Textgrundlagen:
Rosen, Rüdiger: Wirtschaft in die Schule. Plädoyer für ein Schulfach Ökonomie in allgemeinbildenden Schulen. http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/rosen.htm
Hartwich, Hans-Herrmann: Kein neues Fach Ökonomie, aber eine moderne Wirtschaftslehre in der schulischen politischen Bildung! http://www.sowionline.de/reader/oekonomie/hartwich.htm
Sczesny, Christoph/Lüdecke, Sigrid: Ökonomische Bildung Jugendlicher auf dem Prüf-stand: Diagnosen und Defizite. http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/sczelued.htm
Schon die Titelbeiträge lassen, ohne dass man die Texte gelesen hätte, eine Richtung erkennen. Alles in Allem besteht auf ganzer Linie Konsens, dass die ökonomische Bildung in Deutschland in den Lehrplänen zu kurz kommt und einer Reform bedarf. Rosen einerseits plädiert für die Einführung eines eigenständigen Faches, während Hartwich die Ökonomie in Symbiose mit der gesellschaftspolitischen Bildung verankern möchte. Beide Richtungen sind zu diskutieren, und es wird sicherlich schwer fallen, sich auf eine Richtung ad hoc einzulassen. Die empirischen Befunde von Sczesny, Christoph und Lüdecke, Sigrid aber eröffnen uns die Notwendigkeit und Tragweite dieser Fragestellung, sodass bei allen Pro- und Contraargumenten ein Schwergewicht der Bildung auf die Ökonomie hin nicht mehr anzuzweifeln ist.
Rosens 1 liberaler Ansatz von der Versorgungs- zur Chancengemeinschaft soll in einem eigenständigen Fach Ökonomie seine Verwirklichung finden. Das Wissen um die ökonomischen Bedingungen in aller Breite eröffnet ein Feld, in dem das Individuum Ziele finden kann und dabei die Zusammenhänge besser versteht, denn Wirtschaft ist allgegenwärtig. Hartwich ist ebenfalls dieser Meinung und betont die Subjektsbezogenheit. Ökonomische Themen in Schulen benötigen mehr Schwergewicht. Doch besteht hier das Problem, inwiefern diese Ökonomie anzusiedeln sei. Ein neues Fach würde nur dazu führen, dass andere geisteswissenschaftliche Fächer Einschnitte hinnehmen müssten, da die Lehrpläne voll sind. Die Ökonomie gehört nach Rosen zur Allgemeinbildung und muss daher schon in einem eigenen Schulfach aufgehen; wirtschaftliche Zusammenhänge und das Verstehen darüber, führen dazu, dass das politische System, die freiheitlich demokratische Grundordnung, besser begriffen werden kann. 2
1 http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/rosen.htm
2 Rosen: „Ökonomische Bildung […] stabilisiert die Demokratie.“
2
Hartwich 3 stimmt auch dem zu, verlangt aber nicht die Einführung eines eigenständigen Faches. Die Ökonomie müsse in der politischen Bildung ihre Verankerung und Verzahnung suchen und finden. Ökonomie als Teil der Gesellschaft kann nicht autark neben den gesellschaftspolitischen Fragestellungen betrachtet werden. Gerade diese intensivere Verbindung von Ökonomie und politischer Bildung führt einerseits zu einem stärkeren Verstehen von Wirtschaftsordnung und -funktionen und andererseits damit auch zur Stärkung der Demokratie selbst. In diesem Ziel sind sich Rosen und Hartwich einig. Der Weg dahin aber bleibt umstritten.
Die Einbindung der Ökonomie in andere geisteswissenschaftliche Fächer führt nach Rosen dazu, dass dann nur halbherzig ökonomisch gelehrt werden könne, da die Fächer (beispielsweise Geschichte) bei ihrem Hauptgegenstand bleiben würden, sodass die Ökonomie in der Folge auf der Strecke bleibt.
Hartwichs klares Contra unterstreicht die Vorstellung der Verbindung von Politik und Wirtschaft. Beides könne nicht nebeneinander gesehen werden; beide bedingen einander! Dieser Grundaspekt muss in der Schule, eben in einem gesellschaftspolitischen Fach mit Ökonomie, klargemacht werden. Das Denken in übergreifenden und komplexen Strukturen muss Vorrang haben vor einengendem Fach- und Faktenwissen, ohne dieses gleich ad absurdum zu führen. Rosens Grundthese, die in seinen zwei formulierten Fehlvorstellungen über Ökonomie identifizierbar ist, geht in die Richtung, dass die Ökonomie keinesfalls zu einem Aspekt von Fächern wie Politik und Soziologie herabgesetzt werden dürfe. Ökonomie ist in ihrer Wissensfülle unabdingbar als ein eigenständiges Fach zu begreifen. Kombinationsfächer lösen das Problem nicht, ob nun ein Fach Ökonomie (Rosen plädiert dafür) autonom neben den anderen Schulfächern eingeführt werden soll. Die Trennung von politischer Bildung und Ökonomie bleibt für Rosen Ziel bei der Einführung eines Faches Ökonomie. Hartwich kritisiert Rosens Vorstellung, die er (Rosen) mit dem Memorandum des DAI untermauert, dass ein solches Fach zu steril auf wirtschaftswissenschaftliches Faktenwissen eingehen würde, anstatt Zusammenhänge zu klären. Lobbyismus und Macht müssen als Faktoren in Verzahnung von Ökonomie und Politik benannt werden. Deshalb kann von einem Fach keine Rede sein, das rein wirtschaftswissenschaftlich die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen ausblendet. Die politische Bildung muss es als ihre Aufgabe ansehen, die Ökonomie als Bestandteil ihres Faches zu begreifen. Dass dies funktioniert, wurde bereits bewiesen. Rosens und Hartwichs Texte tragen, wie schon angesprochen, einen Konsens in sich, indem der Notwendigkeit von ökonomischer Bildung zugestimmt werden muss. Dass es um diese
3 http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/hartwich.htm
3
Arbeit zitieren:
Daniel Fischer, 2003, Ökonomische Themen im Gemeinschaftskundeunterricht? - Pro- und Contra-Argumente, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formen des selbstständigen und kooperativen Lernens im Unterricht mit ...
Examensarbeit, 157 Seiten
Attraktivität des Lehrberufs im europäischen Vergleich am Beispiel von...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Ökonomische Bildung - Integration oder Neuschaffung eines Faches
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 15 Seiten
Das Unterrichtskonzept "Kooperativer WebQuest"
Entwicklung und Umsetzung anha...
Biologie - Genetik / Gentechnologie
Hausarbeit, 53 Seiten
Unterrichtsvorbereitung: Gang der Gesetzgebung (in der Bundesrepublik ...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Unterrichtsentwurf, 15 Seiten
Daniel Fischer hat den Text Ökonomische Themen im Gemeinschaftskundeunterricht? - Pro- und Contra-Argumente veröffentlicht
Daniel Fischer hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare