Westfälische Wilhelms Universität Münster
Sport um 1900 (07.973.0)
WS 2001/2002
Seminarleiter: M. Krüger, H. Langenfeld
Datum: 15. Mai 2002
Olympische Spiele - Olympische Bewegung um 1900
Gliederung der Hausarbeit
I. Einleitung
II. Die geschichtliche Situation in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts
a) Die politisch-historische Lage
b) Die sportlich-historische Lage
III. Der Geburtsvater der neo-olympischen Spiele - Pierre de Coubertin
a) Pierre de Coubertin - Wer ist das?
b) Seine neo-olympische Idee
IV. Der internationale Kongress zu Paris im Juni 1894
a) Mittel zum Zweck?
b) Wo waren die Deutschen?
V. Ein deutscher Pionier des Sports - Carl August Willibald Gebhardt
a) Carl August Willibald Gebhardt - Wer ist das?
b) Sein Engagement
VI. Die ersten olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen
a) Die Zeit drängte
b) Die Spiele im April 1896
VII. Die olympischen Spiele 1900 in Paris
a) Auch weiterhin Stolpersteine auf Gebhardts Wegen
b) Die olympischen Spiele 1900 im Schatten Weltausstellung
VIII. Die weitere Entwicklung der olympischen Bewegung nach 1900
a) Gebhardt lässt Dampf ab
b) Die III. olympischen Spiele von 1904 in St. Louis (USA)
IX. Literaturverzeichnis
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I. Einleitung
Der Beginn der olympischen Spiele der Neuzeit kann, müsste man ihn genau datieren, im Jahre 1894 festgelegt werden. Auf einem internationalen Kongress in Paris war Baron Pierre de Coubertin federführend bei der Grundsteinlegung des internationalen olympischen Komitees beteiligt. Letzter orientierte sich stark an den griechischen Olympiaden und versuchte so seinen Neo-Olympismus publik zu machen. Der deutsche Carl August Willibald Gebhardt sah in dieser auflebenden olympischen Bewegung eine Art friedensbringende Wirkung, so dass er, als überzeugter Pazifist, mit allen Mitteln versuchte, dieses neue Lebensgefühl auch im Deutschen Kaiserreich zu verbreiten. Ihm stellte sich aber mit der deutschen Turnbewegung ein starker Gegner in den Weg, denn diese verabscheute jegliche Art des Wettkampfs. Doch mit wachsendem Erfolg gelang es Gebhardt das Deutsche Reich mehr und mehr an den olympischen Spielen zu beteiligen und das deutsche Volk für die olympische Bewegung zu begeistern.
II. Die geschichtliche Situation in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts
a) Die politisch-historische Lage
Um sich die Entwicklung der „neuen“ olympischen Bewegung im Deutschen Reich begreiflich zu machen, muss man sich die derzeitige politische Lage vergegenwärtigen. Wilhelm II. herrschte damals über das Deutsche Kaiserreich. Seit dem Sieg im Krieg gegen Frankreich von 1871 galt es als Maxime nationalistische, militärische und konservative Tendenzen zu verstärken. Es war sogar Alltag, dass pazifistische, demokratische oder progressive Ideen nicht nur keinen Anklang in der Bevölkerung fanden, sondern sogar durch polizeiliche Bewachungen und offene Repressionen in der Tat bestraft wurden. Revolutionäre Gedanken, wie sie zum Beispiel die sozialistische Arbeiterbewegung vertrat, wurden verpönt, nicht zuletzt auch weil sie international waren. Ferner galt auch die Schlechterstellung der Frau als kulturgemäß und somit als selbstverständlich.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert spielt in Deutschland selbstverständlich auch das Schlagwort der industriellen Revolution eine große Rolle. Modernisierung, Industriewachstum und Fortschritt - dies sind nur einige Veränderungen in der Welt der Technik, wie z.B. konkret Eisenbahn-Boom, Telegraphie, Dampfschiffbau etc. Aus diesen Phänomenen ergaben sich postwendend soziale Konsequenzen, indem beispielsweise Großstädte entstanden, wobei es zu regelrechten Binnen- und Auswanderungsströmen kam. Ferner fasste ein organisiertes Bildungssystem mehr und mehr Fuß, nicht zuletzt als ein Teil
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einer ansteigenden, mehr und mehr perfektionierten Bürokratie. Doch es gab nicht nur positive Resultate, sondern auch Schattenseiten der schönen Welt. Einen Höhepunkt dieser Schattenseiten zentriert sich in der Weltwirtschaftskrise von 1873-1894. Denn die Bevölkerungsteile, die keinen Fortschritt machten endeten in einer Art Orientierungslosigkeit und sahen sich einer sozialen Entwurzelung gegenüber. Ferner herrschten in der Stadt und auf dem Land menschenunwürdige Lebensweisen. Dieser Kulturpessimismus führte schließlich zu zahlreichen Protestbewegungen, in denen sich Sozialreformer auf Darwin beriefen und eine regelrechte Furcht vor einer Degeneration der gesamten Nation propagierten. Für Abhilfe aus dieser Situation sollten neben hygienischen Mitteln auch Sport, Spiel und Körperertüchtigung sorgen.
b) Die sportlich-historische Lage
Nicht zuletzt aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs in den 1890ern und den forschen, dynamischen Parolen des recht jungen Kaisers Wilhelm II. wurden Sport und Spiel Ende des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck eines neuen Lebensgefühls. Während der Kaiser mit dem Yachtsegeln einen Trend für die oberen Schichten setzte, konzentrierte man sich in den gutbürgerlichen Kreisen auf die leichte Athletik, Tennis, das Fußballspiel oder auch den Wintersport. Aber auch die kleinbürgerlichen Schichten profitierten von der aufkommenden Bewegungskultur und etablierten sich in der Deutschen Turnerschaft, welche um 1900 mit etwa 600.000 Mitgliedern die weltgrößte Organisation für Leibesübungen war. Dahingegen verbreitete sich auch der englische Sport, unter Kritik insbesondere der deutschen Turner, unaufhaltsam auf dem europäischen Kontinent. Die Vorstellungen der deutschen Turner waren inkongruent mit denen des englischen Sports, welcher den Sport als „bloßes Herrenvergnügen, Massenspektakel und ungesundes Rekordstreben“ (aus Vortrag: Naul, Willibald Gebhardt, Carl Diem und die Anfänge des olympischen Sports in Deutschland, Vortrag vom 16.5.2000) sah. Sie hielten an den sittlichen und moralischen Werten des Turnens fest.
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Arbeit zitieren:
Tobias Dörfler, 2002, Olympische Spiele - Olympische Bewegung um 1900, München, GRIN Verlag GmbH
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