Technische Universität Dresden Fakultät Kunstgeschichte
Seminar: Bild und Raum im 19./20. Jahrhundert WS 2002/2003 vorgelegt am: 11. 02. 2003
Mandy Langer HF: Erziehungswissenschaften
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der Futurismus 2
3. Die Biographie von Umberto Boccioni 4
4. Die Stilelemente in futuristischen Werken 7
5. Die Werke Boccionis 11
5.1. Die präfuturistische Phase 11
5.2. Die futuristische Eingangsphase 1910/1911 12
5.3. Die Hauptwerke 14
5.4. Die letzten beiden Jahre seiner Schaffensperiode 16
6. Resümee 18
Abbildungsverzeichnis 19
Literaturverzeichnis 23
1. Einleitung
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die fortschreitende Industrialisierung Umwelt und Gesellschaft stark veränderte, nahm sich eine Gruppe von Künstlern des neuen Verhältnisses zwischen dem Menschen und der neuen technisierten Umgebung an. Mit der Bezeichnung Futurismus drückten sie ihre Absicht aus, die Zukunft, symbolisiert in der Maschine, in ihre Kunst aufzunehmen. Zum Mitglied dieser Futuristengruppe zählte neben Giacomo Balla, Carlo Carrà, Gino Severini und Luigi Russolo, auch Umberto Boccioni, ein italienischer Maler, Bildhauer und Schriftsteller, der zu den führenden Theoretikern des Futurismus gehörte.
Umberto Boccioni hat ein nicht sehr umfangreiches, aber reiches Werk hinterlassen, dessen entscheidende Phase vehementer Entwicklung von Bild, Skulptur und Theorie sich auf gerade fünf Jahre erstreckte. Die Malerei des Futurismus verdankt ihm nicht nur ihre Hauptwerke, sondern auch ihre künstlerische Theorie, in der die Widersprüche zur Einheit finden: ”die lastende Tradition forsch abzulehnen und doch beständig Lehren aus dieser Tradition zu ziehen, um einer im Zeitgenössischen verankerten, in die Zukunft gerichteten Kunst willen”. 1
In meiner Arbeit werde ich die gattungsübergreifende Charakteristik und die Inhalte des Futurismus kurz beleuchten. Anschließend gehe ich auf die Biographie Boccionis ein, um einen Überblick über ihn und sein Leben zu verschaffen. Mit der Beschreibung der stilistischen Mittel der Futuristen stelle ich deren Ausdrucksformen in der Malerei vor, welche an den Werken Boccionis noch verdeutlichen werden sollen.
1 Schneede 1994, S. 10
1
2. Der Futurismus
Der Futurismus (von lat. futurum ”Zukunft”) ist eine im wesentlichen auf Italien beschränkte, literarische, künstlerische und politische Bewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts, welcher fünf Maler angehörten: Boccioni, Carrà, Russolo, Balla und Severini. Ziel der Futuristen war es, die Tradition zu bekämpfen und dem technischen Zeitalter gerecht zu werden, indem sie das Dynamische der Zeit in der Kunst wiederzugeben versuchten, so dass die Erscheinung der Massengesellschaft, die Großstadt und das Tempo des Verkehrs zentrale Themen waren. Die Kunst des Futurismus machte vor den sozialen Institutionen außerhalb der Kunst nicht Halt, sondern begriff sich als totalisierende Durchstilisierung aller Lebensbereiche - und dies mit ”aktionistischen, aggressiven und destruierenden Selbstinszenierungen” 2 , die vor allem an zwei immer wiederkehrende Paradigmen gebunden waren, an den abstrakten Modus der Schnelligkeit und an alles, was im engeren oder weiteren Sinne eine Maschine darstellte, das Auto, das Elektrizitätswerk, vor allem aber das Flugzeug und besonders das Kampfflugzeug. Der Gründer und Promotor des italienischen Futurismus, Filippo Tommaso Marinetti, veröffentlichte am 20. Februar 1909 auf der ersten Seite des Pariser ”Figaro” den Text mit dem Titel ”Gründung und Manifest des Futurismus”, in welchem er die Existenz einer neuen, einer italienischen Bewegung, die er Futurismus nannte, proklamierte. Tatsächlich war das Manifest zunächst eine bloße Behauptung. Es gab zu diesem Zeitpunkt weder eine Futuristengruppe noch ein einziges futuristisches Werk, sei es in der Literatur, sei es in der bildenden Kunst. Marinetti stellte Forderungen, ohne das Realisationen in Sicht waren. Das Manifest enthält außer einer epischen Einleitung nur 11 Punkte; in diesen werden Großstadt, Industrie und Geschwindigkeit, Gewalt und Krieg, Anarchie und Nationalismus gefeiert. Neben banalen Provokationen, wie der Behauptung, ein Rennauto sei schöner als die Nike von Samothrake - denn besonderes Interesse galt der Geschwindigkeit und der Schönheit der Geschwindigkeit - waren Forderungen wie:
”Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören... Wir wollen die Liebe zur Gefahr besingen... Schönheit gibt es nur noch im Kampf... Wir wollen den Krieg verherrlichen - diese einzige Hygiene der Welt -, den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes.”
enthalten. Marinetti wollte mit der Vergangenheit, mit der Tradition brechen, um einen Neuanfang möglich zu machen, ausgedrückt im Namen des Futurismus. Diese neue
2 Schneede 1994, S. 9
2
künstlerische Bewegung sollte weder bisherige Errungenschaften oder Traditionen einbinden noch weiterentwickeln, sondern sie sollte eine Rebellion, eine Revolte gegen alles Bestehende sein. 3
Der Anschluss der Maler an die von Marinetti initiierte, bisher vorwiegend literarische Bewegung gab den Anstoß für eine gattungsübergreifende Künstlergruppe. Mit dem für die Entwicklung der bildenden Kunst grundlegenden ”Technische[n] Manifest der futuristischen Malerei”, am 11. April 1910 veröffentlicht und unterschrieben von Umberto Boccioni, Luigi Russolo, Carlo Carrà, Giacomo Balla und Gino Severini, ist der eigentliche Beginn der futuristischen Kunst gesetzt. Hier setzte man sich erstmals mit einer Umsetzung (praktischer Art) des futuristischen Kunstbegriffs auseinander und postulierte, was auch in Zukunft den Mittelpunkt der Forderungen bilden sollte: ”Nur die Kunst ist lebensfähig, die ihre Elemente in der sie umgebenden Umwelt findet.” 4 Die umgebende Umwelt, das war für die Futuristen die neue Technik, der industrielle Fortschritt, Praxis, Arbeit und Alltagsleben. Die Trennung zwischen Kunst und Technik sollte abgebaut werden. Nicht imaginäre künstlerische Welten, wie sie die Kunst nach Meinung der Futuristen bisher schuf, sollten entstehen, sondern eine von allen traditionellen Fesseln befreite Kunst. Die konkrete Spiegelung der Moderne, keine künstlerische Verfremdung, wurde zum ästhetischen Gegenstand selbst erklärt. Technik und Maschinen sollten nicht nur in ihrem äußeren Erscheinungsbild in die Kunst eingebunden werden, sondern die Kunst sollte sich an die Logik der Maschinen, an deren Gesetze und Wirkungen auf Befinden und Psyche des modernen Menschen anpassen. Gemeinsamer Nenner aller Künste war die technische Revolution und die daraus resultierenden veränderten Wahrnehmungen. Aus der Forderung nach der Aufhebung der Grenze zwischen Technik und Kunst und nach einer Kunst, die dem Leben entspricht, folgte das Ziel einer umfassenden futuristischen Umgestaltung der technischen Lebenswelt durch die Künste, die ihre eigentliche Charakteristik als künstlich im Gegensatz zum realen Leben aufgeben sollte. Ein umfassender futuristischer Lebensentwurf, das bedeutete auch, dass sich die Künste von ihrer Eigenart lösen und miteinander verschmelzen sollten. Es ging dem Futurismus nicht, wie Strömungen vor und während seiner Zeit, um formale Probleme oder eine neue Ästhetik, sondern um die Erneuerung des Lebens im Gesamten. 5 Denkt man diese Forderung weiter, hätte sie eigentlich zur Auflösung der Kunst in ihrem damaligen Sinne führen müssen.
3 vgl. Schmidt-Bergmann1993, S.57
4 zit. nach: Schmidt-Bergmann 1993, S. 69
5 vgl. Schmidt-Bergmann 1993, S. 196
3
Arbeit zitieren:
Mandy Langer, 2003, Umberto Boccioni, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Liebe wird zum Geschäft. Die Frauengestalten in Horváths Volksstücken
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 37 Seiten
Entstehungsgeschichte und Analyse von Aschenputtel von den Brüdern Gri...
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Textanalyse eines Märchens Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Auguste Rodin - Die Bürger von Calais
Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik
Referat / Aufsatz (Schule), 5 Seiten
Glasmalerei - Stilentwicklung und Bildprogramme von den Anfängen bis z...
Seminararbeit, 20 Seiten
Pablo Picassos "Les Demoiselles d`Avignon": Der Auftakt der ...
Hausarbeit, 17 Seiten
Intermedialität: Der Simultaneitätsbegriff und die Verschränkung von L...
"Wortbilder" und Mal...
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Magisterarbeit, 126 Seiten
Das expressionistische Großstadtbild - Ernst Ludwig Kirchners Berliner...
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Naturpantheismus - Liebe und Natur des jungen Goethe im Konflikt. Eine...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 26 Seiten
Mandy Langer hat den Text Umberto Boccioni veröffentlicht
Mandy Langer hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare