Inhaltsangabe
Einleitung S.1
Was unterscheidet Equiano von den anderen Slave Narratives S.3
Sprachliche Struktur und Wortwahl S.7
Equianos Religiosität S.10
Schlu ßwort S.13
Literaturseminar : Slave Narratives John F. Kennedy Institut für Nordamerikastudien
WS 20001/2002 K Shams-Eddien
Einleitung
The Interesting Narrative of the Life of Olaudah Equiano, or Gustav Vassa the African, ist ohne Zweifel der Prototyp des einzigartigen Literaturgenres des Slave Narratives. Als solches wurde es öfter als jedes andere Werk analysiert, diskutiert und zitiert. Sein Buch war das eines afrikanischen Zeitzeugens, das sich an die englische Bevölkerung richtete und dazu dienen sollte, sie auf die Seite der Sklavengegner, die Abolitionisten, zu ziehen. Es richtete sich natürlich auch an den Rest der Welt, dem er deutlich machen wollte, daß auch ein Afrikaner durchaus kultiviert und gebildet sein konnte, sich an der Moral der damaligen Gesellschaft orientierend.
In seinem Buch stellt er sich selbst als einen Mann dar, der nach den Gesetzen der Vernunft lebte. Und gerade deshalb nannte er sich schon im Titel seines Werks `The African´.
Es gibt sehr viele verschiedene Theorien, wie sein Buch zu interpretieren ist, wobei einige davon schon fast ins Abstrakte abzugleiten scheinen. Wir sollten bei der Betrachtung seines Buches jedoch nicht die historische Einordnung außer Acht lassen, die deutlich werden läßt, daß es vor allem in den Wirren der Anfänge der Antisklavereibewegung geschrieben worden ist, und somit vor allem eine politische Botschaft enthält. Man könnte es als eine Art Aufklärungslektüre betrachten, die von den Abolitionisten gefördert wurde und die Antisklavereibewegung vorantreiben sollte. Somit ist es ein monumentales Zeugnis seiner Zeit.
The Interesting Narrative of the life of Olaudah Equiano ist mehr als nur eine Geschichte - es ist eine politische Botschaft.
Der Druck und Verkauf des Buches wurde von vielen Anhängern und Förderern der `Abolitionistenbewegung´ unterstützt, wie es für die Zeit damals üblich war, wobei mindestens 30 von den insgesamt 311 Förderern wichtige Leute in Politik, Theologie und Akademiker waren. Jedoch gibt es keinen Zweifel daran, daß im Gegensatz zu vielen anderen Slave Narratives, Equiano sein Buch selbst geschrieben hat, wie er selbst auch seinem Titel folgend mit `written by himself´ betont. Natürlich versuchten viele Gegner der Abolitionisten ihn als Lügner darzustellen und behaupteten unter anderem er wäre in Wirklichkeit der Sohn eines Holländers gewesen, aber alle Versuche sein Werk
unglaubwürdig erscheinen zu lassen, konnten widerlegt werden und scheiterten. Nachdem er am 24 März 1789 sein Buch schließlich vollendet hatte, sicherte er sich die Rechte daran und veröffentlichte es. Daß sein Buch ein großer Erfolg war, war nicht nur seinen Förderern zu verdanken, sondern vor allem seiner eigenen Beharrlichkeit und seinem Engagement. Er bereiste sechs Jahre lang die Städte Englands, um sein Buch vorzustellen, und gelangte so zu einigem Wohlstand.
Der Erfolg von Equianos Buch war nicht zuletzt auch seiner einzigartigen Erzählweise zu zuschreiben. Keiner verstand es so wie er die Botschaft der Abolitionisten erzählerisch so interessant zu gestalten, indem er sie in die Erzählung der Geschichte eines Mannes einband, der es schaffte, sich aus dem erbarmungslosen Leben eines Sklaven zu lösen und sich aus eigenen Kräften zu einem gebildeten angesehenen Mitglied der Gesellschaft hocharbeitete.
Wo auch immer er sein Buch vorstellte, regte er die Leute an sich mit dem Abolitionismus auseinander zu setzen und versuchte sie von der Abschaffung der Sklaverei zu überzeugen. Was ihn dabei ganz klar von vielen anderen Slave Narratives unterschied, war seine vernunftsorientierte sachliche Argumentation, die auch ganz klar in seinem Buch zum Vorschein kommt. Er arbeitete weniger mit Emotionen und subjektiver Verurteilung der `Schuldigen´, sondern mit der sachlichen Beschreibung von Ereignissen, die uns den Eindruck eines Tatsachenberichts vermitteln. Und genau darauf möchte ich in meiner Hausarbeit detaillierter eingehen. Ich möchte die Frage klären, worin sich Equianos Slave Narrative grundlegend von den anderen unterscheidet und warum sein Werk für die Slave Narratives von so großer Bedeutung ist.
Was unterscheidet Equiano von den anderen Slave Narratives? Teil I Aufklärungscharakter
Im 19. Jahrhundert entstand das Genre des Slave Narratives aus dem Bedürfnis, die Sklavenhaltung als historisches Ereignis schriftlich zu dokumentieren und die
Grausamkeit dessen den Menschen in Form von Augenzeugenberichten näher zu bringen und sie somit vom Abolitionismus zu überzeugen. Viele aus der Ära des Slave Narratives entsprungenen Autoren dienten den Abolitionisten zu Propagandazwecken, wobei es durchaus üblich war, daß weiße Abolitionisten ihre Geschichten aufbereiteten oder sogar aufgrund ihrer sprachlichen und schriftlichen Defizite komplett verfaßten.
Aufgrund dessen wurde die Echtheit und Objektivität dieser Sklavenerzählungen oft von vielen Historikern angezweifelt.
Der Mehrheit der Abolitionisten jedoch waren sehr vorsichtig bei der Auswahl der Veröffentlichungen und bemühten sich Beweise und Belege wie zum Beispiel Tagebücher und Briefe der Weißen für die Sklavenerzählung zu finden. Hätte sich eine der Slave Narratives als unwahr erwiesen, so hätte sich das sehr negativ auf den Fortschritt des Abolitionismus ausgewirkt.
Und so waren sie stetig auf der Hut und bei der Auswahl der Geschichten, die letztendlich in der `Abolitionist Press´ veröffentlicht wurden sehr sorgfältig. Und dennoch lehnten viele Historiker es ab, die Slave Narratives in ihre Studien mit ein zu beziehen, da sie die Meinung vertraten, daß diejenigen Sklaven, die talentiert und gebildet genug waren ihre Erfahrungen zu formulieren und schriftlich fest zu halten, nicht maßgebend für die Masse der ungebildeten Sklaven sein konnten und so ihre Erfahrungen eher als Ausnahmefälle anzusehen waren.
Die meisten Slave Narratives sind in ihrer Art und Weise der Schilderung von einer starken Dramaturgie geprägt, in der das Erfahren der Grausamkeiten des Sklavenalltags subjektiv aus der Sicht der Sklaven erzählt wird. Die Schilderungen sind oft sehr detailliert mit einer vereinfachten und brutalen Wortwahl, die den Leser emotional für sich einnimmt.
Das ist jedoch genau der Punkt, indem sich Equiano deutlich von den meisten Slave Narratives abhebt. Während es in den meisten Slave Narratives um Emotionen, Gedanken und die Anprangerung der Grausamkeiten der Sklavenhalter geht, steht bei Equiano die sachliche Schilderung der Ereignisse und die damit verbundene Aufklärung im Vordergrund.
Arbeit zitieren:
Katrin Shams-Eddien, 2002, Zu: The interesting narrative of Olaudah Equiano or Gustavus Vassa the African, München, GRIN Verlag GmbH
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