Goethe beim Anblick des Straßburger Münsters
Als ich das erstemal nach dem Münster ging, hatt' ich den Kopf voll allgemeiner Erkenntnis guten Geschmacks. Auf Hörensagen ehrt' ich die Harmonie der Massen, die Reinheit der Formen, war ein abgesagter Feind der verworrnen Willkürlichkeiten gotischer Verzierungen. Unter der Rubrik Gotisch, gleich dem Artikel eines Wörterbuchs, häufte ich alle synonymische Mißverständnisse, die mir von Unbestimmtem, Ungeordnetem, Unnatürlichem, Zusammengestoppeltem, Aufgeflicktem, Überladenem jemals durch den Kopf gezogen waren. Und so graute mir's im Gehen vorm Anblick eines mißgeformten krausborstigen Ungeheuers.
Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat! Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonierenden Einzelheiten bestand, ich wohl schmecken und genießen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte. Sie sagen, daß es also mit den Freuden des Himmels sei, und wie oft bin ich zurückgekehrt, diese himmlisch-irdische Freude zu genießen. den Riesengeist unsrer älteren Brüder in ihren Werken zu umfassen. Wie oft bin ich zurückgekehrt, von allen Seiten, aus allen Entfernungen, in jedem Lichte des Tags zu schauen seine Würde und Herrlichkeit! Schwer ist's dem Menschengeist, wenn seines Bruders Werk so hoch eh haben ist, daß er nur beugen und anbeten muß. Wie oft hat die Abenddämmerung mein durch forschendes Schauen ermattetes Aug' mit freundlicher Ruhe geletzt, wenn durch sie die unzähligen Teile zu ganzen Massen schmolzen, und nun diese, einfach und groß, vor meiner Seele standen und meine Kraft sich wonnevoll entfaltete, zugleich zu genießen und zu erkennen! Da offenbarte sich mir, in leisen Ahndungen, der Genius des großen Werkmeisters: Was staunst du? lispelt' er mir entgegen. Alle diese Massen waren notwendig, und siehst du sie nicht an allen älteren Kirchen meiner Stadt? Nur ihre willkürliche Größe hab' ich zum stimmenden Verhältnis erhoben. Wie über dem Haupteingang, der zwei kleinere zur Seiten beherrscht, sich der weite Kreis des Fensters öffnet, der dem Schiffe der Kirche antwortet und sonst nur Tageloch war, wie hoch drüber der Glockenplatz die kleineren Fenster forderte! das all war notwendig, und ich bildete es schön. Aber ach, wenn ich durch die düstern, erhabnen Öffnungen hier zur Seite schwebe, die leer und vergebens da zu stehn scheinen. In ihre kühne schlanke Gestalt hab' ich die geheimnisvollen Kräfte verborgen, die jene beiden Türme hoch in die Luft heben sollten, deren, ach, nur einer traurig da steht, ohne den fünfgetürmten Hauptschmuck, den ich ihm bestimmte, daß ihm und seinem königlichen Bruder die Provinzen umher huldigten. Und so schied er von mir, und ich versank in teilnehmende' Traurigkeit. Bis die Vögel des Morgens, die in seinen tausend Öffnungen wohnen, der Sonne entgegenjauchzten und mich aus dem Schlummer weckten. Wie frisch leuchtet' er im Morgenduftglanz mir entgegen, wie froh konnt' ich ihm meine Arme entgegenstrecken, schauen die großen harmonischen Massen, zu unzählig kleinen Teilen belebt, wie in Werken der ewigen Natur, bis aufs geringste Zäserchen, alles Gestalt, und alles zweckend zum Ganzen; wie das festgegründete, ungeheure Gebäude sich leicht in die Luft hebt, wie durchbrochen alles und doch für die Ewigkeit. Deinem Unterricht dank' ich's, Genius, daß mir's nicht mehr schwindelt an deinen Tiefen, daß in meine Seele ein Tropfen sich senkt der Wonnen des Geistes, der auf solch eine Schöpfung herabschauen und gottgleich sprechend kann: Es ist gut!
Baugeschichte
Ansicht des Münsters: nach H. Schedel (1493)
Die älteste Stadtansicht Straßburgs gibt die in Nürnberg 1493 erschienene „Weltchonik“ des Hartmann Schechel. Sie zeigt den nächsten Münsterbau, um den eng gedrängte Häuser stehen.
Heute weiß man nicht, ob die erste christliche Kirche an der Stelle des Münsters stand. Sicher ist nur, dass der Münsterbereich schon in sehr früher Zeit besiedelt war (Grabungen ergeben die Erkenntnis).
Die ersten Kathedrale bestand nach Abbre Grandidier (1782) nicht aus Stein, sondern aus vergänglichem Material. Sie wurde 504 begonnen und 510 vollendet. Doch die ersten Erwähnungen einer Marinenkirche in Straßburg befindet sich in einer bischöfischen Urkunde aus dem Jahre 728.
Aus einer Chronik Ermolds des Schwarzen 826 läßt sich schlissen, dass die karolingische Basilika zwei sich gegenüber liegende Apsiden besaß, also doppelchörig war. Eine Asis im Osten und eine im Westen. 1001 wurde Werner, einer der Begründer der habsburgerischen Dynastie Bischof von Straßburg. Werner beauftragte nach einer furchtbaren Brandkatastrophe 1007 einen vollständigen Neubau der Kathedrale.
Die 1050 vollendete neue dreischiffige Basilika besaß ein langes flaches Schiff. Im Osten folgte ein weit ausladendes Querhaus. Vom Chor ist die Grundrißposition beibehalten worden. Doch über die Anordnung der Westfasade des 11 jh. Ist die kunstgeschichtliche Forschung noch zu keiner Einigung gekommen. Es stellt sich immer noch die Frage, ob Eingangsfront einen oder zwei Türme hatte. Die Frage ist wichtig weil sie uns über die Entstehung der Ausbreitung des Typs der Doppelturmfasade im Oberin Auskunft geben würde.
Am Ende des 11.Jh. fand eine Verlängerung nach Westen des Chorhauses statt, der zu klein wurde.
Durch den Erlaß um 1200 in der Kunstgeschichte, der die literarisch und künstlerische Produktion gestattete, standen den für die Kathedrale arbeitenden Künstlern alle Mittel zur Verfügung. So kamen die neusten Ideen und revolutionärsten Formen zur Anwendung. Französische Werkstätten arbeiteten am Querhaus, es entstand der Leltner ( ) und schließlich wurde der Bau eines neuen Langhauses in Angriff genommen 1277 erfolgte die Grundlegung der Fassade, anstelle des Westbaus. Diese von Bischof Konrad von Lichtenberg veranlaßte Neubau der Fassade, zählt zu den größten Schöpfungen gotischer Architektur. Dank einer Bauhütte (heute Museum), die die Kathedrale verwaltet hat, haben sich bis heute Pläne (Grundrisse, Aufrisse) erhalten,die die Architekten seit den Baubeginn der Fassade für das Münster geschaffen haben.
1216 wurde im östlichen Nordseitenschiff die Marinenkapelle errichtet und 1340 die Katharinenkappele, die sich an die beiden östlichen Joche des südlichen Seitenschiffs anlehnt. Diese wurde mit prächtigen Glasmalereien ausgestattet. 1365 war die Westfasade mit beiden Türmen bis zur heutigen Plattform gebaut, wo Michael von Freiburg das Glockengeschoß in den Jahren 1386-1388 errichtete. 1488 erhielten die Wände im Innern durch Renovierungen Malereien. Im gleichen Jahr entstand unter der Leitung von Hans Hammer die Schatzkammer am südlichen Seitenschiff, der auch 1515 den Bau der Marinenkapelle (heute Laurentiuskapelle) begann.
Durch die Umwälzungen der Reformation wurden zahlreiche Altäre im Münster zerstört und erst 1681 der ganze Kirchenbau der Katholiken zurückgegeben. Während der protestantischen Zeit wurde das Bauwerk weiterhin gepflegt und verschönert.
1571 ging man an die Fertigstellung einer astronomischen Uhr, die sich als einziges Zeugnis der Reformation im Innern des Münsters erhalten hat.
Vom Ende des 19. Jh. Erfolgten keine wesentlichen Veränderungen im Innern. Erst 1844 begannen die umfassenden Arbeiten der Re-Renovierung des Münsters durch Gustav Klotz. Seine letzte und größte Veränderung des Außenbaus war der Vierungsturm, den er in romanischen Formen errichtete. Die französische Revolution hat dem Bau unermeßlich Schaden zugefügt (300 Figuren zerstört) Erst 1801 konnte die Kathedrale wieder für den Gottesdienst zurückgewonnen werden.
Im Verlauf des 20.Jh. ist die Geschichte der Erhaltung der Kathedrale gleichzeitig die Geschichte ihrer Erhaltung und Renovierung. (in Zusammenarbeit von Denkmal und Münsterbauhütten) 1903 senkten sich die Fundamente des nördlichen Fasadenturms, welche unterfangen werden mußten.
Im 2. Weltkrieg wurden keine wesentlichen Bauteile zerstört. Zu Kriegsbeginn waren die farbigen Glasfenster und Skulpturen gebrochen worden. Seit 1945 erfolgten Restaurierungen, vor allem an der Westfasade, am Laurentiusportal und in der Laurentiuskapelle.
Die Architektur
Grundriß der heutigen Kathedrale
Der Grundriß der heutigen Kathedrale bildet in großen Zügen die Form eines lateinischen Kreuzes. Das dreischiffige Langhaus ist in sieben Joche unterteilt. Im Osten schließt an das Langhaus ein ausladendes Querhaus an, dessen Flügel jeweils durch einen Mittelpfeiler in vier Joche aufgeteilt werden. In der nördlichen Querhausfront öffnet sich ein Portal. In der südlichen zwei Portal. Die Vierung wird zu jedem Querhausarm hin durch eine Doppelarkade abgetrennt. Die nahezu halbkreisförmige Apsis, außen rechteckig ummantelt, schließt direkt an die Vierung an. Im Westen endet das Schiff in einem mächtigen, dreijochigen Fassadenmassiv mit gewaltigen Strebepfeiler. Drei Portale öffnen sich in der Westwand, entsprechen den drei Schiffen des Langhauses.
Die Längsachse des Münsters ist nicht genug geostet: sie verläuft von Südwesten nach Südosten.
Beim Betreten des Innenraums beeindruckt das Langhaus durch die Schönheit seiner Proportionen und die Durchsichtigkeit der einzelnen Joche. Im Gegensatz dazu steht der Chor, der schwer und massig wirkt. Diese Wirkung wird noch gesteigert durch die sechs wuchtigen Pfeiler der Vierung. Während im Langhaus das Licht in großer Fülle einströmt, dringt es in Chor und Vierung nur durch wenige, aus Mauermassen geschnittene Öffnungen. Doppelarkaden seitlich der
Vierung, im Norden und im Süden, gliedern das Querhaus in drei selbständige Raumteile.
Am Außenbau erscheint die Gliederung der einzelnen Bauteile um vieles klarer: die elegante und leichte Architektur des Westbaus und des allein ausgeführten nördlichen Fassadenturmes steht im Gegensatz zu den schweren Formen des Querhauses. Zwischen diesen beiden architektonischen Welten erstreckt sich das Langhaus in wiederum andersartiger strenger Gliederung. Es steht in der Klarheit des Aufbaues zwischen den Ostteilen, an denen Versuche, Unsicherheiten und Planungen erkennbar sind, und der großartig geschlossenen Westfront.
In der Krypta haben sich die ältesten Teile des Bauwerkes erhalten. Der Westbau entstand, abgesehen von kleineren späteren Anbauten, als letzter Bauteil. Bei der Beschreibung des Straßburger Münsters folge ich von innen nach außen gehend, der Chronologischen Abfolge des Bauvorgangs, von Osten nach Westen, wobei ich alle späteren An-und Einbauten gesondert aufführen werde. Der Innenbau
Die Krypta
Die Krypta besteht aus zwei Teilen, die sich zeitlich und stilistisch unterscheiden. Der älteste Ostteil befindet sich genau unter der Apsis (Grundriß Nr. 1) Zwei quadratische Joche bilden das Mittelschiff, dem im Seitenschiff je eine längsrechteckiges und im Viertelkreis endigendes Joch zugeordnet sind: Im Mittelschiff wechseln keutzförmige Pfeiler mit Säulen. Die Säulen stehen auf attischen Basen über niedrigen Sockelplatten.
Die Mittelschiffwölbung besteht aus einer Tonne mit leichten Stichkappen auf der Nord- und Südseite. Über den Seitenschiffen ruhen Kreuzgratgewölbe, die an den Außenwänden auf Kämpfern ansetzen.
Die Oberfläche ist häufig mit Zielschlag versehen, eine für das 11. Jahrhundert charakteristische ornamentale Steinbearbeitung.
Der dreischiffige westliche Kryptenteil ist Kreuzgewölbt (Grundriß Nr.2). Da die Straßburg Kämpferblatten sind im Vergleich zu anderen Kathedralen reicher profiliert. Dies deutet darauf, dass die Straßburger Westkrypta noch im 11. Jh. Entstanden sein muß.
Chor und Querhaus
Im Querhaus werden die stilistischen Strömungen des späten 12. Jh. Und des frühen 13. Jh. in einzigartiger Weise sichtbar, die Kunst der Hohenstaufenzeit wie die genialen Leistungen der modernen Gotig. Das Querhaus wurde durch neue Meister
weitergeführt, die moderne, französisch- gotische Gedanken in ihren Umladungen verwirklichten.
Der Meister der Andreaskapelle, des Chores und des Querhauses Der Stil des Meisters ist besonders einheitlich, was sich in der Kapitellornamentk und an den Basis Säulen zeigt. Sein Erfindungsgeist wird erkennbar in der Anlage der Vierungakuppel und der Gestaltung des Chorinnern.
Er beginnt seiner Tätigkeit mit der Andreaskapelle (7). Die durch vier Stützen ihn neun quadratische Joche unterteilte Kapelle wird zum Teil von Kreuzgratgewölben, zum Teil von Kreuzrippengewölben überdeckt. Die Säulen stehen auf attischen Basen Ecksporen, die die Form eines Eulenkopfes mit großen Augen haben. Den Kapitellschmuck bildet flacher Blattering, aus dem unter jeder Seite der Deckplatte zwei Volluden mit diamantierten Stäben sich hochrollen. Der gleiche Kapitelltypus erscheint wieder im Chor und in der Vierung. Hier aber aber den gewaltigen Dimensionen dieser Bauteile angepaßt. Der Meister der Andreaskappele, der 1190 die Gesamtbauleitung übernahm, wollte das Innere des Wernher- Chores verändern. Den Halbgreis verwandelte er in ein fünfseitiges Polygon mit Vorgesetzten Spitzbogenblenden, die aufs reichste mit Zickzack- und Rundbogenornamenten ausgesetzt sind.
Beim Ausbau der Vierung betont der Meister die Grenzen des Sanktuariums, indem er im Norden und Süden der Vierung zwei gigantische Doppelarkaden errichtete. Dadurch besteht das Querhaus nun aus drei selbständigen Räumen.
Der Meister des Nordquerhauses: (Grundriß Nr. 4)
Nach Hochführung der der oberen Teile an West- und Ostwand des Nordquerhauses entstand die nördliche Frontmauer, wohl unter Mitbenutzung älterer Fundamente und vielleicht sogar aufgehenden Mauerwerks, das ein einziges mittleres Portal vorsah. Im Innern flankieren zwei dreibogige Nischen als Portal. Die Obermauer wird durch zwei großen spitzbogige Fenstern und zwei Radfenstern. Dieser Meister errichtete die ersten Rippengewölbe im Querhaus über den durch den Mittelfeiler bedingten vier Jochen.
Der Meister des Südquerhauses und der Jahanneskapelle: (Grundriß Nr. 9)
Im Mittelalter werden häufig neue Formen ohne Rücksicht auf Bestehendes an einem Bauwerk eingeführt. Aber nirgends außer in Straßburg geschieht das in so erregender und abrupter Weise. Von 1176 an standen die Baumeister des Münsters eng in den alten Traditionen. Nun erscheinen plötzlich Formen von bisher völlig unbekannter Konzeption. Ein radikaler Bruch mit der Tradition wird spürbar, ein neuer Geist formt und verlebendigt den Bau in neuartiger Schönheit. Alle baukünstlerischen Probleme lösen sich nun fast mühelos durch die neue Kunst der Gotik. Die erste Arbeit des neuen Meisters war sicher der Ausenbau der oberen Geschosse an Ost- und Westmauer des Südschiffs. (8)
Gleichzeitig errichtete er die Querhausfassade und vor allem den Mittelpfeiler, der die Gurtbögen und Rippen des Gewölbes aufnimmt. Dieses Werk stellt eine der geistreichsten Lösungen gotischer Architektur dar. Den Pfeiler formte er nach dem Vorbild der Kathedrale von Chatres: dem Kern ordnen sich vier schwache Dienste abwechselnd zu. Dem alternierenden Rhythmus entsprechen die Gewölbeglieder, die starken Gurtbögen und die leichteren Rippen. Vom selben Meister stammt die östlich ans Nordquerhaus anschließende Johanneskapelle, (Grundriß Nr.6 )deren vier Stützen aus zwei Säulen und aus zwei Bündelpfeilern mit je vier Diensten gebildet sind.
Die Stützen erscheinen wieder im Obergeschoß der Johanneskapelle, dem Kapitelsaal (6), mit noch reicherer Ausbildung pflanzlicher Motive. Die pflanzlichen Motive bilden oft nur eine Ergänzung zu den menschlichen Figuren, die nun plötzlich an allen Teilen dieses Bauabschnittes vorkommen.
Trotz einiger grundlegenden Untersuchungen ist es auch heute immer noch nicht geklärt, von wo diese Werkstatt und dieser gotische Meister gekommen sind
Das Langhaus
Ein zweiter gotischer Einflußstrom zeigt sich in der Strassburger Kathedrale gegen 1240. Das Langhaus wurde in den entwickelten Formen der französischen Hochgotik neu errichtet. Der neue gotische Meister war an zwei Tatsachen gebunden, die die Proportionen seines neuen Schiffes bestimmten: an die Pfeiler und Mauerfundamente des abgerissenen Wernherhauses. Sie dienten als Fundamente seines neuen Langhauses, der Vierungsbogen bedingte die Breite des Mittelschiffs. Es läßt sich in den Querschnitt des Langhauses ein gleichseitiges Dreieck zeichnen, vom Fußpunkt der Seitenschiffaußenwände zum Scheitel des Mittelschiffgewölbes. Die Langhausbreite beträgt 36 Meter und die Mittelschffhöhe 32 Meter.
Der Aufriß der Mittelschiffwände ist dreigeschossig. Die Seitenschiffwände zeigen weite Fensteröffnungen über einer Blendarkaden verkleideten Sockelzone. Der Grundriß der Pfeiler spiegelt die Kompliziertheit der Struktur und der Formen des Obergeschosses wieder: der gestufte Pfeilerkern ist umgeben von 16 Diensten. Die Hauptdienste stützen die Gurtbögen des Gewölbes in Mittel- und Seitenschiff. Vier
weitere Dienste sind Gewölberippen des Mittelschiffs und den Arkadenbögen zugeordnet.
Die Kapitelle sind mit naturalistischen Blattwerk in zwei oder drei Zonen übereinander ausgesetzt. Direckt über den spitzbogigen Arkaden bildet ein Gesims die Basislinie des Triforiums. Vom Basisgesims des Triforiums steigen die Diente der Gewölbeschildbögen auf und fassen damit die beiden oberen Geschosse der Mittelschiffwand zusammen. Dagegen setzen die Dienste der Fe3nsterumrahmung erst über dem Triforium an. Zei große Lanzetten mit einem Sechpass darüber füllen die riesigen Fensteröffnungen im Obergarden.
In den Seitenschiffen sitzen die Dienste abgerückt von den Außenwänden, so dass ein Laufgang über der Sockelarkatur entsteht.
Die Arkadenbögen unter den Fenstern, je sieben in einem Joch werden getragen von Säulen auf einem durchlaufenden Sockel.
Die großen Fenster nehmen fast die ganze Jochbreite ein, begrenzt durch die Dienstbündel.
Die Langhausbreiten, die nicht unbedingt das Werk zweier Meister sein müssen, lassen sich in zwei Abschnitte unterteilen: die drei Ostjoche wurden gegen 1240 begonnen und waren gegen 1250 vollendet, die westlichen Joche waren 1275 fertig.
Der Außenbau
Ostanlage
Die Ostanlage der Kathedrale wird beherrscht von dem
neuromanischen Vierungsturm, den der Architekt
Gustav Klotz entwarf.
Die beiden Querhausfassaden im Norden und Süden zeigen die gleichen Unterschiede zwischen dem Meister des Nordquerhauses und dem ersten gotischen Meister, wie sie im Innern zu beobachten waren.
Das Gewände ist dreifach gestuft, in den Stufen stehen je drei monolithe Dienste. Im zweiten Obergeschoß erden die mit speichenförmigen Säulen ausgesetzten Rundfenster von profilierten Rundbögen gerahmt. Drei Strebepfeiler stützen die Front, deren mittlere, schmalere setzt über dem Portal an. Die Fassade des Südquerhauses ist das Werk des gotischen Meisters. An dieser Fassade werden nun die Fenster erstmals paarweise gruppiert. Der Giebel ist steiler als der der Nordfassade und die Strebepfeiler endigen in kleinen Abdachungen. Zwischen Strebepfeilern und Fassadenwand steigen Treppentürmchen mit kleinen Rechteckfenstern auf als Zugänge zu den beiden Außengalerien. Aufriß und Ausführung zeigt die neue architektonische Welt.
Das Langhaus
Dem Langhaus gibt das Strebewerk eine gewisse Strenge. Massige Strebepfeiler stehen an den Wänden der Seitenschiffe. Sie enden in kleinen Giebelkrönungen. In Höhe der Dachbalustrade auf den Seitenschiffen werden die Strebepfeiler in einer Schräge zurückgeführt und von einer Öffnung durchbrochen. Die Strebebögen sind durchbrochen von einem Vierpass. Die Bögen schwingen über die Seitenschiffe hinweg zum Obergarden und stoßen über einer kleinen Säule an die Obergadenmauer, endigend in einer Fiale. Der Dachstuhl des Seitenschiffes erhält Licht durch Dachgauben des 19. Jh. in Formen der Renaissance.
Der Westbau
Die Westfassade des Strassburgers Münsters ist ein Werk von höchster, kaum zu übertreffender Schönheit. Die Grundsteinlegung erfolgte am 25. Mai 1277 durch Bischof Konrad von Lichtenberg. Der erste Architekt der Fassade (1277-1284)
Ein Fassadenplan, der sogenannte Riß B kam um 1275 nach Straßburg, erschaffen von einem Architekten der mit großen französischen Fassadenlösongen vertraut war.
Der Plan zeigt eine Doppelturmfassade mit einem niedrigen, von einer großen Rose durchbrochenen Mittelteil. Im Erdgeschoß öffnen sich drei wimpergbekrönte Portale, die in drei Schiffen des Langhauses entsprechen.
Der erste Fassadenarchitekt wollte sich eng an den Riß B halten, aber als er seine Pfeiler im Eingangsjoch errichtete, wurde deutlich, daß die Fassadenproportionen im Verhältnis zum Langhaus zu groß waren. Dadurch ergaben sich erhebliche Schwierigkeiten für seine Nachfolger, besonders bei der Anordnung der Rose
Meister Erwin (1284-1318)
Meister Erwin schreibt man die Gliederung im Innern der Westfront und das Rosengeschoß zu. Die Rose ist einer der schönsten Gedanken der Fassade. „Sechzehnblättrig“ ausstrahlend ist die Rose in die glatte Mauer eingeschnitten. Die Zwickel ihrer quadratischen Rahmung füllen spitzenartige Rosetten und lilienbesetzte „Nasen“. Die Rahmung selbst liegt in der Schicht des „Harfen“- Maßwerks der Portalzone. Nach dem Riß B sollte die Rose höherliegend angebracht werden, aber die durch das Untergeschoß vergebenen Proportionen der Fassade machten eine Tieferlegung notwendig.
Das zweite Fassadengeschoß wurde erst nach dem Tot Erwins (1318) durch sein
Sohn Johannes vollendet.
Das dritte Fasadengeschoß (um 1340-1399)
Mit dem dritten Fassadengeschoß (von Meister Gerlach) werden der Riß B und seine Varianten endgültig aufgegeben. Links und rechts bekrönen Wimperge drei Fenster im verschiedenen geformten Maßwerk. Im Mittelteil war man gezwungen, die Differenz zwischen dem oberen Rosenabschluß und den seitlichen Großabschlüssen auszugleichen. An dieser Stelle setzt das Werk eines meister Konrad ein: er entwarf über der Rose eine Galerie mit Apostelfiguren, die der klaren Gliederung in den unteren Geschossen widerspricht.
Auf meister Konrad folgt 1382 Michael von Freiburg. Michael entschloß sich, den Zwischenraum zwischen dem dritten Geschoß der beiden Türme, über der Himmelsfahrtsgalerie, auszufüllen bis zur Höhe der Plattform. Zwei große, von vier Lanzetten unterteilte Fenster öffnen sich in dieser Zone.
Das Oktogon (1399-1419)
1399 wurde der Ulmer und Eßlinger Münsterbaumeister Ulrich von Ensingen nach Straßburg berufen. Seine Pläne bedeuteten ein zurückkehren zu den alten Gedanken einer Turmfassade.
Aus unbekannten Gründen entschloß man sich aber, nur den Nordturm hochzuführen, auf der Südseite endet die Fassade mit der Plattform. Ulrich entwarf einen achteckigen Turm. Zwischen den acht Turmkanten steigen die hohe schlanken Fensteröffnungen auf, unterteilt in zwei Lanzetten, bekrönt von Eselsrücken-Bögen. Ein weiteres Geschoß über einem balustradenumringten Laufgang bildet den Abschluß des Oktogons, das im Innern von einem Netzgewölbe überdeckt wird Der Turmhelm (1419-1439)
Jonas Hülz verlängerte die Treppentürme bis zum Helmansatz und verband sie durch kleine Brücken mit dem Oktogon.Er errichtete dann die achteckige Helmpyramide. Auf jeder Helmrippe sitzen sechs polygonale durchbrochene Türmchen hochgestuft, in denen sich Treppen bis zur Helmspitze hochwinden. Der 1439 vollendete Helm des Staßburger Münsters mit einer Höhe von 142 Meter zählt zu den kühnsten Schöpfungen der späten Gotik in Europa
Die Katharinenkapelle
Um 1340 errichtete man in der Ecke zwischen Südseitenschiff und Südhaus eine hl. Katharinen geweihte Kapelle; sie erstreckt sich entlang zweier Langhausjoche. Auftraggeber war Bischof Bertholt von Bucheck, der ausführliche Architekt war Meister Gerlach.
Der Architekt benutzte den großen Strebepfeiler am Seitenschiff um die Kapelle in vier Joche zu unterteilen und öffnete sie zum Schiff in voller Länge durch sechs Arkafden. In der Südwand öffnete äußerst schlanke Maßwerkfenster. Hohe Dienste mit Birnstabprofilen rhythmisieren die Innenwände. Unter den östlichen Fenstern gliedert eine Arkatur mit drei Nischen Sockelzone. Am Außenbau trennen Strebepfeiler mit Fialenendigungen die Wimpergbekrönten Fenster. Die Wimperge und Filialen wachen vor einer im 15. Jahrhundert von Jakob von Landshut angelegten Balustrade hoch.
Durch den Reichtum und die Neuartigkeit der Formen, der Profilierungen des Maßwerks und des ursprünglichen Gewölbes ist die Katharinenkapelle eine Bedeutsame Leistung für die Ausbildung der deutschen Gotik und der Parlerkunst gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts.
Die Alte St.-Laurentius-Kapelle
Die ehemalige, heute als Sakristei benutzte Kapelle, wird in ihren drei Jochen durch Netzgewölbe mit schwingenden Rippen eingedeckt. Die Schlußsteine sind figürlich skulptiert. Im Osten und Westen wird die Kapelle begrenzt von den Strebepfeilern der nördlichen Querhausfront. Sie ist besonders bedeutsam durch ihre köstliche
Fassade, die ein mittleres Portal rahmt. Zu beiden Seiten des Portals sitzen vierteilige Maßwerkfenster, deren Korbbögen sich unterscheiden und abbrechen, daneben nochmals je ein Blendmaßwerkfenster.
Die Kapelle und ihre Fassade ist das Werk des Jakob von Landshut, erbaut von 1495 bis 1505.Der Reichtum der Außengliederung und die Zeichnung der Gewölbe wirken fast unarchitektonisch: ein prachtvolles Beispiel der „barocke“ Gotik, der Spätgotik in ihrer letzten Phase.
Die Laurentiuskapelle (die ehem. Martinskapelle)
Bischof Wilhelm von Hohenstein ließ als symmetrische Entsprechung der Katharinenkapelle am Nordseitenschiff eine dem hl. Martin geweihte Kapelle 1515 errichten. Der Entwurf wird Hans Hammer zugeschrieben, die Fertigstellung Bernhard Nonnenmacher, dem Meister des Gewölbes in der Katharinenkapelle. Entlang von zwei Seitenschiffjochen sich erstreckend ist die Kapelle in vier Joche unterteilt, überwölbt von einem Netzgewölbe mit acht skulptierten Schlußsteinen. Am Außenbau verstärken fünf Strebepfeiler die Mauern.(Grundriß Nr. 36)
Die Seitenschiffarkaden (Grundriß Nr. 47)
Im 18. Jh. wurden die vielen, um das Münster herumgebauten Verkaufsläden als „gefährlich“ für die Sicherheit der Gläubigen und schädlich für die Schönheit des Bauwerks erklärt. Man entschloß sich, die Westportale freizulegen und die Buden entlang des Seitenschiffes anzuordnen. Um sie den Blick zu entziehen, entwarf Meister Johann Goetz die Arkaden in gotischen Geschmack. Diese Galerien entstanden 1772-1778 und stellen für die Barockzeit eine erstaunliche Leistung archälogischer Harmonisierung dar. Ausstattung
Die astronomische Uhr
Die astronomische Uhr ist ein spektakuläres mechanisches Werkr. Sie wurde 1547 und 1550 begonnen und 1574 vollendet. Diese Uhr entwarf Konrad Dasypodius und David Wolkenstein, die Ausführung erfolgte durch den Schweizer Uhrmacher Isaak und Josias Habrecht, die Ausschmückung entstand nach den Entwürfen von Tobias Stimmer. Diese astronomische Uhr ist das einzige Zeugnis aus der Reformationszeit, das sich im Innern des Münsters erhalten hat. 1838 baute Jean-Baptiste Schwilgue ein neues Uhrwerk ein.
Die Orgel
Die Musik spielte im Leben Strassburgs von je eine bedeutende Rolle; am Münster wirkten berühmte Kapellmeister wie Ignace Pleyel. So legte man schon recht früh auf die Orgel besonderen Wert, die immer wieder verändert und verschönert wurde. Ein erstes Instrument stiftete Ulrich Engelbrecht um 1260; ein zweites wurde 1292 eingeweiht, ein drittes 1327.
1714 baute Andreas Silbermann neue Register ein, 1893 wurde das Instrument romanisch verändert.
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Monumente der Gotik 1. Straßburg. Das Münster von Benoit Van den Bosche Das Strassburger Münster von Roland Recht Verlag Müller und Schindler
http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/strassburg/st_mst.htm http://www.badenpage.de/strasbourg/muenster.html
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Gunter, 2001, Das Strassburger Münster, München, GRIN Verlag GmbH
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am Monday, March 12, 2007-