Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand der sozialen Ordnung bei Erving Goffman 4
2. Goffmans Definition von Ritualen. 4
3. Das bestätigende Ritual. 5
3.1. Nüchterne, zufällige und zeremonielle Kontakte. 5
3.2. Positive interpersonale Riten am Bsp. des „Grüssens“ 6
3.2.1. Grüße im Vorbeigehen und Überraschungsbegrüßungen. 6
3.2.2. Mit einer Begegnung verknüpfte Begrüßungen. 7
3.2.3. Abschiedskundgabe als bestätigendes Ritual. 7
3.3. Das Zugänglichkeitsritual. 8
3.3.1. Veränderung der Zugänglichkeiten. 8
3.3.2. Zugänglichkeitszeremonien ausgedehnter Art in Relation zu Zeremonien
in Privatwohnungen. 8
3.4. Das Aufrechterhaltungsritual. 9
3.5. Das Ratifizierungsritual. 9
3.6. Kurzresümee: Bestätigender Austausch. 9
4. Begrifflichkeiten des korrektiven Austausches. 10
4.1. Die Norm. 10
4.2. Die soziale Kontrolle. 11
4.3. Korrektives Handeln. 12
4.4. Der Dialog. 12
5. Struktur des korrektiven Austausches. 13
5.1. Variationen über strukturelle Themen. 15
5.2. Überlagerungen im korrektiven Austausch. 17
5.3. Betrachtungen zur Interaktionsstruktur. 17
5.4. Kurzresümee: Korrektiver Austausch. 19
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6. Stellungnahme........................................................................................................ S. 20
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1. Gegenstand der sozialen Ordnung bei Erving Goffman
Der Untersuchungsgegenstand der Mikrostudien von Erving Goffman mit dem Titel „Das Individuum im öffentlichen Austausch“, erschienen erstmals im Jahre 1979, umfasst den Handlungsbereich der durch Interaktion von Angesicht zu Angesicht durch kommunikative Normen organisiert wird.
Als ein spezifisches Problem werden dabei Beziehungen zwischen einem Element der sozialen Struktur, nämlich den sozialen Beziehungen, und dem öffentlichen Leben dargestellt. Vordergründig betrachtet Goffman somit die Aspekte sozialer Beziehungen. Die sich dabei darstellenden unterschiedlich funktionierenden Verhaltensmuster sind mit Grundregeln verknüpfte Routinehandlungen, die in ihrer Gesamtheit eine „soziale Ordnung“ darlegen. Weiterhin werden Bedingungen und Einschränkungen und die damit verbundenen „Anpassungsstrukturen“ untersucht. Die Normen und Praktiken von Teilnehmern von bestimmten Handlungen nehmen einen weiteren Teil der Betrachtungen Goffmans ein. Der Autor legt dar, daß keine Gesellschaft vorstellbar ist, die nicht in umfassender Weise unterschiedliche Gruppen von Grundregeln anwendet. Das Interesse Goffmans gilt jenen Grundregeln und Verhaltensregulierungen, die im Bereich des öffentlichen Lebens wirksam sind, also bei Personen, die zusammentreffen, und Orten und Situationen, die Schauplatz solcher Kontakte von Angesicht zu Angesicht sind. Anhand dessen läßt sich erschließen, daß der spezielle Untersuchungsgegenstand Goffmans sich auf die „öffentliche Ordnung“ bezieht. Unser Anliegen ist es hierbei besonders auf die bestättigenden Austäusche bzw. Rituale einzugehen, wobei wir uns den Weg dorthin mit Begriffen die Goffman definiert beschäftigen. 2. Goffmans Definitionen von Ritualen
Goffman definiert das Ritual als mechanische, konventionalisierte Handlung, durch die sich ein Individuum seinen Respekt und seine Ehrerbietung für ein Objekt von höchstem Wert gegenüber diesem Objekt oder seinem Stellvertreter bezeugt. Weiterhin macht Goffman die Unterscheidung in negative und positive Rituale. Negative Rituale sind Verbote, Vermeidungen und das Fernbleiben. Positive Rituale sind Verhaltensweisen bei denen durch ein Opfer Ehrerbietung erzeugt wird. Außerdem zählen die Bestätigung und Bekräftigung von sozialen Beziehungen zu den positiven Ritualen. Desweiteren werden Rituale in obligatorische bzw. interpersonale Riten unerschieden. Sie umfassen Rituale von Höflichkeit und beinhalten die wohlmeinende Absicht von seiten des Ausführenden. Daraus ergibt sich ein dialogischer Charakter. Das heißt, wenn ein Individuum einem anderen etwas Höfliches entgegenbringt, wird wiederum in irgendeiner Form Dankbarkeit erwartet. Ein Akt des Gebens fordert einen Akt der Dankbarkeit. Diese beiden Schritte -Geben und Dankbarkeitbilden eine kleine Zeremonie. Goffman nennt diese Zeremonie einen Bestätigenden Austausch. Zu den negativen Ritualen äußert Goffman, daß diese sich auch in Dialogform zeigen können. Dabei geht er davon aus, daß die übliche Höflichkeit oder Rücksichtnahme in der Regel keine Erwiderung erfordert. Wenn es allerdings zur Regelverletzung kommt ist ein Dialog erforderlich, denn der, der gegen die Regeln verstößt muss Erklärungen darüber abgeben, die sogenannten korrektiven Erklärungen, um den Betroffenen zufrieden zu stellen.
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Goffman nennt diesen Vorgang den Korrektiven Austausch. Beide Formen des Austausches, korrektiver und bestätigender Austausch, gehören zu den am stärksten konventionalisierten und mechanisch ablaufenden Handlungen, die man in der Interaktion vollzieht. Im folgenden soll beschrieben werden, in welchen Formen sich der Bestätigende und der Korrektive Austausch äußern, dazu werden anschauliche Beispiele aus dem Alltag zur Hilfe genommen. Desweiteren soll auf den Zusammenhang zwischen den Austauschformen und den Arten von Ritualen, die Goffman unterscheidet, eingegangen werden. Der Schlussteil dieser Arbeit konzentriert sich auf die Schlussfolgerungen, die Goffman aus seinen Studien zieht und die mögliche Kritik die daraus folgert.
3. Das bestätigende Ritual
Das positive bzw. interpersonelle Ritual wird als bestätigendes Ritual bezeichnet, es ist wichtig für Personen, die sich kennen oder in Beziehungen zwischen Personen im weitesten Sinne. Die Ritualisierung der identifikatorischen Sympathie bezeichnet den Vorgang in dem die Bedürfnisse, Wünsche und Erfahrungen eines Individuums einem anderen Individuum (zudem eine Beziehung besteht) Anhaltspunkte für rituelle Gesten, wie z.B. ein
Entgegenkommen, eine Berührung oder eine Bemühung etc. geben. Man nennt diesen Vorgang auch „Putzsprechen“ oder „grooming talk“. Es beinhaltet eine Erkundigung über das Wohlbefinden, wie z.B. ein Film über die vergangene Urlaubsreise usw.. Des weiteren gehören hierzu Rituale zwischen Personen, die sich nicht kennen, wie z.B. Auskünfte über den gesuchten Weg oder die Zeit. In der identifikatorischen Sympathie werden Uneigennützlichkeiten, Höflichkeiten und kleine Gefälligkeiten ausgetauscht. Ein vergleichbares Verhaltensmuster zeigt sich bei Eltern gegenüber ihren Kindern. Der bestätigende Austausch ist somit die Bestätigung gesellschaftlicher Beziehungen, die auf verschiedene Weise durchführbar ist.
Um im Folgenden die unterschiedlichen Rituale aufzuzeigen, ist es notwendig den Begriff des sozialen Kontakts näher zu erläutern. Der soziale Kontakt entsteht, wenn sich Individuen gleichzeitig aneinander wenden mit gleichzeitiger Erkennung. Die Charakteristik besteht in der Orientierung von Angesicht zu Angesicht, wenn es anschließend zum Austausch von Wörtern kommt. Marginale und abgeleitete Formen bestehen darin eine gemeinsame Tätigkeit, ohne wechselseitige Orientierung auszuführen, wie z.B. ein zufälliges Treffen der Blicke zweier Individuen oder der körperliche Kontakt ohne soziale Beziehung. Das heißt, zu den Voraussetzungen für den Vollzug bestätigender Rituale gehört also, daß Gebender und Empfänger von Angesicht zu Angesicht Kontakt miteinander haben und diesen auch vermitteln.
3.1. Nüchterne, zufällige und zeremonielle Kontakte
Nach Goffman gibt es drei Umstände bei denen es zu Kontakten und zu der Möglichkeit eines bestätigenden Rituals kommt:
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a) Nüchterner oder nicht zeremonieller Grund eines Kontakts ist z. B. eine berufliche oder geschäftliche Tätigkeit. Hierbei können bestätigende Rituale ausgeübt werden, sie treten jedoch nicht zwingend auf.
b) Die zufälligen Kontakte, wie z.B. die gleichzeitige Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln usw. oder das sich über den Weg laufen etc. können auch bestätigende Rituale zur Folge haben.
c) Die zeremoniellen Kontakte, wie eine Hochzeit, eine Beerdigung oder eine Taufe geben die Möglichkeit eines bestätigenden Rituals.
Jeder Kontakt zieht die Möglichkeit eines bestätigenden Austausches nach sich, wenn gleichzeitig eine der anderen beiden Grundlagen (Beruf / Zufall) existiert. Die Kontakte unterliegen der Wahrscheinlichkeit und der Häufigkeit. Ist der Grad dieser Faktoren relativ hoch ergibt sich eine rituelle Bestätigung der Beziehung der Partizipanten, die sich dem sonstigen bestätigenden Austausch anpasst. Das gegenseitige Verhältnis ändert sich wahrscheinlich mit der Änderung des Schauplatzes oder durch eine andere Veränderung in der Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit des Aufeinandertreffens. 3.2. Positve interpersonelle Riten am Bsp. „Grüssen“
Goffman wählt zur Erklärung der positiven interpersonellen Riten das Grüßen in der amerikanischen Mittelschicht. Seine Auswahl bezieht sich auf eine Reihe von Verhaltenskundgaben. Begrüßungsformen sind z.B. die Annährung zweier Personen, die frontale gegenseitige Orientierung, der Blickkontakt, die soziale Anerkennung durch Lächeln, das Winken oder andere Beschwichtigungsgebärden, die verbale Begrüßung mit einer Form der Anrede, unter Umständen eine Umarmung, das Hände schütteln, ein Kuss oder andere Formen des körperlichen Kontakts. Bei verschiedenen Grußformen kann auch ein Rangunterschied markiert bzw. bekräftigt werden, der Rangniedrige grüßt dann zuerst, wie z.B. beim Militär.
Bei der Begrüßung zwischen Fremden gibt es das Element des „sich zu nickens“, welches Aggressionsverzicht signalisiert. Ein Beispiel hierfür ist, wenn Personen durch einen schmalen Gang gehen, zu dessen Passieren gegenseitiges Vertrauen und Kooperation erforderlich ist.
Grüßen kann auch ein Ritual der Situationseinschätzung sein, wenn jemand einen Freund grüßt und dieser grüßt nicht zurück, ist das ein Signal dafür, daß etwas nicht in Ordnung zu sein scheint.
3.2.1. Grüße im Vorbeigehen und Überraschungsbegrüßungen
Zwischen zwei Bekannten, die sich durch ihre Alltagshandlung begegnen, ohne sich wirklich zu kennen vollzieht sich das Grüssen im Vorbeigehen, ohne das die eigentliche Handlung des einzelnen unterbrochen wird. Dahinter steht die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts. Eine Realisierung des feststehenden Kontakts wird so produziert. Bei den Überraschungsbegrüßungen dagegen verläuft die Begrüßung eines unerwarteten Treffens von sich bekannten Personen ausgiebiger und führt meist zu einer Unterbrechung der Tätigkeiten, die die Partizipanten bis dato ausführten. Außerdem zeigen sich bei dieser
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Arbeit zitieren:
Ramona Rieck, 2001, Zu: Erving Goffman - Das Individuum im öffentlichen Austausch - Eine Auseinandersetzung mit dem Ritualbegriff, München, GRIN Verlag GmbH
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