Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Der Klassenbegriff bei Karl Marx. 2
2.1. „Klasse“ im allgemeinen Sprachgebrauch und bei Marx. 2
2.2. Klasse an sich, Klasse für sich und Klassenbewusstsein. 3
3. Die kapitalistische Klassengesellschaft. 4
3.1. Produktionsverhältnisse und Produktivkräfte. 5
3.2. Die revolutionäre Rolle der Bourgeoisie. 5
3.3. Die Waffen, die der Bourgeoisie den Tod bringen. 6
3.4. Die Hegemonie der Bourgeoisie. 7
4. Klassenkampf und Revolution. 8
4.1. Entfremdung, Verelendung und Ausbeutung. 8
4.2. Über das Klassenbewusstsein zum Klassenkampf. 9
4.3. Das Ende des Klassenkampfes. 10
5. Die Kritik am marxschen Gesellschaftsmodell. 11
5.1. Die Aktualität des marxschen Denkens. 13
6. Fazit. 14
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Noch vor wenigen Jahren polarisierte „Marx“: Für die einen war „Marxist“ ein Schimpfwort, andere trugen diese Titulierung wie eine Auszeichnung 1 ; für diese stellte er einen „[...] Mythos [...] (dar), geschaffen, um einen neuen Gott ins verwaiste Heiligtum zu setzen“ 2 , für jene war er „[...] der größte Denker des [...] Industriezeitalters“ 3 . In letzter Zeit ist es um Marx allerdings eher ruhig geworden: „Wer spricht am Ende des Jahrtausends noch von Marx?“ 4 Seit dem Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus‘“ wurde Marx von vielen Menschen, salopp gesagt, ins Museum der Geschichte gestellt. 5 Doch bei näherem Hinsehen lohnt es sich, auch und gerade heute, da er vom hohen Sockel, auf den er von zahlreichen Dogmatikern gewuchtet wurde, heruntergestiegen ist, sich mit seiner Gesellschaftstheorie zu beschäftigen. 6
1 Vgl. Dahrendorf, Ralf: Karl Marx (1818-1883). In: Kaesler, Dirk (Hrsg.): Klassiker der Soziologie. Band 1: Von Auguste Comte bis Norbert Elias. München 1999. S. 58.
2 Löw, Konrad: Der Mythos Marx und seine Macher. München 1996. S. 21.
3 Da Costa, Uriel / Ziegler, Jean: Marx, wir brauchen Dich. München 1992. S. 20.
4 Dahrendorf, Ralf: Karl Marx (1818-1883). In: Kaesler, Dirk (Hrsg.): Klassiker der Soziologie. Band 1: Von Auguste Comte bis Norbert Elias. München 1999. S. 59.
5 Streng genommen hatten die bürokratisch-zentralistischen Systeme des Ostblocks mit „Marx“ zwar nicht viel zu tun. Der Propaganda dieser Staaten ist es zu „verdanken“, dass dieser „Sozialismus“ gemeinhin mit Marx, der den Missbrauch seiner Theorien nicht zu verantworten hat, in Verbindung gebracht wird. Vgl. Fetscher, Iring (Hrsg.): Karl Marx. Friedrich Engels. Studienausgabe. Band I - Philosophie. Frankfurt am Main 1990. S. 9 und S. 11 ff .
6 Vgl. Dahrendorf, Ralf: Karl Marx (1818-1883). In: Kaesler, Dirk (Hrsg.): Klassiker der Soziologie. Band 1: Von Auguste Comte bis Norbert Elias. München 1999. S. 59.
1
Diese Beschäftigung soll hier erfolgen. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, beschränkt sie sich auf zentrale Begriffe der marxschen Theorie: den der Klassen, den der kapitalistischen Klassengesellschaft und den des Klassenkampfes. 7 Am Ende sollen auch die Kritik am Gesellschaftsmodell Marx‘ und die Frage nach der Aktualität des marxschen Denkens ihren Raum finden.
2. Der Klassenbegriff bei Karl Marx
Einen zentralen Punkt der marxschen Gesellschaftstheorie stellt der Ausdruck „Klasse“ dar. Marx selbst hat in seinem gesamten Werk diesen Begriff nicht formal definiert und ihn überdies auf mehrere Zustände angewandt. Zudem verwendet Marx den Klassenbegriff sowohl im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauch als auch in speziellem Sinne, was den Umgang mit dieser Vokabel nicht gerade erleichtert.
2.1. „Klasse“ im allgemeinen Sprachgebrauch und bei Marx
Im allgemeinen Sprachgebrauch kann „Klasse“ „[...] generell jede wesentliche soziale Gruppierung [...] bedeuten, und in diesem Sinne ist das Wort in der berühmten Eingangsformel des Kommunistischen Manifestes gebraucht“ 8 : „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. [...] Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander [...]“ 9 .
In speziellem Sinne jedoch versteht Marx unter Klasse eine Gesellschaftsgruppe, deren Individuen durch ihre „[...] Stellung in der Eigentumsordnung [...]“ 10 - in der kapitalistischen
7 Hierbei ist eine Reduktion auf ein abstraktes Modell nötig, um dessen Elemente klar zu verdeutlichen.
8 Fetscher, Iring: Der Marxismus. Seine Geschichte in Dokumenten. München 1967. S. 480. (Hervorhebungen im Original)
9 Engels, Friedrich / Marx, Karl: Manifest der Kommunistischen Partei. Stuttgart 1989. S. 19.
10 Fetscher, Iring: Der Marxismus. Seine Geschichte in Dokumenten. München 1967. S. 481.
2
Klassengesellschaft am stärksten determiniert durch Besitz oder Nichtbesitz von Produktionsmitteln - der jeweiligen Gruppe zugeordnet werden.
2.2. Klasse an sich, Klasse für sich und Klassenbewusstsein
Jede gesellschaftliche Großgruppierung, deren Mitglieder unter vergleichbaren sozioökonomischen Bedingungen leben, ist „an sich“ eine Klasse. Allerdings sind die Individuen dieser Menge untereinander unverbunden und sich ihrer Gemeinsamkeit nicht bewusst. Daher erdulden sie ihr Schicksal, beklagen es vielleicht, sehen sich selbst aber nicht in der Lage, es aktiv und nachhaltig zu beeinflussen. 11 Dabei gibt es Klassen, deren Mitgliedern es besonders schwer fällt, sich ihrer Gemeinsamkeit klar zu werden. Erschwernisse können beispielsweise durch eine starke räumliche oder kommunikative Trennung der Individuen untereinander verursacht werden. Marx führt hierfür exemplarisch die französischen Parzellenbauern an: Sie „[...] bilden eine ungeheure Masse, deren Glieder in gleicher Situation leben, aber ohne in [...] Beziehung zueinander zu treten. Ihre Produktionsweise isoliert sie voneinander [...]. Die Isolierung wird gefördert durch die schlechten [...] Kommunikationsmittel [...]. (Die Bauern) [...] sind daher unfähig, ihr Klasseninteresse [...] geltend zu machen. Sie können sich nicht vertreten [...].“ 12
Anderen Klassen hingegen - im Kapitalismus die Klasse der Arbeiter, also das Proletariatwird in ihren konkreten Situationen 13 „[...] gleichsam die Anweisung zum Bewußtwerden vorgegeben [...]“ 14 . Dieses kollektive Bewußtsein über die eigene Lage ist das Klassenbewußtsein. Und genau dieses Bewußt-Sein macht aus einer Masse - einer Klasse an sich - „[...] eine selbstbewußte und handlungsfähige Einheit.“ 15 Durch Organisation und Solidarität, durch das
11 Vgl. Fetscher, Iring: Der Marxismus. Seine Geschichte in Dokumenten. München 1967. S. 478.
12 Hehner, Gerd / Lieber, Hans-Joachim: Marx-Lexikon. Zentrale Begriffe der politischen Philosophie von Karl Marx. Darmstadt 1988. S. 386.
13 Wichtig hierfür ist bei Marx die Fabrik als Ort der kollektiven Bewusstwerdung.
14 Fetscher, Iring: Der Marxismus. Seine Geschichte in Dokumenten. München 1967. S. 478.
15 Ebd. S. 478.
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Arbeit zitieren:
Patrick G. Stößer, 1999, Karl Marx - der größte Denker des Industriezeitalters?, München, GRIN Verlag GmbH
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