielte.
Diese Bewertung soll durch Besucherzahlen untermauert werden, die eine quantitative Ergänzung zu den eher vereinzelten Leserbriefmeinungen bilden. 1949 z.B. lobt van Wagoner den „excellent record of 113.104 persons“ 215 , die das Amerika-Haus seit der Eröffnung besuchten. Allein 1951 schätzt man die tägliche Frequentierung des Amerika-Hauses im Ganzen auf 1.200 Personen. 216 Die eindrucksvollen Besucherzahlen aus den Monaten April-Juni 1953, insgesamt wurden 99.681 Personen gezählt, belegen diese Einschätzung zusätzlich. 52.258 Personen nahmen davon an den Veranstaltungen, wie Filme, Vorträge, Konzerte, Englischkurse, Ausstellungen und Quiz- und Diskussionsabende teil. Der Rest nutzte das Angebot der Bibliothek. 217 Bei einer Einwohnerzahl Augsburgs 1950 von 208.549 wirkt die Publikumsmenge in den untersuchten Monaten erstaunlich hoch. 218 Sowohl Franz R. Miller als auch Karl Erhard schätzten die meisten Veranstaltungen als gut besucht ein, v.a. viel Jugend wäre anwesend gewesen 219 . Das
214 Monatlicher Bericht des Amerika-Hauses Augsburg für den Zeitraum 11.5.-10.6.1949, in: IfZ, 5/314-3/2.
215 Brief des bayerischen Militärgouverneurs van Wagoner an General Pierce vom 15.2.1949, in: IfZ, 5/320-1/12.
216 Artikel „Zwölfhundert kommen täglich zum Lesen und Hören”, in: SL 1.8.1951, S. 11.
217 Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: SL 20.8.1953, S. 8.
218 Grünsteudel, Günther/Hägele, Günter/Frankenberger, Rudolf (Hg.): „Augsburger Stadtlexikon“, 2. Auflage, Augsburg 1998, S. 961.
219 Interview mit Franz R. Miller, Augsburg 18.1.05 (Zusammenfassung).
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Auditorium sei bei Konzerten, bei denen Erhard mitwirkte, voll besetzt gewesen. 220 Die HICOG-Studie aus dem Jahr 1953 spricht davon, dass bei elf angebotenen Vorträgen im Monat sich die Besucherzahl auf 2.201 Personen belief und zu insgesamt zwölf Diskussionsrunden 1207 Personen kamen. 221
Neben der genannten positiven Resonanz gab es jedoch scheinbar, zumindest was die Anfangszeit des Amerika-Hauses betrifft, eine Gruppe von Deutschen, die sich von der Einrichtung fern hielten. Mrs. Bernard nennt in einem Bericht an ihren Vorgesetzten Mr. Wright folgenden Grund:
„(…) a large group of Germans are afraid to avail themselves of the privilege of the library, because they do not want to be identified as ´collaborating` with the Americans.” 222
Der Erfolg des Amerika-Hauses Augsburg drückt sich jedoch nicht nur in den hohen Besucherzahlen aus. Auch die Tatsache, dass das Freihandsystem nach der Übernahme durch die Volksbücherei beibehalten wurde und diese eine Autobücherei nach dem Vorbild der „bookmobiles“, wie sie in anderen Städten üblich waren, einsetzten, 223 die schon nach wenigen Wochen 1.000 Leser erreicht hatte, spricht für eine breite Akzeptanz des Amerika-Haus Programms.
Als fest stand, dass das Amerika-Haus schließen musste, wurde im Schriftverkehr zu den Übernahmeverhandlungen immer wieder die Wichtigkeit der Institution von Seiten städtischer Einrichtungen betont. So heißt es beispielsweise in einem Rundschreiben des Referats 6:
„Eine große Zahl der Veranstaltungen, wobei besonders auch an die Film-Vorführungen und Schallplattenkonzerte zu denken ist, sind aber in Augsburg überhaupt nicht ersetzbar und haben (…) ebenso wie zahlreiche Vorträge und musikalische Veranstaltungen einen außerordentlich großen kulturellen und volksbildnerischen Wert.“ 224
Die Volksbücherei setzte sich insbesondere für den Erhalt des Buchbestandes des Amerika-Hauses ein:
„Wer die die hervorragenden Einrichtungen der Amerika-Häuser kennt und den Wert der verschiedenen Kulturgüter (Schallplatten, Filme, Bücher usw.), weiß auch den finanziellen Wert zu schätzen. Er wird die Bedingungen, die mit dem praktisch einem Geschenk kommenden Dauerleihgabe verbunden sind, nicht als unbillig erachten, zumal nur die Nutzbarmachung damit gewährleistet sein soll. (…) Allein schon rein bibliotheksmäßig wäre der Verzicht auf die angebotene Einrichtung und den Bestand des Amerika-Hauses für eine Stadt der Größe Augsburgs nicht zu verantworten. Wenn bei einer ablehnenden Haltung der Stadt Augsburg etwa eine andere Stadt den Bestand erhalten sollte, so würde der Verlust von weiten Bevölkerungskreisen sicher sehr beteuert werden (…)“ 225
220 Interview mit Karl Erhard, Augsburg 10.1.05 (Zusammenfassung).
221 HICOG-Studie S. 62 und S. 64.
222 Bericht Sofie Bernards an C.S. Wright vom 13.10.1948, in: IfZ, 5/314-3/1.
223 Artikel „Neue Arbeitsgebiete der Volksbücherei”, in: SL 17.10.1953, S. 15.
224 Rundschreiben des Referats 6 „Betreff: Übernahme des Amerika-Hauses“ vom 10.9.1953, in: StadtA A 50/1707, Nr. 19.
225 Brief der städtischen Volksbücherei an das Referat 6 vom 4.9.1953, in StadtA A 50/1707, ohne Nummerierung.
legte Rezeption. Besonders Franz R. Millers Aussagen fielen recht differenziert aus. Er beschrieb das Amerika-Haus als Ort, wo der Ton locker war und alles etwas bunter war, zumindest bunter als in deutschen Institutionen und v.a. nach den düsteren Kriegsjahren. Es sei ein öffentliches Haus der Besatzungsmacht gewesen, wo eine optimistische Art und Lebendigkeit geherrscht habe und in dem man freundlich aufgenommen wurde und in das man unbefangen hineingehen konnte, im Gegensatz z.B. zum Militärgericht. Miller besuchte das Amerika-Haus in erster Linie, weil es dort gute Schallplatten von Komponisten und Kompositionen gab, die während des 3. Reiches nicht aufgeführt wurden, wie die damaligen Klassiker Hindemith und Strawinsky, und weil es moderne Musik zu hören gab. Auch die Kunstausstellungen bezeichnete er als interessant und das erste Mal Picasso oder Chagall zu sehen als tolles Erlebnis. Allerdings seien diese Dinge nicht „first class“ gewesen. Später im Gespräch unterstrich er diesen Eindruck noch einmal: „eine Eliteinstitution waren die Amerika-Häuser nicht“ 226 . Miller geht also offensichtlich von einem Kulturbegriff aus, der in erster Linie Hochkultur meint. Wie schon in Punkt B. 3. ausgeführt, missglückte den Amerikanern, wenn man sich auf die Aussagen Millers stützen will, also auch in Augsburg der Versuch, die USA als Nation mit hohem kulturellen Anspruch zu etablieren. Das Augsburger Amerika-Haus sei nach Aussagen Millers bürgerlich, hübsch, nett und unaufdringlich gewesen; gerade im Vergleich zum Amerika-Haus in München, wäre der Eindruck jedoch typisch gewesen: greater Munich - greater America. Im Wesentlichen sei das Angebot - Millers Einschätzung nach - kulturell gewesen. Die Bemühungen zur Umgestaltung zum Demokraten sei über härtere Gegebenheiten als über das Amerika-Haus gegangen und auch antikommunistische Propaganda sei v.a. über die Medien gelaufen. 227 Auch der zweite befragte Zeitzeuge Karl Erhard betonte mir gegenüber, dass das Amerika-Haus eher ein Kulturzentrum war und wenig mit Politik zu tun hatte. 228 Gerade dieser Punkt erscheint bemerkenswert. Denn wie die Analyse der Veranstaltungen ergeben hat, gab es durchaus politisch motivierte Programme, wie z.B. Vorträge, um Ideen der Demokratie voran zu treiben. Dieser Zweck scheint sich jedoch nicht besonders stark auf den Eindruck der Besucher nieder geschlagen zu haben, die hauptsächlich das kulturelle Angebot wahrgenommen haben.
226 Interview mit Franz R. Miller, Augsburg 18.1.05 (Zusammenfassung).
227 Ebd.
228 Interview mit Karl Erhard, Augsburg 10.1.05 (Zusammenfassung).
Auf subtile Art und Weise, trugen die Amerika-Häuser jedoch im Hintergrund sicher dazu bei, ein Weltbild zu unterstreichen, das die Amerikaner den Deutschen näher bringen wollten. Miller gab so z.B. auch am Ende des Interviews zu, dass er sich vorstellen kann, dass die Amerika-Häuser Basisarbeit zur Entwicklung eines demokratischen Deutschlands geleistet hätten.
5.2. Die Darstellung im Spiegel der Schwäbischen Landeszeitung
Die Schwäbische Landeszeitung wurde von Curt Frenzel herausgegeben und erschien bis 1948 zweimal wöchentlich, 1948-50 dreimal wöchentlich und ab 1951 täglich. Ab dem 1.11.1959 war sie unter dem Titel Augsburger Allgemeine erhältlich. Das Amerika-Haus Augsburg nutzte die Lokalzeitung neben der „Augsburg Military Post Times“ auch als Plattform, um seine Anzeigen für Veranstaltungen zu platzieren. Sofie Bernard war der Ansicht, dass Zeitungen das geeignetste Mittel seien, um Werbung für die Aktivitäten des Amerika-Hauses zu machen. 229
Eine Einschätzung in Bezug auf das Amerika-Haus Augsburg lässt sich anhand zahlreicher Artikel über dieses und Kritiken zu Veranstaltungen, die von diesem organisiert wurden, machen. Artikel über das Amerika-Haus erschienen zur großen Mehrheit nur im Lokalteil, meist unter der Rubrik „Augsburger Rundschau“ oder „Unsere Heimat“. Nur der Artikel zur Eröffnung schaffte es auf die zweite Seite. Die Tatsache, dass die Artikel nie an ganz exponierter Stelle standen, lässt darauf schließen, dass dem Amerika-Haus nur eine begrenzte, nur lokale, Bedeutung beigemessen wurde. Allerdings erscheint es durchaus eine wichtige Rolle in der Wahrnehmung als Kulturzentrum gespielt zu haben, was sich mit der Einschätzung Franz Millers decken würde. Denn bei den Veranstaltungshinweisen unter der Rubrik „Wenn die Arbeitszeit zu Ende…“ war das Amerika-Haus ein fester Bestandteil. Auch in den Kritiken zu Veranstaltungen hatte die Einrichtung eine immer wiederkehrende Präsenz.
Als „unvergessen“ beschrieb Dr. Otto Fürber das Ereignis der Bibliothekseröffnung am Schmiedberg. 230 Nachdem feststand, dass das Amerika-Haus in das ehemalige Gestapo-Hauptquartier umziehen sollte, spart ein Redakteur der Schwäbischen Landeszeitung nicht mit Vorschusslorbeeren. In einem Artikel hieß es:
229 Bericht Sofie Bernards für September vom 13.10.1948, in: IfZ, 5/314-2/2.
230 Artikel „Ein Jahr Augsburger Kulturleben”, in: SL 29.10.1946, S. 4.
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„Jeder Raum atmet Frieden, Kultur und Erziehung. Hier werden Deutsche und Amerikaner zusammenkommen mit den besten Vorsätzen, einander mit dem Willen der gegenseitigen Verständigung näherzukommen. Hier wird man sich treffen zur Geselligkeit und Studium, zu einem freien Gedanken- und Meinungsaustausch und zur Fortbildung der Kenntnisse. (…) Hier wird ein Samenkorn gelegt für Frieden und Verständigung zwischen den Völkern.“ 231
Die Meinungen zum Amerika-Haus stimmten z.T. so stark mit den offiziellen Zielvorgaben der Militärregierung überein, dass man zu dem Schluss kommen muss, dass diese einfach in den Zeitungstext übernommen wurden. Als Beispiel soll folgende Textpassage zitiert werden:
„Das Amerika-Haus fördert das Studium und die Kenntnisse der Weltgegebenheiten als die Brücke zu anderen Ländern und einen Weg zum Verständnis zwischen den Völkern, anderer Nationen und anderer Kultur.“ 232
Entweder herrschte in der Augsburger Publizistik tatsächlich ein derart positives Bild über die Einrichtung vor oder man traute sich, gerade in der unmittelbaren Nachkriegszeit, keine allzu heftige Kritik an einer Institution der Besatzungsmacht zu üben. Meines Erachtens spricht ein tendenzielles Wohlwollen und Schönfärberei gegenüber den amerikanischen Besatzern sicher eine Rolle, nichtsdestotrotz denke ich, dass das Amerika-Haus ehrlich geschätzt wurde, da z.B. in Bezug auf die Entnazifizierungsmaßnahmen der US-Regierung durchaus auch kritische Stimmen laut wurden. Das Amerika-Haus hatte sich Anfang der 50er Jahre in Augsburg etabliert. Die Schwäbische Landeszeitung schrieb:
„Das Amerika-Haus ist in Augsburg zu einem festen Begriff im öffentlichen Leben geworden, - und für weite Kreise, insbesondere der Jugend wäre es kaum noch fortzudenken.“ 233
Umso weniger erstaunlich ist die Rezeption in Bezug auf das bevorstehende Ende des USICs im Spiegel des Augsburger Lokalblattes. Der Direktor Mr. Lambert wurde mit folgenden Worten zitiert:
„Ich weiß, daß diese Schließung von vielen Augsburgern mit Bedauern aufgenommen wird, von all jenen vor allem, die das Amerika-Haus als wichtiges kulturelles Informations- und Gemeindezentrum betrachteten, das der Förderung der internationalen Verständigung diente.“ 234
Die Zeitung schrieb kurze Zeit später in ähnlicher Form:
„Die (…) Schließung des Amerika-Hauses ist in weiten Kreisen Augsburgs, die aus eigener Erfahrung und aus persönlichem Eindruck um die besondere Bedeutung und die vielfältige Arbeit dieser Einrichtung wissen, mit ehrlichem Bedauern aufgenommen worden.“ 235
Auch die Arbeit der beiden Direktoren wurde durch die Worte des Oberbürgermeisters Müller gelobt:
231 Artikel „Vom Gestapo-Hauptquartier zum Amerika-Haus”, in: SL 3.12.1948, S. 15.
232 Artikel „Amerika-Haus-Woche”, in: SL 30.4.1948, S. 11
233 Artikel „Brücke zwischen zwei Welten”, in: SL 29.1.1951, S. 8.
234 Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: SL 20.8.1953, S. 8
235 Artikel „Pläne der Stadt um die Zukunft des Amerika-Hauses”, in: SL 23.9.1953, S. 10
51
„Beide hätten es durch ihre vermittelnde Art verstanden, hier einen kulturellen Mittelpunkt zu schaffen, zu dem sich die Deutschen hingezogen fühlten.“ 236
Die Kritiken zu dem Angebot des Amerika-Hauses fielen zum überwiegenden Teil positiv aus. Die Bibliothek wird als „eine wertvolle Ergänzung zu den Städtischen Büchereien“ 237 beschrieben. Musikveranstaltungen und Theateraufführungen des Amerika-Hauses werden regelmäßig rezensiert. Auch neue Versuche, wie ein Abend, bei dem Jugendliche in einem Kunstgericht Urteil über moderne amerikanische Musik fällten, ohne vorher den Komponisten genannt zu bekommen, wurden besprochen. Da hierbei eine kulturelle Veranstaltung mit dem Einüben von Kritikfähigkeit und individueller Meinungsbildung gekoppelt wurde, kam der Rezensent zu folgendem Urteil: „Das Experiment darf als geglückt bezeichnet werden.“ 238 Veranstaltungen, wie das „Öffentliche Forum“ mit dem Thema „Neubau von Wohnungen oder öffentlichen Gebäuden?“ blieben mit ihrer negativen Bewertung der Themenwahl und der Kritik am Zeitpunkt der Veranstaltung (acht Tage vor der Kommunalwahl) und am Versammlungsleiter eher die Ausnahme. 239
236 Artikel „Amerika-Haus wurde der Stadt übergeben”, in: SL 20.10.1953, S. 8.
237 Artikel „Am liebsten war ihr die Arbeit für die Jugend”, in: SL 22.10.1951, S. 8.
238 Artikel „Jugend diskutiert über Neue Musik”, in: SL 5.4.1950, S. 6
239 Artikel „Lebhaftes ´Öffentliches Forum`” und „Ein missglücktes Experiment“, in: SL 25.5.1948, S. 4
52
D. Schlussbetrachtungen
Das Amerika-Haus Augsburg bettet sich in starkem Maße in die historische Entwicklung der übrigen United States Information Centers in Deutschland ein. Auch wenn es nur bis 1953 bestanden hat und wie viele andere den Kürzungen der auswärtigen Kulturpolitik der Amerikaner zu Opfer fiel, spiegelt es im Besonderen die Zielsetzungen und Funktionen des Amerika-Haus Programms wieder. Es hatte sich wie die anderen USICs v.a. Demokratisierung, Re-education und Völkerverständigung, insbesondere zwischen Deutschen und Amerikanern, durch die Bereitstellung von Informationen über die USA, auf die Fahnen geschrieben. Nur im Bereich des Antikommunismus fehlt jeglicher Hinweis. Diese weitgehende Parallelität im Hinblick auf die Zielsetzungen war zu Beginn der Untersuchung freilich nicht absehbar, das Augsburger Amerika-Haus hätte ebenso gut eine andere Fokussierung verfolgen können. Dass die doch vermehrt politischen Ziele letztendlich bei den Besuchern nicht in dem Maße wahrgenommen wurden, sondern dort die kulturellen Möglichkeiten im Vordergrund standen, spiegelt sich u.a. auch in der Aussage von Herrn Miller, der das Augsburger Amerika-Haus im Interview mit dem heutigen „Abraxas“ oder der „Kresslesmühle“ verglich 240 . Das durchaus umfangreiche Veranstaltungsprogramm trug zur Augsburger Kulturlandschaft der ansonsten an kulturellen Veranstaltungen noch begrenzten Nachkriegszeit bei. Auch wenn die Aktivitäten des Amerika-Hauses Augsburg in ihrer Wirkung wahrscheinlich nicht so vielfältig und stark waren wie z.B. in München, so waren sie doch wichtig für eine geschlossenes Bild, das die Amerikaner über die Amerika-Häuser verbreiten wollten. Die positive Resonanz in der Schwäbischen Landeszeitung und die Popularität, die v.a. aus den hohen Besucherzahlen spricht, führen dazu, auch die lokale Bedeutung des Augsburger Amerika-Hauses nicht zu unterschätzen. Das Augsburger Amerika-Haus bildet einen der Anfangspunkte der fast 50jährgen Präsenz der Amerikaner in Augsburg, die u.a. kulturprägend für Augsburg waren. Da die Truppen seit mehreren Jahren abgezogen sind, für die Kasernen neue Nutzungsmöglichkeiten gesucht werden und nur noch vergleichsweise wenige Amerikaner in Augsburg leben, besteht die Gefahr, diesen wichtigen Abschnitt lokaler Geschichte zu vernachlässigen.
53
Der am 1. Dezember 2004 gegründete Verein „Amerika in Augsburg“ versucht durch das Dokumentieren des Lebens und Wirkens der Amerikaner in Augsburg dieser möglichen Lücke entgegenzuarbeiten. Er hat sich Folgendes zum Ziel genommen:
„Der Zweck des Vereins ist die Sammlung, Auswertung und Dokumentation von materiellen und immateriellen Zeugnissen der 50-jährigen Präsenz der US-Streitkräfte und deren Familienangehöriger in Augsburg. Damit wird ein wesentliches Kapitel der Nachkriegs- und Friedensgeschichte dieser Stadt beleuchtet und im Besonderen der soziokulturelle Einfluss der amerikanischen Ära auf die Region Augsburg veranschaulicht. Im Sinne einer lebendigen Erinnerungskultur sollen der Nachwelt die wechselvollen deutsch-amerikanischen Beziehungen der Vergangenheit im ortspezifischen Kontext erfahrbar gemacht werden, um damit auch den interkulturellen Dialog zu fördern.“ 241
Auch diese Studie zum Augsburger Amerika-Haus hatte sich zum Ziel gesetzt, einen wichtigen Teil zur Geschichte der Amerikaner in Augsburg beizusteuern.
240 Interview mit Franz R. Miller, Augsburg 18.1.05 (Zusammenfassung).
241 §2 der Statuten des Vereins „Amerika in Augsburg“, in: E-Mail von Herrn Feuerer, dem 1. Vorsitzen- den des Vereins, an die Verfasserin, vom 8.3.2005.
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Abkürzungsverzeichnis
Gestapo: Geheime Staatspolizei HICOG: US High Comissioner for Germany ICD: Information Control Division IfZ: Institut für Zeitgeschichte ISD: Information Service Division OMGB: Office of Military Government for Bavaria OMGUS: Office of Military Government for Germany of the United States PWD: Psychological Warfare Division USIA: United States Information Agency USIC: United States Information Center
56
2. Lokalisierung des Amerika-Hauses Augsburg im Stadtplan
3. Fotos 3.1. Gebäude Schmiedberg 4
242 Pilgert, Henry P.: The History of the development of Information Services through Information
58
3.3. Fotos zur Eröffnungsfeier 243
Hissen der amerikanischen Flagge vor dem Amerika-Haus
243 Fotos zur Eröffnungsfeier des Amerika-Hauses von Karl Lischer, in: Stadtarchiv Augsburg: NL Lischer.
60
4.
„Amerikahaus Augsburg“
Abendveranstaltungen der Woche
Montag, den 16. April 1951, 20.00 Uhr, im Auditorium Buchbesprechung: James Joyce: „Zur Phänomenologie des Menschen“. Es spricht: Heinz Brenner
Dienstag, den 17. April 1951, 20.00 Uhr, im Auditorium Musik für Flöte und Klavier, gespielt von Karl Strobel (Flöte) und Karl Erhard (Klavier): Bach - Hindemith - Erhard - Genzmer. Mittwoch, den 18. April 1951, 20.00 Uhr, im Filmtheater Farbfilmvortrag (Veranstaltung des Schweizer Verkehrsvereins): „Vom Rheinfall Schaffhausen zum Säntis“. Es spricht E. Oettli. Donnerstag, den 19. April 1951, 20.00 Uhr, im Auditorium Vortrag „Die Krisis des Kulturfilms“. Es spricht: Dr. Johannes Eckhardt.
Donnerstag, den 19. April 1951, 20.00 Uhr, im Auditorium ESC. Einführung in das zeitgenössische amerikanische Theater (Emmet Lavery). Interpretation und Vortrag: Heinz Brenner. Freitag, den 20. April 1951, 20.00 Uhr, im Auditorium Vortrag „Das Schicksal unseres Planeten“. Es spricht: Prof. Hermann Friedmann.
Samstag, den 21. April 1951, im Kl. Goldenen Saal: Moderne Violin-Sonaten von Ives - Diamond - Reger - Weismann - Hindemith, gespielt von Bruno Lenz, am Flügel Hans Altmann.“
Briefkopflogo des Amerika-Hauses Augsburg 245 5.
244 Veranstaltungshinweise in der Rubrik „Kulturelle Nachrichten“, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 15, Augsburg 13. April 1951, S. 3.
245 Briefpapier des Amerika-Hauses Augsburg mit Logo, aus dem Privatbesitz von Karl Erhard (vom Besitzer zur Verfügung gestellt, Augsburg 10.1.05).
61
6.
246 Grundrisspläne des Amerika-Hauses Augsburg, in: Bayerisches Hauptstaatsarchiv: OMGB 9/152-1/9. Die Pläne wurden von der Verfasserin für den Anhang nachbearbeitet, da die Mikrofichevorlage sehr schlecht war und ein Stockwerk auf je zwei Blattseiten verteilt war.
62
2. Stock
3. Stock
64
Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen:
Artikel „Abschied im Amerikahaus”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 1.12.1951, S. 16.
Artikel „Amerikahaus heißt nun Europa-Haus”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 30.10.1953, S. 16.
Artikel „Amerika-Haus-Woche”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 30.4.1948,
S. 11.
Artikel „Amerika-Haus wurde der Stadt übergeben”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 20.10.1953, S. 8.
Artikel „Amerikahäuser“, in: Süddeutsche Zeitung, München 6.2.1986 (aus den Informationsmaterialien des Amerika-Hauses München, ohne Seitenangabe). Artikel „Amerikanische Bücherstube in Augsburg”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 16.7.1946, S. 3.
Artikel „´Amerika von heute` kommt nach Augsburg”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 1.4.1949, S. 15.
Artikel „Am liebsten war ihr die Arbeit für die Jugend”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 22.10.1951, S. 8.
Artikel „Brücke zwischen zwei Welten”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 29.1.1951, S. 8.
Artikel „Das Amerika-Haus wird seine Pforten schließen”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 20.8.1953, S. 8.
Artikel „Das amerikanische Musikleben”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 12.9.1950, S. 12.
Artikel „Das Bilderbuch aus Amerika”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 8.4.1949, S. 15.
Artikel „Das neue Amerikahaus in der Prinzregentenstraße”, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 50, Augsburg 16.12.1948, S. 3.
Artikel „Deutsch-amerikanischer Klub“, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 4.6.1948, S. 6.
Artikel “Die Stadt will das Amerika-Haus kaufen”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 19.9.1953, S. 16.
65
Artikel „Die Stadt übernimmt das Amerika-Haus”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 9.10.1953, S. 14.
Artikel „Ein Fenster in die Welt”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 15.12.1948, S. 2.
Artikel „Ein General erzählt vom Stacheldraht”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 6.5.1949, S. 14.
Artikel „Ein Jahr Augsburger Kulturleben”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 29.10.1946, S. 4.
Artikel „Großes Programm des neuen Amerika-Hauses”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 13.10.1948, S. 8.
Artikel „John Foster Dulles“ (Rubrik Personalien), in: Der Spiegel, Heft 29, Hamburg 1953, S. 26.
Artikel „Jugend diskutiert über Neue Musik”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 5.4.1950, S. 6.
Artikel „Lebhaftes ´Öffentliches Forum`” und „Ein mißglücktes Experiment“, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 25.5.1948, S. 4.
Artikel „Man muss die Zeitung sehr genau lesen”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 22.2.1952, S. 10.
Artikel „Moderne Stadt der Zukunft“, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 2.10.1950, S. 12.
Artikel „Neue Arbeitsgebiete der Volksbücherei”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 17.10.1953, S. 15.
Artikel „Pädagogische Arbeitsstätte im Amerika-Haus”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 27.10.1948, S. 7.
Artikel “Pädagogische Arbeitsstätte zieht um”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 14.12.1949, S. 11.
Artikel „Pläne der Stadt um die Zukunft des Amerika-Hauses”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 23.9.1953, S. 10.
Artikel „Programm des Amerika-Hauses läuft weiter”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 24.10.1953, S. 16.
Artikel „Städtische Jugendbücherei im Amerikahaus”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 2.8.1951, S. 6.
Artikel „Starker Andrang bei der Volkshochschule”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 10.10.1953, S. 15.
66
Artikel „Tenessee Williams’ ´Glasmenagerie`”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 13.12.1950, S. 9.
Artikel „Übergabe der Pädagogischen Arbeitsstätte”, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 46, Augsburg 16.11.1951, S. 2.
Artikel „Vielseitiges Wirken im Amerika-Haus”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 25.2.1953, S. 10.
Artikel „Vom Gestapo-Hauptquartier zum Amerika-Haus”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 3.12.1948, S. 15.
Artikel „Was liest der Augsburger?”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 24.12.1947, S. 4.
Artikel „Wie die amerikanische Verfassung arbeitet?”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 1.9.1948, S. 8.
Artikel „Zwölfhundert kommen täglich zum Lesen und Hören”, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 1.8.1951, S. 11.
Bayerisch-Amerikanisches Zentrum im Amerika Haus München e.V.: Programminformation November/Dezember 2004.
Bayerisches Hauptstaatsarchiv: OMGB 9/152-1/9, OMGUS-Report 6, OMGUS-Report 384 (mit der amerikanischen Bezifferung für Shipment/Box/Folder). Briefpapier des Amerika-Hauses Augsburg mit Logo, aus dem Privatbesitz von Karl Erhard (vom Besitzer zur Verfügung gestellt, Augsburg 10.1.05). Institut für Zeitgeschichte: OMGUS ISD Akten, 5/314-2/2, 5/314-3/1, 5/314-3/2, 5/320-1/15, 5/320-1/12 (mit der amerikanischen Bezifferung für Shipment/Box/Folder). Interview mit Karl Erhard, Augsburg 10.1.05 (Zusammenfassung). Interview mit Franz R. Miller, Augsburg 18.1.05 (Zusammenfassung). Kopie des Exemplars „The National Geographic Magazine“ vom Juni 1952 mit dem Stempel „Amerikahaus Augsburg“, aus dem Privatbesitz von Werner J. Lorenz (vom Besitzer zur Einsicht freigegeben, Augsburg 17.1.05). Office of the U.S. High Commissioner for Germany (Hg.): The America Houses. A Study of the U.S. Information Center in Germany, prepared by the Management and Budget Division and the Office of Public Affairs, o. O. 1953. Stadtarchiv Augsburg: Bestand 49/13. Das Amerikahaus 1948-1952, Bestand 50/1707. Europahaus 1953-1977, NL Lischer.
Veranstaltungshinweis, in: Amtsblatt der Stadt Augsburg, Nr. 1, Augsburg 4.1.1951, S. 3.
67
Veranstaltungshinweise, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 2.3.1948, S. 4/16.3.1948, S. 4/31.3.1948, S. 4/13.4.1948, S. 6.
Veranstaltungshinweis, in: Schwäbische Landeszeitung, Augsburg 17.9.1948, S. 16. §2 der Statuten des Vereins „Amerika in Augsburg“, in: E-Mail von Herrn Feuerer, dem 1. Vorsitzenden des Vereins, an die Verfasserin, 8.3.2005.
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Rita Bartl, 2005, „Ein Fenster in die Welt“ - Zur Entwicklung, Funktion und Rezeption der Amerika-Häuser. Fallbeispiel Augsburg 1946-53, München, GRIN Verlag GmbH
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