Reformen in Preussen
Bereits vor den erzwungenen Reformen in den Rheinbundstaaten hatte Preussen staatliche Reformversuche unternommen, die durch die revolutionäre Entwicklung in Frankreich eine Beschleunigung erhielten. Reformwillige Staatsmänner konnten umfassende Reformpläne erst nach der Niederlage preussischer Truppen bei Jena und Auerstedt und dem fluchtartigen Rückzug, der zum militärischen und moralischen Zusammenbruch führte, durchsetzen. Ein neuer Geist sollte den absolutistischen Untertanengehorsam ablösen. Zu den Reformern gehörte der Freiherr von Stein, von Hardenberg und der General von Scharnhorst. Reformen waren die Aufhebung der persönlichen Bindung der Bauern an ihre Herren (1807), 1811 wurde eine Bodenreform durchgeführt sowie eine Heeresreform (1808 - 1814). Es wurden neue Volksschulen errichtet, an der in Berlin gegründeten Universität lehrten Professoren wie Fichte und Schleiermacher, Autoren der Romantik. Der Untergang Napoleons und der Wiener Kongress
Immer wieder regte sich jedoch Widerstand gegen Napoleon, in Deutschland riefen Flugblätter zum Kampf auf. Nach Napoleons Niederlage in Russland wurde in Preussen zum Krieg gegen den ,,fremden Unterdrücker" aufgerufen. Freiwillige aus allen Volksschichten meldeten sich zu den Waffen, viele mit dem Ziel der Gründung eines einheitlichen deutschen Staates. Es folgten die Freiheitskriege von 1813 - 1815, bei denen auch Romantiker wie Theodor Körner teilnahmen. Napoleon wurde 1815 bei Waterloo von der europäischen Großmächten besiegt. Im Wiener Kongress von 1814 / 1815 finden sich nun die Verbündeten zusammen, um über die Zukunft Europas zu debattieren. Dabei wurden die Hoffnungen vieler Deutscher nach einem vereinten Deutschland enttäuscht. Europa sollte nach dem Prinzip der Restauration umgestaltet werden (Maßgebend daran: der österreichische Staatsminister Metternich), d.h. eine Wiederherstellung der Zustände vor der Revolution. Ein vereintes Deutschland war nicht vorgesehen, da eine Verschiebung des Gleichgewichts in Europa befürchtet wurde, welches auf den fünf Großmächten Russland, England, Frankreich, Preussen und Österreich aufbaute. Die meisten Kongressteilnehmer teilten die Ansicht, die Deutschen bildeten trotz der vaterländischen Begeisterung der Befreiungskriege keine Nation. Stattdessen einigte man sich auf einen ,,Deutschen Bund", der aus einem ständigen Kongreß der Gesandten der deutschen Einzelstaaten bestand und 41 souveräne Staaten mit internationalem Charakter zusammenführte.
Widerstand gegen das reaktionäre System
Im deutschen Bund wurden die freiheitlichen und nationalen Hoffnungen nicht erfüllt. Dies führte dazu, dass eine oppositionelle Bewegung entstand, zu der z.B. die Jenaer Burschenschaft gehörte. Am 18. Oktober 1817 fand das Wartburgfest statt. Hierbei versammelten sich ungefähr 500 Burschenschaftler auf der Wartburg, um das Andenken an die Reformation und die Leipziger Völkerschlacht zu feiern. Gegen die Studenten wurde scharf vorgegangen. Als 1819 der fanatische Theologiestudent und Burschenschaftler Karl Sand den konservativen und in russischen Diensten stehenden Schriftsteller August von Kotzebue ermordete, reagierten die restaurativen Kräfte mit den Karlsbader Beschlüssen. Diese beinhalteten das Verbot der Burschenschaften, die Verfolgung der Demagogen, die Überwachung der Presse und Universitäten sowie die Zensur zahlreicher Schriften. Die Presse- und Versammlungsfreiheit wurde ebenfalls eingeschränkt. Diese Maßnahmen sollten alle Freiheitsbestrebungen ersticken. Dennoch ließ sich der kritische Geist der Opposition nicht zähmen und stellte weiterhin Forderungen. 1830 fand in Frankreich die sogenannte ,,Juli-Revolution" statt, welche auch Auswirkungen auf die deutschen Staaten hatte und somit den ,,Vormärz" (Zeit vor der Märzrevolution von 1848) einleitete. Die vorher genannten Karlsbader Beschlüsse hatten jedoch auch zur Folge, dass sich zahlreiche ,,Untertanen" ins Private zurückzogen und sich der Kunst, Literatur und Familie widmeten. Dieses verbreitete Lebensgefühl bezeichnet man als Biedermeierzeit, in welcher die Romantik auch weitgehend endet. Als letztes bedeutendes Ereignis möchte ich noch das Hambacher Fest von 1832 nennen. Hierbei kamen etwa 32000 Menschen, überwiegend Liberale, zusammen, um für ein geeintes Deutschland zu demonstrieren.
Die Romantik im Bezug auf ihren geschichtlichen Hintergrund
Neben anderen geistigen Strömungen innerhalb der ,,deutschen Bewegung" hat insbesondere die Romantik mit ihrer Rückbesinnung auf die Geschichte, der Entdeckung des Volkstums, der Ablehnung des Kosmopolitismus (= Welbürgertum) und der Bejahung einer jeweils individuellen, historisch bedingten Staatsnation dazu beigetragen, ein deutsches Nationalbewusstsein zu fördern. Deutschen Volksmärchen und Sagen, der deutschen Sprache widmen sich die Gebrüder Grimm. Seinen elementaren Hass schleudert Kleist der französischen Fremdherrschaft entgegen. Der Stolz auf die Größe kultureller Leistungen wollte staatliche Zersplitterung und polititsche Ohnmacht des deutschen Volkes nicht länger dulden. Je intensiver Napoleons Hegemonialpolitik empfunden wurde, desto stärker wurden die Rufe nach der Errichtung eines machtvollen Staates. In seinen Schriften und Liedern bereitete Arndt die Erhebung Preussens gegen die napoleonische Fremdherrschaft vor. Auch die großen preussischen Reformer Stein, Scharnhorst und Gneisenau waren in erster Linie deutsche Patrioten. Napoleon wurde, wie bereits vorher genannt, zum verhassten Unterdrücker. Empörung gegen die napoleonische Fremdherrschaft steigerte das deutsche Nationalbewusstsein, förderte am nachhaltigsten die Entstehung des deutschen Nationalismus, der auch später auf dem Hambacher Fest und bei der allgemeinen Empörung über die Forderung des linken Rheinufers durch Frankreich 1840 wieder hervortrat. In der hohen Politik kann auch der preussische König Friedrich Wilhelm IV der Romantik zugerechnet werden, da dieser sich sehr den Künsten zugewandt fühlte und zahlreiche Schlösser und Burgen sowie den Speyrer Dom nach mittelalterlichem Vorbild restaurieren ließ. Insgesamt hatte er von Deutschland eher romantische, anachronistische Vorstellungen, wie auch die Wiederherstellung des Deutschen Reiches nach mittelalterlichem Vorbild. Er benutzte außerdem die nostalgische Schreibweise ,,Teutschland".
Arbeit zitieren:
Andre Gschwind, 1999, Die Romantik - politische und historische Hintergründe, München, GRIN Verlag GmbH
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