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Titel: Johann Michael Fischer - St. Michael in Berg am Laim (Hauptseminararbeit)
Johann Michael Fischer - St. Michael in Berg am Laim

Hauptseminararbeit, 1994, 52 Seiten
Autor: Max Mautner Markhof
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Details

Veranstaltung: Hauptseminar Johann Michael Fischer
Institution/Hochschule: Universität Passau
Tags: Johann, Michael, Fischer, Michael, Berg, Laim, Hauptseminar, Johann, Michael, Fischer
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 1994
Seiten: 52
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V102962
ISBN (E-Book): 978-3-640-01342-5

Dateigröße: 166 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit gibt Einblicke in die Forschungslage zur Baugeschichte der Kirche St. Michael in Berg am Laim/München.



Volltext (computergeneriert)

MANUAL

JOHANN MICHAEL FISCHER

ST. MICHAEL IN BERG AM LAIM ZU MÜNCHEN

Hauptseminar im Hauptfach bei PD Dr. Uta Schedler
an der Philosophischen Fakultät der Universität Passau
Lehrstuhl für Kunstgeschichte und christliche Archäologie
WS 1994/95

Eingereicht von Maximilian Mautner Markhof

JOHANN MICHAEL FISCHER - St.Michael in Berg am Laim/München

1. Einleitung

Der Ort Berg am Laim, seit 1913 nach München eingemeindet,1 liegt etwa vier Kilometer östlich der Altstadt. Der Name leitet sich von einem Hügel am Gestade des Hachinger Baches ab, in dessen Umfeld sich die Lehmgruben der Stadt befanden. Abseits der, nach Wasserburg am Inn führenden, Hauptstraße liegt inmitten von Kleingärten und Vorstadtbauten die dem hl.Michael geweihte ehemalige kurkölnische Hof-, Ritterordens-, Erzbruderschafts- und heutige katholische Pfarrkirche von Berg am Laim.

1.1. Historisches Umfeld

Die Hofmark Berg ging von Conrad Baron von Lerchenfeld, über den Bischof von Freising, Albrecht Sigmund, 1677 an den Kölner Kurfürsten und Erzbischof, Maximilian Heinrich Herzog von Bayern über.2 Dessen Nachfolger, Joseph Clemens, gleichzeitig Bischof von Freising und Bruder des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel, ließ hier durch Enrico Zuccalli 1692 die Josephsburg erbauen.3 In deren Kapelle wurde 1693 eine von den Franziskanern betreute Michaelsbruderschaft errichtet, dazu der dem Adel vorbehaltene Michaelsorden.4 Zwei Jahre nach dem Tod Joseph Clemens im Jahre 1723, erreichte dessen Neffe und Kölner Nachfolger, Clemens August von Bayern, daß die Bruderschaft durch ein päpstliches Breve von Benedikt XXIII zur "Kurkölnischen Hof- und Erzbruderschaft" erhoben wurde.5

Großer Zulauf zur Bruderschaft und die daraus resultierende Platznot in der Kapelle der Josephsburg, führte zu Neubauabsichten für eine Kirche, gefördert, vor allem ab 1720, durch den Bruderschaftssekretär Franz von Paula Würnzl.
Konkretisiert wurde das Vorhaben erst 1735, als beim Augsburger kurkölnischen Hofkupferstecher Simon Thaddäus Sondermayr ein Stich 6 mit dem Grund- und Aufriß des geplanten Neubaues in Auftrag gegeben wurde, um so Geldmittel für den Bau zu sammeln.7

Nach der von Clemens August am 11.Februar 1737 erteilten Baugenehmigung,8 sollte, einer Eintragung in den Protokollbüchern des Consiliums der Erzbruderschaft vom 22. Dezember desgleichen Jahres zufolge, J.M.Fischer für den Neubau in Vertrag genommen werden.9 Der Beginn des Baues war für "konftigen Sommer" und eine Bezahlung "zu Anfang des Baues, nach vollendet halben der Rest nach vollendet vollkommen Bau" festgelegt worden.10 Mit der Leitung des Baues wurde dann aber der Münchner Hofmaurerpalier Philipp Jakob Köglsperger betraut.11 Daß diesem der Vorzug gegeben wurde, lag in der Gegnerschaft des Dr. Anton Cajetan Freiherr von Unertl, kurfürstlich geistlicher Rat von Köln und Bayern, Pfarrer und Dechant von St.Peter in München und Vizepräfekt der Erzbruderschaft gegenüber Fischer begründet.12

Am 2. März 1738 teilte Würnzl dem zuständigen Bischof von Freising Johann Theodor von Bayern, dem jüngsten Sohn des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel, unter Berufung auf eine Verfügung des Kölner Kurfürsten, den Abbruch der alten Kapelle und den alsbaldigen Beginn des Kirchenneubaues mit.13

Der endgültige Baubeginn erfolgte mit der Grundsteinlegung am 7. Oktober 1738.14 Da allerdings der Bauauftrag an Köglsperger von Würnzl nur privat ausgegangen war,15 Köglsperger nicht die nötigen Voraussetzungen erbrachte 16 und sich sonstiger Vergehen schuldig machte,17 gelang es Fischer durch eine Prozeßandrohung, Köglsperger absetzen zu lassen.18 Da sich dieser aber nicht geschlagen geben wollte,19 Fischer aber den Auftrag im Juni 1739 endgültig zurückerlangte,20 wurde noch im Juli dem "Churbayerlichen Baumeister Mons Couville [François Cuvilliés d.Ä.] über den Josefburgl Kirchenbau die Inspection aufgetragen".21

Von da an nahm der Bau bedacht seinen Lauf, und im Jänner 1743 konnten Johann Baptist Zimmermann für Gewölbemalerei und Stukkaturen 22 und Johann Baptist Straub für kleinere Altäre in Vertrag genommen werden.23 Am 1. Mai 1744 berichtete Würnzl an Clemens August von der "vorläufigen Benedicierung der Kirche" 24 und im September desselben Jahres ersuchte er den Bischof von Freising den Hochaltar aus der alten Bruderschaftskapelle übertragen zu dürfen, da der "Altarstain" fertig sei. Zugleich sollte in die alte Kapelle ein anderes Bild des hl. Michael gegeben werden.25
Im März des Jahres 1745 berichtete Nikolaus Praschler, der Pfarrer von St.Stephanus von Baumkirchen in Berg am Laim, dem Freisinger Bischof, Würnzl habe den Altar der Bruderschaftskapelle in "engster Stülle" abbrechen und in die neue Kirche transferieren lassen. Worauf die Weisung erging, den Altar unverzüglich wieder am ursprünglichen Ort aufbauen zu lassen. Dieser Weisung wurde aber nicht Folge geleistet, da sich Würnzl auf einen "Consens" des Kurfürsten berief.26

Eine Inschrifttafel in der Sakristei verzeichnete den 19. September 1751 als Weihedatum der Kirche.27 Nachdem bei dieser Gelegenheit der Versuch einer Etablierung eines Bußhauses aus kirchenrechtlichen und finanziellen Gründen gescheitert war, wurde statt dessen ein Franziskanerhospiz im südlichen Gebäudeteil der Anlage errichtet, während der Nordteil nach wie vor der Erzbruderschaft vorbehalten war.28

Die definitive Anfertigung der gesamten Kircheneinrichtung erfolgte nur schleppend,29 da der hauptsächliche Betreiber des Baues, der Bruderschaftssekretär Würnzl, 1759 und der Bauherr, Clemens August, 1761 verstarben.30 Der Hochaltar Straubs wurde 1767 aufgerichtet und darin ein 1693-1694 von Johann Andreas Wolff gemaltes, den Triumph des hl.Michael darstellendes und nun von Franz Ignaz Öfele vergrößertes Bild eingesetzt.31 Die Fassung des Hochaltares selbst war erst 1771 abgeschlossen.32 Zuletzt wurde 1779 das Eingangsgitter, eine Arbeit von Johann Georg Geiger, angebracht.33

1.2. Wandel im 19. und 20.Jahrhundert

Infolge der Friedensbestimmungen von Lunnéville wurde das Kurfürstentum Köln 1801 aufgelöst und dem französischen Staatsgebiet zugeschlagen.34 Da aber die Unabhängigkeit Kurkölns nach dem Wiener Kongreß 1815 nicht wiederhergestellt wurde,35 endete die Funktion St.Michaels als unmittelbare Hofkirche der Kölner Kurfürsten.
Im Zuge der bayerischen Säkularisierung 1802 erfolgte die Auflassung des Hospizes.36 Bruderschaft und Orden blieben, aufgrund ihrer engen Verbindung zum Hause Wittelsbach,37 weiter bestehen und die Kirche schließlich, "degradierte" man 1809 zur einfachen Pfarrkirche.38 Im Jahre 1837 wandelte König Ludwig I von Bayern den Michaelsorden in einen bayerischen Verdienstorden um,39 und ein ministerielles Reskript vergab 1840 die ungenützen Teile des Gebäudes samt dem dazugehörigen Grundstück an die Barmherzigen Schwestern, um darin ein Erholungsheim für die Schwestern zu errichten.40 Während der St.Michaelsorden mit dem Untergang des Wittelsbacher-Reiches 1918 aufgehoben wurde, besteht die Bruderschaft, unter der Leitung des Pfarrers, auch heute noch.
Somit ist die St.Michaels-Kirche in Berg am Laim zur Pfarr-, Ordens- und Bruderschaftskirche geworden, deren Funktionen sie nach wie vor entspricht.

Die Luftangriffe auf München während des Zweiten Weltkrieges überstand die Kirche unbeschadet bis zum 30.April 1945, als während eines Artilleriegefechtes eine Granate im Altarraum einschlug. Die entstandenen Beschädigungen an Gewölbemalerei und Hochaltar konnten aber noch im ersten Nachkriegsjahr beseitigt werden. Eine umfassende Restaurierung der Kirche erfolgte in den Jahren von 1978 bis 1982 unter der Leitung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.41
Die umliegenden Gebäude der stillgelegten Landwirtschaft und Gärtnerei der Barmherzigen Schwestern wurden 1979 abgetragen und an ihrer Stelle ein modern gestaltetes, die Kirche nach Osten hofartig umfangendes Altenheim errichtet.42

2. Beschreibung

2.1. Der Grundriß
(anhand des Planes von Albrecht Schober)

Der Kirchenbau ist in den Bauverband der ehemaligen Josephsburg eingeschlossen. Als solcher bildet er den monumentalen Mittelteil zweier symmetrischer Flügel des Gebäudekomplexes. Er springt mit zwei Achsen aus der Bauflucht hervor.

Hinter der Vorhalle befinden sich aneinandergereiht drei Zentralräume: Der, vormals der Bruderschaft dienende, Gemeinderaum, der, ehedem dem Fürsten und dem Ritterorden vorbehaltene, Chor und der der Priesterschaft zuzuordnende Altarraum.

2.1.1. Die Vorhalle und die Türme

Die schmale, querelliptische Vorhalle öffnet sich nach dem Gemeinderaum hin und weist, mit Rundbogennischen versehene, Durchlässe zu den zwei nord- und südseitig gelegenen quadratischen Türmen auf. Die konkave Form der Vorhalle wirkt ungemindert nach Außen und läßt so den Mittelteil der Westseite vorschwingen. In deren Mitte liegt auch das einfach gestufte Hauptportal der Kirche.
Das unterste Turmgeschoß besitzt als Öffnungen nur die seitlich gelegenen Türen. Westseitig wird die Wand durch eine rechteckige, ostseitig durch eine runde Nische ausgehöhlt. Die jeweils nach außen weisenden Turmecken sind durch vorspringende, schräggestellte Pilasterpfeiler verstärkt.

2.1.2. Der Gemeinderaum

Dem Gemeinderaum liegt ein Quadrat zugrunde, das durch die Abschrägung seiner Ecken zum Oktogon hin umgestaltet wurde. Es öffnet sich in Längsrichtung zu Vorhalle und Chor hin. Die Seitenachsen werden durch angeschobene, seichte Rechteckräume erweitert. Diese "querschiffartigen" Räume sind innen gerundet und weisen am Übergang zum geraden Wandabschluß hin gekehlte Pilaster auf. Die Diagonalseiten sind ebenfalls innen segmentbogig vertieft und nach den Ecken zu durch eine Nut abgehoben. An diesen Ecken wiederum stehen acht schräggestellte, auf gemeinsamen Sockel ruhende Dreiviertelsäulen und gemuldete Pilasterpfeiler.

2.1.3. Der Chorraum

Der Chorbereich gleicht in seinen Grundzügen dem Gemeinderaum, mit dem Unterschied, daß die kurzen Diagonalen flache Wandabschlüsse aufweisen und die Ecken des Achtecks durch Säulen auf quadratischen Sockeln gekennzeichnet sind. Die Säulen sind so gesetzt, daß die an der Raumgrenze in Längsachse gelegenen, gleichzeitig Anteil an den Nachbarräumen haben. Im Nordwesten und Südwesten befinden sich in den Diagonalen die Durchgänge zu den nördlich und südlich gelegenen Annexräumen.

2.1.4. Der Altarraum

Die Raumfolge schließt der, gleich der Vorhalle, querelliptische Altarraum ab. Er ist durch, an den Übergang von geraden zu gekrümmten Wandteilen gesetzten, mit Pilastern hinterlegten Säulenstellungen gegliedert. Deren Sockel sind schräggestellt und nehmen mit ihren Kanten aufeinander Bezug.

2.1.5. Die Annexbauten

Die mehrgeschoßigen Flügel der ehemaligen Josephsburg schließen nördlich und südlich an den Kirchenbau von St.Michael an. Sie treten allerdings mit ihrer westlichen Bauflucht zwei Achsen hinter die Schaufassade der Kirche zurück, so daß zwischen den Türmen und den Diagonalseiten des Gemeinderaumes ein dreieckiger Restraum entsteht. In diesen befinden sich Treppenanlagen, die in den ersten Stock führen. Gleich einer Klammer führt seitlich entlang des Gemeinderaumes jeweils ein Stichgang durch das Gebäude. Im Norden und Süden werden der Chorraum und Teile des Altarraumes durch je einen westlichen, nach dem Kirchenraume zu halbrund geschlossenen und einen östlichen, rechteckigen weiteren Annexbau flankiert. Von den Scheitelpunkten der beiden Halbrundräume öffnen sich schräge Durchlässe in den nordwestlichen und südwestlichen Diagonalbereich des Chorraumes der Kirche. Weitere Durchgänge führen in den Gang und die im Norden als Andachtsraum, bzw. im Süden als Sakristei genützten Rechteckräume. Außerdem besitzt der nördliche Halbrundraum eine Treppe, die in den ersten Stock zum Oratorium führt.43

2.2. Der Außenbau

2.2.1. Die Westfassade

Betrachtet man den Komplex Pfarrkirche St.Michael und Kloster der Barmherzigen Schwestern, so wird die Gebäudefront im Westen durch das Fehlen der ursprünglichen flankierenden Eckpavillons bedingt, heute nur mehr von der Zweiturmfassade der Kirche dominiert.44 War diese Schaufassade vielleicht ursprünglich auf eine Weitsicht hin ausgerichtet,45 so ist dies jetzt nur mehr eingeschränkt der Fall, da ihr Umfeld weitgehend verbaut wurde. Dennoch blieb der Kirchenvorplatz soweit erhalten, daß eine Gesamtsicht der Hauptfassade immer noch möglich ist.

Die Westfassade von St.Michael in Berg am Laim kann als Einheit von horizontal und vertikal gliedernden Teilen gesehen werden. In vertikaler Reihung ist sie dreiachsig, bestehend aus einem konvex geführten Mittelteil und zwei plan gehaltenen Seitenteilen, den Türmen. In horizontaler Schichtung zeigt sich die Fassade zwei-, beziehungsweise viergeschoßig.

Der vorschwingende Mittelteil des Untergeschoßes birgt das rundbogige Hauptportal,46 das seinerseits in einer korrespondierenden tief gekehlten, aber architektonisch nicht weiter abgesetzten Nische mit abschließenden Kragstein liegt. Über dem Portal ist eine Inschriftkartusche angebracht, die das sonst freibleibende Wandfeld füllt.47 Flankiert wird die Nische von toskanischen Doppelsäulen, die an ihren Innenseiten von einer seitlich vortretenden Pilasterrücklage verstärkt werden. Der breit gelagerte durchlaufende Sockel verklammert gemeinsam mit dem verkröpftem Gesims die verschiedenen Elemente. Bedingt durch die hochaufstrebendende Nische sind Architrav und Fries im Mittelteil nur über den Doppelsäulen angeordnet, wodurch in diesem Bereich dem Gesims die alleinige Funktion einer Geschoßtrennung zufällt.
Die beiden Turmuntergeschosse, mit ihren schräggestellten toskanischen Pilasterpfeilern an den Ecken, sind derart an den Mittelteil herangeschoben, daß sie zwar bündig an diesen anschließen, ihre Eigenständigkeit durch das dazwischen verbliebene schmale Wandstück aber bewahren. Die Turmwände unterhalb des Gebälks sind hochrechteckig eingetieft.

Ausgehend von dem durchgehenden scharfgratigem Gesims und einem darüber angelegten massiven Sockel, entwickelt sich das Obergeschoß. Allerdings rücken die ionischen Doppelsäulen des konkaven Mittelteils und die Pilasterpfeiler der seitlichen Türme, im Unterschied zu darunter, nicht mehr so eng zusammen. Die Sockelzone und das Gebälk sind in diesem Zwischenbereich durch eine tiefe Nut unterbrochen. Abermals ist das Säulenpaar an der inneren Flanke durch einen seitlich vortretenden Pilaster hinterlegt. Auf Höhe der Säulenbasen läuft ein Mauerstreifen als Übergang zu dem Wandfeld darüber, das seinen oberen Abschluß durch einen nach unten offenen verkröpften Dreiecksgiebel erfährt. In diesen ragt die hohe, doppelt gekehlte Nische, deren Bogenansätze durch, von den Säulenkapitellen ausgehende, nicht durchlaufende Profile markiert werden. In der Nische steht auf eigenem Sockel die Figur des hl.Michael.48
Die an die Ecken der seitlichen Turmobergeschosse gestellten schrägen Pilasterpfeiler weisen, in klassischer Superposition der Ordnungen, ionische Kapitelle auf. Gleich dem Mittelteil, wird die Wandfläche nach unten hin durch einen schmalen Mauerstreifen in Höhe der Pilasterbasen begrenzt. In den Wandfeldern unterhalb des Gebälks befinden sich in der unteren Hälfte je ein hochrechteckiges Jalousiefenster.

Nach der auskragenden Gesimszone erstreckt sich oberhalb einer niedrigen Sockel- und einer hohen Attikazone das dritte Turmgeschoß. In dem von schräggestellten korinthischen Eckpilastern begrenzten Wandfeld liegt eine rundbogige Schallöffnung, deren Basis das die beiden Pilasterpiedestale verbindende Mauerstück durchtrennt und deren Bogenansatz durch kurze Gesimsstücke mit den Pilasterschäften verbunden ist. Der Architrav ist in der Mitte kreisrund "aufgebogen", um so das Ziffernblatt der Turmuhr aufzunehmen. Dabei erreicht er nach unten den Schlußstein des Schallfensters und verdrängt das auskragende Gesims, dreiecksgiebelartig, sphärisch nach oben.

Das abschließende Helmgeschoß ist kleiner und weist, in Verlängerung der schrägen Pilasterpfeiler der unteren Geschosse, nach oben verjüngende Eckvoluten auf. In seiner Mitte liegt ein hochovales Jalousiefenster, dessen oberer Keilstein mit dem nach oben schwingenden Gesims verbunden ist. Mit an den Ecken liegenden schrägen Bändern führt das kupferne Dach zu der Turmspitze mit elliptischem Knauf.

Die Farbgebung der Westfassade 49 entspricht der ursprünglichen Konzeption: "Säulen u.s.w. gelb, Kapitäler steingrau [und] Mittelflächen weiß".50

2.2.2. Das Langhaus

Die Außenansicht des Langhauses kann am besten vom heutigen Zugang im Norden aus betrachtet werden. Über die, mit einem Walmdach gedeckte, dreiachsige, dreigeschossige Seitenfront des Klosters hinweg, sieht man auf die ungegliederte Wandfläche der Kirche mit den unter der Traufe des abgestuften Walmdaches liegenden Flachbogenfenstern des Kirchenraumes. Unmitelbar unterhalb der Fenster setzt das halbe Walmdach der dreiachsigen und zweigeschossigen Annexbauten an, in deren ebenfalls ungegliederten Wandfläche drei Rechteckfenster eingeschnitten sind.

2.2.3. Der Ostteil

Entsprechend der Innenraumgestaltung des Altarraumes ist der Ostabschluß der Kirche über abgerundeten Ecken gerade geführt. Die Wandfläche ist ungegliedert und besitzt keinerlei Öffnungen. Nur im Bereich des Kirchendaches befindet sich eine Gaupe mit vorkragendem Balken, der noch die Rolle eines Flaschenzuges aufweist.

2.3. Der Innenraum

2.3.1. Die Türme und der Dachboden

Über die östlich der Türme gelegenen Stiegenhäuser gelangt man zu den im ersten Obergeschoß befindlichen Turmeinstiegen. Von dort führen jeweils steile hölzerne Treppen und Leitern über das Glockengeläut 51 und das Uhrwerk 52 hinauf bis zum obersten Geschoß.
Durch Türen in den Türmen kommt man in den Bereich des Kirchendachbodens. In diesem, über Bretter auf verschiedenen Ebenen begehbaren Raum kann man auch die Konstruktionstechnik der Kuppeln sehen: Die freigespannten Wölbungen sind nicht massiv gemauert, sondern bestehen aus einem meridional aufgefächerten Tragesystem von Holzträmen und Latten, die sich vom Mittelpunkt der einzelnen Wölbungen nach außen hin auffächern.53

2.3.2. Der Vorhallen-Turmkomplex

Ebenfalls über die östlich der Turmpaare gelegenen Treppenanlagen gelangt man auf die Empore im Obergeschoß der Kirche. An ihrer Westwand steht eine den Raum bis zur Decke ausfüllende Kirchenorgel.54 Eine von einem einfach profilierten Rahmen umschlossene Darstellung des bei der Tempelweihe musizierenden König David ziert den Plafond.55 Den Abschluß der Empore nach Osten bildet eine durchgehend gemauerte Brüstung, die, in der Mitte über einem konkav-konvexem Ansatz, in den Gemeinderaum hineinragt.

Man betritt die Kirche zumeist durch den Seiteneingang im Norden und gelangt so in den Bereich der quadratischen Turmuntergeschosse, die durch je ein über den rundbögigen Nebeneingängen gelegenes Rundfenster belichtet werden. Zur Westfront hin wiederholt sich diese Wandgliederung, bleibt aber vermauert.56 Über dem hohen, zweifach abgestuften Sockel befindet sich im Osten jeweils eine Nische in der auf hochangesetzten Podesten Figuren aufgestellt sind.57

Nach Durchschreiten des Turmuntergeschosses gelangt man in die eigentliche Vorhalle. Die Raumhöhe wird hier durch die in Form einer breiten Quertonne eingezogene Empore bestimmt. Die Decke ist durch einen mehrfach geschwungenen Stuckrahmen gegliedert. Im Westen befindet sich das Hauptportal, das in seinem rundbogigen oberen Bereich durchfenstert ist und so die Vorhalle belichtet. An den östlichen konkaven Wandflächen sind zwei Epitaphe angebracht, die der Berg am Laimer Hofmarkherren, der Freiherren von Hompesch, gedenken.58 Der Durchgang in den Gemeinderaum wird durch das hohe Kirchengitter verschlossen, das in seinen seitlichen unteren Teilen auf hölzernen Betschemeln aufliegt und in seinem mittleren oberen Abschluß die Initialen der Bruderschaft "F.F.P.P." ("Fideliter, fortiter, pie, perseveranter - treu, tapfer, fromm, ausdauernd.") trägt.59

2.3.3. Der Gemeinderaum

Durchschreitet man das Eingangsgitter, so öffnet sich der bisher dunkel und eher abweisende Raum nach der Höhe und Tiefe zu.
Ausgehend von der Grundrißanalyse,60 erschließt sich der Gemeinderaum dem Betrachter vor allem durch das Wechselspiel von Stütze und Wandmotiv. Dabei setzen sich die stützenden Elemente, wie etwa die durch ihren gemeinsamen Sockel und ihr abschließendes Gebälk zu einer optischen Einheit verschmolzenen Dreiviertelsäulen und Pilasterpfeiler, von den in den Diagonalen liegenden Wandfeldern durch eine Nut von diesen ab. Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, daß diese Nut ebenfalls Architrav und Fries durchschneidet. Im Bereich der Haupt- und Seitenachse fehlen die entsprechenden Wandfelder, da sich dort der Raum öffnet. Die Schrägstellung der Pfeilerstellungen bewirkt, daß diese als Strukturgelenke zwischen den jeweiligen Raumkompartimenten fungieren. So entsteht insgesamt der Anschein von Freipfeilern, die von der Wandfläche unabhängig die Raumschale stützen und zu raumbildenden Faktoren werden.
Eine Zäsur nach oben zu entsteht durch das scharfkantig auskragende Gesimse, das den gesamten Raum verkröpft umläuft. Dieses bildet die innere Geschoßtrennung und die optische Basis für das darüber ansetzende Bogengerüst des Kuppelunterbaues. Über einer, den unteren Sockelbereich widerspiegelnden, mehrfach profilierten Attikazone steigen acht Bögen zum kreisrunden Spiegel der Kuppel auf. Dabei wechseln sich jeweils zwei verschiedene Formen ab. Die eine, im Achsenkreuz, ist als segelartiger sphärischer Wölbbogen ausgebildet. Die andere, zweite Bogenform geht von der aufrechten Konkavwand der Diagonalen aus, in der die in leicht gekehlten Rahmen angesetzten Fensteröffnungen liegen. Sie entsteht durch eine zur Mitte des Kuppelraumes hin geneigten Kurvierung mit einer sphärisch geführten Kante. Dadurch bilden sich aufrecht stehende, schräg angeschnittene Zylinder mit kreisrundem Deckenspiegel.

Über der Rahmung des Kuppelringes wölbt sich die Kuppelschale in den Dachraum der Kirche hinein, ohne ihre tatsächliche Tiefe erkennen zu lassen.

Der Bereich der, durch eine Stufe abgesetzten, Seitenräume ist mittels zweier Wandpilaster an der Außenwand gegliedert, deren tektonische Anordnung nur durch die Weiterführung der Wandvorlage im Bereich des Architrav und des Frieses optisch gewährleistet wird. Über dem Gebälk liegt in der Schildwand eine in einem leicht gekehlten Rahmen gesetzte Fensteröffnung. Den oberen Abschluß bildet ein Tonnengewölbe, das über einer, aus dem Hauptraum abgeleiteten, Attikazone ansetzt.

Ein wichtiger Bestandteil der Raumwirkung stellt auch die verschiedene Farbgebung der Architekturelemente dar.61 Die Oberflächen zeigen einen opak kreidigen und zumeist marmorierten Farbauftrag, bei dem vor allem Rot und Grün, Ocker-gelb und Weiß gegeneinandergesetzt werden. Weiß, als Farbe der Wandflächen markiert gewissermaßen die "Nullfläche" von der sich dann das Rot der Säulen und das Grün der Pilasterpfeiler deutlich abheben. Das Ockergelb von Säulenbasen, Kapitellen und Gesimskonsolen stehen vermittelnd dazwischen. Eine Verklammerung erfährt der Raum durch das Grün des umlaufenden Frieses und das Goldbrokatmuster der, die Hauptachsen überspannenden, Segelgewölbe.

Der Stuck,62 ausschließlich im Bereich des Kuppelunterbaues angebracht, gestaltet sich vom Weiß der Roquailleschwünge, Leisten und der mit Profilen besetzen Grate, über das Zartgrau der Deckenrosetten in den Diagonalzylindern, bis hin zum Ocker-gelb der Roquaillekartuschen, Ornamentschwünge und Blütenranken rund um den mit gelblichen Blättern besetzten Rahmen der Kuppel. Die Kartuschen selbst sind mit einem Zartrosa Schriftfeld gefüllt, die Inschriften in goldenen Lettern tragen.63

Volle Farbigkeit bricht schließlich im Bereich der Kuppel aus. Die von J.B.Zimmermann geschaffene Deckenmalerei stellt die erste Erscheinung des hl.Michael im Pfeilwunder vom Monte Gargano und der Prozession der Bevölkerung von Siponto dar.64 Das Bild ist kreisförmig angelegt, vom dunkleren Kuppelfuß zum lichten Wölbungsscheitel hin angelegt, aber perspektivisch in Schrägsicht von Westen, also von der Eingangsseite her, zu lesen.65
Ausgehend vom stukkierten Rahmen baut sich ein irdenfarbiger Geländesockel auf, der mit Pflanzen und Tiermotiven belebt ist. Darüber sind die zwei Personengruppen der beiden Handlungsebenen in rot-grün-blauen Tönen angelegt. Über allem spannt sich ein weiß-blauer Himmel, der zum Zentrum hin aufgelichtet ist. Dort, über der Berghöhle, in der ein leerer Altar zu sehen ist, erscheint der hl.Michael inmitten einer Schar von huldigenden Engeln. Ein Putto trägt einen Schild mit dem Signum "PPFF" und bezieht so die Erzbruderschaft in das Geschehen mit ein. Neben diesem hält ein anderer Putto eine Waage mit nur einer Schale, als Symbol des Wunsches, in den Himmel aufgenommen zu werden.66

2.3.4. Der Chorraum

Unmittelbar an den Gemeinderaum schließt der um zwei Stufen erhöhte und in seiner Erscheinungsform schlichter ausgeführte Chorraum an. Seine unregelmäßige oktogonale Form 67 ist durch die an den Ecken der Diagonalen angesetzte Säulenstellungen bestimmt. Diese werden durch die sie begleitenden Wandflächen zu Halb- beziehungsweise Dreiviertelsäulen reduziert. Ähnlich dem Gemeinderaum, trennt eine, Architrav und Fries einschneidende, Nut die Säule von der Längswand, die nur die obersten Faszien des Architravs davon ausnimmt. Das den gesamten Wandbereich umlaufende Gesimse springt im Bereich der diagonalen Interkolumnien zurück. In der Mitte einer jeden Wand liegt im oberen Drittel ein Oratorienfenster, dessen Rahmung auf weich gekehlten Auskragungen aufsitzt und in die Zone des Gebälks übergreift. Insgesamt wirken die Wandflächen wie ein an die Säulenkonstruktion herangeschobenes Versatzstück.

Der Kuppelunterbau im Bereich des Obergeschoßes entwickelt sich aus der Idee eines unregelmäßigen Achtarkadenschemas, über dem sich dann die Flachkuppel erstreckt. Die Arkadenstellungen sind, entsprechend dem unregelmäßigem Achteck darunter, unterschiedlich weit gespannt und zusätzlich zur Kuppelmitte hin geneigt, so daß Kuppel und Kuppelunterbau in ihrer Wölbung auf einander Bezug nehmen. Die aufgehenden Wandflächen nehmen in den Diagonalen Figurennischen auf 68 und in der Querachse weichen sie hinter die Kuppelkrümmung in die Senkrechte zurück. Der dadurch entstehende Raumbogen bildet den oberen Abschluß für die sich darunter befindende Fensteröffnung.
Den Übergang zur Flachkuppel bildet ein mehrfach geschwungener Rahmen.

Die Reduktion der Architekturgliederung im Vergleich zum Gemeinderaum bewirkt auch eine gewisse Zurücknahme der Farblichkeit, die in ihrer Struktur aus dem Gemeinderaum übernommen wird. Obwohl wiederum Weiß als Grundfarbe die Wandfläche dominiert, wirkt der Raum nicht farblos: Grün ist der Fries und der Grund der Figurennischen in den Diagonalen des Obergeschoßes, Grün-Weiß ist der Stuckdekor der Zwickelfelder, Ocker-gelb sind die Ornamente und Kartuschen; Ondulierendes Grün bis Braun findet sich in den Stuckmarmorrahmen der eingeschnittenen Oratorienfenster.
Die Stukkierungen beschränken sich nun nicht mehr auf die Zone des Kuppelunterbaues, sondern bereichern auch die Oratorienfenster. Das jeweils mittlere Fenster besitzt eine, auf geschwungenen weißen Konsolen ruhende, Rahmung aus grün- bis braunfarbigem Stuckmarmor, die in graziler Weise den Wandaufbau des Kirchenraumes, Sockel - Stütze - Gebälk, widerspiegelt. Dazwischen biegt sich das Fenster samt seiner Brüstung konkav in den Raum. Bei den beiden seitlichen, in den Diagonalen gelegenen, optisch sich ergänzenden Fenstern schwingt die Brüstung S-bogenförmig vor. Die Rahmenteile sind durch einen weißen Stuckvorhang, der einen eingearbeiteten kleinen Putto enthält, teilweise verdeckt.

Die Deckenbemalung des Chorraumes zeigt die zweite Erscheinung des hl.Michael als himmlischer Kämpfer auf Seiten der Sipontiner gegen die feindlichen Gothen.69 Das Bild ist wiederum pespektivisch angelegt und von Westen her zu betrachten.
An den mehrfach geschwungenen Rahmen schließt die dunkle Übergangszone des Bodens an, auf dem sich das Schlachtengetümmel abspielt, dem die Stadtvedute mit zugehöriger Landschaft einerseits und die Meeresküste mit den Schiffen der Angreifer andererseits gegenübergestellt wird. Im Himmel darüber erscheint der Erzengel in einer schillernd hellen Gloriole und greift mit Blitzen und Feuerpfeilen in das Geschehen ein. Dementsprechend weicht auch der dunkle Wolkenhimmel dem "neuen Lichtbringer" aus. Abermals sind dem Michael Engel zur Seite gestellt, die Palmwedel, Lorbeerzweig und -krone, als Zeichen des bevorstehenden Sieges, darbringen.

2.3.4. Der Altarraum

Erst nach dem vollständigen Durchschreiten des Chorraumes wird der um eine Stufe abgesetzte Altarraum als eigenständiger Bestandteil des Raumgefüges in seinem vollen Ausmaß sichtbar. In seiner Grundrißgestalt korrespondiert er zwar mit dem Vorraum,70 steht aber in enger Verbindung mit dem Chorraum. Auch hier wird der Raum durch Säulenanordnungen bestimmt, wobei die beiden westlichen Säulenpaare mit den östlichen des Chorraumes ident sind. Diese, nun mit Pilastern hinterlegte, Dreiviertelsäulen tragen wieder das Gebälk, das in gleicher Form bereits den gesamten Kirchenraum durchläuft.
Eine vermittelnde Zwischenzone darüber bildet ein Attikastreifen, der die Verkröpfungen des unteren Bereiches übernimmt und aus dem sich die schmalen Stützen heraus entwickeln, die die Flachkuppel tragen. Seine helle Beleuchtung erfährt der Altarraum durch seitliche, oberhalb des Gebälks eingeschnittene Fensteröffnungen.71

Durch die abermalige Koppelung von Säule und Pilaster im Altarraum kann auch die Farbabfolge des Hauptraumes übernommen werden. Das Zartrosa, das bislang nur in den Kartuschenfeldern Verwendung fand, gelangt nun auch in den Zwickelfeldern des Kuppelunterbaues zum Einsatz.

Im Deckengemälde des Altarraumes wird die dritte Erscheinung des hl.Michael behandelt, in der dieser dem Bischof von Siponto bestätigt, selbst die Felsenhöhle am Monte Gargano dem Engelskult geweiht zu haben.72 Die Szene ist aus der Untersicht am Besten zu sehen.
Oberhalb des breiten Bodenstreifen zeigt sich in der triumphbogenartig gestalteten Höhle ein mit einem roten Tuch, Kerzen und einem Kruzifix bereiteter Altar. Auf einer Wolke darüber figuriert der eine goldene Krone tragende Michael und spricht zu den vor der Grotte versammelten Bischöfen: "Ich selbst hab diss Orth geweyhet". Dabei wird er von lyraspielenden und singenden, beziehungsweise Weihrauch und -wasser bringenden Engeln umgeben. Während im Landschaftsmotiv sowie im Himmel dunkle Farbtöne von Braun über Grün bis Grau-blau vorherrschen, werden die Personengruppen in hellen rot-blau-grün-gelben Farbtönen dargestellt.

2.3.5. Die Annexräume

Die den Kirchenraum flankierenden Seitenräume sind neuzeitlich gestaltet und dienen verschiedenen Zwecken.73 An wandfester Ausstattung enthält der Andachtsraum Gedenktafeln der Gefallenen der Weltkriege und der Vorraum zur Sakristei eine Gedenktafel für den Bruderschaftssekretär Würnzl.74

2.4. Die Ausstattung

Dem Raumeindruck von St.Michael in Berg am Laim, der primär von der Architektur bestimmt wird, tritt die Ausstattung unterstützend hinzu. Diese ist nach und nach zwischen 1743, dem Jahr der Vertragsabschließung mit Johann Baptist Straub, und 1771, dem Jahr der Fertigstellung des Hochaltares, entstanden.

2.4.1. Die Seitenaltäre

Von den insgesamt sechs Altären des Gemeinderaumes wurden die vier Altäre in den Diagonalachsen von Straub 1745 als erstes fertiggestellt. Sie sind als goldene, mit Draperien und kleinen Putti bereicherte Bilderrahmen über farbig gefaßten Altarretabeln gestaltet und von jeweils zwei Figuren begleitet. Den oberen Abschluß bildet ein goldener Strahlenkranz. Größere, 1759 aufgestellte, Säulenbaldachin-Altäre Straubs befinden sich in den beiden Querachsen. Auch sie sind von zwei Figuren flankiert und mit einem Strahlenkranz bekrönt. Die in Gold gefaßten, einen fleischfarbigen Inkarnat und dunkle Haar- beziehungsweise Barttracht aufweisenden Figuren stellen die zwölf Apostel dar. Die Altarbilder zeigen, in der Schaurichtung nach Osten, links die Immaculata und rechts den hl.Johannes Nepomuk, den Wahrer des Beichtgeheimnisses. Im Westen werden links der Stifter des Paulanerordens und Namenspatron des Bruderschaftssekretärs Würnzl, der hl.Franz von Paula, und rechts der hl.Norbert, der Gründer des Prämonstratenserordens, dargestellt. Die großen Altäre sind dem hl. Franziskus beim Portiunkula-Ablaß, in der nördlichen Querachse, und, im Süden, der hl.Familie geweiht.75 Die Fassungen der sechs Seitenaltäre stammen aus den Jahren zwischen 1749 und 1762.76

Die Ausführung der Altäre ist in enger Wechselwirkung zum Kirchenraum zu sehen: Die schlichten Rahmenaltäre der Diagonalen werden von weißen Wandfeldern hinterlegt und von grün-rot marmorierten Pilaster-Säulenstellungen begrenzt; die reichen Baldachin-Altäre in den Querachsen mit ihren rot marmorierten Säulen werden von grün-marmorierten Pilastern begleitet, die mit den gleichfarbigen Wandpilastern in Wechselbeziehung stehen.

2.4.2. Der Hochaltar

Mit der Aufstellung des Hochaltares von J.B.Straub 1767, dessen Fassung sich zwar noch bis 1771 hinzog, war das Altarprogramm von St.Michael komplett.77 In seinem Aufbau viersäulig, über einem hohen, teilweise schräggestellten Unterbau, reicht der Altar mit seinem Auszug bis unter die Kuppel. Die über dem schräggestellten Teil des Sockels stehenden korinthischen Doppelsäulen sind im unteren Drittel kanneliert und tragen jeweils ein kurzes Gebälkstück, das von einem den Auszug tragenden Baldachinbogen zusammengeschlossen wird. Dazwischen spannt sich der Profilrahmen des Altarbildes, der nach oben zu in einer leeren Wappenkartusche abschließt. Der gesamte Altaraufbau ist mit Roquaillen und Rankenwerk verziert.
Links und rechts flankieren den Hochaltar zwei auf auskragenden Konsolen stehende Figuren der Erzengel Gabriel und Raphael, denen je ein Putto zugeordnet ist. Der eine verweist auf ein Buch mit der Inschrift "Ecce Ancilla Domini" ("Siehe, ich bin die Magd des Herrn."),78 der andere trägt einen Pilgerhut am Kopf und wird durch einen Fisch als Tobias ausgewiesen.79 Im Sockel darunter sind zwei Reliefs angeordnet, die einerseits die Opferung Isaaks 80 und andererseits den Kampf Jakobs mit dem Engel zeigen.81 Im seitlichen Teil des Sockels sind unterhalb der beiden Engelsfiguren rundbogige Durchlässe eingearbeitet, die hinter den Hochaltar führen. An der dem Altar vorgestellten Mensa ist ein Relief mit dem Grab Christi und der Erscheinung des Engels vor den drei Frauen angebracht.82 Der Tabernakel darüber ist zweizonig gestaltet und enthält im unteren Teil das Ziborium für die Meßfeier und darüber die Engelsmonstranz der Erzbruderschaft für die Aussetzung der Hostie am Altar. Um die Standfläche der Monstranz ist der Tabernakel figural als Tisch in der Herberge von Emmaus gestaltet.83 Links sitzt Christus mit betend erhobenen Gesicht und bricht das Brot. Neben ihm steht ein junger Mann mit Kelch, Kanne und Tablett. Rechts sind die zwei Jünger gruppiert, von denen einer sich ans Herz greift und der andere überrascht aufspringt. Der oberste Teil des Tabernakels kann, je nach den liturgischen Anforderungen des Kirchenjahres, ausgetauscht werden und stellt entweder das apokalyptische Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln oder den, die Siegesfahne tragenden, auferstandenen Christus dar.84 Im Auszug des Altares sitzt Gottvater auf einer Weltkugel vor einem großen Strahlenkranz, umgeben von zahlreichen Engeln und kleinen Putti.

Das Altarbild stellt die, in der Offenbarung des Johannes geschilderte, Überwindung des Bösen durch das Gute im siegreichen Kampf des hl.Michael mit Satan dar.85

Die zentrale Figur des Bildes ist Michael, wie er, mit dem Palmzweig in der linken und dem Feuerschwert in der rechten Hand, den Teufel in die brennende Tiefe stürzt, wo sich die Leiber der Verdammten türmen. Michael, den eine das Bruderschaftskreuz enthaltenen Gloriole überstrahlt, wird von Engeln, die seine Attribute - Schild, Kreuzstab und Waage - tragen, begleitet. Diese bilden einen Anknüpfungspunkt zur Erzbruderschaft: Der Schild trägt die Aufschrift "QUIS/UT/ DEUS",86 der Kreuzstab trägt das Monogramm "FFPP". In den Waagschalen liegen das Bruderschaftskreuz und, als Sinnbild des Bösen, Schlangen. Die Waage neigt sich zur Seite des Kreuzes.

Der reich ausgestaltete Altar nimmt engen Bezug zur Architektur des Altarraumes. Er verdeckt zwar dessen Rückwand fast zur Gänze und unterbricht dadurch optisch das umlaufende Gebälk, überbrückt diese Zäsur aber durch seinen eigenen architektonischen Aufbau. Seine Fassung variiert das generelle Farbkonzept des Kirchenraumes. Aus dem Rot der Säulenstellungen wird ein intensives Rot-orange und aus dem Ocker-gelb der Basen, Kapitelle und Gesimskonsolen wird kräftiges Gold. Das Grün findet sich nun nicht mehr im Fries, sondern wechselt zum Architrav und Gesims und in den Grund des Baldachins.

2.4.3. Die Kanzel

In der Südostecke des Gemeinderaumes am Übergang zum Chor ist die vom Kistler Benedikt Häßer 1745 angefertigte und vom Hofvergolder Johann Jakob Feichtmayr 1751 gefaßte Kanzel angebracht.87 Auf dem mit Lambrequins versehenen Schalldeckel steht eine Figur des hl.Michael, der einen weiß-blauen bayerischen Banner trägt. Er wird von zwei Engeln und kleinen Putti begleitet.

3. Stiche und Pläne

Da von Johann Michael Fischer bislang keine signierten Pläne zu St.Michael in Berg am Laim bekannt sind, seine Arbeit allerdings dokumentarisch belegt ist,88 seien hier jene Stiche und Pläne vorgestellt, die mit der Errichtung der Erzbruderschaftskirche in Verbindung stehen.

3.1. Der Sondermayr-Stich

Einer der ersten Entwürfe zu dem geplanten Neubau einer "an statt der jetztmahligen allzukleinen Erzbruderschafft Capel S.Michaelis [...] zu Josephsburg [...] angezeigt nothwendig grössere und ansehnlichere Haupt: und Mutterkirchen /:so zwischen des vorhinstehenten alten gebäu gezeichnet zu sehen:/ [...] her zustellen wäre",89 zeigt der Stich des Augsburger Kupferstechers Simon Thaddäus Sondermayr.

Die Kirche stellt der nicht näher genannte Planentwerfer in seinem Aufriß als eine aus der Gebäudeflucht polygonal vorspringende doppelgeschossige Fassade mit bekrönendem Turm dar. Die Wand wird durch Pilaster in fünf Felder geteilt, wobei die beiden äußersten schräg zur Hauptfront der Josephsburg zurückfluchten. Die Geschosse, durch die Fensteranordnung unten zweizonig, oben einzonig gehalten, werden durch Gesimse voneinander getrennt. Den oberen Abschluß bildet eine durch Voluten und einem Zifferblatt gegliederte Attikazone. Die Mittelachse wird durch Portal, großes geschwungenes Supraportenfenster, Figurennische, Uhr und Glockenturm besonders betont. Das Kirchenportal wird von Pilastern begleitet und von einem gesprengtem Volutengiebel bekrönt. Die, eine auf das Patrozinium hinweisende Michaelsfigur bergende, Figurennische wird von einem auf Pilastern ruhenden nach unten offenem Segmentbogengiebel begleitet. Der hinter der Attikazone aufstrebende Turm geht vom quadratischen Sockel ins Achteck des Läutwerkes über und trägt als Abschluß einen Zwiebelturm mit Laterne. Um die Vertikalisierung der Anlage nach den Seiten abzumildern, sind die Seitenpavillons der Josephsburg "so viel möglich á pro portione der neuen Kirch erhöhet und verbessert".
Der Grundriß der Anlage zeigt ein gelängtes, unregelmäßiges Achteck mit anschließendem Oval, das von einer äußeren Mauerschale umfangen wird. Diese Umfassungsmauern nehmen aber keinen Bezug auf das innere Raumkonstrukt, da sie zumeist geradlinig verlaufen und nur an den Ecken und im Bereich der Apsis gekrümmte Formen aufweisen. Dadurch entsteht ein segmentbogiger Gang, der allerdings von den Querhausapsiden unterbrochen wird und in der Sakristei mündet. Die innere Raumschale wird durch je sechs Pfeilerstellungen gegliedert, die teilweise der Wand auch nur vorgeblendet sind. Zwischen den zwei, das Portal rahmenden, Pfeilern schwingt die Wand konkav aus. Am Übergang zwischen "Langhaus" und Chor sind die Pfeiler so gesetzt, daß sie Anteil an beiden Räumen haben.

Betrachtet man den Stich Sondermayrs, so stellt sich zuerst die Frage nach seiner Zuschreibung. Sowohl Nikolaus Barth (1931)90 als auch Felicitas Dempf (1942)91 beziehen sich dabei auf ein zweites, heute nicht mehr erhaltenes Exemplar des Stiches, das in seiner Überschrift von der "erstens intendierte[n] Idea oder Vorstellung der zu bauen seyenden neuen Kirchen der Erzbruderschaft" spricht.92 In einem Brief Fischers an den Bruderschaftssekretär Würnzl vom 17. Dezember 1738, verweist dieser darauf, "der erste [...] wegen dem Gebey gewesen und dar zue alle geherige rihs verfertiget" zu haben.93 Dempf ordnet daher die Urheberschaft an dem Stich Fischer zu. Veit Loers (1977) lehnt diese Zuschreibung prinzipiell nicht ab und stellt die Rekonstruktion eines Erstentwurfes Fischers vor.94 Die Unstimmigkeiten in den gestalterischen Momenten zu anderen gesicherten Planrissen Fischers lastet er dem Stecher an. Der Zuschreibung des Stiches an Fischer schließt sich Norbert Lieb (1982) unter einem gewissen "Vorbehalt" an.95 Er bezeichnet "die Grundrißbildung des »Langhauses« unausgeglichen und holperig" und räumt ebenfalls die Möglichkeit ein, der Stecher "sei sich nicht über alles klar gewesen". Robert Stalla (1989) lehnt die Urheberschaft Fischers an dem Stich aufgrund von planerischen Mängeln überhaupt ab.96 Er untermauert dies durch einen "vom Konsilium der Erzbruderschaft gegen Würnzl erhobenen Vorwurf, er habe ohne ihr Wissen schon 1735 für die neue Kirche Sammelzettel versandt und dafür »nit weniger einen wissent von wembe gemachten Ryß in Kupfer stechen lassen«."97 Den Stecher selbst als Entwerfer anzusehen, lehnt Stalla "wegen der Singularität eines Architekturblattes in seinem _uvre" ab und schlägt Würnzl als Planentwerfer vor. Peter Steiner (1992) führt den Stich - unter Berufung auf eine These M.Hartigs und ohne dies näher auszuführen - auf eine mögliche Beteiligung des westfälischen kurfürstlichen Baumeisters Johann Konrad Schlaun zurück.98

3.2. Die "Luzerner Pläne"

In der Plansammlung der Luzerner Zentralbibliothek haben sich zwei weitere nicht datierte Grundrisse erhalten, die sich St.Michael zuordnen lassen.99

Im ersten - "Luzern I" - wird, von einer konkav-konvexen Doppelturmfront ausgehend, ein polygonal abschließendes Langhaus mit einem längsrechteckigem Chorraum und einem ebenfalls polygonal schließenden Altarraum verbunden. In das Langhaus sind, unmittelbar an die Turmfront anschließend, acht in Oktogonform plazierte Pfeiler gestellt, die eine Arkadenstellung mit bekrönender Rundkuppel bilden. Die Resträume zwischen Raumoktogon und Außenwand sind für Seitenaltäre genützt. Die Querachse wird durch Mauerzüge abgeschlossen und dadurch von den Diagonalkapellen abgesetzt. Eine besondere Betonung erfolgt auch durch in die Ecken gestellte Säulenpilasterstellungen, die gemeinsam mit den Pfeilern des Oktogons eine gekehlte Sockelzone bilden. Der Chorraum weist je zwei in die Ecken gestellte und zueinander diagonal versetzte Säulen auf. Die an das Langhaus angrenzenden Säulen sind an die zentralen Pfeiler herangeführt und ihre gekehlten Sockeln miteinander verschliffen. Im zwischen den Türmen gelegenen Vorhallenbereich, der allerdings nur vier Säulen aufweist, geschieht Gleiches. Die tief angesetzte Portalzone wird von zwei Doppelsäulen flankiert. Der Chorbereich wird links und rechts von einem Sakralraum und einer Sakristei begleitet. An diese schließen jeweils Stiegenhäuser an, die in das Obergeschoß führen.

Der zweite Riß - "Luzern II" - zeigt einen ähnlich angeordneten Kirchenbau, dessen Formen allerdings wesentlich klarer erscheinen: an die Doppelturmfront, mit konvexem Mittelteil und schräggestellten vorspringenden Turmeckpfeilern, schließt der oktogonale Hauptraum und der längsrechteckige Chorraum mit konvex geführter Apsis an. Das zentrale Oktogon, das unvermittelt an den Turm-Vorhallenkomplex anschließt, ist durch das Einziehen einer inneren oktogonalen Arkaden-Pfeilerstellung, die, paarweise zueinander angeordnet, Längs- und Querarme andeuten und in den Diagonalen die Bildung von Kapellen ermöglichen, doppelschalig angelegt und so mit einem durchgehenden Umgang versehen. Dieser führt im Bereich des Chores in die seitlich angelegten und mit Stiegenhäusern versehenen Annexbauten, die in konkaver Form an die Apsiswand anschließen. Der Innenraum ist an den Hauptachsen mit an die Pfeiler gestellten Säulen auf gemeinsamen gekehlten Sockeln bereichert. Ein Motiv, das sich in vereinfachter Form im Bereich der Vorhalle und des Chores wiederholt.

Im Plan "Luzern I" sind im Original die Mauerzüge schwarz laviert und die Altäre grün und rot eingezeichnet. Durch schräge Feder-Schraffuren sind, ergänzend und durch Rasuren am Plan kenntlich, an den Hauptachsen in den Ecken Säulen eingestellt und der Fassade eine Doppelturmfront vorgelegt. Heinrich Gerhard Franz (1955) stellt den Plan als eine Weiterentwicklung eines Köglsperger-Entwurfes durch Fischer vor.100 Veit Loers (1977) hingegen geht von der gegenteiligen Hypothese aus: Köglsperger habe einem Entwurf Fischers die Doppelturmfassade und die Säulenstellungen hinzugefügt.101 Norbert Lieb (1982) schließt sich dieser Meinung an.102 Robert Stalla (1989) geht diesbezüglich noch einen Schritt weiter und versucht eine Rekonstruktion des Erstentwurfes Fischers.103
Der Plan Luzern II wird erstmals bei Veit Loers (1973) in Beziehung zu St.Michael gesetzt,104 dann aber in der Literatur nicht mehr weiter diskutiert. Erst Robert Stalla (1989) greift den Entwurf wieder auf, lehnt jedoch einen Zusammenhang dieses Blattes mit den Planungsarbeiten in Berg am Laim ab, da "als wesentlicher Bauteil der Raum für den Michaelsritterorden fehlt" und der "Zeichenduktus mit dem anderen Plan nicht vergleichbar" ist.105

3.3. Der Schaur-Stich

Eine weitere Ansicht der "Josephsburg" zeigt der Aufrißstich von F.S.Schaur.106 Er ist zwar nicht datiert, weist jedoch eine Ein- und Ausgaben Rechnung der Jahre "1737 bis 1739 incl." auf, kann daher nicht vor 1740 entstanden sein.

Die St.Michaelskirche wird hier zwischen die "vorige Babilion" der alten Josephsburg und die Flügel des "neu erbautem Bueßhaus" gestellt. Ihre Doppelturmfassade tritt hierbei aus der Gebäudeflucht heraus und wird auf einen halbrund vorgebauchten Stufensockel gestellt. Die viergeschossigen Türme sind reich durchfenstert und ihre als Geschoßtrennung fungierenden Gebälkzonen sind in den Mittelteil weitergeführt. Sie verjüngen sich im obersten Geschoß über Eckvoluten zu den Turmhelmen. Zwischen den Türmen erstreckt sich eine zweigeschossige Fassade. In klassischer Superposition der Ordnungen schichtet sich der dreiachsige Wandaufriß. Während die Türme von schräggestellten Pilasterpfeilern gerahmt werden, wird der Mittelteil von Doppelsäulen flankiert. Die Vertikale ist besonders betont: Das Rundbogenfenster über dem leicht zurückversetztem, mit einem Segmentgiebel versehenen Mittelportal, sprengt die seitliche Anordnung von Architrav und Fries der, mit einer bossierten Wandfläche hinterlegten, Säulenpaare und reicht so bis an das geschoßtrennende Gesims. Im oberen Bereich liegt ein weiteres giebelbekröntes Rundbogenfenster gemeinsam mit einer Wappenkartusche in einer zungenförmig ausgekehlten Nische, die von einem gequaderten Wandfeld begleitet wird und die Basis des abschließenden Dreiecksgiebel sprengt. Als Hinweis auf das Patrozinium der Kirche schließt die Mittelachse eine Figurengruppe des Erzengels Michael ab.
Der Fassadenstich der "Josephsburg" wird sowohl von Veit Loers (1977)107 als auch von Norbert Lieb (1982)108 Köglsperger zugeschrieben. Robert Stalla (1989) hingegen vermeint darin, aufgrund bossierter Wandflächen und "der konkaven zungenähnlichen Ausmuldung" der konvexen Schildwand, einen Entwurf François Cuvilliés d.Ä. zu sehen, zumal dieser aufgefordert worden sei, "allenfalls neue Rihs und Ueberschlag zu machen".109

3.4. Der Fassadenstich von 1741

Eine ähnliche Ansicht von St.Michael bringt ein Fassadenstich von 1741.110 Anstelle der Frontalsicht des Schaur-Stiches zeigt der Stecher eine Schrägansicht der Bruderschaftskirche. Die Veränderungen finden sich vor allem im Bereich der Mittelachse. Die doppelte Durchfensterung wird aufgegeben, dadurch kann das Gebälk durchgehend angebracht und eine klare Stockwerkstrennung herbeigeführt werden. Im oberen Bereich füllt eine säulenumstandene Nische die nunmehr nicht mehr gequaderte Wandfläche und nimmt die Statue des Erzengel Michaels auf. Der verkröpfte Dreieckgiebel bleibt in seiner Basis geschlossen und zeigt das Bruderschaftskreuz mit den Initialen "P.P.F.F." Das Portal der unteren Zone ist verhältnismäßig größer geworden und die seitlichen Rundbogenfenster der Türme durch Oculi-Fenster ersetzt. In ihrer Struktur unverändert gegenüber dem Schaur-Stich bleiben auch die Seitenpavillons der Josephsburg, deren Dachabschlüsse nun mit zwiebelturmbehelmten Laternen versehen sind.

Der Stich wird von Veit Loers (1973) erstmals vorgestellt.111 Laut Robert Stalla (1989) ist er auf Basis einer Fischer zugrundeliegenden Planskizze entstanden, da er die "charakteristische Dachform mit gestufter Firsthöhe" des ausgeführten Baues zeigt.112

4. Analyse

Vergleicht man den von Fischer ausgeführten Bau mit dem Sondermayr-Stich, finden sich erhebliche Unterschiede, steht doch die Zweiturmfront und die Abfolge dreier Zentralräume hier, der Einturmfassade und der doppelten Raumflucht dort entgegen. Geht man aber davon aus, daß es zum Zeitpunkt der Entstehung des Stiches 1735 noch eine in Funktion befindliche Bruderschaftskapelle in der alten Josephsburg gab,113 scheint eine ausgeprägte Raumtrias für Bruderschaft, Ritterorden und Geistlichkeit für den eigentlichen Kirchenneubau nicht unbedingt zwingend erforderlich gewesen zu sein.114 Da abgesehen davon das Bauvorhaben aus Spendengeldern finanziert werden sollte, wäre eine knappe Bemessung des Neubauprojektes zumindest denkbar.115 Die im Stich auftretenden Unstimmigkeiten zwischen Grund- und Aufriß können durchaus zu Lasten Sondermayrs gehen und ungenügende Angaben seitens des Entwerfers sowie die Unverbindlichkeit eines "Sammelzettels" bei der Umsetzung als Ursache haben.116 Der in der Literatur mehrheitlich Fischer zugeschriebene Stich zeigt tatsächlich Analogien zu seinen Kirchenbauten St.Anna im Lehel in München (1727-1729) und der Augustinerkirche in Ingolstadt (1736-1740). Mit ersterer verbindet ihn die Ausgestaltung eines Langhauses durch Wandpfeiler zu einem ungleichseitigen Oktogon und die Anlage einer "apsidialgeführten" Sakristei im Anschluß an den Altarraum; mit letzterer die in den Querachsen konvex ausschwingenden Wandflächen und den durch die Doppelschaligkeit der Wand hervorgerufenen Charakter einer Umgangskirche. Die Grunddisposition des Sondermayr-Stiches findet sich auch in einem 1754/1755 datierten Projekt Fischers für ein Lazarett in München wieder. Auch dort plant Fischer einen oktogonalen Sakralbau in ein bestehendes Sommerhaus, einem gestreckten, quergerichteten Längsbau mit erhöhten Seitenpavillons, einzubeziehen und die doppelgeschossige Fassade mit Pilastern zu gliedern und durch einen Turm zu bekrönen.

Als im Dezember 1737 mit Fischer ein Vertrag geschlossen werden sollte, war das Projekt mit der "Ausbauung des Gotteshauses und der beiden Kirchen Thürm" umrissen.117 Umso verwunderlicher ist es, wenn der Bruderschaftssekretär Würnzl nun nicht nur mit Philipp Jakob Köglsperger im Februar 1738 einen Vertrag als Bauführer abschließt, sondern auch eine zweite Auflage des Sondermayr-Stiches im April in Druck gehen läßt.118 Zu dem Zeitpunkt als es Fischer gelingt den Auftrag zurückzubekommen, ist die Grundsteinlegung bereits erfolgt und der Bau unter der Leitung Köglspergers begonnen worden. Nach welchen Enwurfsplänen dieser gearbeitet hat, ist quellenmäßig nicht nachweisbar. Fischer beteuert, daß er "so gar der erste [...] wegen dem Gebey gewesen und dar zue alle geherige rihs verfertiget" und seine "rihs von ein ieten Pauverstendigen geschetzt und fisitiert werden" können.119 Dem stehen die Angaben Köglspergers entgegen, der seinen Anteil an den Planungs- und Bauarbeiten folgendermaßen schildert: Er habe "den völligen Grund heraus - und die Faciata samt den zwei Türmen acht Schuh aufgebaut, hat der Maurermeister Fischer durch seine Passion hin und wider soviel zuwegegebracht, daß mir einige Fehler haben aufgebürdet werden wollen, so sich aber durch den vorgenommenen Augenschein ganz anders und soviel bezeigt, daß der Hauptriß geblieben und nur inwendig ein so anderes weniges geändert, allein, da es bei meinem Dessin geblieben wäre [...]".120
Bei den angesprochen "Rissen" könnte es sich um die in Luzern erhaltenen Pläne handeln. Wer nun tatsächlich als Entwerfer der Pläne zu gelten hat, und ob an ihnen tatsächlich mehrere Hände gearbeitet haben, ist letztlich unklar. Es ist vorstellbar, daß Fischer in Konkretisierung des Bauvorhabens den heute als "Luzern II" bezeichneten Plan erstellt hat.121 Die Übereinstimmungen mit der ausgeführten Kirche bestehen in der Oktogonalform des Zentralraumes, den Säulen-Pilaster-Pfeilern auf gemeinsamen Sockeln und der Anlage der Doppelturmfassade. Das Raumkonzept ist dabei gegenüber dem Sondermayr-Stich nicht verändert worden. Nur wegen des Fehlens des dritten Raumes und der "Nachbarschaft" zu einem anderen Grundriß,122 kann eine Urheberschaft Fischers an dem Plan nicht abgelehnt werden. Auch ist das Argument, der Plan sei ein "eklektisch zusammengesetztes Vorlageblatt, dessen Zeichner Kenntnis von der Michaelskirche gehabt haben dürfte",123 nicht stichhaltig, da die Anlage eines Umganges sowie die Ausgestaltung eigenständiger Diagonalkapellen nicht mit dem ausgeführten Bau übereinstimmt. Demnach kann dann der andere Plan - "Luzern I" - nur von Köglsperger stammen, der den Fischer-Plan übernimmt und verändert, um ebenfalls einen Entwurf präsentieren zu können.124 Als neues, von Kögelsperger eingebrachtes Element tritt nun erstmals die Raumtrias und die Hervorhebung der Querachsen auf. Daß der Plan nicht aus der Hand Fischers stammen kann, läßt sich aus dem eher mißglückten Anschluß der Fassade an den Hauptraum schließen.

Um eine weitere unnötige Bauverzögerung zu vermeiden,125 gestaltet Fischer nach seiner Wiedereinsetzung als leitender Architekt die bereits ausgeführten Bauteile Köglspergers um. Gleichzeitig wird François Cuvilliés beauftragt "allenfahls neue Rihs und Ueberschlag zu machen".126 Würnzl berichtet darauf dem Kurfürsten, er habe sich "[...] nebst dem Maurermeister Fischer zu ersagt Mons Gouville verfüget deme die Rihs [...] ad revidendum und zur vergnehmung producieren widerholte vorgewisen auch auf etliche Täg [...] gelassen, dabey angezaiget, wie hoch man mit dem Bau schon auf gefahrn, hat er Gouville von selbst erkennet, dahs die Rihs alle Anzeig zu einem dhauerhaften Gebäu geben, und mithin, umb so weniger was pfuscherisch zu besorgen als ermelter Fischer ein beruembt gueter Meister seye [...]. Er, Würnzl lasse die Arbeiten beim Bau, Cuvilliés solle eine zierliche Ausführung vornehmen und den Augenschein, den der abgedankte Köglsberger verlangt habe. Er [...] halte aber dem Kurfürsten vor Augen, dass das sehr teuer kommen würde und dass der Bau dadurch gefährdet würde." 127
Dies führt zu Schaurs Stich, der die verlangte Kostenabrechnung und einen Aufriß der Hauptfront der Michaelskirche zeigt. Ob ihn nun Cuvilliés auch tatsächlich selbst entworfen hat respektive er in Zusammenarbeit mit Fischer entstanden ist,128 kann nicht definitiv geklärt werden. Verschiedene Gestaltungselemente, wie etwa der gequaderte Wandstreifen um die zungenförmig ausgekehlte Nische oder der gesprengte Dreiecksgiebel, sind zwar bei Cuvilliés′ Bau der Amalienburg im Schloßpark von Nymphenburg (1734-1739) anzutreffen; die gekehlte Nische findet sich aber auch bei den Fischer-Bauten an der Stadtpfarrkirche Schärding (1723-1727) oder der Abteikirche Niederaltaich (1724-1727) und der nach unten offene Dreiecksgiebel an der Augustinerkirche in Ingolstadt (1736-1740) oder der Stiftskirche in Diessen (1732-1739).
Ein Fassadenstich von 1741 stellt das Bindeglied zwischen dem Schaur-Stich und dem ausgeführten Bau dar, muß daher nach den Angaben Fischers angefertigt worden sein. Er zeigt zwar noch den reich durchfensterten Turmbereich, bringt aber bereits die klare Stockwerkstrennung des Gebälks und die Dualiät von Portal und Figurennische in der Mittelachse. Ebenso entspricht die abgestufte Dachform der heutigen Gestalt.

Der ausgeführte Kirchenbau zeigt Einflüsse jener Architektur, die Fischer während seiner Lehr- und Wanderjahre, aber auch nach seiner Niederlassung in München begegnet ist.129 Daneben bilden auch architekturtheoretische Schriften und Stichwerke, wie sie etwa von Johann Bernhard Fischer von Erlach oder Guarino Guarini herausgegeben wurden,130 eine Plattform für neue Tendenzen.

Von den Entwürfen Guarinis sind die Verschleifung der Raumgrenzen und die Akzentuierung von Wandflächen durch Säulenstellungen angeregt worden: Bei der Pariser Ste.Anne-la-Royale (1662-1665) werden einzelne Zentral- und Querovalräume aneinandergereiht und durch über Eck gestellte Pilasterpfeiler miteinander verbunden. Der strukturierende Einsatz von Säulenpaaren erfolgt in der Prager Theatinerkirche Sta.Maria Ettinga (1679). Durch die Aneinandereihung einzelner Raumteile entsteht ein longitudinaler Charakter, dessen perspektivischer Zielpunkt der von Säulen umstandene Altar bildet.

In enger Verwandtschaft zu St.Michael steht auch die von Johann Lukas von Hildebrandt in Wien unter der Patronanz des Kaisers für den Piaristenorden errichtete Kirche Maria Treu (1698-1721). Hier werden drei sich verjüngende Zentralräume aneinandergefügt, deren deutlicher Tiefenzug durch die "querschiffartige" seitliche Anfügung von ovalen Konchenräumen an den oktogonalen Hauptraum gemildert wird. Auch findet sich die Art der peripher den Raum umgebenden Altäre, die in der Zusammenschau der kleineren Diagonalaltäre mit den großen Altären des Achsenkreuzes eine Trias bilden, in St.Michael wieder. Die in die Architektur eng eingebundene Altarausstattung unterstützt den Rhythmus des Kirchenraumes und schafft eine raumübergreifende Zusammensicht der Einzelräume, die in ihrer tatsächlichen Funktion allerdings klar voneinander getrennt bleiben. Zwischen dem der Gemeinde zugänglichen Hauptraum und dem Altarraum befindet sich der durch Schranken abgetrennte Chorraum, der zusammen mit seinen Oratorien für das Kaiserhaus und die Ordensmitglieder reserviert bleibt. Genau diese Raumaufteilung präfiguriert die Trennung von Volk, Adel und Hof beziehungsweise Klerus, wie sie für Fischer bei der Umsetzung einer kurkölnischen Bruderschafts-, Ritterordens- und Hofkirche in Berg am Laim eine planerische Notwendigkeit darstellt. Ein weiteres in St.Michael wiederzufindendes Element stellt die Lichtführung dar. Das Licht kommt in unterschiedlicher Intensität aus den oberen Regionen. Der Hauptraum wird durch sechs über dem Gebälk ansetzende Fenster in helles Licht getaucht. Im Chorraum fällt es nur gedämpft aus den seitlichen zwei Fenstern ein und hemmt daher nicht den direkten Durchblick in den Altarraum, der seinerseits wieder durch vier (in St.Michael zwei) Fenster ausgeleuchtet wird.
Ein weiterer Bau dem Fischer für seine Michaelskirche wertvolle Anregungen entnommen hat, stellt die Müchner Dreifaltigkeitskirche (1711-1718) von Giovanni Antonio Viscardi dar. Der Grundriß zeigt einen an den Ecken abgeschrägten Zentralraum, der durch seitliche einjöchige Anräume kreuzförmig erweitert ist und durch die polygonalen Abschlüsse des Chores und der Hauptfassade einen zusätzlichen Längszug erhält. Die Säule verwendet Viscardi um Richtungsänderungen in der Architektur zu markieren. Im Innenraum werden je zwei Säulen von einem verkröpften Gebälk zu einer Travée zusammengefaßt und durch eine tiefe Nische hinterfangen. Dadurch wirken die Wandflächen an die Stützen herangeschoben und entmaterialisiert. Ein Eindruck der später in St.Michael durch die farbliche Differenzierung von Stütze und Wand noch gesteigert wird.
Die Wandfelder zwischen den Säulenstellungen in der Dreifaltigkeitskirche nennt Robert Stalla (1989) "eingestellte Wandtableaus" und führt deren Gestaltung auf Jean Le Pautre zurück.131 Die französische Ornamentgraphik Jacques de Lajoues findet er in der Folge in den Hauptraumdiagonalen von St.Michael wieder und schreibt deren Gestaltung Cuvilliés zu, da dieser bei de Lajoue ausgebildet wurde und "dessen »unterschidl. verificationes zu denen Chur=Cölnischen Gebäuden zu Berg gehörig« [...]" direkt greifbar werden. "Die zylinderförmigen Stichkappen mit Deckenplafonds und Rosetten" und die Säulenordnungen entsprächen dem "goût grec", einem Stil der Rückbesinnung auf die Antike, die Stalla dann mit Jaques-Germain Soufflots Pariser Ste.Geneviève und dem Weißen Saal im Neuen Schloß in Stuttgart von Philippe da la Guêpière - beides Bauten, die allerdings erst nach St. Michael entstanden sind - vergleicht.132 Diesem "goût grec" sei "die Einheit der Gesamterscheinung, ferner die strengen Proportionen, zu denen auch die Säulenordnungen gerechnet werden, die Ökonomie der Mittel und das Sublime" zuzurechnen.133
St.Michael unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie der Mittel zu errichten, ist wohl im Sinne des Auftraggebers geschehen,134 weniger der Ausfluß einer speziellen künstlerischen Stilrichtung. Die besondere Verwendung der Säulenordnungen an der Fassade wie im Innenraum bedeutet auch keine besondere Zeiterscheinung, zumal die Auflösung der Wandflächen in ihrer tektonischen Kraft bereits durch Pietro da Cortonas SS.Martina e Luca in Rom (1635-1650) vorgebildet wurde.
Einen Impuls zur Gestaltung der charakteristischen Turmabschlüsse in Berg am Laim durch die sich nach oben verjüngenden Eckvoluten kann in der von Johann Bernhard Fischer von Erlach in Salzburg errichteten Kollegienkirche (1686-1707) gesehen werden, die Fischer von Erlach in seiner "Historischen Architektur" publizierte.135 Der Grundriß zeigt einen zweiachsig symmetrischen Bau mit einer Kuppel über der Vierung, bei dem aber durch die längsovalen Kapellen in den Diagonalen des griechischen Kreuzes eine Gerichtetheit der Anlage erreicht wird. Diese "Belebung" des Bauschemas findet sich auch in veränderter Form in St.Michael wieder, da dort der Längszug der Kirche durch die Aneinanderreihung mehrerer Zentralräume erzielt wird.

Der aus einem Quadrat mit abgeschrägten Ecken abgeleitete Zentralraum findet in Fischers eigenem Werk Parallelen. In der Filialkirche St.Martin in Unering (1729-1732) ist ein solcher in reiner Form erhalten, sieht man von einem späteren Turmzubau an der Eingangsseite der kleinen Kirche einmal ab. Die segmentbogig vertieften Raumdiagonalen werden von Pilasterpfeilern gerahmt, die die Last des Raumes aufnehmen. Darüber spannt sich eine Kuppel, deren Gewölbe, wie in Berg am Laim, aus einer leichten Holzkonstruktion besteht und so dazu beiträgt den Bau in seiner Konstruktion auf das Nötigste zu beschränken und gleichzeitig die Wandflächen möglichst reduzieren zu können.136
Die ehemalige Kirche der Kongregation des hl.Philippus Neri Maria Schnee in Aufhausen (1736-1751) weist drei auf die Mittelachse hin orientierte überkuppelte Zentralräume auf. Anders als in St.Michael ist die Abfolge der verschiedenen Räume, die gemeinsam im Ansatz ein "griechisches Kreuz" ergeben. Im Gemeinderaum sind durch Wandpfeiler Querarme herausgebildet und durch die Abschrägung der Ecken ein Oktogon angelegt, das durch Pilasterpfeiler und Arkaden gegliedert wird. Die kürzeren Diagonalen öffnen sich zu kleinen Anräumen, die die Restfelder zu dem den Mittelraum umschließenden Quadrat schließen. Während hier das zentrale Arkadenoktogon zum bestimmenden Raumelement wird, dem die weiteren Räume untergeordnet sind, treten die drei Zentralräume in Berg am Laim zu einer Gesamtansicht der Raumflucht von der Vorhalle aus zusammen.

5. Bibliographie

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6. Anmerkungen

Peter Steiner, St.Michael in Berg am Laim, München 1992, S.8. [im folgenden zit.als "Steiner"].

1 "Perg am Laimb. Schloß unnd Hofmarch in Obern Bayrn/ Renntambt München/ Gericht Wolfertshausen/ Bistumb Frey-sing/ eine kleine Stundt von der Churfürstlichen Haupt- und Residenz Statt München. Anno 1677 [...] Ihro Hochfürst-lichen Durchl. Albrecht Sigmund/ Bischoff zu Freysing Höchstselligster Gedächtnuß von dem Baron Conrad von Lerchenfeld/ geweßten Churfürstl. Revisions-Rath/ Käuff-lich eingethan/ unnd nach Dero zeitlichen Hintritt an den Churfürsten von Cölln Erblich gefallen."
Michael Wening, Historico-Topographica Descriptio, Das ist: Beschreibung deß Churfürsten- und Herzogtums Ober- und Nieder Bayrn. Welches in vier Teil oder Renntämbter, Als Oberlandts München und Burgkhausen Underlandts aber in Landshuet unnd Straubing abgetheilt ist etc., 4 Bde., München 1701 bis 1726, Tafel 253, S.131.

2 Dazu: R.A.L.Paulus, Der Baumeister Henrico Zuccalli am Kurbayerischen Hofe zu München, Ein kunstgeschichtlicher Beitrag zur Entwicklung des Münchner Barock und beginnen-den Rokoko, Straßburg 1912, S.89.

3 L.Trost, Die Geschichte des St.Michaels-Ordens in Bayern und der St.Michaelbruderschaft seit dem Jahr 1693 bis auf die Gegenwart, München-Leipzig 1888.

4 Faszikel Berg am Laim, Erzbischöfliches Ordinariatsarchiv München. [im folgenden zit. als "EOAM"].

5 München, Erzbischöfliches Ordinariatsarchiv, Simon Thad-däus Sondermayr, Idealentwurf für den Neubau von St.Michael in Berg am Laim, Kupferstich 60 x 34 cm. Bezeichnet links unten: S.T.S.

N.Barth, Die St.Michaelskirche in Berg am Laim, München
1931, S.15. [im folgenden zit. als "Barth"].

6 "[...] und es mithin nöttig seye, das ein so gross Seelen nutzlich werck an statt einer Capell mit einer anständig Kirch nach ausweis des von gewisenen Rises versehen, auch zu anders eröffneten Gottseeligen Übungen und Beförderung des nechsten Heyl applizirt, [...] Also ertheilen mehr höchst gndtl. G:C.Drtl: hierdurch nicht nur den gnädigsten Consens, sondern befehlen dero Erzbruderschafftl. Consilio in Krafft dises gdist, der selbiges nicht allein erwend nötig Bau erhalten Risses gemäss führen, sondern auch, wie: und wo mögl: noé Consilii durch dero Geheimen Canzley verwanden als zugleich ersagten Erzbruderschafft verpflichteten Secretarius Franz Paul Würnzl /:deme ohne der alle Bruderschafftln Expeditiones oblig:/ zur bestreitung der erforderl. Bau Kosten gutthättige Gemüdther ansucht: fort all der iemige von Hand genohmen werden solle, was immer zu ermeltem Kirchen Bau erforderlich seyn könne."
Fasz. Berg am Laim, EOAM.

7 "[...] wegen konftiger Ausbauung des Gotteshauses und der beiden Kirchen Thürm zu Josefsburg, die Comihsion dem [...] Herrn Cahsier soll zu übertragen, welcher mit dem Maurermeister Fischer einen Contract schliessen solle, [...]."
Fasz. HR 146, Nr.116, Bayerisches Hauptstaatsarchiv - München. [im folgenden zit. als "BayHStA"].

8 Fasz. HR, Nr.116, BayHStA.

9 Vertrag zwischen Würnzl und Köglsperger vom 4.2. 1738.Original im Pfarrarchiv (ehem.Bruderschaftsarchiv) von Berg am Laim 1945 verbrannt; nach: F.Dempf, Der Zentralbaugedanke bei J.M.Fischer, phil.Diss., Wien 1942, S.174. [im folgenden zit. als "Dempf"].

10 Brief Würnzls an den Kurfürsten nach Köln vom 13.Februar 1739:
"(Fischer) der [...] aber anfangs beyseits gesetzt worden, weil ihn Herr v. Unertl nicht haben wolle [...]."

Dempf, S.176; Original verbrannt.

11 "[...] sohin mit anfang des Aprils als amdetlicher Bauzeit das alte Gebäu abgetragen und nach gelegte erste Stain im Nahmen des Allerhöchsten angefangen [...] werde möge."
Veit Loers, Die Hofkirche St.Michael in Berg am Laim. Neues zur Baugeschichte und Bauform. Norbert Lieb zum 70.Geburtstag, in: Ars Bavarica 8, München 1977, S.82. [im folgenden zit. als "Loers"]

12 Bericht Würnzls an den Kurfürsten nach Köln vom 8.Oktober 1738.
Dempf, S.175; Original verbrannt.

13 Dem Vertrag war später ein Zettel hinzugelegt worden:
"Dieser Köglsperg Contrakt ist nicht obrigkeitlich mithin unkräftig, [...]."

Dempf, S.174; Original verbrannt.

14 Da Köglsperger noch nicht das bürgerliche Maurermeisterrecht besaß und sich weigerte sein Meisterstück vorzulegen, sah sich das Münchener Maurerhandwerk bereits am 7.2.1738 genötigt den Stadtrat aufzufordern, ihm jegliche Bautätigkeit zu verbieten.
Maurerakt 1731-1769, Staatsarchiv für Oberbayern in München. [nach N.Lieb, Münchner Barockbaumeister, München 1941, Anm.1232.].

15 Köglsperger wurde auch zu hoher Materialverbrauch vorgeworfen: "1737 hatte man noch mit einer Bausumme von 15000 Gulden gerechnet, 1738 hatte man sich schon mit 20000 Gulden abgefunden und meinte, mit 50000 Steinen auszukommen. Nun brauchte Köglsperger schon zu den Grundmauern und zu einem kleinen Stück Fassade 180000 Steine: 40000 hatte er verschwendet und Sachverständige redeten schon von 50-60000 Gulden."
Barth, S.17.

16 Brief von Fischer an Würnzl vom 17.Dezember 1738:
"[...] ich mechte mich bey ihro Streng und iehnen Rath anfragen, ob es nit guedt wehre, dahs ich dem Keglsperger schriftlich, als ein mehres schrecken zuschickhete wann er nit gleich von der Sach stil sey und den Kirchenbau hinden lasse, so will ich mit ihme Keglsperger einen proces anheben, weill er mir solches gebey abgevortelt und geloffen habe, solle es mich kosten wahs es wolle. [...] gleich auch wissen Ihro Streng von selbsten, wann eine so andere berson gebet, so von der sach nit wissen, dahs ich mit Ihro Streng vorhin schon noch dar zue die Ehr und verthrauen gehabt, dahs ich so gar der erste bin wegen dem Gebey gewesen und dar zue alle geherige rihs verfertiget, dahs es mir vor ein solches unsicheren man wie Keglperger ist, gebire und billiget, so bitte mit guedter gelegenheit von Ihro Streng Ihren guetten raht und Meinung, ob ich mir nit solches soll von Ihro Streng oder sonsten auf setzen lassen. Dan wie ich glaubete es miese solches in der geheim gehalten werden, dan meine rihs kennen von ein ieten Pauverstendigen geschetzt und fisitiert werden, aber dahs Keglspergers als Pallier nit. [...]"

Dempf, S.175f; Original verbrannt.

17 Brief Würnzls an den Kurfürsten in Köln vom 13.2.1739:
"Würnzl beschwert sich über Intrigen, in denen wohl "der abgeänderte Hof Maurerpallier die Hauptperson" sei, weil er Fischer habe weichen müssen."
Dempf, S.176; Original verbrannt.

18 Diverse Wochenzettel: "Dem Herrn Fischer Gesellengelt vom 12.-18 July 1739 a 76 Täg a 2 x 7 fl 37 x."
Dempf, S.179; Originale verbrannt.

19 Dempf, S.177; Original verbrannt.

20 Barth, S.23.

21 Barth, S.24.

22 Dempf, S.179; Original verbrannt.

23 Loers, S.85.

24 Loers, S.85.

25 Bei der Begehung der Anlagen (1995) konnte diese Tafel weder an dieser, noch an einer anderen Stelle aufgefunden werden, obwohl Dempf (1942) noch von dieser berichtet. Das genaue Weihedatum, allerdings ohne weitere Angaben, gibt Loers (1977) an.
Dempf, S.179; Loers, S.85.

26 Fasz. GL 4566, Nr.117/118, BayHStA; Fasz. Berg am Laim, EOAM.

27 Weitere Verträge mit J.B.Zimmermann über die Freskierung des Hochaltarraumes (1753), mit J.M.Fischer über den Verputz des Außenbaues (1758) und mit J.B.Straub über größere Altäre im Gemeinderaum (1759/1759) und den Hochaltar (nach einer Entwurfkonkurrenz mit Ignaz Günther 1760/ 1761).
Vgl.dazu: N.Lieb, Barockkirchen zwischen Donau und Alpen, München 1984, S.160. [im folgenden zit. als "Lieb 1984"].

28 Steiner, S.8.

29 Bis zu seiner provisorischen Aufstellung im Neubau 1745, war es in der alten Michaelskapelle der Josephsburg als Hauptaltarbild in Verwendung. (Vgl. S.5.)
Fasz. Berg am Laim, EOAM; Barth, S.30; Loers, S.85.

30 Lieb 1984, S.160.

31 Steiner, S.8.

32 Dazu: G.Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 1990, S.272f.

33 Die linksrheinischen Gebiete, insbesondere der Bereich des alten Kurkölns wurde, obwohl katholisch, dem protestantischen Preussischen Königreich 1805 als "Provinz Rheinland" einverleibt.
Dazu: M.Schlenke (Hrsg.), Preußische Geschichte. Eine Bilanz in Daten und Deutungen, Freiburg 1991, S.210.

34 Eine geheime Instruktion des Münchener Kurfürsten bezüglich der Franziskaner genehmigte am 25.2.1802, "daß das hiesige Franziskaner Kloster, nebst den beiden Hospizen Kloster Anger und Berg am Laim mit dem Franziskaner Kloster zu Ingolstadt, ohne längeren Verzug dergestalt vereinigt werden", daß diese in Zukunft nur eine "Communität" mit dem Ingolstädter Franziskanerkloster bilden sollten. So wurden die Josephsburger Patres und Laienbrüder am 4.3.1802 um 3 Uhr nachts nach Ingolstadt abtranportiert. Jede öffentliche Tätigkeit wie Predigen und Messelesen wurde ihnen verboten, als Lebensunterhalt erhielt jeder Ordensangehörige allerdings eine Pension zuerkannt.
[Nach: Christl Knauer-Nothaft, Die Säkularisation und ihre Folgen im Münchner Umland. Von der wittelsbachischen Hof-, Erzbruderschafts- und Ritterordenskirche zur Pfarrkirche St.Michael München/Berg am Laim, in: Quis ut Deus, 300 Jahre Erzbruderschaft St.Michael Berg am Laim, München, 1693-1993, München 1994, S.63; im folgenden zit. als "Knauer-Nothaft"].

35 Aufgrund der 1693 von Kurfürst Josef Clemens geschaffenen Statuten, mußte die Generalpräfektur der Bruderschaft und das Großmeistertum des Ordens in einer Hand vereinigt bleiben und ein Wittelsbacher beide Ämter besetzen. Daher gelang es auch dem Pfalzgrafen von Birkenfeld-Gelnhausen, Wilhelm Herzog in Bayern den Erhalt der Bruderschaft und des Ordens bei seinem Vetter und Schwager, dem Kurfürsten und König Max IV Joseph Herzog von Bayern durchzusetzen.
Knauer-Nothaft, S.67ff.

36 Durch königliche Entschließung vom 16.4. und 29.12.1806 wurde "die Vereinigung des Pfarramtes Baumkirchen und Berg am Laim mit der Präsesstelle der Erzbruderschaft in Josefsburg" bestimmt und "die St.Michaelskirche zum Pfarrgotteshaus erhoben".
L.Trost, Geschichte der St.Michaelsbruderschaft und Kirche in Berg am Laim, München 1893, S.26f. [im folgenden zit. als "Trost"].

37 Dazu: M.Gritzner, Handbuch der Ritter- und Verdienstorden aller Kulturstaaten der Welt innerhalb des XIX. Jahrhunderts, Leipzig 1893, S.24ff.

38 Trost, S.27.

39 Steiner, S.8.

40 M.Sieglinde Reichart, Aufgaben einer Bruderschaft von heute, in: Quis ut Deus, 300 Jahre Erzbruderschaft St.Michael Berg am Laim, München, 1693-1993, München 1994, S.94.

41 Das südliche Oratorium ist nur über den angrenzenden Gebäudeteil des Klosters der Barmherzigen Schwestern aus zugänglich.

42 Durch das Aufsetzen eines dritten Geschosses zwischen der Kirche und Eckpavillons im 19.Jhdt. und der damit verbundenen Anhebung der Firstlinie in diesem Bereich, verschmolzen diese mit dem übrigen Gebäude.

43 Norbert Lieb (1982) verweist auf die geplante Fernwirkung der Fassade als Endpunkt eines "von der alten Münchner Isarbrücke (der späteren "Ludwigsbrücke") her in gerader Linie geführten Straßenzugs".
Lieb 1982, S.76.

44 Der Rundbogen des Portals ist als Oberlichte gefertigt und mit einem schmiedeeisernen Gitter verschlossen. Diesem ist zentral ein Kreuz eingeschrieben, das die Devise der Erzbruderschaft "PPFF" ("Pie, perseveranter, fideliter, fortiter - fromm, ausdauernd, treu, tapfer") trägt.

45 Die Inschrift ("A DOMINO/FACTUM/EST ISTUD/ET EST MIRA/BILE IN OCULIS/NOSTRIS") bringt den 17. Psalm und verweist auf "den Herrn, der das in unseren Augen bewunderungswürdige Kirchengebäude errichtet hat".

46 Die ursprüngliche Michaelsfigur aus dem Jahre 1743 stammte von Johann Baptist Straub, mußte aber wegen Vermorschung 1793 durch eine Figur von Johann Muxel ersetzt werden. Als auch diese verwittert war, wurde 1911 die jetzige in Kupfer getriebene Figur von F.Ragaller angefertigt.
Lieb 1984, S.159f.

47 Vgl. S.6.

48 Trost, S.23.

49 "Die zwei großen Glocken im südlichen Turme und die drei kleineren im nördlichen Turme bilden ein schönes melodisch-harmonisches Geläute." Trost, S.23.
Diese ursprünglichen fünf Glocken wurden von Anton Benedikt Ernst aus München 1750/1751 gegossen. Lieb 1984, S.159.
Anläßlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Erzbruderschaft 1893 verzeichnet Ludwig Trost (1893) die Neuanschaffung von vier Glocken. ("Bis zum 8.Mai erhält die Kirche vier neue, mit Bildern und Inschriften geschmückte Glocken.") Trost, S.31.
Der südliche Turm enthält das elektrisch gesteuerte Uhrwerk der Kirche. Es ist über ein Gestänge mit den jeweiligen drei Zifferblättern an den beiden Türmen verbunden. Die Uhr schlägt zu jeder viertel und vollen Stunde.

50 Dazu: Franz Peter, Fischers Bauwerke, in: Ausstellungskatalog, Johann Michael Fischer, 1692-1766, Rathaus Burglengenfeld, Burglengenfeld 1995, S.53.

51 Die Vorderfront der Orgel zeigt folgende Inschrift: "DIE ORGEL WURDE IN/DEN JAHREN 1956-1957/ERRICHTET ZUM AN/DENKEN AN DIE GEFALLENEN DES 2.WELTKRIE/GES UND DIE OPFER DES/BOMBENKRIEGES.SIE/ ENTSTAND DURCH DIE UNERMÜDLICHE TAE/TIGKEIT DES CHORDI/REKTORS AUGUST HOE/GLAUER ANLAESSLICH/SEINES 25 IAERIGEN/IUBILAEUMS AN DER/ STADTPFARRKIRCHE./SPENDEN VON ARM UND REICH/AUS DEM IN- UND/AUSLAND HABEN DAS GE/LINGEN DES WERKES ER/MOEGLICHT.ZUR EHRE/ GOTTES UND DER MEN/SCHEN ERBAUUNG.MUENCHEN DEN 30.IUNI 1957".
Die Orgel soll in den kommenden Jahren entfernt und durch eine völlig neue ersetzt werden. (Freundliche Auskunft der Pfarrkanzlei.)

52 Das Deckengemälde ist Teil der von Johann Baptist Zimmermann ab 1743 geschaffenen Ausmalung des Kirchenraumes.
(Vgl. S.5.)

53 Ob dies auf ursprüngliche Öffnungen hinweist, könnte erst durch eine ausführliche Maueranalyse in diesem Bereich geklärt werden.

54 Die Figuren des hl.Rochus (in der nördlichen) und des hl.Sebastian (in der südlichen Nische) von Andreas Faistenberger stammen aus der Herzog-Spital-Kirche und wurden 1881 hier aufgestellt.

55 Nachdem die Hofmark Berg am Laim von den Kölner Kurfürsten aus dem Hause Wittelsbach an die bayerischen Kurfürsten übergegangen war, wurde die Hofmark an verdiente Staatsdiener verliehen. So gelangte sie während zweier Generationen an die Freiherren von Hompesch.

56 Die an der Südostwand angebrachte Inschrifttafel lautet: "Dem edlen deutschen Manne/Franz Carl Frhrr.von Hompesch zu Bollheim/K.Bair.Staats- Conferenz- und Finanz-Minister./des h.Huberti und anderer Orden Ritter/geliebt - geschätzt - betrauert/vom Fürsten -/vom Vaterland - dem ausschließlich/rastlos bis zum letzten Lebenshauche/Er seine Kräfte weihte./Das Gute wollend, fest ergreifend, befördernd./Streng - aber gerecht -/Verlässig - ausdauernd/Liebender Vater, treuer Bürger, weiser Staatsmann./ Stets befolgend Seinen Wahlspruch/Ehrlich währt Ewig/Im Bewustseyn edler Thaten/den Tod nicht fürchtend/ruhig heiter entgegensehend der Zukunft./ - /Setzet dies Denkmal Kindlicher/Liebe/Sein dankbarer Sohn/Wilhelm Frhrr von Hompesch/ - /";

57 die an der Nordostwand:
"Hier ruhet/Joh.Wilh.Freyherr von Hompesch/kön.baierischer Staats- und Conferenzminister./Er war gebohren den 14ten Septemb.1761./Lebte einzig Seinem Könige dem Staate,/seinen Freunden,/und starb allen viel zu frühe am 9ten Dec. 1809./Dieses zum Andenken./Sein Freund Asbeck./ - /".

58 Über dieses Kirchengitters vermerkt Robert Stalla (1989), es sei erst nachträglich eingebaut worden und schaffe "eine ursprünglich nicht geplante räumliche Zäsur".
Robert Stalla, Die kurkölnische Bruderschafts-, Ritterordens- und Hofkirche St.Michael in Berg am Laim. Ein Hauptwerk des süddeutschen Rokoko, Weißenhorn 1989, S.235, Anmerkung 3. [im folgenden zit. als "Stalla"].

59 Vgl. S.7f.

60 Die handwerklichen Arbeiten wurden, wohl unter Aufsicht Fischers, 1745 von Johann Michael Kaufmann durchgeführt.
Barth, S.24ff.

61 Barth, S.23.

62 Die verschiedenen Inschriften lauten:
In der Vorhalle "PSALMUM DICITE/NOMINE EIUS/psal.65.V.2";
im Gemeinderaum "Pro Justitia" (N), "APPARITIO I/S./MICHAELIS" (O), "Contra Hostes" (S), "CLEMENTIA/CLEMENTIS" (W);
und im Chorraum "APPARITIO.II/S.MICHAELIS" (O), "ÆDIFICATO/ANNO/MDCCLIIII" (W).

63 "Der Herzog der Stadt Sipont wollte einen auf dem Monte Gargano entlaufenen Ochsen erschießen, doch kehrte der Pfeil im Flug um und traf den Schützen. Infolge dieses Wunders ordnete der Bischof der Stadt Sipont, Laurentius Majorianus, ein "dreytägiges Fasten" an; "in der dritten Nacht [am 8.Mai 490]/ schon schier bey anbrechung der schönen Morgenröthe, [...] umbgabe den Bischoff ein unaussprechlicher Glantz und in dem Glantz ersahe er den hl. Michael, der ihm sagte: »Wisse derowegen/ daß dises [Wunder] durch mein Anordnung/ Willen und Befelch geschehen seye:[...] diemit ich dann erwöhlet habe dises Orth auff Erden zu besitzen/ und unter meinen Schutz zu erhalten [... und] Inhaber und Schutzherr« zu sein. Nach dieser Erscheinung hat der "H.Bischoff Laurentius nach dem angezeigten Orth oder Grotten eine herrliche Procession verfüget" [...].Ihr schloß sich auch der Herzog an, dessen "gefährliche Wunden geheylet/ sondern so gar auch alle masen augenblicklich verschwunden" waren."
Magistrat der Michaelsbruderschaft (Hrsg.), S.Michael der höchste Seraphin über die himmlischen Geister, München 1699, S.16ff.
[nach Stalla, S.161].

64 Steiner, S.14.

65 Stalla, S.161.

66 Vgl. S.8.

67 In den Nischen sind, nach 1743 entstandene Stuckfiguren der vier heiligen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor von J.B.Zimmermann angebracht.

68 Es wird der "kämpfende Michael gezeigt, der im Jahre 492 gemeinsam mit den Einwohnern der Stadt Sipont das angreifende Heer Odoakers in die Fluch schlägt. Der Sieg über die feindlichen Truppen wurde Bischof Laurentius "nach erlangten Waffenstillstand" in der "Morgenröthe" des dritten Tages von "unser höchst liebreiche Seraphin der H.Michael" prophezeit, nachdem die ganze Stadt "die drey Täg mit Fasten/ Betten/ Wachen/ Seuffzen und vollkommenere Buß zugebracht" hatte."
Magistrat der Michaelsbruderschaft (Hrsg.), S.Michael der höchste Seraphin über die himmlischen Geister, München 1699, S.26ff.
[nach Stalla, S.163].

69 Vgl. S.8.

70 Robert Stalla (1989) gibt in seiner Beschreibung des Altarraumes auch ein "zum Auszug [des Altares] konzentrisch geführtes Ostfenster, an dessen Stelle heute nur mehr eine deutlich gerahmte tiefe Nische zu sehen ist", an.
Stalla, S.92, bzw. S.236, Anmerkung 13.

71 "Als die Bürger der Stadt Sipont den dritten Jahrtag der Erscheinung des Erzengels am Monte Gargano begingen, wurde Unzufriedenheit darüber laut, daß man sich "biß dato nit getrauete die heilige Stein-Höllen zu betretten. [...] Einige wolten/ daß man dise H.Grotten solle zu einer Kirchen weyhen". Der Papst ordnete aus diesem Grund an, "er, der heilige Laurentius solle mit seinen siben umbliegenden Bischöffen und Burgern in Siponto ein dreytägiges Fasten anstellen, [um] den Willen Gottes und deß grossen Himmels-Fürsten S.Michaels Vorhaben [zu] erkunden".[...] Während der letzten Bußnacht erscheint der Erzengel Michael dem Bischof und sagt ihm: »Es ist gantz nit vonnöthen/ dise Kirchen/ welche Ich erbauet/ einzuweyhen; Ich selbsten, der das Orth also zubereitet und eingerichtet/ habe es auch geweyhet«. Am nächsten Tag betritt Laurentius "mit dem Beystand der siben Bischöff" die Grotte, wo sie "einen altar von gantzen unzertheilten Stein [finden] auff welchem stehete ein Crystallenes Creutz; der Altar aber ware bedeckt mit einem schönen rothen Tuch oder Mantel: welches alles nach alten Gebrauch ein Anzeigen gebe/ daß die heilige Grotten samt den Altar schon geweyhet seye worden"."
Magistrat der Michaelsbruderschaft (Hrsg.), S.Michael der höchste Seraphin über die himmlischen Geister, München 1699, S.36ff.
[nach Stalla, S.163].

72 Vgl. S.8f.

73 Die Inschrift lautet:
"Weil ich auf dich, meinn Gott, getraut,/ Hab ich mit Hilf dieß Gottshauß baut./ Dein höchste Ehr zumehren,/ Die Sinder zubekehren./ Die Mühe, Verfolgung, zur Buß nimme an,/ Daß ich Dich ewig loben, und lieben kann./ Dann von der Welt nichs bitt, begehr,/ Alß mein Begräbnus aldaher./ Auch zubetten für mich Sünder,/ Daß ich komm in Himmel gschwinder./ O dieß thue liebster Christ für mich,/ Dann ich bitte zu Gott auch für dich./ O Heiliger Michael beschütz mich in letzten Streit,/ Daß ich von Mund auß komm zur ewigen Glickseeligkeit./ Zu meiner Seelen Trost habe dieß anheroverordnet/ Anno 1752/ D mein Alter war, Sechs und Sechzig Jahr/ Obiit Die 30 Aprilis Anno 1759/ F.P.Würnzl Chur=Cölnischer Verwalter alda."

74 Die Bilder (verschiedene Künstler) und begleitende Skulpturen (alle von J.B.Straub) der Altäre im Gemeinderaum sind folgende:
N: Hl.Franziskus und der Portiunkula-Ablaß von J.B.
Zimmermann mit Jakobus und Thomas, 1758-1759;
NO: Immaculata von J.B.Zimmermann mit Petrus und Andreas,
1743-1745;
SO: Hl.Johannes Nepomuk von J.B.Zimmermann mit Johannes
und Jakobus, 1743-1745;
S: Hl.Familie von Johann Georg Winter mit Philippus und
Bartholomäus, 1758-1759;
SW: Hl.Franz von Paula von Joseph Ignaz Schilling mit
Thaddäus und Matthias, 1744; und,
NW: Hl.Norbert von Joseph Ignaz Schilling mit Matthäus
und Simon, 1744.

75 Lieb 1984, S.159f.

76 Lieb 1984, S.160.

77 Dazu: Lk 1,26-38.

78 Dazu: Tob 6,2-23 und 11,1-16.

79 Dazu: 1.Mose 22,1-19.

80 Dazu: 1.Mose 32,23-33.

81 Dazu: Mark 16,1-8.

82 Dazu: Luk 24,13-35.

83 Vgl. dazu Abb.57 und 59.

84 Dazu: Offb 12,7-9.

85 Die Devise "Quis ut Deus" im Schild des Erzengels Michael heißt auf hebräisch ′mik a el′, Wer ist wie Gott?.

86 Lieb 1984, S.159.
Kobler (Dehio 1990) und Steiner (1992) nennen einen "Benedikt Haßler" als schaffenden Künstler der Kanzel.
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern Bd.IV, München und Oberbayern, München 1990, S.718;
Steiner, S.7.

87 Siehe Anmerkungen 9, 18, 19 und 20.

88 Der vollständige Text der "Vorstellung" lautet:
"Welcher gestalten an statt der jetztmahligen allzukleinen Erzbruderschafft Capel S.Mi/chaelis des Beschützers Göttlicher Ehre zu Josephsburg eine hiebey angezeigt nothwendig/grössere und ansehnlichere Haupt: und Mutterkirchen/:so zwischen des vorhinstehenten alten/gebäu gezeichnet zu sehen:/ vor die mit etlich 50zig alhero incorporierten in vieler/Königreich und Ländern entlegene filial oder zue- Bruderschafften best florierente/Erzbruderschaft her zustellen wäre, wann bey dermahl hierzu ermanglenten mittlen/der allerhöchste sonderbahre fürsehung mit Königlich Durchleuchtigst und andern mit/dessen gutthättigkeiten gnädigst erfolgen lassete, auf daß sodann bißhin Anno 1743. das al/da vor: und einfallente Iubilæum zu möglichster vergrösserung Göttlicher und des/He: Erz Engel Michaels als höchsten Himmels Fürsten Ehre, dann Seelen heyl und Freud/einer Ohnzweifflich sonst nicht platz haben über grossen Volcks-Mänge desto auffer/bäulicher und herrlicher mithin einer so Weltberühmten Erzbruderschafft anständi/ger Celebrirt auch hinnach daß Jährliche Titular und andere Fest umb so/volckreicher gehalten werden mögen."

89 Barth, S.15f.

90 Dempf, S.184f.

91 Das fragliche Exemplar ist 1945 im Berg am Laimer Pfarrarchiv verbrannt.

92 Dempf, S.176; Original verbrannt.

93 Loers, S.57ff.

94 Lieb 1982, S.64ff.

95 Stalla, S.18ff.

96 Fasz. HR 146, Nr.116, BayHStA.
[nach Loers, S.82; Stalla, S.221, Anmerkung 50].

97 Steiner, S.3ff.

98 Luzern, Zentralbibliothek, Plansammlung, fol.5a, Grundrißentwurf für St.Michael in Berg am Laim von Philipp Jakob Köglsperger nach einem Entwurf von Johann Michael Fischer, Zeichnung Tinte, tlw. mit Feder schraffiert, tlw. schwarz laviert, Altäre grün und rot 58 x 35 cm. Links mittig: Korinthische Säule mit Gebälkstück und angedeutetem Arkadenbogen, im Sockel Bezeichnung "Säulen"; Unten: Maßstab; Rasuren an verschiedenen Stellen des Planes.

99 Luzern, Zentralbibliothek, Plansammlung, fol.9a, Architektonisches Vorlagenblatt, Zeichnung Tinte, grau laviert, 46,5 x 57 cm. Links mittig: Maßstab.

100 H.G.Franz, Johann Michael Fischer und die Baukunst des Barock in Böhmen, in: Zeitschrift für Ostforschung 4.Jg., Heft 2, 1955, S.220ff.

101 Loers, S.59.

102 Lieb 1982, S.66f.

103 Stalla, S.27ff.

104 V.Loers, St.Michael in Berg am Laim, in: Münchens Kirchen,
München 1973, S.171ff.

105 Stalla, S.27.

106 München, Erzbischöfliches Ordinariatsarchiv, F.S.Schaur, Berg am Laim, St.Michael, Fassadenprojekt, Kupferstich. Links unten: Maßstab; Bezeichnet rechts unten: F.S.Schaur fe. Mon.

107 Loers, S.74ff.

108 Lieb 1982, S.75 und 212.

109 Stalla, S.36ff.

110 München, Stadtarchiv, Berg am Laim, St.Michael, Fassadenprojekt, Kupferstich. Bezeichnet links oben: S:Michaelis Erzbruderschaffts/Kirch in Josephsburg nechst/München aD: 1741; links unten: Name des Stechers unleserlich , da Papier an dieser Stelle beschnitten.

111 V.Loers, St.Michael in Berg am Laim, in: Münchens Kirchen, München 1973, S.175.

112 Stalla, S.41f.

113 Die alte Kapelle war zumindest noch bis 1745 in Verwendung.
Loers, S.85.

114 In der am Stich eingetragenen Raumbezeichnung dient die "vorige Capell zur aufnahm der Brüder u: Schwester". Im "neuen Kirchen Grund" sind im Altarraum "Platz u: Stüehl für die H.H. Consultores" und im Obergeschoß daneben "Oratorien vor Füsten Persohnen" vorgesehen.

115 Siehe Anmerkung 8.

116 Die im Aufriß gerade geführte Portalzone ist im Grundriß konkav vorschwingend dargestellt; die polygonal vorspringende Kirchenfront ragt im Grundriß um Pilasterbreite aus der Flucht der Seitenflügel hervor, in die sie in der Fassadenansicht direkt eingebunden ist.

117 Fasz.Berg am Laim, EOAM.

118 Brief C.von Unertls an den Bischof Johann Theodor vom 5.Mai 1738:
"[...] so hat derselbe (Würnzl) abermahlen disen samblungszötl de dato 2t april dises Jahrs [...] in truckh gegeben, und solche sowohl alhier, als anderer Ohrten ausgesendtet [...]."

Fasz. Berg am Laim, EOAM.

119 Dempf, S.175f; Original verbrannt.

120 Maurerakt 1731-1769, Staatsarchiv für Oberbayern in München. [nach N.Lieb, Münchner Barockbaumeister, München 1941, S.108.].

121 "Ausständt zum Kirchen Bau S.Michaelis in Josephsburg verfaßt am 16.März 1739:
"[...] Dem Herrn Fischer Maurermeister for Rihs und anderer bemuhung [...]"
."
Dempf, S.176; Original verbrannt.

122 Der Plan ist im Original auf einem Papierbogen gemeinsam mit dem Grundriß einer nicht näher bezeichneten Kirche abgebildet.

123 Stalla, S.27.

124 Dem zwischen Würnzl und Köglsperger geschlossenem Vertrag zur Übernahme des Baues in Berg am Laim vom 4.Februar 1738 war ein Zettel beigelegt: "Dieser Köglsperg Contrakt ist nicht obrikeitlich mithin unkräftig, auch der Riss erst lang danach extradiert."
Dempf, S.174; Original verbrannt.

125 Brief Würnzls an den Kurfürsten nach Köln vom 7.7.1739.
"[...] bey solch bekanter Beschaffenheit nach schon hoch sich erschwungenen Gebäu so unthunlich als höchst schädlich were, den Bau im mundiste einzustellen, weillen hierdurch die Benefactores endlich gar abgetriben und dahin veranlasst werden zu sagen [...] das das [...] Schreiben keineswegs der Wahrheit conform seye und das allen Ansehen nach aus disem Bau garnichts mehr werde [...]"

Dempf, S.178; Original verbrannt.

126 Dempf, S.177; Original verbrannt.

127 Dempf, S.178f; Original verbrannt.

128 Fischer hat mit Cuvilliés bereits bei der inneren Ausgestaltung der Stiftskirche Diessen harmonisch zusammengearbeitet.
Dazu: D.Dietrich, Fischer in Diessen, in: Ausstellungskatalog, Johann Michael Fischer, 1692-1766, Rathaus Burglengenfeld, Burglengenfeld 1995, S.183ff.

129 Lieb 1982, S.12ff.

130 J.B.Fischer von Erlach, Entwurff einer historischen Architectur, Wien 1721;
B.Vittone (Hrsg.), G.Guarini, Architettura civile del Padre Guarino Guarini cherico regolare. Opera posthuma, Turin 1737.

131 Stalla, S.181.

132 Stalla, S.183ff.

133 Stalla, S.185.

134 Siehe Anmerkungen 8 und 89.

135 J.B.Fischer von Erlach, Entwurff einer historischen Architectur, Viertes Buch, Einige Gebäude von des Autoris Erfindung und Zeichnung, Tafeln IX-XI, Wien 1721.

136 Dazu: Franz Peter, Fischers Bauwerke, in: Ausstellungskatalog, Johann Michael Fischer, 1692-1766, Rathaus Burglengenfeld, Burglengenfeld 1995, S.49ff.


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