II
3.2.1.2 Hochschulmarketing 39
3.2.2 PERSONALWERBUNG. 40
3.3 FAZIT 42
4 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG AN STUDENTEN 42
4.1 PROBLEMBENENNUNG 43
4.2 GEGENSTANDSBENENNUNG 44
4.3 FORSCHUNGSDESIGN. 45
4.3.1 ERHEBUNGSMETHODE. 45
4.3.2 AUSWAHLVERFAHREN 47
4.4 EXKURS: FRAGEBOGEN. 48
4.5 ANALYSE. 50
4.6 FORSCHUNGSERGEBNISSE 53
4.6.1 BEFRAGUNGSTEILNEHMER. 53
4.6.2 DEFINITION DER UNTERNEHMENSATTRAKTIVITÄT AUS SICHT DER STUDENTEN 55
4.6.3 BEEINFLUSSENDE FAKTOREN DER ATTRAKTIVITÄT EINES UNTERNEHMENS IM
ALLGEMEINEN 56
4.6.4 PERSÖNLICH AUSSCHLAGGEBENDE KRITERIEN DER ARBEITGEBERWAHL 58
4.6.5 PHASE DER ARBEITGEBERSUCHE. 60
4.6.6 HAUPTDIPLOMPRÜFUNGEN 60
4.6.7 ATTRAKTIVE UND WENIGER ATTRAKTIVE ARBEITGEBER. 61
5 FAZIT DER UNTERSUCHUNG 64
6 MAßNAHMEN FÜR UNTERNEHMEN ZUR STEIGERUNG DER
ATTRAKTIVIT ÄT. 67
6.1 IMAGE. 67
6.2 MARKTKENNTNISSE DER UNTERNEHMEN. 69
6.3 KOMMUNIKATION 69
7 AUSBLICK 71
ANHANG VI
LITERATURVERZEICHNISSE. XXIX
B ÜCHER, BEITRÄGE IN SAMMELWERKEN UND SONSTIGE SELBSTÄNDIGE
VER ÖFFENTLICHUNGEN. XXIX
BEITR ÄGE IN ZEITSCHRIFTEN UND ZEITUNGEN XXXVI
WEBPAGES / INTERNET XXXVIII
III
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Die Vorgehensweise der vorliegenden Arbeit
Abb. 2: Dimensionen des Arbeitgeberimage und Faktoren des Unternehmens-
image
Abb. 3: Konzepte der Personalentwicklung
Abb. 4: Bestandteile des Arbeitentgeltes
Abb. 5: Zielgruppen des Unternehmens
Abb. 6: Der Wandel von der Unternehmensorientierung zur Personalorientierung
Abb. 7: Notwendigkeit des Personalmarketing
Abb. 8: Die Entwicklung des Personalmarketing
Abb. 9: Funktionsverteilung des strategischen Personalmarketing
Abb. 10: Methoden der externen Personalbeschaffung
Abb. 11: Elemente des
Abb. 12: Phasen des Forschungsablaufes
Abb. 13: Unternehmensattraktivität aus Sicht der Studenten
Abb. 14: Polaritätsprofil der gesamten Untersuchung
Abb. 15: Der ausschlaggebende Faktor zur Gestaltung der Unternehmensattrakti-
vit ät
Abb. 16: Ausschlaggebende Faktoren der Arbeitgeberwahl
Abb 17: Phase der Arbeitgebersuche bei den Befragten
Anhangsverzeichnis
Anhang 1: Umfragebogen für die Studentenbefragung VII Anhang 2: Auswertung der Studentenbefragung - Frage 1 - 3 XI Anhang 3: Auswertung der Studentenbefragung - Polaritätsprofile der einzelnen Erhebungsorte, basierend auf Frage 2 XII Anhang 4: Auswertung der Studentenbefragung - Frage 4 - 6 XIII Anhang 5: Auswertung der Studentenbefragung -Top 50 Attraktive Unternehmen XIV Anhang 6: Auswertung der Studentenbefragung -Top 50 Unattraktive Unternehmen XV Anhang 7: Auswertung der Studentenbefragung - Persönliche Angaben der Befragten XVI Anhang 8: Fragebogen für die Unternehmensbefragung XVII Anhang 9: Auswertung der Unternehmensbefragung - Frage 2 - 3 XXIV
Anhang 10: Auswertung der Unternehmensbefragung - Frage 4 - 5 XXV
Anhang 11: Auswertung der Unternehmensbefragung - Frage 6 - 12 XXVI Anhang 12: Auswertung der Unternehmensbefragung - Frage 13 - 21 XXVII Anhang 13: Auswertung der Unternehmensbefragung - Frage 22 - 28 XXVIII
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Einflußfaktoren der Unternehmensattraktivität Tab. 2: Die kontaktierten Universitäten für die empirische Untersuchung Tab. 3: Struktur der Befragungsteilnehmer Tab. 4: Top 5 der attraktiven und weniger attraktiven Arbeitgeber aus Sicht der Befragten
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
“Geld und Beförderung sind die konkreten Mittel, mit denen ein Unternehmen jeman-
dem bescheinigt, daß er der wertvollste Mitarbeiter ist” (Lee Iacocca). 1
Reichen heutzutage Gehalt, Titel und Status in der Unternehmenshierarchie aus, um vorhandene Mitarbeiter zu befriedigen und vor allem, um neue Mitarbeiter zu gewinnen? Oder gibt es noch weitere Faktoren, die dazu beitragen, daß sich Arbeitswillige bei einem Unternehmen bewerben?
Gerade High Potentials haben die Möglichkeit, sich ihre Arbeitgeber auszusuchen. Sie werden grundsätzlich die Unternehmen wählen, die für sie die größte Attraktivität als Arbeitgeber ausstrahlen. Basiert eine Unternehmensattraktivität allein auf monetären Aspekten? Oder gibt es mehrere Faktoren, die ein Unternehmen attraktiv machen? Unternehmen sind bemüht, hochqualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Sowohl dies als auch die Mitarbeiterbindung stellt eine große Herausforderung für Unternehmen
dar. 2
Was genau ist unter Attraktivität, insbesondere der Attraktivität von Unternehmen zu verstehen? Die Sozialpsychologie definiert Attraktivität u.a. als die Bereitschaft zur positiven Bewertung einer Person oder einer Gruppe, zur Annäherung an diese und zum
positiven Verhalten ihr gegenüber. 3 Übertragen auf die Unternehmensattraktivität versteht man darunter die Summe der befriedigten Wünsche von den Zielgruppen eines Unternehmens. 4
Eine dieser Zielgruppen ist die Gruppe der Mitarbeiter, sowohl die der vorhandenen als auch die der potentiellen Mitarbeiter, also diejenigen, die sich bei einem Unternehmen beworben haben oder bewerben wollen. Eine Problematik ergibt sich, wenn ein Unternehmen keine Spontanbewerbungen mehr bekommt, eine geringe Resonanz auf Stellenausschreibungen hat oder die Qualität der Bewerber nicht mit dem ausgeschriebenen Profil korreliert. Dies dürfte ein Zeichen mangelnder Attraktivität als Arbeitgeber sein.
1 Lee Iacocca in: Zitatenschatz für Führungskräfte, hrsg. v. Schmidt, L., Frankfurt/Main 1999, Seite 206.
2 Vgl. Butler, T. / Waldroop, J. (2000): Wie Unternehmen ihre besten Leute an sich binden, in: HAVARD BUSINESS manager 2/2000, Seite 70.
3 Vgl. Hächer, H. / Stapf, K. H. (1994): Dorsch Psychologisches Wörterbuch, Bern 1994, Seite 65.
4 Vgl. Däfler, M.-N. (1999): Wie attraktiv ist mein Unternehmen?, Frankfurt/Main 1999, Seite 9.
Wie aber kann diesem Mangel entgegengetreten werden? Gerade im hart geführten “War for Talents”, dem Kampf um die Besten, ist es wichtig, eine bestimmte Attraktivität aufzuweisen, um die High Potentials für sich zu gewinnen.
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Um eine möglichst aussichtsreiche Position im “War for Talents” zu erreichen, dürften die Unternehmen daran interessiert sein, eine entsprechend hohe Attraktivität auf Hochschulabsolventen, insbesondere auf High Potentials auszustrahlen. Woher wissen jedoch Unternehmen, was talentierte Nachwuchskräfte unter dieser Attraktivität verstehen?
Diese Arbeit versucht die für Hochschulabsolventen relevanten Kriterien herauszuarbeiten, welche die Unternehmensattraktivität beeinflussen. Die Rekrutierung von Hochschulabsolventen als Führungsnachwuchs hat für viele Firmen eine strategische Bedeu-tung. 5 Es besteht so von Anfang an die Möglichkeit, die neugewonnenen Arbeitnehmer firmenintern an geeignete Führungspositionen heranzuführen. 6
Schöbitz erklärt die Relevanz der Entscheidung für einen Arbeitsplatz in einem Unternehmen mit dem subjektiven Vorstellungsbild, das ein Student von einem Unternehmen hat. 7 Dies würde bedeuten, daß das Image eines Unternehmens der ausschlaggebende Faktor zur Bestimmung der Unternehmensattraktivität ist. In dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, daß Image nicht der alleinige Bestimmungsfaktor ist, wohl aber eine determinierende Komponente darstellt.
Zusätzlich soll in dieser Arbeit ein Überblick gegeben werden, welche Möglichkeiten Unternehmen haben, den Bedürfnissen und Vorstellungen der potentiellen Arbeitgeber gerecht zu werden. Dabei werden abschließend Vorschläge erarbeitet, wie Unternehmen das Personalmarketing zur Attraktivitätsgestaltung nutzen können. Diese sollen den Unternehmen als Hilfestellung dienen, wie sie im “Kampf um die Besten” erfolgreich bestehen können.
5 Vgl. Schöbitz, E. (1987): Die Rekrutierung von Führungsnachwuchs bei Banken, Zürich 1987, Seite 3.
6 Vgl. Böckenholt, I. / Homburg, C. (1990): Ansehen, Karriere oder Sicherheit?, in: ZfB 60 Jg. (1990), H.11, Seite 1160.
7 Vgl. Schöbitz, E. (1986): Die Angst vor der großen Langeweile, in: managermagazin 7/86, Seite 174.
1.3 Vorgehensweise
Es werden in einem theoretischen Teil im zweiten Kapitel bestimmende Faktoren zur Gestaltung der Unternehmensattraktivität aus Sicht der Studenten betrachtet. Welche Faktoren gibt es und welche haben Einfluß?
Hier folgt ein kurzer Exkurs zum Thema Image. Das Image ist insofern eine wichtige Determinante, als es oftmals der Initiator zu einer ersten Kontaktaufnahme des Bewerbers mit dem Unternehmen ist. Neben dem Image gibt es noch weitere Faktoren, die zur Attraktivitätsbildung beitragen können. Von diesen werden einige ausgewählte näher beleuchtet.
Unternehmen haben verschiedene Zielgruppen, diese wiederum haben verschiedene Interessen. Von Belang für diese Arbeit ist die Zielgruppe der Hochschulabsolventen. Sie sind Studenten, die sich in den letzten beiden Semestern ihres derzeitigen Studienganges befinden und somit in der Regel vor dem Einstieg ins Berufsleben stehen
Es wird erklärt, mit welchen Mitteln die Unternehmen die Interessen und Wünsche der relevanten Zielgruppe - den Hochschulabsolventen - befriedigen. In diesem Zusammenhang wird im dritten Kapitel genauer die Thematik des Personalmarketing behandelt, welche Aufgaben es hat und welche Faktoren es zur Gestaltung der Unternehmensattraktivität beeinflussen kann. Hierbei wird auch geklärt, welchen Einfluß das Unternehmensimage auf das Personalmarketing hat oder ob es vice versa durch das Personalmarketing beeinflußt wird.
Aus der theoretischen Betrachtung bezüglich der Unternehmensattraktivität ergeben sich verschiedene gestaltungswirkende Kriterien. Anhand einer empirischen Untersuchung bei Studenten in den Abschlußsemestern soll geprüft werden, ob die anfangs diskutierten Faktoren aus deren Sicht von Bedeutung für die Gestaltung der Attraktivität eines potentiellen Arbeitgebers sind oder ob es andere relevante Kriterien gibt?
Zusätzlich wird ermittelt, welche Unternehmen bei den befragten Absolventen als potentielle Arbeitgeber in Frage kommen und welche Unternehmen in diesem Sinn als “Anti-Unternehmen” gelten. Das daraus resultierende Ranking der beliebtesten und unbeliebtesten Unternehmen dient als Basis für Experteninterviews bei diesen Firmen. Hier soll herausgefunden werden, inwiefern das Selbst- und das Fremdbild übereinstimmen und ob die Unternehmen Vorteile im „Kampf um die Besten“ vorweisen kön- nen.
Am Ende der jeweiligen theoretischen Erläuterungen werden Thesen aufgestellt, die durch die Untersuchung be- oder widerlegt werden sollen. Daraus lassen sich im siebenten Kapitel Implikationen für die Unternehmen herleiten, um deren Attraktivität als Arbeitgeber zu stärken und somit die gewünschten Arbeitskräfte anzuziehen. Abschließend zeigt der Verfasser einen kurzen Ausblick auf, wie sich die Aktivitäten der Unternehmen hinsichtlich der Attraktivitätsgestaltung entwickeln könnten.
Nachfolgend wird die Vorgehensweise dieser Arbeit graphisch zusammengefaßt.
Abb. 1: Die Vorgehensweise der vorliegenden Arbeit 8
8 Eigene Darstellung.
2 Attraktivität von Unternehmen aus Sicht der Studenten
In diesem Kapitel wird das Fremdbild von Unternehmen, also die Sichtweise der Absolventen, beschrieben. Es wird ein theoretischer Überblick der verschiedenen Faktoren gegeben, welche die Attraktivität einer Unternehmung beeinflussen können, ohne daß dabei explizit attraktive oder unattraktive Firmen genannt werden.
2.1 Bestimmende Faktoren zur Gestaltung der Unternehmensattraktivität
Es gibt eine Vielzahl von Determinanten, die Einfluß auf die Attraktivität eines Unternehmens haben können. Da die vorliegende Arbeit bestimmten Vorgaben in bezug auf den Umfang unterworfen ist, kann hier nur eine Auswahl verschiedener Kriterien be-handelt werden. Die folgende Tabelle zeigt, wie die verschiedenen Kriterien kategorisiert werden können.
Tab. 1: Einflußfaktoren der Unternehmensattraktivität 9
Das Image eines Unternehmens ist die Basis für ein Aufeinandertreffen der beiden Parteien Unternehmung und Absolvent. Besitzt der Arbeitsuchende keine Informationen über ein Unternehmen, dann läßt er sich vordergründig vom Image leiten. Es ist in diesem Fall ausschlaggebend für eine Bewerbung. Diese Tatsache rechtfertigt eine nähere Betrachtung von diesem Faktor.
Einer internationalen Befragung zum Thema “Berufszufriedenheit und Einstellung zur Arbeit” aus dem Jahr 1981 zufolge, auf die Klages verweist, halten es gut 70 % der in Deutschland Befragten für wichtig, einen Beruf auszuüben, der den eigenen Interessen
und Fähigkeiten entspricht und eine abwechslungsreiche Tätigkeit zum Inhalt hat 10 .
9 Eigene Darstellung. Die grau hinterlegten Begriffe werden im weiteren Verlauf dieser Arbeit genauer betrachtet.
10 Vgl. Klages, H. (1987): Indikatoren des Wertewandels, in: Wertewandel als Herausforderung für die Unternehmenspolitik, hrsg. v. Rosenstiel, Lutz von, Seite 6.
Beim diesjährigen Symposium der High Potentials im schweizerischen St. Gallen gaben laut Emnid-Studie 88 % der befragten Nachwuchskräfte an, daß die Interesse an der Tätigkeit und der Spaß an der Arbeit mit 67 % die beeinflussenden Faktoren für die Berufswahl sind. 11
Die Tätigkeit weist sowohl bei Berufstätigen als auch bei Berufseinsteigern einen hohen Stellenwert vor. Deshalb soll näher auf den Bereich Tätigkeit eingegangen werden, wobei besonders die Bestandteile Inhalt und Verantwortung sowie der Auslandseinsatz beleuchtet werden. Letzterer kombiniert Tätigkeitsinhalte und -verantwortung in einem internationalen Umfeld miteinander.
Wenn Absolventen in ein Unternehmen eintreten, haben sie in der Regel erst wenig Berufserfahrung. Um den Anforderungen im Arbeitsleben gerecht zu werden, müssen sie den Prozeß des Lernens und der Weiterentwicklung durchlaufen, sowohl fachlich als auch persönlich. Die Personalentwicklung bietet Methoden, wie diese Herausforderungen bewältigt werden können.
Die Vergütung ist der Preis für die geleistete Arbeit, die das Unternehmen an den Arbeitgeber zahlt. Hat der Mitarbeiter das Gefühl, er wird seiner Arbeit nach nicht leistungsgerecht bezahlt, kann das demotivierend wirken. Im schlimmsten Fall verläßt er das Unternehmen. Eine Bezahlung sollte leistungsgerecht sein und motivierend wirken, wobei besonders Zusatzleistungen einen besonderen Anreiz ausmachen können.
Wie an späterer Stelle noch aufgezeigt wird, ist die Unternehmensattraktivität eine subjektive Betrachtungsweise. Die genannten Kriterien haben einen maßgebenden Einfluß und werden deshalb mit der Priorität eins beschrieben. In der Tabelle 1 sind sie grau hinterlegt und werden nachfolgend ausführlicher behandelt. Den übrigen Kriterien kann eine zweite, geringere Priorität zugeordnet werden. Das bedeutet, daß sie zwar einen Einfluß auf die Attraktivität eines Unternehmens haben, dieser aber geringer als jener der erstgenannten ist. Sie werden hier nicht näher beleuchtet.
2.2 Unternehmensimage als Dimension des Image
Es kann die Frage gestellt werden, was genau unter Image verstanden werden kann und ob es diesbezüglich verschiedene Sichtweisen oder Lehren gibt? Lothar Schmidt beschreibt Image wie folgt: “Das Image ist eine bemerkenswert gut gelungene Kopie. Sie
11 Vgl. Lentz, B. (2001): USA bleiben hip, in: Capital 11/2001, Seite 52.
übertrifft das Original bei weitem”. 12 Überträgt man diesen Ausspruch auf die Praxis, bedeutet dies, daß das Image eines Objektes, z.B. eines Unternehmens, besser ist als die Realität. Umgedreht bedeutet es auch, daß die Wirklichkeit schlechter ist als die Kopie.
2.2.1 Definition von Image im Allgemeinen
Zum Verständnis des Begriffes Image wird im folgenden ein kurzer historischer Abriß aufgezeigt.
Die ersten Erwähnungen in der Betriebswirtschaft, speziell in der Absatzforschung, beruhen auf Gardner und Levy, die 1955 den Imagebegriff in die Marktforschung ein-
brachten. 13 Sie erklärten damit den Teil des Markterfolges eines Produktes, der nicht auf subjektiven Faktoren wie Preis, Technik oder Design beruhte. Die beiden Forscher bezeichneten die Gesamtheit aller Vorstellungen, Empfindungen und Einstellungen der Verbraucher gegenüber einer Ware als das Image und grenzten es von den objektiven
Eigenschaften dieser Ware ab. 14
Dieser ersten, vereinfacht dargestellten Theorie, Trommsdorf beschreibt sie als ökono-
misch orientierte Imagetheorie 15 , folgten in den kommenden Jahren die gestaltungspsychologisch orientierte Imagetheorie, die nie breite Anerkennung fand, und die einstellungspsychologisch orientierte Imagetheorie. Diese Theorie ist die in der Literatur am meisten beachtete und verwendete. Sie ist aber auch diejenige, in der die Meinungen auseinandergehen. Der Schlüsselbegriff - sozialwissenschaftlichen Ursprungs - ist die
Einstellung 16 , wobei die Problematik in der Differenzierung zwischen Einstellung und Image liegt, die für diese Arbeit aber nicht von Bedeutung sein soll. Beiden Termini gemeinsam ist die Zusammensetzung aus drei Komponenten. Es handelt sich hierbei um die kognitive, die affektive und die konative Komponente.
12 Prof. Dr. Jur. Lothar Schmidt, Diplom-Volkswirt, ist Politologe an der Universität Frankfurt/Main. Er ist auch Aphoristiker und Herausgeber zahlreicher Aphorismen- und Zitatensammlungen. Vgl. Schmidt, L. (1999), Seite 139.
13 Vgl. Fopp, L. (1975): Die Bedeutung des Branchen-Images für Stellenwahl und Stellenwechsel, Frankfurt/Main 1975, Seite 53. Die ersten Untersuchungen zum Thema Image wurden in einer sozialpsychologischen Analyse über politische Einstellungen im Jahre 1922 vorgenommen. Vgl. Lippmann, W. (1967): Stereotypes in: Reader in public opinion and communication, hrsg. v. Berelson, Bernard, 6. Auflage, New York 1967.
14 Vgl. Wiegel, C.-H. (1983): Optimale Unternehmensimagepolitik, Frankfurt/Main 1983, Seite 13.
15 Vgl. Trommsdorf, V. (1980): Image als Einstellung zum Angebot, in: Grundbegriffe der Wirtschaftspsychologie, hrsg. v. Hoyos, C., München 1980, Seite 117 ff.
16 Für eine tiefergehende Betrachtung zum Thema Einstellung vgl. die angegebene Literatur, insbesondere die Werke von Roth, E. (1967), Fopp (1975) und Trommsdorf (1980).
Unter kognitiv oder auch Kognition können alle Vorgänge verstanden werden, die die Erkennung von Sachverhalten repräsentieren, so z.B. Wahrnehmung, Erinnerung - im
Sinne von Wiedererkennen - Vorstellung, aber auch Vermutung oder Erwartung. 17 Kognitiv wird in der Literatur, so wie bei Lieber, des öfteren auch als das Wissen über
das Einstellungsobjekt beschrieben. 18
Die affektive Komponente bewertet emotional das vorhandene Wissen 19 und beschreibt die Funktion als Orientierung, in dem sie angibt, wie gut oder wie schlecht, wie positiv oder wie negativ ein Objekt eingeschätzt wird. 20
Die konative Komponente beschreibt, in welcher Weise das Individuum gegenüber dem
Einstellungsobjekt handelt 21 , welches Verhalten gegenüber diesem Objekt angewandt wird. 22
Mit dieser Erläuterung ist der Rückgriff gegeben auf die Imagetheorien von Tromms-dorf, der diese Komponenten in der einstellungspsychologisch orientierten Imagetheorie beschreibt. Wie kann diese Theorie in der Praxis verstanden werden, insbesondere in Bezug auf das Image eines Unternehmens? Dies wird an einem Beispiel verdeutlicht.
Gegeben sei das börsennotierte Unternehmen X. Person A ist Hochschulabsolvent und hat ein durchschnittliches Wissen 23 über X, genährt durch Berichterstattung in verschiedenen Medien. Angenommen wird die Unternehmensnachricht, daß X in den nächsten drei Jahren Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe tätigen will. Hier handelt es sich um die kognitive Dimension, das Wissen.
Die affektive Komponente beschreibt nun, wie A das vorhandene Wissen über X bewertet. Wieder auf das Beispiel bezogen, bewertet A die Tatsache als lobenswert, daß X aus Expansionswünschen Investitionen tätigt, um in Zukunft am Markt eine bessere Rolle gegenüber der Konkurrenz zu spielen.
17 Vgl. Hächer, H./Stapf, K. H. (1994), Seite 387.
18 Vgl. Lieber, B.: Personalimage: explorative Studien zum Image und zur Attraktivität von Unternehmen als Arbeitgeber, München 1995, Seite 4.
19 Vgl. Fopp, L. (1975): Die Bedeutung des Branchen-Images für Stellenwahl und Stellenwechsel, Frankfurt/Main 1975, Seite 30.
20 Vgl. Lieber, B. (1995), Seite 4.
21 Ebenda.
22 Vgl. Fopp, L. (1975), Seite 30.
23 Unter einem durchschnittlichem Wissen versteht der Verfasser, daß die Person das Unternehmen und ein Großteil der Produktpalette kennt, sie weiß, in welcher Branche es tätig ist, ob es - je nach Rechtsform - an beliebigen Finanzplätzen notiert ist und ob es in einem Index vertreten ist.
Begeistert vom Innovationstrieb und Modernisierungswillen der Firma X, bewirbt sich der Absolvent A bei diesem Unternehmen. Zusätzlich erhofft er sich langfristige Renditesteigerungen durch die Investitionen und kauft einige Aktien dieser Gesellschaft. Dies spiegelt die konative Komponente des Image wider, das Verhalten des Einzelnen gegenüber dem Unternehmen, basierend auf der Bewertung des vorhandenen Wissens.
Wenn eine Person B ein anderes, ausführlicheres Wissen über X und zusätzlich auch über den Markt hat, so werden die affektive und schließlich die daraus resultierende Reaktion anders ausfallen. B weiß z.B., daß der Markt für die Produkte, die X herstellt, annähernd kein Potential mehr aufweist und die Konkurrenzunternehmen in ihren Entwicklungstätigkeiten für die Nachfolgeprodukte gegenüber X eine erhebliche Zeit voraus sind. Seine Wertung über diese Nachricht wird dann sicherlich anders ausfallen als die von A. Ebenso wird sein Verhalten gegenüber X anders aussehen als das Verhalten von A.
Verschiedene Disziplinen haben sich in der Vergangenheit mit dem Thema Image aus-einandergesetzt und die Diskussion von unterschiedlichen Standpunkten begonnen. Schließlich aber wurden die drei oben beschriebenen Komponenten zu einem fertigen Konstrukt zusammengesetzt. Basierend auf dem oben genannten Beispiel wird das Image als die subjektive, emotional bewertete Kenntnis über ein Objekt verstanden, an-hand dessen sich das Verhalten gegenüber diesem Objekt begründet.
2.2.2 Unternehmensimage als eine Form des Image
Ausschlaggebend für das Image eines Unternehmens sind Verständnis und Vertrauen. Das Verständnis kann das als Wissen Synonym verstanden werden; das Vertrauen ist die Fähigkeit der Bewertung des Wissens. Ist das Wissen lückenhaft oder ist die Beurteilungskraft nicht vorhanden, kann schnell ein falsches Image entstehen. Generell gilt, daß Images nicht geplant entstehen, wohl aber gesteuert und beeinflußt werden können. Dazu muß geklärt werden, welche Faktoren das Image beeinflussen. 24
Zuerst stellt sich jedoch die Frage, was unter Unternehmensimage verstanden werden kann. Eine treffende Definition liefert Schöbitz, der sagt, daß das Image einer Unternehmung die Gesamtheit der bewußten und unbewußten, teilweise stark emotional ge-
24 Vgl. Apitz, K. (1987): Image-Profile, Landsberg/Lech 1987, Seite 21.
tönten Vorstellungen, Erfahrungen und Einstellungen des Einzelnen über dieses Unter-
nehmen ist. 25
Teufer hingegen differenziert zwischen verschiedenen Imagearten und beschreibt das Unternehmensimage als eine Dimension des Arbeitgeberimage, die durch die Faktoren Erscheinungsbild, Produktqualität, Wirtschaftskraft und Unternehmenskultur geprägt
wird. 26
Abb. 2: Dimensionen des Arbeitgeberimage und Faktoren des Unternehmensimage 27
Im folgenden wird kurz erläutert, welche Faktoren auf die anderen Dimensionen des
Arbeitgeberimage einwirken. 28
Die personalpolitischen Parameter unterteilen sich in den Tätigkeitsinhalt der A rbeitsaufgabe, z. B. Teamarbeit, Verantwortung und Abwechslung und die dazugehörigen Rahmenbedingungen wie etwa Weiterbildungsmöglichkeiten, Entgelt, Arbeitszeit
und Karrierechancen. 29 Die personalpolitischen Faktoren können somit als die arbeitsplatzbezogenen Faktoren zur Attraktivitätsgestaltung gesehen werden. 30
Das Branchenimage berücksichtigt die Wachstumsaussichten, die Ertragslage und das Umweltverhalten der gesamten Branche. Klagte z.B. die Maschinenbaubranche Ende der 90er Jahre über einen Mangel an Führungskräften, weil sich das Image der gesamten
25 Vgl. Schöbitz, E. (1987), Seite 34.
26 Vgl. Teufer, S. (1999): Die Bedeutung des Arbeitgeberimages bei der Arbeitgeberwahl, Wiesbaden 1999, Seite 144.
27 Eigene Erstellung in Anlehnung an Teufer, S. (1999), Seite 144 und Apitz, K. (1987), Seite 29.
28 Vgl. Teufer, S. (1999), Seite 144 ff.
29 Vgl. ebenda, Seite 148.
30 Siehe auch Tabelle 1.
Branche durch massiven Stellenabbau verschlechtert hatte 31 , so kann man diese Entwicklung heute der Baubranche, aber auch der IT-Hardware-Branche zuschreiben.
Freizeitwert, Umweltqualität und Wohnungsangebot sind Bestandteile des Standortimage. Wie alle Imagearten ist auch dieses subjektiv zu betrachten. Eine Verallgemeinerung, daß große Städte folglich beim Führungsnachwuchs oder bei Arbeitnehmern generell beliebter sein sollten, darf nicht erfolgen. Genauso, wie es Menschen gibt, die nicht in großen Konzernen arbeiten möchten, wird es sicherlich Menschen geben, die nicht in einer größeren Stadt leben möchten. 32
Der feel-good-Faktor beurteilt, inwiefern sich der Bewerber im Bewerbungsprozeß wohlfühlt und welchen Eindruck potentielle Mitarbeiter auf ihn machen. Unter den Begriff Bewerbungsprozeß können die Bearbeitungsdauer, die Organisation der Anreise und des Interviewtermins sowie die Art des Auswahlverfahrens zusammengefaßt werden.
Der zum feel-good-Faktor gehörende, sogenannte Kollegen-Fit entsteht durch den Ablauf des Bewerbungsinterviews, die Glaubwürdigkeit und das Auftreten der Mitarbeiter
des Unternehmens. 33
2.2.3 Einflußfaktoren des Unternehmensimage
Im folgenden Abschnitt wird erläutert, welche Faktoren das Unternehmensimage beeinflussen.
2.2.3.1 Erscheinungsbild
Das Erscheinungsbild sollte eigentlich eine Gesamtdarstellung aller das Image beein-flussender Faktoren sein. 34 In diesem Zusammenhang kann der Begriff Corporate Identity genannt werden, insbesondere das Corporate Image, das als eine Dimension der
Corporate Identity das Fremdbild einer Unternehmung darstellt. 35
Es existieren mehrere Variablen, die das Erscheinungsbild beeinflussen können. Angefangen von Logos inklusive Schrift- und Farbgebung, über Firmenschilder bis hin zur Darstellung in verschiedenen Medien und den Werbeaktivitäten des Unternehmens selbst. Besonders Image-Anzeigen verdeutlichen die Philosophie eines Unternehmens
31 Vgl. Teufer, S. (1999), Seite 146.
32 Vgl. ebenda, Seite 147.
33 Vgl. ebenda, Seite 153.
34 Vgl. Apitz, K. (1987), Seite 36.
35 Vgl. Birkigt, K. (1995): Corporate Identity: Grundlagen, Funktionen, Fallbeispiele, 8. Auflage, Lands- berg/Lech 1995, Seite 23.
und kreieren oder korrigieren Meinungsbilder in der Öffentlichkeit und in der Fach-
welt. 36
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Erscheinungsbild der Mitarbeiter. Die Betrachter eines Unternehmens assoziieren mit dem Auftreten und der Kleidung der Mitarbeiter ein gewisses Image. Uniformen können zum Symbol der Betriebszugehörigkeit werden, wie z.B. bei Fluggesellschaften, und somit ein verbindendes Element, ein Image-
Instrument für ein Unternehmen sein. 37
2.2.3.2 Produktqualität
Der Terminus Produktqualität beinhaltet mehrere Komponenten. So kann zum einen von der Qualität der Beschaffenheit, z.B. die leichte Handhabung einer Fotokamera, und zum anderen der Qualität der Eigenschaften, z.B. die gestochen scharfen Bilder, die die-
se Kamera schießt, gesprochen werden. 38
Pepels geht noch einen Schritt weiter und sagt, daß die Qualität aus mehreren Dimensionen besteht, z.B. der Gebrauchstauglichkeit, Ausstattung, Normgerechtigkeit, Design, Zuverlässigkeit, Brauchbarkeit, Güte oder Leistung sowie der Wirtschaftlichkeit oder
der Ästhetik. 39
Doch Qualität ist ein subjektiver Begriff. Ein Produkt weist eine gewisse Qualität aus, sobald es den Ansprüchen des Kunden gerecht wird; es ist also individuell verschie-
den. 40 Es gibt somit keine einheitliche Qualität aus Sicht der Kunden. Hat ein Kunde hohe Anforderungen an ein bestimmtes Produkt und werden diese nicht zu seiner Befriedigung erfüllt, dann wird aus Sicht des einzelnen Kunden das Image des Herstellers negativ beeinflußt.
2.2.3.3 Wirtschaftskraft
Die Wirtschaftskraft eines Unternehmens ist eng mit der Managementqualität verbunden. Sie spiegelt den unternehmerischen Erfolg und die Qualität der Führungsriege wi-
36 Vgl.Starke, G. (1982): Große Firmen im Spiegel ihrer Anzeigen, Würzburg 1982, Seite 8.
37 Vgl. Chajet, C. (1995): Image-Design: Corporate Identity für Firmen, Marken und Produkte, Frankfurt/Main 1995, Seite 56.
38 Vgl. Diller, H. (1992): Vahlens großes Marketinglexikon, München 1992, Seite 988.
39 Vgl. Pepels, W. (2001): Produktmanagement: Produktinnovation, Markenpolitik, Programmplanung, Prozeßorganisation, 3. überarb. und akt. Auflage, München 2001, Seite 599.
40 Vgl. Diller, H. (1992), Seite 988.
der. 41 Apitz betont weiter, daß unter Wirtschaftskraft in der Regel finanzielle Stabilität und Solidität verstanden wird. 42
Dieser Faktor kann ebenfalls in die verschiedenen Dimensionen des Image projiziert werden. Weiß der Betrachter des Unternehmens X, daß es positive Gewinne generiert und einen positiven Cashflow vorweisen kann, dann wird die daraus resultierende Bewertung in der Regel ebenfalls positiv ausfallen.
Das Management beeinflußt das Image, z.B. hinsichtlich der Unternehmenskultur, der Glaubwürdigkeit oder der Innovationsausrichtung. 43 Die Innovationskraft ist insofern wichtig, da in einem freien Wettbewerb erfolgreiche Produkte die Bedürfnisse der Kun-den besser erfüllen als weniger erfolgreiche Produkte. 44 Die verstärkte Konkurrenz, beschleunigt durch kürzere Produktlebenszyklen, homogenere Märkte und eine erhöhte Transparenz zwingen Unternehmen dazu, immer schneller immer innovativere Produkte auf dem Markt zu bringen.
Der Faktor Innovationskraft kann ebenfalls subjektiv angesehen werden. Verschiedene Branchen erfordern ein gewisses Maß an Innovationen, andere hingegen sind nicht maßgebend davon betroffen. So kann in einigen Branchen mehr Innovationskraft erwartet werden als in anderen. 45
2.2.3.4 Unternehmenskultur
Die Unternehmenskultur kann mit den Denkhaltungen und Wertvorstellungen umschrieben werden, die die Einstellung der Mitarbeiter in allen Hierarchien gegenüber
dem Unternehmen beeinflussen. 46 Sie kann sich in allen nicht physisch greifbaren Elementen wie Betriebsklima, Führungsstil oder dem Auftritt in der Öffentlichkeit wider-
spiegeln. 47
Die genannten Komponenten der Unternehmenskultur sind abstrakte Konstrukte, die man nicht sehen kann. Man kann sie lediglich erleben. Selbst eine Messung, die in der
41 Vgl. Apitz, K. (1987), Seite 53.
42 Vgl. ebenda, Seite 31.
43 Vgl. ebenda, Seite 30.
44 Vgl. Bösenberg, D. (1987): Unternehmen und Wertewandel: Die Auswirkungen auf die Produktanforderungen, in: Wertewandel als Herausforderung für die Unternehmenspolitik, hrsg. v. Rosenstiel, L. von, Stuttgart 1987, Seite 63.
45 Vgl. Apitz, K. (1987), Seite 32.
46 Vgl. Teufer, S. (1999), Seite 145.
47 Vgl. Büdenbender, U.: Gabler-Lexikon Personal: Personalwirtschaft, Personalmanagement, Arbeits- und Sozialrecht, Wiesbaden 1996, Seite 367.
Regel Sozialforscher durchführen, ist nur dann durchführbar, wenn vorher eine Operationalisierung stattfand.
2.2.4 Unternehmensimage als Determinante der Unternehmensattraktivität
Nachdem der Begriff Image genauer beleuchtet wurde und welche Faktoren es beeinflussen, stellen sich mehrere Fragen bezüglich der Kombination der beiden Termini Image und Attraktivität. Inwiefern beeinflußt das Image die Attraktivität eines Unternehmens oder vice versa, hat die Attraktivität Einfluß auf das Image einer Unternehmung? Stehen die beiden überhaupt in Korrelation zueinander oder können sie gleichgesetzt werden?
Beiden Begriffen gleich ist die Eigenschaft der Subjektivität. Es gibt kein einheitliches Image und es gibt keine einheitliche Attraktivität. Man kann Attraktivität als die Gesamtheit der Personen und Gruppierungen, die Interesse an einem Unternehmen haben,
definieren. 48 Im Gegensatz dazu steht das Image, das als Gesamtheit aller Einstellungen, Erfahrungen und Vorstellungen gesehen wird. 49 Ein nachfolgendes Beispiel soll den Zusammenhang zwischen Image und der Attraktivität eines Unternehmen verdeutlichen.
Das Unternehmen U hat ein bestimmtes Image, hervorgerufen durch qualitativ hochwertige Produkte und ein makelloses Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. Ein Bewerber B möchte aufgrund des positiven Image bei U arbeiten. Er weiß ansonsten nicht viel über U. Das positive Image determiniert die Attraktivität des Unternehmens. Aus diesem Grund erfolgt die Bewerbung.
Wird das Beispiel aus einer anderen Sichtweise betrachtet, ergibt sich eine andere Interpretation. Ein Mitarbeiter M arbeit bei U. Dort ist seine berufliche Zukunft gesichert. Neben einer hohen Vergütung übt er eine interessante Arbeitstätigkeit in einem internationalen Umfeld aus. M findet deshalb U attraktiv. In den Medien erscheinen Nachrichten, wonach U in der Produktion in Südostasien Kinder arbeiten läßt, gleichzeitig wurden Produkte wegen Mängel zurückgerufen. Das Image von U sinkt, obwohl die Attraktivität für M gleich bleibt. Seine persönliche Meinung über die Kinderarbeit ändert nichts an der Attraktivität seines Arbeitgebers, da nach wie vor seine Erwartungen und Anforderungen an U erfüllt werden. Eine Ausnahme liegt vor, wenn M aus Idealismus,
48 Vgl. Däfler, M.-N. (1999), Seite 9.
49 Siehe die Ausführungen unter Punkt 2.2.1 Definition von Image.
niemals mit Kinderarbeit zu produzieren, bei U arbeitet. Dann dürfte auch die Attraktivität aus seiner Sicht sinken.
2.3 Tätigkeits- und Verantwortungsinhalte
Nachdem das Image als ein Kriterium der Kategorie Unternehmen beleuchtet wurde, werden nachfolgend Faktoren behandelt, die als attraktivitätsgestaltend für die Tätigkeit
gelten. 50
Eine Tätigkeit beinhaltet verschiedene Aspekte, zum einen den Inhalt und zum anderen die Verantwortung. Als Zusatzaspekt soll hier die Tätigkeit im Ausland betrachtet werden. Diese beinhaltet beide Aspekte, außerdem gewinnt sie im Zuge der Globalisierung immer mehr an Bedeutung.
2.3.1 Tätigkeitsinhalt
Die Tätigkeitsinhalte können sehr entscheidend für die Wahl des Arbeitsplatzes sein. In Bezug auf die Emnid-Studie beim St. Gallener Symposium der High Potentials, ist eine interessante Tätigkeit der wichtigste Attraktivitätsfaktor eines Arbeitsplatzes und somit
indirekt verantwortlich für die Attraktivität eines Unternehmens. 51
Es kann davon ausgegangen werden, daß eine anspruchsvolle 52 Anfangsposition dazu beiträgt, gute Nachwuchskräfte in ein Unternehmen zu holen. 53 Eine genauso wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang die anspruchsvollen Beförderungschancen, die
zur Bindung der jungen Mitarbeiter beitragen. 54
Eine gute Möglichkeit, wie Tätigkeits- und Verantwortungsinhalte miteinander kombiniert werden können, stellt die Projektgruppe dar. Allein das Mitarbeiten in einer Projektgruppe verändert den alltäglichen Arbeitsinhalt. Mit deren Leitung wird die Verant-wortungsebene abgedeckt. Außerdem bringt das Arbeiten in Projektgruppen gewisse Managementqualitäten hervor, insbesondere die Kommunikationsfähigkeit, verdeutlicht
durch Teamorientierung und Teamverhalten. 55
50 Siehe auch Tabelle 1.
51 Ebenda.
52 Unter anspruchsvoll versteht der Verfasser eine Tätigkeit, bei der frühzeitig Verantwortung übernommen wird, sei es Projektverantwortung oder Managementverantwortung.
53 Vgl. Kotter, J. P. (1989): Erfolgsfaktor Führung, Frankfurt/Main 1989, Seite 117.
54 Ebenda.
Eine Steigerung der Herausforderung bezüglich Projektgruppen liefern interdisziplinäre Projektgruppen. Werden bei “herkömmlichen” Projektgruppen meist nur einzelne Bereiche angesprochen, so können interdisziplinäre Projektgruppen mehrere Abteilungen aus verschiedenen Unternehmensbereichen mit einbeziehen.
Der Faktor Herausforderung mittels Verantwortung ist insofern von Bedeutung, da Mitarbeiter, die Spielraum für eigene Initiativen innerhalb des eigenen Verantwortungsbe-
reichs haben, mehr leisten 56 und somit wertvoller für das Unternehmen sind.
2.3.2 Verantwortungsinhalt
Hierbei kann zwischen Budgetverantwortung und Mitarbeiterverantwortung sowie der Verantwortung für eine Zielerreichung unterschieden werden. Die ersten beiden Ver-antwortungsbereiche müssen nicht, können aber gleichzeitig vorhanden sein.
Des weiteren gibt es die Tätigkeitsverantwortung, sei es sachlich oder zeitlich. Diese Verantwortung ist aber kein ausschlaggebender Punkt zur Gestaltung der Unternehmensattraktivität, in diesem Fall der Arbeitsplatzattraktivität, da Aufgaben in der Regel sach- und termingerecht bearbeitet werden.
2.4 Auslandseinsätze
In der heutigen Wirtschaft sind welterfahrene Führungskräfte ein Erfolgsfaktor. 57 In Zeiten von grenzübergreifenden Fusionen und Allianzen ist eine interkulturelle Managementfähigkeit von enormer Wichtigkeit. Das alleinige Beherrschen der jeweiligen Fremdsprache reicht nicht aus, um langfristige Entscheidungen erfolgreich treffen zu können. Das Verstehen einer fremden Sprache beinhaltet neben dem Vokabular außer-dem noch die Gestik und die Tonalität. 58 Diese Fähigkeit erlangt man am ehesten vor Ort im Ausland.
55 Vgl. Wolf-Köppen, P. (1988): Teamorientierung - eine wichtige Managementqualifikation für die Führungskraft der Zukunft, in: Personalstrategien der Zukunft, hrsg. v. Cisek, G. / Schäkel, U. / Scholz, J., Hamburg 1988, Seite 1985.
56 Vgl. Abell, D. F. (2000): Leadership-Herausforderungen im neuen Jahrtausend, in: iomanagement Nr. 6/2000, Seite 74.
57 Vgl. Black, J. Stewart / Gergersen, Hal B. (1999): Auslandseinsätze: Was sie erfolgreich macht, in: HAVARD BUSINESS manager 6/1999, Seite 103.
58 Vgl. ohne Verfasser (2000): Auslandserfahrung ist die Basis künftiger Karrieren, in: FAZ vom 24.01.2000, Seite 34.
Weiter zählen zu einer interkulturellen Managementfähigkeit Kenntnisse über die jeweilige Kultur vor Ort, insbesondere die Sitten und Bräuche der Kommunikation und der Kontaktaufnahme sowie die gesetzlichen Richtlinien und Ordnungen.
Auslandseinsätze können von unterschiedlicher Dauer sein. Kurzfristige Einsätze sind Geschäftsreisen zu Unternehmensteilen oder -partnern im Ausland sowie projektbezo-
gene Montageeinsätze. Sie dauern in der Regel nicht länger als drei Monate. 59 Sie können flexibel gestaltet und organisiert werden und auch in kurzen aufeinanderfolgenden Abschnitten auftreten. Geschäftsreisen werden in der Regel für Verhandlungen oder längere Besprechungen genutzt, die nicht oder nur schwer via Telefon oder Videokonferenz zu bewältigen sind.
Mittelfristige Auslandseinsätze, die sogenannten “expatriates”, dauern zwischen einem und fünf Jahren. Sie bedürfen einer gewissen Planungs- und Vorbereitungszeit. Der Mitarbeiter wird für eine bestimmte Dauer in eine Dependenz ins Ausland entsendet, bei der er einer operativen Tätigkeit nachgeht. Eine große Schwierigkeit besteht darin, die Mitarbeiter, die nach längerer Zeit von einem Auslandseinsatz zurück ins Heimat-land kommen, wieder in das hiesige Leben einzugliedern, sowohl arbeits- und unternehmenspolitisch 60 als auch gesellschaftlich. 61
Langfristige Auslandseinsätze sind alle diejenigen, die länger als fünf Jahre dauern. Sie werden in der Regel genauso geplant und vorbereitet wie die mittelfristigen Einsätze, doch meistens verlängert der „expatriate” seinen Einsatz oder er wird situationsabhängig verlängert. Hier kann zwischen Delegation und Versetzung unterschieden werden. Eine Delegation bringt einen ständigen Einsatz im Stammhaus mit sich, eine Versetzung
ist der ständige Einsatz im Ausland mit Einbindung in die Auslandsgesellschaft. 62
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Tätigkeitsinhalte maßgebend zur Unternehmensattraktivität beitragen. Es kann davon ausgegangen werden, daß sich die Absolventen nicht mit einem Beruf zufrieden geben, bei dem sie tagtäglich die gleichen Aufgaben bewältigen müssen. Wachsende Verantwortung und Internationalität fordern den Führungsnachwuchs heraus und motivieren ihn zusätzlich.
59 Vgl. Quack, K. (1983): Seite 50.
60 Unternehmenspolitisch bedeutet, daß z. B. in der Abwesenheit des Mitarbeiters eine Umstrukturierung der Organisation stattgefunden hat, Arbeitsprozesse neu definiert oder geändert worden oder daß momentan keine freie oder keine passende Stelle für den Rückkehrer zu besetzen ist.
61 Vgl. Black, J. Stewart / Gergersen, Hal B. (1999), Seite 109 ff.
62 Vgl. Quack, K. (1983): Seite 50.
2.5 Personalentwicklung
In Zeiten der Globalisierung und zunehmender Dynamik der Märkte ist es erforderlich,
daß sich Manager diesen Gegebenheiten anpassen. 63 Sie müssen sich einer sich verändernden Umwelt anpassen. Dies trifft nicht nur für Manager, sondern auch für Führungskräfte der unteren Hierarchieebenen und somit für Hochschulabsolventen zu.
Betrachtet man die Stellenausschreibungen in den deutschen überregionalen Tageszeitungen, so wird deutlich, daß in vielen Unternehmen die Hochschulabsolventen zu Beginn ein Trainee-Programm absolvieren müssen. Das Trainee-Programm ist ein Be-standteil der Personalentwicklung. Es gehört zu den into-the-job-Methoden, die in der Regel zum Berufseinstieg angewandt werden. Aber welche weiteren Konzepte existieren noch und sind für Absolventen relevant?
Die Personalentwicklung ist eine Maßnahme, wie diesen Herausforderungen entgegengetreten werden kann. Sie “verfolgt das Ziel, Mitarbeiter aller hierarchischen Stufen für die Bewältigung der gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen zu qualifi-
zieren”. 64 Der Weiterbildungsbedarf reflektiert die Anforderungen an eine Führungskraft. Dies begründet die Notwendigkeit an ein lebenslanges Lernen. 65
Unternehmen sind an Mitarbeitern interessiert, die sich weiterentwickeln wollen. Aus diesem Grund muß es die Voraussetzungen dafür schaffen. Dies umfaßt die Bedarfsplanung, die Konzeption und das Angebot von verschiedenen Konzepten zur Befriedigung der Mitarbeiterwünsche.
Im folgenden wird auf vier Konzepte der Personalentwicklung sowie die Laufbahnplanung als ein weiterer Bestandteil eingegangen. Die Laufbahnplanung ist insofern von Bedeutung, da sie dem Mitarbeiter eine erste Struktur seines geplanten Werdegangs aufzeigt.
63 Vgl. Domsch, Michael E. (1999): Personalplanung und Personalentwicklung für Fach- und Führungskräfte, in: Führung von Mitarbeitern: Handbuch für erfolgreiches Personalmanagement, hrsg. v. Rosenstiel, Lutz von, 4., überarb. und erw. Auflage, Stuttgart 1999, Seite 468.
64 Jung, Hans (2001), Seite 244.
65 Vgl. Quack, K. (1983): Motivierende Personalpolitik für Führungskräfte - Tendenzen und praktische Möglichkeiten, München 1983, Seite 42.
Arbeit zitieren:
Lars Brylka, 2001, Die Attraktivität von Unternehmen aus Sicht von Hochschulabsolventen, München, GRIN Verlag GmbH
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