Paulo Freire - zur Person
Hier beziehe ich mich auf Stöger Peter (1996): Paulo Freire. In: Kontakte XIV (1996, Heft 1), S. 24 - 50 und
Stöger Peter (1997): Paulo Freire - ein Nachruf. In: Kontakte XV (1997, Heft 1), S. 69 - 74
ð 1921 als Sohn eines Militärpolizeibeamten in Recife geboren (Recife ist Mittelpunkt einer Elendsprovinz in Brasilien).
ð Sein Vater war sein erster Lehrer. Von ihm lernte er den Grundsatz des gegenseitigen Respekts zwischen Lehrer und Schüler.
ð 1929: Die Weltwirtschaftskrise bringt die Familie in große Bedrängnis. Er muss erfahren was Hunger ist, was der Hunger der Entwicklungs- und Lernfähigkeit antut.
ð Der Elfjährige legt ein Gelübde ab, "sein Leben dem Kampf gegen den Hunger zu widmen." 1
ð Freire studierte Jura, gab seine Tätigkeit als Rechtsanwalt aber auf als er entdeckte, "daß das Recht das er studiert hatte, das Recht der Eigentümer gegen die Habenichtse war." 2 Er wird Sekundarschullehrer und sammelt wertvolle Erfahrungen mit Kindern und Eltern. Die Erkenntnis der sozialen Lage "schärften sein Bewußtsein der Umwelt und vertieften die Einsicht, daß der Lehrer in erster Linie vom Volk lernen müsse." 3 Er erkannte die Notwendigkeit der Anschaulichkeit, immer vom praktischen Beispiel auszugehen und abstrakte Begriffe induktiv zu erarbeiten. (Leitfaden für sein beginnendes Alphabetisierungsprogramm)
ð 1944: Er heiratet die Volksschullehrerin Elza María Costa. Aus dieser Ehe sind fünf Kinder hervorgegangen.
1 Stöger Peter (1997): Paulo Freire - ein Nachruf. In: Kontakte XV (1997, Heft 1), S. 69
2 Ebd. S. 69
3 Ebd. S. 69
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ð 1946 - 1954: Vorstand der Abteilung für Erziehung und Kultur der SESI (Servico Social da Industria von Pernambuco); verschleiertes, domestizierendes Ziel: Den Arbeitern helfen, aber nicht an den Strukturen rütteln.
ð ab 1947: Alphabetisierungskurse in Slums und Landarbeitersiedlungen; >Bewegung für Volkserziehung<: auf die unmittelbaren Lebensbedürfnisse abgestimmten Materialien ersetzen die bislang entfremdeten Unterlagen; ð 1955: Lehrtätigkeit an der Escola de Belas Artes (Uni Recife); Intensive Zusammenarbeit mit der Katholischen Universitätsjugend, die sich für die Rechte der Bewohner der favelas (Slum; Elendsviertel) einsetzten. ð 1959: Doktorat - Dissertation über das Unterrichten von Erwachsenen und Analphabeten;
ð Ende der 50er Jahre: Regierungsprogramm: "Allianz für den Fortschritt" "Die Annahme von Entwicklungshilfegeldern war mit der Auflage von Reformen verbunden." 4 Dieses Konzept war ohne tiefgreifende Absichten für eine Umwandlung zu einem Mehr an sozialer Gerechtigkeit. Grundlegendste Bildungsfragen wurden nicht gelöst - Analphabetentum und große Quote von Schulabbrechern blieb bestehen. "Nur zu oft wurde vergessen, daß die lateinamerikanischen Länder junge Nationen mit einer uralten Kultur sind." 5 Die systematische Ausbeutungspolitik hatte den Menschen koloniale Sprach- und Denkweisen aufgezwungen. Mit Paulo Freire sind Konzepte entstanden, die die traditionellen Bildungsvorstellungen nicht mehr weitertragen wollten. Die >Kultur des Schweigens< sollte ein Ende haben.
ð 1960 - 1963: Gründung von Kulturzirkeln zur Alphabetisierung; Nationale Alphabetisierungskampagnen wurden von kirchlichen Kreisen unterstützt. Im Erzbischof von Recife, Dom Helder Camara, fand Freire einen kongenialen Partner. Im Jahre 1962 genehmigte der Bürgermeister von Recife ein Erwachsenenalphabetisierungsprogramm unter der Leitung von Paulo Freire. Damit begann die erste große Kampagne.
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Stöger
Peter (1996): Paulo Freire. In: Kontakte XIV (1996, Heft 1), S. 27
5 Ebd. S. 27
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ð 1964 wurden die Alphabetisierungskampagnen durch den Militärputsch gestoppt. Wäre dies nicht passiert hätte man in den rund 20.000 Kulturzirkeln an die 2 Millionen Menschen alphabetisiert - dies wären 2 Mio. zusätzliche Wähler gewesen! Freire blieb vorerst in Brasilia. Als er nach Recife zurückkehrte wurde er verhaftet (75 Tage Arrest). Nach seiner Entlassung wurde er für weitere Verhöre nach Rio geschickt. Schließlich suchte er in Bolivien um Asyl an, dort gab es jedoch einen Monat später einen Putsch. Freire emigrierte nach Chile. Unter Eduardo Frei und Salvador Allende wurde er UNESCO Beauftragter. ð 1969/70: Gastdozentur in Harvard
ð 1970: Berater für Bildungsfragen beim Ökumenischen Weltrat der Kirchen in Genf; Weiters leitete Freire ein Institut (Institut d'Action Culturelle), das sozial-und kulturpolitische Entwicklungsmodelle ausarbeitete. Freire wurde Mitglied des UNESCO Konsultativkomitees für Alphabetisierung. ð 1975: Ehrendoktorat an der Uni Löwen
ð Mitte der siebziger Jahre wirkte Freire in ehemals portugiesischen Kolonien, wie in Sao Tome und Guinea Bissau.
ð Im Jahre 1979 kehrte Freire nach Brasilien zurück. Lehrtätigkeit an zwei Universitäten in Sao Paulo; Mitarbeit in der Erzdiözese Sao Paulo; ð 1980: Kulturminister der Arbeiterpartei im Bundesstaat Sao Paulo ð 1986 erhielt Freire den UNESCO-Preis für Friedenserziehung. ð Bis zu seinem Tod, am 2. Mai 1997, war Freire als Professor an der Katholischen Universität von Sao Paulo tätig.
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Arbeit zitieren:
Claudia Ladner, 2003, Grundzüge der Befreiungspädagogik Paulo Freire, München, GRIN Verlag GmbH
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