Beispiel: ...naturamque novat. Nam ponit in ordine pennas... (Ovid: T 10; Vers 7) Beispiel Mittelzaesur: ...ut clivo crevisse putes. Sic rustica quondam... (Ovid; T 10; Vers 9) Metapher: Eine häufige rhetorische Figur, die für bildhafte Aussagen benutzt wird. Wörter
werden dabei nicht in ihrer eigentlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung verwendet und dienen der genaueren Veranschaulichung eines Sachverhaltes. Die Metapher ist zwar eng mit dem Vergleich verwandt, doch sind sie nicht dasselbe Stilmittel, da in der Metapher nie Vergleichswörter (so-wie) aufreten. Beispiel im Deutschen: Achill kämpfte in der Schlacht wie ein Löwe (Vergleich). Achill war ein Löwe in der Schlacht (Metapher). Beispiel: ...Nam ponit in ordine pennas, a minima coeptas, longam breviore sequente, ut clivo crevisse putes. ... (Ovid; T 10; Vers 9)
Muster zur Deutung der sprachlichen Stilmittel
Ovid erzählt in seiner Metamorphose von Orpheus und Eurydike über deren unglücklich endenden Heiratsversuch und unterstützt dies durch zahlreiche Stilmittel. Diese will ich im folgenden benennen. Zunächst lässt sich feststellen, dass der zehn Verse umfassende Ausschnitt sechs Enjambements enthält. Das deutet darauf hin, dass der Text schnell voranschreitet und seine Handlung besonders aktionsreich ist. Titelfigur Orpheus tritt jedoch erst in Vers 3 auf, ist zu keinem Zeitpunkt Handlungsträger und kann die Ereignisse nicht beeinflussen. Somit wird Orpheus vom Unglück hilflos überrannt.
Im ersten Vers treten gleich zwei Hyperbata auf, bei dem das eine das andere umschliesst. inmensum...aethera (mit Zeilensprung) umschliesst das Hyperbaton croceo... amictu. Dies ist ein Bild dafür, dass die unermeßliche Weite der Lüfte das safranfarbene Gewand umhüllt. Das Polyptoton (voce vocatur) in Vers 3 verdeutlicht erneut die Hilflosigkeit Orpheus, da er auf die göttliche Hilfe von Hymenaeus in Bezug auf seine Heirat angewiesen ist, der diese abzusegnen hat. In Vers 4 wird am Satzanfang dem Subjekt (ille) ungewöhnlicherweise das Verb (adfuit) vorangestellt, was einerseits betont, dass Hymenaeus zwar anwesend ist, andererseits wird jedoch durch das Tricolon mit nec zum Ausdruck gebracht, dass die damit
normalerweise verbundene Heirat nicht eintritt. Das Tricolon verneint hier drei positive äußerliche Merkmale einer Hochzeit, wobei dies durch die vertauschte Stellung von Subjekt und Adjektiv (sollemnia verba, laetos vultus, felix omen) verstärkt wird. Schon jetzt weiß der Leser über den unglücklichen Hochzeitsausgang Bescheid, ohne die weitere Handlung zu kennen, da Hymenaeus ein Symbol für die Hochzeit darstellt. Die Hyperbata werden im Verlauf des Textes stärker, da die Liebenden immer weiter auseinanderrücken (Steigerung von croceo...amictu, ein Wort umschliessend, zu nupta...nova, drei Worte umschliessend + Enjambement).
Alle Stilmittel lassen schon zu Beginn des Abschnittes darauf schließen, dass die von Orpheus gewollte, jedoch von Hymenaeus nicht abgesegnete Hochzeit mit Eurydike nicht zustande kommt.
Arbeit zitieren:
Daniel Milewski, 2001, Stilmittel im Lateinischen, München, GRIN Verlag GmbH
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