Einf ührung in die Literaturwissenschaft Julia Kurz Seite 2
Inhaltsverzeichnis
Seite
3
Georg Trakl: Verfall
Dichter und Daten 4
Die Jahrhundertwende -
Eine Zeit des Umbruchs 5
Die Metrik des Gedichtes: Verfall 7
Interpretation 8
Vergleiche und Metaphern
13
Weitere stilistische Mittel
14
Schlu ßwort
15
Literaturverzeichnis
16
Einführung in die Literaturwissenschaft Julia Kurz Seite 3
Georg Trakl: Verfall
Verfall
Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten, Folg ich der Vögel wundervollen Flügen, Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen, 5 Entschwinden in die herbstlich klaren Weiten.
Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten Träum ich nach ihren helleren Geschicken Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken. So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
10 Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern. Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen. Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern, 15 Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen. 1
1 „Georg Trakl - Das dichterische Werk“; DtV 1972; 16. Auflage 2001; S.35
Einführung in die Literaturwissenschaft Julia Kurz Seite 4
Dichter und Daten
Am 3. Februar 1887 wurde Georg Trakl in Salzburg als viertes von sechs Kindern geboren. Sein Vater, Tobias Trakl, war Eisenhändler und mit seiner bereits zweiten Frau Maria Catharina Trakl, geborene Halik verheiratet. Seine Jugend verbrachte Georg Trakl mit seiner Familie in Salzburg. Dort besuchte er mit fünf Jahren zunächst die der katholischen Lehrerbildungsanstalt angeschlossene Übungsschule und weitere fünf Jahre später, im Herbst 1897 kam Trakl auf das Staatsgymnasium. Dort mußte er die vierte Klasse wiederholen, aber schon zu dieser Zeit schieb der junge Georg Trakl Gedichte und war Mitglied des Dichter-Zirkels „Apollo“. Am Ende der siebten Klasse wurde Trakl wieder nicht versetzt und verließ das Gymnasium, woraufhin ihn sein Vater für die Apothekerlaufbahn bestimmte. Nach der Absolvierung eines dreijährigen Praktikums in der Apotheke „Zum weißen Engel“ in Salzburg studierte er Pharmazie an der Universität in Wien. Im Herbst 1910 schloß er sein Studium mit dem Gesamtprädikat „genügend“ als Magister der Pharmazie ab. Schließlich ließ er sich als Militärmedikamentenbeamter aktivieren, arbeitete jedoch nur ein halbes Jahr in der Apotheke des Garnisionsspitals in Innsbruck, dann hielt er d ie Anstrengungen dieses Dienstes nicht mehr aus und ließ sich in die Reserve versetzen. Daraufhin nahm ihn sein Freund Ludwig von Ficker, der Herausgeber des „Brenner“ - einer Halbmonatszeitschrift in der einige von Trakls Gedichten veröffentlicht wurden - bei sich auf. Nach einem dramatischen Erlebnis nach der Schlacht bei Grodek im August 1914, wo er in seiner Verzweiflung versuchte sich selbst umzubringen wurde er im September in das Garnisonsspital in Krakau zur Beobachtung des Geisteszustandes eingewiesen. Am Abend des 3. Novembers 1914 starb Georg Trakl infolge einer Kokainvergiftung im Alter von 27 Jahren. 2
2 Vgl. „Georg Trakl - Die Dichtungen“, 11. Auflage; Otto Müller Verlag Salzburg 1938 S. 5-7; und „Georg
Trakl - Das dichterische Werk“; DtV 1972; 16. Auflage 2001, S. 317-323.
Einführung in die Literaturwissenschaft Julia Kurz Seite 5
Die Jahrhundertwende - eine Zeit des Umbruchs
„Die Lyrik Georg Trakls nimmt innerhalb der österreichischen Literatur eine besondere Stellung ein. In ihr sind alle künstlerischen Tendenzen vereinigt, die am Beginn des letzten Jahrhunderts zur Ausbildung einer österreichischen Moderne beigetragen haben.“ 3 Seine Gedichte spiegeln die Stimmung unter den Menschen zur Zeit der Jahrhundertwende wider. Trakls frühe Werke weisen „eher zurück auf Trakls Herkommen vom Jugendstil. Für Jugendstil in der bildenden Kunst wie in der Dichtung ist charakteristisch die Darstellung der Natur fern von allen (hässlichen) Merkmalen der Gegenwart, d.h. in einem willkürlichen Ausschnitt als Park oder Garten [...].“ 4
„Wie eng verflochten Trakl mit der Kunst der Jahrhundertwende war, wird deutlich im Motiv des Gartens, einem Motiv, [...] das für einen Schlüssel zum Verständnis der historischen Entwicklung“ 5 gehalten wird. In Gedichten und lyrischen Dramen des Jugendstils, zum Beispiel auch von Hofmansthal, soll das empfindsame Ich „durch Mauern und festverriegelte Tore vor der Häßlichkeit und Gemeinheit der Außenwelt bewahrt werden. [...] Auch in Trakls früheren Gedichten bis 1908 ist der Garten [...] der Schauplatz für ein Leben, das sich in den schönen Schein rettet; es sind ‚seltsam belebte, schimmernde Gärten‘, die zum Verweilen einladen. Doch bald verändert sich
[...] der ‚abendblaue‘, ‚dämmervolle‘ Garten in einen, in dem ‚Schuldige wandeln‘“ 6 und der den genannten Verfall genauso enthält und ausstrahlt wie die Außenwelt.
Das 19.Jahrhundert ist erschöpft und mit ihm stirbt eine Kultur - „lebensunfähig, krank aus Überfeinerung. Endzeitliche Stimmung, Weltschmerz und innere Zerrissenheit erfüllen viele, vor allem junge Künstler des ausgehenden“ 7 Jahrhunderts. Man fragt sich was noch sicher ist. Ist der schöne Garten wirklich so vollkommen und unzerstörbar? „Dunkle Ahnungen, düstere Prognosen gehen der schrecklichen Gewißheit voran, die bald die grausame Katastrophe des
3 Alfred Doppler; „Die Lyrik Georg Trakls“; Böhlau Verlag 1985
4 Franz Karl von Stockert; Lyrik des Expressionismus“; Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1999
5 Alfred Doppler; „Die Lyrik Georg Trakls“; Böhlau Verlag 1985
6 Alfred Doppler; „Die Lyrik Georg Trakls“; Böhlau Verlag 1985
7 Unsere Welt, gestern, heute, morgen 1800-2000; Bertelsmann Lexikon-Verlag Reinhard Mohn, Gütersloh 1968
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Julia Kurz, 2001, Analyse und Interpretation des Gedichtes -Verfall- von Georg Trakl, München, GRIN Verlag GmbH
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