erläutert warum das Problem überhaupt ein Problem ist bzw. welche Faktoren es überhaupt erst zum Problem machen. Des weiteren wird das Wort Gang benutzt, ohne zu erklären, was überhaupt eine Gang ist. Auch stellt der Moderator die These auf, dass dieses noch nicht einmal definierte „Gangproblem“ immer stärker und schlimmer wird. Diese These wird jedoch nicht im geringsten belegt, indem zum Beispiel Statistiken zitiert werden. Der Rezipient muss also einfach einmal glauben, was der Moderator ihm sagt. Nachdem der Moderator nun kurz das Thema „Gangproblem“ eingeleitet hat, benutzt er die kausale Konjunktion denn. Spätestens hier rechnet jeder mit einer Begründung für das Gangproblem, aber der Moderator nutzt dieses denn, um sein Thema konkret beim Namen zu nennen. An dieser Stelle wird die Konjunktion völlig falsch benutzt. Denn drückt eine Ursache aus, was der Moderator jedoch will, ist eine Folgerung auszudrücken. Hier müsste also anstelle des denn zum Beispiel ein deshalb stehen. Der Gast Sandra wird nicht näher vorgestellt. Der Moderator sagt nur, dass sie da ist und heißt sie willkommen.
Ablauf der Sendung:
Die Sendung mit dem Thema „Hilf mir Andreas! Mein Freund ist in einer Gang!“ wurde am 2. März 2000 ausgestrahlt und hatte eine Gesamtlänge von ca. 52:00 Minuten.
Unterteilen kann man die Sendung in vier Themenkomplexe mit insgesamt acht Talkgästen. Interessant ist, dass immer einem etwas längerem Komplex ein wesentlich kürzerer folgt und umgekehrt (siehe obige Tabelle). Der erste Themenkomplex (ca. 12:00 Minuten) handelt von Sandra, die ihren Freund Tony in der Sendung vor die Wahl stellt „Ich oder die Gang!“ Als Tony sich dann für die Gang entscheidet, beendet Sandra in der Sendung die Beziehung zu ihrem Freund. Auffallend im ersten Block ist, dass nach ca. 17:00 Minuten ein kurzer Filmbeitrag eingeblendet wird, der Tony und seine Gangmitglieder bei Straßenkrawallen zeigt.
Im zweiten Themenkomplex, der mit ca. 3:00 Minuten wesentlich kürzer ist als der erste berichtet der Homosexuelle Sascha über seine negativen Erfahrung mit
Gangs. Sein Lebenspartner wurde wegen seiner sexuellen Gesinnung von einer Gang verprügelt.
Der dritte Themenkomplex ist mit 16:00 Minuten der umfangreichste. Aus diesem Komplex stammt auch das Transkript, das im folgenden Kapitel untersucht wird. Massimo, ehemaliges Gangmitglied redet seinem Freund Domenic, der noch immer einer Gang angehört, ins Gewissen. Er bittet ihn, auszusteigen. Im dritten Block tritt noch ein weiterer Gast auf: Christian, ein Opfer von Domenic. Zum Abschluß kommt dann ein mit ca. 7:00 Minuten Länge wieder kürzerer Komplex. Ein besorgter Vater tritt mit seinem Sohn auf.
Teaser
Die Teaser, die vor jedem Werbeblock eingeblendet werden, bieten einen Vorausblick auf den weiteren Verlauf der Sendung. Diese Teaser sind so geschnitten, dass sie die noch folgenden Szenen, der Sendung zeigen, die die größte „Action“ enthalten. Mit Hilfe dieser Teaser soll den Fernsehzuschauer trotz
Verhalten des Moderators:
Untersucht man einmal die Art und Weise, wie der Moderator fragt, so stellt man fest, dass zum absolut überwiegenden Teil sogenannte Ergänzungsfragen gestellt werden. Ergänzungsfragesätze sind durch folgende Merkmale bestimmt:
Mit Hilfe dieser Fragen gelingt es dem Moderator, die Gäste zum Erzählen zu bringen. Mit einfachen Entscheidungsfragen, die man bloß mit ja oder nein oder mit einer kurzen Aussage beantworten könnte, würde wohl kaum eine Diskussion entstehen können. Somit ist es also eine absolute Notwendigkeit, dass der Moderator so fragt wie er es tut. Entscheidungsfragen stellt der Moderator höchstens dann, wenn er eine Nachfrage hat, weil er zum Beispiel etwas nicht richtig verstanden hat oder, wenn er einen Sachverhalt für das Pub likum verdeutlichen möchte.
Auffallend ist, dass sich der Moderator in brisanten Situation, das heißt also hitzige Phase der Diskussion, völlig aus dem Geschehen zurückzieht, selbst wenn die Diskussion an Sachlichkeit verliert. Der Verdacht liegt somit nahe, dass an solchen und ähnlichen Stellen absichtlich nicht eingegriffen wird, um zu
provozieren, dass die Diskussion emotionaler und somit für den Rezipienten interessanter wird
Im Allgemeinen muß jedoch gesagt werden, dass der Moderator sehr bemüht ist, den Ursachen des sogenannten Gangproblems auf den Grund zu gehen. Es ist ihm aber ebenso ein Anliegen durch gezieltes Fragen herauszufinden, wie überhaupt der Alltag in einer Gang aussieht. Auch sucht der Moderator nach Lösungen, wie den Betroffenen geholfen werden kann. Dies wird auch am Ende der Sendung deutlich, als Andreas Domenic verspricht, ihm einen geeignete Lehrstelle als Maler und Lackierer zu organisieren. Im Gegenzug muss Domenic versprechen, keine illegale Geschäfte mehr zu machen. Außerdem verspricht der Moderator den weiteren Werdegang Domenics mit der Kamera zu verfolgen. Als Zuschauer hat man hier den Eindruck, dass dem Moderator tatsächlich etwas daran liegt, was aus seinem Gast wird, und dass er den Absprung aus dem kriminellen Milieu schafft. Der Eindruck der wirklichen Anteilnahme und echten Interesses wird noch durch die Anwesenheit eines Psychologen im Publikum verstärkt, der immer wieder gute Ratschläge gibt, aber auch versucht darzulegen, warum Jugendliche überhaupt in solche Probleme hineingeraten. Es muss also festgestellt, werden. Dass in dieser Sendung wirklich Problemlösungen gesucht und Hilfestellungen gegeben werden, sofern dies möglich ist.
Die in diesem Kapitel gemachten Thesen, werden in Kapitel 4 mit Beispielen erläutert und belegt.
Abmoderation:
„Ich hoffe Ihr habt einiges mitbekommen vielleicht sind einige ja auch in dieser Situation und es gibt viele, viele andere Wege, die nichts mit Kriminalität zu tun haben Dankeschön fürs Zuhören viel Spaß noch mit Nicole ich freu mich auf die nächste Sendung Dankeschön.“
Auch, wenn die Abmoderation inhaltlich nicht sehr viel Gehalt hat, so wird hier doch ein Kernpunkt der Diskussion noch einmal aufgegriffen: Die Kriminalität. In einem Appell richtet sich der Moderator an die Zuschauer, um noch einmal zu verdeutlichen: Gewalt und Kriminalität sind keine Möglichkeiten zur Lösung von Problemen. Ob er damit wirklich zu Nachdenken anregt, sei dahingestellt. Der Versuch ist aber auf jeden Fall gegeben.
4. Analyse des Transkripts
Anhand des folgenden Transkripts soll untersucht werden, wie überhaupt diskutiert wird und wie der Moderator die Diskussion führt. Da dies keine linguistische Arbeit sein soll, wird nicht genauer auf die Syntax bzw. Grammatik überhaupt eingegangen, wobei dies jedoch sicherlich auch ein sehr interessanter
Arbeit zitieren:
Nina Heck, 2001, Andreas Türck - die Talkshow, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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