Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gegenstand und allgemeine Orientierung der Theorie
3. Funktion von Attributionen
4. Theoretische Ansätze
4.1. Fritz Heider
4.2. Jones Davis
4.3. George Kelley
5. Fehler und Verzerrungen im Attributionsprozess
5.1. Der fundamentale Attributionsfehler
5.2. Actor-Observer-Differences
5.3. self-serving-bias
6. Attributionen und Motivation
7. Attributionen und Zufriedenheit in Beziehungen
Literaturverzeichnis
Fachhochschule Nordostniedersachsen
Fachbereich Wirtschaftspsychologie
Attributionstheorien und Attributionsforschung
Kein anderer theoretischer Ansatz hat in der Sozialpsychologie soviel Aufmerksamkeit gefunden, wie die Attributionstheorie. Im Zentrum der attributionstheoretischen Überlegungen steht die zentrale Frage, wie die Prozesse beschaffen sind, aufgrund derer uns die alltägliche Umgebung verstehbar, kontrollierbar und vorhersagbar erscheint. Attribution ist mit dem Begriff der Ursachenzuschreibung gleichzusetzen. Die Verwendung attributionspsychologischer Konzepte findet in beinahe sämtlichen Problembereichen der Psychologie Platz.
Hier sollen nur einige Beispiele aufgezählt werden: Leistungsmotivation, Sport, Werbung, Arbeitslosigkeit, Partnerschaftskonflikte, Wahlverhalten, Entscheidungsverhalten, Depressionen, Drogenmißbrauch, Attraktivität, u.a.
Die Anwendung der Attributionsforschung erfolgt jedoch in diesen Bereichen und Problemstellungen nur auf jene Teilbereiche dieser Einzelthematiken, wenn die Erklärung von Handlungen oder Ereignissen aus der Perspektive der an diesen Prozessen Beteiligten untersucht werden.
Sie beschäftigt sich also nicht mit der Erklärung von Ereignissen jeder Art, sondern mit Prozessen der Ursachenzuschreibung zum eigenen Verhalten und dem Verhalten anderer Personen sowie den Ergebnissen von Verhalten. Zum Beispiel ist jeder von uns als „naiver Psychologe“ anzusehen, der die Ursachenzuschreibungen im täglichen Leben vornimmt.
Satz1: Aufgrund welcher Informationen und Prozesse kommen wir zum Schluß, daß eine an uns gegangene Einladung auf Sympathie des Gastgebers und nicht nur auf bloßer Höflichkeit beruht?
Satz 2: Wie kommen wir zu dem Schluß, daß das Nicht - Verstehen eines Textes an uns und nicht am Autor liegt?
Constanze Kleinert & Katharina Niehoff 1
Fachhochschule Nordostniedersachsen
Fachbereich Wirtschaftspsychologie
Auf derartige Fragen gibt es jedoch je nach Attributionsforscher unterschiedliche Antworten. Es handelt sich hier also um eine Vereinfachung, wenn wir von der Attributionstheorie sprechen.
Diese Vereinfachung ist aus zwei Gründen zulässig:
Die meisten einschlägigen Autoren knüpfen an den Überlegungen Fritz Heiders (1930) an und viele Autoren teilen meist gemeinsame Annahmen. Somit vereinen sich verschiedene Ansatzvarianten zu einer recht homogenen Attributionstheorie.
Der Gegenstand der Theorie beinhaltet die Bedingungen und Prozesse, aufgrund derer wir als „naive Psychologen“ Ursachenzuschreibungen (Attributionen) vornehmen. Der Betrachtungsschwerpunkt liegt darin, daß Attributionen Prozesse der Informationsaufnahme und der Informationsverarbeitung sind, die von bestimmten Variablen abhängen. Somit können Attributionen Einfluß auf Erleben und Verhalten haben.
Warum fragen und suchen Individuen unter bestimmten Bedingungen nach den Ursachen von Ereignissen und geben sich nicht damit zufrieden Beobachtetes einfach zu registrieren? Würden wir bloß registrieren ohne zu attribuieren, so würden wir nur an einem Strom von Begebenheiten vorbeiziehen, den wir nicht verstehen, vorhersagen und somit auch nicht kontrollieren könnten.
Attributionen schaffen Ordnung in unserer Informationswelt und ermöglichen somit Vorhersagen und Kontrolle. Kann ein Verhalten auf bestimmte Ursachen zurückgeführt werden, so erhält es eine Bedeutung.
Beispiel: Wenn ich in der U-Bahn von einer anderen Person angestoßen werde, so bekommt dies für mich die Bedeutung eines aggressiven Aktes, wenn ich denke, die andere Person hat in ihrem Verhalten die Absicht mich zu verletzen. Wenn ich dagegen den Stoß darauf zurückführe, daß der andere gestolpert ist und mich dabei unabsichtlich angestoßen hat, dann ist das kein aggressiver Akt für mich sondern ein zufälliges Ereignis.
Constanze Kleinert & Katharina Niehoff 2
Arbeit zitieren:
Katharina Niehoff, Constanze Kleinert, 2001, Attributionstheorien und -forschung, München, GRIN Verlag GmbH
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